Verfasst von: liefland | Februar 9, 2010

Svētdienas Rīts übersetzt von Johannes Baumann

Im Jahre 2009 feierte Johannes Baumann ein besonderes Jubiläum:

Seit 20 Jahren übersetzte er Beiträge von Svētdienas Rīts ins Deutsche.

Seine umfangreichen, in einem Anhang kundig kommentierten Auszüge

schickte er an zahlreiche Freunde in Deutschland und ganz Europa.

Ab diesem Jahr finden sich seine Übersetzungen nun auch hier im Netz

- und wir hoffen, daß sie hier noch viele an Lettland interessierte Leser

in den deutschen Ländern über die Ereignisse in der lettischen Kirche

und darüberhinaus in Lettland insgesamt informieren können.

Johannes Baumann ist Kirchenmusikdirektor i.R.  Aus Riga stammend,

hat er sowohl deutsche als auch lettische Wurzeln. Als intimer Kenner

beider Kulturen vermag er bestens zwischen den Völkern zu vermitteln.

Heute lebt Baumann in Osterholz-Scharmbeck in der Nähe von Bremen.

Auch von seiner neuen Heimat aus fördert er die lettische Evangelisch-

Lutherische Kirche und hat für seine zahlreichen Verdienste in Lettland

unter anderem den Triju-Zvaigžņu-Orden ( Drei- Sterne – Orden)

erhalten.
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Verfasst von: liefland | November 11, 2011

Ausgabe Nr 10 (1852) vom 15. Oktober 2011

IIn Christus haben wir Freimut und Zugang zu Gott in aller Zuversicht durch den Glauben an ihn. Epheser 3,12

Auszüge aus Svētdienas Rīts, Zeitung der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, herausgegeben von ICHTYS GmbH, erscheint seit Januar 1920.
17. Sonntag nach Trinitatis Ausgabe Nr 10 (1852) vom 15. Oktober 2011

Mitteilung an die treuen Leser der Kirchenzeitung „Svētdienas Rīts“ .
Auf Grund der Finanzlage der ELKL und eines Beschlusses des Kapitels der ELKL vom 21.09.2011 wird mit dem Jahr 2012 das regelmäßige Erscheinen und die Möglichkeit des Abonnements der Kirchenzeitung der ELKL Svētdienas Rīts eingestellt. Auf der Suche nach einer Lösung für die Fortsetzung der Arbeit an unserer Kirchenzeitung und deren Fortbestand bitten wir auch Sie um Ihre Hilfe durch Spenden.

Spalte der Chefredakteurin Inga Reča
„Nun, was gibt es – was wollen wir tun?“
Heute, als wir die Druckvorlagen für die laufende Ausgabe unserer Kirchenzeitung fertig stellten, klingelte das Telefon in der Redaktion ohne Unterbrechung. Wenn wir uns meldeten, dann hörten wir nur eine einzige Frage: „Was ist geschehen? Weshalb finde ich im neuen Katalog, in dem auf die Abonnierungsmöglichkeiten von Presseerzeugnissen hingewiesen wird, Svētdienas Rīts nicht mehr?“ Und wir Mitarbeiter müssen immer wieder geduldig erklären, dass dieses durch die Finanzlage unserer Kirche und durch einen Beschluss des Kapitels vom 21. September 2011 verursacht worden ist, der besagt: „Das regelmäßige Erscheinen unserer Kirchenzeitung Svētdienas Rīts und die Möglichkeiten zum Abonnement werden ab dem Jahr 2012 eingestellt.“
Ich habe bereits mehrfach geschrieben, dass der Marttin Luther Bund in Deutschland uns bei dem Erscheinen von Svetdienas Rits geholfen hat, sich aber jetzt nicht mehr in der Lage sieht, mir einer so freizügigen Beihilfe uns zur Seite zu stehen. Davor wurde während aller der Jahre Svetdienas Rits aus dem gemeinsamen Haushalt der ELKL finanziert Doch die bei der vorigen Synode beschlossenen Haushaltsrichtlinien sehen einen außerordentlich großen Rückgang bei der Finanzierung des Haushaltes 1012 vor. Wenn sich dieser Rückgang weiter fortsetzen sollte, dann werden wir davon ausgehen müssen, dass wir sogar die Internet Ausgabe unserer Kirchenzeitung streichen müssen.
Wir haben Spender im Ausland um ihre Hilfe gebeten, aber mit deren Antwort werden wir uns noch gedulden müssen.
Doch was sind wir selbst zu tun bereit?
Hier in dieser Situation fehlt uns wirklich jemand wir Professor Roberts Feldmanis, nach dessen Namen am 1. Oktober eine Straße benannt worden ist. „Wo Menschen keinen Ausweg mehr sahen, wo Menschen ihre Hände sinken ließen, wo der Zweifel am Gelingen eines Vorhabens Überhand nahm – also im Augenblick der Verzweiflung und der Auswegslosigkeit – sagte Roberts Feldmanis: ‚Nun was gibt es, was wollen wir tun?’ So wies uns Feldmanis den Weg und lehrte uns durch das Vorbild seines Dienstes und tut das auch noch heute, dass Christus der Herr und der Herrscher des Himmels und der Erde ist, auch in Situationen der Ausweglosigkeit und in Zeiten, die für die Kirche anscheinend ungünstig sind.und vom menschlicher Skepsis begleitet werden. Feldmanis hat viele Gemeinden und Kirchen neu erbaut. und Gott und dem Mitmenschen gedient,“ sagte Kalme bei der Namensgebung der Straße.
Bis zum neuen Jahr sind es nur noch gut zwei Monate. Wenn Ihr, geliebte Leser bereit seid, durch Eure Spende das Weitererscheinen von Svetdienas Rits zu unterstützen, dann tut das bitte mit Gottes Hilfe!

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Bemerkung des Übersetzers: Dieser Bitte von Inga Reča schließe ich mich aus ganzem Herzen an, danke sehr herzlich für alle eingegangenen Spenden, die der Zeitung bisher zum Überleben entscheidend geholfen haben, und gebe zur Sicherheit das Konto in Deutschland an, durch das wir unseren Beitrag zum Überleben vom SR geleistet haben und weiter leisten können:
Martin Luther Bund
Konto Nr.: 12304
Bankleitzahl: 763 500 00 Sparkasse Erlangen
Zweckbestimmung: Zeitung Lettland (Bitte unbedingt angeben).

Zum ersten Mal in der Geschichte des unabhängigen Lettlands wird eine Straße nach einem lutherischen Pfarrer benannt.
Ilmārs Rubenis, Pfarrer der Kirchengemeinde Mežaparks
Die Straße, auf der sich die Gustav Adolf Kirche befindet, in der die geistliche Erneuerung in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts ihren Anfang genommen hatte, wurde am 1. Oktober nach Pfarrer Roberts Feldmanis benannt.und heißt von nun an Mācītāja Roberta Feldmaņa iela (Pfarrer Roberts Feldmanis Straße). Bei dieser Feier wandten sich Erzbischof Jānis Vanags, der Vizebürgermeister von Riga Andris Ameriks, Pfarrer Dr. Guntis Kalme und der Abgeordnete des Rates der Stadt Riga Pfarrer Jānis Šmits mit Ansprachen an die Anwesenden. Mit musikalischen Beiträgen und persönlichen Erinnerungen an Roberts Feldmanis trugen die Musiker Ieva Akurātere und Kaspars Dimiters viel zur Programmgestaltung bei. Abschließend versammelten sich alle um den traditionellen Gemeinschaftskringel zu Gesprächen und zum Austausch von Erinnerungen an Roberts Feldmanis. Mit diesem Geschehen wurde eine weitere Seite in der Geschichte unserer Kirche aufgeschlagen.
Auf ihr werden spätere Generationen lesen können, auf welche Weise wir bestrebt waren, das Wort aus der Heiligen Schrift in die Wirklichkeit umzusetzen: „Gedenkt an eure Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben; ihr Ende schaut an und folgt ihrem Glauben nach.“ (Hebräer 13,7)
Es war das Beispiel, das uns Pfarrer Roberts Feldmanis vorlebte und wie er seinem Herrn und Heiland Jesus Christus nachfolgte, das uns den Anlass gab, ihn besonders hervor zu heben. Gott hat unserer Kirche viele bedeutende und begabte Diener Seines Wortes beschert, und dennoch ist Pfarrer Roberts Feldmanis durch den Umfang und die Auswirkungen seines Dienstes eine ganz besondere Persönlichkeit, denn sein Einfluss reichte bedeutend weiter als bis zu seinen nicht großen Gemeinden, und wirkte sich auf unsere ganze Kirche aus. Das machte sich ganz besonders bei der Einführung einer ganzen Generation junger Pfarrer (der geistlichen Söhne und Töchter von Roberts Feldmanis) in das Pfarramt eindrucksvoll bemerkbar und macht ihn vorläufig zum Einzigen, dem Gott diesen Dienst in unserer Kirche bisher anvertraut hat. Das Gotteshaus von Mežaparks wurde zu einem Zentrum dieser geistlichen Erweckung und zu einer Stätte der Begegnung für viele. Deshalb ist es begründet, die Straße, auf der sich dieses Gotteshaus befindet, nach Roberts Feldmanis zu benennen.
Zu diesem Vorgang sagte der Erzbischof, dass wir damit nicht die Persönlichkeit des Pfarrers Feldmanis verehren möchten, sondern das Beispiel seiner Nachfolge und Zugehörigkeit zu Jesus Christus. „Wir gedenken heute an Roberts Feldmanis. An ihm können wir sehr gut erkennen, dass er eigentlich ein Werkzeug Gottes war, das Christus geformt hatte. Diese Namensgebung ist eigentlich ein Gebet, ein Gebet darum, dass sich dieser Straße nichts Böses näherte, und dass sich denjenigen, welche auf dieser Straße gehen, Gott und Seine Engel an die Seite stellten. Dass die Menschen, die auf dieser Straße ihren Weg beginnen, mit dem

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Verständnis und der Erkenntnis beschenkt werden möchten, dass dieser Weg sie zu Gott näher heran bringt, da er ja zum Gotteshaus hinführt, in dem Roberts Feldmanis seinen Dienst getan hat, dessen Weg Jesus Christus war.“
Und dennoch blieb der Einfluss von Roberts Feldmanis nicht bei den Grenzen seiner Gemeinden stehen. Zur Kirche von Mežaparks fanden sehr unterschiedliche Menschen hin. Viele von ihnen wurden später Pfarrer, Angestellte im öffentlichen Dienst, Politiker, die sich weiterhin des Einflusses von Feldmanis auf ihr persönliches Leben, auf die Kirche und auch auf unser Volk bewusst sind.
Der Vizebürgermeister von Riga Andris Ameriks hob in seiner Ansprache besonders den Aspekt des Dienstes von Roberts Feldmanis hervor, der vorwiegend außerhalb der Kirche zu sehen und zu bemerken ist. „Heute haben wir ein Fest nicht nur für die Gemeinde und für die Kirche, sondern ein Fest für die ganze Stadt, denn wir haben eine Straße hinzu bekommen, die nach einem Menschen benannt wurde, der sich zu seiner geistlichen Haltung bekannt hat. Der damals, als dieses nicht gestattet war, alles getan hatte, um Menschen zu Gott zu führen. Professor R. Feldmanis ist in der lutherischen Kirche und auch in der Geschichte Rigas einer von denjenigen, die großen Dank von uns allen verdient haben. Das hat der Rat der Stadt Riga zu würdigen gewusst und auch deshalb diese Initiative gefördert.“
In seiner Ansprache erinnerte Pfarrer Dr. Guntis Kalme daran und hob hervor, mit wie vielen Bezeichnungen wir den Dienst von Roberts Feldmanis beschreiben könnten. Er war Pfarrer, ein hervorragender Liturg, ein Prediger von großer Tiefe, der seine Zuhörer auch begeistern konnte, er war Kirchenhistoriker, Missionar, geistlicher Vater, Beichtvater, Beter, ein Erbauer von Gemeinden und Kirchen und unser Kirchenvater. Und dennoch hatte er noch eine weitere Fähigkeit, die ihm Gott geschenkt hatte. Das war die Fähigkeit, die eigentlich jeder Führerschaftstheorie widerspricht und sich nicht mit irgendeinem Leiterprinzip vereinigen lässt. „Wo Menschen keinen Ausweg sahen, wo sie ihre Hände sinken ließen, wenn der Glaube an das Misslingen eines Vorhabens Überhand nahm – also in Augenblicken der Bestürzung und der Ausweglosigkeit – sagte Feldmanis: „Nun, was gibt es, was wollen wir tun?“ Auf diese Weise zeigte uns Feldmanis und lehrt uns bis heute durch sein Beispiel, dass Christus der Herr und Herrscher des Himmels und der Erde ist. In Situationen der Ausweglosigkeit und in für die Kirche „ungünstigen Zeiten“, die von menschlicher Skepsis ständig begleitet werden, baute Feldmanis Gemeinden und Kirchen neu auf und diente Gott und den Mitmenschen. Pfarrer Kalme erinnerte daran, dass diese Namensgebung deutlich macht, wie wir den beispielhaften Dienst von Roberts Feldmanis bewerten, und dass wir bereit sind, ihn als kostbares und wertvolles Erbe an kommende Generationen weiterzugeben.
Der Abgeordnete des Rates der Stadt Riga und Pfarrer Jānis Šmits wies in seiner Ansprache nach, wie Pfarrer Roberts Feldmanis von Menschen am Rande der Kirche und der Gesellschaft beurteilt wurde. Auch gleichgültige und heiße Gegner, bedeutende Vertreter der Kirche und Gesellschaft und einfache Leute beurteilten Feldmanis auf ihre Weise. Das taten ebenfalls die Vertreter der sowjetischen Besatzungsmacht, die für die Verfolgung der Leute zuständig waren, die sich treu zu Gott hielten. Die Informationsabteilung der Sowjetrepublik Lettland beurteilte den Dienst von Roberts Feldmanis folgendermaßen: „Der Pfarrer der lutherischen Kirche und Professor am Geistlichen Seminar ist gegenüber der bestehenden Ordnung negativ eingestellt. Nach der Ansicht unserer Berichterstatter arbeitet er auf ein neues Wachstum der Kirche hin dadurch, dass er die gläubige Jugend der lutherischen Kirche, der faktisch die mittlere Generation total abhanden gekommen ist, seinem Einfluss unterwirft.
Etwa 80% aller Studenten des Geistlichen Seminars kommen aus der Kirchengemeinde
Mežaparks, die von Feldmanis geleitet wird, und befinden sich auch sonst unter seinem

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direkten Einfluss. Es findet eine sorgfältige Auslese der Studenten des Seminars statt mit dem Ziel, dass keiner von ihnen rot sein sollte, dass es ordentliche Menschen seien, aus denen sich die Pfarrerschaft der Zukunft zusammensetzt.“ So bewertete die Tscheka den Dienst von Roberts Feldmanis, was sehr deutlich unterstreicht, dass Feldmanis durch seine treue Christus Nachfolge damals nicht nur die Kirche sondern die ganze Gesellschaft wesentlich prägte und das auch noch heute tut.
Durch sein Leben machte Feldmanis deutlich, dass heute jeder die Möglichkeit hat, sich dort einzusetzen, wo es geht, und wobei nichts davon unbemerkt und unbeurteilt bleiben wird, und sein Einsatz nicht umsonst gewesen ist, sondern ihm hundertfach vergolten werden soll. Er hat seine ganze Persönlichkeit in den Dienst Gottes, der Kirche und der Menschen gestellt. Sein Dienst und sein Vorbild durch sein Leben war für unsere Kirche und unser Volk ein unverdientes Geschenk der Gnade Gottes – dass wir ihn und seinen Dienst erleben und empfinden konnten. Dabei sei noch erwähnt, dass Feldmanis trotz seines glänzenden Wissens immer wieder betonte, dass die Furcht des Herrn aller Weisheit Anfang sei. Er betonte, dass es keine größere Weisheit gäbe als die. „welche von dem gebeugten Knie und von den gefalteten Händen ausginge“, als der Theologie, deren Weisheit wir vom allmächtigen Gott erbeten haben.
Der neue Name dieser Straße soll unsere Kirche und die ganze Gesellschaft daran erinnern, dass wir die großen Werke der Gnade Gottes hoch einschätzen, die er für unser Volk und auch für uns selbst getan hat, und dass wir es lernen möchten, Ihm nachzufolgen und uns Ihm zu ergeben. Dazu kann uns das Beispiel von Menschen, die wie Roberts Feldmanis Diener Gottes waren, eine sehr gute Hilfe sein.

Enno Haaks: „Das Wachstum der Kirchenbauten und der Kirchengemeinden ist miteinander verbunden.“ Inga Reča.
Vom 2. bis zum 5. Oktober war der Generalsekretär des Gustav Adolf Werks (GAW) Pfarrer Enno Haaks in Riga zu Gast, der während seines Besuches auch die Kirchengemeinden in Limbaži, Umurga, Augstroze, Dīkļi, Burtnieki und Āraiši besuchte, um sich davon zu überzeugen, auf welche Weise die vom GAW bewilligte Beihilfe bei der Renovierung der Kirchen genutzt worden ist. Im Laufe von 10 Jahren – von 1999 bis 2009 – hatten insgesamt 37 Kirchengemeinden vom GAW zur Finanzierung ihrer Vorhaben Beihilfen in der Höhe von 138 413 Lats (bezw. 197 733 Euro) erhalten, die zur Renovierung von Kirchen und Gemeindehäusern verwendet worden sind..
In der Kirchengemeinde Āraiši wurde das Kirchendach ausgewechselt und der Kirchturm renoviert, in der Kirchengemeinde Burtnieki das Kirchendach repariert, in der Kirche von Augstroze die 1. Etage über der Sakristei renoviert, in der Kirche von Umurga das Dach und die Holzkonstruktion des Kirchturms erneuert, in der Kirchengemeinde Dīkļi die Wände und die Decke der Kirche restauriert und in der Kirchengemeinde Limbaži die Räume des Gemeindehauses renoviert. Das sind nur einige Beispiele dafür, auf welche Weise die Beihilfen des GAW zur Finanzierung von Vorhaben unserer Kirchengemeinden genutzt worden sind.
„Ganz besonders beeindruckt und erfreut hat mich das, dass mir die Vertreter der Kirchengemeinde Āraiši sagten, dass sie künftig mit eigener Kraft die Renovierungsarbeiten an der Kirche durchführen, und damit etwas zur Einheit und zum Zusammenhalt der Gemeinde beitragen wollten. Das liegt ja auch im Wesen unseres Hilfswerks – durch unsere Hilfe bei der Renovierung kirchlicher Gebäude etwas zum Bau und zum Wachstum der Kirchengemeinden beizutragen,“ sagte der Generalsekretär des GAW zum Abschluss seines Besuches. Er sprach auch von seinem Besuch der Kirchengemeinde Augstroze, wo er kurz

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vor dem Gottesdienst die Freude hatte, sich von dem Einsatz der Evangelistin Ivanda Ceijere sowohl bei den Menschen der Kirchengemeinde als auch bei dem Gebäude des Gotteshauses zu überzeugen. Es bewegte Pfarrer Haaks sehr, die im Gotteshaus aufbewahrten Worte der Heiligen Schrift in deutscher Sprache zu sehen. Sehr eindrucksvoll war auch die Begegnung mit Pfarrer Aldis Kalcenavs in Burtnieki. „Er ist dort nicht nur der Pfarrer sondern auch ein sehr ordentlicher Arbeiter, der auch in der Lage ist, das Dach zu reparieren. Es war für mich sehr interessant, von ihm zu hören, welchen Weg er beschritten hat, um vom Gemeindeleiter zum Evangelisten und schließlich zum Pfarrer zu werden. Durch Pfarrer Kalcenavs kann man die Entwicklung der ELKL während der vergangenen 20 Jahre erkennen – einerseits ist sie eine Kirche mit einer guten Ausbildung ihrer Pfarrer und andererseits ist da die wirkliche Gemeindearbeit, die eure Pfarrer leisten müssen,“ sagte Pfarrer Haaks, als er seine Eindrücke über seinen Besuch Lettlands zusammenfasste. Sehr bewegend war für ihn auch der Besuch der Auferstehungsgemeinde in Riga. „Sehr beeindruckt haben mich die Gedenkstätten für die Deportierten, für diejenigen, die während der Zeit des roten Terrors Leid tragen mussten und für die Pfarrer, die als Märtyrer gestorben sind. Es ist sehr wichtig, dass wir sie nie vergessen.“
Doch ist es nach den Aussagen von E. Haaks und dem Leiter der Immobilienkommission der ELKL Romāns Ganiņš sehr wichtig, dass nach der Beendigung des Vorhabens die Kirchengemeinden rechtzeitig die genaue Abrechnung vorlegen und sich auch für die Beihilfe bedanken. Wie der Generalsekretär des Hilfswerks betonte, erfreuen ihn ganz besonders jene Kirchengemeinden, die ihren Abrechnungen einen Bericht darüber beigefügt haben, was sich seit den baulichen Veränderungen im Leben und in der Entwicklung der Kirchengemeinde verändert hat. „Einen herzlichen Dank dem GAW für die viele Jahre lange gute Zusammenarbeit ,“ sagte R. Ganiņš
Bei der Aussprache über die künftige Zusammenarbeit sagte der Vertreter des GAW, dass sich das Werk weiterhin bemühen würde, die von der ELKL eingereichten Vorhaben mit einem Betrag von etwa 20.000 Euro jährlich zu unterstützen: „ Die Evangelisch-lutherische Kirche Lettlands hat viele Gemeinden und viele Kirchen und einen großen Bedarf. Wie die leitenden Vertreter Ihrer Kirche sagten, würden etwa 30 Millionen Lats dringend benötigt, um alle Gotteshäuser in Ordnung zu bringen. Verglichen damit kann unsere Hilfe nur gering sein.“ Romāns Ganiņš sagte, dass es für die Kirchengemeinden wichtig sei, zu begreifen, dass der Weg eines Vorhabens von der Vorlage bis zur Bewilligung einer Beihilfe mindestens drei Jahre lang ist. „Zuerst entscheiden wir selbst, welches Vorhaben für uns vordringlich ist, und erst danach reicht die ELKL es an das GAW weiter mit der Bitte, es in das Verzeichnis der Vorhaben einzutragen, die die Förderung verdient haben. Und dann erfolgt der Prozess der Spendensammlung im ganzen deutschen Bundesgebiet, und erst dann, wenn wir den dafür notwendigen Betrag haben, geht er an die Gemeinde. Außerdem schreiben die Bestimmungen des GAW vor, dass es nicht mehr als 1/3 der Gesamtkosten als Beihilfe bewilligen darf. 2/3 davon muss die Gemeinde selbst tragen.“
Nach den Worten von E. Haaks gehört zur Regelung materieller Dinge auch der Dialog miteinander, in dem auch offen und ehrlich über die Fragen des geistlichen Lebens gesprochen werden muss. „Weil ein großer Teil von denjenigen, welche die Spenden in Deutschland sammeln, Frauen sind, wirkt sich die Haltung der ELKL gegenüber der Ordination von Frauen sehr störend auf eine vollwertige Zusammenarbeit aus.
Das Gustav Adolf Werk ist das älteste evangelische Hilfswerk Deutschlands. Es besteht seit 1832. Es ist in etwa 35 Staaten und in 40 Kirchen in Lateinamerika, Süderuropa, Mitteleuropa und Osteuropa bis hin nach Wladiwostok tätig und unterstützt dabei jährlich etwa 150 Kirchen und Gemeindehäuser bei ihrem Bau oder ihrer Renovierung.

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Pfarrer kehren in die Pfarrhäuser zurück. Inga Reča
Gegen Ende des Monats September gab es zwei beachtenswerte Vorgänge in den Kirchengemeinden Zaļenieki und Madona. Hier wurden die ehemaligen Pfarrhäuser wieder in den Kirchengemeinden als Dienstwohnungen ihrer Pfarrer in Gebrauch genommen. Das waren nicht nur Festtage für die betroffenen Kirchengemeinden, denn endlich leben ihre Pfarrer in der Nähe ihrer Gemeinden, und für die betroffenen Pfarrer Guntars Lūsītis und Hans Jensson. Diejenigen, die davon profitieren, sind viel mehr – es sind alle Kirchengemeinden in dem sogenannten Komplex der Kirchengemeinden, denn beide Pfarrer verrichten ihren Dienst in mehreren Kirchengemeinden, und außerdem ist Hans Jensson auch noch der Propst der Propstei Madona. Man kann ganz bestimmt behaupten, dass zugleich mit der Weihe dieser Dienstgebäude auch die betroffenen Kirchengemeinden eine Wiedergeburt erleben, denn die beiden Pfarrhäuser werden auch anderen Aktivitäten der Kirchengemeinden dienen. Und zweifellos ist die persönliche Anwesenheit eines Pfarrers auch für die Leute wichtig, die in diesen Orten wohnen.
Das Bestimmende sind nicht die materiellen Probleme, sondern ist die Fähigkeit, sich zu einigen.
Der Vorsitzende der Immobilienkommission der ELKL Romāns Ganiņš ist mit dem Geleisteten sehr zufrieden: „Endlich ist geschehen, was in Komplexen von Kirchengemeinden auf dem Lande geschehen musste – es sind Dienstwohnungen für Pfarrer entstanden, wo die Pfarrer hinziehen und bei den ihnen anvertrauten Gemeinden leben können. Lange Jahre haben wir dafür gekämpft, dass drei wichtige Dinge geschehen sollten, um dem Evangelium die Möglichkeit zu eröffnen, sich auszubreiten , dass ein Pfarrer vollzeitbeschäftigt ist, dass er bei seinen Kirchengemeinden leben kann und dass er Menschen vorbereiten kann, Jünger Christi zu werden. Bei der Weihe der neuen Wohnstätte von Pfarrer Guntars Lūsītis war es sehr schön und angenehm, zu sehen und zu hören, dass die Vertreter am Ort sich dessen voll bewusst waren, und das auch bei der Gestaltung dieser Dienstwohnung deutlich wurde. In diesem Falle zog Pfarrer Lūsītis mit seiner Familie von Riga nach Zaļenieki, um in der Region leben zu können, in der er seinen Dienst tut.“
Wie Pfarrer Lūsītis es selbst zugab, hatte man an dieser Frage mehrere Jahre lang gearbeitet. Er hatte die vielen Kirchengemeinden, die er betreute, darum gebeten, eine Lösung für die Wohnmöglichkeit ihres Pfarrers zu finden. Es gab verschiedene Überlegungen in die Richtung eines Hauskaufes, doch am Ende blieb es bei dem Pfarrhaus in Zaļenieki, das noch in einem diskutablen Zustand ist, und bei dem nur noch die Pfarrwohnung renoviert werden musste.
Nach den Worten von R. Ganiņš waren die den Prozess Bestimmenden nicht die materiellen Probleme – also woher man das Geld bekommen könnte – sodern die Fähigkeit der Kirchengemeinden, sich darauf zu einigen, auf dem Boden welcher Kirchengemeinde ihr gemeinsamer Pfarrer künftig wohnen sollte. „Es ist mir eine große Freude, dass die Kirchengemeinden zu einer gemeinsamen Lösung gekommen sind und in dieses Pfarrhaus etwas über 14.000 Lats investiert haben. Einen herzlichen Dank allen Spendern vor Ort und denjenigen, die sich mit ihrer Arbeitskraft dem Vorhaben zur Verfügung gestellt haben. Die Renovierung der Wohnung ist von hoher Qualität.“ Neben dem Einzug der Pfarrfamilie hat die Kirchengemeinde auch den Plan, im Pfarrhaus auch Räume für die Sonntagsschule
auszubauen. Auch weitere Räume dienen bereits der Kirchengemeinde für verschiedene Veranstaltungen. „Wenn ich sehe, wie erfolgreich die Kirchengemeinde an dieses Vorhaben herangegangen ist, dann bin ich davon fest überzeugt, dass sie damit weiterkommen wird.“ Davon ist Ganiņš überzeugt.

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Wenn ein Pfarrer „bereit“ ist, dann ist auch die Kirchengemeinde „bereit“.
„Ich bin sehr glücklich über den geistlichen Prozess, der damit einsetzte, dass ich der erste Pfarrer seit 70 Jahren bin, der in diesem Pfarrhaus Prauliena wieder zu leben beginnt. Dass sich hier wieder die Kultur eines Pfarrhauses entwickeln kann, wie ich sie in meiner Kindheit in Schweden erlebt habe. Die Kirchengemeinde Madona hat kein eigenes Gemeindehaus, aber dieses wird der Ort sein, an dem sich die Gemeinde versammeln kann,“ gibt der Propst der Propstei Madona Hans Jensson zu bedenken.
Während der sowjetischen Besatzungszeit war das Pfarrhaus Prauliena ein Internat für Schulkinder und auch in Wohnungen aufgeteilt. Lange Jahre hat die Kirchengemeinde dort humanitäre Hilfe gelagert und während der letzten Jahre wurde mit der Hilfe einiger europäischer Vorhaben hier eine Lagerstätte eingerichtet. „Zu Beginn meines Dienstes hat die Kirchengemeinde für mich in der Stadt eine Wohnung gemietet, die mich zuerst gar nicht ansprach. Aber ein von der Immobilienkommission veranstaltetes Seminar ließ mich nachdenklich werden und mich erkennen, dass ich hier in der Nähe meiner Gemeinde leben müsste. Und jetzt investiert die Kirchengemeinde das Geld, das sie damals für meine Wohnungsmiete aufgebracht hat in ihren eigenen Besitz. Als ich sagte, dass ich bereit sei, in das Pfarrhaus umzuziehen, und die Gemeinde sagte, dass sie bereit sei, alles zu tun, damit das geschehen konnte, da hat die Gemeinde seitdem eine große Arbeit geleistet, hat die Kanalisierung und die Wasserzufuhr in Ordnung gebracht, die Öfen umgebaut und die Räume renoviert. Es bleibt nur noch wenig zu tun übrig, bis der Pfarrer gegen Ende des Oktobers hierher umziehen und hier beständig leben können wird. Bei der Weihe des Pfarrhauses wurde allen herzlich gedankt, die für das Vorhaben Gebetet und die mit Hand angelegt haben – ganz besonders dem Gemeindeleiter Ivars Dzenis, dem Evangelisten Guntars Paeglis, der Leiterin der diakonischen Arbeit in der Kirchengemeinde Rudīte Kumsāre. Es bleibt noch vieles zu tun, um das Begonnene fortzusetzen, aber die Menschen in Madona haben viel Schaffenskraft.
Der Pfarrer bewohnt die erste Etage des Pfarrhauses, aber das Erdgeschoss soll den Bedürfnissen der Gemeinde und des Lagers dienen. „Das ist sehr gesund, mitten in der Arbeit zu leben, und ich werde auch viel körperliche Arbeit zu leisten haben, die mich in Bewegung halten und mich besser fühlen lassen,“ gibt der Pfarrer zu. Er hat keine Angst davor, dass er zum nächsten Geschäft nicht mehr nur die Straße zu überqueren braucht, sondern einige Kilometer zurücklegen muss. „Man muss sich disziplinieren.“
Glaube ist möglich.
Nach den Worten von Romāns Ganiņš steht die Einrichtung von Pfarrhäusern in der Nähe ihrer Gemeinden ganz am Anfang. „Größere Kirchengemeinden haben damit keine Probleme. Sie können für die Wohnung ihres Pfarrers aufkommen entweder durch wirtschaftliche Einkünfte oder durch Spenden. Die Landgemeinden haben damit große Probleme, und wenn eine Kirchengemeinde es nicht schafft, dann müssen sich drei oder vier verschiedene Kirchengemeinden miteinander einigen. Die Probleme liegen nicht bei dem Besitz, sondern bei ihrer Unfähigkeit, zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen. Wir arbeiten mit den Kirchengemeinden, um sie bei diesem Prozess zu begleiten. Auch die materielle Fähigkeit ist in mindestens 90 % aller Fälle bei der Verpachtung von Grundbesitz oder bei der Bearbeitung des Waldbesitzes rein technischer Natur, so dass man diese Fragen fast überall lösen kann. Aber mit dem Glauben und der Hilfe Gottes ist alles möglich, wenn wir einmütig sind.
Die beiden Ereignisse am Ende des Monats September machen es beispielhaft auch anderen Kirchengemeinden deutlich, welche die Wohnungsfrage ihres Pfarrers noch nicht gelöst haben, denn es ist schwer, die Freude mit Worten zu beschreiben, die die Augen der Leute auf

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dem Lande ausstrahlt, wenn sie stolz verkündigen können: „Unser Pfarrer wohnt jetzt bei uns!“

Die 10. Fahrt von Svētdienas Rīts – dieses Mal zur Venta und nach Ventspils.
Ingrida Briede
Wer hätte es wohl gedacht, als wir im Mai 2010 von Svētdienas Rīts aus unsere erste Reise auf den Spuren Luthers veranstaltet hatten, dass daraus eine neue Gemeinschaftsbewegung werden würde, bei der die Leserschaft von SR, die sich aus Mitgliedern verschiedener Kirchengemeinden aber auch aus Menschen zusammensetzt, die keiner Kirchengemeinde angehören jedoch dem Christentum und den Christen gegenüber offen sind, und mit großer Freude einander an den verschiedenen Ecken Lettlands besuchen und sich auch auf den Weg machen, wie es in diesem Jahr bei der zweiten Fahrt auf Luthers Spuren geschehen ist, die uns mit Brüdern und Schwestern im Glauben in Deutschland, Tschechien, Polen, Litauen und St. Petersburg zusammenführte. Es ist mir eine große Freude, dass wir auf diese Weise auch etwas zur Stärkung der Einheit im Glauben beitragen können und der Gemeinschaft unter den verschiedenen Kirchen beitragen können. Dass wir einander sehr nahe gekommen sind und lieb gewonnen haben machte auch der lange Weg bei unserer vorigen langen Fahrt nach Ventspils deutlich, bei der die Zeit so schnell verging, dass wir es kaum merkten und bei der es keine Sekunde langweilig war durch die verschiedenen Wortbeiträge und Erfahrungsberichte der einzelnen. So konnten wir erfahren, dass in der Rigaer Domgemeinde christliche kurdische Flüchtlinge eingetroffen sind, konnten Neuigkeiten aus der St. Johannisgemeinde und über die Gregorianische Woche vernehmen und vieles andere mehr. Eine Schwester im Glauben aus Sloka kam direkt als Mitglied der Stimmenzählkommission von der Stimmzählung bei der Wahl zur 11. Saeima, die sich bis in den Morgen hinein erstreckt hatte… Auf diese Weise flossen viele Neuigkeiten aus allen Ecken Lettlands an einer Stelle zusammen, so wie es sich für eine Kirchenzeitung gehört. Wir schlossen einander in die Fürbitte ein und nahmen dabei die Schmerzen und Probleme der Geschwister im Glauben auf unser Herz – wie es sich in einer Gemeinschaft von Christen gehört. Wir waren so viele, dass uns ein Bus nicht genügte. Die Leute aus Bauska kamen mit einem eigenen Bus und die Leute aus Kurland mit ihren eigenen Transportmitteln.
In Ventspils kamen wir bereits recht früh am Morgen an. Damit wir am Gottesdienst in der dortigen Nikolaikirche teilnehmen konnten. Die Leute in Ventspils sind gute Gottesdienstbesucher. Wir freuten uns auch über den Chorgesang. Auch wenn wir im Laufe des Tages immer wieder hörten, dass die Leute in Ventspils mit Gefühlsäußerungen zurückhaltend seien, so wurden im Gottesdienst unsere Herzen warm bei dem Friedensgruß, den alle, die das Abendmahl bereits empfangen hatten an die weitergaben, die noch darauf warteten, bis sie an der Reihe waren. Nach dem Gottesdienst machte uns Pfarrer Valters Ozoliņš mit der Geschichte der Kirche vertraut und berichtete uns über die Gemeindearbeit, während im Garten ein prächtiger Mittagstisch vorbereitet wurde, bei dem die gut mundenden Bohnen aus Kurland und der wohlschmeckende Kringel nicht fehlten. So haben uns die Leute in Ventspils in allen Ehren bewirtet. Herzlichen Dank den Schwestern Daina Otilija Kopeika und Astra Austra Saharova, die für unsere Bewirtung Sorge getragen haben. Uns Mitarbeitern der Redaktion und der Organisatorin dieser Fahrt Līga Pommere wurden leckere Konserven una Marmeladen aus Ventspils mitgegeben. Wiederum wurde von uns Reisenden ein geschmiedeter Kerzenhalter als Gastgeschenk mitgebracht und und von Schwester Māra Lediņa die im Sommer sorgfältig gepflrgte Pflanze eines rosa Kastanienbaumes, die wir von unserer vorigen Reise auf den Spuren Luthers aus einem Pfarrgarten in Meißen mitgebracht haben. Wiederum haben die Leute in Ventspils in ihrem Pfarrgarten eine wunderbare Idee

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verwirklicht – ein Blumenbeet in einer Ecke des Gartens, auf dem verschiedene Blumen blühen, die für den Schmuck des Altars und der Kirche gedacht sind.
Nach dem Ende des Besuches der Kirche übernahm unser Reisegefährte bei der vorigen Fahrt auf den Spuren Luthers Doktor Gundars Kuklis das Kommando. Er kann wunderbar erzählen. Das Wertvollste bei unseren Fahrten ist, dass die Rolle des Fremdenführers von einem von den Leuten aus dem betreffenden Ort übernommen wird. Denn bei diesen Führungen kommt es nicht auf unzählige Jahreszahlen an, sondern darauf, wie die Leute mit den Dingen heute leben, die sie uns zeigen. Wir haben den Marktplatz von Ventspils besichtigt und uns dort das Glockenspiel angehört, uns über die schönen Blumenskulpturen gefreut und die künstlerischen Ideen bei den Skulpturen von Kühen. Wir machten einen Bogen zum Naturpark am Meeresstrande, warfen einen Blick auf den schönen Springbrunnen bei der Hochschule und der modernen Bibliothek. Die Stadt Ventspils tut zur Zeit viel, um ihre Stadt für Touristen anziehend zu machen. So gibt es hier Kinderspielplätze, Erholungsparks und kostenlose Parkplätze, die auch dabei eine Rolle gespielt hatten, dass Ventspils ein besonders beliebter Anziehungspunkt für Touristen aus Litauen gewesen ist. Bevor der Abend und damit der Heimweg herankam machten wir eine kleine Rundreise auf dem Schiffchen „Jakob“ bis zur Mündung der Venta in das Meer und besichtigten die Ausstellung des Museums im Schloss des Livländischen Ordens.
Auf dem Heimwege gab es Pläne für das nächste Treffen. Dieses Mal sind die Leser von SR eingeladen, am Tage der offenen Tür des Oberkirchenrates kurz vor dem Reformationsfest teilzunehmen am 29. Oktober ab 10 Uhr und danach die Freunde in der St. Johannisgemeinde und der Domgemeinde zu besuchen. Das ist für heute alles. Auf Wiedersehen bis zum nächsten Mal.

Die „grüne Kirche“ von Blīdene ist inzwischen 10 Jahre alt geworden. Inga Reča
Am 1. Oktober feierte die Kirchengemeinde Blīdene zwei Feste zugleich: das 10jährige Bestehen der „grünen“ Kirche und die 20 Jahre, seitdem die Kirchengemeinde nach langer Zwangspause ihre Arbeit wieder aufgenommen hat. Seit 1o Jahren finden am Miachaelistag in der „grünen“ Kirche von Blīdene Gottesdienste statt. Propst Pirro hat diese Kirche einmal folgendermaßen beschrieben: Sie ist die Kirche mit der weltweit höchsten Decke, weil sie überhaupt keine Decke hat und sie sich deshalb bis zum Himmel erstreckt. Auch in diesem Jahr versammelten sich hier über 100 Gäste aus 12 Kirchengemeinden um eine rekordverdächtige Anzahl von Kuchen!
Diene mit deinen Gaben.
Nach dem Gottesdienst in der freien Natur, der im alten Park an der Ruine der Kirche von Blīdene, die sich neben der Straße nach Liepaja befindet, stattfand (wobei man wirklich auf den Gedanken kam, dass alle Autos, die daran vorbeibrausten, eigentlich auch etwas vom Wehen des Geistes des Evangeliums verspürt und davon etwas mitgenommen haben müssten), versammelten sich die Leute aus den Kirchengemeinden Gramzda, Liepāja, Auce, Vecauce, Ruba, der Jesusgemeinde in Riga, Dole-Ķekava, Baldone, Ropaži, Gaiķi, Saldus und Sloka im Haus des Volkes am Ort. Ein fester Teil der Festveranstaltungen ist das traditionelle Mahl, das von den fleißigen Frauen der Kirchengemeinde zubereitet wurde, und der Austausch von Meinungen und Erfahrungen. Dabei verbergen die Leute aus der Kirchengemeinde keineswegs ihre Talent – einige tragen selbst verfasste Lieder oder Lieder
anderer Autoren vor., andere sagen Gedichte auf, andere geben Erzählungen zum Besten, aber den größten Beifall erspielte sich wie in jedem Jahr die Schwester aus der Kirchengemeinde Ruba mit ihren Vorträgen auf der Mundharmonika.

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Bestehen im Glauben, im Brotbrechen und im Gebet
Unter den Gästen war auch Pfarrer Harijs Grigols, der sich an seinen Dienst in dieser Gemeine von 1997 bis 2000 erinnerte. „Ich freue mich sehr darüber, dass sich die Kirchengegemeinde Blīdene so gut weiterentwickelt hat und ich wünsche euch: Besteht weiter im Glauben und im Brotbrechen und haltet an am Gebet in der Gemeinde, in der Familie und an eurem Wohnort. Denn auch die ersten Gläubigen hielten sich daran, und seht, was daraus geworden ist. Es schlossen sich große Scharen von Gläubigen an und der Glaube breitete sich in der ganzen Welt aus,“ sagte Pfarrer H. Grigols. Auch der neue Propst der Propstei Kuldīga Uldis Gailītis, der mehrere Jahre in dieser Gemeinde als Pfarrer gedient hatte, sprach seine Beobachtung aus, „dass es heute kein Treffen in der grünen Kirche, sondern in einer mehrfarbigen Kirche war – mehrfarbig wegen der wunderbaren Färbung des Laubes, die den Herbst anzeigt, aber auch wegen der vielfältigen Traditionen in den Gemeinden, die sich heute hier versammelt haben, und von denen ihr wisst, dass sie alle Eins in Jesus Christus sind..“ Mit besonderen Ovationen wurde Pfarrer Valdis Bercs willkommen geheißen, denn hier waren viele anwesend, die für ihn gebetet hatten nach seinem schweren Unfall, nach dem er längere Zeit im Koma verbringen musste. „Ich habe es sehr stark empfunden, dass ihr für mich gebetet habt,“ sagte er mit sehr bewegter Stimme.
Was Gott gebaut hat, kann nicht zerstört werden.
Vertreter der Kirchengemeinde Dole-Ķekava sagten, dass sie es sehr zu schätzen wissen, jetzt einen beständigen Pfarrer zu haben. Dadurch hat die Gemeindearbeit einen spürbaren Aufschwung bekommen. Auch ist die Zusammenarbeit mit den kommunalen Instanzen viel besser geworden. Wir waren heute zum ersten Mal in einem Gottesdienst in der „grünen“ Kirche und haben es mit unseren eigenen Augen gesehen, dass ein Haus nicht zerstört werden kann, das Gott erbaut hat, auch wenn es keine Wände hat.“ Auch die Leute aus Ropaži bestätigten es, dass sie für ihre Gemeindearbeit von der Kirchengemeinde Blīdene viele Anregungen erhalten hätten. „Auch wir bemühen uns, Gemeinschaft mit anderen Kirchengemeinden zu pflegen, so zum Beispiel mit der Kirchengemeinde Salaspils, mit der wir viele Vorhaben gemeinsam durchführen. Wir haben jetzt auch unser eigenes Pfarrhaus, in dem wir viele Arbeitseinsätze durchführen wie hier in Blīdene. Gerade hier wurden wir davon überzeugt, dass wir vieles auch selbst schaffen können,“ sagte der Pfarrer der Kirchengemeinde Ropaži Krišjānis Bulle.
Mehrere Kirchengemeinden haben Einladungen an alle ausgesprochen, ihre Kirchengemeinden zu besuchen. So ladet die Kirchengemeinde Gaiķi am Ostermontag des nächsten Jahres alle ein, und der Gemeindeleiter der Krichengemeinde Gramzda Vatslavs Kadaģis lud alle am 27. Mai 2012 zum 445 jährigen Jubiläum der Kirche und zum 20 jährigen Gedächtnis des Wiederbeginns der Gemeindearbeit nach einer langen Zwangspause ein
„Ihr seid für uns und unsere Gemeindearbeit ein Vorbild. Wir kommen zu euch und fahren jedes Mal neu gestärrkt heim,“ sagte Schwester Maiga aus der Jesusgemeinde in Riga, die am 1. November ihren 85. Geburtstag feiert und bei den Mitarbeitern der Kirchengemeinde weiterhin ganz vorne steht.
Am Ende des Festes begaben sich alle Interessierten zum Pfarrhaus, um sich von dem zu überzeugen, was im Laufe von zwei Jahren geschaffen worden ist. Das, was wir dort sahen, bestätigten die Richtigkeit des uralten Sprichwortes, dass kleine Ursachen große Wirkungen haben, was in Blīdene zweifellos der Fall ist. Möge das mit Gottes Hilfe auch weiterhin geschehen!

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Die Visitation von Bischof Pāvils Brūvers in Auce. Līga Bitmane.
Als die Natur mit einer überwältigenden Farbenpracht und gewaltigen Wolkenbergen uns anzeigte und die Zugvögel mit ihrem melancholisch anmutenden Gesang uns deutlich machten, dass es Herbst geworden war, begab sich Bischof P. Brūvers mit der Visitationskommission – Propst Oskars Laugalis und Architektin Helene Dekante – in das Grenzgebiet, um dort die Menschen in Auce, in der Kirchengemeinde Vecauce und Pfarrer Valdis Bercs zu besuchen.
Insgesamt war diese vierte Visitation dieses Jahres, die vom 9. bis zum 11. Oktober stattfand ähnlich geplant wie die Visitationen davor. Am ersten Tag sollte ein Treffen mit den kommunalen Vertretern uns Leitern verschiedener Institutionen stattfinden. Sehr angenehm überraschte das Gespräch mit dem Vorsitzenden des Kreistages Gints Kaminskis, der einen Einblick in die Geschichte des Landkreises gab und in die Perspektiven der Kleinstadt Auce. Trotz der Ausreise vieler Familien in das Ausland leben die 4000 Einwohner der Stadt ihr Alltagsleben. Der Leiter der Kommunalverwaltung, der ein Studium der Rechtswissenschaften und der Musik nachweisen kann, betonte, dass die kommunalen Behörden bestrebt sind, das kulturelle Leben in Auce weiter zu fördern. Im Bezirk Auce sind nur zwei Schulen übrig geblieben – die Oberschulen in Auce und Bēne. Die kleinen Dorfschulen wurden geschlossen und die Kinder aus der Umgebung werden mit Bussen nach Auce zur Schule gefahren un nach Hause gebracht. Leider sind auf dem Lande nur noch sehr wenige junge Menschen übrig geblieben. Dennoch gibt es in den Dörfern Laienspielkreise und in Auce eine Musikschule. Obwohl um 1960 Auce das Zentrum eines Landkreises war, hat es hier während der ganzen Zeit keine Leninstraße und kein Lenindenkmal gegeben, mit dem der erste Held des Sowjetvolkes geehrt werden sollte. In Auce befindet sich ein von der Landwirtschaftlichen Universität bewirtschafteter landwirtschaftlicher Betrieb „Vecause“, der wissenschaftliche Forschung betreibt und zu dem etwa 1000 ha gehören, die früher zum Gut gehörten . Bei einem Besuch des einst dem Geschlecht der von Medems gehörenden Besitzes, der jetzt teilweise für Lehrzwecke der Landwirtschaftlichen Universität genutzt wird, aber auch für andere gesellschaftliche Veranstaltungen, bestiegen wir den Turm der Burg, von dem aus man Litauen erblicken kann. Auce ist eine Stadt im Grenzgebiet und die Kommune tut alles, um die Wege in Ordnung zu halten, was für den Transitverkehr zwischen Lettland und Litauen von großer Wichtigkeit ist.
In der Oberschule von Auce, die von 600 Schülern besucht wird, so berichtet Direktorin Indra Špela, gibt es parallel dazu für jede Grundschulklasse ein anerkanntes Lehrprogramm, durch das den Kindern auf erleichterte Weise der Grundschulstoff vermittelt wird.
Hier wird für Erwachsene auch ein Programm für ihr Fernstudium angeboten. Die Direktorin vertritt die Ansicht, dass die besten Schüler in Lettland ausgebildet werden und danach in das Ausland fortziehen. Als wir auf das Studium zu sprechen kamen, hörten wir, dass sich die meisten Absolventen – im Augenblick sind es 9 – für den medizinischen Bereich interessierten. Pfarrer V. Bercs kommt zu Beginn jedes Schuljahres her, um die Schüler zu segnen. Lehrerin Daina Krūzmane erteilte im vergangenen Schuljahr 20 Heranwachsenden Religionsunterricht. Auch die ganz kleinen Bürger von Auce kommen im Kindergarten „Mazulis“ zusammen, der von der Stadtverwaltung betrieben wird und sich auf dem Besitz der Kirchengemeinde befindet. Die Kleinen machten einen etwas verstörten Eindruck und fingen erst an, Fragen an ihre Erzieherinnen zu stellen, nachdem die Kommission fortgegangen war.
Einen überraschenden Einsatz , der aus ganzem Herzen mit Hingabe geleistet wird, erlebten wir im Behindertenheim „Māriņa“, das von Māra Hincenberga geleitet wird, die mit Pfarrer V. Bercs eng zusammen arbeitet. Trotz der Behinderung strahlt Māra aufrichtige Liebe aus.

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Gemeinsam mit Regīna Bulvāne und Vija Mužica kümmert sie sich um diese Kinder mit ihren besonderen Bedürfnissen, mit der Hilfe der humanitären Hilfssendungen beschaffen sie sich Dinge, die man sonst oft nicht bekommen kann.
In der Kapelle von Bēne wurde die Visitationskommission ungeduldig von einem Teil der Schüler der 4. Klasse erwartet, die die Visitatoren mit Gesangsvorträgen erfreuten, und wiederum von den Gästen erfuhren, weshalb die Kirche das Bischofsamt braucht. Die Kapelle ist dank einer Initiative des Pfarrers eingerichtet worden, der sich bei den Arbeiten auch selbst aktiv beteiligt hat.
Bei dem Treffen mit dem Kirchengemeinderat am zweiten Tag in der Kirche wurde der Visitationskommission die Gemeindearbeit vorgestellt – der Ablauf des Gottesdienstes, die Zahl der Gemeindeglieder, die Kasualien, der Konfirmandenunterricht, die Bibelstunden, die alltägliche seelsorgerliche Betreuung der Gemeindeglieder, die wirtschaftliche Situation der Kirchengemeinde, die Arbeit der Sonntagsschule und der diakonische Einsatz, die Zusammenarbeit mit anderen Kirchengemeinden. Außerdem wurde über den baulichen Zustand des Kirchengebäudes berichtet. Pfarrer V. Bercs hat eigenhändig viele Renovierungsarbeiten bewältigt. Die Kirchengemeinde ist froh und dankbar, dass der Pfarrer nach seinem schweren Unfall und seiner langen Zeit des Krankenhausaufenthaltes wieder zum Dienst zurückgekehrt ist.
Nach den Gesprächen in Auce besuchten wir die Kirche in Priedula und trafen uns dort mit der Gemeindeleiterin Rasma Burkāne Mit der Hilfe der Kurischen Stiftung hat „Pastorat“ soeben die Kirche mit einem neuen Dach versorgt, wonach sich die Kirchengemeinde viele Jahre gesehnt hatte., berichtete R. Burkāne.
Vieles hängt nicht von den Regierungen und Mächten, sondern von uns selbst am Ort ab, in dem wir leben. Das betrifft die Kommune, den Kindergarten und die Schule ebenso wie die Kirchengemeinde. Überall haben wir die Möglichkeit, mit unserem Herzen und durch unseren Einsatz zu dienen. Und in Auce tun das viele.

„Ein gläubiger Mensch ist stets ein großer Träumer.“ Inga Reča
Andrej Dschamgarow – einen in Russland in Saratow an der Wolga lebenden Armenier -
habe ich bei dem Sprachkurs des Martin Luther Bundes in Erlangen kennen gelernt. Solche Begegnungen mit Brüdern und Schwestern im Glauben aus der ganzen weiten Welt sind sehr heilsam, um zu begreifen, dass wir Letten und wir Lutheraner in Lettland nicht die Einzigen auf dieser Welt sind, und unsere Probleme auch nicht den Nabel der Welt darstellen., und dass Gott selbst nicht nur die wenigen 100 Kilometer um mich herum am Werk ist, sondern bei allen Menschen auf dem Planeten Erde. Ganz besonders wichtig ist es, darüber am Vorabend des Reformationsfestes nachzudenken.
- Ein Armenier, ein Lutheraner, der in Russland lebt und dort eine lutherische Kirche erbaut. Wie ist es zu dieser Kombination gekommen?
- In Russland lebe ich bereits seit über 20 Jahren. Als die Sowjetunion zusammenbrach, siedelte unsere Familie von Aserbaidschan nach Russland um. Das fiel genau mit der Zeit zusammen, als ich meine Ausbildung am Institut beendete. Meine Eltern waren bereits davor umgesiedelt, und ich bin ihnen nachgefolgt und habe dort eine Arbeit angenommen. Das ist eine Standardsituation für alle auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion. Danach fingen die Fabriken an, in den Konkurs zu gehen und viele verloren ihre Arbeit. So musste auch ich meine Spezialität als Ingenieur aufgeben und zu den „Buisenesmen“ übergehen.
Sich mit dieser neuen Kultur anzufreunden, war schwer, wenn man davor gewohnt war, im Kaukasusu zu leben. Man musste es lernen, vieles zu akzeptieren, was einem neu war.
- Weshalb seid Ihr als Armenier nicht nach Erewan umgesiedelt?

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- Mein Vater ist Armenier und meine Mutter Russin.. In Erewan habe ich einige Monate studiert und begriffen, dass dort das Leben viel schwerer ist als in Russland. In unserer Familie sprachen wir russisch und fühlten uns der russischen Kultur erheblich näher. Mama stammt aus dem Wolgagebiet.
- Wie bist du in die Kirche gekommen?
- Obwohl es in der Sowjetunion betreffs der Kirche strenge Verbote und starke Einschränkungen gab, fühlte ich mich immer von ihr angezogen, und bei der geringsten Gelegenheit ging ich immer in ein Gotteshaus – sei es in armenisches oder orthodoxes. Ich weiß nicht, weshalb das so war, denn in meiner Familie war niemand betont gläubig. Damals sagte aber auch niemand, dass es Gott nicht gäbe. So lebte ich – mit irgendeinem Glauben, dass es irgendeinen Gott gäbe, den ich nicht kenne. Ich absolvierte das Institut und lebte mit dieser Bagage weiter wie alle anderen auch.
- Wie lebten „alle anderen“ eigentlich?
- So wie man auch heute zu leben pflegt, auch wenn das noch so traurig ist. Sie wissen, dass es Gott gibt und glauben an seine Existenz irgendwo weit entfernt, aber sie selbst leben ihr Leben hier auf der Erde. Wenn du in deinem Leben stark unter Druck gerätst, dann erinnerst du dich auf einmal: „Gott, wo bist du? Hilf mir!“ So lebte ich bis zu meinem 30. Lebensjahr.
- Jetzt kommt eine ganz dumme Frage. Wie kommt es eigentlich, dass Armenier Lutheraner werden? Wie bist du in die lutherische Kirche hineingeraten und nicht zum Beispiel in die armenische apostolische Kirche?
- Das löst jetzt bei mir ein ganz merkwürdiges Gefühl aus. In unserer Gemeinde saßen wir einmal zusammen und eine deutsche Journalistin machte mit uns ein Interview. Wir saßen dort zu dritt – ich als ein halber Russe und halber Armenier, eine Schwester als halbe Armenierin und halbe Deutsche und ein Bruder als halber Deutscher und halber Russe. Und sie stellte uns immer wieder dieselbe Frage:: „Ich kann es wohl verstehen, dass jemand, der deutsche Wurzeln hat, Lutheraner wird. Aber wie sind Sie dazu gekommen?“ Ich sagte: „Gott hat mich hergeführt.“ Sie wiederholte nach einer Weile: „Nein, ich kann es trotzdem nicht verstehen, wie Sie als Armenier hierher geraten sind?“ Ich sagte noch einmal: „Gott hat mich hergeführt.“ Nach einer Weile gab sie sich damit wieder nicht zufrieden: „Was tun Sie als Armrnier in einer Kirche der Deutschen?“ Da begriffen wir, dass wir den Menschen erklären müssen was Kirche bedeutet. Wem sie gehört und wer hier eigentlich der Hausherr ist..
- Was haben Sie ihr darauf gesagt?
- Wir haben ihr erklärt, dass die Kirche nicht russisch, deutsch oder armenisch sein kann in dem Sinne, wie sie Gott versteht. Die Kirche gehört Gott und daher ist sie die Kirche Gottes und gehört somit allen. Und in der Bibel heißt es „gehet hin und lehret alle Völker!“ Deshalb ist es doch so, dass sich in der Kirche, wenn sie Gott, und damit jedem Menschen, unabhängig von seiner Volkszugehörigkeit, gehört, dann auch jeder wie zu Hause fühlen soll. Deshalb, weil es hier um das Haus Gottes geht.
- Meine Frage war etwas provokativ, denn es gibt doch die Tradition. Es ist doch klar, dass wir doch in der armenischen apostolischen Kirche vor allem Armeniern begegnen werden.
- Das war ein weiter Weg. Ich hatte damit begonnen, mich regelmäßig mit meiner künftigen Frau zu treffen, die gläubig ist und sich zur lutherischen Gemeinde hielt. Nicht in Saratow, sondern in einer Stadt, die von Saratow 300 Kilometer entfernt ist. Das war wirklich etwas ganz besonderes – ihre Gemeinde ist in einer Stadt entstanden, in der es davor noch nie eine lutherische Kirche gegeben hatte. Sie wurde nicht von Deutschen gegründet, von denen es im Wolgagebiet recht viele gibt, sondern von russischen Leuten, die davor keinerlei Wurzeln im Luthertum hatten. Gott hat an einer leeren Stelle mit seiner wunderbaren Hilfe eine

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lutherische Kirche geschaffen. Als ich damit begann, mich regelmäßig mit Olga zu treffen, war ich wohl gläubig, aber ich ging nicht zur Kirche, und schon gar nicht zur lutherischen Kirche, die mir völlig fremd erschien. Es war gut, dass ich mich nicht gegen ihren regelmäßigen Kirchgang gewehrt hatte, sondern mich – ganz im Gegenteil – darüber gefreut habe.
- Worüber hast du dich eigentlich gefreut?
- Wie kannst du mir solch eine Frage stellen? Eine gläubige Frau ist doch ein Geschenk Gottes. Als Olga nach unserer Hochzeit zu mir nach Saratow zog, begann sie, sich der lutherischen Gemeinde dort anzuschließen. Die dortigen Russlanddeutschen schauten sie als Russin mit großen Augen an. Aber Gottes Wege sind einmalig und auch unbegreiflich, so dass es schwer, aber auch sehr interessant ist, ihnen zu folgen. Sie kam in diese Gemeinde in dem Augenblick, als dort auch ein neuer Pfarrer seinen Dienst begann. Und Gott hat unsere Gemeinde durch diesen Pfarrer gesegnet, denn er begann den lebendigen Gott zu predigen. Und das allerwichtigste dabei ist, dass er Gott kennt und zum himmlischen Vater täglich und nicht nur Sonntags eine lebendige Beziehung hat. Und das kann man in jeder Stunde seines Lebens erkennen. Der Pfarrer war es, der in der Kirche Gott den ersten Platz einräumte und Jesus Christus bat, das Oberhaupt der Gemeinde zu sein. Und damit fanden auch alle anderen Dinge ihren richtigen Platz. Gott hat uns damit gesegnet, dass die Kirche zu einer Heimstätte für alle geworden ist – für die Armen, Reichen, für dir Familien, die Geschiedenen, Gesunden und Kranken. Heute fällt es fast schwer zu sagen, wie viele Nationen in unserer Kirchengemeinde vertreten sind. Der größte Teil von ihnen sind die Deutschen, gefolgt von den Russen, Ukrainern, Weißrussen und Juden. Der fröhlichste Augenblick war für uns, als sich afrikanische Studenten – Namibier und Äthiopier – unserer Gemeinde anschlossen.
- Kehren wir doch noch einmal zu deiner persönlichen Geschichte zurück, wie du selbst den Weg zur Kirche fandest.
- Ich bin Ingenieur – Elektriker. Jch habe eine sehr gute und steile Kariere hinter mir. Nach anderthalb Jahren in einer Fabrik wurde ich Leiter eines Laboratoriums. Dann brach alles zusammen und ich begann mich im Geschäftsleben zu betätigen, was mir zunächst auch gut gelang. Doch zu Beginn der 90er Jahre wurde Russland vom „Schwarzen Dienstag“ betroffen, an dem der Rubel in das Bodenlose abstürzte. Damals gingen viele bankrott. Ich auch.
Ich war bereits verheiratet und meine Frau besuchte das theologische Seminar, doch ich half dabei. Tische und Stühle zu organisieren. Am Ende des Seminars, als die Leute berichteten, woher sie kamen, sagte ich: „Ich bin ein Geschäftsmann und lebe in Saratow.“ Was darauf geschah, ist mir noch bis heute in sehr lebendiger Erinnerung. und klingt in meinem Ohr noch nach. Der Pfarrer am Ort stand auf und sagte: „Ihr könnt das, was ich jetzt sage, für eine Prophezeiung halten, aber dieser Mensch wird eines Tages Gottes Wort predigen!“ Damals dachte ich: „Das ist schon merkwürdig, ja sogar verrückt! Ich bin Geschäftsmann! Und was soll ich dann ausgerechnet in der lutherischen Kirche? Das ist für mich völlig unverständlich und wahnsinnig weit entfernt!“
Und bitte, was ist daraus geworden? Etwa 10 Jahre danach predige ich das Wort Gottes in der lutherischen Kirche.
- Diese wunderbare Verwandlung geschah doch nicht an einem Tage, nicht wahr?
- Wie ich schon sagte, mein ganze Leben lang war ich zwar gläubig und sage allen, dass ich auf Credit gelebt habe. Ohne Gott zu kennen, lrbte ich wie ein von Gott Gesegneter. Gott liebt alle, und ich weiß nicht, weshalb er es zugelassen hatte, dass ich bis an den Rand der Schlucht ging, und, als ich drauf und dran war hinabzustürzen, mich an den Kragen packte. An dieses Leben hatte ich mich ebenso gewöhnt wie an die Credite der Bank – du kannst sie nehmen

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und nehmen und nehmen, ohne daran zu denken, dass das „Geld“ einmal zu Ende sein könnte. Aber es gibt im Leben Augenblicke, die du nie vergessen kannst – du fährst mit dem Auto und alles geht sehr gut, und plötzlich geschieht irgend etwas, und du Mensch begreifst plötzlich, dass du allein geblieben bist. Die ganze Welt ist so geblieben, wie sie von Anfang an war – mit dem gleichen Licht der Sonne, mit dem gleichen Himmel, aber irgendetwas fehlt… Ich habe lange darüber nachgedacht, was damals geschehen ist. Und erst nach vielen Jahren fand ich des Rätsels Lösung in der lutherischen Lehre – der Heilige Geist hatte damals begonnen, mich ernsthaft und bestimmt zu Gott zu führen, denn mein Credit war zu Ende. Ich fing an, nach der Ursache für meine Einsamkeit zu suchen, und begriff, dass ich auf ein Leben ohne Gott zuging. Damals meinte ich, dass mich Gott verlassen hätte, aber eigentlich hatte er mich sehr fest an die Hand genommen, und der Heilige Geist führte mich hin bis zu dem Gedanken, mich taufen zu lassen. Damals kannte ich nur die orthodoxe Kirche. Ich ging dorthin und ließ mich taufen. Aber deren Tradition berührte mich nicht. Und weil ich mich nicht zu der Gemeinde gehalten hatte, verlöschte in mir das, was mir bei der Taufe geschehen war.
Einmal saß ich zu Hause und sah mir einen Fernsehfilm an, der zum Teil weltlich, zum anderen Teil esoterisch war. Dort gab es viel Böses. Damals rauchte ich noch, und als der Film zu Ende war, wollte ich hinaus gehen und eine Zigarette anstecken und danach schlafen gehen. Und plötzlich vernahm ich Gottes Stimme: „Du musst dich entscheiden, ob du deinen Weg zusammen mit mir machen willst oder bei allem Übel bleiben möchtest, das du eben gesehen hast.“ Wenn Gott so deutlich mit mir redet. dann hört aller Spaß auf. Bei mir brach der kalte Schweiß aus und auf Knien rutschte ich zu meiner Frau und flehte sie an: „Hast du ein Gebet, das mir jetzt helfen kann?“ In diesem Augenblick erfuhr ich meine Wiedergeburt und erlebte ganz bewusst den Beginn meines Weges gemeinsam mit Gott. Damals betete ich das Vaterunser nicht mit dem Verstand und der Routine sondern aus ganzem Herzen und aus ganzer Seele. Von da an begann ich Gott ganz bewusst und ernsthaft zu dienen. Ich kann nicht sagen, dass ich dabei einen ganz geraden Weg eingeschlagen habe, denn bei dem Lesen der Heiligen Schrift sehe ich, dass sich viele Berichte meiner Geschichte ähneln, dass die Gläubigen straucheln, aber dass dabei die Hauptsache ist, dass sie nicht das Ziel aus den Augen verlieren – Christus nachzufolgen.
Ein weiterer Schritt auf meinem Weg zur Gemeinde war der Tatbestand, dass die Gemeinde meiner Frau keinen eigenen Raum hatte und die katholische Gemeinde ihr für die Gottesdienste ihre eigene Kapelle zur Verfügung stellte. Wenn ich meine Frau zum Gottesdienst begleitete, wunderte ich mich immer wieder, wie es möglich ist, dass hier das nicht geschieht, was mir während der Zeit der Sowjets immer wieder eingeimpft wurde: dass sich Katholiken und Lutheraner gegenseitig nicht akzeptieren, und dass alles, was ich hier erlebe, überhaupt nicht möglich sei. Vielleicht weil Gott hier zugegen ist?
Eines Tages stieg ich mit meiner Frau in den kleinen Keller hinunter, in dem sich die Kapelle befindet. Wir dachten, dass Menschen gläubig werden könnten wenn der Pfarrer eine zündende Predigt gehalten hatte. Damals hatten wir noch wenig davon begriffen, dass Gottes Geist in der Gemeinde Wohnung genommen hat – der Geist der Liebe, der Geduld und des Verstandes, der an mir nicht vorbeigehen kann, ohne mich zu berühren. Ehrlich gesagt: in vielen Gottesdiensten bin ich danach bei der Predigt eingenickt, worauf der Pfarrer wie im Scherz sagte: „Das war ein gesegneter Schlaf!“
Ich sage stets: Alles ist in Gottes Hand. Wir meinen, dass ein Mensch gläubig werden kann, wenn der Pfarrer eine blendende Predigt gehalten hat. Mein Beispiel zeigt, dass das nicht immer der Fall ist – ich saß da und schnarchte friedlich vor mir her. Das hinderte Gott nicht, an mir sein Werk zu tun – während einer Predigt. Er weckte mich auf, und das Wort breitete

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seinen Samen in mir aus. Danach bin ich oft meiner Frau zur Bibelstunde entgegen gefahren, die gewöhnlich nie rechtzeitig zu Ende war. Wenn ich dann auf sie wartete, hörte ich auch zu. So streute Gott ein Samenkorn nach dem anderen in mein Herz. Danach wuchs das Wort in mir immer weiter und ich begann ernsthaft, mich dieser Gemeinde zugehörig zu empfinden.
Mein ganzes Leben war bis zum heutigen Tag ein ständiges weiteres Kennenlernen Gottes – täglich erfährst du etwas neues über ihn und wunderst dich immer, wie interessant und wunderbar das Leben gemeinsam mit ihm ist. Wenn du mit Gott zusammen lebst und du dich ihm ganz und gar anvertraust, dann bist du sehr behütet. Ja, auch wir haben schwere Zeiten durchmachen müssen, denn ich bin nicht mehr in das Geschäftsleben zurückgekehrt, sondern habe meinen Dienst bei der Kirche begonnen, wo ja die Gehälter wirklich nicht die allerhöchsten sind. So manches Mal bin ich nach Hause gekommen und habe gedacht: „Womit soll ich meine Familie eigentlich ernähren?“ Aber Gott hat es nie zugelassen, dass wir Hunger litten, sondern seine Lösungen kamen oft sehr überraschend.
- Was verbindet dich eigentlich mit der lutherischen Kirche?
- Als ich damit begann, mit der Kirche eine engere Verbindung einzugehen, wollte ich, wie nun Ingenieure und Techniker einmal sind, erfahren, was das eigentlich für eine Kirche ist. Nun gut, Luther hat da die Grundlagen gelegt – aber dann macht mir bitte klar, was das für eine Kirche ist, damit ich über sie etwas lesen oder mich auf andere Weise informieren kann. Ich trat an meinen Pfarrer mit dieser Frage heran, aber er gab mir nur eine Bibel in die Hand. Ich sagte: Ja, das ist Gottes Wort, aber wo bleibt da die Lehre Luthers? Er antwortete: „Lies zuerst einmal die Bibel.“
Eine Bibel hatte ich schon lange, aber für mich war sie ein verschlossenes Buch. Ich konnte mich noch soviel um sie mühen, aber ich verstand sie nicht. Als ich nun regelmäßig zur Kirche zu gehen anfing, ging ich wieder an die Lektüre der Bibel heran und fragte die Brüder, wie man das und das verstehen könnte. Einer der Brüder sagte mir: „Erbitte von Gott die Weisheit.“ Das verwirrte mich, denn wie jeder technisch ausgerichtete Mensch brauchte ich auch eine Formel, die mir weiter hilft. Aber die Brüder sagten mir: „Erbitte von Gott die Weisheit, und er wird dir alles offenbaren!“ Nun gut, ich will es versuchen! Und seit jenem Tage habe ich eine ganz besondere Methode des Bibellesens: Bevor ich mit dem Lesen beginne, bitte ich immer Gott darum, er möchte mir helfen, zu verstehen, was er mir mit diesem Text sagen möchte. Und erst nach einer längeren Zeit geschah es, dass der Pfarrer mich zum Konfirmandenunterricht einlud, um dort den Katechismus von Luther kennen zu lernen. Denn ich hatte bereits eine Grundlage, welche Gott mir mit der Hilfe der Brüder eingesetzt hatte – Jesus Christus, der lebendige Gott und die Bibel. Deshalb liebe ich diese Kirche so sehr und bleibe auch bei ihr, weil in unserer Gemeinde Gott und sein Wort an der ersten Stelle stehen und dass es nichts gibt, was höher ist als sein Wort. und auch nichts anderes, was ihm gleich kommt. Gott und sein Wort sind Autoritäten, die nicht überboten
- Auf welche Weise dienst du in deiner Kirche jetzt?
- Ich begann damit, dass ich zum technischen Personal gehörte.- mir waren die Räume der Maschinenräume und die Werkstätten anvertraut und ich beschäftigte mich mit den Computern. Ich habe auch in der Sonntagsschule mitgearbeitet. Danach wurde ich Prediger, was auch aus meinem Arbeitsbuch hervor geht. Jetzt gehört zu meinem Dienst auch die Arbeit eines Ingenieurs bei dem Bau einer Kirche. Gott hat uns damit gesegnet, dass die Stadt uns ein Stück Land zugeteilt hat, damit wir darauf eine neue Kirche erbauen.
- Erzähl doch bitte etwas über deine Gemeinde!
- Wir haben eine sehr lebendige Gemeinde. Es würde mir leichter fallen, etwas über die Gemeinde als von einer Organisation zu berichten, in der wir an jedem Sonntag Gottesdienste

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haben, die von so und so vielen Menschen besucht werden… An jedem Sonntag kommen im Durchschnitt 40 bis 80 Menschen, an den Festen bis zu 300. Zur Zeit können wir uns einen solchen Gottesdienstbesuch gar nicht leisten, weil wir jetzt unsere neue Kirche bauen und für die Gottesdienste Behelfsräume eingerichtet haben. Die höchste Zahl an Besuchern, welche diese Räume fassen können, liegt bei etwa 100. Das erste, was wir jetzt fertigstellen möchten, ist der Saal für den Gottesdienst mit mindestens 200 Sitzplätzen.
- Wie ist es eigentlich dazu gekommen, dass die Stadt der Kirchengemeinde Land zugeteilt hat? Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit der Stadt für eine Konfession, die in Russland auf keine Traditionen zurückblicken kann?
- Das hängt vom zuständigen Gouverneur, von der Stadtverwaltung und davon ab, wie sich bisher die Beziehungen der Regierenden zu den Kirchengemeinden entwickelt haben. Wir hatten es zum Teil sehr schwer, aber auch zum Teil sehr leicht. Wir hatten es schwer, weil alle Vorhaben mit Nerven raubenden Vorarbeiten und ungeheuer viel Bürokratie verbunden sind. Leicht deshalb, weil Gott die Vorhaben gesegnet und die Gemeinde sie täglich in ihre Fürbitte eingeschlossen hat. Die Gemeinde bat Gott darum, er möchte ihr ein Haus zu seiner Ehre schenken. Aber niemand wagte es, darauf zu hoffen, dass Gott das Vorhaben damit segnen würde, dass er die Herzen der Beamten öffnete. Und deshalb mussten wir in die Büros gehen und dort bitten, wie es Jesus in der Heiligen Schrift gelehrt hatte: „Klopfet an, so wird euch aufgetan!“ Auch wir standen vor verschlossenen Türen, aber wir mussten unsere Hand erheben und anklopfen. Und wenn wir heute in unserer nun halb erbauten Kirche unsere Gottesdienste halten, danken wir Gott dafür, dass wir diese Kirche erbauen können und bitten ihn, er wolle unsere Kirche segnen, dass sie nicht nur Wände hat, sondern eine Stätte werden möchte, zu der jeder kommen und Gott finden kann.
- Und wie ist es mit der Finanzierung? Ist es leicht, das Geld für den Kirchbau zusammen zu bekommen?
- Als wir das Projekt für den Kirchbau erstellten, hatten wir überhaupt kein Geld, und schon gar keins für den Bau einer Kirche. Alle tippten mit ihrem Finger an die Stirn und sagten, dass wir Spinner und Träumer seien. Aber auch ich dachte, dass ein gläubiger Mensch wirklich ein großer Träumer sein muss, denn wenn du in der Nähe Gottes bist, kannst du auch nicht mehr von Nichtigkeiten träumen. Wenn Gott sagt „Ihr seid die Erben des Reiches Gottes“, dann kann es doch nicht um Kleinigkeiten gehen?!
Wir hatten Geld, um einen Graben auszuheben, in den man vielleicht das Fundament hineinsetzen könnte. Die Bestimmungen der Stadt drückten es unmissverständlich aus: Wenn der Bau innerhalb von 5 Jahren nicht begonnen werden kann, dann wird uns das Stück Land weggenommen.
Es war sehr interessant zu beobachten, wie sich die weiteren Arbeiten gestalteten. Wir begannen – ebenso wie der ungläubige Thomas – das Vorhaben zu bezweifeln. Ich kann mich noch gut an den Besuch amerikanischer Brüder und Schwestern erinnern, die sagten, dass sie viel für uns gebetet hätten und dass wir trotz allem mit dem Bau beginnen müssten. Wir saßen im Kirchengemeinderat zusammen und dachten nach – Geld hatten wir keins, vielleicht verschieben wir das Ganze noch für ein Jahr und versuchen wir das Geld zusammen zu bekommen, das wir für das Erdgeschoss benötigen… Während wir da saßen und voller Zweifel waren, beteten die Amerikaner für uns, und schließlich trug nicht der menschliche Verstand, sondern die Absicht Gottes den Sieg davon. Wir beschlossen, mit dem Bau zu beginnen und wir begannen damit. Unsere Überlegung war: gut, bauen wir einen Zaun, gießen wir das Fundament, und wenn wir dann immer noch kein Geld haben, dann werden wir den Bau für ein paar Jahre „einfrieren“. Gottes Absichten gingen aber in eine völlig andere Richtung. Uns wurde deutlich, dass er nur darauf gewartet hatte, dass wir ihm

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vertrauten und mit den Bauarbeiten beginnen, die dann immer weiter ohne Unterbrechung fortgesetzt wurden, bis wir bei der zweiten Etage angekommen waren. Woher kam das Geld? Aus Amerika, aus Deutschland, von Stiftungen, Privatpersonen. Deshalb empfanden wir die Größe der Verantwortung gegenüber dem, was Gott getan hatte und gegenüber dem, dass es hier nicht um unsere Kirche, sondern um Gottes Kirche geht.
Einmal gingen die Spendenbeiträge wieder sehr stark zurück, doch Gott segnete uns mit Handwerkern, die Kirchen bauen konnten und bereit waren, für uns auf Credit zu arbeiten, bis wir das Geld hatten. Lange beteten und überlegten, bis uns Gottes Wille deutlich wurde, dass wir jetzt beginnen mussten, unsere Gottesdienste dort in der noch nicht vollendeten Kirche zu halten. Kaum hatten wir damit begonnen, öffnete Gott wieder Türen, und jetzt haben wir keine Schulden mehr, so dass der Bau bis zum heutigen Tage ohne Unterbrechung weiter geht.
- Was bleibt noch bis zur völligen Vollendung des Gotteshauses zu tun?
- Der Turm, die Fenster, die Heizung und die Innenausstattung. Als Gebäude ist die Kirche sehr schön, aber die Schönheit unserer Kirche verbirgt sich nicht in seiner interessanten Architektur, sondern in den Menschen der Kirchengemeinde und ihrer Beziehung zu Gott. Die Schönheit besteht aus den Wundern Gottes, wie er Menschen verändert. Wunder verbergen werden auch darin deutlich. Es kommen Menschen her mit einem steinernen Herzen und bei ihnen erfüllt sich Gottes Verheißung, dass er ihnen ein neues Herz schenken möchte. Dann fangen Menschen plötzlich an, nicht nur auf die eigenen Schmerzen zu blicken, sondern sie nehmen auch die Schmerzen ihrer Mitmenschen wahr, und erkennen, dass Geben seliger ist als Nehmen. Das lehrt uns Christus, nur verhalten wir uns leider nicht immer so. Wir lernen und Christus lehrt uns. Denn am Kreuz litt er nicht für seine eigenen, sondern für unsere Sünden. Und das gefällt mir an unserer Gemeinde und an unserer lutherischen Kirche am meisten, dass hier Gott, sein Wort und seine Beziehung zu den Menschen den ersteb Platz einnehmen.
- In Lettland haben wir eine Wirtschaftskrise. Die Menschen dort sind müde geworden. Was könntest du den Brüdern und Schwestern im Glauben dort sagen?
- Wenn wir uns dem Studium der Bibel hingeben, dann erkennen wir bald, dass Gott keinem einzigen die Garantie für ein reiches oder leichtes Leben auf dieser Erde gegeben hat. Ganz im Gegenteil: auf den ersten Seiten der Bibel sehen wir, dass wir als Lohn für unsere Sünde „unter Schmerzen Kinder gebären sollen“ und „wir uns mit Mühsal von den Früchten des Ackers unser Leben lang ernähren werden.“ Das ist die Verheißung eines schweren Lebens. Aber Gott kann auch Menschen mit einem guten Einkommen segnen, aber dieses ist nicht der „Schlüssel“ dazu, dass ich, wenn ich zum Glauben gekommen bin, auf jeden Fall wirtschaftlich und auf anderen Gebieten erfolgreich sein werde, und alles um mich herum ideal verläuft. Wartet doch, wir sind noch nicht im Himmel! Wir bleiben weiterhin die gleichen Sünder, die auf Gottes Gnade angewiesen sind. Jeden Tag!

Chefredakteurin: Inga Reča

Anschrift der Redaktion: Mazā Pils iela 4 – Riga – LV 1050
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Übersetzung: Johannes Baumann (abgeschlossen am 1. November 2011)
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Nachwort des Übersetzers
Nach der Rückkehr von unserer alljährlichen Herbstkur grüße ich alle geduldigen Leserinnen und ausdauernden Leser meiner Übersetzungsversuche von Auszügen aus der lettischen lutherischen Kirchenzeitung Svētdienas Rīts von ganzem Herzen. Am Anfang dieser Ausgabe wird uns noch einmal die bedrohliche Situation dieses Blattes deutlich gemacht. Ich habe mir trotzdem erlaubt, meine getreuen Leser und interessierten Leserinnen noch einmal auf der Seite 2 dieser Übersetzung auf das Konto des Martin Luther Bundes aufmerksam zu machen, verbunden mit der Frage, ob sie trotz der finsteren Lage nicht noch einmal bereit seien, etwas zur Verhinderung des totalen Einstellung dieses Blattes zu tun. Gerade während der letzten Jahre habe ich über SR so viele gute und anerkennende Reaktionen empfangen, dass sie mir Mut machen, diese Bitte noch einmal auszusprechen. Außerdem gibt es Anzeichen dafür, dass im Blick auf die Einstellung des Erscheinens der lettischen Kirchenzeitung möglicherweise doch noch nicht das letzte Wort gesprochen worden ist. Deshalb habe ich mir gedacht, dass ich mich bei dieser Entwicklung der Dinge am Ende von SR mit schuldig machte, wenn ich sie mit Schweigen übergehen würde. Auf jeden Fall wird es die letzten zwei Ausgaben dieses Jahres noch einmal geben, und ich bin nach wie vor guter Hoffnung, dass ich irgendwann mit besseren Nachrichten aufwarten kann.
Hinweisen möchte ich auf den Beitrag, in dem darüber berichtet wird, dass mit Roberts Feldmanis zum ersten Mal in der Geschichte des unabhängigen Lettlands eine Straße nach einem lutherischen Pfarrer in Riga benannt worden ist, und wie man diesen Vorgang gefeiert hat. Auch sei auf den Bericht über den Besuch des Generalsekretärs des Gustav Adolf Werks in Lettland hingewiesen. Inga Reča hat an einem vom Martin Luther Bund in Erlangen veranstalteten Deutschkurs teilgenommen. Dabei hat sie einen der Kursteilnehmer interviewt. Diesem ausführlichen Interview kann man entnehmen, zu welchen interessanten Begegnungen es dabei kommen kann.
Soweit einige Hinweise auf einige Beiträge dieser Ausgabe. Leider habe ich es wieder nicht geschafft, alle von ihnen zu übersetzen wofür ich alle Leserinnen und Leser um Nachsicht bitten möchte. J. B.

Verfasst von: liefland | Oktober 5, 2011

Ausgabe Nr 9 (1851) vom 17. September 2011

,In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis. Kol. 2,3.

Auszüge aus Svētdienas Rīts, Zeitung der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, herausgegeben von ICHTYS GmbH, erscheint seit Januar 1920.
13. Sonntag nach Trinitatis Ausgabe Nr 9 (1851) vom 17. September 2011

Spalte der Chefredakteurin Inga Reča
(Bemerkung des Übersetzers: Inga Reča ist kurz vor dem Abfassen ihres Wortes der Chefredakteurin von einem Deutschkurs bei dem Martin Luther Bund in Erlangen zurückgekehrt. Außerdem standen in Lettland (am Samstag, den 17.09.) die Parlamentswahlen unmittelbar bevor. So ist dieses Wort sowohl von den bevorstehenden Wahlen in Lettland als auch vom Deutschkurs in Erlangen geprägt. J.B,)
Etwas über die Äpfel und die Ordnung.
Ich hoffe, dass diejenigen, die heute am 17. September „Svētdienas Rīts“ ihrem Briefkasten entnehmen, bereits bei der Wahl ihre Stimme abgegeben haben. Wenn nicht, dann möchte ich sie bitten, es zu tun! Wenn auch die Kirche und der Staat voneinander getrennt sind, so sind wir doch auch Bürger unseres Staates Lettland, und somit es das auch die Pflicht eines und einer jeden, wenn wir es wirklich wollen, dass dieses Land weiter bestehen sollte.
Kürzlich habe ich folgenden Gedanken gelesen: Um zur Ordnung zu kommen, muss er davor Chaos gegeben haben oder mindestens Unordnung.
Hmmm – das ist schon eine interessante Behauptung, von der ich sagen muss, dass sie sich recht alltäglich anhört. Auch mir geht es so, dass ich, wenn ich beginne, eine Meldung oder ein Interview schriftlich wieder zu geben, ich in meinem Kopf nur einen Haufen von Wörtern habe, die sich bei dem Entstehen des Textes in Sätze gliedern, so dass am Ende die Gedanken durchaus lesbar werden. Manches Mal muss man aber auch etwas dafür tun, um das Chaotische fort zu bekommen.
Nun hatte ich vor Kurzem die Möglichkeit, fast einen Monat in Deutschland zu verbringen, um dort in Erlangen an einem vom Martin Luther Bund veranstalteten Deutschkurs teilzunehmen. Jedes Mal, wenn ich in Deutschland bin und mir dort Fotos aus der Nachkriegszeit ansehe mit den verwüsteten Städten und zerstörten Kathedralen, möchte ich sie besuchen und selbst in Augenschein nehmen, um mich davon zu überzeugen, dass dem mit Wissen, Verstand, zwei Händen und einem Herzen begabten Menschen wenn schon nicht alles, so doch vieles möglich ist. Meine persönliche These, zu der ich im Laufe von vielen Jahren gekommen bin, geht dahin, dass ich eigentlich einmal im Jahr ein paar Tage in Deutschland verbringen sollte, um mich davon zu überzeugen, dass Ordnung und ein geordneter Staat möglich sind. Natürlich, natürlich gibt es auch dort so manche Unvollkommenheit, aber dennoch…
Das Einzige, was mir in Deutschland fehlte (außer den mir nahen und lieben Menschen), das war der Geschmack unserer Äpfel, unseres Brotes, unserer Butter und unserer Milch. Denn sogar der Himmel über meinem Kopf war unserem Himmel sehr ähnlich…
Verbirgt sich das Gefühl von Heimat tatächlich in der Würze des Geschmackes?
Und – sind ein geordneter Staat und der Geschmack unserer Äpfel (Milch, unseres Fleisches und unseres Brotes ) wirklich Begriffe, die nicht miteinander zu vereinen sind?
Daran habe ich gedacht, als ich auf dem Wege war, um meine Stimme bei der Parlamentswahl abzugeben.

„Kein schöner Land…“ Inga Reča
„Kein schöner Land in dieser Zeit,/ als hier das unsre weit und breit,/ wo wir uns finden wohl unter Linden zur Abendzeit.“ Dieses schöne Lied aus dem 19. Jahrhundert ist eine von jenen drei volkstümlichsten Weisen, die man in fast jedem Kreis singt, der sich in Deutschland versammelt hat. Nach einem bei dem Martin Luther Bund bei dem Deutschkurs verbrachten

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Monat, der vom 16. August bis zum 10. September in Erlangen stattfand brannte sich dieses Lied wie ein Laserstrahl in meinem Herzen fest zusammen mit dem unbeschreiblichen Gefühl, das lutherische Brüder und Schwestern aus verschiedenen Ländern mit so unterschiedlichen Sprachen, Kulturen und politischen Systemen miteinander vereint.
Einen herzlichen Dank den ungarischen Brüdern.
2012 ist es bereits 30 Jahre her, seitdem in der Zentrale des Martin Luther Bundes (MLB) in der Universitätsstadt Erlangen in der Nähe von Nürnberg im Bundesland Bayern die Deutschkurse jährlich stattfinden. Den entsprechenden Einfall hatten ungarische Pfarrer, die den Wunsch aussprachen, die deutsche Sprache im deutschen Umfeld zu erlernen. Seit 1982 wird den ausländischen Partnern der deutschen Kirche – Pfarrern und Laien – die Möglichkeit geboten, fast einen Monat bei aktivem Studium der deutschen Sprache in Erlangen zu verbringen.( Das muss ich sofort dadurch ergänzen, dass diese Kurse nur ein winzig kleiner Teil aller Vorhaben sind, die der MLB bei der Zusammenarbeit mit fast allen lutherischen Kirchen Europas verwirklicht. Auch unsere Kirchenzeitung, die Sie jetzt in der Hand haben, kann seit zwei Jahren nur deshalb erscheinen, weil uns der MLB eine bedeutende Unterstützung gewährt.)
In diesem Jahr gehörten wir beiden aus Lettland – die Verfasserin dieser Zeilen und Pfarrer Juris Morics – zu den 22 glücklichen Kursteilnehmern aus 14 verschiedenen Staaten.
Der heiße Monat in Erlangen
Ich schreibe von den „glücklichen“ Kursteilnehmern deshalb, weil die Emotionen noch heute weiter große Wellen schlagen und dass man anders unseren fast einen Monat andauernden Seelenzustand nicht beschreiben kann. Die Menschen, die Geld gespendet haben, um uns die Möglichkeit zu schenken, die deutsche Sprache in Deutschland zu erlernen, haben wirklich für alles gesorgt – auch für die hoch zu lobenden Möglichkeiten der Unterbringung, für die gute Verpflegung und sogar für die Möglichkeit, deutsche Traditionen und deutsche Kultur kennen zu lernen. Echte deutsche Ordnung bei allen Dingen, für die der Hausvater der MLB Rainer Stahl sorgte, der jeden Tag gemeinsam mit Frederike Hirschmann und Pfarrer Martin Dietz mit uns verbrachte, und die vielen Helfer in der Küche und in der Wirtschaft des Hauses. Einen sehr, sehr herzlichen Dank ihnen dafür !
Bei der Rückschau auf diesen Monat den wir (hier gebrauche ich die Mehrzahl, denn ich weiß, dass mein Bruder in Christus Juris Morics ähnlich empfindet) zusammen mit den Brüdern und Schwestern aus Estland, Litauen, Russland, Finnland, der Slowakei, aus Slowenien, Ungarn, Tschechien, Polen, Rumänien, den Niederlanden und Italien verbrachten, müssen wir auch zugeben, dass dieses kein gewöhnlicher Sprachkurs war. Jeder Morgen begann mit einer Andacht in der schönen Kapelle, die sich danach zu einem Unterrichtsraum für unseren kleinen Kreis verwandelte. Zwei Mal in der Woche fanden die Abendandachten und an den Sonntagen die Gottesdienste jedes Mal in einem anderen Gotteshaus statt. Durch das alles konnten wir fast körperlich die große Liebe und den großen Segen Gottes spüren – bei dem gegenseitigen Verhalten der Menschen und bei allen unseren Veranstaltungen. Auch im Unterricht und sogar in der Natur. Zuerst hatten wir es mit einer gewaltigen Hitze zu tun, bei der das Termometer 34 Grad anzeigte. Diese Hitze wurde von warmem Wetter abgelöst, worauf sich plötzlich in einem Augenblick der Herbst einstellte. Den freien Teil des Abends konnte jeder so nutzen, wie es ihm um das Herz war. Dabei konnte er in dem nahe gelegenen städtischen Schwimmbad im Freien plantschen, eine Tour mit dem Fahrrad zum in der Nähe gelegenen Wald machen, Gespräche führen usw. Unser italienischer Bruder Claudio, Organist der Kirchengemeinde Genua, verbrachte die Mittagspause jedes Tages damit, dass er in der Erlanger Neustädter Kirche Orgel übte. Da in Italien in den Kirchen eine echte Orgel eine

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Seltenheit ist und er in seiner Kirche eine elektronische Orgel spielen muss, war für ihn diese
Möglichkeit, wie er selbst zugab, ein wahres Gottesgeschenk. Ebenso war es ein Geschenk Gottes an uns, dass wir täglich dem wunderbaren Orgelspiel von Claudio lauschen konnten.
Fröhliche Klassengefährten und geduldige Lehrer
Natürlich haben wir die längste Zeit mit dem Studium der deutschen Sprache verbracht. Um zu fruchtbaren Ergebnissen zu kommen, wurden die Teilnehmer nach ihrem Wissensstand in drei Gruppen aufgeteilt. Weil Juris und ich bisher nur ein Jahr im Goethe Institut in Riga deutsch gelernt hatten, wurden wir beide der Gruppe der Anfänger zugeteilt. Unsere kleine Gruppe mit sieben Menschen, war sehr bunt zusammengesetzt, denn zu ihr gehörten: Martha – eine polnische medizinische Assistentin, die bereits seit 12 Jahren in den Niederlanden lebt,
Eunika, eine Tschechin mit diesem griechischen Vornamen, deren Vater und Großvater Pfarrer sind und sie selbst Theologie studiert, Andreas, ein ehemaliger armenischer Ingenieur, der jetzt Prediger ist, der in Saratow (in Russland an der Wolga) die lutherische Kirche aufzubauen hilft; Natalija, eine Russin aus der geschlossenen Stadt Krasnoturinsk im Ural, eine treue Mitarbeiterin ihrer Kirchengemeinde, denn sie verbringt ihre ganze Zeit vom frühen Morgen bis zum späten Abend im Gotteshaus, sowie der Liebling aller Claudio, Toningenieur und Organist der lutherischen Gemeinde in Genua, und wir beiden Letten. Unsere wunderbare Lehrerin Frau Evelin Albrecht, emeritierte Pastorin aus Hamburg hatte keine leichte Aufgabe, die Grundlagen der deutschen Sprache in verschiedenen Sprachen (nur nicht in der deutschen) weiter zu vermitteln, und dazu auch an so temperamentvolle Leute, die alle – ich weiß nicht, weshalb – auf einer Welle der Freude surften. Gelegentlich vergaßen wir sogar, dass wir alle schon Menschen in einem würdigen Alter waren, die sich aber ab und an um Jahrzehnte in ihre Schulklasse zurück versetzt fühlten… Die Sprache erlernten wir sowohl durch die komplizierte deutsche Grammatik, wobei uns der Dativ und Akkusativ bis in den Traum hinein verfolgten, als auch durch Scherze und durch Lachen. Und tatsächlich, dank dieser so lockeren Kommunikation, stellte sich die Sprache bei uns ganz ungezwungen ein. Ganz ehrlich gesagt, ich wäre selbst im Traum davor nicht auf den Gedanken gekommen, dass ich im Laufe eines knappen Monats mich vom Ausgangspunkt Null so weit nach vorne bewegen könnte, dass es mir möglich gewesen wäre, kleine Geschichten zu Papier zu bringen sowie mich mit meiner gastgebenden Familie über die Möglichkeiten des Einkochens von Hollunderbeeren zu unterhalten. Und das alles – weit entfernt von jeder grammatikalischen Vollkommenheit – dennoch in deutscher Sprache. Ist das nicht auch ein Wunder Gottes?
Die Perlen Deutschlands – das Land der Bayern und Franken
An jedem Samstag und Sonntag hatten wir die Möglichkeit, die lobenswerte Deutsche Bahn zu benutzen, um die Städte in der Nähe besichtigen zu können, die wahre Perlen deutscher Kultur und Architektur sind. Die barocke Stadt Bamberg, das nach dem Zweiten Weltkrieg fast ganz neu wieder aufgebaute Nürnberg, die Stadt Richard Wagners Bayreuth, sowie die Fränkische Schweiz mit den wunderschönen Berglandschaften. Dank unserer Lehrerin Frau Albrecht, die uns mit ihrem BMW (ein wahres bayerisches Symbol) in das eigentliche Herz Bayerns München entführte. Ein unersetzbarer Teil der bayerischen Kultur ist das Essen und das Trinken. Du bist eigentlich nicht in Bayern gewesen, wenn du nicht Nürnberger Bratwürste und Münchener Weißwürste und dazu Salzkringel und das örtliche Bier getrunken hast. Dazu muss ich bemerken, dass sich an jeder Ecke in Bayern eine Bierbrauerei befindet (mindestens gab es bei uns in Erlangen gleich um die Ecke eine) und dass die Bayern diejenigen sind, die in der Welt das meiste Bier verkonsumieren. Und dazu muss ich auch noch sagen, dass mein Patriotismus im Bezug auf das lettische Bier einen Knacks erhielt,

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denn so gut wie in Bayern hat mir noch nie ein anderes Bier auf der Welt geschmeckt.
Einen besonderen Kolorit verleiht der bayerischen Landschaft im Unterschied zu der übrigen globalisierten Welt der Boom von Volkstrachten, und dass diese von alten und jungen Leuten auch getragen werden
Was ist eigentlich Bayern und das zu ihm gehörende Franken? Wenn wir die Karte betrachten, ist das Land der Franken das einstige Territorium der Franken, und dieses befindet sich im Zentrum Bayerns – wo Nürnberg, Bamberg und Erlangen liegen. Man kann auch sagen, dass Franken der protestantische Teil Bayerns ist, denn hier hat sich die lutherische Reformation durchgesetzt. Dagegen haben sich im übrigen Teil Bayerns, wie zum Beispiel in München, die Protestanten erst zu Beginn des 19.Jahrhunderts blicken lassen.
Grüße an Lettland von alten Freunden
Einen besonderen Liebesglanz strahlte in Deutschland das Treffen mit alten Freunden aus, mit Brüdern und Schwestern in Christus, die alle ihre Freunde in Lettland grüßen ließen! Als wir erfuhren, dass wir alle – die Schwester aus der lettischen Kirchengemeinde in St. Petersburg, Erzbischof Elmārs Ernsts Rozītis und ich zum Treffen der Letten aus drei Ländern im 200 km entfernten Bad Neustadt an der Saale ( was nach deutschen Vorstellungen sehr nahe ist), und was wir bereits bei dem Kirchentag der Diözese Liepaja verabredet hatten. Dank der Gastfreundschaft unserer deutschen Freunde hat dieses „internationale“ Treffen der Letten bereits stattgefunden.
Und es musste auch wirklich so sein, dass der in Lettland von vielen hoch verehrte langjährige Rektor der Luther Akademie in Riga Reinhard Slenczka und seine Ehefrau Gisela ausgerechnet in Erlangen leben. Mit großer Liebe und Gastfreundschaft nahmen sie Juris und mich bei sich auf und zeigten und Bamberg und die fränkische Schweiz. Wir besuchten sie auch in ihrer Wohnung, wo wir uns Fotos von ihren Söhnen und deren Familien anschauten und uns berichteten, was sie jetzt täten. Bei diesem Treffen gab es auch die Gelegenheit zu ernsthafteren Gesprächen. Sie sind eifrige Lesung unserer Kirchenzeitung „Svētdienas Rīts.“
Besonders betrübt hat den Professor die betrübliche Nachricht, dass bei dem Umzug der Luther Akademie ein Teil der Bibliothek der LA erheblichen Schaden genommen hätte. Einen großen Teil seiner Zeit nimmt die Erarbeitung seines Standpunktes zum Beschluss der EKD in Anspruch, der es homosexuellen Paaren gestattet, von denen einer Pfarrer ist, in einem Pfarrhaus zusammen zu leben. Der Professor sagte, dass er keine Zeitungen mehr lesen würde, aber mit Ungeduld die nächste Ausgabe unserer Kirchenzeitung erwartete, denn nach seiner Ansicht sei „Svētdienas Rīts noch eine der wenigen echten Kirchenzeitungen. Ist sich die Kirche Lettlands wirklich der Rolle bewusst, die sie im europäischen Kontext zu spielen hat?
Alle unsere Gespräche fanden in lettischer Sprache statt. Wir waren sehr überrascht, dass sowohl Frau Gisela als auch der Professor sich noch so gut an diese Sprache erinnern! Und weshalb auch nicht – denn jeden Morgen üben sie sich in dieser Sprache dadurch, dass sie einige Stunden damit verbringen, dass sie komplizierte lettische Texte lesen und übersetzen. Nebenbei erfuhren wir, dass Frau Gisela inzwischen ein großer Fußballfan geworden sei, die kein Spiel auslässt, was der Professor halb im Scherz mit dem Satz kommentiert: „Ich habe inzwischen ein Alter erreicht, in dem ich tun darf, was ich möchte.“
Summa summarum
Wie können wir diesen Monat zusammenfassen? Das können wir mit einem Satz aussprechen: Dank sei Gott und den Menschen für diese wunderbare Liebesgabe!

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Der Dom zu Riga wurde in diesem Jahr 800 Jahre alt. Inga Reča, Gunita Āre
Im Juli sind genau 800 Jahre vergangen, seit in einer feierlichen Handlung unter der Leitung von Bischof Albert im Jahr 1211 der Grundstein für den Dom zu Riga gelegt wurde. Dieser bedeutenden Handlung gedachte die Domgemeinde in Riga sowohl mit einer Festwoche vom 25. bis zum 31 Juli als auch mit dem wertvollen Projekt der Restaurierung, an dem sich auch die Kommunalverwaltung und die Europäische Union mit einem Gesamtbetrag von etwa 4
Millionen Lats beteiligen werden. Der Dom zu Riga ist für Touristen das beliebteste Objekt ihrer Besichtigungen, wenn sie die Hauptstadt Lettlands Riga besuchen. Die umfangreichen Restaurierungsarbeiten müssen bis zum Jahr 2014 abgeschlossen sein. wenn Riga Kulturhauptstadt Europas sein wird.
Der Dom zu Riga, der schon selbst ein einmaliges Denkmal der Kultur ist, birgt in sich viele Schätze – darunter die sterblichen Überreste St. Mainhards, des ersten heute noch bekannten Missionars Livlands. Der Kanonikus Meinhard des Augustinerklosters im unweit von Lübeck gelegenen Segeberg traf in Livland etwa im Jahr 1180 ein
Das kürzlich restaurierte Wandgemälde am nördlichen Eingang des Domes „Die Krönung St. Mariens“ halten Kunstwissenschaftler für das älteste erhaltene Wandgemälde im Baltikum, das mit dem Datum Anfang des 14. Jahrhunderts versehen ist. Der Altar, das Altargestühl, die Farbfenster, die Grabsteine und die Gemälde – fast alles, was sich im Dom befindet, ist von einmaliger Bedeutung für die Kultur, – auch die Markierung, mit der der Wasserstand bei der Flut des Jahres 1709 angezeigt wird.
Der Dom zu Riga ist die Kathedrale des lutherischen Erzbischofs. Mindestens einmal im Monat predigt der derzeitige evangelisch-lutherische Bischof Jānis Vanags hier im Gottesdienst. Nach der Ansicht des Pfarrers der Domgemeinde Elijs Godiņš gehören zu den stärksten Seiten des Domes die Ökumene und die kirchenmusikalische Tradition.
In der ganzen Welt bekannt ist die unvergleichbare Orgel des Domes zu Riga. Als sie damals in den Jahren 1883-1884 gebaut wurde, war sie die größte Orgel der Welt. Heute hat sie allerdings diesen Ruhm nicht mehr, aber Experten halten sie für eine der weltweit wertvollsten historischen Orgeln, die nicht umgebaut und dem Geschmack der Zeit angepasst wurden, die ihr altertümliches Aussehen und ihre ursprüngliche Intonation bewahrt haben. Der Bau der Domorgel war am Ende des 19. Jahrhunderts ein Ereignis von europäischem Rang im Kulturleben des Kontinents. Der berühmte Komponist Franz Liszt hat aus diesem Anlass eine Fantasie über den Choral „Nun danket alle Gott“ komponiert. Auch in der heutigen Zeit finden alle Konzerte von höchstem Prestige im Dom zu Riga statt.
Zur Bedeutung und zum Standort des Domes ist zu bemerken, dass sich der Dom im Zentrum der Altstadt von Riga befindet, und dass es kaum eine Gruppe von Touristen gibt, die an ihm vorbei geht. Doch ist dieses Gotteshaus für jeden Letten etwas ganz Besonderes – sei es durch seine Gottesdienste, die Konzerte oder durch die Zeit der Barrikaden, bei der im Januar 1991 (kurz nach dem Zusammenbruch der UdSSR) sich der Dom in ein Lazarett oder eine Stätte, in der Erste Hilfe geleistet wurde, und zu einem Ort des seelsorgerlichen Beistandes für die Wächter Rigas verwandelt hatte.
„Wir möchten eine Stätte werden, in der alle Platz haben, und in der man bei aller Verschiedenheit in Liebe zusammen leben kann. Das heißt nicht, dass wir unsere Identität verlieren möchten, sondern uns sehr vielen und sehr unterschiedlichen Menschen öffnen wollen, sowohl denjenigen, die hier nur Musik anhören und die kulturhistorischen Schätze bewundern, als auch denjenigen, die ein intensives geistliches Leben haben und die das Heilige Abendmahl täglich empfangen möchten. Diese Möglichkeit haben wir, denn an jedem

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Morgen eines Werktages beginnt um 8 Uhr ein Frühgottesdienst. Wir sind froh und dankbar, dass wir so vielen und so unterschiedlichen Menschen dienen und sie auf ihrem Wege zu Christus ansprechen können,“ sagt Domdekan Elijs Godiņš.

Luther Akademie wählt neue Leitung. Ivars Kupcis
Am 23. August fand die erste Sitzung der Verfassungskommission der Luther Akademie statt, in der die neue Leitung der Luther Akademie (LA) gewählt und deren neue Verfassung bestätigt wurde. Die Sitzung begann mit einer Andacht, an der die Studenten und Dozenten der LA teilnahmen und die von Erzbischof Vanags gehalten wurde. In der Versammlung der Verfassungskommission wurden darauf die leitenden Institutionen, der Rektor und der Senat der LA gewählt. Zum neuen Rektor der LA wurde mit einer überzeugenden Mehrheit der Erzbischof der ELKL Jānis Vanags gewählt. Der zweite Bewerber um das Amt des Rektors war Pfarrer Dr. Didzis Stilve.
Als Mitglieder des neuen Senats der LA wurden gewählt der Dozent der LA Pfarrer Dr. Guntis Kalme, Pfarrer Dr. Didzis Stilve, Dr. Sandra Gintere, Vilis Kolms, Pfarrer und Seelsorger der LA Juris Zariņš, der bisherige Leiter der Verwaltung der LA Pfarrer Indulis Paičs, die Studenten der LA Kaspars Bērziņš und Romāns Kurpnieks sowie als Vertreterin der ELKL Helēna Andersone. Die Verfassungskommission wählte auch in dieser Sitzung die Schiedskommission der LA, zu der nun Pfarrer Dzintars Laugalis, Pfarrer Aivars Gusevs, Laila Čakare und Ilze Sprance gehören. Als Revisoren wurden die Mitglieder der Revisionskommission der ELKL Juris Narkevičs, Iveta Ilsuma und Māra Līguta wieder gewählt Zur Verfassungsversammlung der LA gehören Vertreter die das Personal und die Studentenschaft sowie die Gründerin der LA – die ELKL – aus ihrer Mitte gewählt haben Von der Seite des Personals der LA nahmen an der Sitzung Dr. Didzis Stilve, Laila Čakare, Ilze Sprance, Vilis Kolms, Juris Zariņš und Indulis Paičs teil. Die Studentenschaft der LA wurde durch Kaspars Bērziņš und Romāns Kurpnieks vertreten und die ELKL durch Bischof Pāvils Brūvers und die Assistentin des Erzbischofs Helēna Andersone vertreten.
Zum ersten Mal seit dem Bestehen der LA wurde auch die Verfassung der LA beschlossen, welche die Arbeitsprinzipien dieser Bildungsinstitution festschreibt. Nach dem Gesetz muss dir Verfassung aber noch vom Bildungsministerium und vom Wissenschaftsministerium der Republik Lettland genehmigt werden. Die LA setzt den Prozess der Anerkennung der LA durch die staatlichen Ministerien fort und hofft, dafür die nötigen Unterlagen noch in diesem Herbst vollständig zusammen zu haben. Pfarrer und Dozent Indulis Paičs erläutert das damit, dass die staatliche Anerkennung eine gewisse Qualität für den weiteren Studienverlauf in der LA garantiert und den Absolventen der LA die Möglichkeit verschafft, diesen Abschluss mit der staatlichen Anerkennung zu beenden. Im neuen Studienjahr hat die LA für das Theologiestudium für das Pfarramt 5, für das Studium der Kirchenmusik 3 und für die Ausbildung von Mitarbeitern der Kirchengemeinden 7 Studierende aufgenommen. Am 9. September begann auch die Kleine Luther Akademie (KLA) mit ihren Kursen, die sich in diesem Semester mit der Exegese des Buches des Propheten befassen und die von Laila Čakare geleitet werden und gibt unter der Leitung von Anete Sviķe eine Einführung in die christliche Kunst.

Meldungen aus der Erzdiözese Riga
- Mit Wirkung vom 8. Mai wurde der Pfarrer Aivars Gusevs zum Pfarrer der Kirchengemeinde Sloka ernannt. Davor hat er den Pfarrdienst in den Kirchengemeinden St.

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Annen in Jelgava, Kalnciema-Klīve, Sesava und Dalbe wahrgenommen. Hilfspfarrer Varis Bogdanovs begann am 18. August seinen Dienst als Pfarrer der St. Trinitatisgemeinde in Riga..
- Am 3. Mai fand das Ordinationsexamen von 3 Kandidaten statt (Haralds Biete, Atis Freipičs und Ainars Rendors) .Zum Examen für Evangelisten hatten sich 11 Bewerber gemeldet, von denen einer aus Gesundheitsgründen nicht zur Prüfung erscheinen konnte. Alle anderen bestanden die Prüfung mit Erfolg.
- Am 15. Juni fand in einem Gottesdienst zum Abschluss des akademischen Jahres der LA ein Gottesdienst statt, in dem der Propst der Propstei Riga Linards Rozentāls folgende Evangelisten für ihren Dienst einsegnete: Kaspars Bērziņš (zum Dienst in der St. Johanniskirche in Riga), Kārlis Irbe, der zum Dienst in der Jesusgemeinde in Riga zur Verfügung steht. Am Sonntag Trinitatis wurde in der Kirche von Lazdona Guntars Agris Paegle in das Amt eines Evangelisten eingeführt. Er steht ab sofort mit seinem Dienst dem Propst von Madona zur Verfügung
- Am 17. Juli wurde in der Kirche von Sloka Vladimirs Pejuškēvičs in das Amt eines Evangelisten eingesegnet und am 11. September wurde Evangelist Aigars Vančenko in seinen Dienst in der Kirchengemeinde Garkalne im dortigen Gotteshaus eingeführt.
- Der Evangelist Agris Pilsums wurde zusätzlich zu seinem Dienst in der Kirchengemeinde Kalnsava mit Wirkung vom 1. Juli mit der Hilfeleistung auf Anweisung des Propstes von Madona in den Kirchengemeinden Madona und Cesvaine beauftragt.
- Ab dem 9. August wird bis auf weiteres Pfarrer Jānis Ginters seinen Dienst in der Neuen St. Gertrud Gemeinde in Riga nicht wahrnehmen. Der Dienst wird dort für das erste von den Pfarrern Juris Zariņš und Elijs Godiņš stellvertretend wahrgenommen.
- Seinen Dienst in den Kirchengemeinden Dubulti hat Pfarrer Ivo Grantiņš am 1. September beendet und Pfarrer Gundars Bērziņš wird seinen Dienst in der Kirchengemeinde Ādaži am 25. September beenden.
- Am 3. September führte Erzbischof J. Vanags Pfarrer Magnus Begtson in das Amt des Propstes von Gulbene ein.
- Pfarrer Dainis Markovskis ist seit dem Beginn seines Dienstes in der Kreuzkirchengemeinde in Melbourne in Australien aus dem Verzeichnis der Pfarrer der ELKL gestrichen worden.
- Sieben den Dienst eines Pfarrers ausübenden Hilfspfarrer hat Erzbischof J. Vanags zu Pfarrern ernannt. Am 2. Oktober wird der Erzbischof um 11 Uhr im Gottesdienst der St. Johanneskirche in Cēsis an Pfarrer Ainis Ozoliņš das Umhängekreuz als Dienstzeichen eines Pfarrers überreichen. Als Pfarrer wird er künftig dem Propst von Cēsis zur Hilfeleistung zur Verfügung stehen, aber gleichzeitig ist er auch der Leiter des Unternehmens der Kirche „Pastorat“, das für die die kirchlichen Immobilien zuständig ist.
- Am 8. Oktober um 11 Uhr wird der Erzbischof das Amtszeichen des Pfarrers in der St. Simoniskirche in Valmiera Ģirts Kalniņš, Edijs Kalekaurs und Andris Vilemsons überreichen, und am 23. Oktober um 11 Uhr wird Bischof Guntars Dinants das Amtszeichen an Zigmars Ziemanis in der Kirche von Smiltene überreichen.
- Zu Pfarrern wurden außerdem Roberts Otomers und Krišjānis Bulle ernannt
- Das Kapitel der Erzdiözese Riga kam am 16. Juni und 31 August zu zwei Sitzungen zusammen.

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Bei der Kirche von Limbaži wird der Turm restauriert. Ingrīda Briede
Im Sommer dieses Jahres haben viele Einwohner von Limbaži bestimmt ihren Blick auf einen der höchsten Punkte des Ortes gerichtet – auf den Kirchturm des lutherischen Gotteshauses von Limbaži. Dieser ist mit Strickleitern versehen worden, so dass die Alpinisten der Firma „Natur AG“ ihre Restaurationsarbeiten am Kirchturm beginnen können.
Die Holzkonstruktion des Kirchturms und die Deckung des Turmes wurden ausgewechselt. Dass diese Arbeiten durchgeführt werden konnten, ist dem Thüringer Gustav Adolf Werk und der staatlichen Denkmalsinspektion und vielen Spenden aus der Kirchengemeinde zu verdanken. Es wurde auch ein Blitzableiter eingebaut. Die Menschen in Limbaži möchten aus den bitteren Erfahrungen der Vergangenheit etwas lernen, denn im Geschichtsbuch der Kirche können wir lesen, dass der Kirchturm im 18. Jahrhundert durch Blitzschlag abgebrannt ist. In den nächsten Jahren muss die Turmspitze restauriert werden. Nun muss sich die Kirchenge- meinde den Kopf zerbrechen, wo sie die Mittel für diese Renovierung her bekommt, denn schon jetzt ist es klar, dass dieses kein billiges Vergnügen sein wird.
Dank des Ergebnisses bei einem Preisausschreiben konnte das Gemeindehaus einen neuen Anstrich seiner Fassade erhalten. Zur Zeit entsteht dort die Freitreppe, die aus Holz ist und in dem für sie typischen Stil wieder hergestellt wird. Diese Arbeiten werden vom Leiter des Forschungszentrums des Museums von Limbaži beaufsichtigt. Der grüne Innenhof des Gemeindehauses, der von der Kirchengemeinde im Sommer gerne für Veranstaltungen genutzt wird, bekommt dadurch wieder einen neuen Akzent.

„Zwanzig Jahre in Liebe zu Jesus.“ Ligita Ābolniece
Am 10. September gedachte die Kirchengemeinde Kārsava der 20 Jahre, seit dem sie nach dem Ende der sowkjetischen Besatzung wieder erstanden war. Den Festgottesdienst hielten der Bischof der Diözese Daugavpils Einārs Alpe, der Pfarrer der Kirchengemeinde Rēzekne Reinis Kulbergs und der Pfarrer der Kirchengemeinde Kārsava Mārtiņš Vaickovskis.
Zu diesem Ereignis hatten sich sehr viele Menschen zusammen gefunden. Es waren Gäste aus den Kirchengemeinden Balvi, Viļaka, Tilža, Rēzekne und Ludza angereist, und zu den Besuchern gehörten auch Glieder der Adventistengemeinde in Kārsava. Zum Fest sprachen auch die Vertreter der Kommune ihre Glückwünsche aus – die Bürgermeisterin Ināra Silicka und der Gemeindedirektor Pēteris Labanovskis. Den allerweitesten Weg hatte aber ein Gast aus Deutschland zurückgelegt – unser alter treuer Freund Michael Mauersberger, der die Glückwünsche der Partnergemeinde Grobern in der Ephorie Meißen und der Partnergemeinde der Kirchengemeinde Balvi in Meißen überbrachte. Das Jubiläumskonzert veranstalteten die Schüler der Musikschule von Kārsava, das Jugendensemble „Konsonanzen“ unter der Leitung von Ligita Žukovska und ein Ensemble aus Salnava unter der Leitung von Elvīra Bliene. Einer der wichtigsten Wünsche, die ausgesprochen wurden, war der, dass der Kirchengemeinde nie die Kraft ausgehen möge, die Kirche zu renovieren,
Die Kirchengemeinde nahm ihre Arbeit wieder auf nach dem nationalen Wiedererwachen 1991. Während der sowjetischen Besatzungszeit musste die Kirche als Kino herhalten. Als die Kirchengemeinde die Kirche wieder in ihren Besitz nehmen konnte, befand sich diese in einem entsetzlich schlechten Zustand. Die Fenster waren zugemauert, es gab keinen Strom, der Kirchturm war abgerissen, das Gebäude völlig umgebaut und Anbauten daneben gesetzt. In diesem Jahr renovierte ein Team der Kirchengemeinde die heilige Stätte Gott zur Ehre und sich selbst zur Freude. Es wurden die Gegenstände aus dem Besitz der Kirchengemeinde aufgearbeitet, es wurde ein neuer Altar errichtet. An der Stelle des einstigen Altarbildes

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befindet sich jetzt ein von Pfarrer Ķemeris gemaltes Bild, der selbst in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg Pfarrer dieser Kirchengemeinde war, und das den Guten Hirten darstellt.
Während der Sowjetzeit wurde dieses Bild im Bethaus von Baltinava aufbewahrt. In die Kirche wurden inzwischen zwei Fenster eingesetzt und eine Renovierung der Decke durchgeführt. Mit der Hilfe der Kirchengemeinde Grobiņa hat die Gemeinde wieder Bänke in der Kirche und mit der Hilfe unserer deutschen Partner sind wir wieder zu einer Glocke gekommen. Wir uns Gemeindeleiterin Aina Zandere berichtete, ist die Kirchengemeinde mit 18 Gliedern nur eine kleine Kirchengemeinde, aber zu den Gottesdiensten kommen oft mehr als 20. Die Gottesdienste finden einmal im Monat statt. In der Kirchengemeinde ist auch die Diakonie am Werk. Sehr aktiv sind an der Gemeindearbeit Ārija Smoļaka, Ksenija Krūmiņa und andere eingebunden. Bereits seit einem Jahr erscheint einmal monatlich unser Gemeindeblatt, für das Oskars Smoļaks verantwortlich zeichnet. Zu unserem Jubiläum ist jetzt eine Ausgabe erschienen unter dem Titel „20 Jahre in der Liebe zu Jesus“. An den großen Festtagen findet hier jedes Mal am Nachmittag ein Festessen statt. In unserer Kirchengemeinde haben die Pfarrer Einārs Alpe und ab 2007 Mārtiņš Vaickovskis gewirkt. „Seit den Jahren des Dienstes von Einārs Alpe hat sich zwischen unserer Kirchengemeinde und den Brüdern und Schwestern der Kirchengemeinden Balvi, Viļaka und Tilža – also mit allen Kirchengemeinden, in denen unsere Pfarrer auch ihren Dienst versehen – ein sehr schönes freundschaftliches Verhältnis entwickelt. Das Verhältnis zu ihnen ist oft weitaus besser als zu unseren eigenen Verwandten. Jedes Jahr unternehmen wirq1 gemeinsame Ausflüge. In diesem Jahr nahmen wir am Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden teil.“ In der Kirchengemeinde haben wir auch einen Büchertisch, an dem man Bibeln und geistliche Literatur haben kann. Zur Zeit haben wir in unserer Kirchengemeinde das Projekt, dass wir unsere Gemeinderäume wieder herrichten möchten, damit wir uns dort versammeln können, auch im Winter zum Gottesdienst. Doch unsere ganz wichtige Hoffnung ist, dass wir unseren Kirchturm wieder in Ordnung bringen können. A. Zandere sagte: „Ich danke allen, die für die Renovierung unserer Kirche Geld gespendet haben: Dem Rat der Gemeinde und des Landkreises, der Familie Rein und allen Gemeindegliedern, die ihre Zeit und ihre Finanzen in den Dienst unserer Kirchengemeinde gestellt haben. Zur Zeit der ersten freien Republik Lettland vor dem Zweiten Weltkrieg hieß die Kirche Auferstehungskirche in Kārsava. Wir berufen uns auf diese einstige Hoffnung, dass die Kirche mit uns zusammen auferstehen möge.“ Gott helfe uns, dass diese Hoffnung wahr werde!

Die Kirche von Dignāja feiert ein doppeltes Jubiläum Ligita Ābolniece
Am 27. August feierte die lutherische Kirchengemeinde Dignāja mit einem Festgottesdienst und einem entfalteten Konzert mit klassischer und heutiger Musik das 200jährige Bestehen ihres Gotteshauses und das 444 jährige Gedenken des Bestehens der Kirchengemeinde. Den Gottesdienst leiteten der Bischof der Diözese Daugavpils Einārs Alpe, der Propst der Propstei Sēlpils Ainārs Spriņģis, der Pfarrer der Kirchengemeinde Krustpils Ēvalds Bērziņš und der Pfarrer der Kirchengemeinde Dignāja Ivars Dzelme, der in dieser Kirchengemeinde seit 2000 seinen Dienst tut.
Nach dem Gottesdienst konzertierten der Frauenchor „Variācija“ aus Dunava unter der Leitung von Laine Zeile und als Solist Lauris Goblickis. Im Gottesdienst musizierten Anita
Ķituke an der Orgel und der Landsmann Arvīds Klišāns
Licht aus alten Zeiten
Die älteste Kirche wurde um 1576 erbaut. Es war eine Holzkirche mit einem Strohdach. An dieser Stelle stehen jetzt alte Lindenbäume. Das sind in Dignāja die Bäume, die die Hoffnung

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und den Glauben verkörpern. Bei dem Bau der neuen Kirche, die am 3. Dezember 1811 geweiht wurde, und die auch noch heute besteht, haben die Bauleute Kalkstein aus der Nähe verwendet. Während der Zeit des Kirchbaues ist hier eine große Schlucht entstanden. Während des Ersten Weltkrieges wurde die Kirche schwer beschädigt. Sie wurde während der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts wieder aufgebaut. In der Kirchengemeinde gibt es einen Kirchenchor, einen Frauenkreis, der diakonische Hilfe leistet, und in jedem Jahr erscheint ein Jahrbuch der Kirchengemeinde. Während des Zweiten Weltkrieges hat die Kirche nur wenig gelitten. Nach dem Kriege wurden mehrfach Renovierungsarbeiten durchgeführt. Die Gemeinde konnte ihre Arbeit die ganze Zeit über fortsetzen und hat es nicht zugelassen, dass die Sowjetmacht aus ihr ein Materiallager machte. In der Kirche befinden sich viele wertvolle alte Schätze. Dazu gehören ein Grabplatte aus dem Jahr von A. Velinka aus dem Jahr 1575, die in die Wand der Sakristei eingemauert ist und vom Staat als historisches Denkmal anerkannt ist. Der Standort der Kirche und die alten Grabsteine sind archeologische Dekmäler von örtlicher Bedeutung. In diesem Gottesdienst wurden wir außer vom Sonnenlicht auch vom Leuchter aus Kristall – einer heute noch erhaltenen Stiftung des Gutsbesitzers – bestrahlt
In sehr lebendiger Erinnerung ist für die Leute in Dignāja Pfarrer Karl Julius Weirich (1814-1863), der sich sehr um die Bildung der Menschen gemüht hatte, die noch unter der Leibeigenschaft leben mussten. Er ist für Dignāja ebenso bedeutend wie der alte Stender für Sunākste. Er liebte den Gesang und unterrichtete seine Leute darin. 1859 erschien der von ihm verfasste „Kranz von Liedern, gewunden für die lieben lettischen Jünglinge und Kinder zu neuer Freude“, der sich einer außerordentlich großen Beliebtheit erfreute. Weirich organisierte auch für den Chor von Dignāja die ersten Liederfeste. Er ist im Friedhof an der Daugava bestattet.
Lass deine Seele auf Flügeln emporschweben
Der größte Schatz einer jeden Kirchengemeinde sind die Menschen. In seiner Ansprache sagte Bischof E. Alpe: „Die Menschen, die vor 200 Jahren in dieses Gotteshaus gekommen sind und wir heute haben das aus dem gleichen Grunde getan – mit Gott zu sprechen, Gott zu danken und seine Gegenwart zu empfinden.“ Der Gottesdienst war außerordentlich gut besucht, so dass die große Kirche von Menschen überfüllt war. Es waren auch viele Gäste und Gratulanten aus Zasa, Līvāni, Jēkabpils, Riga, Daugavpils und aus anderen Orten zugegen. Die Kirchengemeinde ist mit 34 Gliedern nur eine kleine Kirchengemeinde. Die Kraft der kleinen Kirchengemeinden ist im Blick auf ihre Geschlossenheit, Herzlichkeit und Offenheit größer als die mancher großer Kirchengemeinden. Wie Gemeindeleiterin Aina Zaharevska berichtete, welche dieses Amt seit 2000 bekleidet, „hat die Kirchengemeinde in den vergangenen drei Jahren sehr viel erreicht. Sie hat ihre Besitzverhältnisse im Blick auf ihren Immobilien- und Grundbesitz wieder neu regeln können, das Dach der Sakristei ausgewechselt, den Glockenturm und die Kirchentür renoviert. Weiterhin notwendig bleibt die Renovierung der Innen- und Außenwände der Kirche und des Daches. Doch dafür fehlen der Kirchengemeinde zur Zeit die Mittel.“ Der Gemeinde hat es nicht an Ideen gefehlt, die Wände mit Laub und Blumen zu schmücken, um in dem Raum die wahre Festtagsstimmung entstehen zu lassen, damit die Gottesdienstbesucher ihre Herzen dadurch erwärmen könnten.
Im Gottesdienst war auch die unsichtbare Welt bei uns. Kurz nach der Austeilung des Heiligen Abendmahles flog in die Kirche durch die offene Tür ein brauner Schmetterling herein. Er überflog die Reihen der Gottesdienstbesucher, als wollte er sagen: „Jemand schaut dich an! Spürst du es? Es kommt die Arbeit des Herbstes, die schwer sein wird. Schwebe mit deiner Seele auf Flügeln empor! Tu das wenigstens heute. Verbring einen Augenblick im Sumpf – und schon weißt du, was es für dich bedeutet, zu fliegen.

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Im Gemeindetag in Krustpils wurde über die Vaterlandsliebe gesprochen. L. Ābolniece
Am 3. September fand in der evangelisch-lutherischen Kirche von Krustpils der Tag der Gemeinde statt. Er hatte ein sehr breites und interessantes Programm, aber leider einen recht geringen Besuch. Der Tag begann mit einer Andacht, die vom Pfarrer der Kirchengemeinde Ēvalds Bērziņš gehalten wurde.
Der Vorsitzende der Verwaltung des Lutherischen Erbes Juris Uļģis stellte den Anwesenden die Arbeit der Verwaltung des lutherischen Erbes vor. Im Laufe von 20 Jahren hatte sie die Möglichkeit, für die Kirchengemeinden neue Bücher anzuschaffen. Im Konzert sang der Männerchor der Senioren der Kirchengemeinde unter der Leitung von Romāns Kielbickis und der Kirchenchor Aizkraukle unter der Leitung von Sulamīte Spriņģe. Auf der Violine spielten die Lehrer der Musikschule Jēkabpils Ieva Bērziņa und Jeļena Skurjate und auf der Orgel die Organisten Sulamīte Spriņģe klassische Stücke und die Verfasserin dieser Zeilen trug Ausschnitte aus ihrer Sammlung von Bühnenstücken „Zu Hause“
vor. Bischof Alpe war bei diesem Gemeindetag auch zugegen.
Im Mittelpunkt dieses Gemeindetages stand ein Vortrag von Pfarrer Dr. Guntis Kalme „Biblische Grundlagen des Patriotismus.“ Der Vortragende leitete den Patriotismus vom Bericht von der Schöpfung her ab. In der Bibel ist immer ein bestimmter Ort für das Geschehen bestimmend. Die erste Heimat des Menschen war der Garten Eden (heute auf dem Gebiet Mesopotaniens gelegen). In der ganzen Bibel ist das Geschehen mit konkreten Orten verbunden. Im Alten Testament zog das Volk in das Gelobte Land. In den Prophezeiungen, die sich auf Jesus beziehen, wird immer auf Orte hingewiesen, die im Leben Jesu von Bedeutung waren. Der Vortragende wies darauf hin, dass auch im Zeitraum die menschliche Existenz wichtig ist. Einen großen Wert stellt der Leib des Menschen dar, der bei der Überwindung aller Höhen und Tiefen eine große Geschwindigkeit erreicht. Für das Leben des Menschen ist nicht nur dessen leibliche Existenz, sondern auch dessen Bestimmung notwendig.. Der Mensch hat nicht nur das Recht, frei zu sein, sondern auch die Pflicht. Freiheit ist ein Befehl! Der Mensch ist derjenige, der bestimmt und bewirtschaftet. „Ohne einen Ort, ohne den Leib und ohne Freiheit ist menschliches Leben unmöglich.“ Der Ort muss mit der Möglichkeit verbunden sein, in ihm frei handeln zu können. Ebenso wie der einzelne Mensch, so braucht auch das Volk seinen Ort und die Freiheit, das Land bestellen zu können. „Die Fähigkeit des Volkes, das Land zu bewirtschaften, das Gott für das Volk bestimmt hat, garantiert einen Staat.“ Nur in seinem Land hat ein Volk die Möglichkeit, sich zu verwirklichen. Gott hat uns Lettland geschenkt, und für dieses Land müssen wir sorgen und bereit sein, es zu verteidigen. Der Vortragende wies darauf hin, dass es fast jeder Generation aufgetragen worden ist, für die Freiheit ihres Volkes einzutreten. „Der Baum der Freiheit ist mit Blut besprengt.“ Die Freiheit gibt es nie gratis. G. Kalme sagte, dass von den unzähligen Völkern auf dem Erdkreis nur 196 ihr eigenes Land hätten. Zu ihnen gehört auch Lettland. Es ist wichtig, dass sich jeder dafür einsetzt, dass das Land dem Volk gehört und nicht irgend welchen sozialen Schichten. „Wir brauchen eine nationale Ideologie. Das ist die Gesamtheit der Ideen und Werte, die unser Selbstbewusstsein bestimmen. Eine nationale Ideologie ist für die Existenz eines Volkes notwendig.“ Diese nationale Ideologie ist mit dem christlichen Glauben verknüpft. Im vierten Gebot „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem Lande, dass dir der Herr, dein Gott, geben wird“ (2. Mose 20,12) ist eine Verheißung ausgesprochen.
Die Liebe der eigenen Familie und der Heimat ist der Inhalt des christlichen Patriotismus. Unser Leben läuft nicht irgendwo zwischen Himmel und Erde ab, sondern zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort. Unser Haus, unsere Wohnung ist der Ort, den wir

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zu unserer allerpersönlichsten Stätte machen dadurch, dass wir dort leben. Unsere Häuser vereinen sich in der Gemeinschaft zu unserer Heimat. Der Mensch wird in seiner Heimat geboren. Er ist kein abstraktes Wesen, das sich irgendwie sozialisiert und eine Zeit irgendwo verbracht hat. Das Wort „Vaterland“ nimmt Bezug auf unsere Vorfahren. Das lateinische Sprichwort „Wo es dir gut geht, da ist deine Heimat“ sollte besser eine andere Reihenfolge haben „Wo deine Heimat ist, da geht es dir gut.“ Ebenso wie ein Baum und eine Pflanze braucht der Mensch seine Wurzeln. Unsere Nationalhymne „Gott, segne Lettland“ bringt den christlichen Glauben mit dem Patriotismus zusammen. Sie ist ein Gebet und ein Bekenntnis unseres Glaubens. Der Referent sprach die Hoffnung aus, dass unser Volk durch christlichen Patriotismus wiedergeboren werden möge, denn dadurch ist es entstanden.
Bei allen Veranstaltungen dieses Tages der Kirchengemeinde war die patriotische Stimmung nicht zu überhören. Dieses Thema klang in der Ansprache bei der Morgenandacht ebenso wie bei den Chorgesängen an.

Bei den Altgläubigen an der Küste des Peipus Sees Ingrīda Briede
Er gibt einen Ort in unserem Nachbarland Estland, zu dem ich von Zeit zu Zeit hinfahren und dabei auch meine Freunde mitnehmen möchte. Das ist eine ganz eigenartige Welt – diese Dörfer der Altgläubigen Kolkja, Mustve, Kallaste und Raja am estnischen Ufer des Peipus Sees. Von Lettland her ist der Weg nicht allzu weit – etwa 80 km von der Grenzstadt Valka bis nach Tartu und dann noch 40 bis zur Küste des Peipus Sees. Einst stand hier die Kultur der Altgläubigen in voller Blüte, die Menschen lebten hier in einer abgeschlossenen Umgebung, und der Glaube und die Tradition prägten die Leute sehr stark. Nun herrscht auch hier wie überall das Globale, die Traditionen machen sich nicht mehr eindeutig bemerkbar, die Jugend hat sich bei ihrer Arbeitssuche über alle Welt verstreut, aber dennoch ist hier etwas von dem Vergangenen zu bemerken. Die Menschen vor Ort befürchten, dass die Welle der Touristen die letzten verbliebenen Traditionen zerstören könnte, aber vielleicht kommt es dadurch zu etwas ganz anderem und trägt dazu bei, dass die Tradition erhalten bleibt, denn viele Touristen suchen das Ursprüngliche und Echte.
Wenn man zum Peipus See fährt, dann sollte man auf jeden Fall in Tartu Halt machen und dort die Universität und die Antonius Gilde, das Haus der Handwerker, besuchen, einen Spaziergang durch die Altstadt machen und den Domberg besteigen. Die Einwohner der Stadt sind stolz auf ihre St. Johanniskirche in der Mitte der Altstadt. Dort kann man etwas ganz besonderes sehen – Tausend winzige Terrakottaskulpturen aus dem Mittelalter. An anderen Orten in der Welt gibt es vielleicht an einer Stelle 400, aber hier tatsächlich Tausend. Dabei ist es interessant, zu erfahren, dass es noch bis zum Zweiten Weltkrieg nicht bekannt war, dass solche Skulpturen überhaupt existierten, aber während des Krieges wurde durch eine Explosion die Stukkatur niedergerissen und dadurch diese Schätze aus vergangenen Zeiten an das Licht gebracht. In der Kirche kann man auch eine Ausstellung besichtigen und dort befindet sich auch ein kleines christliches Geschäft, und sehr oft finden dort Konzerte statt. Die Domruine steht auf dem Domberg über Tartu seit der Zeit der Reformation. Eins war das Bistum Tartu ein eigenes Bistum. (Über die Livländische Zeit kann man auch viel im Museum der Burg von Turaida erfahren.)
Der Peipussee, Zwiebeln und geräucherter Fisch
Eine neu erbaute Autostraße führt uns von Tartu zur Küste vom Peipus See und zum Dorf Varnja. Dort beginnt ein langer Weg, an dessen Rande viele kleine Häuser im russischen Stil mit ihren Vorgärten stehen. Dieser Weg erstreckt sich mit kurzen Unterbrechungen fast an der ganzen Küste vom Peipus See entlang. Und nun sollte man die Augen sehr weit aufmachen,

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denn hier gibt es viel zu sehen. Im Frühjahr sind es die Holzfällerarbeiten, später die Arbeiten des Säens und Pflanzens und noch später das Einbringen der Ernte vor allem der Zwiebeln in jedem Hof. Unsere Fremdenführerin im Museum der Altgläubigen Anna berichtet: „Für die Einwohner der Dörfer ist die Arbeit sehr wichtig. Im Frühjahr schauen wir nach, ob die Nachbarn noch draußen sind und im Garten arbeiten., wenn sie das nicht tun, dann ist ihr Leben zu Ende gegangen. Denn alle, die sich noch bewegen können und leben, die arbeiten – die Frauen im Garten und die Männer sind unterwegs zum Fischen.“ In jedem Garten gibt es erhöhte Zwiebelbeete, und eins der Souvenirs, dass man immer von hier vom Peipus See mitnehmen sollte, ist ein prächtiges Gerät zum Sieden der Zwiebeln. Früher haben die Einwohner am Peipus See das ganze Gebiet von Helsinki und Petersburg bis hin nach Riga mit Zwiebeln versorgt. Von der einstigen Weite dieses Gebietes ist heute nur noch ein Viertel übrig geblieben. Ebenso beschäftigen sich die Menschen vor Ort mit der Fischerei. Auch jetzt ist der Peipus See eine beliebte Stelle für das Angeln im Winter und die Hauptsaison für den Tourismus ist hier der Winter, an dem sich die Männer zusammentun, die keine Angst davor haben, die kältesten Tage im Winder auf dem See zu verbringen, viele Kilometer vom Ufer entfernt. Am Peipus See gibt es auch eine Fischkonserven Fabrik, und in dem kleinen Geschäft in Mustve kann man alle Arten von Fischkonserven kaufen.
Kolkja – Geschichte und Kultur der Altgläubigen
Wenn man nach Kolkja kommt, sollte man zuerst das neu erbaute Informationszentrum vom Peipus See besuchen. Hier berichten uns die freundlichen Mitarbeiterinnen, was in der Umgebung sehenswert ist. Im Geschäft kann man verschiedene Souvenirs einkaufen und sich mit einer Tasse Kaffee stärken. Zu den Souvenirs gehören Handarbeiten, selbst hergestellter Zucker und Tee. Die Handarbeiten stammen von den Frauen aus den Dörfern oder werden im großen Saal des Informationszentrums angefertigt. Auf jeden Fall sollte man in Kolkja das Museum der Altgläubigen besuchen. Die gut informierte Fremdenführerin Anna gibt uns Einblick in die Traditionen der Altgläubigen und demonstriert uns, wie die Altgläubigen ihre Gebete singen. Inzwischen bin ich dort mehrfach gewesen, aber jedes Mal erfuhr ich viel Neues. Die Kultur der Altgläubigen ist bewundernswert tief und eigenartig.
Die Bewegung der Altgläubigen entstand um 1654, als der Moskauer Patriarch Nikon eine Revision der Gebet- und Gesangbücher durchführte und damit an die griechisch orthodoxe Kirche näher heranrücken wollte. 1666 trennte sich eine Gruppe von Menschen, die diesen Reformen nicht zustimmen wollte, von der russisch orthodoxen Kirche. Die größten Unterschiede zwischen den orthodoxen und den altgläubigen gibt es in der Liturgie. So bekreuzigen sie sich auf verschiedene Weise, oder in der Osternacht umschreiten sie die Kirche unterschiedlich (die Altgläubigen in Uhrzeigerrichtung und die Orthoxen gegen die Uhrzeigerrichtung). Auch haben sie verschiedene Kreuze. Die Altgläubigen haben keine eigenen Priester, aber die Väterchen aus der Mitte der Dorfbewohner, die das Amt eines Sprechers wahrnehmen Sehr wichtig ist für sie die Beichte. Jeder von ihnen muss einmal im Jahr zur privaten Beichte gehen. Wenn jemand gestorben ist, dann betrachtet man zuerst sein Kirchenbüchlein, ob er während der letzten Jahre gebeichtet hat. Wenn das geschehen ist, dann verläuft das Bestattungsritual in der vollen Länge und der Verschiedene wird mit seinem vollen Namen genannt. Liegen keine Eintragungen vor, dann werden in der Liturgie ganz andere Psalmen gelesen und die Bestattung verläuft anonym, das bedeutet, dass bei der Bestattung der Name des Verstorbenen nicht erwähnt wird. Eigentlich sollte jedes Dorf seinen geistlichen Leiter haben, doch das ist jetzt nur selten der Fall. Daher haben es die Altgläubigen mit der Beichte heute oft leichter. Sie geschieht für alle Männer eines Dorfes gemeinsam, und von ihnen getrennt für alle Frauen. Da wird das Sündenbekenntnis aus einem Buch vorgelesen

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und darauf bekennen alle gemeinsam ihre Sünden. Für die Altgläubigen ist auch das Fasten sehr wichtig. Dabei verzichten sie auf verschiedene Lebensmittel und auf den Geschlechtsverkehr. Jemand hatte einmal ausgerechnet, dass es im Jahr nur 50 Tage gäbe, an denen die Altgläubigen nicht zu fasten brauchten. Die Kinder werden innerhalb einer Woche nach ihrer Geburt getauft. Dabei muss das Wasser „lebendig“ sein, das heißt es darf nicht der Wasserleitung entnommen werden, sondern muss einem See oder Fluss entnommen sein. Unsere Fremdenführerin Anna erinnert sich daran, dass ihr Brüderlein mit Seewasser getauft wurde, auf dem noch Eisstücke schwammen. Für die Altgläubigen ist die Trauung kein Sakrament. Das junge Paar bat die Eltern um ihren Segen für die Ehe und richtete dann ihre gemeinsame Wohnstätte ein. In späteren Jahren verlangte der Staat die standesamtliche Trauung. Die Altgläubigen achteten sehr streng darauf, dass die Familie ihre Mahlzeiten aus ihrem eigenen Geschirr einnahm und dass man einem Fremden auf keinen Fall ein Getränk in einem Gefäß anbieten dürfte, das die Familie benutzt, sondern dass es für Gäste besondere Gefäße gab. Ebenso musste auch ein Mann aus der Familie, wenn er seine Arbeit irgendwo in der Ferne verrichten musste und dann nach längerer Zeit wieder nach Hause zurückgekehrt war, sich zwei Wochen lang einer Art Quarantäne unterziehen und durfte dann nicht bei den Mahlzeiten die Gefäße der Familie benutzen. Nach zwei Wochen musste er sich in der Sauna gründlich reinigen und durfte danach wieder das Geschirr der Familie benutzen.
Bereits im 16. Jahrhundert suchten die Altgläubigen außerhalb Russlands im heutigen Baltikum nach Möglichkeiten, in ihrer Glaubensfreiheit zu leben. Die größte altgläubige Gemeinde gibt es heute in Daugavpils. An dem Ufer vom Peipus See entstand eine geschlossene Gemeinschaft mit ihren Traditionen. Und dennoch hatten die Altgläubigen auch hier nicht immer ein ruhiges Leben. Im 18. Jahrhundert konnten die Altgläubigen friedlich leben und ihre Traditionen ungestört pflegen, doch etwa 1820 begannen die Verfolgungen. Die Altgläubigen durften nicht mehr eigene Bethäuser erbauen und Gottesdienste halten mit ihren Zeremonien. Es wurden Vorfälle beschrieben, dass man Bethäuser der Altgläubigen zu orthodoxe Kirchen umbaute, den Eltern ihre Kinder wegnahm, diese orthodox taufte und sie an orthodoxe Familien zur Erziehung weiter gab. 1833 wurde es den Altgläubigen wieder erlaubt, Kirchen zu bauen und Gottesdienste zu halten. 1905 trat das Gesetz von der Freiheit des Glaubens in Kraft, und seitdem konnten die Altgläubigen ihre Gemeinden und Organisationen offiziell registrieren lassen.
Die Jahre des freien Baltikums zwischen den beiden Weltkriegen vergingen an der estnischen Küste vom Peipus See friedlich, aber die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg brachten wieder neue Einschränkungen mit sich. Nachdem Estland jetzt wieder seine Freiheit zurück gewonnen hatte, konnten die Altgläubigen im vollen Maße ihr geistliches Leben führen, altgläubige Museen erbauen und in den Schulen den Kindern die Grundlagen des Glaubens vermitteln.
Eine weitere Attraktion in Kolkja ist das Restaurant der Altgläubigen. Hier wird die Möglichkeit angeboten, sich traditionelle Mahlzeiten aus dieser Küstengegend schmecken zu lassen – Fischsuppe, gebackenen Fisch, Zwiebelgerichte, sich bei dem Nachtisch die Piroggen schmecken zu lassen und sich ein Stück Zucker seitlich in den Mund zu stecken und dazu grünen Tee aus dem Samowar zu trinken
Der Friede, wie er nur am Peipus See möglich ist.
Als nächsten Halt empfehle ich das kleine Dorf Kallaste. Auf dem Wege kann man die Burg Alatskivi betrachten, was wie ein Rückzug von der Kultur des Altgläubigen anmutet. Die Burg weist Elemente der estnischen, deutschen und schottischen Bautraditionen auf. Im kleinen Dorf Kallaste lohnt es sich, den Weg am See entlang einzuschlagen und dann den

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Weg zum Friedhof der Altgläubigen zu nehmen. Die Verstorbenen von Kallaste ruhen auf einer Höhe über dem Uferrand unmittelbar neben dem See. Besonders merkwürdig sehen die Kreuze der Altgläubigen aus. Auf dem oberen Querholz steht altslawisch geschrieben „Vater des Lichtes“ und „Jesus“; auf dem nächsten Querholz „Gottes Sohn“, doch das untere schräge Querholz enthält den Namen des Verstorbenen und erinnert an die beiden Schächer, die zur Seite Jesu auf Golgatha auch rechts und links von ihm gekreuzigt wurden. Wenn wir am Zaun des Friedhofs entlang gehen, kommen wir wieder an das Ufer vom See und an den kleinen Badestrand. Das andere Ufer – das russische – kann man nicht sehen, so dass der Eindruck entsteht, manwäre an dem Ufer eines Meeres.
An der Küste vom Peipus See gibt es sehr viele Übernachtungsmöglichkeiten. Über sie sowie über weitere Ziele für eine Besichtigung sowie über das Museum kann man zu den Gschäftszeiten des Büros und des Dorfkruges und im Internet unter www.peipsi.ee weitere Einzelheiten erfahren. Schwerer wird es mit Übernachtungsmöglichkeiten für größere Gruppen. Eins der größten Nachtquartiere ist „Kadrinas hosteli“ einige Kilometer vom Seeufer entfernt. Das hat der Holzbildhauer Taavi Pikk mit seiner Frau erbaut. Unweit vom Nachtquartier hat der Holzbildhauer seine Werkstatt, und auf dem Hof kann man Holzskulpturen betrachten, welche der Künstler selbst hergestellt hat., auch Möbel aus Holz und kleine Märchenhäuser fürKinder.
Am nächsten Tag der Exkursion kann man den Ausflug entlang der Küste vom Peipus See damit fortsetzen, dass man in eines der Bethäuser der Altgläubigen einkehrt, sich eine Kollektion von Samowaren ansieht, sollte das Waagenmuseum in Muste besucht. Nach Lettland kann man wieder zurückkehren, wenn man einen Umweg über Peltsama macht und dort den Rosengarten betrachtet und dort eine Kostprobe vom estnischen Wein nimmt und durch das schöne Städtchen geht.

„Ich hoffe, dass sich die Werte erneuern werden.“ Ingrīda Briede
Noch vor wenigen Wochen waren alle Straßen mit aufgeregten, aber auch fröhlichen Kindern und Jugendlichen gefüllt mit Gladiolen, Astern und Rosen in ihren Händen, und am Abend sind wir vielleicht einer der Lehrerinnen begegnet, die jetzt nach Hause zurückkehrt, mit einem Haufen von Blumen beschenkt. Vielleicht erinnern wir uns selbst daran, wie wir einst zur Schule gegangen sind und mit guten Gedanken und Gebeten unserer Lehrer gedachten, deren Lehrstoff uns in mancher Situation unseres Lebens von Nutzen gewesen ist
Es gibt kaum einen schöneren Beruf als den des Lehrers. Das habe ich von meinem Ausbilder in der Berufsschule von Limbaži Jānis Valainis gelernt, und das denke ich selbst auch heute noch,“ gesteht Taiga Plitniece, die Direktorin der Grundschule von Lādezers, Mutter von fünf Kindern und liebende Oma von sieben Enkelkindern, Glied der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in Limbaži. Ich kenne Taiga schon sehr lange, zuerst als Mutter einer Klassenfreundin und später als Schwester im Glauben in meiner Kirchengemeinde, und deshalb rede ich sie auch in diesem Interview mit „Du“ an.
- Ist es eigentlich schon dein Kindheitstraum gewesen, Lehrerin zu werden?
- Ich wollte eigentlich gerne Verkäuferin werden, wie fast alle Kinder in jenem Alter. (lacht) Aber ernsthaft, es war mir deutlich, dass ich gerne mit Menschen zusammenarbeiten möchte. Dass ich eines Tages den Beruf einer Lehrerin ausüben würde. das wurde mir erst viel später deutlich In unserer Familie waren wir sechs Kinder und ich bin von ihnen die jüngste, wir vier Schwestern sind alle Lettischlehrerinnen geworden. Und haben in Lēdurga, Mālpils, Ogre und Lādezers gewirkt. Das war auch der unerfüllte Wunsch meiner Mutter, denn sie selbst wurde, als sie Pädagogik hätte studieren können, nach Sibirien in die Gegend von Tomsk

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deportiert, wo ich auch geboren wurde. Meine Mutter Austra rief uns immer wieder zu: Lest, Mädchen, lest, denn das, was ihr im Kopf habt, das kann euch niemand wegnehmen! Zu Hause hatten wir stets Bücher, die Mutter per Post bestellt hatte. Mutter sprach vier Sprachen, sie war hoch intelligent und lebenserfahren. Im Gymnasium von Alūksne hatte sie ihr Abitus bestanden. Ich bin voller Bewunderung darüber, eine wie stabile Ausbildung damals in den Gymnasien vermittelt wurde! Mama wurde aufgefordert, für den sowjetischen Geheimdienst mitzuarbeiten und über Menschen aus ihrer Umgebung zu berichten, doch sie weigerte sich, das zu tun, und deshalb wurde sie nach Sibirien deportiert mit der Begründung, sie sei eine Nationalistin. Mama war der optimistischste Mensch, den ich kenne, und auch ich habe viel von ihrem Optimismus geerbt.
Was hast du an deine Zeit in Sibirien noch für Erinnerungen?
- Wenn ich an Sibirien zurückdenke, dann fallen mir die grünen Wälder und die blauen Seen und Flüsse ein, und immer wieder sage ich es allen, dass ich dort eine schöne Kindheit hatte. Mama lehrte mich, die russischen Menschen zu achten und überhaupt jeden Menschen zu lieben und dabei im Blick auf die Hautfarbe oder die Sprache keine Unterschiede zu machen. Die Russen vor Ort haben uns am Anfang sehr geholfen, denn sie waren ja selbst einst Deportierte. Als wir nach Lettland zurückkehrten, waren wir Mädchen eifrige Pionierinnen, Komsomolzinnen und standen voll unter dem Einfluss der Ideologie jener Zeit. Mama wollte, dass wir nicht zu leiden brauchten und in der Schule aktiv wären.
Du bist in einer Familie mit sechs Kindern aufgewachsen und auch du hast zusammen mit deinem Ehemann Jānis eine stattliche Kinderschar.
- Wir haben fünf Kinder und sechs Enkelkinder. Unser ältester Sohn ist in der Holzverarbeitung beschäftigt, unsere Schwiegertochter Aiga ist Sekretärin in einer Schule und bei beiden wachsen ihre Kinder Zanda und Mārtiņš auf, unsere älteste Tochter Inga ist in Norwegen als Sozialarbeiterin beschäftigt und hat die Kinder Andreas und Marts. Ilze lebt in Halifax in Kanada und hat einen Sohn Markus. Ieva ist bei der Bank „Nordea“ in Riga angestellt und hat ihre Tochter Anna und nun auch unseren Liebling den kleinen Klāvs. Unser Nesthäkchen Madara ist der Schutzengel der Familie, sie kümmert sich um alle, um die Freunde, die Verwandten und die Nachbarn und will jetzt ihre Ausbildung zu ihrem Traumberuf beginnen – sie möchte Zahnärztin werden.
- Erzähl mir doch bitte etwas über deine Arbeit und deinen Beruf!
- Nach dem Gymnasium arbeitete ich in der Bibliothek von Lēdurga und dort auch im Haus der Kultur und dann im Technikum in Limbaži Dann kamen die Kinder zur Welt. Ich nahm eine Stelle im 3. Kindergarten von Limbaži an in der Hoffnung, für meine Kinder einen Platz im Kindergarten zu bekommen. Nach acht Jahren kehrte ich nach Lēdurga zurück, und bald darauf wurde ich in der neu gegründeten Grundschule von Lādzers als Lehrerin angestellt. Es ist kaum zu glauben, aber dort arbeite ich jetzt bereits seit achtzehn Jahren, zuerst als Lehrerin und seit fünfzehn Jahren als Direktorin.
- Als Direktorin hast du gemeinsam mit den anderen Kollegen große Möglichkeiten, das Leben in der Schule zu gestalten. Welches sind die wichtigsten Prinzipien der Grundschule von Lādezers?
- Ich habe das beste Team von Lehrern und Mitarbeitern, das man sich vorstellen kann und nur als schöpferisches Team können wir viel erreichen. Ich denke, dass wir in diesen 20 Jahren das erreicht haben, was unsere Schule unter vielen anderen Schulen besonders hervorhebt.

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Die Grundschule von Lādezers ist die größte in der Region und eine der zwei Grundschulen, die nach der Zeit des nationalen Erwachens entstanden sind. Zur Zeit geht die Zahl der Kinder wie überall in Lettland auch hier zurück, aber nicht in kritischem Maß. Die Eltern vertrauen uns, weil sie sehen, dass hier der Unterricht von hoher Qualität ist. Viele unserer Absolventen sind inzwischen selbst Lehrer und zum Teil auch Dozenten an Hochschulen geworden. In unserer Schule lassen wir uns von den Prinzipien der humanistischen Pädagogik leiten. Wir sind bemüht, diese sowohl an die Kinder als auch an ihre Eltern weiter zu geben. Wir denken sehr viel an die außerschulische Fortbildung. Die Kinder vom Lande haben das Recht, in der Schule die gleichen Voraussetzungen vorzufinden wie die Kinder in der Stadt. Jetzt haben wir hier einen Tanzkreis, einen Schachkreis, viele sportliche Aktivitäten und verschiedene andere Kreise. Wir sind sehr glücklich über die gute Zusammenarbeit mit der Musikschule in Limbaži, wir setzen Busse ein, um die Kinder zu den verschiedenen Veranstaltungen hinzubringen. Auf hohem Niveau ist die Arbeit des Folklorekreises unter der Leitung unserer Lehrerin Sandra Jabsone. Auf Landesebene haben wir erste und zweite Preise bei Liederfesten ersungen. Zu manchen Unterrichtstunden versammeln sich in der Schule auch die Eltern der Kinder, um sogar ein Jahr lang in das Thema Gesundes Verhalten einführen zu lassen. In der 1. bis 3 Klasse besuchen fast alle Kinder den Unterricht in christlicher Ethik. In diesem Jahr waren es nur drei Kinder, deren Eltern sie von dem Unterricht in diesem Fach abgemeldet hatten. Seit 12 Jahren haben wir hier am Ort die Sonntagsschule, die zuerst von Dace Gaile, doch jetzt von Elita Makāne geleitet wird. Obwohl die Sonntagsschule keine Einrichtung unserer Schule ist, findet deren Unterricht, der von Kindern unterschiedlichsten Alters besucht wird, in den Räumen unserer Schule statt.
- Was haben die Kinder von diesem Unterricht?
- Ich glaube, dass den Kindern im Religionsunterricht die Grundlagen des Lebens vermittelt werden, und dass sie wissen, dass es den Einen gibt, der sie behütet und bewacht, und dass sie zu diesem Grunde jederzeit in ihrem Leben zurückkehren können. Unser Religionsunterricht verläuft nach einem bestimmten Programm und ist oft mit dem Prädikat „Ausgezeichnet“ bedacht worden. Dem können wir entnehmen, dass auch hier die notwendigen Grundkenntnisse vermittelt werden. In unserem Raum für den Religionsunterricht steht auch ein Klavier, so dass die Kinder, die Klavierunterricht haben, hirt eine Übegelegenheit finden. Ich denke, dass die Musik und der Religionsunterricht sehr eng miteinander verbunden sind, und dass es eine gesegnete Zeit ist, die sie in diesem Arbeitsraum verbringen, ganz allein und nur zusammen mit den Noten. Am Ende eines Schuljahres finden christlich inspirierte Freizeiten statt. An ihnen nehmen die Kinder teil, die fleißig den Unterricht in christlicher Ethik du die Sonntagsschule besucht haben. Die Teilnahme an diesen Freizeiten ist für alle Kinder kostenlos. Die Schule ist darum bemüht, diese Freizeiten selbst zu finanzieren. Viel hat ihr dabei die schwedisch-lettische Stiftung geholfen. Bei jeder solcher Freizeit machen wir Ausflüge zu den Kirchen der Region, um unser Wissen und unsere kulturhistorischen Erkenntnisse zu bereichern: Und was für Fragen stellen uns die Kinder nach einem solchen Auflug! Diese Freizeiten sollen nicht in erster Linie dem Spiel und dem Vergnügen dienen, sondern vor allem der ernsthaften Auseinandersetzung mit verschiedenen Themen. Wenn die Kinder das Empfinden hätten, dass diese Freizeiten unnötig wären, dann hätten sie jederzeit die Möglichkeit, an ihnen nicht teilzunehmen. Doch im Laufe des Schuljahres ist die Freizeit für sie eins der größten Ereignisse!
- Ich möchte noch ergänzen, dass die Schule von Lādezers stets auch für verschiedene kirchliche Veranstaltungen und Freizeiten geöffnet war, die von den Kirchengemeinden
Veranstaltet wurden. Wir haben uns hier immer wie zu Hause gefühlt. Danke!

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- Auch ich selbst habe an solchen Freizeiten teilgenommen und von dort viel Segensreiches nach Hause mitgenommen.
- Die Schule von Lādezers wird oft auch Kerzenschule genannt.
- Ja, in unseren Räumen sind viele Kerzen aufgestellt. Die als lebendiges Licht sehr oft brennen. Wenn an einem Morgen die Kerzen nicht brennen, dann kommen die Kinder zu einer Lehrerin und bitten sie, sie möchte es ihnen gestatten, dass sie die Kerzen anmachen. Als bei uns die Kommission war, um zu überprüfen, ob die Schule die Voraussetzungen für die staatliche Anerkennung erfüllte, war sie über die vielen Kerzen in unserem Hause überrascht und fragte, ob die nicht gegen die Feuerschutzbestimmungen verstießen. Doch dann erkannten sie, dass diese Kinder auch die Ehrfurcht gegenüber dem Feuer erlernten, dass man zum Beispiel mit dem Feuer nie spielen darf. Bei der Beurteilung der Möglichkeiten für die staatliche Anerkennung hob die Kommission ganz besonders das erzieherische Moment an der Schule hervor. Nicht durch Verbote sondern durch das Erlernen des rechten Umgangs kommen wir weiter. Manches Mal lohnt es sich, darüber nachzudenken.
- Wie sah dein eigener Weg zu Gott aus?
- In meiner Kindheit lebte unsere Familie wie viele Menschen damals zweigleisig. Das eine Leben fand zu Hause statt mit der Feier des Christfestes – und im anderen Leben gab es die Ideologien in Schule und Gesellschaft. In meiner Kindheit führte mich meine Mama gelegentlich zur Kirche nach Alūksne, wo ihre Schwester Küsterin war. Somit war mir die Kirche nicht fremd. Auch das Vaterunser konnte ich seit meiner Kindheit beten. Bei christlichen Veranstaltungen in der Schule und bei der Sonntagsschule fühlte ich mich als Christin. Doch ich war noch nicht getauft. Alle meine Töchter sind bereits vor mir getauft worden, aber ich noch nicht. Meine jüngste Tochter redete mir gut zu, dass ich mich taufen lasen sollte. Durch die Sonntagsschule, die Alphakurse und die Freizeiten begriff ich, dass es besser sei, sich taufen zu lassen als es zu versäumen. Und so wurde ich 2010 getauft und konfirmiert. Sehr lebendig ist mir meine erste Sonntagsschulfreizeit in der Erinnerung, die am Livländischen Strand stattfand. Mit meinen eigenen Augen sah ich, das eins der Kinder vor einem Auto auf dem Wege herlief, der durch den Hof hindurch führte, in dem unsere Freizeit stattfand, und wie das Vorderrad den Kopf des Kindes zusammendrückte und das Hinterrad über den Rücken des Kindes fuhr. Oh! Sofort wurden das Kind in die Universitätsklinik gebracht, um die notwendigen Operationen durchzuführen. Ich kann mich daran erinnern, wie ruhig sich die damals noch sehr jungen Leiterinnen der Freizeit Dace und Rota verhalten haben und alle Freizeitteilnehmer für die verunglückte Rita zu beten begannen. Für mich ist das bis heute ein unbegreifliches Wunder und eine Bestätigung der Kraft des Gebetes, dass sie genesen konnte und heute eine hervorragende Sportlerin ist. Ihre Mutter ist auch Christin. Eigentlich habe ich mein ganzes Leben lang Gottes Hilfe an mir selbst oder an mir nahe stehenden Menschen oder unerwartete Lösungen in schweren Situationen erfahren. Ich habe die Ruhe und Gewissheit, dass alles, was geschieht, zu meinem Wohl ist.
- Was in deinem Leben ist anders geworden, seitdem du Christin bist?
- Durch meine Taufe gewann ich die innere Freiheit. Früher hatte ich Angst, etwas zu sagen, auf irgendeine Weise meine Meinung auszusprechen, ich hatte Angst davor, was wohl die anderen sagen würden, wenn sie ihre Meinung aussprächen. Und noch etwas – früher habe ich es mir nie vorstellen können, dass ich fähig wäre, am Morgen eine halbe Stunde eher aufzustehen, um die Bibel zu lesen. Ich ließ mich nicht von inem bestimmten Plan leiten, manches Mal las ich nur zehn Minuten, ein anderes Mal eine halbe Stunde. Die dort gelesenen Worte waren von Nutzen für den ganzen Tag. Ich lese lieber das Neue Testament, weil es mir näher un verständlicher ist als das Alte Testament. Am Abend habe ich meine Gebetszeit.

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Gewöhnlich bete ich für meine Kinder und Enkelkinder, für alle Menschen, die mir lieb und nahe sind, für die Schule und für Lettland insgesamt. Und dann danke ich für den verbrachten Tag.
- Wenn du etwas an unserem Bildungssystem ändern könntest, was würdest du tun?
- Ich würde alles gerne so ordnen, damit es etwas geordneter verläuft und dass nicht, wie es jetzt geschieht, eine Reform die Reform davor ablöst. Ich bin der Ansicht, dass Schüler im Alter von 18 Jahren das Abitur bestanden haben müssten. Unsere Kinder sind so klug, dass man sie mit 6 Jahren getrost zur Schule schicken kann. Natürlich muss es dort die richtigen Unterrichtsmethoden und die richtigen Lehrmittel geben.
Es ist sehr schade, dass der Staat für die Bildung und für die Gehälter der Lehrer so wenig Geld zur Verfügung stellt. Es fehlen die Mittel nicht nur für die moderne Technologie, sondern für die einfachsten Dinge. Außerdem würde ich, wenn ich die Möglichkeit dazu hätte, das verändern, dass Kindern ohne herausragende Zeugnisnoten der Zugang zu fachbezogenen Schulen von vorne herein verbaut wird und sie von der Gesellschaft abgeschnitten werden mit Bemerkungen wie „Der war ja doch nur auf der Hilfsschule“ Diese Kinder könnten auch auf Normalschulen nach besonderen Methoden unterrichtet werden. Die Sonderschulen sollten nur für Kinder mit schweren geistigen Behinderungen bestimmt sein. Leider ist es zur Zeit so, dass Schulen für besonders begabte Kinder kein Schulgeld nehmen und Eltern aus sozial problematischen Familien ihre Kinder in solche Schulen schicken, weil ihnen dadurch weniger Unkosten entstehen. Unser größtes Problem im Bildungssystem ist, dass wegen der Überalterung der Gesellschaft der Lehrerschaft der Nachwuchs fehlt Das Prestige des Lehrerberufs ist tief gesunken im Vergleich zu Finnland, wo der Beruf des Lehrers zu den am höchsten geachteten Berufen der Gesellschaft gehört
- Du sagtest, dass du eine Optimistin seiest. Mit welchen Hoffnungen blickst du in die Zukunft?
- Zur Zeit hat in der Gesellschaft die Negation und der Zynismus die Oberhand weit über den geistlichen Dingen. In der Gesellschaft gibt es eine geistige Krise. Doch ich hoffe sehr, dass sich unsere geistigen Werte erneuern werden. Ebenso hoffe ich auch, dass wir in Lettland aus dem Sumpf herauskriechen können werden und es nicht so sein wird, wie es im Sprichwort behauptet wird, dass auf dem Flughafen der letzte Abreisende das Licht ausmachen würde. Wir sollten unseren jungen Menschen vertrauen, ihre Gedanken ernst nehmen und ihnen auch das, was die Zukunft bringen wird, mittragen helfen.

Chefredakteurin: Inga Reča

Anschrift der Redaktion: Mazā Pils iela 4 – Riga – LV 1050
E-Mail-Adresse: svetdienasrits@apollo.lv

Übersetzung: Johannes Baumann (abgeschlossen am 27.09.2010)
Brucknerstr. 24.- D-27711 Osterholz-Scharmbeck
Telefon: 04791-13356
E-Mail-Adresse: baumann-ohz@arcor.de

Nachwort des Übersetzers
Dieses Mal ist es wieder viel Lesestoff, den ich Ihnen zumute ehe ich mich mit meiner Frau drei Wochen lang nach Karlsbad zurückziehe, um dort etwas für unsere Gesundheit zu tun. Die nächste Ausgabe wird dann vermutlich am Ende des Monats Oktober bei Ihnen anlangen.

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Ganz herzlich möchte ich noch einmal allen danken, die mit ihrer Spende dazu beigetragen haben, dass SR weiter erscheinen kann. Trotzdem kann ich nicht verheimlichen, dass die ELKL weiterhin in großen finanziellen Nöten steckt. Als ich vor einigen Tagen mit Inga Reča telefoniert habe, sagte sie mir, dass sie mir über die Zukunft der lettischen Kirchenzeitung nach wie vor nichts bestimmtes sagen könnte. Aber etwas Erfreuliches möchte ich doch auch wiedergeben. In diesem Telefonat erzählte mir Inga von ihrer Teilnahme an dem Deutschkurs des Martin Luther Bundes in Erlangen. Dabei sei es ihr eine große Überraschung gewesen, wie vertraut allen Kursteilnehmern ihr Name war. Nach einigem Nachfragen erfuhr sie, dass alle Kursteilnehmer eifrige Leser dieser Übersetzungen seien, und dass diese auch mit dazu beigetragen hätten, dass ihr Name inzwischen in vielen Ländern Europas nicht mehr unbekannt ist. Wenn meine aufmerksamen Leserinnen und geduldigen Leser den Beitrag „Kein schöner Land in dieser Zeit“, in dem sie etwas über den Deutschkurs in Erlangen berichtet, lesen sollten, dann werden sie es spüren, mit welchen Begeisterung Inga aus Erlangen wieder nach Lettland heimgekommen ist.
Sollte es jedoch bezüglich des weiteren Erscheinens von SR Veränderungen geben, so habe ich mir vorgenommen, aus anderen Quellen das zu übersetzen, was mir für den treuen Kreis der Leser meiner bescheidenen Übersetzungsklimmzüge lesenswert erscheint. Auf jeden Fall verspreche ich, dass der Kontakt zwischen uns auch künftig bestehen bleiben soll.
Mit herzlichen spätsommerlichen Grüßen
Ihr Johannes Baumann

In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis. Kolosser 2, 3

Auszüge aus Svētdienas Rīts, Zeitung der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, herausgegeben von ICHTYS GmbH, erscheint seit Januar 1920.
8. Sonntag nach Trinitatis Ausgabe Nr. 8 (1850) vom 13. August 2011

Sei getreu: Ein Rückblick auf den Kirchentag der Diözese Liepāja
Vom 8. bis zum 10. Juli fand in Jaunpils der Kirchentag der Diözese Liepāja der Evangelisch-Lutherischen Kirche Lettlands statt, der um sich über 700 Teilnehmer aus 73 Kirchengemeinden scharte. Darüber, was sie in Jaunpils erlebt hatte, berichtet Inga Reča.

Die Losung dieser Veranstaltung war „Sei getreu!“ Damit wurde jeder Teilnehmer aufgerufen, Gott, unserer Kirche und unserer eigenen Berufung treu zu bleiben. Jeder, dem Gott einen Teil der Haushalterschaft in unserer Kirche anvertraut hat, wird das auf seine Art verstanden haben, was es heißt, treu zu sein, aber es ist stets auch nützlich, sich das anzuhören, was die Leiter und die Geistlichen unserer Kirche darüber zu sagen haben. „Treue zur Kirche heißt zuerst, dass wir begreifen, was die Kirche ist. Die Kirche ist keine Organisation, welche die Menschen für sich erfunden haben, sondern sie ist der Leib Christi. Dass die Kirche dafür da ist, dass wir das Werk Christi fortsetzen und Seine Botschaft, Sein Wort und Seine Sakramente in die Welt bringen. Meiner Kirche treu sein, heißt, dass ich die Lehre meiner Kirche kenne und ihr gegenüber treu bin. Treu sein heißt, sich an der Gemeinschaft des Priestertums aller Gläubigen zu beteiligen, den Gottesdienst zu besuchen und die persönliche Frömmigkeit zu beachten.“ Das sagte in seinem Vortrag Erzbischof J. Vanags. „Unser Leben ist ein Weg, dessen Ziel nicht wir bestimmen, sondern welches nur Gott kennt. Nur Er weiß, wohin wir gelangen sollen und dass wir auch dorthin gelangen werden. Das Wichtigste, was wir dabei tun müssen, ist, Gott zuzutrauen, dass Er diesen Weg kennt, und dass Er es sein wird, der uns der Erfüllung entgegenführt,“ sagte in seiner Ansprache mit dem Thema „Gottvertrauen und Vertrauen gegenüber dem eigenen Leben“ Pfarrer Indulis Paičs. Der Referent verglich das menschliche Leben mit einem Labyrinth, das sich die Nachfolger Christi des öfteren anfertigten, um das Leben eines Christen mit Gott darzustellen. „Zum Zentrum des Labyrinths führt nur (und dabei nannte er als Beispiel das berühmte Labyrinth in der Kathedrale von Chartres in Frankreich) schließlich ein einziger Weg hin, der sich davor in verschiedene Richtungen gewunden hatte, bis wir das Ziel erreicht haben. Wenn viele gleichzeitig dieses Labyrinth durchwandern, hat man den Eindruck, dass jeder in eine andere Richtung geht, doch am Ende jeder das Zentrum erreicht. Dabei ist es interessant, dass für uns, kurz bevor wir das Ziel erreicht haben, der letzte Umweg der allerweiteste ist, weil er an dem äußersten Rande des Labyrints entlang führt.“

Das Programm dieses drei Tage dauernden Kirchentages der Diözese war reich gesättigt, manche Veranstaltungen überlagerten sich gelegentlich gegenseitig, so dass man sich entscheiden musste, wohin man vom Herzen oder vom Verstand mehr gezogen wurde.

Am Freitagnachmittag wurde der Kirchentag der Diözese vom Vokalchor der Musikschule von St. Petersburg in der Kirche von Jaunpils eröffnet. Die 13 bis 18 Jahre alten Jugendlichen überraschten die Anwesenden mit ihrer Meisterschaft bei dem Singen. Nach dem Konzert kamen viele nach vorne und sprachen ihre Anerkennung aus und den Wunsch, man möchte diesen eingeschlagenen Weg fortsetzen. Schade nur, dass die Jugendlichen aus Petersburg nicht mehr die Möglichkeit hatten, kirchenmusikalische Werke weiterer russischer Komponisten vorzutragen. Interessant war es, dabei zu erfahren, dass der Großvater von

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zweien dieser jungen Menschen – von Katrīna und Dmitrija Homenčuks, Edvards Vīnegers – um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert Pfarrer der lettischen Kirchengemeinde in St. Petersburg war, sie selbst aber in der heutigen lettischen lutherischen Kirchengemeinde in St. Petersburg getauft sind.

Auf diesen musikalischen Genuss folgte ein Konzert im Hof der Burg von Jaunpils, wo unter dem Moto „Gott, ich danke dir“ professionelle Künstler wie das nordlettische Kammerensemble Livonia und die bekannten Solisten der Nationaloper Lettlands Inga Šļubovska (Sopran) und Ingus Pētersons (Tenor) die Anwesenden erfreuten.

Bei allmählich einsetzender Abenddämmerung begaben sich die Teilnehmer am Kirchentag auf den Kreuzweg. Auf ihrem Weg um den See und um die Mühle von Jaunpils herum konnte bei dem Überdenken des Kreuzweges und des Leidensweges Jesu Christi jeder das nacherleben, was der Himmlische Vater ihm besonders zugedacht hatte. Für mich persönlich war es der berauschende Duft der Lilien, der von den umliegenden Gärten herüberwehte, der Gedankenaustausch mit dem Erzbischof der lettischen Kirche im Ausland Elmārs Ernsts Rozītis , mit dem zusammen wir diesen Weg beschritten, sowie die Erinnerungen an meinen Großvater. Viele Fakten aus dessen Leben werde ich ganz sicher nicht mehr erfahren, aber dass er in der Kirche von Jaunpils konfirmiert wurde, das weiß ich ganz sicher, denn in meinem Archiv ist sein Konfirmationsschein aufbewahrt. Dieser wurde Alfrēds Ansons 1929 ausgehändigt, aber die Qualität seiner Farben ist so, dass man meinen könnte, dass er heute gedruckt worden wäre.

Weil der Kreuzweg länger dauerte als geplant, mussten im Ablauf des Abendprogramms einige Änderungen vorgenommen werden. Sehr komisch war es, an einer Veranstaltung teilzunehmen, von der der Veranstalter vorher angekündigt hatte, dass sie gar nicht stattfinden würde. Während der größere Teil der Teilnehmer einer Aufführung des Jugendstudios „Hinabgestiegen in das Reich des Todes“ beiwohnte, eröffneten die Journalistin Kristīna Soloha und der Leiter des Dezernates für gesellschaftliche Beziehungen Ivars Kupcis im Saal der Burg von Jaunpils die Podiumsdiskussion, die eigentlich gar nicht stattfinden sollte, mit den Pfarrern Rolands Eimanis, Raimonds Mežiņš und Artis Druvietis sowie mit Erzbischof Rozītis. Die Diskussion war von Anfang an sehr lebendig und interessant, deshalb war es besonders schade, dass wegen der missverständlichen Ankündigung anfangs nur wenige Teilnehmer daran teilgenommen haben. Im Laufe des Abends wurden unter anderem folgende Fragen diskutiert. Weshalb gibt es in der Kirche nur so wenig Männer? Wovor habt ihr am meisten Angst? Was ist die Gemeinde? Kommen Ärzte, die Abtreibungen durchführen, in die Hölle? Darf man den Kelch mit einem Lappen reinigen? Wann werden Lutheraner endlich bei den Katholiken zum Tisch des Herrn gehen können? Weshalb werden in Lettland keine Frauen ordiniert? Gibt es auf anderen Planeten Formen des Lebens? Weshalb ist der Kirche die Vergebung und das Mitgefühl abhanden gekommen? Nach dem Ende der Vorstellung schlossen sich ein Teil der Zuschauer und andere der Diskussion an, die dann nach 1 Uhr in der Nacht ihr Ende fand.

Der Samstagmorgen begann mit einem Gottesdienst in der Kirche von Jaunpils, und dann bekam der Ablauf des Tages eine große Dichte und verlief sehr schnell. Den Vortrag von Erzbischof Vanags und Pfarrer Paičs hörten sich die Teilnehmer auf der Estrade unter den mächtigen Linden an. Die Anwesenden mussten sich dabei mit dem Thema „Sei getreu!“

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auseinandersetzen., konnten aber ihre Nasen mit dem wunderbaren Duft der Linden erfreuen, der alle und alles erfüllte. Nach dem Referat teilten sich alle in zwei Diskussionsgruppen auf. Pfarrer Uģis Brūklēne und Harina Brūklēne leiteten die Diskussion „Treue in der Familie“ und Andris Dekants und Artis Druvietis „Sei dem Auftrag der Mission treu.“ Die dritte Diskussionsgruppe „Treu dem Wort und den Zeichen“ unter der Leitung von Pfarrer Jānis Bitāns wurde auf die frühen Abendstunden verlegt. Kaspars Ozoliņš von der Bewegung

„Wahre Liebe wartet“ leitete die Diskussion der Jugendlichen „Treue in den Beziehungen“.
Die zweite Hälfte dieses Tages verging sehr schnell mit einem Rundgang durch Jaunpils und mit einer Stunde der Anekdoten im Burghof unter der Überschrift „Lach darüber oder nicht!“ sowie mit verschiedenen Werkstätten – Malerei, Herstellen von Spielzeugen, Aktivitäten der Pfadfinder, Kinder- und Sportveranstaltungen. Im Burgmuseum gab es eine Veranstaltung „Kaffee mit dem Pfarrer“. Diese Veranstaltung wandte sich mehr an den Einzelnen, und damit wird dieses Kaffeetrinken bei jedem, der daran teilgenommen hat, besonders nachklingen

Am Samstagabend konnten sich die Musikliebhaber an Perlen aus der Welt der Musik erfreuen. In der Kirche von Jaunpils musizierten das Vokalensemble „Vocalica“ und der Chor „DoMino“ Und im Großkonzert am Abend „Lehre mich glauben, Herr“ mit den vereinigten Kirchenchören der ELKL unter verschiedenen Chorleitern, einem Kammerorchester und verschiedenen Solisten wie dem Saxophonisten Artis Gāga, Pfarrer Mārtiņš Burke-Burkevics,
Valdis Indrišonoks, Lība Ēce-Kalniņa, Gabors Goldmanis, Ginta Latiša, Elīza Godiņa u.a. Der Tag endete mit einer Lichterprozession, bei der alle Teilnehmer mit Kerzen in der Hand Gott anbeteten. Daran schlossen sich bis 3 Uhr nachts Filmvorführungen im Freien an und ein
Feuerwerk der Jugend im Hof der Burg.

In seinem Rückblick auf diesen Kirchentag sprach Bischof P. Brūvers seine Empfindungen
aus: „Als wir mit den Vorbereitungen auf diesen Kirchetag begannen, gab es zunächst viel Unsicherheit und die Ungewissheit, ob bei vielen die Begeisterung nicht verfliegen würde, denn die Reaktion war zuerst nicht so groß wie wir sie erhofft hatten. Manches Mal dachten wir: „Blasen wir die Sache einfach ab. Vielleicht ist sie doch nicht notwendig. Jetzt weiß ich, dass unsere Leute sich erst im letzten Augenblick melden, und dass schließlich alle froh und dankbar sind. Die Kopfschmerzen haben sich gelohnt, damit wir diesen Kirchentag wieder veranstalten können.“

Der erste Kirchentag der Diözese Liepāja wurde mit einem gemeinsamen Gottesdienst an der Estrade von Jaunpils am Sonntag, dem 10. Juli beschlossen. Als Wegzehrung möchte ich gerne den Hausvater und Pfarrer der Kirchengemeinde Jaunpils Pfarrer Jānis Smilgainis
zitieren: „Unser größter Schatz, der uns anvertraut ist, bleibt die Gnade Gottes. Der wollen wir treu bleiben!“

Die Luther Akademie nimmt neue Studenten auf Inga Reča
Das vorige Studienjahr war im Laufe des 14 jährigen Bestehens der Luther Akademie möglicherweise das komplizierteste Jahr. Nach den Worten des Vorsitzenden der Verwaltung der Luther Akademie Pfarrer Indulis Paičs war es die Hauptsache, die Möglichkeit zu bewahren, die Arbeit der Akademie fortzusetzen und den begonnenen Prozess in die Richtung der staatlichen Anerkennung der Studienprogramme weiterzuführen. Bis zum Ende des

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Monats August läuft noch die Anmeldefrist für die neuen Studenten aller drei Studienbereiche – für Pfarrer, für Mitarbeiter der Gemeinden und für Kirchenmusiker. Im Herbst nimmt auch die Abteilung ihre Arbeit auf, die sich an alle Interessierte wenden möchte – die Kleine Luther Akademie.
- Wie ist es der Luther Akademie im vergangenen Jahr ergangen?
- Mit Gottes Hilfe konnten wir die Arbeit der Luther Akademie weiterführen. Die Studenten, die davor bereits ihr Studium in der Luther Akademie begonnen hatten, konnten dieses programmgemäß fortsetzen. Das war unsere Hauptaufgabe und unsere wichtigste Pflicht und das bereitete uns auch die größte Freude. Das Jahr war aber tatsächlich sehr kompliziert, voll von Fragen und Versuchen, wie man mit der Arbeit am besten fortfahren sollte. Doch zum Schluss sind wir zur deutlichen Erkenntnis gekommen, dass die Akademie unbedingt ihre Arbeit fortsetzen sollte, da unsere Kirche dieses Bildungsinstitut dringend benötigt und die Luther Akademie eine der wesentlichsten Investitionen in die Zukunft der Kirche ist. Die Kirchenleitung hat uns ihre Unterstützung zugesagt und uns versprochen die Arbeit der LA mit allen ihr möglichen Mitteln zu fördern. Wir möchten möglichst alle in den vergangenen Jahren begonnenen Vorhaben fortführen, wenn es die komplizierte Finanzlage nur irgend gestattet und möglichst das Anerkennungsverfahren bei den Studienbereichen der Theologie und der Kirchenmusik zu Ende führen.
- Müssen wir uns im kommenden Studienjahr auf Änderungen in den Studienprogrammen gefasst machen?
- Einen Augenblick konnte es erscheinen, dass die finanziellen Veränderungen so dramatisch sein würden, dass die Akademie einfach nicht mehr in der Lage sein würde, ihr Wirken nach gewohnter Weise fortzusetzen. Damals ergriff Dr. Guntis Kalme die Initiative, ein alternatives Studienprogramm zu erstellen für den Fall, dass wir nicht mehr in der Lage wären das bisherige Programm in der Weise fortzuführen, wie es mit der staatlichen Lizenz erforderlich wäre. Doch konnte eine minimale Finanzierungsmöglichkeit gefunden werden und damit die Möglichkeit, das staatlich anerkannte Programm weiter zu verwirklichen. Auch die neuen Studenten, die in dem neuen Studienjahr ihr Studium beginnen, werden nach dem staatlich anerkannten Programm ausgebildet.
- Im vergangenen Jahr waren die Kosten bei dem staatlichen Anerkennungsverfahren eine ihrer Hauptsorgen.
- Die staatliche Anerkennung kann man von zwei Aspekten aus betrachten. Wenn wir dabei an das anerkannte Programm nach seinem vollen Verständnis denken und dieses langfristig einplanen, wie das eigentlich bei idealen Voraussetzungen sein müsste, dann würde das gewiss sehr bedeutende Mittel erfordern. Unsere staatliche Gesetzgebung ist darauf orientiert, dass im Lande nicht übermäßig viele kleine Hochschulen entstehen, sondern dass sich die wissenschaftliche Arbeit auf nur wenige Wissenschaftszentren konzentrierte. Trotzdem haben
wir einen Vorzug – es gibt das „Gesetz über die ELKL“, in dem deutlich darauf hingewiesen wird, dass die Kirche berechtigt ist, eine eigene Hochschule zu gründen und deren Ordnung für das Ausbildungsprogramm zu bestimmen. Danach können wir den Anerkennungsprozess fortsetzen und versuchen, ihn zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen auch ohne allzu hohe augenblickliche finanzielle Investitionen. Natürlich müssen wir auch über die Zukunft weiter nachdenken, wie wir zu einer zusätzlichen weiteren Finanzierung kommen, um für die Dozenten eine zumutbare Vergütung zu garantieren. Im Augenblick müssen wir für eine kurze Weile alle Kräfte und Finanzquellen zusammenlegen. Ich möchte hoffen, dass es in unserer Kirche immer noch Dinge gibt, die wir mit Begeisterung tun und dem gemeinsamen Verständnis, wie wichtig sie für uns sind.

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- Wird es in diesem Jahr bei der Arbeit der Akademie irgendwelche Änderungen geben?
- Es wird einige Änderungen bei der Zusammensetzung des Lehrkörpers geben. Leider ist die Dienstzeit in Lettland des bisherigen Rektors William Weinrich abgelaufen. Deshalb stehen wir vor der Frage der von der Verfassung bestimmten Einberufung einer Versammlung zur Wahl eines neuen Rektors. Im Ganzen bleibt die Zusammensetzung des Lehrkörpers aber unverändert. Wir überlegen auch, wieder Gastdozenten Aus dem Ausland einzuladen, die hierher zu Intensivkursen kommen könnten.
Auch bei dem Zeitplan bei dem Studium wird es keine Veränderungen geben. Das Studium wird hauptsächlich abends stattfinden (bei der Ausbildung künftiger Pfarrer) und samstags (für die Mitarbeiter der Gemeinden). Die Ausbildung der Kirchenmusiker findet im Wesentlichen im Einzel- und Gruppenunterricht nach einem besonderen Plan statt. Die einzige Veränderung im Studienplan ist, dass wir künftig jede Woche mit einem Gottesdienst am Montag in der St, Johanniskirche beginnen möchten.
Ich möchte noch einmal betonen – zum größten Teil wird die Arbeit der Akademie auf die gleiche Weise fortgesetzt, wie sie bisher war. Das ist eine der Aufgaben der Leitung der Akademie – den Studienprozess in der Zeit des Überganges zu garantieren, in der wir diese Schwierigkeiten mit unseren Finanzen haben.
- Wie sieht die Struktur der Leitung der Akademie zur Zeit aus?
- Nach den gesetzlichen Bestimmungen der ELKL hat die Kirche selbst das Recht der Bestimmung – also der Oberkirchenrat, das Bischofskollegium. Dennoch wird der Rektor in einer durch die Verfassung bestimmten Versammlung gewählt, zu der die Dozenten, Studenten und die Vertreter des Oberkirchenrates gehören. Ich denke, dass wir uns dieses Mal für einen Rektor aus der Mitte der Bewerber aus Lettland entscheiden sollten.
- Die Akademie hat inzwischen ein neues Amt – das eines eigenen Seelsorgers.
- Dieser Seelsorger ist ein Pfarrer, dem es anvertraut ist, sich aus geistlicher Sicht um die Studenten zu kümmern, ihnen ein Ratgeber und Helfer zu sein. Die Notwendigkeit eines Seelsorgers haben wir bereits seit Langem empfunden, und wir sind sehr froh darüber, dass das Bischofskollegium dieses Amt Pfarrer Juris Zariņš anvertraut hat. Dieser hat in den vergangenen Jahren schon viel bewirken können, er hat für unsere Studenten Einkehrtage veranstaltet und war mit ihnen in verschiedenen Situationen zusammen. Dafür sei ihm von Herzen Dank gesagt!
- Wieviel Studenten werden zur Zeit in der Akademie ausgebildet?
- In der Abteilung für Pfarrer gibt es zur Zeit 28 und in der Abteilung für Mitarbeiter der Gemeinden 10 Studierende.
- Wie fühlen Sie sich in den neuen Räumen in der Alksnaja iela?
- Für den Studienprozess war das Haus am Domplatz besser geeignet, aber diesem Räume hier haben eine eigene Atmosphäre und eine eigene Geschichte. So hatte hier auch einmal
Professor Feldmanis gelebt. Obwohl wir erst vor Kurzem alle Räume zum Gebrauch überlassen bekommen haben, die für uns vorgesehen waren und manche noch dazukommen müssen, haben diese neuen Räume für uns einen eigenen Charme. Die Studenten haben sich an diese neuen Räume gewöhnt.
- Bei diesem Umzug machte Ihnen jedoch die Bibliothek die größten Sorgen.
- Ja, das ist wirklich ein gewaltiges Problem, das uns sehr schmerzt und Sorgen macht, denn die Bibliothek ist ein unersetzbarer Bestandteil des Studienprozesses. Unsere Bibliothekarin hat schwer und selbstlos geschuftet, und dennoch hat ein Teil der Bücher bei dem Prozess des Umzuges gelitten, was uns allen große Herzschmerzen bereitet.

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- Wie sieht der Veranstaltungsplan der Kleinen Lutherakademie im nächsten Jahr aus?
- Nähere Informationen über alle Studienprogramme und Vorlesungen wird es Ende August im Internet geben.
- Auch wenn im Augenblick die Situation nicht leicht erscheint, so haben Sie doch bestimmt eine Vision davon, wie Sie die Lutherakademie in der näheren und ferneren Zukunft sehen möchten?
- Es gibt mehrere Dinge, über die wir nachgedacht und die wir in der Verwaltung und unter den Dozenten der Akademie besprochen haben. Dabei haben wir unsere Priorität darauf ausgerichtet, dass unser Wirken unserer Kirche, in der wir unseren Dienst tun, Frucht und Segen brächte. Wir möchten unseren Studenten akademisches Wissen und praktisches Können für ihre Arbeit in ihren Gemeinden vermitteln. Nach wie vor gibt es die großen Fragen für unsere Studenten, die Pfarrer werden möchten, zu ihrem praktischen Dienst und die Vorbereitung darauf auf dem Wege der Erfahrung. Hier haben wir noch viel zu tun. Diese Sache der Umsetzung des Wissens, das sie bei dem Studium erhalten haben, in der praktischen Gemeindearbeit und bei den wirklichen Erfordernissen der Gemeinden ist von besonderer Wichtigkeit. Ein anderes Gebiet, das ich nicht unerwähnt lassen möchte und mit dem wir uns unbedingt bald befassen müssen ist die Frage nach einem anderen noch anzuerkennenden Zweig des Studiums – die Ausbildung zum Diakon und Sozialarbeiter. Das wäre für viele Menschen eine Möglichkeit, ihnen bei ihrem Einstieg in die Sozialarbeit und in die Diakonie zu helfen. Erst damit könnte unsere Vision über den geistlichen Dienst erst völlig wahr werden. Dort haben wir die Bischöfe, die Pfarrer und die Diakone, wie wir es der Heiligen Schrift von Anfang an entnehmen können. Auf diesem dritten Gebiet muss Fortbildung geschehen, die auf allen Gebieten des kirchlichen Dienstes erforderlich ist. Dann wäre die Akademie nicht nur ein Bildungsinstitut, das Menschen für einen Beruf ausbildet, in das Leben hinaus schickt und sie dort allein lässt. Die Akademie muss auch zu einem Ort werden, an dem Bildung und Erfahrung ausgetauscht werden kann, und an dem ehemalige Studenten und auch andere, die in der Kirche arbeiten und wirken, jederzeit Zugang haben, um hierher zurück zu kehren, um ihr Wissen und Können aufzufüllen. In der Zukunft muss die Akademie zu einem Ort werden, an dem sich die besten theologischen Ressourcen und Kräfte sammeln, um ihr Wissen und Können zu ergänzen. Da möchte ich auch den bescheidenen Hinweis auf die Möglichkeit geben, ein theologisches Journal herauszugeben. Auf jeden Fall steht an der ersten Stelle der Gedanke, dass alle unsere Pläne unserer Kirche und unserer Gesellschaft praktisch und geistlich von Nutzen sein müssen, zu deren Dienst uns Christus berufen hat.
- Womit könnten Sie jemandem zum Studium Mut machen, der sich noch nicht sicher ist, ob er studieren soll oder nicht?
- Ich möchte den Menschen Mut machen, der Stimme ihres Herzens und dem Ruf Christi zu folgen und sich nicht vor möglichen Schwierigkeiten zu fürchten, sondern zu kommen, um hier zu studieren. Eine gute theologische Ausbildung ist die Voraussetzung dafür, dass wir unseren Dienst effektiv versehen und einander in unserer Kirche helfen können. Die Akademie ist geöffnet und das Studium ist kostenlos (!) Das ist eine historisch einmalige Möglichkeit! Ich möchte wirklich hoffen dass wir mit gemeinsamen Kräften das Ziel erreichen, dass die Akademie zu einem der wichtigsten Motoren (wenn nicht zum wichtigsten Motor) für das weitere Wachstum auch auf theologischem Gebiet unserer Kirche wird. Kommt und seht euch alles an, was gut ist, und helft uns, es noch besser werden zu lassen.

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Wunderbare Erfahrungen der Reisegruppe von „Svētdienas Rīts“ in Semgallen.
Inga Reča
Nach ihren Reisen auf Luthers Spuren in Deutschland und nach St. Petersburg machte sich unsere reisende Gemeinschaftsgruppe nach Zemgale auf den Weg – zu den lieben Freunden der Kirchengemeinde Bauska und zum Schloss Rundāle. Wenn sich jede Reise als etwas ganz Besonderes offenbart hatte, hatten wir dieses Mal das Empfinden, dass diese letzte Reise die aller- aller- allerbesonderste gewesen sei! Damit Sie nicht sagen, dass ich Ihnen etwas vorschwindeln möchte, lesen Sie es bitte selbst. Am Samstag, dem 10. Juli machten wir uns in die Richtung Bauska auf den Weg, und machten in Ķekava Halt, um Mitreisende aus Baldone und aus Aizkraukle mitzunehmen. Dort aber erwartete uns die erste Überraschung – Sarmīte und Dainis aus der Kirchengemeinde Aizkraukle kamen nicht mit einem Auto, sondern mit einem Motorrad angereist und hatten auch gleich einige Freunde vom Christlichen Motorradfahrerclub Lettlands mitgebracht. Das bedeutete für uns, dass unser weißer Bus bis zur Kirche von Bauska und nachher auch nach Rundāle von drei Motorradeskorten begleitet wurde. Dadurch kamen wir alle uns besonders wichtig vor – etwa wie Präsidenten oder… In Bauska wurden wir von einer langjährigen Freundin von Svētdienas Rīts erwartet, der Leiterin unseres Büchertisches Zenta Paļulone. Dort gab es eine weitere Überraschung. Heute sind wir dort nicht die einzigen Gäste, denn außer uns sind weitere alte Freunde von uns hier eingetroffen – Leute aus Litauen, der lettischen lutherischen Kirchengemeinde in Elkišķi mit ihrer Gemeindeleiterin Rasma Vasiļūniene, ihrem Organisten Valdis und ihrem Pfarrer Jouzus Mišeikis. Mit ihren Autos waren auch Leute aus Blīdene und Meņģele angereist. Was für eine Begegnung! Wir waren in Bauska nicht nur mit Leuten aus dem ganzen Lettland beisammen, sondern in einer internationalen Gruppe.von Freunden unserer Kirchenzeitung. Wie Sie verstehen werden, nahmen die vielen Umarmungen eine beträchtliche Zeit in Anspruch, denn ein solches Wiedersehen ist unendlich schön, weil sich hier wieder Menschen begegneten, die nicht nur Tausende von Kilometern gemeinsam zurückgelegt haben, um ihnen bisher unbekannte Orte kennen zu lernen, sondern etwas, was viel viel schwerer wiegt…
Mit der Vorstellung des Gotteshauses von Bauska begann Pfarrer Aivars Siliņš, und danach führte uns unsere Zenta weiter durch die Jahrhunderte des Bestehens der Kirche. Nach dem Gottesdienst tauschten wir Grußworte und Geschenke aus. Unsere Redaktion bekam ein Säckchen mit Pfefferminztee: „Das ist dafür, dass du, Inga, im kommenden Winter nicht krank wirst!“ Zenta führt uns zum kürzlich renovierten Gemeindehaus. Mehrere unserer Mitreisenden sagen, dass für ihre Kirchengemeinde von einem solchen Gemeindehaus nur träumen könnten!
Die Freunde in Bauska haben uns soviel Suppe zubereitet, dass es noch für weitere 50 Mitreisende gelangt hätte! Viele haben Gastgeschenke mitgebracht – Zaiga erfreut unseren Gaumen mit selbst hergestelltem Käse, einige Mädchen haben einen Kringel mitgebracht. Jeder hat sich darüber Gedanken gemacht, womit er seine alten und neuen Freunde erfreuen könnte. Wir müssen recht flink essen, denn wir haben für diesen Aufenthalt nicht sehr viel Zeit. Ilga Balode erwartet uns bereits im Museum für Heimatkunde und Kunst, wo uns eine weitere Überraschung erwartet. Ganz selten wird es sich jemand vorstellen können, dass ein städtisches Museum so attraktiv sein kann. Die Ausstellung ist so eingerichtet, dass wir den Eindruck hatten, einen Spaziergang durch die Jahrhunderte alten Straßen von Bauska zu machen. In einem Gebäude erwartet uns ein Laden mit der Verkäuferin, in einem anderen ein Frisiersalon, ein Fotosalon und ein Buchladen und ein Büro der Tschekisten sowie eine Wohnung aus den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts und vieles andere. Wie schade, dass wir für den Rundgang durch die Stadt nur so wenig Zeit hatten. Aber unserer Fremdenführerin

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möchten wir herzlich danken, dass sie uns während dieser kurzen Zeit mit so vielen Eindrücken bereichert hat, dass der Wunsch, noch einmal hierher zu kommen, sehr lebendig geblieben ist
Wir beeilen uns, um zum Schloss Rundāle zu kommen. Dort blendet uns nicht nur die heiße Sonne, der die Ebene von Semgallen besonders zu gefallen scheint, und die sich so intensiv mit uns befasst und heute sogar einen Hitzerekord dieses Sommers erreicht. Aber blendend schön ist zweifellos das Schloss, von dem man den Blick nicht abwenden kann! Aber dort erwartet uns eine weitere Überraschung, die wir als ein Geschenk des Himmels empfinden: Der Herr des Schlosses Imants Lancmanis bietet uns einen Rundgang sowohl durch das Schloss als auch durch den Schlossgarten an. Außerdem hat er dafür Sorge getragen, dass wir noch ein weiteres Wunder zu sehen bekommen, das sonst normalen Touristen verschlossen ist
und das im Pferdestall des Schlosses noch auf seine Restaurierung wartet. Dabei geht es um eins der einmaligen Werke barocker lettischer Holzbildhauerei. In seinem Interview sagte Imants Lancmanis im vergangenen Herbst unserer Kirchenzeitung: „Die Restaurierung des Innenraumes der Kirche von Lestene ist ein gewaltiges Vorhaben, für welches das ganze Lettland Sorge tragen muss.“ Natürlich muss sich, wenn das geschehen soll, ein jeder zuerst dieses Wertes bewusst werden. Ganz besonders natürlich die Leute der Kirche. Der erste Schritt dazu ist, die Sache zu betrachten und anderen darüber zu berichten, was für wunderbare Werte der Kunst wir besitzen. In Begleitung unserer Fremdenführerin Benita geben wir uns dem Zauber des Schlosses hin, ebenso wie wir vor einigen Wochen uns vom Zauber des von Rastelli erbauten Schlosses der Katharina in St. Petersburg gefangen nehmen lassen konnten. Und so kommen wir ungewollt zum Vergleichen. Das Schloss der Katharina in Puschkin ist groß und mächtig, doch Rundale ist behaglich und lieblich. Natürlich wird das auch dadurch bewirkt, dass wir das 40 Jahre dauernde Wiederherstellen des Schlosses aus einem entsetzlichen Zustand bis zu seinem heutigen Anblick mit unseren eigenen Augen verfolgen konnten….
Wir sind emotionell übersättigt und durch die heiße Sonne ermüdet. Vom Rosenduft im Schlossgarten begleitet, machen wir uns auf den Heimweg. Mit der Hilfe unserer Kirchenzeitung senden wir herzliche Grüße und Glückwünsche zu seinem Geburtstag an Herrn Lancmanis, den er Ende Juli feiern konnte! Gott segne sein Leben und Werk auch weiterhin!
Das war unsere neunte (!) gemeinsame Leserreise. Das ist doch wunderbar, nicht wahr?! Auf Wiedersehen bei unserer zehnten gemeinsamen Reise mit dem Ziel des Königreiches der Wenden.

Eine starke Familie, dem Geist Lettlands eng verbunden. Inga Reča.
„Lettland nahm von mir zusammen mit der lettischen Sprache Besitz. Damit habe ich immer gelebt und das sind auch die stärksten Eindrücke meiner Kindheit,“ sagte die Journalistin Olga Homenčuka eine Nachfahrin von Letten in St. Petersburg in der vierten Generation. Um die Jahrhundertwende vom 19, zum 20. Jahrhundert war Olgas Urgroßvater Pfarrer der lettischen lutherischen Kirchengemeinde in St. Petersburg. Im Juli brachte sie ihre Kinder, die Teenager Katrīna und Dimitrijs, die sich beide mit Vokalmusik befassen, in das Land ihrer Vorfahren. Als SR im Juni die Leserreise nach St. Petersburg veranstaltete, war Olga unsere Fremdenführerin und sorgte für uns. Andererseits nahmen die Reisenden vom Juni die Nachfahren von Letten aus Petersburg mit den jungen begabten Künstlern bei sich in ihren Kirchengemeinden auf.
- Wie wollen wir uns miteinander unterhalten . lettisch oder russisch?

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- Die lettische Sprache gehört zu meinem Wesen. Ich bin zwar eine Person, aber in Petersburg lebt in mir auch die Lettin mit. Manches Mal schlüpft die lettische Sprache aus mir heraus, aber das passiert mir recht selten, denn es gibt Bindungen zu den Sprachen. Wo kann ich dort die lettische Sprache überhaupt verwenden? Eigentlich nur im Konsulat und in der Kirchengemeinde. Und deshalb laß uns miteinander lettisch reden.
- Was hast du noch für Erinnerungen an dein erstes Eintreffen in Lettland?
- An mein erstes Eintreffen kann ich mich nicht mehr ertnnern, weil das in meiner frühen Kindheit war. Wenn ich aber die Fotos aus jener Zeit betrachte, dann sehe ich mein Schwesterlein Īna im Alter von einem Jahr. Ich selbst war damals vier Jahre alt. Ich sehe darauf unsere Familie. Unser Vater ist inzwischen verstorben. (Olgas Vater war der verstorbene Schauspieler des russischen Theaters Pēteris Gorins. Die Red.), und mit meiner Mutter (der Gemeindeleiterin der lettischen lutherischen Gemeinde in St. Petersburg Ina Kārkliņa-Gorina) und mit meiner Großmutter sind wir oft auf dem Lande in Rundāle. Heute gibt es den modernen Ausdruck Retraite (Einkehr, Entspannung). Wenn ich diese Landschaft sehe, dann genügt es einzuatmen und hinzuschauen, und schon sind die Erinnerungen an die Kindheit wieder da..
Was kommt dir über Lettland in den Sinn aus der Zeit deiner bewussten Erinnerungen?
- Einige Jahre verbrachten wir jeden Sommer in Rundāle dann gab es eine kürzere Pause, ich ging zur Schule, und dann fuhren wir an einen anderen Ort, doch von meinem 12. Lebensjahr bis zum Schulabschluss und auch danach während meines Universitätsstudiums fuhr ich jeden Sommer hierher. Wir wohnten auf dem Lande, taten dieses und jenes, sammelten Äpfel und aßen Beeren… An diese Zeit kann ich mich gut erinnern. Damals kamen viele Leute aus Russland, die wir eingeladen hatten, hierher. Meine Tante hatte nichts dagegen. Alle Leute, die dort waren, arbeiteten dort vom Morgen bis zum Abend, aber du kennst ja meine Mutter – jetzt lädt sie das halbe Lettland nach St. Petersburg ein, und sonst das halbe Russland nach Rundāle. Dorthin kamen Künstler, Ärzte und Schauspieler – alle sind mit uns verwandt. Da gab es immer eine gute Stimmung und viel Lachen, aber es gab auch stille Tage, wenn ich das wahre Leben in Lettland einatmen konnte. Mutter hatte einen befreundeten Professor, der ganze Tage lang am Ufer stand und angelte. Wenn wir über Lettland sprechen, dann steht mir eine Böschung vor Augen, die wir hinauf und herab liefen, und die Felder darum herum. Und die Menschen waren uns näher als in St. Petersburg; auch mit Fremden konnten wir uns sehr schnell anfreunden. Wir warteten jedes Jahr auf den Sommer, in dem wir uns wieder mit unseren Freunden und Verwandten treffen konnten.
- Du hattest mir gegenüber auch manches Mal deine liebe Großmutter erwähnt, welche dich in St. Petersburg die lettische Sprache gelehrt hätte.
- Sie hat mich die lettische Sprache nicht gelehrt, sie hat sie einfach gesprochen. Sie hieß Erna Kārkliņa und wir nannten sie Eņička. Mamika nannten wir die Großmutter meiner Mutter, die ja eigentlich die Mama der ganzen Familie war – eine sehr starke Frau aus Lettland. Die war die Frau von Eduards Vinegers und Eņička war ihre Tochter – ein wahrer Engel und eine sehr liebe Frau. Nicht ein einziges Mal in ihrem Leben hat sie ihre Stimme erhoben. Sie saß still da, redete nicht viel, aber scharte die ganze Familie um sich. Wer in unsere Familie hereinkam, der wurde Lutheraner. So war zum Beispiel Inas Mann orthodox, wurde aber Lutheraner, und alle Kinder auch.
- Ihr seid eine so starke Familie, dass alle Angehörigen einer anderen Konfession, die in eure Familie hereinkommen, auch Lutheraner werden?
- (sie lacht) Ja, oder sie halten das alles nicht aus, wie zum Beispiel mein Mann. Ja, wir sind eine sehr starke Familie, und das hängt mit dem lettischen Geist zusammen,

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- Eine der Grundlagen deiner Sippe ist das Luthertum. Wie bist du überhaupt zum Glauben gekommen?
- Ich brauchte nicht erst dahin zu kommen, denn den gab es schon immer bei uns zu Hause. Auch als die Kirchen geschlossen waren, haben wir immer Weihnachten und die anderen Feste der Kirche gefeiert. Meine Mutter singt die Choräle immer noch in ihrer alten Textfassung, die sie von ihrer Großmutter gelernt hatte. Meine beiden Kinder sind getauft, aber noch nicht konfirmiert.
- Bei dieser Reise nach Lettland habt ihr alle bekannten Grabstellen eurer Vorfahren besucht.
Ich habe nur davon etwas gehört., aber ich habe einen sehr unternehmungslustigen Vetter, der uns alle dorthin entführt hat. Wir erblickten ein Grabkreuz und das hat uns sehr bewegt. Auf dem Friedhof in Jelgava in der Nähe des Schlosses ruht mein Urururgroßvater Kārlis Vinegers. Er wurde 1850 geboren und starb1911. Wir sahen uns das Grab an und stellten fest, dass wir zum Grab genau 100 Jahre nach seinem Tod gekommen sind… Das war doch sehr symbolisch, er war auf dem Gut der Buchhalter, aber er muss ein so guter Buchhalter gewesen sein, dass die Baronesse ihn gerade dort bestatten ließ. Er stammte nicht von höheren Kreisen ab, aber er war eine Persönlichkeit und in seinem Familienverband eine große Autorität. Er hatte sehr viele Kinder – 13 von seiner ersten Frau und danach sehr viele Kinder von seiner zweiten Frau. Das war schon eine sehr, sehr große Familie! Ich glaube, dass der Vater meiner lieben Großmutter Eduards Karlovičs, der später Pfarrer in Petersburg war, sein ältester Sohn war. Ich weiß, dass die ganze Sippe ständig nach St. Petersburg gereist ist, und immer haben welche davon bei Eduards gelebt. Aber sie verehrten ihren Vater Kārlis sehr, in dessen Briefen er über sein Ergehen nicht mit den Worten „uns geht es gut“ sondern mit dem Satz „wir haben ein gutes Werk getan“ berichtet hat. Für die Kinder war es sehr wichtig, dass der Vater ihnen sagte: „Gut, Kinder, das habt ihr richtig gemacht.“
- Weshalb wolltest du deine Kinder gerade jetzt nach Lettland bringen?“
- Damit meine Kinder etwas von Lettland mitnehmen. Das sollte man mit ihnen bereits in ihrer Kindheit tun, aber es waren damals sehr verwirrende Zeiten; denn sie wurden geboren, als die Grenzen bereits geschlossen waren. Und heute ist es für uns leichter, nach Deutschland zu verreisen als nach Lettland. Und heute ist alles auch nicht leicht. Meine Kinder sprechen nicht lettisch; irgendwie ist es uns nicht gelungen, zu Hause lettisch zu sprechen, denn meine Mutter wohnte getrennt von uns und es schien uns, als hätten wir nie Zeit dafür… Jetzt sagen meine Kinder, wenn wir das tun: „Was redet ihr da, wir möchten es auch verstehen.“ Ich hoffe, dass ihnen das eines Tages auch gelingen wird. Jetzt können sie auch als junge Menschen nicht nur nehmen, sondern auch etwas geben. Es ergab sich eine gute Gelegenheit, dass wir nach Lettland zusammen mit ihren Freunden – Schüler der Gesangsabteilung der Musikschule mit ihren Lehrern, in den Kirchen Lettlands zu singen.
- Im Laufe einer Woche habt ihr Konzerte in Sigulda und in der St. Johanniskirche in Riga gegeben und auch ein großes Konzert bei dem Kirchentag der Diözese Liepāja in Jaunpils. Die jungen Leute traten auch bei dem Fest der Alten Musik im Schloss von Rundāle auf. Was hat das alles bei euch für Eindrücke hinterlassen?
- Alles erschien uns so leicht und alles war sehr gut organisiert. Die Menschen, die bei der Leserreise mit „Svētdienas Rīts“ mitfuhren und die ich in Petersburg kennen gelernt habe, waren wirklich einmalig! Wenn meine Mutter früher erzählt hatte, wie wunderbar hier die Menschen seien, da habe ich oft gedacht, dass sie doch ein wenig übertreiben würde….Aber als Mama sich den Fuß gebrochen hatte und daher nicht eure Fremdenführerin in Petersburg sein konnte, empfand ich, als ich an ihrer Stelle bei euch in Petersburg in den Bus einstieg,

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sofort, dass ich es mit wunderbaren Menschen zu tun habe. Uns ist in Petersburg alles gut gelungen, aber in Lettland war es noch schöner, denn wir wurden dort überall liebevoll erwartet. Zuerst waren wir in der Kirchengemeinde Sigulda bei lieben Menschen, und dann in der St. Johanniskirche in Riga, wo uns Pfarrer Juris Zariņš erwartet hat. Sehr gut versorgt hat uns Pfarrer Ivars Jēkabsons. In Jaunpils war es auch wunderbar; dort sind wir so vielen lieben Menschen begegnet! Ich habe mich sehr wohl gefühlt. Die Kinder hatten die gute Möglichkeit, an schönen Stellen zu singen. Sie singen geistliche Musik, aber die singen wir in St. Petersburg in den Klassen, weil die Orthodoxen keine solche Musik haben, die man in den Kirchen singen kann. Hier hatten wir die Möglichkeit, in solchen alten Kirchen zu singen, wie ihr sie in Lettland habt. Das Fest der Alten Musik in Rundāle war für uns auch ein sehr interessanter Eindruck.
- Wie sehen eure Zukunftspläne aus?
- Alle möchten hierher zurückkehren. Nicht nur meine Kinder, sondern auch alle Pädagogen, Eltern und Kinder waren wie verzaubert. Die Schule unserer Gesangslehrerin Lidija Stojanova ist einmalig, aber auch bei uns verstehen viele sie nicht. Sie fragen, weshalb die Kinder eine so komplizierte Musik wie die geistliche Musik erlernen und singen müssten? Aber wenn sie gehört haben, wie unsere jungen Menschen diese Musik singen, dann begreifen sie, dass dieses für sie die richtige Schule ist. Ich denke, dass wir allen das Beste zeigen müssen, was die Menschen machen können. Auch international. Nach den Konzerten waren eine Reihe von Musikschulen an Zusammenarbeit interessiert. Der ehemalige lettische Generalkonsul in Petersburg Juris Audariņš sagte, dass er seinen Augen nicht getraut hatte, dass so viele junge Menschen zur Kirche kamen – 13 und 15 Jahre alt, die auf diesem so hohen Niveau singen konnten.
- Was von dieser Reise ist dir am eindrucksvollsten haften geblieben?
- Das kann ich noch nicht analysieren, doch ich bin voll von Empfindungen – voll von Musik. Gefühlen, geistlichen Erfahrungen und Emotionen. Hier haben wir das volle Leben erfahren, wie es im Idealfall sein sollte. Es war eine solche Fülle von Dingen, von denen mir nichts leid getan hat. Für uns war es eine große Arbeit, aber Gott hat uns dafür die notwendige Kraft geschenkt.

Eine Reise zu den wichtigsten Stätten des Lebens und des Wirkens der ersten lettischen Bischofs der ELKL Kārlis Irbe Voldemārs Lauciņš, Glied der Kirchengemeinde Mežaparks
Am 7. August sind 150 Jahre vergangen, seit im Dorf Gaiķi dem Pächter Kristaps Irbe und seiner Ehefrau Lavīze geb. Dišlere der Sohn Kārlis geboren wurde, der am 23. Februar 1922 zum ersten Leiter der Lutherischen Kirche Lettlands gewählt wurde. Dieses bedeutenden Jubiläums von Kārlis Irbe wurde auf vielfache Weise sowohl in der Kirche als auch in den Breiten der Gesellschaft gedacht – durch Treffen, Konferenzen und Augenblicke des Gedenkens, mit der Absicht sich vertieft mit dem Leben und Werk dieser so bedeutenden Persönlichkeit zu befassen, die nicht nur durch die zeitliche Entfernung sondern durch die heutige so völlig andere wirtschaftliche und soziale Situation den Menschen der Gegenwart ohne Grund zu entgleiten droht.
Dieser Beitrag zu diesem großen Jubiläum möchte die Eindrücke wiedergeben, die man erhalten kann, wenn man die für das Leben von Kārlis Irbe wichtigsten Stätten in Lettland bereist. Sie sind entstanden bei mehrfachen Reisen und Veranstaltungen im Sommer 2011 und vom Interesse daran angetrieben, ob man wohl auch die Leser dieser Zeilen näher mit den Stätten bekannt machen könnte, an denen Irbe gelebt und gewirkt hat. Eine solche Reise gewährt einen Einblick, wenn auch keinen allzu großen, in die Umgebung, in der Irbe geboren

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wurde, aufwuchs und sich geistig gefestigt hatte. Kārlis Irbe – der Christ, ein bewusstes Glied der Gesellschaft und der Kirchenleiter. Unsere Reise macht an drei Stationen Halt, die im Leben Irbes eine wichtige Rolle gespielt haben – in seinem Geburtsort Gaiķi, in Dzērbene und Drusti, wo er über siebzehn Jahre seines Lebens Dienst getan hatte. Diese Reise findet natürlich in Riga ihren Abschluss.
Das Dorf Gaiķi
Der Tage der Kindheit von Kārlis Irbe im Dorf Gaiķi wird nur sehr wenig gedacht. Weder er
selbst noch jemand, der ihm eng verbunden war, hat diesen Lebensabschnitt des Bischofs beschrieben. Der Forscher unserer Tage muss sich mit den wenigen zufrieden geben, was aus einigen wenigen späteren Aussagen von Kārlis und aus einigen Bemerkungen von Zeitzeugen hervorgeht. Eine der wenigen Kindheitserinnerungen von Irbe an seine Kindheit ist eine vergleichende Betrachtung der Zeit der Gegenwart mit der Zeit seiner Kindheit. „Damals gab es noch keine Flugzeuge, Autos, keine Studentenverbindungen, keine Dauerwellen, keine Lippenstifte, keine Lebensmüdigkeit, keinen Selbstmord, keine Wechsel. Damals gab es kein Kind, das die 10 Gebote nicht kannte, es gab kein gefälschtes Geld und keine Diebe. In unserem Dorf gab es wohl einen , aber der war nicht voll zurechnungsfähig und stahl nur alte Stricke und alte Schuhe. Die Türen wurden einfach zugemacht, damit das Vieh nicht in das Zimmer herein kam. Ja, damals gab es fast nichts von dem, was wir in unseren „dunklen Zeiten“ die Fülle hatten. Aus Dokumenten geht hervor, dass er in der Familie mit vier Kindern das jüngste war. Sein Vater starb, als er noch ein Kind war. Seine älteren Brüder versorgten ihn mit Sandalen. Die Irbes waren zuerst Pächter aber sie rückten später in den Stand des Hauswirts auf. Somit wurden während seiner Kindheitsjahre die Grundlagen für sein späteres handwerkliches Können gelegt.
Das Dorf Gaiķi liegt etwa 20 km von Saldus entfernt fast direkt in nördlicher Richtung. In diese Richtung bewegen wir uns auch, um die Heimatforscherin des Dorfes Gaiķi Hermine Edelmane zu besuchen. Ein Schotterweg führt zum einstigen Gut, in dessen Knechtshaus der spätere Bischof Kārlis Irbe geboren wurde. Doch damals diente dieses Haus nicht zum Wohnen für die Knechte, sondern für den Landpfleger des Gutes und liegt an einem Abhang, auf dem ein Bach zum Fluss Imula hinfließt. Eine schöne Schlucht mit einem Einschlag von Bäumen öffnet den Blick auf eine liebliches Panorama weiter als bei einer Ebene.
Unser Weg führt uns weiter zum Pfarrhof, wo der Pfarrer von Gaiķi Kārlis Irbe getauft hat und die Kinder ihren ersten Religionsunterricht erhalten haben. Jetzt ist dort alles zugewachsen und liegt in Trümmern, der „Zahn der Zeit“ hat kräftig an dem genagt, was der Krieg noch verschont hatte Vor über achtzig Jahren war Irbe in Gaiķi zum letzten Mal zu Gast und hat dabei auch in den Pfarrhof hineingeschaut. Die lettischen Gemeindeglieder mussten, wenn sie zum „Herrn Pfarrer“ wollten, durch die Küche gehen und mussten im Sprechzimmer stehen, denn der einzige Stuhl, der dort stand, kam nur dem Pfarrer zu.
Unser letzter Haltepunkt in Gaiķi ist das Haus, das mehr als sieben Jahrzehnte (1856-1920) die Dorfschule beherbergte. In den „Blütezeiten“ haben über 150 Kinder diese Schule besucht. Die Ausmaße der Schule lassen mich nachdenken und nachfragen. Heimatforscherin Hermine Edelmene wiederholt das mit sicherer Stimme und fügt dem einen interessanten Bericht hinzu darüber, dass die Kinder ihre mitgebrachten Kartoffeln hier gekocht haben. Jeder von ihnen tat sie in das eigene Töpfchen, und wenn die Kartoffeln gar waren, zogen sie ihren Sack mit der Verpflegung heraus, öffneten ihn und aßen. Kārlis Irbe hat hier sein erstes Schuljahr verbracht. Seit die Schule in den ersten Jahren des Bestehens der Republik Lettland in das einstige Gutsgebäude verlegt worden ist, wurde dieses Haus vergrößert und diente als Haus des Gemeinderates. Heute befindet sich hier die Bibliothek des Dorfes Gaiķi und dient

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damit weiterhin der Fortbildung der Einwohner des Ortes.
Nachdenklich verlassen wir diesen Ort. Hier wurde Kārlis Irbe geboren, hier ist er aufgewachsen und hier hat er seine ersten Schritte getan bei seiner Entwicklung zu einem der bedeutendsten Pfarrer, zu dieser bedeutenden Persönlichkeit der Gesellschaft und zum mutigen Bekenner des Glaubens.
Dzērbene und Drusti
In Livland hatten bereits vor der Unabhängigkeit des Staates Lettland die Letten in vielen Kirchengemeinden das Recht, Mitglieder des Kirchengemeinderates zu sein und damit die gleichen Rechte zu haben wie die deutschen Barone bei Entscheidung wichtiger Fragen wie bei der Wahl eines neuen Pfarrers. Zur gleichen Zeit wurden dagegen in Kurland durch die deutschen Gutsbesitzer die Rechte der lettischen Gemeindeglieder vermindert. Zu der Zeit verbreitete sich in Piebalga und in anderen lettischen Kulturzentren wie auch in Dzērbene und Drusti der Ruhm des am Ende seines Theologiestudiums an der Universität Dorpat stehenden Kārlis Irbe. Deshalb machten sich die lettischen Verantwortlichen in dem Augenblick, als die Kirchengemeinden Dzērbene und Drusti ohne Pfarrer waren, zu den Deutschen auf den Weg, und gaben ihnen bekannt, dass sie sich für Irbe entschieden hätten. Die Vertreter der deutschen Gutsherrenschaft hatten keine Einwände, obwohl es ihnen bekannt war, wie aktiv sich Irbe für die Angelegenheiten der Letten einsetzte. So wurde er hier zum Pfarrer berufen und eingeführt.
Die zur Propstei Cēsis gehörenden Kirchengemeinden Dzērbene und Drusti wurden als einander benachbarte Kirchengemeinden von einem Pfarrer betreut, bis die Kirchengemeinde Drusti nach dem Ersten Weltkrieg eigenständig wurde. Hier hat Kārlis Irbe mehr als 17 Jahre seines Lebens verbracht, und damit war das der Ort in seinem Leben, an dem er sich am längsten im Amt eines Geistlichen aufgehalten hatte. Während dieser Zeit wurde Irbe zum ersten lutherischen Propst lettischer Volkszugehörigkeit gewählt und berufen
Kārlis Irbe lebte damals im Pfarrhof in Dzērbene, der sich im Zentrum zwischen beiden Kirchengemeinden befand. Bis zur Kirche von Dzērbene hatte er einen Fußweg von 5 bis 10 Minuten. Das Wohnhaus dieses Pfarrhofes steht zwar noch, aber nach den langen Jahrzehnten der sowjetischen Besatzungsmacht ist von der ehemaligen Einrichtung und vom einstigen Aussehen kaum noch etwas übrig geblieben.
Wenn ein Fußgänger zur Kirche von Dzērbene hinkommen möchte, dann muss er den Weg bergauf zurücklegen. Dort steht das Gotteshaus stolz da, das sich vom Aussehen her stark von anderen „traditionellen“ lutherischen Kirchen unterscheidet. Davor steht eine Kolonade, welche sehr an die in alten Filmen zu sehenden Portale von Häusern russischer Gutsbesitzer erinnert. Die Einwohner von Dzērbene weisen des öfteren auf die Ähnlichkeit mit den Häusern deutscher Wolga-Kolonisten im Inneren Russlands hin. Nur ein kleiner Turm mit einer runden Kuppel und einem Kreuz darüber machen darauf aufmerksam, dass es sich hier um ein Gotteshaus handelt. Öffnet der Kirchenbesucher die Tür, so betritt er einen Vorraum unter dem Glockenturm. Wenn die Kirchenbesucher jetzt weiter gehen, so kommen sie in das Kirchenschiff hinein. Dieser rechteckige Raum wird mit der Kanzel auf der linken Seite und dem Altar an der Außenwand abgeschlossen. Zu beiden Seiten vom Altar gibt es Türen, die zur Sakristei und zu anderen Nebenräumen führen. Über der Tür zum Kirchenschiff ragt eine Empore in die Kirche hinein, auf der sich auch die Orgel befindet. Mit ihrem mächtigen Klang vermag sie leicht den Kirchenraum zu füllen. Mitarbeiter der Gemeinde berichten, dass die Orgel dringend einer Renovierung bedarf, doch die Ohren eines Laien lassen sich leicht vom sicheren Klang der Melodien täuschen und dadurch die Nuancen überhören. Doch der

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Zahn der Zeit macht sich unaufhaltsam weiter bemerkbar, und es fällt der Kirchengemeinde nicht leicht, ihr prächtiges Haus zum Lob Gottes zum Gebet und zur Anbetung in Ordnung zu halten. Während unseres Besuches ist der Glockenturm eingerüstet für die notwendigen Restaurierungsarbeiten.
Die Kirche von Dzērbene überrascht mit ihrem Unterschied im Aussehen zu den „gewohnten lutherischen Gotteshäusern“ aber auch durch ihre Ähnlichkeit mit der Kirche von Drusti. Beide Kirchen wurden fast gleichzeitig erbaut – in den 30er und 40er Jahren des 19. Jahrhunderts. Die Unterlagen belegen, dass das Gotteshaus von Drusti als erstes vollendet wurde, und erst darauf die Kirche von Dzērbene folgte. Um des Vergleichs willen sind alle Leser eingeladen, beide Kirchen nacheinander kennen zu lernen. Natürlich sind die Unterschiede bei den Details der Altarbilder nicht so wichtig, weil jede Kirche ihr eigenes Gemälde hat, und dass die Krche von Dzērbene ein wenig größer ist als die von Drusti, welche nicht so auffallend auf einem Hügel liegt. Doch der Reisende, der beide Gotteshäuser nacheinander besucht, wird das Empfinden bei der zweiten Kirche nicht los, „dass er hier doch bereits gewesen sei.“
Der Kirchengemeinde Drusti ist es besser gelungen, ihr Gotteshaus zu erhalten als der Kirchengemeinde Dzērbene. Wunderbarerweise konnte auch dort das Denkmal für die im Ersten Weltkrieg und in den Freiheitskämpfen gefallenen Söhne der Kirchengemeinde mit der Inschrift „Gott, segne Lettland“ die vergangenen Jahre des antichristlichen und gegen die Unabhängigkeit Lettlands gerichtete Bekämpfens durch die Besatzung überstehen.
Die unterschiedlichen Zeiten und die verschiedenen Erbauer waren stets bemüht, an der ihnen am nächsten gelegenen Art des Kirchbaues festzuhalten, und dabei die finanziellen Möglichkeiten zu berücksichtigen. Nach dem Durchschreiten beider Gotteshäuser hat der Gläubige oder der Besucher des Gotteshauses zwei Gotteshäuser besichtigt,, die sich voneinander durch ihre architektonische Lösung von anderen Kirchengebäuden unterscheiden und dadurch den Eindruck von der Vielfalt lutherischer Gotteshäuser bereichern. Dieser Rundgang durch beide Kirchen lässt mich unwillkürlich über die Zeit nachdenken, in der Kārlis Irbe dort gewirkt hatte. Den Reisenden des Jahres 2011 trennen mehr als ein Jahrhundert von jenen Jahren. Die uns zugänglichen Informationen machen uns deutlich, dass an den Gotteshäusern seit dem keine größeren Veränderungen vorgenommen worden sind. Somit können wir ganz sicher davon ausgehen, dass Kārlis Irbe damals die gleiche Tür geöffnet hat, durch die gleichen Reihen von Kirchenbänken geschritten ist und die gleiche Kanzel bestiegen hat, die wir auch heute vor Augen haben.
Nicht vergessen dürfen wir, etwas zu erwähnen, worauf die Leute in Drusti ganz besonders stolz sind – ein Gemälde, auf dem Kārlis Irbe dargestellt ist, in der Sakristei. Das ist ein ganz seltenes Gemälde. Darauf ist er bereits als Bischof zu sehen mit dem Überhang des Bischofs und mit dem Hirtenstab in der Hand. Dieses Bild ist offensichtlich zu Beginn seines Dienstes als Bischofs hergestellt worden.
Andere Orte, die im Leben von Kārlis Irbe von Bedeutung waren.
Am Beginn des Lebens spielten mehrere Städte in Kurland wie Aizpute, Saldus und Kuldīga noch eine Nebenrolle. In diesen Städten hat er als Schüler gelebt. Wenn auch die Zeit in Aizpute und Saldus ein Jahr nicht überschritt, so war K. Irbe sechs Jahre lang bis zum Jahr 1880 Schüler des Klassischen Gymnasiums in Kuldīga. Zu seinen liebsten Fächern gehörte nicht nur Religion, sondern auch Griechisch und Latein. Während dieser Zeit lebte er in einem kleinen Haus in einem kleinen Zimmer in der Rumbas iela. Noch 1927 als er als Bischof dienstlich in Kuldīga war, schritt er dort die Wege seiner Jugend ab und betrachtete das kleine Haus in der Rumbas iela.. Ein Jahr später brannte dieses ab. Mit 15 Jahren wurde K. Irbe in Kuldīga konfirmiert am 12. Dezember 1876, dem 3. Sonntag im Advent.

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Zwei Abschnitte seines Lebens hat K. Irbe in Riga verbracht. Der erste von 1905 bis 1917 war die Zeit, als er im nach Voldemārs Maldonis benannten Mädchengymnasium Religion und Deutsch unterrichtete.und später dessen Direktor wurde. Seine Tochter, die Missionarin Anna Irbe weist in einer Autobiographie darauf hin, dass ihr Vater zu der Zeit auch in einer der größeren Kirchengemeinden Rigas dienstlich tätig gewesen sei, aber die Biographie von K. Irbe verschweigt das. Die zweite und sehr bedeutende Epoche in Riga von 1920 bis 1934 hängt mit seinem Dienst zum Wohle der ganzen Kirche zusammen. Zwischen diesen beiden Epochen stehen der Erste Weltkrieg, die Revolution und die Freiheitskämpfe. Das Leben des Bischofs ist in dieser Zeit von tragischen Ereignissen geprägt. Seine Ehefrau Lūcija verstirbt und auch bei seiner Tochter Anna versterben ihr Ehemann und ihr Sohn..
Das Leben von K. Irbe in Riga ist mit zwei Kirchen verbunden – mit dem Dom und der St. Jakobi Kathedrale. Beide sagen sehr deutlich etwas über das Verhältnis zwischen dem Staat und der Kirche aus. Bis zum 10. Juni 1923 gehörte die St. Jakobi Kirche den Lutheranern und war auch gleichzeitig die Predigtkirche des lettischen lutherischen Bischofs. Die neue Regierung der Republik Lettland nahm den Lutheranern diese Kirche weg und übergab sie den Römischen Katholiken. Die Diskussionen über die Jakobikirche prägten den Beginn des Dienstes dieses Bischofs und viele seiner theologischen Ansichten und sein Verständnis von Kirchenleitung. Die Kontoverse um die Domkirche hängt indirekt mit dem Geschehen mit der Jakobikirche zusammen, und diese geschah gegen Ende seines Dienstes als Bischof. Auch der Streit un die Domkirche gibt Zeugnis von der theologischen Konsequenz Irbes. Hier tritt er, der sonst ganz lettisch und patriotisch ausgerichtet ist, gegen die von lettischen Nationalisten entfachten Leidenschaften auf, um die innerkirchliche Gemeinschaft unter den Christen zu verteidigen. Diese Ereignisse zeigen den Christen K. Irbe, dessen Fundament seines Lebens in die biblische Lehre und seine Leidenschaft, diese Lehre in der Praxis zu verwirklichen, eingebettet war.
Dennoch ist es sehr gut möglich, dass das bedeutendste Zeugnis über das Wirken von Kārlis Irbe seine Lieblingsidee vom Kirchlichen Gymnasium war. Sie begann mit einigen Klassen, bis ein eigenes, der Kirche gehörendes Schulgebäude erbaut war. Sein Interesse an der christlichen Erziehung der Kinder und der Jugend ist einer der größten Aspekte während der ganzen Zeit des Wirkens von K. Irbe sowohl während seiner Zeit als Pfarrer der Kirchengemeinde Dzērbene-Drusti und auch später als Bischof. Immer haben die Kinder und die Lehrer anerkennend die pädagogischen Fähigkeiten Irbes bei den Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gewürdigt. Sein erstes und umfangreichstes Druckerzeugnis ist das der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zugedachte „ABC der Glaubenslehre.“ In diesem Werk hat K. Irbe die biblische Lehre, Martin Luthers Katechismus und die neuesten pädagogischen Methoden mit dem Ziel, das Kind und den Jugendlichen mit Freude an die Lehre des Wortes Gottes heranzuführen, zusammengefasst, denn das stellt das ganze Leben auf den richtigen Grund.
Die soeben erwähnte Leidenschaft für die christliche Erziehung der Kinder und der Jugend motivierte den Bischof, den Bau des Gebäudes für das Christliche Gymnasium besonders aufmerksam zu verfolgen. Er war nicht nur bereit, Mittel aus seinem persönlichen Besitz dafür zur Verfügung zu stellen, sondern bezog ein bescheidenes Quartier neben dem Bauplatz, um jederzeit dabei zu sein. Der Bau war vor der außerordentlichen Synode des Jahres 1931 vollendet, in der Kārlis Irbe seinen Rücktritt vom Bischofsamt erklärte. Das neue Gymnasium war nicht nur ein moderner Bau sondern wollte auch daran erinnern, dass sich weltliche Weisheit dem Willen Gottes fügen müsste. Das wurde durch den Glockenturm mit einem illuminierten Kreuz darüber deutlich.. Zu Beginn der sowjetischen Besatzung wurde

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dieses kirchliche Gebäude konfisziert. Auch das Kreuz wurde zur Besatzungszeit abmontiert, aber dennoch diente das Gebäude weiter dem Schulunterricht. Heute ist dieses Gebäude in der Zvārdes iela 1 das Englische Gymnasium.
Das Ende der Reise
Der Lebensweg von K. Irbe reichte weiter als nur bis zu den Grenzen unserer Heimat, aber um das zu beschreiben fehlt uns die Zeit und der Platz. Deshalb lasst uns unsere Reise zu den Orten in Lettland, die im Leben von K. Irbe von Bedeutung waren, und bei der wir manches Mal unser Tempo verlangsamten und manches Mal beschleunigten, nun beschließen. Dem möchte ich noch einige zutreffende Worte von Kārlis Kundziņš Senior über K. Irbe hinzufügen: „Wer es erfahren und sehen konnte, dass die Bindung und Gewissenhaftigkeit des „armen Sünders“ Kārlis Irbe gegenüber dem Gesetz Gottes nicht auf der Stelle stehen blieb, sondern sich zur Freiheit der Kinder Gottes durch die Kraft des Evangeliums Jesu Christi leiten und einsetzen ließ, und wer das aufrichtig, freudig und glücklich tat, der kann auch bezeugen, wie freundlich, duldsam, mitleidend und helfend unser alter Vater Bischof Irbe ganz bewusst die Wahrheit des Wortes des Apostels Paulus erfahren hat: „Mir ist Erbarmung widerfahren!“
Soli Deo Gloria!

Chefredakteurin: Inga Reča

Anschrift der Redaktion: Mazā Pils iela 4 – Riga – LV 1050
E-Mail-Adresse: svetdienasrits@apollo.lv

Übersetzung: Johannes Baumann (abgeschlossen am 23.08.2011)
Brucknerstr. 24.- D-27711 Osterholz-Scharmbeck
Telefon: 04791-13356
E-Mail-Adresse: baumann-ohz@arcor.de

Nachwort des Übersetzers
Trotz des Umfanges habe ich auch bei dieser Übersetzung einige Beiträge nicht mehr einbeziehen können, wie den langen Bericht über das Gemeindeleben der lettischen Lutheraner in Irland. Aber da ich die Langmütigkeit meiner hoch verehrten Leserschaft nun bereits seit Jahrzehnten kenne, kann ich auch dieses Mal SR mit dem sicheren Empfinden beiseite legen, dass sie mir auch dieses Mal diese Unterlassung nicht allzu sehr ankreiden wird und statt dessen einige hoffentlich noch schöne Sommertage genießt, mit vielen herzlichen Grüßen begleitet von Ihrem Johannes Baumann

Verfasst von: liefland | Mai 12, 2011

Ausgabe Nr 4 (1846) vom 16. April 2011

Ich traue auf den Herrn Psalm 11,1

Auszüge aus Svētdienas Rīts, Zeitung der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, herausgegeben von ICHTYS GmbH, erscheint seit Januar 1920.
Sonntag Palmarum Ausgabe Nr 4 (1846) vom 16. April 2011

Svētdienas Rīts – künftig täglich.
Das Osterfest des Jahres 2011 wird in die Geschichte unserer Kirchenzeitung als eine bedeutende Wende eingehen, denn dann wird die elektronische Version – das Portal SVETDIENAS RITS. LV das Licht der Welt erblicken. Wird jedem die Möglichkeit geben, mittels des Internet an den Inhalt unserer Kirchenzeitung heranzukommen., sich an deren Gestaltung mit zu beteiligen und seine Ansichten mit anderen darüber auszutauschen, was ihn in unserer Kirchenzeitung besonders angesprochen hat.
„Die Hauptaufgabe unserer Kirchenzeitung SR ist die Verkündigung des Evangeliums. Sie wird nie eine biblische Zitatensammlung werden, sondern sie möchte zeigen, wie die Worte der Heiligen Schrift Gestalt annehmen, leben, kämpfen und siegen.“ Das schrieben die Erneuerer unserer Kirchenzeitung im Jahr 1989. Diese Losung empfinden wir auch noch heute als unseren Auftrag, nur dass wir jetzt auch Sie, sehr verehrte Leserinnen und Leser von SR zur Mitarbeit einladen. Die erste Ausgabe der damals auch monatlich erscheinende Kirchenzeitung ging vor 91 Jahren am 1. Januar 1920 in das Land. Zu Ostern 2009 waren es 20 Jahre, seit SR nach einer Zwangspause von einem halben Jahrhundert wieder erscheinen konnte. Und zu Ostern 2011 geht die elektronische Version unserer Kirchenzeitung in das Land., die es ihrem Inhalt ermöglicht, unsere Leserschaft zu jeder Zeit und an jedem Ort der Welt zu erreichen.
Das Erscheinen der Kirchenzeitung in der gedruckten als auch in der elektronischen Form eröffnet uns die Möglichkeit, unsere Leserschaft mit vielfältigeren und ausführlicheren Informationen zu bedienen, und das täglich zu tun. SVETDIENAS RITS. LV wird als Nachrichtenportal die Leserinnen und Leser über das aktuelle Geschehen so schnell informieren können, wie es der Redaktion nur irgend möglich ist. Die gedruckte Ausgabe, die weiterhin einmal monatlich erscheinen wird, wird bestrebt sein, die wichtigsten Abläufe eines Monats darzustellen und der Leserschaft weiterhin interessante Interviews und Meinungsäußerungen zu Ereignissen in der Kirche und in der breiteren Gesellschaft anzubieten.
Dennoch ist die Tatsache, dass die neue elektronische Version unserer Kirchenzeitung unseren Lesern und Leserinnen die Möglichkeit eröffnet, sich in den Dialog über die dort angesprochenen Fragen einzuschalten sowie am Werden der Zeitung intensiver Anteil zu haben. Außerdem kann jetzt jeder leichter mit der Hilfe der modernen Möglichkeiten der Medien mit seinen Mitmenschen Kontakt aufnehmen. Dazu sind wir alle aufgerufen, inmitten unserer Freunde und Verwandten zu Boten des Evangeliums zu werden.
Christus ist auferstanden! Der Stein ist fortgewälzt. Und SR wird künftig so dick sein, wie es sich die Leserschaft wünscht
WWW,SVETDIENASRITS.LV – Nehmen Sie daran teil und machen Sie Ihre Freunde darauf aufmerksam!
Zusätzliche Bemerkungen des Übersetzers für die Leser seiner Übersetzungen.
Natürlich geht es bei der elektronischen Version, die man im Internet unter WWW.SVETDIENASRITS.LV erreichen kann, um die lettische Fassung. Sicher wird man dort auch viele Hinweise auf einzelne Veranstaltungen finden können, von denen ich ganz bestimmt nur einen verschwindend geringen Teil übersetzen können werde. Ich habe aber diesen an die lettisch sprechenden Leser gerichteten Beitrag übersetzt, weil ich mir vorstellen kann, dass man dort auch Fotos finden können wird, zu denen man auf diesem Wege leicht kommen kann. In meinem inzwischen doch ganz gewiss ein wenig fortgeschrittenen Alter von
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86 Jahren darf ich es mir doch (ich hoffe mit der Zustimmung meiner hoch verehrten Leserschaft) angesichts der nun zu erwartenden größeren Fülle an Lesestoff doch sicher leisten, auf diese oder jene Übersetzung zu verzichten.

Botschaft zum Osterfest des Jahres 2011 Jānis Vanags, Erzbischof der Evangelisch-
Lutherischen Kirche Lettlands
Zu Ostern grüßen wir einander mit dem Wunsch „Fröhliche Ostern!“ Ostern ist wirklich das fröhlichste Fest, das wir uns vorstellen können. Über den Anlass zur Freude sagt die Botschaft der Engel etwas aus, die wir in jedem Jahr von Neuem vernehmen: „Wenn Ihr Jesus sucht, dann sucht den Lebendigen nicht bei den Toten. Ihr findet ihn nicht mehr im Grabe. Er ist auferstanden!“ Wenn wir das hören, dann gedenken wir daran, dass Jesus für uns sein Kreuz getragen hat, gestorben und auferstanden ist! Wenn Dir Dein Herz sagt, dass du lebst, damit Du am Ende einfach stirbst und verwest, dann benötigst Du die Osterbotschaft mehr als alles andere. Für uns wurde Jesus mit der Sünde behaftet und hat unsere Strafe auf sich genommen. Am Kreuz ist er unseren Tod gestorben, damit wir im Glauben an Ihn die Vergebung der Sünden und das ewige Leben erhalten. Denn Gott hat die Welt geliebt, auf dass jeder, der an den auferstandenen Christus glaubt, das ewige Leben habe.
Doch die Freude, die wir noch erwarten sollen, können wir leichter mit dem Verstand begreifen als sie wirklich erfahren. Unsere Auferstehung können wir uns nur schwer vorstellen, und wie sollen wir uns gar über sie freuen? Eigentlich ist es nur Jesus, der die wahre Osterfreude kennt. Er hat es erfahren, was sterben, im Grabe liegen und hinabsteigen in das Reich des Todes bedeutet. Er sah seinen Tod bis in die tiefste Tiefe voraus. Als Jesus am Grabe seines gestorbenen Freundes Lazarus weinte, hat er damit gezeigt, dass er den Tod verabscheut, und auch das, dass der Mensch sterben muss. Wie bitter war es für Ihn, sterben zu müssen, und wie groß war Seine Freude aufzuerstehen! Wie groß muss die Freude Jesu gewesen sein, wieder als Lebendiger unter den Lebenden zu sein! Versuch doch, einen Augenblick lang deine Augen zu schließen und dich in Jesus hinein zu versetzen, mit welcher Freude Er das Leben von neuem genossen hat – aber jetzt ohne das Grauen vor dem Kreuz und dem Schatten des Grabes darüber. Das ist die wahre Osterfreude! Die hat wirklich nur Jesus erfahren. Und dennoch sagt er: „Das sage ich euch, damit meine Freude in euch bleibe und eure Freude vollkommen werde.“ (Joh. 15,11)
Jesus möchte, dass Seine Freude in uns bleibe. Seine Freude ist die Vollkommenheit. Wirklich fröhliche Ostertage haben wir dann, wenn die Freude des Auferstandenen in uns zu Hause ist. Wie kann das geschehen? Dazu gibt uns Jesus ein Rezept: „Das sage ich euch, damit meine Freude in euch bleibe und eure Freude vollkommen werde.“ Jesus hat uns etwas gesagt. Jedes Wort von ihm hat einen großen Wert. Die Worte Jesu sind wie eine Tür, durch die wir hereinkommen können. Die Freude der Auferstehung. Seine Worte lehren uns das Leben, und sie ersparen uns viele unnötige Schmerzen. Seine Worte schenken uns Trost angesichts der bevorstehenden Furcht vor dem Tod. Doch das wertvollste bei den Worten Jesu ist, dass wir durch sie Ihn selbst kennen lernen können. Wenn wir uns in das Evangelium vertiefen, können wir Jesu Leben und Sein Wirken kennen lernen. Wenn wir zusammen mit dem Evangelium beten, können wir Ihn vollkommener lieben. Die Liebe zu Christus ist das größte Geschenk, das wir uns in unserem Leben nur wünschen können. Sogar das Kreuz der Versuchung und die Dornen des Verlustes können Freude bereiten, wenn wir mit unserem Herrn in Liebe vereint sind. Wenn wir unser Leben mit Ihm teilen, dann wird Seine Freude auch zu unserer Freude. Die Worte Jesu, die wir im Evangelium finden, sind eine Quelle großer Freude.
Wenn ich „ Frohe Ostern!“ sage, dann wünsche ich Euch die Worte Jesu. In denen ist der lebendige und gen Himmel gefahrene Christus weiterhin mitten unter uns. Lest sie, glaubt
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ihnen, betet mit ihnen, lebt mit ihnen in Eurem Alltag, damit das auf Papier aufgeschriebene Wort im Herzen und im Geist lebendig und zur innerlich erfahrenen Wahrheit werde. Wie bei einem Ei die harte Schale zerbricht und aus ihm ein neues Geschöpf entschlüpft, so möge aus den Worten Jesu Euer Leben mit dem Leben und der Freude des auferstandenen Christus erfüllt werden!

Spalte der Chefredakteurin Inga Reča
Wie wälze ich den Stein von meinem eigenen Herzen?
Ich möchte allen Lieben danken, die mich angerufen haben und sehr besorgt darüber waren, dass sie am Samstag davor unsere Kirchenzeitung nicht erhalten hätten. Den Anrufern habe ich darauf das erklärt, was ich nun Ihnen allen bekennen muss: Ich war auf einer Dienstreise in Ventspils und habe mich dabei über die Sonne und die ersten aufgeblühten Schneeglöckchen gefreut und dabei einen aufkommenden Sturm übersehen. Das Ergebnis dieses Leichtsinnes war eine gründliche Erkältung, die mich zwei Wochen lang in meinen eigenen vier Wänden festhielt und dadurch das pünktliche Erscheinen von SR verzögert hat. Doch verbleibt uns die Hoffnung, dass das Frühjahr, das unabwendbar herankommt und Ostern als das Fest der Auferstehung Christi den Geist und den Leib der Menschen (auch meinen) nach einem langen Winter spürbar belebt.
Wälzen wir den Stein von unserem eigenen Herzen mit den herzlichsten Segenswünschen zum Fest der Auferstehung Christi.

Pfarrer Modris Plāte zum 60. Geburtstag. Juris Rubenis, Pfarrer der Luthergemeinde Riga
Am 26. April begeht der Pfarrer der St. Michaelisgemeinde in Jēkabpils seinen 60. Geburtstag.
Es fällt mir schwer, den unvorstellbar reichen Beitrag von Modris Plāte für die Geschichte unserer Kirche und unserer Gesellschaft in einem kurzen Beitrag zusammenzufassen. Er gehört zu den ganz wenigen, die Gott dazu genutzt hat, die große Wende herbei zu führen.
Er war nie ein Freund einfacher Antworten und von Heucheleien und von äußerlich schönen, jedoch leeren religiösen Phrasen. Stets richtete er sich in aller Schärfe gegen vereinfachte (natürlich für die Mehrheit sehr bequeme!) Ansichten auf jedem Gebiet. Ich kenne keinen, der so belesen ist wie er.
Er ist ein individueller Denker und Zeit seines Lebens ein radikaler Wahrheitssucher, ein Mensch, dem Kompromisse nie gefallen haben, ein sehr mutiger Mensch.
Er ist ein wahrer Freund, der dich nie und unter keinen Umständen verraten wird., ein empfindsamer Mensch, der bereit ist zu helfen, auch wenn er dabei auf eigenen Komfort verzichten muss. Ein hervorragender Prediger, ein Einsiedler, ein Mensch komplizierten Charakters.
Es ging auf die Anregung von Modris Plāte zurück, dass wir im Jahr 1981 ganz inoffiziell einen Gesprächskreis von gleichgesinnten Pfarrern gründeten, aus dem sich im Jahr 1987 die Bewegung „Wiedergeburt und Erneuerung“ entfaltete, welche die notwendigen Voraussetzungen für die Änderungen in der Kirche und der Gesellschaft Lettlands schuf. Er musste einem wahnsinnigen Druck standhalten dadurch, dass er der einzige Pfarrer in Lettland war, der seinen Dienst trotzdem versah, obwohl ihm die Sowjetbehörden die notwendige staatliche Genehmigung dazu entzogen hatten, und der damit die sowjetischen Bestimmungen übertreten und sich selbst dem Risiko ausgesetzt hatte, in jedem Augenblick verhaftet zu werden.
Durch seinen Mut zum Risiko hat Modris Plāte die Grundlagen für die heutige ELKL gelegt. Das sollte niemand vergessen!

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Er ist immer für einen breiten Austausch von Meinungen, für eine offene und tolerante Kirche und für eine Kirche mit hohen geistlichen Ansprüchen an sich selbst eingetreten. Modris Plāte hat sich nie davor gescheut, zur Zeit des Sowjetregimes seine Ansichten offen auszusprechen, und er hat keine Angst, seine Ansichten heute auszusprechen, auch wenn diese sich von den Ansichten der Mehrheit unterscheiden.
Ich bin Gott für das Geschenk der Freundschaft mit ihm von Herzen dankbar, und für alles, alles, was ich von ihm empfangen durfte. Für seine Wärme, seine große Geduld, für unzählige Anregungen, für die Lehre, an sich hohe Anforderungen zu stellen, und den Mut, der zu sein, der du wirklich bist.

Der Dom zu Riga feiert in diesem Sommer sein 800 jähriges Jubiläum. Ivars Kupcis.
Im Juli dieses Jahres sind es 800 Jahre her, seit Bischof Albert im Jahr 1211 in einer feierlichen Zeremonie den Grundstein für den Dom zu Riga gelegt hatte. Im Dom wird dieses Jubiläum durch verschiedene Veranstaltungen seine besondere Prägung erhalten. – sowohl in der Jubiläumswoche vom 25. bis zum 31. Juli als auch in der übrigen Zeit.
Das Jubiläum wird uns auch die Gelegenheit bieten, in die Geschichte des Domes Einblick zu nehmen und viele Schätze in er Kathedrale neu zu entdecken.
Das wird man in der Ausstellung „Akzente im Dom zu Riga“ tun können, welche den Besuchern die für unsere Zeit einmalige Möglichkeit anbietet, die wichtigsten Schätze des Domes – sie sakrale Inneneinrichtung, die farbigen Fenster und die Gemälde – zu betrachten und die Musik und die Orgelklänge des Domes als auch berühmte Persönlichkeiten aus der Geschichte des Domes kennen zu lernen. Auch das Museum für Geschichte und Schifffahrt öffnet seine Pforten für mehrere Ausstellungen und wissenschaftliche Konferenzen über Entdeckungen im Dom.
Einen Höhepunkt bildet die letzte Woche im Juli, in der alle zu besonderen Veranstaltungen und Gottesdiensten der gemeinsamen Festwoche eingeladen sind. In dieser Festwoche finden sowohl Konzerte als ein gemeinsames Fest des Kirchengesanges statt. Am Samstag, dem 30. Juli wird der Dom den Kindern zur Verfügung gestellt, wo sie sich in Werkstätten beteiligen und viel Neues über den Dom entdecken und sich an einer Festaufführung beteiligen können. Am Gottesdienst am Samstagabend nehmen die internationalen Gäste und die Leiter der christlichen Bekenntnisse in Lettland teil. In der Nacht zum Sonntag gibt es ein ganz besonderes musikalisches Ereignis – Mysterien der Nacht mit Klängen aus vergangenen Jahrhunderten und dem Angebot, in sich selbst hinein zu blicken und in die Quellen, aus denen uns das Licht entgegenströmt.
Am Sonntag, dem 31. Juli findet ein Fest- und Dankgottesdienst statt, den Erzbischof Vanags in seiner Kathedrale halten wird. Nach dem Gottesdienst sind alle zu einem Gartenfest im Domhof eingeladen.
Der Dom zu Riga ist eine heilige Stätte von nationaler Bedeutung. Obwohl der Dom vor allem die Kathedrale des lutherischen Erzbischofs ist, reicht dessen Bedeutung weit über die Grenzen eines einzelnen Bekenntnisses oder einer einzelnen Kirche hinaus. Die allerwichtigste Aufgabe des Domes zu Riga ist, jeden Hereinkommenden auf seinem Weg zu Gott anzusprechen. Lasst uns dieses so bedeutende Jubiläum zusammen begehen – mit der Domgemeinde und den Glaubensschwestern und Glaubensbrüdern, mit den Einwohnern Rigas und deren Gästen!

Meldungen aus der Erzdiözese Riga.
° In drei Propsteien fand die Wahl eines neuen Propstes statt. Zum Propst der Propstei Jūrmala wurde am 12. Februar der Pfarrer der Kirchengemeinde Piņķi und der St. Martinsgemeinde in Riga Andris Krauliņš gewählt. Seine Einführung durch Erzbischof
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Vanags findet am 30. April um 10 Uhr in der St. Johanniskirche in Piņķi statt. Auf Anweisung von Erzbischof Vanags hat seit dem April 2010 Pfarrer Dzintars Laugalis die Dienstgeschäfte des Propstes der Propstei Jūrmala wahrgenommen..
° Am 26. Februar fand die Versammlung der Propstei Gulbene statt. Auf Grund des Wahlergebnisses ernannte Erzbischof Vanags den Pfarrer der Kirchengemeinden Alūksne und Liepna Magnus Bengtson zum Propst der Propstei Gulbene, der die Dienstgeschäfte des Propstes bereits seit dem Juni 2009 wahrgenommen hatte.
° Die Pfarrer und Vertreter der Kirchengemeinden der Propstei Cēsis versammelten sich am 5. März zur Propsteiversammlung. Auf Grund des Wahlergebnisses ernannte Erzbischof Vanags den Pfarrer der St.Johannis Gemeinde in Cēsis Didzis Kreicbergs zum Propst der Propstei Cēsis. Die Amtseinführung des neuen Propstes wird am 28. Mai um 11 Uhr in der St. Johanniskirche in Cēsis stattfinden.
° Am 30. März fand in der St. Martinsgemeinde eine Sitzung des Kapitels der Erzdiözese Riga statt, an der die Pröpste der Erzdiözese Riga D. Kreicbergs (Propstei Cēsis), M. Bengtson (Propstei Gulbene), Dz. Laugalis (Propstei Ikšķile), A. Krauliņš (Propstei Jūrmala), H. Jenson (Propstei Madona), und A. Bušs (Propstei Valmiera) teinahmen. Die Sitzung wurde von Erzbischof Vanags und Bischof Dimants geleitet. Der Bischof gab Informationen über die in der letzten Sitzung des Bischofskollegiums beschlossenen Fragen und über die Veränderungen im Personalbestand der einzelnen Diözesen.
° Am 26. März findet um 15 Uhr im Dom zu Riga ein Gottesdienst statt, in dem der Erzbischof den bisherigen Pröpsten der Erzdiözese Riga seinen Dank aussprechen wird für ihren Dienst und ihre Leistungen im Amte des Propstes
° Das Bischofskollegium hat beschlossen, mit Wirkung vom 14. Februar 2011 Pfarrer Māris Lukašēvics, der zum beständigen Aufenthalt wieder nach Lettland zurückgekehrt ist, in das Verzeichnis der Pfarrer der ELKL aufzunehmen. Er wurde am 6. Januar 1992 im Dom zu Riga ordiniert und hat seinen Dienst als Pfarrer von 1992 bis 2009 in Adelaide in Südaustralien ausgeübt.
° Am 8. März 2011 erhielt Pfarrer Atis Grīnbergs die Beauftragung mit dem Dienst als Pfarrer in der seit August vakanten Kirchengemeinde Ķemeri. Dadurch haben sich dort auch die Gottesdienstzeiten verändert, die dort künftig Sonntags um 10 Uhr stattfinden werden.
° Mit der Wahrnehmung des Pfarrdienstes in der Kirchengemeinde Kalnsava wurde am 27. März 2011 der Evangelist Agris Pilsums beauftragt.
° Seit dem 1. April 2011 ist Pfarrer Artis Druvietis der Pfarrer der lettischen lutherischen Gemeinde in Irland. Er löst Pfarrer Uģis Brūklēne ab, der mit seiner Familie nach dreijäehrigem Dienst in Irland nach Lettland zurückkehrt. Die lettische lutherische Gemeinde in Irland wurde am 8. Oktober 2007 gegründet.
° Pfarrer Ivo Šmits hat seinen Dienst in den Kirchengemeinden Ape, Opekalns und Zeltiņi beendet. Bis auf weiteres ist der Evangelist Augusts Būce mit dem Pfarrdienst in diesen drei Kirchengemeinden beauftragt
° Auf Empfehlung des zuständigen Propstes hat der Erzbischof Hilfspfarrer Didzis Seržāns zum Pfarrer ernannt. Er wird ihm das Amtskreuz im Gottesdienst in der Kirche von Turaida am 29. Mai um 11 Uhr überreichen.

Neuigkeiten in der Kirchengemeinde Kalnsava. Agris Pilsums, Evangelist.
In der Kirchengemeinde Kalnsava fand am 27. März ein Dankgottesdienst zum 20. Jahrestag
der Erneuerung der Rechtsstatus als Kirchengemeinde statt. Das eigentliche Jahr der Gründung der Kirchengemeinde ist nicht bekannt, da die Gemeinde Kalnsava zu Beginn ein Teil der Kirchengemeinde Bērzaune war. Im lettischen Konversationslexikon können wir nachlesen, dass Kalnsava seit 1626 (also seit 385 Jahren) einen eigenen Pfarrer gehabt hätte.
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So können wir dieses Datum als den Anfang einer eigenen Gemeindearbeit annehmen. Den Festgottesdienst am 27. März hielt Erzbischof Vanags und hielt darin eine Predigt über Lukas 2, 41-51.
Gewöhnlich finden die Gottesdienste in der Kapelle statt. Doch bei besonderen Gelegenheiten in der Schule von Kalnsava. Im Gegensatz zu vielen anderen Kirchengemeinden hatte die Kirchengemeinde Kalnsava ihre Arbeit während der sowjetischen Besatzungszeit nicht eingestellt, sondern sich zu den Gottesdiensten in der Friedhofskapelle in Veckalnsava oder in Privathäusern versammelt Die im Jahr 1835 erbaute Kirche von Veckalnsava wurde im Zweiten Weltkrieg gesprengt. Obwohl man in den Jahren des nationalen Erwachens sich darum gemüht hatte, die zerstörte Kirche wieder aufzubauen, ist dieses nicht gelungen. Zur Zeit sind in Veckalnsava nur wenige Häuser bewohnt, und somit wäre dort der Bau einer neuen Kirche sachlich nicht gerechtfertigt. Dagegen könnte man sich eine neue Kirche im Zentrum von Jaunkalnsava gut vorstellen. 1982 wurden die Vasa Sacra und andere Gegenstände im Museum des Kreises Madona aufbewahrt. Die Gemeinde hat sie zurück erhalten und in einem Festgottesdienst hat sie Erzbischof Vanags erneut in den Dienst der Kirchengemeinde gestellt.und nach einer Unterbrechung von 30 Jahren die Abendmahlsgeräte ihrer eigentlichen Zweckbestimmung zugeführt. Die 1747 angefertigte und wieder neu in den Dienst gestellte Taufschale soll zu Ostern wieder zum ersten Mal für eine Taufe genutzt werden.
Der Frauenchor der Kirchengemeinde gestaltete den Festgottesdienst musikalisch. „Uns hat dieser Gottesdienst sehr gut gefallen. Er atmete Herzlichkeit und Liebe zur Ehre Gottes.“ Das schrieben uns nach dem Gottesdienst die Chorsängerinnen. Zum Fest sprach die Bürgermeisterin des Ortes Grussworte. Ein ganz besonderer Gruß war der vom Priester Ingars Stepkāns vorgesungene 23 Psalm. Zum Fest beglückwünschten Vertreter der Kirchengemeinden der Propstei und der katholischen Kirchengemeinde Jaunkalnsava die Kirchengemeinde Kalnsava. Ddie Stiftung Lutherisches Erbe schenkte der Kirchengemeinde 41 Bücher, ein guter Grundstein für eine neue Bibliothek der Kirchengemeimnde.
Seit dem Beginn dieses Jahres finden die Gottesdienstge der Kirchengemeinde Kalnsava am 1. und 3. Sonntag eine Monats um 15 Uhr statt. Der Konfirmandenunterricht hat vor einiger Zeit neu begonnen und wir hoffen, am Tag der Himmelfahrt Christi in einem Konfirmationsgottesdienst zusammen mit unserem Propst Hans Jenson der Kirchengemeinde neue Gemeindeglieder zuführen zu können.

Lest die Bibel ernsthaft. Interview von Ivars Kupcis mit dem Bischof der schlesischen evangelisch-lutherischen Kirche Stanislaw Pietak.
Anfang März war auf Einladung von Erzbischof Vanags der Bischof der schlesischen Evangelisch-Lutherischen Kirche Stanislaw Pietak in Lettland zu Gast. Die schlesische Kirche ist eine kleine Kirche im Südosten Tschechiens, und hat dennoch sehr viel Ähnlichkeit mit der Kirche Lettlands. Bischof Pietak wurde vor 30 Jahren ordiniert und 2006 zum Bischof gewählt. Gemäß der Verfassung seiner Kirche tritt er nach der Vollendung seines 65. Lebensjahres in diesem Jahr seinen Ruhestand an. SR bat den Bischof um ein Gespräch, um seine Kirche kennen zu lernen und etwas über die dortigen Aktualitäten zu erfahren.
- Was für Fragen haben Sie mit Erzbischof Vanags und unseren Bischöfen während Ihres Besuches bei uns besprochen?
- Erzbischof Vanags hat unsere schlesische Kirche im Mai 2010 besucht und mein Gegenbesuch ist eine Frucht unseres freundschaftlichen Verhältnisses innerhalb der Gemeinschaft der Lutheraner. Wir haben die künftigen Möglichkeiten der Zusammenarbeit besprochen, besonders auf dem Gebiet der Diakonie und Jugendarbeit. Ebenso wie Ihre Kirche könnte man auch unsere Kirche eine konservative Kirche nennen. Ich bin jedoch der
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Meinung, dass keine Kirche ohne die biblische Grundlage darauf hoffen kann, weiter zu bestehen und sich weiter zu entwickeln. Nur die Bibel ist die Quelle für die geistliche Weiterentwicklung des Glaubens und der Kirche. Ich freue mich sehr darüber, dass sich Ihre Kirche zu den biblischen Grundlagen bekennt. Wir sind Ihnen und Ihrem Erzbischof für die Predigt der reinen Lehre und die feste Haltung in Fragen der Ethik sehr dankbar.
- In Tschechien gibt es doch mehrere lutherische Kirchen. Welches sind deren wichtigste Kennzeichen?
- In der Techechischen Republik gibt es drei lutherische Kirchen und außerdem auch die Tschechische evangelische Kirche der Brüdergemeinde, die sich nach dem Ersten Weltkrieg zu einem Kirchenbund zusammen geschlossen haben. Dabei vereinigte sich die lutherische mit der reformierten Kirche unter ernsthaftem Festhalten an den Traditionen der reformatorischen Theologie.
Eine der lutherischen Kirchen ist die Evangelisch Lutherische Kirche des Augsburger Bekenntnisses, welche die Möglichkeit schuf, dass sich einzelne Gemeinden im Jahr 1994 von unserer Kirche trennten. Sie bestehen zur Zeit aus vier kleineren Gemeinden. In einzelnen tschechischen Regionen gibt es auch die slowakische evangelisch lutherische Kiche. Das Entstehen unserer Kirche geht auf die Zeit der Reformation in den 20er Jahren des 16. Jahrhunderts zurück. Eine Epoche von 55 Jahren zur Zeit der Gegenreformation im 17. Jahrhundert war die einzige Zeit, in der kein lutherischer Gottesdienst gehalten wurde.
Tschechien hat etwa 10 Millionen Einwohner, von denen etwa 70 % Atheisten sind. Von den 3 Millionen, die aussagen, dass sie an irgend eine höhere Macht glauben, gehören etwa 2,6 Millionen der katholischen Kirche an. Etwa 10.000 gehören der Tschechischen evangelischen Kirche der Brüdergemeinde an und ebenso viele der Kirche der Hussiten. Darauf folgt unsere Kirche, die orthodoxe Kirche, Freikirchen und andere kleinere Kirchen. Nach den statistischen Angaben gehören unserer Kirche zur Zeit etwa 20.000 Menschen in Tschechien an.
- Was ist jetzt in Ihrer Kirche aktuell? Worüber wird in Ihrer Kirche jetzt am heißesten diskutiert?
- Sehr aktuell ist bei uns zur Zeit die Volkszählung. Wir mühen uns sehr darum, unseren Leuten Mut zu machen, sich bei der Volkszählung zu ihrem lutherischen Glauben zu bekennen, obwohl wir auch begreifen, dass ein lebendiger Glaube an Christus viel wichtiger ist als die Registrierung der eigenen Überzeugung bei einer Volkszählung. Deshalb sind die Aktivitäten der Mission und Evangelisation immer aktuelle Fragen unserer Kirche. Wir müssen unsere Missionstätigkeit stärken und weiter entwickeln und darüber nachdenken, wie wir missionarische Gruppen in den Städten in der Studentenarbeit, bei der Gründung neuer Gemeinden weiter stärken.
Heiße Diskussionen gibt es in unserer Kirche im Bezug auf unsere Zugehörigkeit zum Lutherischen Weltbund und unser Verhältnis zu anderen Kirchen. So hat zum Beispiel unsere Synode vor einigen Jahren beschlossen, die Partnerschaftsbeziehungen mit der Synode von Südost Pensilvania der Evangelisch-Lutherischen Kirche Amerikas (ELCA) abzubrechen, die beschlossen hatte, in ihrer Kirche Homosexuelle zu Pfarrern zu ordinieren. Nach vielen Diskussionen in unserer Kirche wurde beschlossen, diese Frage der Synode zur Beschlussfassung vorzulegen. Die Synode beschloss, die Partnerschaftsbeziehungen mit dieser Kirche in den USA abzubrechen. Dagegen beschloss die Synode auf ihrer letzten Tagung mit der Kirche der Missouri Synode in den USA ein Abkommen über die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Mission zu schließen.
° Sie sagten dass Sie die Haltung unserer Kirche und unseres Erzbischofs zu dem Verständnis der Autorität der Bibel sehr hoch schätzten. Welches sind nach Ihrer

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Ansicht heute die Fragen, zu denen die Kirche heute konservativ Stellung beziehen müsste?
- Zuerst ist das die Haltung gegenüber der Bibel und die Anerkennung ihrer Autorität als Botschaft Gottes. Nicht als Werk von Menschen, sondern als Werk des Heiligen Geistes. Es gibt Kirchen, die damit begonnen haben die in der Bibel dargestellten Ereignisse und die Autentizität der Wunder zu bezweifeln. Aber wenn wir die Bibel ernsthaft lesen, dann nehmen wir die dort beschriebenen Ereignisse und Lehren ernst und halten sie für wahr. Es gibt viele ethische Fragen, die ganz und gar von unserem Verständnis der Autorität der Bibel abhängen. Wenn wir die Bibel ernst nehmen, dann können wir der Euthanasie und der Abtreibung nicht zustimmen und sagen, dass darüber jeder Mensch selbst entscheiden könnte. Ebenso ist es mit der Homosexualität. Als Kirche müssen wir sagen, dass sie Sünde ist. Wir müssen diesen Menschen helfen und sie lieben, doch wir müssen die Sünde auch bei ihrem Namen nennen, und dabei daran erinnern, dass Jesus für alle Sünder gestorben ist, darunter auch für mich. Es ist unser Auftrag, unsere Sünde zu erkennen und zu bekennen.
- Ebenso wie die Kirche Lettlands ordiniert auch Ihre Kirche keine Frauen zum Pfarramt. Ist das immer Ihre Praxis gewesen?
- Es gab seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts in unserer Kirche die Praxis, Frauen zu ordinieren. Vor vier Jahren haben wir damit aufgehört, seit ich in unserer Kirche das Bischofsamt übernommen habe. In unserer Kirche gibt es drei ordinierte Frauen. Aber viele unserer jungen Pfarrer möchten nicht mit dieser Praxis fortfahren. Und das ist auch der Standpunkt der Mehrheit in unserer Synode.
Viele unserer Theologiestudentinnen möchten nach dem Abschluss ihres Studiums in unserer Kirche dienen – in der Diakonie oder mit Kindern, aber nicht im Pfarramt.
- Welches sind nach Ihrer Ansicht die wichtigsten Bedürfnisse der Menschen in Tschechien und welche Rolle spielt dabei die Kirche?
- Die größte Nontwendigkeit der Menschen, ist die Notwendigkeit, Christus zu haben. Und die höchste Verantwortung der Kirche ist die Predigt des Evangeliums. Wie wir das noch besser tun können, das ist die Frage, die jede Generation neu beantworten muss. Das ändert nichts daran, dass das Evangelium ewig ist und dessen Inhalt unveränderlich.
Die zweite Herausforderung ist der vom säkularen Humanismus herkommende Relativismus, der behauptet, dass es nicht die eine ewige universelle Wahrheit gäbe, sondern viele Wahrheiten nebeneinander und dass wir zur Kenntnis nehmen sollten, dass die ersten Christen das Imperium Romanum hätten anerkennen können, wenn sie Jesus Christus als einen der unzähligen Götter anerkannt hätten. Doch dem konnten sie nicht zustimmen, und fuhren fort, zu predigen, dass Christus die einzige Wahrheit und nicht eine von vielen Wahrheiten ist. In unserer multikulturellen Gesellschaft ist das eine sehr aktuelle Frage. Aber wir sollten uns der Menschen rettenden Kraft des Evangeliums nicht schämen. Gott möchte seine Kirche nutzen, um seinen Plan zur Rettung der Menschen zu erfüllen.
- Werden in Ihrer Kirche die Bischöfe auf Lebenszeit gewählt oder für eine begrenzte Zeit?
- Als Bischöfe werden wir für sechs Jahre gewählt. Ein Bischof kann danach noch einmal gewählt werden, und seine Altersgrenze liegt bei 65 Jahren. Diese Altersgrenze hängt mit den Fähigkeiten eines Bischofs zusammen. Wenn ein Bischof seinen Dienst gut versieht und seinen Pflichten nachkommt, dann wäre es gut, ihn für längere Zeit im Amt zu belassen. Doch falls ein Bischof anfängt, irgendwelche Häresien oder Irrlehren zu verbreiten und für den Säkularismus anfällig wird, dann könnte, falls er auf Lebenszeit gewählt ist, das für seine ganze Kirche zu einem schweren Problem werden.
- Was planen Sie zu tun, nachdem Sie aus dem Bischofsamt verabschiedet worden sind?

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- Die Hälfte der Zeit würde ich gerne in einer Gemeinde dienen, mir aber sonst Zeit für Publikationen und Vorträge nehmen. Ich möchte aber auch gerne mitarbeiten bei der Fortbildung kirchlicher Mitarbeiter bei der Erweiterung ihrer Bibelkenntnisse, woran unsere Kirche eben arbeitet.
- Herzlichen Dank für das Gespräch. Wir wünschen Ihnen Gottes Segen und Sein Geleit für Ihren weiteren Dienst.
- Ich bin Gott dankbar für die biblische Orientierung Ihrer Kirche und ihre kräftige und gesunde Stimme in der Familie der lutherischen Kirchen. Ich wünsche Ihnen den Segen des Herrn mit den Worten des Apostels Paulus aus seinem Brief an die Römer: „Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes.“ (Römer 15, 13)

Das Reisebüro „skarālais tūrisms“ (Kirchentourismus) lädt ein, auch „kleine“ Gotteshäuser zu entdecken. Pfarrer Juris Morics und Ehefrau Ulrike.
Eine Abbiegung von der asphaltierten Straße in einen geraden kleinen Seitenweg, dann eine Fahrt von etwa anderthalb Kilometern Länge und der Weg endet in der Nähe eines kleinen Bauernhofes, Am Wendeplatz entdecken wir tiefe Spuren von Autoreifen, doch die Weiterfahrt erscheint sowohl mit dem PKW als auch mit dem Bus unmöglich. Wir wissen zwar, das hier in der Nähe eine Kirche sein müsste, aber wir können sie beim besten Willen nicht erblicken.. Die neugierigen Bewohner stehen am Hause und winken uns zu sich heran. „Guten Tag. Wir haben gehört, dass sich hier eine kleine Kirche befände.“ „Ja, so ist es. Mein Urururgroßvater hatte geholfen, sie zu erbauen.“ Lächelnd fügt der stattliche alte Mann hinzu: „Sie befindet sich dort jenseits der Wiese.“ Er deutet mit seiner Hand die Richtung an:
„Sie ist nicht weit von hier. Aber bitte fahrt nicht mehr weiter, sondern geht zu Fuß.“
Nach einem Fußweg von einem halben Kilometer durch eine wunderschöne Waldlichtung, die auf eine Waldwiese hinausläuft befinden wir uns plötzlich im Anfang des 19. Jahrhunderts. Von Grabsteinen aus behauenen alten Landsteinen begrenzt sehen wir alte Gräber, und von Bäumen umrahmt von einem stillen Wind umweht die St. Johanneskirche in Kankaļi, in der der Gottesdienst nur einmal im Jahr stattfindet – am Fest Johannes des Täufers.
Die Liebe zum Reisen und zu Touren gab es in unserer Familie bereits seit langer Zeit, schon lange bevor ich ahnte, dass ich mich damit berufsmäßig beschäftigen würde. Ein irgendwie romantisches Interesse begann in mir während der Zeit der Sowjets zu wachsen, als wir uns noch hinter dem Eisernen Vorhang befanden und uns der Blick in das Ausland versperrt war. Jetzt sind uns alle Wege offen, und dennoch können wir immer wieder feststellen, dass es in unserer Heimat Gegenden gibt, die ihren Zauber noch nicht verloren haben, sondern dass ihr Wert ganz im Gegenteil viel größer geworden ist. Wir begreifen die westlichen Touristen, die aus ihren zugebauten Parklandschaften herkommen, um in einem echten Wald spazieren gehen zu können
Dabei ist unsere heutige Wirtschaftssituation bei der Berechnung der Reisekosten keineswegs von geringer Bedeutung. Unser kleines Reisebüro, das Familienunternehmen „Kirchentourismus“ entstand eigentlich ganz von selbst, als ich für die Beschäftigung auf diesem Gebiet Zeit und mir einiges Wissen angeeignet hatte und dann den Wunsch verspürte, etwas zu unternehmen. Das führte mich zu diesem neuen Anfang.
Doch ganz konkret – wer sind wir und was können wir?
Unter www.sakralaisturisms.lv können Sie im Internet Informationen über uns und die von uns angebotenen Touren erhalten. Natürlich gibt es auch noch viel größere Möglichkeiten. Besondere Aufmerksamkeit versuchen wir nicht den ausgetretenen „Elefantenpfaden“ zu widmen, sondern den abseits der großen Wege gelegenen Kirchen, die sich durch ihren
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besonderen Charakter der Zeit ihrer Erbauung und ihre Aura und die unberührte Natur ihrer Umgebung auf eine ganz eigene Weise hervorheben. Es gibt da auch noch Kirchen ohne Strom… Wissen Sie eigentlich schon etwas über die Traditionen der Altgläubigen? Ein Gottesdienst der Altgläubigen kann bis zu fünf Stunden dauern, den man stehend verbringt, und eine Beerdigung hat eine acht bis neun Stunden dauernde Liturgie. Autentische liturgische Bücher aus dem 18.Jahrhundert zu entdecken, das ist eine Besonderheit der 2 Tage dauernden Tour durch Lettgallen.
In Kooperation mit den Mitarbeitern des Museums der Region Ķekava bieten wir Ausflüge zu schönen Orten in der Umgebung von Riga an. Mit unseren Partnern in Estland haben wir begonnen, Reiserouten durch Lettland und Estland zu erstellen. Wir sind bereit, auf jeden individuellen Wunsch einzugehen, der an uns von Kirchengemeinden, Schülern. Lehrern, Rentnern, jungen Ehepaaren für ihre Hochzeitsreise und von vielen anderen herangetragen wird.
Mit großer Freude helfen wir sehr gerne, stehen telefonisch zu Auskünften bereit. Deshalb zögern Sie nicht, mit uns Kontakt aufzunehmen.

Chefredakteurin: Inga Reča

Anschrift der Redaktion: Mazā Pils iela 4 – Riga – LV 1050
E-Mail-Adresse: svetdienasrits@apollo.lv

Übersetzung: Johannes Baumann (abgeschlossen am 29.4.2011)
Brucknerstr. 24.- D-27711 Osterholz-Scharmbeck
Telefon: 04791-13356
E-Mail-Adresse: baumann-ohz@arcor.de

Nachwort des Übersetzers
Sehr verehrte liebe Leserinnen und Leser! Dafür, dass diese Ausgabe von SR so spät in Ihre Hände kommt, hat sich Inga Reča bereits in ihrer Spalte entschuldigt. Ich selbst möchte allen freundlichen Spenderinnen und Spendern, die meinem Aufruf gefolgt sind, der lettischen Kirchenzeitung mit einer Spende unter die Arme zu greifen, und dadurch der drohenden Einstellung ihres Erscheinens zuvor zu kommen, sehr herzlich danken. Bisher sind über 5000 Euro gespendet worden. Darüber hinaus hat der Martin Luther Bund aus Erlangen gleich einen größeren Betrag als Soforthilfe dorthin überwiesen. Diese beiden Fakten haben in Lettland einen so großen Eindruck hinterlassen, dass in den ersten Sitzungen dieses Jahres einmütig festgestellt wurde, dass man mit gutem Gewissen das Vorhaben der Einstellung des weiteren Erscheinens nicht mehr wahrmachen dürfte, zumal die beiden zweckgebundenen Spenden nur für die Zeitung verwendet werden dürften, und wenn nicht, dann sofort zurückgezahlt werden müssten. Dass die lettische Kirchenzeitung im deutsch sprechenden Ausland ein so großes Interesse wach gerufen hat, hat in Lettland sehr beeindruckt und viele nachdenklich gemacht. Dafür allen Spenderinnen und Spendern noch vielen Dank!
Allen, die möglicherweise die Kontonummer für die Spenden für die Kirchenzeitung verlegt haben sollten, sei sie an dieser Stelle noch einmal mitgeteilt:
Martin Luther Bund
Konto Nr. : 12304
Bankleitzahl: 763 500 00 Sparkasse Erlangen
Zweckbestimmung (bitte unbedingt angeben) Zeitung Lettland
Eine gesegnete österliche Freudenzeit wünscht Ihnen allen
Ihr Johannes Baumann

Verfasst von: liefland | April 4, 2011

Ausgabe Nr. 3 (1845) vom 12. März 2011

Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. Jesaja 66, 13

Auszüge aus Svētdienas Rīts, Zeitung der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, herausgegeben von ICHTYS GmbH, erscheint seit Januar 1920.
6. Sonntag vor Ostern – Invocavit Ausgabe Nr. 3 (1845) vom 12. März 2011

Pastoralkollegtreffen in Talsi Ingrīda Briede.
„Hier haben wir lebendige, diakonisch ausgerichtete Gemeinden erlebt, die ihre Glaubensüberzeugung und den Dienst am Nächsten trotz der schweren Verhältnisse wahrnehmen,“ sagte am Ende des Seminars in der Stadt mit den sieben Hügeln Talsi einer von dessen Teilnehmern. Das vom Pastoralkolleg der Nordelbischen und Vorpommernschen Kirchen in Ratzeburg veranstaltete Seminar findet jährlich im Februar in einem der Baltischen Staaten oder in Deutschland statt. An diesem Seminar des Pastoralkollegs nahmen Pfarrer, Evangelisten und kirchliche Mitarbeiter aus den erwähnten Ländern teil.
Dieses Seminar „ Ihr seid der Leib Christi“ begann in Lettland mit einem Gottesdienst in der Luthergemeinde in Riga, die in jener Woche das Fest ihres 120 jährigen Bestehens feierte und wurde mit Gesprächen in deren neu erbautem Gemeindezentrum fortgesetzt. Viele der deutschen Gäste waren zum ersten Mal in Lettland, und schon der erste Gottesdienst ließ bei ihnen Fragen entstehen, die sie in den Diskussionen an die lettischen, litauischen und estnischen Pfarrer in den nächsten Tagen weiter stellten. Im Gemeindehaus in Talsi ging es um die liturgische Tradition im Baltikum, um die Bedeutung des Bischofsamtes und der Gemeinde in der ELKL. Der zweite Tag begann mit einem Referat des Pfarrers der deutschen Gemeinden in Lettland Dr. Martin Grahl über die Kirche als der Leib Christi. Damit ging er auf das Thema des Seminars ein. Am Nachmittag konnte man ein wenig durchatmen bei der Vorstellung der Kirchengemeinde Talsi, deren Aktivitäten und Dienste. Darauf folgte eine Fahrt zur christlichen Familienstätte und zum Krisenzentrum der Kirchengemeinde Talsi, Gründungen der Kirchengemeinde. Mehrere der anwesenden Gäste sprachen danach ihre Bewunderung der Leistungen der Kirchengemeinde Talsi , den Dank für die Wunder Gottes und die von ihm geschenkte Zeit der Gnade aus, welche die Gemeindeglieder durch ihren Zuspruch und ihren Dienst ihrer Stadt und ihren Mitmenschen weitergeben. Das Krisenzentrum in Talsi ist eins der sieben Krisenzentren in Lettland, in denen Frauen und Mütter mit Kindern aus dem ganzen Lande, die Gewalt erleiden mussten, professionelle Hilfe erhalten können. Am Abend gab es eine Begegnung mit Vertreterinnen des lettischen Theologinnenverbandes, die in Gemeinden der Umgebung von Talsi tätig sind.
Am dritten Tage des Seminars fand ein Ausflug statt. Das erste Ziel war die Einkehrstätte in Mazirbe, wo eine Bibelarbeit und Gespräche mit den Mitarbeitern der Einkehrstätte stattfanden. Darauf folgte die Besichtigung der Kirchen von Mazirbe und Dundaga und eine Exkursion zur Orgelbauwerkstatt in Ugāle. In einem guten und geschliffenen Deutsch stellte Orgelbauer und Pfarrer Jānis Kalniņš seine Werkstatt vor und das, was in ihr geleistet wird. Es ist eine Freude, dass in dieser Werkstatt viele junge Menschen tätig sind, die hier eine Arbeitsstelle gefunden haben, und die, falls sie diese nicht gefunden hätten, sich heute in Irland oder an einem anderen Ost der Welt befinden würden. Der Tag wurde mit einem Besuch des Diakoniezentrums und der Besichtigung der St. Katharinenkirche in Kuldiga abgeschlossen.
Am vierten Tage fuhren die Seminarteilnehmer nach Riga, wo sie sich mit Mitarbeitern der ELKL und mit Bischof Guntars Dimants trafen. Auf dem Rückweg gab es einen Halt in Tukums, wo die Historikerin Frau Dišlere einen Einblick in die Geschichte der Kirchengemeinde Tukums gab. Das Seminar ging mit einer Begegnung mit dem Bischof der Diözese Liepāja Pāvils Brūvers zu Ende, der den Teilnehmern die Arbeit in seiner Diözese vorstellte und ihnen über die neuesten Aktualitäten berichtete, wie der kürzlich stattgefundenen Visitation in Skrunda.
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Andris Grots: In Lettland habe ich das entdeckt, was man Heimat nennen möchte.
Inga Reča.
1993 siedelte Pfarrer Andris Grots von Amerika nach Lettland um, und am 24. Februar dieses Jahres gedachte er seiner Ordination vor 20 Jahren. Seine Feuertaufe mit der Realität seines Vaterlandes erhielt er als Abgeordneter der Saeima, aber seine enttäuschenden und bitteren Erfahrungen mit der Politik hielt der Pfarrer in einem Buch „Ich habe die Kanzel mit einer Tribüne vertauscht“ fest. Genugtuung ist wirklich ein schönes Wort, aber eine nicht zu vergleichende größere Befriedigung empfängt er durch seinen Dienst als Pfarrer der Kirchengemeinden Sigulda und Allaži. Von Zeit zu Zeit vertritt der Pfarrer im Gottesdienst auch die Organistin, doch seit seiner Schulzeit ist die Kriegsgeschichte, das Planen und die moderne Technik von Schlachten seine Leidenschaft geblieben.
- In Lettland leben Sie nun seit 18 Jahren, während die Mehrzahl der Auslandsletten nach dem Wiedergewinnen der Unabhängigkeit dennoch nicht mehr nach Lettland zurückkehrte, um hier weiter zu leben. In Ihrem Buch schreiben Sie, dass sie sehr patriotisch erzogen worden seien. War Ihre Rückkehr nach Lettland ein gesetzmäßig vorher bestimmter Schritt?
- Nach meinem Wesen bin ich ein Gewohnheitsmensch. Ich bin nun hier und halte es für selbstverständlich, als einen Teil meines Lebens. Aber das wäre nicht geschehen, wenn ich zu Beginn der 1990 Jahre die Zeit meines Praktikums bei Propst Beimanis und in der Kirchengemeinde Mežaparks nicht gehabt hätte. Schon damals lernte ich hier das ganze Erbe des Kommunismus kennen und erlebte das, was man Heimat zu nennen pflegt.
- In Amerika war doch sicher die Bewahrung des eigenen Lettentums eher etwas theoretisches?
- O nein, wenigstens für mich war das etwas ganz praktisches! Der größte Teil meiner Freunde bestand aus Letten, alle Aktivitäten im Sommer geschahen seit dem Beginn der 1970er Jahre zusammen mit anderen Letten mit den Scouts, in dem lettischen Sommergymnasium, in den Lagern. Ich lebte und diente nur in einer lettischen Kirchengemeinde. Ich lebte in Boston und die einzige Gelegenheit englisch zu sprechen hatte ich bei dem Benzintanken oder in der Autowerkstatt. Mein ganzes übriges Leben in Boston fand nur in lettischer Sprache statt.
- Während der Zeit Ihres theologischen Praktikums haben Sie in einer Reihe von lettischen Kirchengemeinden gedient. Was hat Sie nach Lettland gezogen?
- Mehrere Dinge. Als ich Ende der 1980er Jahre Theologie studierte, wurde im Westen fortwährend davon gesprochen, dass die lettischen Kirchengemeinden in Amerika aussterben würden. Ich war der Ansicht, dass es meine Berufung sei, das Wort Gottes in der lettischen Sprache zu verkündigen, und der einzige Ort, an dem ich das logischerweise tun könnte, Lettland sei. Natürlich haben die lettischen Kirchengemeinden im Westen viel länger überlebt
als viele Pessimisten es vorausgesagt hatten.
Zweitens ist Lettland, weil ich nicht hier geboren bin, nicht meine Heimat, aber das Land meiner Väter. Pfarrer Feldmanis sagte mir einmal, dass ich ein Mensch sei, der seine Heimat verlassen hätte, um in das Land seiner Väter zurückzukehren und dort zu leben. Und so habe ich als Heranwachsender mich im Blick auf meine Freunde und auf meine Arbeit zur lettischen Gemeinschaft hin orientiert in der Gewissheit, dass ich die lettische Gemeinschaft am deutlichsten in Lettland wiederfinden würde.
- Wie würden Sie Ihren Dienst in der lettischen Kirchengemeinde in Boston mit Ihrem Dienst in Kirchengemeinden Lettlands vergleichen?
- In Lettland ist der Dienst viel intensiver. Meine ehemaligen Gemeinde in Boston, die weiterhin besteht, war die Trinitatisgemeinde auf dem Jamaikaplaine. Sie war und ist mir weiterhin sehr lieb, und einmal im Jahr fahre ich dort hin, um sie zu besuchen. Sie laden mich
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ein, bei ihnen zu predigen, und ich bin immer glücklich, wenn ich bei ihnen bin. Aber die Gemeinde ist inzwischen sehr alt geworden. In Boston habe ich kein einziges Mal Konfirmandenunterricht gehalten und während dieser zweieinhalb Jahre hat dort keine einzige Konfirmation stattgefunden. In Lettland finde ich alle Generationen vor, die Gemeinden bilden einen Querschnitt durch alle Altersgruppen auch im Blick auf die Anforderungen. In Boston hatte ich es nur mit einer Kirchengemeinde zu tun, aber hier habe ich zwei und seit fünf Jahren habe ich einmal im Monat Dienst im Zentralgefängnis.
- Im Laufe dieser 18 Jahre hat sich auch in Lettland vieles verändert. Wie war Ihr Dienst damals, als Sie ihn in der Kirche vom Bolderāja begannen und wie sieht er heute in Sigulda und Allaži aus?
- Zu Beginn der 1990er Jahre war der Unterschied zwischen kleinen und großen Kirchengemeinden sowie zwischen Stadtgemeinden und Landgemeinden nicht annähernd so groß wie heute. Dabei denke ich nicht so sehr theologisch, sondern eher wirtschaftlich, also an den Haushalt der Kirchengemeinden und an ihren Wunsch , wie sie ihren kirchlichen Dienst gestaltet sehen möchten. Hier können wir zwischen den Gemeinden große Unterschiede feststellen. Ich habe Kirchengemeinden besucht, in denen die Mitarbeiter ganz und gar dagegen waren, dass in dem zurück gewonnenen Gemeindehaus Abendgottesdienste, Bibelstunden und Gebetskreise stattfänden. Weshalb das? Weil man danach den Raum reinigen muss! Es sei doch viel besser, wenn dort nichts geschähe, die Räume schön und still und sauber blieben und „es dabei allen gut ginge!“ In den lettischen Kirchengemeinden im Westen wäre eine solche Einstellung undenkbar.
- Sie waren doch auch in der Politik tätig gewesen. Ich habe Ihr Buch „Ich habe die Kanzel mit einer Tribüne vertauscht“ gelesen
- Meine Frau hat mir sehr zugeredet, dieses Buch zu schreiben nur deshalb, dass ich mir alle Enttäuschungen und alle Bitterkeit vom Herzen schriebe.
- Sind Sie von den Letten enttäuscht?
- Gewiss nicht von allen, sondern von einer ganz besonderen Schicht. Aber ich habe mich daran gewöhnt. Das half mir bei meinem Erlernen der Demut, als ich begriff, dass wir Letten nicht besser sind als andere. Wir haben alle unsere positiven und negativen Seiten und sind alle Sünder. Während der 18 Jahre habe ich mich daran gewöhnt und das als Realität akzeptiert und kann damit leben. Aber in den 1990er Jahren konnte ich das nicht erkennen. Die zwei Kirchengemeinden, denen ich am meisten gedient hatte, waren die Kirchengemeinden Sloka und Mežaparks. Es ist eine Sache, an einem Sonntag zu kommen, dort zu predigen, eine halbe Stunde bei einer Tasse Tee zusammen zu bleiben und sich dabei über das Leben und die Kunst zu unterhalten, doch eine völlig andere Sache ist es, in eine Kirchengemeinde zu kommen und dort Wochen, Monate, Jahre Dienst zu tun. Damals hatte ich in den Kirchengemeinden nur vereinzelt Dienst getan.
- Das nennt man Leben.
- Nun ja – man könnte schon sagen – ach du liebe Zeit, wenn ich damals bereits alles gewusst hätte, was ich heute weiß. Natürlich wäre das damals eine Hilfe gewesen, aber jetzt weiß ich das, was ich heute weiß!
- Verspüren Sie nicht heute ab und an den Wunsch, sich politisch zu betätigen?
- Diesen Wunsch verspüre ich nicht. Einmal sprach man davon, dass ich im Rat der Stadt Sigulda mitarbeiten sollte. Wenn jemand mich aus sachlichen Gründen gewollt hätte, dann hätte ich es erwogen, aber ich hätte es nie gesagt, dass ich es gewollt hätte. Sachliche Gründe wären es, wenn eine Gruppe gemeint hätte: dieser Mensch hat das Wissen und die Erfahrung für ein bestimmtes Amt. Ich habe das Wissen und die Erfahrung in Angelegenheiten der Wirtschaft und Verteidigung, doch in der Kommunalpolitik nützt einer, der sich in modernen

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Waffensystemen etwas auskennt, nicht viel. Doch bei der Aufstellung eines Haushaltsplanes könnte ich helfen.
- Haben Sie es nicht schon einmal etwas bedauert, dass Sie nicht bei ihrer ersten Spezialität – der Wirtschaft – geblieben sind?
- Nicht besonders. Ich hatte in Boston ein Jahr lang die Möglichkeit, in einer „typischen Stelle“ von 9 bis 17 Uhr zu arbeiten. Ich kam damit zurecht, aber ich kann nicht sagen, dass mich diese Arbeit so begeistert hätte, dass ich am Montagmorgen mit sehr großer Freude dorthin geeilt wäre. Eher habe ich ungeduldig auf den Freitagnachmittag gewartet, um am Samstag und Sonntag auszuruhen.
- Können Sie etwas über ihre jetzigen Kirchengemeinden Sigulda und Allaži berichten? Das sind doch Gemeinden, die sich sehr voneinander unterscheiden
- Die Kirchengemeinde Sigulda hat über 300 Gemeindeglieder und die Kirchengemeinde Allaži etwas über 60. Die Hälfte von ihnen wohnt im Seniorenheim. Mit Gottes Hilfe haben wir beide Kirchen herrichten können zu Schmuckstücken. Nur die Renovierung der Orgel in Allaži steht noch aus, alles andere ist – einschließlich der Heizungssysteme in beiden Kirchen in Ordnung. Die Kirchengemeinde Allaži mit ihrem Seniorenheim hat einige Besonderheiten. Im Winter halten wir im Haus auf der halben Strecke Bibelstunden.
- Was ist das Haus auf der halben Strecke?
- Das ist ein Heim, in dem Menschen wohnen, die dort selbständiger sind als in anderen Heimen. Sie sind für ihre Beköstigung, für die Reinigung der Räume und ihrer Kleidung und für manches andere verantwortlich. Es gab auch ein Ehepaar, das so große Fortschritte gemacht hatte, dass es von dem Haus an der halben Strecke nach Riga umziehen konnte, wo sie jetzt in einer normalen Wohnung leben und einen normalen Beruf ausüben. Dazu sagen sie selbst, dass sie das Heim in Allaži absolviert hätten. Die Insassen des Hauses auf der halben Strecke genießen eine größere Selbständigkeit und tragen damit auch eine viel größere Verantwortung als die Bewohner anderer Heime..
Ja, der größte Teil der Teilnehmer an den Bibelstunden kommt aus diesem Hause, und dabei haben wir oft sehr interessante Diskussionen.
- Sigulda ist stets ein Mekka für Touristen und neu vermählte Paare gewesen, und damit ein Ort, der Ihnen als Pfarrer ganz besondere Aufgaben stellt.
- Die Kirche von Sigulda ist täglich, also 365 Tage im Jahr, im Winter von 10 bis 16 Uhr und im Sommer von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Weil sie nicht nur den Einwohnern der Stadt zum Gebet und zur Meditation offen steht, sondern auch den vom Frühjahr bis zum frühen Herbst besonders vielen Touristen, führe ich selbst mindestens einmal in der Woche die Aufsicht, erzähle ihnen etwas über die Geschichte der Kirche und biete Orgelbesichtigungen an. Auf der Orgelempore sind auch Gemälde von Valdis Atāls ausgestellt. Natürlich kann man im Sommer auch den Kirchturm besteigen. Dazu muss ich sagen, dass die Aussicht von unserem Kirchturm schöner und eindrucksvoller ist als der Blick vom Turm der Burg Turaida!
- Im Gotteshaus von Sigulda finden auch Konzerte von hoher Qualität statt. So war zum Beispiel im vergangenen Sommer dort Gidon Kremer mit seiner „Kremerata Baltica“ zu Gast und gab dort ein Konzert.
- Im Rahmen des Opernfestivals gibt es bei uns sehr viele Konzerte. Unsere Organistin Laila Putniņa ist nicht nur selbst eine hervorragende Organistin, sondern hat auch viele Kontakte zu Musikerkreisen in Lettland. Von denen laden wir viele gute Musiker zu Konzerten ein.
- Über welche Aktivitäten Ihrer Gemeindeglieder freuen Sie sich am meisten? Auf den Reisen unserer Kirchenzeitung haben wir wunderbare Menschen aus Ihrer Gemeinde
kennen gelernt – den Küster Ēvalds Intspēteris, die diakonische Mitarbeiterin Irene Bindermane und die Leiterin der Diakonie Iveta Bērziņa…

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- Ich bin darüber sehr froh, dass die heutige Zusammensetzung des Kirchengemeinderates so harmonisch ist, auch wenn wir verschiedene Generationen vertreten, ein jeder mit seinen eigenen Erfahrungen. Im Kirchengemeinderat sind die Rentner, Geschäftsleute und Verwaltungsangestellten vertreten. Die Zusammenarbeit und die Arbeitsfähigkeit sind in diesem Gremium hervorragend! Wir haben eine gemeinsame Vision, den gemeinsamen Willen, etwas zu tun. Es ist sehr wichtig, das der Kirchengemeinderat und der Pfarrer in einem Tor stehen. Zur Zeit ist unser größtes Vorhaben der Bau eines Gemeindehauses. Wir hatten die Hoffnung, dass das in diesem Jahr geschehen würde, die Pläne waren bereits geschmiedet, wir haben viele Tausend Lats an Mitteln gesammelt.
Der Gemeindeleiter in Allaži Māris Malcenieks spielt dort eine außerordentlich große und wichtige Rolle. Auch dort haben wir begriffen, was wir wollen und versuchen das nach unseren Kräften und mit Gottes Hilfe zu verwirklichen. Ich muss sagen, dass Gott beide Gemeinden angelächelt und ihnen seine Hilfe nicht versagt hat.
- Was bereitet Ihnen bei Ihrem Dienst als Pfarrer die größte Genugtuung.
- Das ist eine sehr gute Frage… Anscheinend tue ich bei allem meinem Stolpern auch etwas nach dem Willen Gottes. Es war sehr interessant, einen Augenblick in der Politik mitzuarbeiten. Man hatte sogar davon geredet, dass man mich als Verteidigungsminister vorschlagen würde., aber ich denke nicht , dass mich das sehr tief befriedigt hätte. Genugtuung ist ein prachtvolles Wort, vielleicht zu prachtvoll, so dass ich lieber von seelischer Befriedigung sprechen möchte. Ich denke, dass Gott mich nicht unbedingt in der Politik sehen möchte, zumal es in Lettland genug Politiker gibt, und dass er mich nach Lettland als Pfarrer gerufen hat, weil es mindestens damals einen großen Pfarrermangel gab.
- Dabei ist es interessant, dass Ihr Vater Anwalt ist und Ihr Großvater Senator war. In Ihrer Familie zeichnete sich für Sie Ihr Weg eher in die Richtung des Rechtswesens ab.
- Gott sei Dank, dass das nicht der Fall ist. Ich denke nicht, dass ich als Jurist etwas getaugt hätte, denn ich kann mich nur sehr schlecht in die Arbeit am Detail vertiefen, was zu einem jeden Juristen gehört. Als ich meinen Dienst in Boston ausübte, lebte ich bei meinen Eltern, und da haben wir oft darüber gelacht, dass wir als Ärztin, Anwalt und Pfarrer unter einem Dach in der Lage sind, jedem Menschen fast jedes Problem zu lösen.
- Vor mehreren Jahren haben Sie in der Kirchengemeinde Sigulda mit etwas ganz Besonderem begonnen: mit theologischen Debatten. Sagen Sie uns doch bitte, wie das vor sich geht!
- Es war interessant, dass es Menschen gibt, die ich kenne , und die große Erkenntnisse und ein großes Verständnis bei bestimmten Fragen haben, die ihre Basis in der Heiligen Schrift haben, und sie dennoch Standpunkte ausdrücken, die sich vom meinen Ansichten unterscheiden. Da dachte ich, dass es, wenn mich ihr Standpunkt so sehr interessiert, vielleicht auch noch andere Menschen geben könnte, die sich auch dafür interessieren würden. Die Debatten finden nicht statt, damit es an deren Ende einen Sieger und einen Besiegten geben sollte. Auch gibt es da keine Abstimmungen und Bewertungen, sondern nur Brüder und Schwestern in Christus, die ihre eigenen biblisch begründeten Auffassungen haben, und wenn diese mit anderen ebenfalls biblisch begründeten Ansichten nicht übereinstimmen, und die darüber hinaus auch noch interessant sind, dann nehme ich an, dass das andere auch interessieren könnte.
- Bisher hatten Sie zwei Debatten. Einige der Teilnehmenden sagten mir, dass sie es sich wünschten, dass diese öfter stattfinden würden.
- Das hätte ich auch gerne, aber das Problem ist dabei, ein Thema zu finden, das alle interessiert, und danach zwei gleich kluge Amtsbrüder oder Gemeindeglieder zu finden, die über dieses Thema in gleicher Augenhöhe debattieren könnten. Es darf nicht so sein, dass der eine so klug ist, dass er den anderen einfach um den Finger wickelt. Es gibt solche Pfarrer,
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mit denen ich überhaupt nicht versuchen möchte zu debattieren, weil ich von vorne herein weiß, dass er mich zu Boden treten würde, bevor ich den ersten Satz ausgesprochen habe. Was hat das noch für einen Sinn?! Ich muss Menschen vom gleichem Niveau finden, die ihr Thema beherrschen und sich an ihm ereifern, aber mit gegensätzlichen Ansichten, denn es hat keinen Sinn, eine Debatte zu veranstalten, wenn beide einander nur zustimmen. Ich denke schon über das nächste Thema nach, aber es gibt auch Probleme bei der Zeitabstimmung.
- Erzählen Sie uns doch etwas über Ihre Familie. Was machen Ihre Frau und Ihre Kinder?
- Mein Pflegesohn studiert, meine älteste Tochter ist Schülerin in der 11. Klasse, unsere jüngste Tochter geht noch in den Kindergarten. Meine Frau hilft mir als Evangelistin und vertritt mich bei Bedarf in beiden Kirchengemeinden im Gottesdienst. Wir haben das System, dass, wenn an einem der vielen Sonntage die Organistin verhindert ist, wir nicht lange zu suchen brauchen. Dann hält meine Frau den Gottesdienst und ich sitze an der Orgel.. In diesem Fall erinnere ich meine Frau immer daran, dass sie sich bei dem Gastorganisten bedanken sollte. Wir haben auch unsere kleine Landwirtschaft mit einer Kuh, einer Ziege und Hühnern. Wir sind Menschen vom Lande. Nach Sigulda sind wir 2001 gezogen und haben uns dort ein Landhaus gekauft.
- Damit wird deutlich, dass Sie sich nicht nur für moderne Waffensysteme, sondern auch für Musik interessieren…
- In Boston wohnten einige lettische Frauen, die mich mehrere Jahre lang im Klavierspiel unterrichteten. Das Orgeldpiel habe ich mir selbst beigebracht. Wahre Sachverständige werden den Unterschied zu einem Profi erkennen, aber immerhin spiele ich auf einem Niveau, dass die Gemeinde nicht fluchtartig die Kirche verlässt. In den Abkündigungen am Sonntag vor einem meiner Einsätze als Organist habe ich die Gemeinde angeregt, Watte für die Ohren mitzunehmen, doch, soweit ich das sehen konnte, hat das niemand getan.
- Wie erklären Sie anderen Ihr Interesse an modernen Waffen Mich als Frau interessieren sie nicht übermäßig, doch es gibt ja auch Männer, welche unsere Zeitung lesen.
- Seit langem ist Kriegsgeschichte eins meiner Freizeitvergnügen schon seit der Zeit, bevor ich auf das Gymnasium kam. Und durch dieses Interesse an der Kriegsgeschichte lernte ich auch die Taktik und Strategie bei den Schlachten kennen und begreifen, was auf dem Schlachtfeld geschieht, einschließlich der modernen Waffen. Durch den Zugang im Internet kommst du auch an eine atemberaubende Fülle von Informationen. Ganz gewiss beschäftige ich mich damit nicht aus beruflichem Interesse sondern zur eigenen Freude. Seit 1996 gehöre ich dem Grenzschutz an. Ich habe die Fahne unseres Battaillons geweiht, habe Angehörige unseres Bataillons getraut, beerdigt usw. Wenn der Gedenktag des 11. November näher rückt, dann halten wir in beiden Gemeinden einen Gottesdienst, zu dem dann auch das Grenzschutzbataillon eingeladen ist. Das mögen die Menschen vor Ort sehr gerne, und dieser Tag erinnert sie an die Opfer, die unsere Soldaten in vergangenen Zeiten bei den Frreiheitskämpfen gebracht haben, und an die, welche heute, wenn notwendig, bereit sind, Lettland mit der Waffe in der Hand zu verteidigen.
- Im ersten Augenblick machten Sie mir den Eindruck, dass Sie ein strenger und harter Mensch seien. Jedoch habe ich von Leuten der Kirchengemeinde Sigulda gehört, dass Sie nur eine laute Stimme hätten und viel Sinn für Humor.
- Was soll ich dazu sagen? Es ist noch nie passiert, dass man in einer Kirche, in der ich als Pfarrer meinen Dienst tat, eine Lautsprecheranlage einbauen musste. In meiner ehemaligen Gemeinde in Boston habe ich immer vor dem Beginn des Gottesdienstes die Lautsprecheranlage abgeschaltet.

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- Nun haben Sie 20 Jahre als Pfarrer Ihren Dienst getan. Vieles haben sie erreicht, aber alles ist noch nicht geschafft. Worauf hoffen und wovon träumen Sie?
- Als ich anfing, über das Theologiestudium nachzudenken, schien die Freiheit Lettlands noch sehr fern zu sein und nicht so schnell erreichbar, wie es dann plötzlich geschah. Ich bin immer ein Optimist gewesen, aber auch ich habe es nicht erwartet, dass es so schnell geschehen würde. Einmal habe ich darüber mit meinem Vater gesprochen. Damals sagte er mir: „Ja, einmal wird Lettland wieder frei sein, aber ich weiß es nicht, ob ich das noch erleben werde.“ Mein Vater lebt noch heute und fährt zweimal im Jahr nach Lettland, und Lettland ist bereits seit einer guten Zeit frei. Als ich ernsthaft an das Theologiestudium zu denken begann, fragte ich mich, wie es wohl sein würde, wenn ich Pfarrer sein würde, aber die lettischen Gemeinden im Westen aussterben und Lettland noch immer Moskau unterworfen ist. Damals war ich nicht bereit, nach Lettland umzusiedeln. Das war damals nicht möglich. Dann dachte ich an ein Pfarramt irgendwo in einer Kirchengemeinde einer Kleinstadt.
Der schönere von meinen Träumen ging in Erfüllung… Ich lebe in einer schönen, sehr sympathischen Kleinstadt und bin in dieser Kleinstadt der Pfarrer. Und das alles im freien Lettland! Eine gute Sache, die ich mit meiner Erfahrung in der Saeima mitbrachte, dass mir jeder Ehrgeiz abhanden gekommen ist, den ich davor vielleicht hatte. Wenn es nach mir ginge, dann würde ich sehr gerne meinen Dienst in meinem Sigulda und in meinem Allaži weiter tun bis zu meinem Ruhestand. Alle Ehre der historischen Stadt Riga! Aber jedes Mal, wenn ich dort gewesen bin, fühle ich mich glücklich, dass ich in Sigulda wohnen darf. Wenn ich wirklich die freie Wahl hätte, dann würde es mich nicht interessieren, an einem anderen Ort zu arbeiten, als an dem, wo ich bin. Ich bin in einer Kirchengemeinde in Riga gewesen. Danke, das war sehr interessant, aber ich habe überhaupt kein Interesse an einer größeren Gemeinde und einer Kirche mit Prestige – ganz und gar nicht!
– Anscheinend habe ich jetzt alle Frage, die ich stellen wollte, vorgebracht.
- Danke, das war ein besonders schönes Gespräch!

Die Kirchen rufen auf, das Problem der Gewaltanwendung gemeinsam zu lösen.
Jānis Gabrāns
Im Zentrum für Erwachsenenbildung in Cēsis fand die Vorstellung des von der ELKL herausgegebenen Buches „Die Kirchen sagen NEIN zur Gewalt an Frauen“ statt. Zu dieser Veranstaltung waren eingeladen der soziale Dienst der regionalen Regierung Livlands und andere Vertreter der Regierung, die diakonischen Leiter der Kirchengemeinden und andere Interessierte. An der Vorstellung nahm auch Erzbischof Vanags teil, der sich mit einer Ansprache an die Versammelten richtete.
Das Buch ist vom Lutherischen Weltbund zusammengestellt und finanziert worden, der auch den Zugang zu diesem Buch in der Landessprache gefördert hatte. Von denen ist die lettische die 34. auf diese Weise zugängliche Sprache
Das Buch betrachtet das Problem der Gewalt an Frauen aus der Sicht und von dem Standpunkt der christlichen Welt. Im Buch werden die verborgen gehaltenen und offenen Formen der Gewalt an Frauen dargestellt, auf Formen der Hilfe hingewiesen, die notwendig sind, um die Opfer von Gewalt aus dieser Rolle zu einem menschenwürdigen Leben zu führen. Das Buch enthält auch wertvolle Informationen für Frauen, die leiden, und für diejenigen, die ihnen helfen möchten.
Pfarrer Artis Eglītis wies bei der Vorstellung des Buches darauf hin, dass es wichtig sei, die Ursache für das entstellte Verhältnis zwischen Männern und Frauen zu ergründen.
„In unserer Gesellschaft mag es vielleicht nicht so viel körperlich entstellende Gewalt gegenüber Frauen geben, wie sie in diesem Buch geschildert wird. Doch gibt es bei uns seelische Demütigungen in einem beängstigenden Ausmaß, und die Unfähigkeit der Männer,
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dafür die Verantwortung zu übernehmen. Deshalb wäre es wichtig, die Bitte um Verzeihung zu erlernen für die falsch verstandenen Beziehungen miteinander. Ohne künstlich geschaffene Spannungen müssen wir weiter kommen, in deren Mittelpunkt die Frage steht, welches von beiden Geschlechtern das stärkere sei, und darum kämpfen, dass zwischen Männern und Frauen ehrenvolle Beziehungen entstehen, was viel weniger Gewaltanwendung an Frauen zur Folge hätte.“
Über ihre Erfahrungen berichteten auch diejenigen, die es täglich mit Frauen zu tun haben, die Opfer von Gewalt geworden sind.
Der Leiter des Heimes „Martha“ Juris Dilba wies darauf hin, dass es schwer sei, die reale Situation in Lettland zu erfassen. Es gäbe nur wenige statistische Daten, und auch die gäben die wirkliche Situation nicht wider. Eine Umfrage ergab, dass 37 % aller Menschen Fälle von Gewalt bekannt sind. Damit geht es um ein sehr aktuelles Thema. Offensichtlich schildert die offizielle Statistik nur das, was man als die Spitze eines Eisberges herausragen sehen kann. Darauf wies J. Dilba hin und anerkannte, dass nicht nur von der körperlichen Gewaltanwendung geredet werden sollte, sondern auch von der emotionalen und wirtschaftlichen Gewalt in vielerlei Gestalt. Übrigens darf die Gewalt in der Öffentlichkeit nicht verschwiegen werden. „Dabei war ein Werbeplakat in einem Kaufhaus ein sichtbares Beispiel, bei dem im Rahmen der Aktion „Kaufe zwei und bezahle nur eins“ ein Bräutigam mit zwei Bräuten zu sehen war. Hier wurde die Frau auf die Ebene einer Ware gerückt, die man nach Belieben kaufen kann. Leider gibt es viele Frauen, die über dieses Problem nicht sprechen möchten, und es als Normalität betrachten, an der man doch nichts ändern kann. Umso wichtiger wird hierbei die Rolle der Mitmenschen bei der Lösung dieses Problemes.“
Die Mitarbeiterin des regionalen Frauenheims „Dardedze“ in Livland Eva Sāre, wies darauf hin, dass es im Staat offensichtlich keinen Etat für die Hilfe an Frauen, die Opfer von Gewalt geworden sind, gäbe. Sie machte deutlich, dass vieles auch von denen abhinge, die Gewalt erlitten haben, denn eine wirksame Hilfe ist nicht möglich, wenn die betroffene Frau nicht bereit ist, diese anzunehmen. Erzbischof Vanags betonte, dass dieses Buch keins wäre, in dem die Kirche drohend den Finger erheben und diejenigen, die sich vergangen haben, anklagen würde. „Es weist eher auf uns selbst hin und darauf, dass wir uns bei dieser Frage selbst prüfen müssten. Es ist kein bequemes Buch, das man am Abend in einer gemütlichen Ecke lesen könnte. Ich möchte als Leiter einer Kirche sagen, dass es auch für mich ein unbequemes Buch ist ebenso wie für mich als Mann und Glied der Gesellschaft, das mich über viele Dinge nachdenken lässt. Ich hoffe, dass es seine aufrüttelnde und nachprüfende Funktion in der ganzen Gesellschaft wahrnehmen kann bei allen, die es lesen.“ Er wies darauf hin, dass dieses Werk ein Versuch sei, bei dieser Frage den Blick der Gesellschaft zu öffnen Hinter jedem Fall von Gewalt steht das Leben eines Menschen, das man nicht mehr wenden und neu beginnen kann.
„Um dieses Problem zu lösen, genügt es nicht, dass wir versuchen, das Selbstbewusstsein der Frau zu heben, sondern der Mann sollte sich zuerst seiner Männlichkeit bewusst sein, seiner Rolle in der Familie und in der Gesellschaft. Alle haben dabei noch viel zu tun, um dem biblischen Modell eines Mannes gerecht zu werden, denn die Bibel spricht sehr deutlich davon, dass Haupt der Familie zu sein nicht Ausübung von Gewalt bedeutet, sondern Verantwortung und Dienst,“ sagte Jānis Vanags.–
Nach der Veranstaltung konnte jeder Besucher ein Freiexemplar des Buches bekommen zur eigenen Verwendung. Die Assistentin von Erzbischof Vanags im Oberkirchenrat Helene Andersone bemerkte dazu: „Es ist unser Auftrag, zu erreichen, dass dieses Buch in jeder Kommunalverwaltung, in jedem Sozialamt, in jeder nichtstaatlichen Organisation und überall, wo es benötigt wird, vorrätig ist.“

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Menschen, denen ich in Sigulda begegnet bin Inga Reča

Wenn du nicht zur Kirche gehen kannst, dann kommt die Kirche zu dir…
Līvija Barone Helferin der Kirchengemeinde bei geöffneter Kirche
Am Tage, als die Kirchengemeinde Sigulda den 20. Jahrestag der Ordination ihres Pfarrers Andris Grots feierte, feierte Līvija ihren Namenstag. Dennoch blieb sie auch an jenem Tage auf ihrem Posten auf einer Bank in der Nähe des Kircheneingangs, wo sie als Aufsichtsführende Besucher erwartet, ihnen den Weg zum Kirchturm oder zur Ausstellung weist, ihnen die Kirche erklärt und Bücher und Ansichtskarten zum Verkauf anbietet. Das Gotteshaus in Sigulda ist täglich geöffnet, sowohl im Winter, als auch im Sommer, und immer ist dort ein Gemeindeglied anwesend. Oft ist das Līvija. Ebenso arbeitet sie im Kirchgarten, schaufelt die Schneehaufen weg und hilft, wo es nötig ist.
In Sigulda hat sich Līvija 1986 niedergelassen, davor hatte sie in Riga gelebt und dort verschiedene Kirchen besucht, sowohl die St. Paulskirche als auch die Jesuskirche. Ihre Mutter hatte ihr den Glauben nahe gebracht, und dadurch ist sie der Kirche stets nahe gestanden. Ihre erste Kirche war die Kirche von Sniķere, in der Nähe der Grenze nach Litauen, wo diese im Kriege und während der Sowjetzeit zerstörte Kirche immer noch als ein Torso steht. Am Freitagabend kommt in der Wohnung von Līvija der Gebetskreis zusammen. Dazu ist es auf eine ganz einfache Weise gekommen. Als in der Kirchengemeinde damals dieser Gebetskreis entstand und Līvija sagte, dass sie zum Gotteshaus nicht kommen könnte, weil sie Fußschmerzen hätte, hätte der Pfarrer gesagt: „Nun, dann kommen wir zu dir!“ Diese Zusammenkünfte leitet Pfarrer Andris Grots. Die Menschen berichten von allem, was sie sich wünschen, und dann beten sie füreinander. Die treue Schwester der Kirchengemeinde Sigulda berichtet, dass sie schon viele Gebetserhörungen erfahren hätte. Sie teilt uns ihre Erkenntnisse mit. „Wir sollten uns bei Gott für alles bedanken und ihm vor allem vertrauen. Leichter ist es, ihm zu glauben und zu ihm zu beten, aber schwerer, ihm zu vertrauen und sich auf ihn zu verlassen, dass er helfen würde. Im Laufe der Jahre fällt das leichter.“ Līvijas Mann ist vor einigen Jahren gestorben und sie ist kinderlos. Doch sie betet weiter, verlässt sich auf Gottes Hilfe, und erhält sie auch.
Sie geht in das Gotteshaus und packt die Arbeit an.
Diāna Špēla, Wirtschaftsleiterin und Finanzverwalterin der Kirchengemeinde
Diāna, der Mutter von vier Kindern, sind die Wirtschaft und Finanzen der Kirchengemeinde anvertraut. Mit technischen Dingen – wie Wasserhähnen und mancherlei Maschinen kommt sie großartig zurecht. Die Kassenbücher und alle Papiere sind hervorragend und übersichtlich geordnet. Dianas Bericht darüber, wie sie den Weg zur Kirchengemeinde gefunden hat, ist ein Zeugnis über Gottes Geleit, und dafür, wie wichtig und bedeutend es ist, dass die Kirche von Sigulda täglich geöffnet ist, und dass dabei immer jemand anwesend ist, den man ansprechen kann. Dienstags ist das immer die diakonische Leiterin Irēna Bindermane. Die Kirche steht am Rande des Weges, der zu der Verwaltung des Nationalparks Gauja, zur Burgruine führt, und dadurch kommen viele Menschen in die Kirche herein, sowohl als Touristen als auch als Einwohner der Kleinstadt. Viele von ihnen finden den Weg in das Gotteshaus wiederholt und fühlen sich dort wie zu Hause. Diāna hat die Kirche an einem Dienstag zum ersten Mal betreten, um an den Altar zu treten und dort zu beten. Irēna bemerkte sie erst, als sie sich anschickte, die Kirche zu verlassen. Als sie Diāna ansprach, antwortete diese ihr, dass sie das,
weswegen sie in die Kirche gekommen sei, bereits erledigt und ihr Gebet gesprochen hätte. Dennoch blieb sie noch zu einem Gespräch in der Kirche. Damals brauchte die Kirchengemeinde dringend eine Wirtschaftsleiterin und Diana brauchte eine Stelle. Und so kam Diāna dort zu der Arbeit und die Kirchengemeinde zu einer Wirtschaftsleiterin. Irēna Bindermane kommentiert das heute so: „Das ist ein Zeugnis dafür, dass Gott, wenn wir ihm
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unsere Probleme anvertrauen, diese auch zu einer Lösung führt.“ Diāna bestätigt das, was Irēna sagte: „Gottes Geleit habe ich bei vielen alltäglichen Dingen erfahren. Wenn die Kirche zum Beispiel für ihre Arbeit Geräte oder Werkzeuge braucht, dann lege ich diesen Bedarf in Gottes Hand und warte. Und schon gibt es nach einer kürzeren oder längeren Zeit ein Angebot oder eine Anzeige, dass wir das, was wir dringend brauchen, zu einem erträglichen Preis erhalten können.“
Alles, was Gott tut, wird gut. Irēna Bindermane, diakonische Leiterin der Kirchengemeinde
Irēna Bindernane ist vielen in der Gemeinde seit der Zeit bekannt, als sie noch Mitarbeiterin der St. Paulsgemeinde in Riga, der Kirchengemeinde Skulte und eines Heimes in Rauna war.
Jetzt brennt ihr Herz für die Aktivitäten von „Wiege der Familie“ . Eigentlich wohnt sie in Līgatne, aber sie legt sehr oft den Weg zur Kirche von Sigulda zurück. Folgendes möchte sie jedem an das Herz legen: „Alles, was Gott tut, das führt zum Guten, obwohl es uns manches Mal schwer fällt in Augenblicken, in denen es uns schlecht geht, daran zu glauben. Nicht selten passiert es, dass Gebete von neu zum Glauben gekommenen Christen schneller und wunderbarer erhört werden, als von jemandem, der auf dem Wege des Glaubens schon länger gewandelt ist. Für letzteren kann es lange Zeiten der Prüfung und des Lernens geben. Es ist leicht, zu sagen, dass man Gott vertrauen soll, wenn es mir gut geht, aber in Zeiten der Prüfung fällt es schwer. Dennoch sollten wir ihm bis zum Ende vertrauen, bis zum Augenblick der Lösung.“
Irēna Bindermane hat oft das Fehlverhalten von Menschen erlebt, die zur Kirche kamen, um dort Stärkung zu finden und die Bestätigung ihrer Pläne und Szenarien. Und dann gibt Gott keine Antwort oder handelt ganz anders. Das macht unzufrieden. Doch wenn sich jemand Gottes Führung anvertraut, dann hadert man weniger mit seinem Schicksal und lernt es, sich auch über kleine Dinge zu freuen, und nicht nur darauf zu schauen, was mir fehlt, und andere darum zu beneiden, was sie haben, sondern Gott dafür zu danken, was er mir geschenkt hat.
Irēna freut sich über viele Augenblicke, die sie in der Kirche verbringen konnte, als Menschen kamen, um dort Hilfe und Trost zu suchen und beides dort auch erhielten. Sie hat schwere Gespräche und geistliche Kämpfe erlebt, aber auch deren Lösung. Sie hat Taufen und Konfirmationen erlebt und ist Menschen begegnet die ihr Leben im Vertrauen auf Gott neu geordnet haben.

Der Kampf geht weiter. Guntis Kalme, Pastor
Jesus sprach zu ihm: Weiche von mir, Satan (Matthäus 4, 10)
These: „Solange es noch einen Letten auf dieser Erde gibt, wird es Lettland geben!“
(Roberts Feldmanis)
Konfrontation
„Weiche von mir, Satan!“ Das sind Worte, die wir nicht jeden Tag hören. Auch Jesus hat sie selbst nicht oft ausgesprochen. Er sprach sie aus bei seiner Begegnung mit dem Herrn der Finsternis, der ihn mit materiellem Wohlstand, Ehre und Ruhm versuchen wollte, oder bei dessen Angeboten, ihn vor dem Kreuz zu bewahren. (Matth. 4,1-10; 16, 21-23; 8,31-33). Das geschah, um Jesus von seinem Auftrag abzuhalten. Deshalb das „Weiche von mir!“
Solche Worte werden ausgesprochen, wenn gewöhnliche Umgangsformen, die von Achtung, Geduld, Höflichkeit geprägt sind, sich erschöpft haben, wenn das Geschehen bis zum Letzten angelangt ist – zur geistlichen Konsequenz, bei der nicht mehr von persönlichen Präferenzen
und Standpunkten die Rede ist, sondern von der Zugehörigkeit zu einem ganz bestimmten Geist, zu bestimmten Werten und Antiwerten. Dann werden die Dinge bei dem richtigen Namen genannt und die Werke ihnen entsprechend durchgeführt, denn es ist nur noch die Konfrontation übrig geblieben – entweder Gott oder der Teufel, entweder das Licht oder die Finsternis, entweder die Wahrheit oder die Lügen.
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Was geschieht, wenn…
Die Frage nach dem 16. März ist keine Frage nach der persönlichen Präferenz oder nach der eigenen Meinung, wie man es hier und da aufzufassen pflegt. Es ist kein Gedanke unter vielen anderen. Betrachten wir die Frage von ihrem Wesen her. Welchen Stellenwert hat dieser Tag in der Geschichte Lettlands und welche Rolle spielt er dort?
Was geschieht, wenn wir uns äußerem politischen Druck und äußerer Propaganda beugen und die Seite der Legion aus dem Buch der Geschichte Lettlands herausreißen?
Unserer Geschichte wird man schnell zustimmen können, wenn man nur bestimmte Knotenpunkte hervorhebt: den 18.11.1918; den 11.11.1919; den 17.06.1940; den 14.06.1941; den 16.03.1944; den 25.03.1949; den 20.01.1991; (Dieses Verzeichnis könnte man durch andere Daten ergänzen, doch das würde an der Gesamtsicht nichts ändern.)
Nehmen wir aus dieser Kette von Daten den 16.03.1944 heraus, was geschieht dann? Nehmen wir in die Geschichte Einblick, dann waren die Deportationen des 14.06.1941 einer der wesentlichsten Anlässe für die Gründung der Legion, und eigentlich nichts Besonderes. Es war kein Hieb auf den lebendigen Leib unseres Volkes, sondern eher eine Schramme, „der freiwillige Anschluss eines Teiles unseres Volkes an die weit entfernten Regionen der großen Sowjetunion.“ Dann war der 17.06.1940 auch keine Besetzung, sondern der freiwillige Eintritt Lettlands in die UdSSR. Dann waren der 18.11.1918 und der 11.11.1919 nur kleine Missverständnisse in einer Provinz des russischen Imperiums.
Zur gleichen Katastrophe kommen wir, wenn wir heute einen Blick auf die Deportationen des 25.03.1949 werfen. Dann sind diese auch nicht die Strafe für den Widerstand unseres Volkes gegen dieses Regime, sondern eine pädagogische Hilfe bei der Kollektivierung. Aber dann wird es völlig unverständlich, dass wir auf die Barrikaden gestiegen sind und weshalb wir unsere Unabhängigkeit wieder hergestellt haben.
Die logische Folge dessen wäre, den 16. März aus der Geschichte unseres Volkes herauszunehmen und damit den russischen und sowjetischen Imperialismus zu rechtfertigen! Das ist das Angebot an das lettische Volk und seinen Staat, geistigen Selbstmord durchzuführen. Die Forderung, auf diese Weise die Geschichte unseres Volkes „neu zu bewerten“ nötigt uns, das Unglück und die Tragödie unseres Volkes als eigenes Verschulden anzuerkennen und dafür Buße zu tun. Das würde bedeuten, dass wir dem zustimmen, dass aus den Opfern die „sündigen Söhne unseres Volkes würden, die ihre gerechte Strafe verdient haben,“ und die wir in die Reihe der Sündenböcke einfügen können, wenn die Großmächte solche benötigen.
Vier und Vierzig Tausend.
Der 16. März ist ein Symbol für den eigentümlichen Widerstand des Volkes mindesten gegenüber einem der Besatzer. Die Letten gingen nicht in die Legion, um für Großdeutschland zu kämpfen. In einem Bericht des Oberkommandierenden der 15. deutschen Division heißt es: „Sie sind Letten und sie wünschen sich einen selbständigen lettischen Staat. Vor die Wahl zwischen Russland und Deutschland gestellt, haben sie sich für die deutsche Oberherrschaft als dem kleineren Übel entschieden.“ Der Hass der Letten gegenüber den Russen verschärfte die Härte der russischen Besatzung. Die Legionäre haben gekämpft, um ihre Heimat vor der roten Pest zu bewahren. Das wird dadurch verdeutlicht, dass etwa 4000 Legionäre nach der deutschen Kapitulation ihren Kampf gegen denselben Gegner als Partisanen fortsetzten. Der Krieg war zu Ende, aber der Kampf wurde fortgesetzt. Sie wurden
zu Kommandeuren und zu aktiven Kämpfern. Die Zahl der Partisanen und ihrer Helfer betrug etwa 40000, oder anders ausgedrückt : etwa 70% der lettischen Bevölkerung betätigten sich entweder als Partisanen oder Helfer im Nachschub- oder Sanitätsdienst an diesem Kampf. „Ein so großer Widerstand und eine aus tiefstem Herzen kommende Gegnerschaft, wie sie die

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Letten nach den Jahren 1944/45 gezeigt haben, ist noch nie einer anderen Macht oder Herrschaft entgegengesetzt worden.“
Man kann es nicht!
Diese Kämpfer zeigten uns und unseren Feinden damals und der Welt heute, dass man Geschehenes – gegenüber unserem Land – nicht ungeschehen machen kann. De Staat Lettland und seine Armee existierten nicht mehr, aber das Volk gab es weiterhin! Und dieses setzte den Kampf fort. „Kein Vertreter irgendeiner Macht hat es mobilisiert und in den Kampf geschickt. Jeder musste sich selbst für den Kampf entscheiden, und es waren viele, die das taten. Ein jeder folgte dabei seiner inneren Berufung. Wenn überhaupt jemand einen Einberufungsbefehl erlassen hatte, dann war es das Gewissen und die Vaterlandsliebe der Menschen.“ Die Roten vermochten und zerstörten vieles, doch etwas konnten sie nicht vernichten – die von Gott eingesetzte Institution des menschlichen Gewissens. Dieses sprach die „Einberufungsbefehle“ aus, rief auf und machte Mut. Dieser heldenhafte und selbstlose Kampf , für den es in der Geschichte unseres Langes nichts Vergleichbares gibt, erinnert uns weiterhin an die gerechte Wahrheit, dass ein Staat in erster Linie aus dessen Bürgern besteht, denn „die Verantwortung des Volkes endet auch nicht bei der Auflösung des Staates,“
Bis zum Sieg.
Das war ein Kampf nach dem Prinzip: „Bis zum Sieg, ganz gleich, wann der sein wird!“ Der Kampf der Partisanen endete, als die letzten Kämpfer nach diesen 12 Jahre dauernden Kämpfen zwischen so verschieden starken Kräften ermordet wurden. Doch der Widerstand kam danach aus den Reihen der Intelligenz, der Jugend und jedes die Freiheit ersehnenden Letten. Die gleichen Legionäre und Partisanen, die Gefangenschaft und Deportation überlebt haben, nahmen später aktiv am Geschehen des Nationalen Wiedererwachens teil und stiegen mit uns auf die Barrikaden.
Der Lauf der Geschichte
Es ist unsinnig, den Legionären und Partisanen den Vorwurf zu machen, ihnen hätte jeder Sinn für die politische Wirklichkeit gefehlt, weil sie das Empfinden der Gesellschaft nicht gekannt hätten. Sie hatten große Hoffnungen auf die Atlantic charta gesetzt. Erst jetzt wissen wir, dass es militärische Pläne der Verbündeten gegeben hatte für den Kampf gegen die UdSSR, die aber aus politischen Gründen nicht zum Tragen kamen. Unseren Kämpfern vorzuwerfen, dass sie die Hilfe ihrer historischen Verbündeten erhofften, um ihre staatliche Selbständigkeit zu erhalten, würde in letzter Konsequenz bedeuten, ihnen den Vorwurf zu machen, dass sie ihre staatliche Selbständigkeit wiederhaben wollten. Nach dem Ersten Weltkrieg hat uns die internationale Gesellschaft nicht den Vorwurf gemacht (und uns auch noch nicht als historischer Fehler angerechnet) , dass wir mit den Deutschen kooperiert hätten (das hatten uns die Verbündeten damals verboten) , um 1919-1920 in den Freiheitskämpfen gegen die Kommunisten zu kämpfen. Am Ende des Zweiten Weltkrieges haben wir gehofft, dass sich die Geschichte wiederholen würde. So war es nur folgerichtig, anzunehmen, dass die gleichen Verbündeten, die uns einmal zu unserer staatlichen Selbständigkeit verholfen haben, auch jetzt helfen würden, sie wieder zu erlangen. Doch das Kräfteverhältnis war dieses Mal anders. Die Sowjetunion gehörte zu den Siegermächten und diktierte eigentlich den anderen Siegermächten ihre Bestimmungen. Aber 1991 hatte sich das internationale Kräfteverhältnis zu unseren Gunsten noch einmal verändert. Nun konnten wir das Verlorene zurück bekommen.. Nur hat sich diese Zeit voller Hoffnungen sehr in die Länge gezogen. Sie zog sich über ein halbes Jahrhundert hin, währenddessen wir es dennoch vermocht haben, unseren inneren Widerstand gegenüber dem Regime der Besatzer am Leben zu erhalten
Stets
Das eben Gesagte beweist es: Wir haben stets so für unsere Freiheit gekämpft, wie es uns in der konkreten historischen Situation möglich war. Doch das Ergebnis – unsere Freiheit oder
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Unfreiheit – hing vom Kräfteverhältnis der politischen Großmächte ab. Wie dem auch sei, wir haben unsere Hausaufgaben – den Kampf gegen die Besatzer – stets gemacht!
Wir haben eine ruhmreiche Vergangenheit, wir können uns unserer Freiheitskämpfer rühmen, unserer Opposition, unserer religiösen und politischen Dissidenten. Dessen sollten wir uns bewusst sein, wir sollten das weiter erforschen und im Volk verbreiten.
Weshalb?
Aber weshalb ist unsere Gegenwart so bedauernswert? Weshalb haben wir damals vieles vermocht, was wir heute nicht vermögen? Man spricht heute gerne vom fehlenden Patriotismus, aber gleichzeitig erkennen wir eine würdelose Einstellung der staatlichen Stellen zu den Legionären. Was in krassem Widerspruch zur Erklärung der Saeima im Jahr 1998 zur Lettischen Legion steht. Dem Druck Russlands gehorsam, haben wir 2000 den 16. März aus dem Verzeichnis der Gedenktage gestrichen. Auf Offiziere und Beamte wurde Druck ausgeübt und sie wurden deshalb beschimpft, „weil sie das internationale Ansehen Lettlands diskreditiert hätten,“ weil sie es gewagt hatten, an jenem Tage zusammen mit den Legionären zum Freiheitsdenkmal zu gehen.
Missfallen
Weshalb missfällt den postkommunistischen Kräften der 16. März so sehr? Sie sind bereit, den 18. November zu akzeptieren, denn von unserer staatlichen Unabhängigkeit ist nicht mehr viel übrig geblieben. Sie machen die Augen zu bei unserem Gedächtnis der Deportationen, denn da waren wir nur die Opfer. Aber am 16. März gedenken wir unserer Kämpfer. Das ist etwas anderes, denn in dem Augenblick, in dem jemand eine Waffe in die Hand nimmt, ist das die unmissverständliche Aufforderung: „Weiche von mir!“
Erinnerung
Der 16. März zieht eine Grenze zwischen der Wahrheit und den Lügen und erinnert uns daran, dass wir besetzt wurden, und dass wir weiter besetzt bleiben. Oft wird darauf hingewiesen, dass man den 16. März nicht „politisieren sollte, und dass es nur ein historischer Gedenktag sei, an dem wir unserer gefallenen Verwandten gedenken. Nein, hier geht es nicht nur um Geschichte. Dieser Tag möchte uns an die Unabhängigkeit und an die Besatzung Lettlands erinnern, nicht nur als ein Stück Geschicht sondern als eine weiterhin politische Frage. Wenn wir sehen, wie der Bürgermeister von Riga am 9. Mai und am 13. Oktober zu Ehren der Armee, die hier getötet, gefoltert und vergewaltigt hat, und gegen die unsere Legionäre gekämpft haben, dann wird damit deutlich, dass die Front zwischen unserem Volk und der Armee der Besatzer weiterhin besteht. Das ist auch eine Erinnerung daran, welche Unabhängigkeit Lettlands wir wiederherstellen wollten. Damit ist der 16. März auch ein Vorwurf an die egoistischen Verkäufer unseres Landes. Und deshalb ist der 16. März bei vielen von unseren Politikern und anderen Vertretern der Macht des Staates so unbeliebt Doch vor allem möchte dieser Tag als symbolhaftes Bekenntnis zur Selbstlosigkeit dazu dienen das hohe Kriterium der Liebe zur lettischen Heimat wach zu halten. Der Kampf mit der Waffe in der Hand bedeutet die Bereitschaft, sein Leben einzusetzen und für die Heimat alles zu opfern
Das kennen wir.
In einem Gedicht von Fricis Bārds mit dem Titel „Im Waggon“ wird ein Gespräch zwischen einem Offizier und diesem Dichter beschrieben.:
„Wohin? Woher? – Vom Kampf. In den Kampf. Da kommt mir plötzlich die Frage: „Sie in den Kampf? Aber was erhalten Sie dort? Sie haben doch bereits alle Auszeichnungen an der Brust.“ Verwirrt schaut er mich an und fährt darauf fort: „Ich habe sie… und doch auch nicht
Das eigentliche fehlt mir. Es fehlt mir noch ein Kreuz – ein weißes Kreuz aus Birkenholz am Waldesrande. Es ist kein Zufall, dass in vielen Ländern die militärischen Auszeichnungen in der Form eines Kreuzes angefertigt sind – auch bei den Streitkräften Lettlands. Es ist ein
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Abglanz, der an den Herrn Christus erinnern möchte. Das Kreuz Christi spricht vom Sieg über die Sünde, den Tod und den Teufel. Und dass wir dem Herrn der Finsternis absagen. Es erinnert uns daran, dass dieser Kampf nicht zu Ende ist. Auch das hören wir aus dem Wort Christi heraus: „Weiche von mir!“

Chefredakteurin: Inga Reča

Anschrift der Redaktion: Mazā Pils iela 4 – Riga – LV 1050
E-Mail-Adresse: svetdienasrits@apollo.lv

Übersetzung: Johannes Baumann (abgeschlossen am 31.03.2011)
Brucknerstr. 24.- D-27711 Osterholz-Scharmbeck
Telefon: 04791-13356
E-Mail-Adresse: baumann-ohz@arcor.de

Nachwort des Übersetzers
Obwohl Lettland seit vielen Jahren der Europäischen Gemeinschaft angehört, kann es, wie in diesem Fall 2 ½ Wochen dauern, bis die lettischen Kirchenzeitung ihren Weg von der Redaktion zum Übersetzer per Post zurückgelegt hat. Das isr der Grund dafür, dass ich die Übersetzung der Ausgabe vom 12. März erst heute abschließen und an die hoch verehrte Leserschaft weiterleiten kann.
Ich hoffe, dass der Inhalt auch dieses Mal Ihr freundliches Interesse findet. Er berührt mehrere Themenkreise. Ingrīda Briede berichtet über eine deutsch-lettische Pfarrertagung in Talsi. Der in Amerika aufgewachsene lettische Pfarrer hat sich vor längerer Zeit in Lettland beständig niedergelassen und berichtet unserer Chefredakteurin in einem Interview über die Erfahrungen die er als Pfarrer der Kirchengemeinde Sigulda in Lettland gemacht hat und vergleicht das Leben einer lettischen Kirchengemeinde im Westen mit dem in Lettland Dazu stellt Inga Reča der Leserschaft eindrucksvolle Persönlichkeiten aus der Kirchengemeinde Sigulda vor.
Schließlich habe ich noch einen Beitrag von Guntis Kalme übersetzt, der sich schon lange mit der Geschichte der lettischen Legion im Zweiten Weltkrieg beschäftigt. Er versucht in diesem Beitrag die oft missverstandene Rolle, die die Legion damals gespielt hatte, zurechtzurücken. Der Anlaß zu dieser Abhandlung ist der 16. März, an dem in Lettland der Gründung der Legion gedacht wurde, in dem das ganze Land mit der Ausnahme des Kurlandkessels von der Sowjetarmee zurück erobert wurde, unter anderem auch mit einem Gottesdienst im Dom zu Riga gedacht wird. Guntis Kalme ist durch seine Vorfahren, von denen ein Teil während des Zweiten Weltkrieges in die Rote Armee einberufen wurde und ein anderer Teil sich der Legion angeschlossen hatte, ganz besonders und ganz persönlich betroffen, was man seinem Beitrag auch anmerkt.
Hinweisen möchte ich auch auf den Beitrag auf den Seiten 7-9 der Übersetzung, der auf die Gewaltanwendung gegenüber Frauen eingeht.
Schließlich habe ich dieser Sendung auch den Bericht von Erzbischof Rozītis über die lettische Synode in Riga im Dezember des vorigen Jahres als Anlage hinzugefügt, nachdem ich von ihm dafür ausdrücklich seine Genehmigung erhalten habe. Den Bericht hat er für seine lettischen Gemeinden im Ausland in lettischer Sprache verfasst und selbst in das Deutsche übersetzt. Ich denke, dass der Inhalt dieses Berichtes auch noch heute für viele getreue Leser und Leserinnen meiner Übersetzungen aktuell ist. J.B

Anlage zu SR 3-2011Erzbischof Elmārs Ernsts Rozītis
Lett. Ev. Luth. Kirche im Ausland

Viele GEGENstimmen, aber weiter, wie bisher
Die 25. Synode der Ev. Luth. Kirche Lettlands
(Übersetzung meines ursprünglich in lettischer Sprache verfaßten Berichts)

88 Synodale stimmten dagegen, daß Erzbischof Jānis Vanags weiter sein Amt ausüben soll, 251 waren dafür. Damit zeigte es sich, daß es nicht nur eine Handvoll Unzufriedener war, sondern über ein Viertel der Pfarrer und Gemeindedelegierten, die die Vorfälle als so schwerwiegend betrachteten, daß nach ihrer Ansicht Erzbischof Vanags zurücktreten müßte. In den Tagen vor der Synode und auch in seinem Synodenbericht hatte Erzbischof Vanags seine Person mit der konservativen Identität der Ev. Luth. Kirche Lettlands (ELKL) verknüpft. Als er darüber hinaus mit seiner Entschuldigung versprach, das ihm von einer Gemeinde geschenkte Grundstück in Ikšķile und sein mit einem zinslosen Darlehen der ELKL errichtetes Privathaus zurückzugeben, wollte die Mehrheit der Synodalen nicht schärfer reagieren. Rigaer Pfarrer hatten verlangt, daß der Erzbischof in seinem Bericht dieses Grundstücksgeschenk erwähnt, mit dem verschiedene Fragen verknüpft sind, und ein Darlehen in Höhe von wohl 80.000 Lettischen Lats (entspricht ca. 115.000 EURO), das mit 100 Lats monatlich zu tilgen war. Samstags, am ersten Synodentag, wurde davon eingehend in Presse und Fernsehen berichtet, und in der Synode berechnete ein Redner, daß Erzbischof Vanags noch ungefähr 70 Jahre leben müßte, um in dieser Weise das Darlehen zurückzuzahlen.

Die 25. Synode der ELKL, die am 3. und 4. Dezember 2010 in der Rigaer Lutherkirche stattfand, nahm nach kontroversen Diskussionen mit 145 Jastimmen, 102 Neinstimmen und 54 Enthaltungen die Leitlinien für das Budget der ELKL in den Jahren 2011-2013 an. Die Erläuterungen übernahm Bischof Guntars Dimants. Noch immer decken die vorgesehenen Einnahmen nicht die Ausgaben, aber das ist das langfristige Ziel. Es wurden Zweifel ausgesprochen, in welchem Maße die Einnahmen in dieser Weise sich verwirklichen werden. Auch in Zukunft wird viel Geld für die Lutherakademie vor-gesehen. Leider wurde mit dem 1. Januar 2011 das Gehalt für die Leiterin der Sonntagsschulabteilung und einzigen zentralen Sonntagsschularbeitskraft Ilga Gulbe gestrichen, obgleich nicht eigens darüber abgestimmt wurde und sie in der Synode nicht dazu gehört wurde.
Über die Einführung von GASN, dem zentralen Besoldungssystem für Geistliche und den dies-bezüglichen Finanzplan für die Jahre 2011-2013 berichtete der Leiter der Immobilienabteilung der Kirche Romāns Ganiņš. Auch hier waren die Ansichten recht kontrovers: für einige war es eine „Glaubensfrage“ im positiven Sinne, andere betrachteten es als „gottloses Projekt, das der Kirche und der Evangelisation schadet“. Die Abstimmung ergab 149 dafür, 64 dagegen, 51 Enthaltungen.

Wichtige Entscheidungen am 4. Dezember waren zugunsten der erleichterten Ordnung bei Änderungen der Verfassung der ELKL (nämlich mit einfacher Stimmenmehrheit der Synodalen) bis zum 31. Dezember 2013, sowie zugunsten der Regelungen hinsichtlich Verfassungsänderungen in der Zeit vom 2. Januar 2011 bis 31. Dezember 2013 und betreffs der künftigen Geschäftsordung der Synode. Letztere wurde mit wesentlichen Verbesserungen angenommen. Zum Beispiel war im Entwurf als Synodenleitung die 3 Bischöfe und 2 vom Oberkirchenrat bestimmte Glieder vorgeschla-gen, während die verbesserte Geschäftsordnung nun den Erzbischof und 4 von der Synode selbst bestimmte Personen vorsieht. Im Zusammenhang mit dieser Verlängerung bis 2013 wurde in der Synode die Frage der Frauenordination (Ziel: deren Ausschluß) doch nicht vorgebracht.

Zum Abschluß wurden nach dem Bericht der Leiterin der Musik- und Liturgieabteilung der ELKL Ilze Sprance die Leitlinien für den Inhalt des Neuen Kirchengesangbuchs und der Liturgische Kalender der Kirchlichen Fest- und Feiertage bestätigt, einschließlich des 15. Augusts als des Entschlafens Mariens und des 8. September als Mariä Geburt. Am Kirchengesangbuch arbeiteten und arbeiten die Musikkommission, die Textkommission und die Liturgische Kommission, aber man brauche noch eine theologische Aufsicht. Hinsichtlich des Erhalts kirchlicher Medien erläuterte der Leiter der Abteilung für gesellschaftliche Beziehungen Ivars Kupcis einen Plan, wie die Zeitschrift „Svetdienas Rits“ als Zeitschrift erhalten werden könnte, die zumindest einmal im Monat erscheint, wobei zusätzlich eine aktuelle Internetseite www.svetdienasrits.lv die Informationen ergänzt.

Zusammen mit mir und meiner Frau nahmen an der 25. Synode der ELKL auch die Vorsitzende der Nordamerikapropsteien und meine geistliche Stellvertreterin Pröpstin Lauma Zusevica sowie unser derzeitiger Pfarrer in Berlin Talis Redmanis (früher Pfarrer der Annenkirche in Mitau-Jelgava), Vertreter der Nordelbischen Kirche und die Europasekretärin des LWB Dr. Vogel-Mfato teil.

Nach dieser Übersetzung meines ursprünglich lettisch verfaßten Berichts bleibt noch zu erwähnen, daß alle Berichte des 25. Synode schriftlich und/oder als Audiomaterial vorliegen – bis auf den Bericht von Erzbischof Vanags, der auf der Synode eigens versprochen war. Noch jetzt (Mitte März) ist zu lesen, daß er in Kürze vorliegen werde. Auf Nachfrage war aber Erzbischof Vanags der Ansicht, er halte es nicht für richtig, den Bericht vorzulegen, da es sich dabei um eine Sache nur zwischen ihm und der Synode gehandelt habe.

Verfasst von: liefland | März 1, 2011

Ausgabe Nr. 2 vom 12. Februar 2011

Ihr werdet Wasser schöpfen aus dem Heilsbrunnen Jesaja 12,3

Auszüge aus Svētdienas Rīts, Zeitung der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, herausgegeben von ICHTYS GmbH, erscheint seit Januar 1920.
Letzter Sonntag nach Epiphanias Ausgabe Nr. 2 (1844) vom 12. Februar 2011

Die Lutherkirche in Riga begeht ihr 120 jähriges Jubiläum. Kaspars Simanovičs.
Am 24. Februar dieses Jahres gedenkt die Lutherkirche in Riga an ihre Einweihung vor 120 Jahren. Dieses 120jährige Gedenken wird in der Zeit vom 21. bis zum 27. Februar durch eine Reihe von Festveranstaltungen besonders hervorgehoben, zu denen alle Interessierten herzlich
eingeladen sind.
Das 120jährige Jubiläum der Kirche und der Kirchengemeinde steht unter dem Leitwort „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein“(1. Mose 12,2), denn während dieser 120 Jahre war die Kirchengemeinde durch ihren aktiven Einsatz sehr vielen Menschen zum Segen. Im Laufe der Jahrzehnte hat sie die in der näheren und ferneren Umgebung Lebenden bei sich versammelt, vielen Menschen Kraft und Mut geschenkt für ihren Alltag und für die entscheidenden Augenblicke ihres Lebens.
Es war die Reaktion auf ein trauriges Ereignis, welche die Kirche damals entstehen ließ. Ein großes Boot, das Leute, die den Gottesdienst in der St. Johanniskirche besuchen wollten, über die Daugava hinüberbringen sollte, kenterte damals einem Herbststurm. Alle Menschen kamen dabei um das Leben. Daraufhin gab es keinen Zweifel: der Vorort Torņakalns musste eine eigene Kirche haben.
Heute hat die Kirchengemeinde etwa 4500 registrierte Mitglieder. Die höchste Zahl an Gemeindegliedern wurde mit 16.000 im Jahr 1905 und die geringste Zahl im Jahr 1980, als die Kirchegemeinde nur 360 Glieder hatte, registriert.
Heute ist die Lutherkirche in Riga ein bedeutendes geistliches, kulturelles und soziales Zentrum in Lettland, das sich nicht nur um die Seelsorge an ihren Gemeindegliedern müht, sondern durch ihre Arbeit auch weit über die engeren Grenzen ihrer Gemeinde ausstrahlt durch ständig veranstaltete geistliche Seminare und Veranstaltungen, durch Sammlungen und Wohltätigkeitsveranstaltungen, zum Beispiel für das Kinderkrankenhaus, durch die Ausstattung armer Menschen mit Kleidung und durch andere Hilfe. Die Kirche öffnet ihre Türen oft für sehr vielfältige musikalische Veranstaltungen – angefangen bei den Perlen der Klassik bis hin zu den beliebten volkstümlichen Stücken der Rockmusik. In jeder Woche finden in der Kirche vier verschiedene Gottesdienste statt, verschiedene Seminare und andere Veranstaltungen, Abende der Meditation, Bibelarbeiten, Sonntagsschule und ein Arbeitskreis Kunst statt. Mehrere Male im Jahr werden Interessierten Konfirmandenunterricht, Seminare für Verlobte angeboten es werden Kurse für medizinesche Hilfe und Beistand an Hinterbliebenen veranstaltet. Damit ist das Gemeindeleben sehr vielfältig. Jeder, der sich angesprochen fühlt, ist zum Mitmachen in jeder Weise eingeladen. Vielfältig ist auch das musikalische Leben der Kirchengemeinde mit einem Chor, einem Kinderchor und einem Gitarrenkreis.
In der Luthergemeinde sind vier Pfarrer beschäftigt – Oberpfarrer Kaspars Simanovičs und die Pfarrer Indulis Paičs, Linards Rozentāls und Juris Rubenis.
Zum 120 Geburtstag der Kirche soll auch der Stolz der Gemeinde eingeweiht werden – das neue Gemeindezentrum, das mit der Hilfe unzähliger Spenden erbaut werden konnte. Es gibt zwei Anlässe, die zu dem Bau dieses höchst beachtenswerten Gemeindezentrums geführt haben. Da ist erstens die sehr beachtenswerte Zahl der Gemeindeglieder. Damit sie alle zusammenkommen können, brauchen wir viele und große Räume. Zweitens ist das Gemeindezentrum nicht nur ein Bau mit einer bestimmten Funktion, es ist ein Gebäude, das Gott zur Ehrre erbaut wurde. Das ist von einer tiefen symbolischen Bedeutung. Wir möchten, dass dieses Gemeindezentrum ebenso wie unser Gotteshaus ebenso wie viele unzählige
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Gebäude zur Ehre Gottes in der ganzen Welt ein beredtes Zeugnis unserer Zeit sein möchten.
Zum Besuch der Veranstaltungen der Festwoche sind alle Interessierten herzlich eingeladen. An jedem Abend findet um 18 Uhr ein Gottesdienst statt, der unter einem besonderen Thema steht:
Montag, den 21. Februar, 18 Uhr: Gottesdienst „Die Kirche und das Wort“
Dienstag, den 33. Februar, 18 Uhr: Gottesdienst „Die Kirche und die Stille“
Mittwoch, den 23. Februar, 18 Uhr: Gottesdienst „Die Kirche und der Dienst“
Donnerstag, den 24. Februar:
17 Uhr: Anlässlich der Einweihung der historischen Lutherkirche am
24. Februar 1891 wird im Gemeindezentrum eine Ausstellung
über die Geschichte der Kirchengemeinde eröffnet..
18 Uhr: Gottesdienst „Die Kirche und der Mensch“.
Freitag, den 25. Februar, 18 Uhr Gottesdienst „Die Kirche und die Musik“
Nach dem Gottesdienst ist in der „Nacht des Lichtes“ die Kirche bis
zur Morgendämmerung geöffnet. Es gibt Möglichkeit zum Anhören
meditativer Musik in der Stille, von Schriftlesungen, Litaneien, freien
Gebeten und Gesängen:
Samstag, den 26. Februar
16 Uhr Konzert für die Spender für das Gemeindezentrum mit Evita
Zālīte (Sopran), Oskars Petrauskis (Saxophon), der Kantorei derLuther-
Gemeinde (Leitung IlzeSprance und Kaspars Milaševičs), Santa Jākobsone (Klavier) und Rijk Jansen aus den Niederlanden (Orgel)
18 Uhr Gottesdienst „“Die Kirche und die Welt“
Sonntag, den 27. Februar, 10 Uhr Festgottesdienst mit Erzbischof J. Vanags mit anschließender Einweihung des Gemeindezentrums.

Spalte der Chefredakteurin Inga Reča
Etwas tun, ohne etwas zu tun?
Ich frage mich, ob wohl jemand gleichgültig bleiben konnte, nachdem er die Meldung gelesen hatte vom Raub in Jēkabpils , deren „Haupthelden“ Angehörige einer Sondereinheit der Polizei waren, also solche, deren Auftrag es ist, uns als Staatsbürger Lettlands zu beschützen. Diese sind mit der Absicht eines Raubes eingebrochen.
Fast alles, was heute in der näheren und ferneren Umgebung geschieht, ist absurd, erklärte der ehemalige Präsident der Hypothekenbank Inesis Feiferis: „Das Wertesystem bricht zusammen, und, sollte das nicht der Fall sein, dann verschwindet der Staat auch,.“
Der Verlust des Wertesystems in der Gesellschaft ist nicht nur etwas Unwesentliches, etwas Neues, eine Nebensache. „Wenn Menschen dem Staat nicht mehr vertrauen können, dann werden sie eines Tages vor ihm ausspucken, denn für ihre Probleme interessiert man sich ebenso wenig wie die Räuber, die bei ihnen eingebrochen sind. Wie kann man aber einen solchen Staat unterstützen? Das bedeutet doch, dass wir einen Staat gar nicht haben,“ sagte Feiferis. Man beachte das bitte – das sagt nicht ein Vertreter der Kirche, sondern ein Bankier.!
Auch die Ärzte haben begriffen, dass vieles, was auf dem Gebiet der Gesundheit passiert, das Volk nicht zum Leben führt, sonden zum Tod. „Svētdienas Rīts hat sich mit zwei Gynäkologen getroffen – mit Silvija und Gints Lapiņš – die sich seit zwei Jahren weigern, Aborte durchzuführen. Ihnen haben sich bereits mehrere Kollegen angeschlossen. „Dabei erwies es sich, dass du das, was du bisher für deinen Auftrag gehalten hast, auch nicht zu tun brauchst “ gestand im Interview Doktorin Silvija Lapiņa ein. Nichts tun ist in diesem Falle etwas tun – das Leben zu erhalten. Bisher hat man noch nichts von der Gründung eines interkonfessionellen Verbandes christlicher Finanziers gehört, doch die Mediziner haben die
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Stolpersteine des gegenwärtigen Gesundheitssystems erkannt und im vergangenen Jahr den interkonfessionellen Verband der Mediziner gegründet. Ich hoffe, dass die Lektüre des Interviews mit beiden Gynäkologen und der Beitrag der Vorsitzenden des Verbandes christ-licher Mediziner etwas zur Zerstörung des Mythos „da können wir nichts tun“ beiträgt.

Wir mussten unser Leben von Grund auf neu ordnen. Inga Reča
Vor einem Jahr geisterte durch die Medien Lettlands eine ungewöhnliche Meldung: Zwei Gynäkologen des Krankenhauses Valmiera hätten sich geweigert, Aborte durchzuführen. Eigentlich haben sie das bereits viel länger getan. Anfang Januar überraschte Doktor Girts Lapiņš bei der Vorstellung seines Buches „Bioethik für alle“ die Anwesenden mit dem Vortrag seines Lebenslaufes und damit, dass die Begegnung mit Gott das Leben der Gynäkologen Silvija und Girts Lapiņš im privaten und beruflichen Bereich von Grund auf verändert hätte. Sie erklärten sich auch damit einverstanden, den Lesern vom „Svētdienas Rīts“ darüber etwas zu berichten.
- Das Kommen zu Gott hat Ihre berufliche Tätigkeit und Ihr persönliches Leben verändert. Wie konnte das geschehen?
Gints: Jeder Mensch sucht seinen Lebensweg, nur nennt jeder das anders. Ab und an blickt jeder von uns auf seine Werke zurück, auf das, was von ihnen übrig geblieben ist und was wir anderen Menschen hinterlassen haben. Auf diese Weise versuchen wir uns selbst zu beurteilen und für unser weiteres Leben die entsprechenden Schlüsse zu ziehen. Das ist das existenzielle Suchen des Menschen. Weshalb bin ich auf der Welt, was soll ich weiter tun? Wenn ein Mensch losgelöst von Gott lebt, dann betrachtet er alles aus einer menschlichen Perspektive: was denken andere über mich, was habe ich erreicht, wie beurteilt man das oder beurteilt man es gar nicht? Natürlich wirken wir in unserem Beruf auch zusammen mit anderen Menschen. denen wir helfen möchten. Ein Arzt muss sich dabei auch persönlich engagieren. Der Gynäkologe und der Arzt überhaupt steht auf der Schwelle zwischen dem Leben und dem Tod. Denn nicht alle Kranken können geheilt werden. Die Nähe des Todes lässt uns nachdenken darüber, dass dort ein Mensch ist und dass es diesen Menschen plötzlich nicht mehr gibt. Das hört sich alles sehr einfach an, und wie unbeschützt und zerbrechlich sind wir Menschen doch schließlich! Die Situation eines Gynäkologen ist besonders eigenartig dadurch, dass er an dem Kommen zum Leben als auch an dessen Abbruch durch die Abtreibung beteiligt ist. Da in unserem Lande Abtreibungen gestattet sind, ist der Gynäkologe jener Experte, der den freien Willen der Frau in die Wirklichkeit umsetzen muss. Natürlich haben wir das lange Jahre getan, denn wir waren der Ansicht, dass das zu unserem Beruf, zu unserer Arbeit gehörte, zu der wir verpflichtet sind
- Und dennoch kam es in Ihrem Berufsleben vor zwei Jahren zu einem Bruch.
Gints: Nicht alles im Leben verläuft völlig glatt, nicht alles gelingt so, wie man es sich gerne gewünscht hätte. Der Mensch begreift es recht gut, was gut und was schlecht, was richtig und falsch ist, aber dem allen kann er nicht gerecht werden. Der Mensch ist zu schwach, und deshalb kann er nicht nur ein guter Mensch sein, es entstehen bei ihm auch schlechte Dinge und du tust anderen Menschen Unrecht.
Durch das Prisma des Abortes habe ich alle anderen Dinge betrachtet, die mir in meinem Leben begegnet sind. Ich begriff, dass Abort eine große Sünde ist, weil du damit ein Leben zerstörst. Natürlich liebt und vergibt Gott uns, aber das Leben bleibt ohne Segen. Dein Leben verläuft zwischen schlechten Dingen und du fängst an zu suchen – weshalb existiere ich und weshalb geschieht mir das? Es ist so, als ob ich es begreifen würde, was richtig ist, und was nicht, aber warum kann ich nicht so leben, dass mein Leben mit mir selbst überein stimmt? Im Laufe meines Lebens habe ich begriffen, dass ich Gott beleidigt habe. Ich bin nicht in einer gläubigen Familie aufgewachsen und ich hatte keine gläubigen Freunde, aber wenn ich in eine
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Krisensituation geriet , habe ich nicht daran gedacht, dass ich vielleicht jemandem Unrecht getan haben könnte und wie sehr ich durch mein Verhalten Gott betrübt habe. Das alles war hoffnungslos und nicht zu retten. Die zweite Erkenntnis war, dass mir niemand außer Gott helfen könnte. So begann ich zu suchen.
Auch davor, als wir Probleme hatten, sagte mir Silvija, die als Kind in einer katholischen Kirche getauft wurde, dass ich mich taufen lassen sollte. Das lehnte ich ab mit dem Argument, dass alle Letten ursprünglich Heiden waren und dass ich mich auch so wohl fühlte. Doch Gott handelte auf eine interessante Weise. Freunde von uns wollten ihr Kind taufen lassen und baten uns, das Patenamt zu übernehmen., doch du kannst nicht Pate werden, wenn du nicht selbst getauft bist.. Ich dachte: wenn ihnen das so wichtig ist, dann bin ich um unserer Freundschaft und des lieben Friedens willen dazu bereit. Ich selbst brauche das aber nicht. So ließ ich mich taufen, was aber bei mir selbst nicht viel bewirkt hatte.
Silvija: Ich möchte sagen, dass ich in meinem Leben sehr von der Liebe Gottes geleitet worden bin. Meine Familie war zwar gläubig, hat mich aber nicht christlich erzogen. Damals lag es meinen Eltern sehr am Herzen, dass ich etwas lernen sollte. So schickten sie mich als Kind auch in die Sonntagsschule, aber ich verstand nicht, was dort eigentlich geschah. Doch im Rückblick wird mir heute bewusst, dass Gott mich vor Irrwegen bewahrt hatte. Einmal wollte ich mich mit der Yogalehre befassen, aber aus irgendwelchen Gründen ist daraus nichts geworden.
- Dann hat Gints doch eine Email an Pfarrer Juris Rubenis geschrieben.
Gints: Ja, und er hat mir sogar geantwortet.
Silvija: Als Gints einmal in einer seelischen Krise steckte, schloss ich mich ihm an, denn es gab keine andere Möglichkeit. Und Gott zeigte sich uns durch Pfarrer J. Rubenis und einige Bücher. Obwohl ich glaubte, dass es Gott gäbe, wünschte ich mir eine Bestätigung, dass es wirklich den Tatsachen entspricht. Jetzt sind etwas mehr als zwei Jahre vergangen, seit wir jeden Sonntag und noch öfter zur Kirche gehen, doch davor war unser Verstand das bestimmende Element.
- Viele Menschen, die besonders in Berufen arbeiten, die exaktes Denken voraussetzen, sind früher oder später in ihrem beruflichen Wirken zur Erkenntnis Gottes gekommen, denn immer wieder treten nacheinander Situationen ein, denen sie nicht gewachsen sind.
Silvija: Wir brauchten sehr viele Informationen, und wir lasen und lasen und lasen und besprachen miteinander das Gelesene. Unsere Arbeit hinderte uns daran, oft zu Pfarrer Rubenis zu fahren. Eines Tages sprach uns der katholische Priester vor Ort an. Und wir waren für unseren weiteren Weg bereit.
Gints: Ich habe mich in der lutherischen Kirche in Matīši taufen lassen, aber unsere Kinder wurden in ihrer Kindheit in der katholischen Kirche getauft. Ich wollte unsere Familie nicht spalten und trat zur katholischen Kirche über. Wir konnten aber nicht zu den Sakramenten gehen, denn wir waren noch nicht kirchlich getraut. Gott hat uns auf diesen Weg geleitet und jetzt ist alles geordnet.
Silvija: Nun sind wir seit 25 Jahren verheiratet, aber kirchlich getraut sind wir erst seit einem halben Jahr.
Gints: In vielen Fällen ist es besser, wenn es konkrete Forderungen gibt, denn die führen Menschen zur Disziplin. Gerade das gefällt mir in der Kirche, dass es dort Pflichten gibt, denen du nachkommen musst, und du erst dann würdig bist, Jesus bei dir aufzunehmen. Es ist nicht so, dass du dieses und jenes tun kannst, und dabei alles gleich ist, denn Jesus hat dich ohnehin lieb. .. Am Ende musst du dein Leben ohnehin von Grund auf in Ordnung bringen. Und dabei reicht dir Gott die Hand, an der du dich festhalten kannst.

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- Ich habe das Empfinden, dass der Mensch früher oder später begreift, dass er sich wie ein Kind verhält, das sich vieles wünscht, ohne dass es weiß, was es wirklich braucht…
Gints: Mir ging es so, dass ich meinte, alles zu wissen. Gott hat mir jetzt gezeigt, dass ich eigentlich gar nichts weiß – weder das, was ich will, noch das, was ich benötige. Nur Gott kennt das Herz des Menschen. Manches Mal wundere ich mich darüber, dass bei mir irgendwo etwas zum Vorschein kommt, von dem ich bisher nichts gewusst habe, dass es in mir steckt. Doch im Evangelium steckt auch heilende Kraft. Gott sei Dank, dass er mir so deutlich gesagt hat, dass ich zu ihm kommen soll. Es war nicht einfach, Gott zu vertrauen, in die Tiefe zu gehen, zu glauben, dass du geheilt werden kannst, doch das geschieht wirklich. Da ist dieses Wunder – da ist dieses Buch, das so viel bewirkt.
Silvija: Jetzt darüber zu sprechen, ist eine Sache, aber einst war es sehr schwer. Ich erinnere mich, wie Pfarrer Rubenis einmal zu Gints sagte: „Überlass doch alles Gott, und leg deine Last auf ihn“. Gints sagte: „Aber wie?“ Für einen Mann ist das sehr schwer, der es gewohnt ist, sich für bestimmte Dinge zu entscheiden und alles selbst zu tun. Wie soll er das alles plötzlich loslassen? Für eine Frau ist es einfacher, denn sie ist es gewohnt zu begreifen, dass man nicht alles kann und man schnell an die Grenzen seiner Möglichkeiten stößt. Ein Mann ist es gewohnt, alles selbst auszurichten. Und nun kannst du es nicht mehr und man sagt dir: Überlasse es Gott. Du allein kannst es nicht schaffen. Aber wenn du das gelernt hast, dann geschieht es wirklichh.
- Doch oft können wir erkennen, dass Ärzte ihr Leben und ihre Arbeit nicht in Gottes Hände legen, sondern im Augenblick der Krise in ihrem Leben hart werden und in den Zynismus ausweichen.
Gints: Eigentlich musst du, wenn du Abtreibungen durchführen musst, sehr hart sein. Niemand tut das gerne. Aber wenn dir das deutlich wird, und du aus dieser Krise herauskommen möchtest, dann darfst du das einfach nicht mehr tun. Ich hatte das Empfinden: Ich habe Gott beleidigt und ich muss mich von allen diesen Sünden lossagen. Keine dieser Sünden kann ich bei mir behalten. Ich muss mich von allem, was ich getan habe, lossagen.
Der Beschluss, keine Abtreibungen mehr vorzunehmen, ist mir nicht schwer gefallen. Ich hatte keinen Zweifel daran, dass ich damit beginnen musste. Ich sagte Silvija, dass ich auch ihr nicht empfehlen möchte, das weiter fortzusetzen. Auch andere Kollegen schlossen sich nach einer Weile dem an. Dabei hat jeder seine eigene Geschichte, die ihn zu diesem Beschluss gebracht hat, denn jedem von ihnen ist in seinem Leben etwas widerfahren.
Silvija: Dass es schlecht ist, Abtreibungen vorzunehmen, ist jedem deutlich. Doch wir haben gelernt, dass wir das, was wir bisher für unsere Pflicht gehalten haben, auch nicht zu tun brauchen. Irgendwann fängst du an nachzudenken: weshalb werden wir damit gestraft? Andere Ärzte können Menschen helfen, aber weshalb müssen wir solche Dinge tun? Irgendetwas scheint hier nicht zu stimmen. Doch plötzlich kommt mir die Erkenntnis: Ja, aber wenn wir das auch nicht zu tun brauchen, dann werden wir das auch nicht tun. Das löste ein großes Gefühl der Erleichterung aus…
Gints: Doch jeder kommt zu dieser Erkenntnis durch eigenes Leid. Das ist kein verstandesmäßiger Beschluss. Alle rationalen Überlegungen, dass das schlecht sei und dass ich das nicht mehr tun möchte, habe ich durchgelesen. Letzten Endes muss jeder den Beschluss auf Grund seiner eigenen Lebenserfahrungen fassen.
Silvija: Ich habe auch darüber nachgedacht, dass das Kind im Mutterleib vom Augenblick der Empfängnis an ein Mensch ist. Das verschweigen die Medien gerne. Und weil man nirgendwo darüber redet, denken die jungen Menschen: „Ein Abort, was ist das schon?“ Dadurch, dass wir die Wahrheit verschweigen, sehen wir nur das, was wir sehen möchten,

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und hören nur das, was wir hören möchten. Das, was uns nicht nützlich erscheint, sehen und hören wir nicht.
- Wie haben Ihre Kollegen in Lettland auf Ihren Beschluss reagiert?
Gints: Unterschiedlich. Einige haben ihm zugestimmt und gesagt, dass sie ähnliches empfunden hätten, doch in ihrem Herzen noch nicht bereit wären zu sagen: Nein, das werde ich nicht mehr tun. Sie tun das weiter, aber sind der Auffassung, dass es nicht gut sei und dass es besser wäre, es nicht zu tun. Wir haben Kollegen in Riga, die auch keine Aborte durchführen. Es gibt aber auch Kollegen, die uns für Sonderlinge und seltsame Wesen halten.
Ganz sicher schauen einige zu: Lass uns beobachten, ob sie vom Pfad der Tugend abgewichen sind, oder ob das nicht so schlimm ist. Doch ich weiß es ganz genau, dass alwir richtig gehandelt haben. Denn es geht hier um geistliche Dinge, bei denen jeder sich früher oder später entscheiden muss. Natürlich kann man sein ganzes Leben lang weiter Aborte durchführen und dann irgendwann seinen Ruhestand antreten und dabei vielleicht einen Prozess der Läuterung durchmachen, bevor er in die Ewigkeit eingeht – sei es durch eine Krankheit oder auf eine andere Weise.
Silvija: Wir haben das bereits seit längerer Zeit nicht mehr getan. In Svētdienas Rīts wurde erst vor einem Jahr darüber zum ersten Mal berichtet. Wir haben unsere Freunde und unsere Kirchengemeinde daran Anteil nehmen lassen, dass wir darin den Weg Gottes erkennen. Eines Tages rief mich eine Studentin der Journalistik an und sagte mir, dass sie über dieses Thema ihre Kursarbeit schreiben wollte und meine Einstellung dazu kennen würde. Als die Dozentin dieser Studentin, die Journalistin Inga Spriņģe, diese Arbeit gelesen hatte, rief sie mich an, und erbat von mir Hinweise, wo sie noch ausführlichere Informationen über das Thema erhalten könnte.
Das ist für mich immer wieder ein Wunder, wie Gott wirkt. Wenn wir selbst die Absicht gehabt hätten, etwas über unser Vorhaben in einer Zeitung oder in einem Journal zu publizieren, dann wäre das ganz bestimmt nicht möglich gewesen. Außerdem hätte ich, wenn mich ein Journalist der Gelben Presse angerufen und um ein Interview gebeten hätte, es nicht gegeben. Damals waren wir in unserem Glaubensleben recht zerbrechliche und unsichere Pflänzchen. Aber Gott hatte andere Gedanken, er handelte durch die junge Studentin
Ich denke, dass Gott jemandem eine Aufgabe stellt, wenn der Betreffende für sie reif ist.
- Was sagen Sie Frauen, die sich durch manche Umstände nicht in der Lage sehen, ein Kind auszutragen?
Gints: Bei einem Teil von ihnen gelingt es mir, sie zu überzeugen, bei einem anderen Teil nicht. Vor kurzem besuchte mich ein Mädchen, das ein Kind zur Welt gebracht hatte, und das wieder schwanger war. Vielleicht ist es mir nicht gelungen, sie zu überzeugen. Bei einem solchen Gespräch vergeht mindestens eine Stunde. Das Wichtigste, was ich dabei zu sagen versuche, ist, dass dort bereits ein Mensch existiert und nicht nur ein Zellengewebe. So weit es mir nur möglich ist, versuche ich Schwangere zu überzeugen, dass es ein Mensch ist, um den es geht.
Silvija: Oft sagen uns Mädchen: Bitte, bitte, sagen Sie mir das nicht. Ich möchte das nicht hören!
Gints : Sie sagen: „Das tut mir auch weh, aber wir haben uns dafür entschieden.“ Dann versuche ich es, sie auf eine andere Weise zu überzeugen. Ich zeige ihr das kleine Herz. Damit möchte ich die Frau nicht quälen. Eigentlich soll sie dadurch, dass sie das Herz des kleinen Menschenkindes sieht, davon überzeugt werden, dass es um einen Menschen geht. Und dann braucht sie Zeit. Denn Gott ist wieder am Werk. Er möchte, dass dieses Leben beginnt. Dabei kann jeder Tag etwas bringen. Die Hauptsache dabei ist, dass es nicht so sein möchte: Wir haben heute beschlossen, den Abbruch durchzuführen, und morgen findet er

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auch statt. Denn oft ist es wirklich so, dass Frauen den Abbruch durchführen lassen und nach drei Tagen sich deshalb die Haare raufen.
Silvija: Die Gedanken ändern sich sehr. Denn der Mensch ist schwankend, besonders, wenn er keine Hilfe in der eigenen Familie findet. Die Menschen, die abseits stehen, werden immer sagen: Wozu brauchen wir noch ein Kind? Doch jeder Tag, jede Woche zum Nachdenken ist für eine Frau sehr wichtig.
Ich freue mich sehr, wenn es gelingt, auch nur einem Kind sein Kommen in die Welt zu ermöglichen, bei dem die Mutter vorher die Absicht gehabt hat, es nicht zu behalten. Und weil ich Aborte nicht durchführe, haben viele Frauen noch einmal arüber nachgedacht. Gott sei Lob und Dank!
- Sind die Frauen, die sich nach dem Gespräch mit ihnen für das Kind entschieden haben, in der Mehrheit?
Silvija: Das ist schwer zu sagen. Ich kenne bestimmte Menschen. Doch wenn ich selbst Abtreibungen durchführen würde und eine Frau mich überredet hätte, sie durchzuführen, dann würde ich ihr sagen: Bitte, wenn du das unbedingt möchtest, dann suche dir bitte einen anderen Arzt. Das Gespräch war lang genug, und nun ist es an Gott, zu bewirken, dass sie zu keinem anderen Arzt geht. Doch sollte das geschehen, dann zieht in das Leben der Familie großer Segen ein. Ich sage auch: Wenn sich ein Kind angemeldet hat, dann wird es nie passieren, dass dir deshalb etwas Schlechtes geschieht. So ist das nie im Leben gewesen. Wenn ein Kind zur Welt gekommen ist, dann gibt es für dich auch bald ein Stellenangebot oder dein Familienleben kommt wieder in Ordnung, und das ist wirklich wunderbar. Ich habe nicht das Recht, Details auszuplaudern, aber…
- Obwohl das nach meiner Meinung gut wäre, wenn Sie berichten könnten, wie sich für Frauen offensichtlich hoffnungslose Situationen in ihrem Leben lösten, denn das könnte vielen Frauen Mut machen, die vor einer solchen Entscheidung stehen.
Silvija: Genau das sage ich: Wenn Gott dir ein solches Geschenk macht, dann nimm es an und wirf es nicht weg! Denn du weißt wirklich nicht, was dich erwartet, aber etwas Schlechtes wird es bestimmt nicht sein.
- Haben Sie es auch erlebt, dass Ihnen jemand dafür gedankt hat, dass Sie eine Frau von diesem verhängnisvollen Schritt zurückgehalten haben?
Silvija: Eine Mutter hat mir ein wunderschönes Gemälde geschenkt, aber das ist doch nicht die Hauptsache. Valmiera ist keine allzu große Stadt, so dass Beziehungen erhalten bleiben. Ich denke, dass diese Kinder besonders gesegnet sind und dass Gott mit ihnen noch viel vor hat..
Gints; Meistens erkennt der Mensch, was mit ihm heute geschehen ist, denn was mit uns morgen geschehen wird, das wissen wir heute nicht. Aber wenn irgendjemand von uns denkt, dass es mir, wenn es mir heute schlecht ergangen ist, morgen noch schlechter gehen würde, wenn ich heute keine Arbeit habe, dann werde ich auch morgen arbeitslos sein und meine Rechnungen überhaupt nicht bezahlen können, dann hat er nicht begriffen, dass sich das Leben in jedem Augenblick durch unerwartete Dinge vollkommen verändern kann. Und wenn dir ein Kind geschenkt ist, dann weiß Gott es, dass sich dadurch in deinem Leben etwas ändern wird, damit du es erziehen kannst. Es wird nicht so sein, dass eine Million vom Himmel fällt, aber elementare Dinge werden geordnet. Vor Kurzem erhielt ich von einer Frau einen Brief, in dem sie mir dankte, dass ich die richtigen Worte gefunden hätte, nach denen sich ihr Leben um 180 Grad verändert hätte. Als sie schwanger war, brach bei ihr alles zusammen – in der Familie, im Beruf, im Geschäft. Sie war am Nullpunkt angelangt. Und dann noch ein Kind? Das Kind war noch nicht geboren, und schon sah das Leben völlig anders aus.

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- In einem interessanten Kommentar las ich edtwas darüber, dass Aborte für den Staat kostengünstiger seien als die Erhaltung eines Krisenzentrums für Schwangere, in dem die betroffenen Frauen psychologisch, sozial und finanziell versorgt werden müssen.
Gints: Solange das kleine Kind noch gefüttert werden muss, ist das eine Investition, aber wenn es in den Arbeitsprozess eingebunden ist… Freunde von uns haben drei Söhne und alle arbeiten in der Landwirtschaft und leisten damit einen guten Beitrag..Ein Mensch ist für den Staat immer ein Zugewinn, denn während seines Lebens erarbeitet er Werte . sowohl materielle als auch geistige. Und heute sind die geistigen Werte von ganz besonders großer Bedeutung. Ich denke, dass dieser Standpunkt der Gesellschaft nicht durch die Wirtschaft bestimmt wird, sondern durch die geistigen Kräfte. Leider stellt sich der Geist der Welt nicht auf die Seite des Lebens, denn in dieser Situation, in der überall die freie Wahl propagiert wird, setzt sich der Mensch an die Stelle Gottes und seine Entscheidungen stehen im Gegensatz zu dem, was Gott uns gebietet.
Silvija: Denn in unserem Staat sind Aborte erlaubt und jetzt werden sogar medikamentöse Aborte genehmigt. Wohin soll das weiter führen? Der Staat hat sich auf die Seite des Todes gestellt.
Gints: Wir vernichten uns selbst. Ohne Kinder haben wir keine Zukunft. Wer wird für unsere Renten aufkommen und wer wird uns ernähren?
- Was denken Sie? Wird es noch zu unseren Lebzeiten möglich sein, die Einstellung der Gesellschaft „für das Leben“ zu ändern?
Silvija: Wir sind ein kleines Land und vieles bestimmt die Einstellung der verantwortlichen Vertreter, die zu beschließen haben.. So waren in der vergangenen Saeima mehr Abgeordnete „für das Leben,“
Gints: Mir erscheint es als eine wunderbare Sache, dass der Mensch ein Werkzeug in der Hand Gottes sein kann. Aber wenn wir schon die Freiheit von diesem Ungeheuer – der Sowjet Union, diesem totalitären Staat – zurückgewonnen haben, dann kann Gott auch das bewirken. Er ruft uns Menschen und wir müssen ihnen das erklären, denn Gottes Wort ist scharf wie ein Schwert. Das müssen wir den Menschen erklären und die Dinge bei dem richtgen Namen nennen. Natürlich kann sich jeder Mensch frei entscheiden, aber wir müssen ihnen sagen, was gut oder schlecht ist.
Zur Zeit sind wir auf die leiblichen Begierden ausgerichtet. Wenn wir die Illustrierten aufschlagen, dann bekommt man den Eindruck, dass das Wichtigste im Leben der Genuss sei. Wenn ein radikaler Standpunkt zur Sprache kommt, dann meint der Mensch, dass er das auch möchte, aber zu den fleischlichen Genüssen nicht kommt, nur weil ein unerwünschtes Kind unterwegs ist.!? Aber wenn sich der Mensch eindeutig entscheiden soll dann bleibt sein Standpunkt irgendwo in der Mitte – zwischen dem radikalen und liberalen hängen. Mir hat das Interview des neuen katholischen Erzbischofs Stankēvičs in der „Unabhängigen“ sehr gefallen, in dem er sagte, dass keine Entscheidung einer Frau höher stehen dürfte als das Leben des Kindes.. Man kann sich nicht für den Mord eines anderen Lebewesens entscheiden. Es gibt Dinge, über die man unmissverständlich und präzise reden und schreiben muss.
- Aus den Statistiken geht hervor, dass in Lettland die Aborte immer weniger werden. Womit hängt das nach Ihrer Meinung zusammen?
Gints: In Lettland gibt es überhaupt weniger Menschen. Die Verhütung hat Fortschritte gemacht. Die katholische Kirche ist gegen die Verhütung und vertritt diese Haltung streng, doch wenn ich es mit Menschen zu tun habe, die keine Christen sind, dann empfehle ich ihnen, sich für das geringere Übel zu entscheiden. Wenn es von vorne herein deutlich ist, dass sich jemand für den Abort entscheiden wird, dann ist es auf jeden Fall besser, wenn man verhütet. Vielleicht wächst auch bei mir selbst die Erkenntnis, dass heute Verhütungsmittel
leicht zugänglich sind, und dadurch die Zahl der Abtreibungen verringert werden kann. Und
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das ist gut. Die Menschen müssen darüber informiert sein und etwas zur richtigen
Entscheidung geschoben werden.
- Ende Januar waren Sie bei der Kirchengemeinde Smiltene zu Gast mit einem Vortrag über dieses Thema. Nach meinen Informationen bestand dort in der Kirchengemeinde ein großes Interesse. Wären Sie bereit, Einladungen anderer Kirchengemeinden anzunehmen?.
Silvija: Natürlich werden wir kommen. Die Begegnung in Smiltene war einfach fantastisch. Jetzt sind wir auch von der Kirchengemeinde Valmiera eingeladen worden.
Gints: Wir handeln nach dem Grundsatz, dass niemand, der uns eine Einladung schickt, eine Absage erhält.

Propst h.c. Georgs Zālītis feierte seinen 95. Geburtstag. Inga Reča
Am 29. Januar konnte unsere Kirche eines sehr wichtigen Jubiläums gedenken – des 95. Geburtstages des emeritierten Propstes Georgs Zālītis. Der Jubilar war so munter, dass er durch seine Anwesenheit den Sonntagsgottesdienst in der St. Martinskirche in Riga beehren konnte, in der er seit dem Jahr 1957 seinen Dienst getan hatte, und jetzt die Glückwünsche von Erzbischof Vanags und den Leuten seiner Kirchengemeinde entgegennehmen konnte. Nach dem Gottesdienst hatten alle die Gelegenheit, den Geburtstagskringel zu genießen, der die beiden Ziffern 9 und 5 darstellte. Der Jubilar erhielt auch Glückwünsche aus dem Ausland von der Familie des Erzbischofs der lettischen Auslandskirche Elmārs Ernsts Rozītis dessen Vater und Großvater vor Propst Zālītis in dieser Kirchengemeinde als Pfarrer gewirkt hatten.
Kurz vor diesem Jubiläum waren Leute der St. Martinsgemeinde bei dem Jubilar zu Gast. Diesen Besuch beschreibt die verantwortliche Redakteurin des Gemeindebriefes von St, Martin Ieva Ērenštreite so: „Er hat einen glänzenden Verstand, kann wirtschaftlich denken und hat ein menschliches Verhältnis zu allem und zu allen. Offensichtlich charakterisieren diese Eigenschaften Propst Zālītis am besten. Besonders das, was mit seinem Besuch des 1. Gymnasiums in Riga und seiner Mitgliedschaft bei der Studentenverbindung „Letonia“ zusammenhängt, beschreibt er mit besonderem Stolz.“ Besonders erinnert sie sich an einen Satz, den der Pfarrer einer seiner Konfirmandinnen gesagt hatte: „Liebes Mädchen, die Hauptsache ist dein Glaube, der nicht von der Menge deiner Arbeitseinsätze bestimmt wird.“ Domdekan Elijs Godiņš wiederum wurde nach dem Ende seines Studiums Propst Zālītis zur Hilfeleistung in der St. Martinsgemeinde und der Kirchengemeinde Sigulda zugewiesen. „Ich bin Gott dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte, meinen Dienst unter der Aufsicht eines so erfahrenen Pfarrers zu beginnen. Er hat mich vor manchem übereilten Handeln bewahrt und mir einen tieferen Einblick in das Leben einer Kirchengemeinde gegeben. Mit einem gewissen Stolz kann ich sagen, dass er mein Senior gewesen ist und ich etwas von jenem ununterbrochenen Dienst erleben konnte, was nicht jedem Kollegen meiner Generation geschenkt ist.,“ schreibt Elijs Godiņš.
Bei einem Blick auf den Lebenslauf des Jubilars erfahren wir, dass er das 1. staatliche Gymnasium im Jahr 1930 beendete, und das Studium an der Theologischen Fakultät der UL 1943 absolviert hat. Am 3. Juni desselben Jahres wurde er von Erzbischof Grünbergs ordiniert. Den jungen Pfarrer ordnete man zum Dienst in den Kirchengemeinden Straupe, Lēdurga. und Ķempji ab und später nach Sigulda.
1957 begann Pfarrer Zālītis seinen Dienst in der St. Martinsgemeinde in Riga, deren Kirche in einer bedenklichen baulichen Verfassung war. Der Pfarrer organisierte in dieser schweren Zeit, in der die Mittel knapp waren und es viel zu tun gab, die Renovierungsarbeiten. Erzbischof Matulis beförderte ihn zum Oberpfarrer. 1987 wurde er mit der Dienstaufsicht in der Propstei Riga betraut. Der neue Propst übte seinen Dienst energisch aus und half seinen

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Pfarrern und Kirchengemeinden, soweit es bei den damaligen Verhältnissen möglich war, denn Probleme gab es mehr als genug.
1992 wurde er in das Konsistorium als Mitglied berufen, wo er den Dienst des stellvertretenden Erzbischofs übernahm.
Der damalige Erzbischof Mesters beschreibt seinen Stellvertreter folgendermaßen: „Als Leiter der ELKL lernte ich G. Zālītis näher kennen. Während seines Gemeindedienstes hat er nicht ein einziges Mal darüber gemurrt, sondern alles mit Freude ausgeführt.“
Ieva Ērenštreite fährt fort: „Als ich ihn besucht habe, sprach er besonders herzlich über einen seiner engsten Freunde, Propst Jānis Liepiņš. Auch die Ehefrau von G. Zālītis ist gestorben, deren besondere Liebe dem Garten und den Blumen galt. Blickt man auf die Orchideen im Blumenfenster, empfindet man deren Schönheit. Dabei erfahre ich, dass seine Tochter Dace sich liebevoll darum weiter kümmert..“
Auch wir möchten uns mit unseren herzlichsten Glückwünschen den vielen Gratulanten anschließen.

Christliche Mediziner schließen sich zusammen. Inga Reča, Gunita Āre.
Bisher waren wir es gewohnt, dass die Kirche zum Krankenhaus kommt. Dort wurden Kapellen eingerichtet, Pfarrer hielten dort Gottesdienste und Andachten, besuchten die Kranken. Seit über 20 Jahren haben wir in Lettland den Dienst der Krankenhausseelsorger. Doch vor einem Jahr sind Mediziner der Kirche einen Schritt entgegen gekommen. Im August 2010 wurde der Verband christlicher Mediziner gegründet. Im Herbst 2010 veranstaltete dieser seinen ersten Kongress, an dem sehr viele Mediziner, deren Förderer und Vertreter verschiedener christlicher Bekenntnisse teilnahmen. Über die Notwendigkeit der Gründung dieses Verbandes und dessen weitere Tätigkeit berichtet die Vorsitzende des Verbandes christlicher Mediziner Irene Kondrate.
Die Initiative kam von den Medizinern
Die „Mutter“ des Verbandes ist eigentlich die Familienhilfevereinigung „Weißer Stern“, die vor einiger Zeit gegründet wurde. Wir wurden auch von Kollegen besucht, und als sie entdeckten, was wir alles planten und wie wir unsere Arbeit aufbauten, kam bei ihnen auf Grund ihrer Erfahrung in ihrer Praxis der Gedanke auf, den sie unbeirrt weiter verfolgten, dass wir endlich eine Stelle schaffen müssten, an der sich Mediziner mit der gleichen Weltanschauung treffen könnten.
So ist dieser Verband christlicher Mediziner eine ganz besondere Einrichtung. Wenn wir in der Medizin von christlicher Ethik und Moral sprechen, dann könnte man nur schwer sagen, dass Mediziner Wesen ohne eine Ethik seien, denn gewöhnlich verbinden wir den Dienst der Mediziner mit ethischen Prinzipien. So ist es oft nicht ganz einfach die Frage zu beantworten, wodurch sich ein Mediziner ganz allgemein von einem christlichen Mediziner unterscheidet. Deshalb war es zuerst wichtig zu entdecken, wer von den Kollegen ähnlich denkt wie wir.
Der nächste Anlass, der uns deutlich machte, dass es an der Zeit ist, dass wir uns zusammenschließen, um unsere Meinungen auszutauschen und Kollegen beizustehen, denn das war genau in dem Augenblick, als die Gynäkologen Gints und Silvija Lapiņš in Valmiera und andere Kollegen öffentlich erklärten, dass sie sich weigerten Aborte vorzunehmen. Diesen Beschluss haben sie bereits eine gute Weile davor gefasst, aber erst im vergangenen Jahr gelangte er in die Medien. Gegen die Doktoren Lapiņš und gleichgesinnte Kollegen wurde auf eine unangenehme Weise polemisiert sowohl von Kollegen als auch sonst in der Gesellschaft, dass christliche Medizin, oder besser gesagt, die christliche Haltung in der Heilkunde nichts zu suchen und dass diese nichts mit christlichen Ritualen oder mit mittelalterlichen Heilverfahren zu tun hätte. Doch in Wirklichkeit ist genau das Gegenteil der Fall. In der ganzen Welt sind unter den Ärzten die Christen besonders progressiv und fähig,
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große Dinge zu bewirken bei genauer Beachtung ethischer Prinzipien. Dazu gehören vor allem auch diejenigen, die sich zu ihrer Ehrfurcht vor dem menschlichen Leben bekennen. Deren Arbeit geschieht zum Wohle des Lebens und der Gesundheit des Menschen und nicht dagegen, und die Ergebnisse ihres Heilverfahrens sind mit einem positiven und lange anhaltenden Unterton verbunden und nicht mit Politik oder engen Gruppeninteressen.
Hohe Anforderungen an sich selbst
Als der Verband gegründet wurde, gab es viele Fragen, darunter auch solche: Werden christliche Mediziner künftig nur Christen behandeln und ähnliches. Wir versuchten, unseren Kollegen zu erklären, dass jemand, der in unserem Verband mitarbeiten möchte, hohe Anforderungen stellt, zuerst an sich selbst. Denn die Kriterien, die in dem Codex unserer Ethik stehen, sind kein verpflichtendes Dogma, dem man unbedingt nachkommen muss, bevor man unserem Verband beitreten darf., sondern die Summe der ethischen, beruflichen und moralischen Eigenschaften, die wir anstreben. Diese ethischen Prinzipien betreffen uns Mediziner, die es mit Patienten zu tun haben.
Die Diskussion entfaltete sich auch bei der Frage nach den Aborten. Dabei war es das Argument einiger Kollegen, dass wir heute andere Zeiten hätten, und es für die Frauen so schwer wäre… Das Entstehen ähnlicher Behauptungen bestätigt einfach die bekannte Wahrheit, dass das Denken eines Teiles der Gesellschaft, darunter auch des Verbandes der Mediziner, nicht von Tendenzen innerhalb der ganzen Gesellschaft loszulösen sind. Dem Widerspruch und dem Missverstehen gegenüber dem Wesen des Christentums begegnet jeder von uns, und das prägt unseren Alltag, unser Zusammenleben, unser Verhältnis zu unserem Mitmenschen und natürlich auch unser Verhalten in unserem Beruf. Wir alle sind erst auf dem Wege und beschreiten ihn in der Überzeugung, „ein Christ zu sein“, denn das zu können immer und überall ohne Kompromisse ist ein sehr kompliziertes Unterfangen. Ein Christ zu sein nicht nur unter den Seinen, wo man dir nicht widerspricht, nicht nur im Gotteshaus, in dem die Blicke aller auf den Altar gerichtet sind, sondern ein Christ auch in Situationen, in denen niemand da ist, der sich darüber besonders freut, dass du ein Christ bist. Denn du kannst nicht nur ein Christ im Gotteshaus sein und dich zu Doktor Schulze verwandeln, wenn du dein Sprechzimmer betrittst, der dann alles tut, was der Geist der Zeit und der Gesellschaft befiehlt.
Wenn das Gewissen mit dem Gesetz zusammenstößt.
Der ethische Aspekt in der Medizin ist ein wenig auf den inneren und äußeren Konflikt gerichtet, denn dort gibt es immer das Schwanken zwischen dem eigenen Gewissen und dem, was die Umgebung aufnötigen möchte. Denn nicht zufällig wird die Frage nach der Gewissensfreiheit und deren Ablehnung bei der Gesetzesgebung zur Sprache gebracht. Im Herbst wurde im Europäischen Parlament (EP) in Straßburg in großer Eile die Frage nach der Möglichkeit behandelt, einem Arzt die Ablehnung des Schwangerschaftsabbruches aus religiösen Gründen zu verbieten. Die offiziellen Unterlagen des EP haben den Charakter von Empfehlungen, aber auf dieser Grundlage kann man sehr ernst zu nehmende Bestimmungen entwickeln. Uns wurde klar, dass sich mit dieser Frage eine der Deputierten unserer Saeima befasst und haben begriffen, dass wir sehr schnell handeln mussten. Bis zur Abstimmung im EP verblieben nur noch zwei Tage, aber die Prozedur der Antragstellung erfordert ein viel schnelleres Handeln. Aber der Mensch denkt und Gott lenkt. Verhältnismäßig träge vermochten es die christlichen Organisationen, ihre Kräfte zu konzentrieren. In mehreren Varianten schrieben wir den Text in englischer Sprache, in dem wir unsere Position deutlich machten. Es war wirklich ein Wunder Gottes, dass wir einen anderen Vertreter Lettlands fanden, dass mit seiner Hilfe unsere Eingabe auf dem Tisch des Präsidenten landen konnte, gleichzeitig mit den anderen Unterlagen. Als am Präsiium diese Frage aufgerufen wurde, begann im Saal eine sehr ausgiebige Diskussion sowohl über das Wesen und die ethischen
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Aspekte der Frage als auch darüber, dass die Berichterstatterin als Gynäkologin und Interessenvertreterin derjenigen, die Abreibungen durchführen möchten, zu diesem Thema nichts sagen dürfte.
Aber im Haus der Deputierten kam noch ein anderer Aspekt dazu – wozu brauchen wir einen solchen „Blödsinn“ wie das Gewissen? Weshalb sollen wir über Dinge sprechen, die schon von selbst ihren Weg finden werden? Weshalb sollen wir zu „alten Werten“ zurückkehren, die den Prüfungen der Zeit nicht standgehalten haben? Über den abbrechenden Ast zu reden, auf dem wir sitzen, erscheint uns aus unverständlichen Gründen dumm zu sein. Und das Irrsinnigste, was in der Gesellschaft passiert, wenn dem Menschen die Orientierung auf Werte abhanden kommt, ist, dass ihm alles gleichgültig wird, denn er begreift nicht mehr, was gut oder schlecht ist. Es ist einfacher, wenn sich jemand dagegen sträubt, aber dass es ihm nicht gleichgültig ist! Einen Gleichgültigen kann man leicht manipulieren. Ein gleichgültiger, träger Mensch wird sich nie für seine Familie, für seinen Nächsten einsetzen, denn ihm ist alles gleichgültig! Ein Mensch kann trotz seiner Gleichgültigkeit physisch lebendig sein, aber seine Seele ist nicht mehr fähig zu reagieren.
Deshalb ist nach meiner Ansicht eine der wesentlichsten Aufgaben des Verbandes christlicher Mediziner, zu sagen: Wacht auf, ihr Lieben, ehe es zu spät ist! Denn der Auftrag und Dienst des Mediziners in diesen Verhältnissen, wo es alle schwer haben, in denen wir wirtschaftlich an den Rand getrieben sind und es nicht so recht wissen, ob wir von dort wegkommen dürfen oder dort weiterzappeln müssen.?! Einer der Mechanismen, der angewandt wird, ist wirtschaftlicher Druck. Von Gynäkologen bekomme ich oft zu hören: Von ganzem Herzen stimmen wir dem zu, was Sie gesagt haben, aber wir fürchten uns, uns dafür zu engagieren, denn erstens, was würden andere darüber denken, und zweitens, wenn ich es ablehne, das eine, das andere oder das dritte zu tun – und das braucht nicht einmal mit dem Schwangerschaftsabbruch zusammenzuhängen – wenn ich es ablehne, mit bestimmten Firmen zusammenzuarbeiten, dann habe ich darunter finanziell zu leiden, aber ich habe noch Kredite zu tilgen.
Aber diese Prozesse hängen von den Abläufen in der Gesellschaft ab.
Der Kongress interessiert die Mediziner
Im Verband christlicher Mediziner sind zur Zeit etwa 60 Mitglieder registriert. Wir haben inzwischen unsere Grenzen weiter gefasst, denn unter dem Wort „Mediziner“ verstehen wir nicht nur Ärzte, Krankenschwestern, Hebammen, Sanitäter, Physiotherapeuten und amndere, sondern auch Psychologen und Experten im öffentlichen Gesundheitswesen, also alle, in ihrer Arbeit mit der Gesundheit befasst sind. Offen gestanden, haben wir mit einem so großen Echo nicht gerechnet. Wir haben den Verband im August 2010 gegründet und Ende Oktober fand unser erster Kongress statt. Die Räume waren überfüllt Das Programm war sehr gehaltvoll, und da ich an so manchem Kongress teilgenommen habe, weiß ich sehr gut, dass bei solchen fachlich orientierten Veranstaltungen es fast unmöglich ist, die Aufmerksamkeit des Auditoriums bis zum Ende lebendig zu erhalten. Da sich aber die Dichte des Auditoriums auf einen Quadratmeter nicht veränderte, begriff ich, dass der Kongress erfolgreich war. Es haben Experten von hohem Niveau teilgenommen, Kollegen aus Russland, Litauen und Lettland hatten ausgezeichnete Referate vorbereitet. Auch solche, die nur aus Neugier gekommen waren, sagten: „Nach vielen langen Jahren habe ich wieder zum ersten Mal eine so inhaltsreiche Veranstaltung erlebt.“ Das war ein gutes Zeichen dafür, dass das, was der Verband christlicher Mediziner auch künftig anbieten wird, niemals etwas uninteressantes oder unwissenschaftliches sein könnte. Wir möchten informieren und dabei auch bewerten, denn nur damit kann man das Denken des Menschen in eine andere Richtung lenken.
Der größte Gewinn – du bist nicht allein!

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Ich werde oft gefragt! Wodurch wird in dem Verband der christliche Aspekt deutlich? Gewöhnlich antworte ich darauf: Ihr Lieben, Religion ist eine sehr intime Angelegenheit. Es gibt kein öffentliches Getue. Doch etwas ganz bestimmt: Die christlichen Mediziner beten für ihre Patienten, für die Kranken und Genesenden, für die Neugeborenen und die Sterbenden. Sie beten für ihre Kollegen. Ein christlicher Mediziner stellt sich vor einer Operation innerlich auf das ein, dass er einen wichtigen Dienst versieht, und dass das Leben seines Mitmenschen von dem abhängt, was er tut. Der Beruf eines Mediziners ist sehr schwer und oft muss man sich innerhalb von Sekunden entscheiden, welchen Schritt man jetzt tun soll. Nach meiner Meinung ist es erheblich leichter, wenn man diese Verantwortung mit einem anderen teilen kann. Wenn du weißt, dass du nicht allein bist (und jeder Christ weiß das), dann ist das für mich das allergrößte Geschenk. Was kann für einen Chirurgen beruhigender sein als die Gewissheit, dass er bei einer schweren Operation das Führen seiner Hand Gott anvertrauen kann? Ich tue es, aber bete sehr darum und verlasse mich ganz darauf.
Ob ich mich so stark und mächtig fühle, dass ich alle Missgeschicke im Zusammenleben allein bewältigen kann? Die Erfahrung hat mir gezeigt, dass wir recht schwach dastehen, wenn wir bei dem ersten Schnitt zusammenbrechen. Ich bin aber dennoch in der Lage, mich auf den Vater zu verlassen und ihm mein ganzes Leben anzuvertrauen. Vielleicht wird mir ein Theologe widersprechen, aber ich denke, dass ich das Christentum im Zusammenleben sehr gut leben kann. Jede Tätigkeit, die ich betreibe, wird, wenn ich sie Gottes führenden Händen anvertrauen kann, mir den Weg leichter erscheinen lassen.
Der Druck der Gesellschaft nötigt die Christen, einig zu sein.
Der Verband christlicher Mediziner ist interkonfessionell. Ich vertrete die orthodoxe Kirche. Meine Kollegen sind Katholiken, Lutheraner, Baptisten und Freikirchler. Wichtig dabei ist, dass wir eine gemeinsame Sprache finden, denn uns führt unser Beruf und unser christlicher Glaube zusammen. Natürlich gibt es oft Situationen, in denen wir auch auf konfessionelle Unterschiede stoßen. Jede Konfession hat eine andere Ansicht über die Taufe, die Ölung und anderes. Wir müssen da schon begreifen, welche Rolle da der Seelsorger spielt und was lieber durch einen Pfarrer oder Priester geschehen sollte. Der Arzt kann nicht Priester sein, aber die Erfahrung zeigt, dass ein Arzt auch einmal einen Teil dieses Auftrags übernehmen muss. Ich habe Berater in jeder Konfession und ich weiß, wie ich den Hörer in die Hand nehmen muss, um einen bestimmten Priester oder Pfarrer anzurufen, um mit ihm bestimmte Fragen zu klären.. Das ist etwas sehr Gutes heute, dass sich die Konfessionen näher gekommen sind
Die Menschen erwarten oft von mir, dass ich ihnen erkläre, wie ich als Orthodoxe zu den Katholiken und Lutheranern stehe? Gewühnlich beantworte ich solche Feagen ein wenig scherzhaft: „Mit den Augen blicke ich sie an, mit dem Herzen fühle und sehe ich, dass ihr sehr gut seid.“ Es hat auch solche Fragen gegeben: Vielleicht sollten wir als Katholiken und Lutheraner eine Organisation meiden, die in ihrem Namen orthodox = rechtgläubig trägt. Das beantworte ich gewöhnlich damit: „Wenn Sie über die Rechtgläubigkeit irgendwelche Vorstellungen haben, die sie daran hindern, sich dieser Vereinigung zu nähern, dann können wir das doch miteinander klären.“ Die Menschen machen sich um so vieles Sorgen, aber das Wesentliche ist doch, dass wir miteinander kommunizieren können und zu einem gemeinsamen Nenner finden, zu dem, was wir gemeinsam tun wollen.
Bücher stehen Schlange
Bei uns hat sich inzwischen vieles angesammelt, was wir veröffentlichen sollten. Soeben haben wir die Arbeiten für ein Büchlein für junge Leute „Lebenslang miteinander vereint“
beendet. In ihm versuchen wir in einer für die heutigen Jugendlichen verständlichen Sprache das Wesen der ehelichen Beziehung, die Rolle des Mannes und der Frau, die Rolle der Liebe und der Beziehung der Geschlechter zueinander und alles, was dabei für einen jungen Menschen aktuell ist, zu erklären. Unserem Herzen stehen im Auditorium die bestehenden
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Familien, junge Eltern ganz besonders nahe. Auf unserer neuen Internetseite sind wir unter www.kristigiemediki.lv zu finden, wo wir auch die besten Beiträge zu verschiedenen für den christlichen Mediziner aktuellen Themen veröffentlichen.
Wichtig ist, dass die Kollegen mit uns zusammen gehören.
Zu unserem Verband gehören Mediziner aus allen Regionen Lettlands, wobei Riga natürlich von einem besonderen Gewicht ist. Aber wir haben auch sehr aktive Kollegen in Daugavpils, Valmiera, Liepāja,und Alūksne.
Ich bin die Vorsitzende des Verbandes, mein Stellvertreter ist der Priestermönch Pater Jānis Sičevskis. Zum Vorstand gehören auch Dr. Jānis Caunītis, die Physiotherapeutin Klaudija Hēla, welche die lutherische Kirche vertreten, die Psychologin Diana Staņko, die der katholischen Kirche angehört, und die Krankenschwester Anita Āboliņa, die mit einer großen publizistischen Erfahrung die Übersetzungsarbeit leitet.
Es ist für mich eine besondere Freude, dass die Leute, die zum Vorstand gehören, die Unsrigen sind. Was bedeutet das? Ich weiß, dass ich jeden von ihnen zu jeder Zeit anrufen kann, um ihnen zu sagen, dass etwas gemacht werden muss, und dass sie das dann auch wirklich machen. Ich weiß, dass ich es mit Menschen zun tun habe, die bereit sind, ihre Zeit und ihre Arbeitskraft in den Dienst der guten Sache zu stellen, um die Dinge voran zu bringen.
Wenn die Grippeepidemie vorbei ist, wird der Verband seine Generalversammlung haben. Dabei haben wir vorgesehen, unseren Kollegen vorzustellen, was es Neues gibt. Dabei sind neben der Entwicklung der Heilverfahren und Therapien auch im Ausland uns die Kontakte zu christlichen Studenten der Medizin ganz besonders wichtig. Es gibt eine Reihe von Vorhaben, die nur auf freiwilliger Basis durchgeführt werden können, die in der Liebe zum Menschen und in der Wahrnehmung unseres Auftrages ihre Wurzel hat.

Der Gesundheitszustand von Pfarrer Valdis Bercs hat sich gebessert. Ivars Kupcis.
Am 26. Januar ist der Pfarrer der Kirchengemeinde Vecauce Valdis Bercs aus dem Koma erwacht, in dem er seit seinem schweren Unfall und nach einer gefährtlichen Operation Anfang Januar lag. Der Propst der Propstei Jelgava und die Kirchengemeinde Auce hatten zur Fürbitte für Valdis Bercs aufgerufen, der unter den Folgen des Unfalls, zu dem es Anfang Januar bei der Reinigung des Schnees auf dem Dach eines Gebäude gekommen ist, leiden musste.
Die Schwester des Pfarrers Anita Liepiņa schrieb uns: „Im Namen der Familie des Pfarrers Valdis Bercs danke ich unserem Herrn Jesus Christus für seine Gnade und Euch allen für Eure Fürbitte. In der vergangenen Woche erlebten wir den frohen Tag, an dem wir zum ersten Mal ein Lebenszeichen von Valdis erhielten. Mit seiner Hand winkte einem Nädchen zu, das hinter dem Reanimationsfenster neben seiner Schwester stand. Valdis hat überlebt.“
Am 31. Januar wurde Valdis aus der Úniversitätsklinik in Riga in das Krankenhaus in Jelgava überführt. Die Angehörigen berichten, dass er bei Bewusstsein sei, reden könnte, aber nur sehr langsam. An einige Dinge am dramatischen Abend vor dem Fall kann er sich noch erinnern. Ihm steht eine sehr lange Zeit der Rehabilitation bevor, und deshalb bedarf der Pfarrer weiterhin der Fürbitte auch für die Angehörigen für ihren Kampf des Glaubens, für ihr Bestehen in der Liebe zu ihrem Angehörigen Valdis bei seiner Pflege und Genesung.

Meldungen aus der Erzdiözese Riga.
Seit dem 28. November sind in der Alten St. Gertrudgemeinde in Riga zwei Pfarrer tätig. Pfarrer Rinalds Grants wurde jetzt Pfarrer Krists Kalniņš an die Seite gestellt, der auch mit der Leitung des Jugendzentrums der ELKL beauftragt ist
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Am 11. Januar wurde mit dem Pfarrdienst in der vakanten Kirchengemeinde von Jaunpiebalga der Hilfspfarrer Intars Jonītis beauftragt, der diesen Dienst auch in den Kirchengemeinden Vecpiebalga, Skujene, und Lode versieht. Seit Januar ist mit diesem Dienst in den vier Kirchengemeinden auch der Hilfspfarrer Artis Eglītis beauftragt.
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In zwei Propsteien sind neue Pröpste gewählt worden. In der Propstei Madona wurde im November 2010 Pfarrer Hans Jenson zum Propst ernannt, der seit dem Juni 2010 die Kirchengemeinden Madona und Cesvaine als Pfarrer versorgt und davor in der Diözese Liepāja als Pfarrer tätig war. Am 22. Januar dieses Jahres fand in Ikšķile die Versammlung der Propstei Ikšķile statt. Dabei wurde ein neuer Propst für diese Propstei gewählt. Der Erzbischof hat dafür Dzintars Laugalis als Bewerber empfohlen, der seit dem April 2010 Pfarrer dieser Kirchengemeinde ist und auf Anweisung des Erzbischof die Geschäfte des Propstes bereits ausübt.

Neue Studenten in der Luther Akademie Ivars Kupcis
Zu Beginn des Frühjahrssemesters hat die Luther Akademie an ihrem neuen Standort in der Alksnāja iela neue Studenten für das Studium der Theologie für das Pfarramt und in die Abteilung für Mitarbeiter der Gemeinden aufgenommen.
In diesem Studienjahr beginnt die Luther Akademie ihren Lehrbetrieb in anderen Räumen in der Altstadt von Riga in der ehemaligen Reformierten Kirche. In dieser neuen Heimstätte haben sich die Dozenten und Studenten der Luther Akademie inzwischen eingelebt, obwohl dort die Anzahl der Auditorien den Anforderungen des Studienprozesses noch nicht gerecht wird. Im Unterschied zu den bisherigen Studienjahren findet die Aufnahme neuer Studenten nicht im Herbst, sondern zu Beginn des Jahres statt. In die theologischen Abteilung zur Vorbereitung auf den Beruf des Pfarrers wurden 9 Studenten und in die Abteilung für Gemeindemitarbeiter 10 Studierende aufgenommen. Damit studieren jetzt in der Abteilung zur Vorbereitung auf den Pfarrerberuf 37 Studenten und in der Abteilung für Gemeindemitarbeiter 20.
Auch in diesem Jahr werden Interessierte aus den Kirchengemeinden zum Besuch der Veranstaltungen der „Kleinen Luther Akademie“ eingeladen. Dort wird eine Vortragsreihe an jedem zweiten und vierten Freitag im Monat „Der praktische Katechismus“ und „Die interessantesten Seiten der lettischen Kirchengeschichte“ angeboten.
Das Rektorat der LA hat den Eindruck, dass sich in diesem Jahr in der LA Studenten von besonders hoher Qualität zusammenfinden würden, deren wichtigste Motivation für das Studium der Ruf Gottes ist und die Möglichkeit die Erwerbung des notwendigen Wissens und der Fertigkeiten für den Gemeindedienst ist

Chefredakteurin: Inga Reča

Anschrift der Redaktion: Mazā Pils iela 4 – Riga – LV 1050
E-Mail-Adresse: svetdienasrits@apollo.lv

Übersetzung: Johannes Baumann (abgeschlossen am 22.02.2011)
Brucknerstr. 24.- D-27711 Osterholz-Scharmbeck
Telefon: 04791-13356
E-Mail-Adresse: baumann-ohz@arcor.de

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Nachwort des Übersetzers
In dieser Ausgabe kommen die Mediziner aus zwei Anlässen mehr als üblich zu Wort. Der erste ist, dass zwei in Valmiera wirkende Gynäkologen öffentlich erklärt haben, dass sie aus Glaubens- und Gewissensgründen künftig keine Schwangerschaftsabbrüche mehr durchführen würden. Dass ist in einem Lande, in dem Schwangerschaftsabbrüche ohne eine besondere Genehmigung möglich sind, Stoff für viele Diskussionen liefert, die auch in den Medien weitergeführt werden und sogar im Europäischen Parlament in Straßbung Wirkung gezeigt haben, bedarf keines besonderen Kommentars. Der zweite Anlass für diesen medizinischen Schwerpunkt ist die Gründung eines Interkonfessionellen Verbandes christlicher Mediziner in Lettland, der natürlich durch die oben angedeuteten Diskussionen mit ausgelöst wurde.
Die Lutherakademie in Riga wird sich nun auf stärker beengte Raumverhältnisse nach dem Verkauf des Hauses am Domplatz, der nach dem Urteil vieler Sachkundiger und mancher Kritiker in der Lutherischen Kirche Lettlands sehr übereilt geschehen ist, einstellen müssen, was aus dem kurzen Beitrag über den Beginn des Frühjahrssemesters hervorgeht.
Es ist eine Weile her, seit Sie meine letzte Übersetzung in die Hand bekamen. Dafür ist diese Übersetzung umso umfangreicher geworden. J.B.

Verfasst von: liefland | März 1, 2011

Ausgabe Nr. 1 vom 2011

Christus spricht: „Komm und folge mir nach!“ Matthäus 19,21.

Auszüge aus Svētdienas Rīts, Zeitung der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, herausgegeben von ICHTYS GmbH, erscheint seit Januar 1920.
18. Sonntag nach Trinitatis Ausgabe Nr. ) vom 2009

Die Gertrud-Akademie beginnt mit ihrem Unterricht. Guna-Anna Sniedziņa
Die Alte St. Gertrudgemeinde startet in diesem Jahr mit einem neuen Projekt – mit der Gertrud-Akademie. Es wurde mit dem Ziel entwickelt, den Menschen bei ihrem Hineinwachsen in das Verständnis des Wortes Gottes, der Grundfragen des Christentums sowie anderer apologetischer Fragen der Ethik und des christlichen Glaubens, zu denen wir als Christen bei den Diskussionen mit der ungläubigen Welt Stellung beziehen müssen, zu helfen. Der Unterricht wird von Dozenten gehalten, die auf diesen Gebieten Experten sind. Neun Mal im Jahr werden wir uns einige Stunden damit beschäftigen, um uns in verschiedene Fragen des Christentums zu vertiefen.
In unseren Gemeinden haben wir immer mehr Menschen, die sich für andere Menschen verantwortlich fühlen. – in den Alphakreisen, in den Pfarrämtern, unter den Leitern von Hauskreisen und anderen. Wenn es dem Menschen nicht ermöglicht worden ist, diese Fragen intensiver zu bedenken, dann fühlt er sich bei seinem Dienst am Nächsten unsicher. Die Gertrud-Akademie möchte versuchen, für diese Situation eine Lösung zu finden. Und eine Möglichkeit für jeden von uns für die Fortsetzung seines Hineinwachsens in das Verständnis des Christentums.
Die Themen der Gertrud-Akademie haben im Jahr 2011 das gemeinsame Ziel, die Bibel besser kennen und verstehen zu lernen. Im ersten Halbjahr wird uns Pfarrer Mažis durch das Alte Testament führen, und in der zweiten Jahreshälfte will uns Indulis Paičs helfen, das Neue Testament besser zu überblicken. Der Unterricht der Gertrud-Akademie findet im Kellergeschoss der Alten St, Gertrudkirche (dem ehemaligen Gertrudheim) im Luthersaal an jedem dritten Samstag im Monat von 9 bis 13 Uhr statt.

Spalte der Chefredakteurin Inga Reča
Es bedarf eines kräftigen Durchatmens.
Zuerst einen herzlichen Dank allen für ihre guten Wünsche zum Christfest und zum Neuen Jahr! Auch ich wünsche Euch die Fülle der Gnade Gottes im Jahr 2011!
Dass wir die Gnade Gottes dringend immer wieder neu brauchen, das bekunden verschiedene Sendungen im Fernsehen über das Hochwasser in Deutschland und Australien, das manche Journalisten bereits als Sintflut bezeichnet haben, die Überfälle der Selbstmordterroristen im Mittleren Osten. Wie brauchen gar nicht in die weite Welt zu verreisen, um auf Naturkatastrophen zu stoßen. Auch in unserem Lande können wir Naturkatastrophen, heftigen Schneefall erleben, und vielen Lesern von SR auf dem Lande wird es durchaus vertraut sein, dass sie vom Stom lange Stunden im Stich gelassen werden
Weil wir wissen, dass uns kein übermäßig leichtes Jahr bevor steht, müssen wir kräftig Luft holen. Da gibt es unschädliche Stärkungsmittel, die uns Distanzen leichter überwinden lassen.
Nach meiner Ansicht sind uns Christen viele solcher Stärkungsmittel geschenkt worden: Gottes Wort und Sakrament, die Gemeinschaft die brüderliche und schwesterliche Liebe usw. Eine Anregung können dabei für uns auch die Lebensberichte von Menschen sein. Soweit ich es in meinem Leben als Journalistin beobachten konnte, ist es oft so, dass ein Mensch freundlicher wird, wenn ihn ein schweres Schicksal getroffen hat. Am Ende des vergangenen Jahres bin ich nach St. Petersburg verreist, um dort meine liebe Freundin, die Leiterin der dortigen lettischen lutherischen Kirchengemeinde Ina Kārkliņa-Gorina zu besuchen. Sie hat

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viele liebe Freunde in Lettland, die sie grüßen lässt. Wenn Gott es uns schenkt, dann werden wir uns mit Lesern von SR im Sommer dieses Jahres auf den Weg nach Petersburg machen
Ina ist ein Mensch, der sich seine Ideale lebenslang bewahrt hat. Ich wünsche mir, dass ihr ungewöhnlicher Lebensbericht in dieser Ausgabe und die Art, wie sie auf besondere Situationen des Lebens zugeht, auch Euch berühren möge.
Wir haben auch die Kreuzkirche in Riga besucht und dort den Hauswart Aivars Putniņš
getroffen, der in diesem Herbst mit der höchsten Auszeichnung der Kirche für Laien – dem Schild des Vertrauens – geehrt wurde. Wie er selbst sagte, hätte er den Riss in seiner Kirchengemeinde geschlossen. Ich hoffe, dass auch Euch Aivars Einstellung zu seine Kirchengemeinde und zu seiner Kirche inspiriert.
Nun ja, vielleicht sind wir jetzt noch nicht zu großartigen Heldentaten in der Lage.. Einen Marathonlauf kann man ohne Training nicht schaffen. Deshalb ist es besser, mit kurzen Entfernungen zu beginnen, indem man jemandem ein freundliches Wort sagt, die Mama anruft, sich die Sorgen anderer anhört und sich für Fehler, die man gemacht hat, bei anderen entschuldigt. Wenn bei Dir nach einer gewissen Zeit die geistlichen Muskeln gewachsen sind, dann kannst Du Dich noch wichtigeren Vorhaben zuwenden.
Möge das uns allen in diesem Jahr gelingen!

Das wertvollste himmlische Wesen ist die menschliche Seele. Inga Reča
Im Dezember, als Staatspräsident Valdis Zatlers seinen Staatsbesuch in Russland machte, bin ich nach St. Petersburg gereist. Um mich mit einem einmaligen Menschen zu treffen – mit der Gemeindeleiterin der lettischen Jesusgemeinde Ina Kārkliņa-Gorina. Einen solchen Lebenslauf wie den von Ina zu hören, das passiert einem nur selten. Ihr Großvater hat in dieser Kirchengemeinde um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert als Pfarrer gedient, und ihr Vater hat sich als „junger Romantiker“ nach Petersburg auf den Weg gemacht, um dort eine „Revolution zu veranstalten.“ Doch beide Männer erlitten im Jahr 1937 das gleiche Schicksal. Ina – mit Herz und Seele und auch Zeit ihres Lebens Künstlerin – wird nach der Deportation und ihrer Rehabilitierung eine Ingenieurin, die sowohl im Kino als auch im Kriegsinstitut, im Volksmund „russisches Pentagon“ genannt, arbeitet. Doch ihre Forschungsarbeit ist überaus revolutionär, so dass sie diese nicht weiterführen kann und dieses Arbeitsgebiet verlässt und zu einer Anwältin in sozialen Angelegenheiten wird. und dort für Recht und Gerechtigkeit kämpft. und sich für diejenigen einsetzt, die nicht in der Lage sind, für sich selbst Sorge zu tragen. Das liegt Ina im Blut. Viele Jahre war sie Präsidentin von „Stars von Petersburg – lebenden Legenden“ Zu ihrem Schulabschluss wurde sie mit der Silbermedaille ausgezeichnet (die goldene konnte sie nicht bekommen, weil sie Lettin war). Das Biographische Institut in den USA nahm sie in das Verzeichnis der 500 erfolgreichsten Frauen der Welt auf.
- Du bist eine Lettin, die in St. Petersburg geboren ist und dort ihr ganzes Leben verbracht hat. Wie fühlst du dich dabei als Lettin?
- Ich bin hier geboren, meine Mutter wurde hier geboren, mein Vater, mein Großvater und
meine Großmutter kamen hierher aus Lettland. Nach meiner Volkszugehörigkeit bin ich Lettin, denn meine Eltern waren Letten. Früher war in meinem Pass „latiška“ zu lesen. Zu Hause sprachen wir miteinander nur lettisch. Meine Großmutter kam aus Letgallen und dadurch bin ich auch ein wenig letgallisch geprägt.
Seit 1947 fuhren wir jährlich nach Lettland, denn mein Onkel, den ich nach dem Krieg in Bauska gefunden hatte. sagte „Von heute an lebt ihr und eure Familien in Lettland, denn ihr seid Letten.“ Im vorigen Sommer fuhr ich zum Schloss Rundāle zu dessen Direktor Imants Lancmanis und sagte ihm: „Sie wirken hier seit 40 Jahren und wir kennen das alles seit 1947.

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Mit meiner Cousine Elina bin ich barfuß durch das ganze Schloss gelaufen, und im großen Saal gab es ein Klavier, das meine Freundin Austra gespielt hatte. Damals war ich 12 Jahre
alt. Später, als meine Töchter Oļa und Ina bereits geboren waren, und auch danach fuhren wir regelmäßig nach Lettland, auch mit unseren ältesten Enkelkindern. Doch dass ich von lettischem Blut bin, habe ich eigentlich erst in diesem Sommer richtig empfunden, als ich an einem Morgen um fünf Uhr vor dem Hause meines Vetters Janka in der Tēriņu iela stand und gen Himmel schaute. Ich dachte, dass ich inzwischen dort in St. Petersburg Präsidentin, Anwältin der sozial Benachteiligten der Stadt, Gemeindeleiterin der lettischen Jesusgemeinde geworden bin und dass man mich in Amerika kennt, und dass ich eine Lettin bin! Das machte mich unsagbar stolz!“
- Aber das Leben deiner Eltern und Großeltern verlief doch im damaligen St. Petersburg und späteren Leningrad sehr tragisch…
- Ich bin Gott so dankbar, dass er bei uns auf Erden erschienen ist, denn auch mich hätte es sonst nicht mehr geben können. Als erster wurde mein kleiner Bruder Eduards geboren. Er wurde nur 9 Tage alt, nachdem er sich im Krankenhaus erkältet hatte.
Das waren sehr schlimme Jahre, denn man deportierte einen nach dem anderen Mein Vater Julijs Kārkliņš, der nach Petersburg auswanderte, als er 17 Jahre alt war, versuchte eine Revolution zu veranstalten. und war somit ein Romantiker. Doch weil er sehr intelligent war, hat er als Genetiker die Timirjanov Akademie absolviert und neue Rassen von Kühen und Pferden gezüchtet. Während seiner letzten Jahre hat mein Vater bei Iwan Pawlow gearbeitet, der viele Wissenschaftler vor dem Untergang bewahrt hatte, der aber meinen Vater davor nicht bewahren konnte. Ich wurde 1935 geboren. Als ich 2 ½ Jahre alt war, wurde als erster mein Großvater verhaftet. Als grau bekleidete Männer meinen Großvater, den Ingenieur und Pfarrer Edmunds Vinegers abführen wollten, versuchte mein Vater, sie mit diesen Worten davon abzuhalten. „Er ist unschuldig. Er ist ein heiliger Mann.“ Darauf sagten sie nur „Das wird sich erweisen.“ und führten meinen Großvater fort.
Nach einer Woche musste mein Vater seine Dissertation verteidigen. Er ging fort, um ein dickes deutsches Wörterbuch zu kaufen. Als er zurückkam, warteten zwei Männer bereits auf ihn. Mein Vater verabschiedete sich von meiner Mama und von allen anderen, und zuletzt von mir und sagte: „Das ist bestimmt ein Missverständnis.“. Später lief Mama zum bekannten großen Haus und stellte sich in die lange Schlange, um für Vater ein Päckchen abzugeben. Dort standen alle Angehörigen der Festgenommenen.. In den Bezirken Leningrad und Archangelsk wurden Ende der 30er Jahre 40.000 erschossen. Doch wir dachen, sie lebten noch alle… Jetzt ist ein Buch erschienen mit dem Titel „Märtyrer von Leningrad“ , in dem, die Namen aller genannt sind, die damals ermordet wurden. Großvater wurde am 8. Dezember 1937 erschossen, mein Vater wurde am 19. Dezember 1937 verurteilt und am 4. Januar 1938 erschossen. Aber uns sagte man während der ganzen Zeit, dass sie lebten und wir sie nach 10 Jahren wiedersehen würden, ihnen aber nicht schreiben dürften.
- Du wurdest zusammen mit deiner Mutter und Großmutter deportiert.
- Nach der Verhaftung meines Vaters wurden uns 24 Stunden zum Kofferpacken gewährt. Ich erinnere mich noch an den Weihnachtsbaum am Haus der Pioniere in Leningrad. Dort schenkte man mir eine kleine Kugel aus silbernem Glas. Ich nahm sie und lies sie nicht aus meiner Hand. Mit meiner Mutter wurde ich zum Bahnhof gebracht und in einen Zug gesetzt. Die Kugel blieb die ganze Zeit in meiner Hand… Meine Cousine Elina, die ein Jahr älter als ich war, weinte und schrie, als wir das Haus verließen. Sie und ihre Familie erlebten die deutsche Blockade, aber wir verbrachten den Krieg im Ural, von wo aus wir als „Volksfeinde“ deportiert wurden. Chruschtschow rehabilitierte alle und wir konnten nach Leningrad zurückkehren.

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- Gott hat dich mit reichen Gaben ausgestattet, aber du hast dich für einen technischen Beruf entschieden. Was würdest du werden wollen, wenn du dich noch einmal entscheiden könntest ?
- Soll ich das wirklich sagen?
- Ja, bitte.
- Von Anfang an wollte ich eine Künstlerin werden. Aber was sagte meine Familie dazu? Du kannst gerne eine Künstlerin werden oder nicht, aber davor solltest du ein vernünftiges Studium absolvieren Als ich meinen Schulabschluss machte, wurde mir eine Medaille
verliehen, keine goldene, sondern eine silberne. Die Schuldirektorin rief meine Mama nach vorne: Das Zeugnis Ihrer Tochter besteht nur aus den Noten „Sehr gut“, aber eigentlich dürfen wir sie mit keiner Medaille auszeichnen.
- Weshalb das?
- Weil ich eine Lettin bin und mein Vater als Volksfeind erschossen wurde. Obwohl es mir vorher nicht gesagt worden ist, dass er erschossen wurde, wusste ich es… Ich lief zu drei prestigeträchtigen Hochschulen, wo man nur den Namen und Vornamen meines Vaters auf meinem Fragebogen zu lesen brauchte, um sofort die ablehnende Antwort zu wissen, obwohl sonst alle Medaillenträger aufgenommen wurden. Am nächsten Tag vernimmt meine Tante Metiņa auf ihrem Weg zur Arbeit, dass man einen Kinoingenieur mit einer Autobiographie suchte. Ich wurde angestellt und begann wie eine Bestschülerin zu lernen. Man wollte mir sogar das Stalin-Stipendium verleihen, aber als Lettin konnte ich es nicht bekommen.
- Dabei ist es höchst interessant, dass du drei Jahre lang als Tonregisseurin in einem Filmstudio in Riga gearbeitet hast.
- Als ich meine Ausbildung beendet hatte, waren hier einige Menschen aus einem Filmstudio in Riga, zu Gast, und da ich die lettische Sprache beherrschte, nahmen sie mich sofort mit.
Das war schicksalhaft, dass ich damals nach Riga mitfuhr, denn dort bin ich meinem Pēteris begegnet. Da es inzwischen üblich geworden ist, dass alle ihre Liebesgeschichten verbreiten, möchte ich nicht erzählen, welche Liebesgeschichten ich davor hatte, denn wir sind in einer völlig anderen Familie aufgewachsen, welche die eigene Kultur zu achten, und diese rein und in Ehren halten möchte. Als ich aus Leningrad anreiste, haben alle darauf auch Rücksicht genommen.. Ich wohnte bei meiner Tante in der Artilerijas iela. Dort hatten wir nur ein kleines Zimmer, in dem meine Tante das Bett benutzte und ich auf dem Sofa schlief. Über uns gab es ein genau so kleines Zimmer. Als ich einmal erkrankt war, hörte ich, dass dort jemand Holz hackte. Wie haben unser Holz auf dem Hof gehackt. Ich fragte meine Tante, wer da wohl in seinem Zimmer Holz hackte. Sie sagte, dass sei ein Künstler mit dem Namen Pēteris Er wäre in unserem russischen Theater in Riga angestellt. „Hast du ihn noch nie gesehen? Nun, das ist schon so ein Schöner.“ Nach einigen Jahren hatte es sich erwiesen, dass er mich damals bereits einige Male auf der Treppe gesehen hätte. Aber damals hatten sich unsere Wege noch nicht gekreuzt, denn ich ging nicht in das russische Theater. Ich ging zum Dailes Theater und in andere lettische Schauspielhäuser, und dort hatte ich viele Freunde. Die sagten mir, dass es in dem russischen Theater den sehr guten Schauspieler Pēteris Gorins gäbe, doch dort ging ich überhaupt nicht hin.
Meine große Liebe galt damals einem anderen Schauspieler, aber da dieser verheiratet war, begriff ich, dass er für mich nicht in Frage käme. Dieser Liebeskummer ging mir sehr zu Herzen.. In Leningrad bekam ich Besuch von meiner Großmutter, mit der ich viel darüber sprach, und die mir versicherte, dass ich eines Tages ganz bestimmt den Mann treffen würde, der für mich bestimmt wäre.
Pēteris habe ich noch zwei Mal getroffen, aber nach dem dritten Mal blieben wir zusammen. Wir hatten keine Gelegenheit, andere Hochzeiten mitzufeiern. So haben wir miteinander korrespondiert und saßen ab und zu in einem Café. Eines Tages bekam er einen Ruf nach
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Moskau. Nach einem Jahr zogen wir zu mir nach Leningrad, wo Pēteris an einem der großen Theater eine Anstellung erhielt. Inzwischen war er berühmt und spielte dort vor allem die Hauptrollen. Er wirkte auch bei Filmen mit. Im Laufe von 10 Jahren hat er bei 600 Vorstellungen mitgewirkt, von denen ich 300 besucht habe. Wir haben zwei Töchter Olga und Ika. Aus Olga ist inzwischen eine Journalistin geworden. Während ihrer Ausbildung hatte sie sehr gut gelernt und ist sehr musikalisch. Ika ist schön und sehr energisch und jetzt als Psychologin tätig. Doch davor hat sie einige Umwege gemacht: Sie absolvierte die Kunstakademie, studierte im landwirtschaftlichen Institut, arbeitete als Schwester bei Patienten im Trauma und hat eigentlich alles ausprobiert. Sie hat drei Kinder und Olga hat zwei. Alle sind hoch musikalisch und haben bereits an internationalen Wettbewerben teilgenommen.
- Wie bist du als Mensch vom Film zu deiner Stelle am Kriegsinstitut gekommen?
- Als ich aus Riga und danach aus Moskau wieder nach St. Petersburg zurückkehrte, dachte ich daran, eine Künstlerin zu werden. Ich wollte zu Lenfilm gehen. Aber mein Pēteris war darauf sehr eifersüchtig.. Er lief sofort zu seinem Freund im Filmstudio und sagte: „Morgen kommt meine Frau hierher. Bitte sage ihr, dass ihr für sie keine Arbeit habt.“ So war es dann auch, Als ich kam, sagte man mir: „Bitte entschuldigen Sie, leider haben wir zur Zeit keine Arbeit für Sie“ Früher wäre das gar nicht möglich gewesen, dass jemand keine Arbeit bekommen konnte. Weil ich jetzt rehabilitiert war, ging ich zum Kriegsinstitut, das man in Amerika einst das „russische Pentagon“ nannte. In einem Jahr schaffte ich die Ausbildung in einem anderen Institut, dem Institut für Flugzeugbau in der Abteilung für Funkangelegenheiten.in Leningrad.

- Wie ist es möglich, dass sich eine Frau für solche Funkangelegenheiten interessiert?
Das ist eine interessante Frage. Danach habe ich am Kulturinstitut in Leningrad Informatik studiert. Damals dachte man bei der Informatikausbildung nur an die Bibliothekare. Ich bestand alle erforderlichen Examina und innerhalb von drei Monaten hatte ich meine Doktorarbeit geschrieben. Ich habe sie aber in Moskau verteidigt, da das in meinem Institut nicht möglich war.. Wenn man jemanden loswerden wollte, musste man einen Grund für eine Verwarnung haben. Man wollte mich mit einer Arbeit beschäftigen, bei der es sich um Sendungen handelte, für die man sehr viel Energie benötigte. Ich weigerte mich, und sofort war ich entlassen. So war ich am Morgen arbeitslos und am Abend war ich bereits im Berginstitut angestellt. Als man meine Arbeit in Moskau gelesen hatte, sagte man, dass dort in St. Petersburg eine großartige Kraft sei mit der Fähigkeit, die Spreu vom Weizen, und damit das Gute vom Schlechten zu unterscheíden. Dort gab es ein sehr wirksames System für Expertisen. Sie sagten, dass man sich mit dieser meiner Doktorarbeit keine Lorbeeren verdienen könnte, sondern eher das Gegenteil. Sie sagten, dass es dabei um eine Arbeit mit dem Effekt einer Atombombe ginge, und dass man sich mit ihr keine Freunde, sondern ganz bestimmt Gegner schaffte. Denn wenn man sich meiner Methodik bedienen würde, dann könnte man zum Beispiel alle Institute optimieren. So würden dort, wo 2000 angestellt waren, nur noch 500 übrig bleiben. Als ich zum Beispiel im Berginstitut arbeitete, erstellte ich eine Analyse. Als Ergebnis blieben von 150 Bergwerken nur noch 50 übrig. Aber auch diese Arbeit wusste man nicht zu würdigen. Aber ein Mensch hat meine Arbeit durchgelesen, der bei der Staatsanwaltschaft angestellt war. Das war Dimitrij Kozak, ein sehr kluger Mann, der heute bei der russischen Regierung angestellt ist.. Er regte die Staatsanwaltschaft in Leningrad an, bei sich selbst die Ergebnisse meiner Arbeit anzuwenden. So schrumpfte der bürokratische Apparat von 200 Menschen nach der Lektüre meiner Arbeit auf 50 zusammen. Doch plötzlich wurde auch er aus seiner Stelle entlassen. Dadurch fürchteten alle dieses System,

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dessen Grundvoraussetzung die Durchsichtigkeit ist. Auch bei den Finanzen wollte man alles am liebsten geheim halten.
- Du hast doch auch mit dem damals als progressiv geltenden Bürgermeister von Leningrad Sobčak gut zusammengearbeitet.
- Ich bin Sobčak drei Mal begegnet. Bei dem ersten Mal hatte er den Beschluss über die Gründung der Stiftung „Soziale Psychatrie und Rehabilitation“ unterzeichnet, deren Vertreterin ich war. Der Zweck dieser Stiftung war, alle psychisch Kranken aus den psychiatrischen Kliniken heraus zu bekommen, die man damals „Anstalten für Anders Denkende“ nannte. Dort waren viele Menschen eingesperrt nur deswegen, weil sie Solženicin gelesen hatten.. Damals wurden dort alle anders Denkenden mit der Diagnose latente Schizophrenie eingeliefert. Diese Diagnose öffnet viele Möglichkeiten, einem Menschen etwas anzuhängen. Man könnte fast von jedem Menschen sagen, dass er latent schizophren sei.. Die Psychiater in Leningrad haben nie jemandem diese Diagnose gestellt, aber das ZK in Moskau sagte: Macht ihn zu einen Psycho und so wurde er dort zum Psycho gemacht. Uns ist es gelungen, den Kasachen Oman, einen akademisch gebildeten Journalisten, von diesem Ruf zu befreien, der wegen dieser Diagnose 19 Jahre lang gezwungen war, Straßen zu kehren.
Ich ging zum Gericht, fuhr nach Kasachstan. Er war wohl der einzige Mensch in der Sowjet-
union, bei dem uns solche Bemühungen gelungen sind. Danach wurde uns dieses Klappfenster zugemacht.
Als ich sah, wie schwer das alles ist, beschloss ich, Anwältin dieser Menschen zu werden. Und nun bin ich seit über 30 Jahren damit beschäftigt, Menschen zu verteidigen. Ich bin Sozialanwältin. Zusammen mit Sobčak ist es mir gelungen 200 Kriegsversehrten Wohnungen zu beschaffen. Das dritte Mal bin ich ihm an seinem eigenen Grabe begegnet.

- Erzähl mir doch etwas über dein Buch „Petersburger Stars – lebende Legenden.“
- Manches Mal lachen wir und sagen: „eigentlich müssten wir ein Buch schreiben über uns als lebenden Legenden, als Petersburger Knappen, da unser Club den Namen Knappen trägt. Ich habe diesen Club vor etwa 25 Jahren gegründet, und jetzt gehören zu ihm Menschen, die 80 bis 100 Jahre alt sind: ehemalige Akademiker, Wissenschaftler, Künstler, Lehrer, die jetzt allein geblieben sind und um die sich niemand kümmert. Anfangs waren wir 50, doch mit jedem Jahr werden wir immer weniger. Doch wir tun alles, um jedem zu helfen, der unsere Hilfe braucht. Ich habe mich immer vor Geld gefürchtet. Deshalb haben wir kein Konto auf den Bank, damit niemand sagen kann, wir hätten es verschwendet. Wenn jemand Geld für seine Behandlung braucht oder für einen anderen Zweck, dann geben wir anderen seine Anschrift und sagen: Gebt ihm das Geld selbst. Wenn man jemandem aus irgendeinem Anlass gratulieren soll, dann muss mir meine ganze Familie dabei helfen – meine Töchter, meine Schwiegersöhne, und nun auch schon meine Enkelkinder. Sie alle arbeiten mit und jeder trägt mit seinem eigenen Opfer das Seine für diese Hilfe bei, denn sie wissen, was wir tun und denken dabei an meinen Vater und Großvater.
Wenn wir schon jetzt davon sprechen, was ich alles habe tun können und was mir alles gelungen ist, dann dürfen wir nicht vergessen, dass ich das allein nie geschafft hätte, sondern nur ein Werkzeug in Gottes Hand gewesen bin.

- Wendest du dich eigentlich immer, ohne zu zögern, an die obersten Behörden in Russland, wenn du merkst, dass dir etwas nicht gelingen möchte?
- Ja, ich schicke an Medwedjew und Putin in Moskau Telegramme. Ich habe ihnen viel über meine lebenden Legenden geschrieben. Als ich erfuhr, dass Geschäftsleute eine Schule kaufen wollten, die Zur Zeit von Peter I einem Minister seiner Regierung gehörte, die sie aber jetzt zu einer Bank machen wollten, verfasste ich über Nacht einen Text, rief am Morgen die Zentrale
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an und sagte: „Ich bitte ein Telegramm anzunehmen nach Moskau in den Kreml an Medwedjew und Putin.“ Später hat mir mein Schwiegersohn diese Telegramme bezahlt.
Keiner hat das je abgelehnt, wenn ich ihn darum gebeten habe. Sogar nach einer grundlegenden Renovierung der Schule wurde ich zu deren Wiedereinweihung eingeladen. In meiner Ansprache sagte ich: „Lernt weiter und lebt friedlich miteinander, denn für uns sorgt der Präsident Russlands persönlich..“

- Wann ist eigentlich die Idee entstanden die lettische lutherische St. Petrigemeinde wieder entstehen zu lassen?
- Meine Tante und meine Mama sind regelmäßig zur Kirche gegangen. Zur Sowjetzeit gingen sie zur Katharinenkirche, in der sich die Russlanddeutschen versammelten. Dort wurde auch meine Ika getraut. Pfarrer Josef Baronas wollte weiter alle lutherischen Lutheraner in der ehemaligen Sowjetunion vereinigen, doch dann fuhr er nach Rom, um dort an einer Akademie zu studieren. Ich sagte ihm: „studiere du dort ruhig. Fünf Jahre lang werde ich die Letten mit den Deutschen zusammenhalten.“ Doch später begriffen wir, dass wir eine eigene Gemeinde sein wollten. Wir schrieben an Erzbischof Rozītis und er hat uns als Gemeinde der lettischen lutherischen Kirche im Ausland aufgenommen.

.- Kannst du dich daran erinnern, wie die Jesuskirche in St. Petersburg ausgesehen hat, in der dein Großvater Pfarrer war, und die man nach dem Zweiten Weltkrieg gesprengt hatte?
- Daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich kann mich nur an den Ort und die betreffende Station der Metro erinnern, Das ist der Ort für unsere Kirche, und dort darf niemand etwas bauen. Die lettische Jesusgemeinde in St Petersburg wurde 1851 gegründet. Das bedeutet, dass sie im Jahr 2011 160 Jahre alt wird.

- Neben allen deinen anderen Gaben hast du kürzlich auch deine malerischen Gaben entdeckt. Wie ist das geschehen?
- Seit meiner Kindheit habe ich immer ein wenig gezeichnet. Doch eines Tages dachte ich darüber nach, dass ich so viele Menschen kenne – 50 – die alle eine interessante Vergangenheit haben. Sie waren Architekten, Musiker, Schriftsteller, Lehrer, Akademiker. Wie könnte ich sie alle richtig kennen lernen? Ich hatte damals Fußschmerzen und musste am Fuß operiert werden, und dann saß ich mit dem verbundenen Fuß da , und dabei habe ich 28 Aquarelle gemalt.. Die standen da in der Bibliothek wie bei einer Ausstellung. Meine Töchter deckten einen schönen Tisch , wir luden alle unsere Freunde ein, und es kamen der lettische Generalkonsul Juris Audariņš, Konsul Juris Balodis, viele andere Freunde und Stars, um meine Ausstellung zu betrachten. Und dort aßen und tranken wir, unterhielten uns über das Leben und lernten so einander kennen.

- Deine Tochter Olga sagte, dass sie dich sehr verehrt, weil du während deines ganzen Lebens den Idealismus nicht verloren hättest, der dir in die Wiege gelegt ist. Fällt dir das Leben nicht schwer, wenn du begreifst, dass du so völlig anders bist als andere Menschen?
- Weißt du, was meine jüngere Tochter gesagt hat? Du lebst gar nicht für dich selbst, mach doch ein wenig Halt! Doch wie soll ich Halt machen? Jeder Mensch blickt in die Welt durch sein eigenes Fenster. Fenster sind wie Augen. Ich erblicke die Welt auch durch ein solches Fenster. Oben sehe ich eine Kuppel und unten ein Weizenfeld, dessen Halme sich nach oben strecken. Einmal habe ich es mir aufgeschrieben, dass ich Gott dafür danke, dass ich die Welt gerade so sehe .und nicht anders sehen möchte.
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Diese Zeit wird vom Geld regiert. Aber mein ganzes Leben lang habe ich mich vor Geld gefürchtet. Ich hatte keins, und dennoch konnten wir leben. Wie es die Bibel von den Vögeln
sagt. Sie säen nicht, sie ernten nicht, aber irgendwie leben sie weiter. Als wir deportiert wurden, lebten wir in einem 4 Quadratmeter großen fensterlosen Zimmer. Später bekamen wir ein Zimmer mit einem Fenster. Aber wir waren glücklich. – man kann vielleicht auch
auch dann glücklich sein, wenn man von sich sagen kann, dass man lebt.
Was ist das Wichtigste? Du kannst während deines Lebens noch so reich gewesen sein. Eines Tages kommt der Augenblick, in dem du alles hinwerfen musst. Auch wenn dich Gott nach oben zieht, stehst du doch vor ihm nackt da. und musst die Frage bantworten, was du auf Erden getan hast. Auf meiner Visitenkarte steht, dass ich eine Expertin für Lenksysteme sei. Aber ich sage, dass die menschliche Seele das wertvollste himmlische Wesen ist. Jedes Auto hat Megabites. Wie sehen die Megabites eines Menschen aus? Wie steht es um deine Fähigkeiten, und wovon hängen sie ab? Weshalb hat der eine solch eine Seele, und der andere eine andere? Ist derjenige, der gerade die Straße erreicht hat, mit einer vollkommenen Seele ausgestattet und hat sie ruiniert? Ich bin vielseitig gebildet, habe gute Schulen absolviert, nur hat mir niemand diese Fragen beantworten können. Deshalb denke ich am frühen Morgen oft über dieses so komplizierte und wertvolle Wesen nach – die menschliche Seele.

Jemand, der Risse schließt. Gunita Āre
Aivars Putniņš empfing Anfang Oktober im Gottesdienst zum 100. Geburtstag der Kreuzkirche in Riga das Schild des Vertrauens für seinen treuen Dienst bei dem Aufbau und der Wiederherstellung der Kreuzkirche und der Kreuzkirchengemeinde in Riga Er ist am 31. Oktober, am Reformationstag geboren.
„Er hat alles, was ihm die Welt nur bieten konnte, verlassen, und mit seiner ganzen Familie sein ganzes Leben in den Dienst der Kreuzkirche und der Kreuzkirchengemeinde gestellt.“ Dieses Zeugnis stellt ihm der Pfarrer der Kreuzkirchengemeinde Ivars Jekabsons aus.
Aivars erhielt, als er sich dieser Kirchengemeinde anschloss, den Ruf Gottes durch das Wort aus dem Propheten Jesaja „Und es soll durch dich wieder aufgebaut werden, was lange wüst gelegen hat, und du wist wieder aufrichten, was vorzeiten gegründet ward; und du sollst heißen: Der die Lücken zumauert und die Wege ausbessert, dass man da wohnen könne.“ (Jesaja 58,12) Diesem Ruf aus dem Wort Gottes ist Aivars Putniņš während aller dieser Jahre treu geblieben
Dieser Kirchengemeinde gehört er seit 14 Jahren an. Er war Gemeindeleiter, und jetzt ist er der Haushalter der Kirchengemeinde. Er ist mit seiner Ehefrau Ilze verheiratet. In dieser Familie sind zwei Kinder aufgewachsen.

Dieses ist eins jener Gespräche, dem man wünschen möchte, dass es so nicht zustande kommen sollte. Verspätung, Missverständnisse… Dennoch sind wir beide bei der Sache geblieben und haben miteinander eifrig Kontakt gehalten, und siehe da, eines Tages sitzen wir mit dem Haushalter der Kreuzkirchengemeinde in deren schönem Gotteshaus einander gegenüber. Mein Gesprächspartner ist einer der wenigen Menschen, denen die ELKL die höchste Auszeichnung für einen Laien verliehen hat.
- Wie sind Sie gerade in diese Kirchengemeinde gekommen?
- Daran ist eigentlich meine Frau schuld, denn sie suchte eine Kirchengemeinde. Damals hatte ich keine Beziehungen mit der Kirche. Ich habe vielmehr das Lebendige gesucht, was in uns allen steckt. Dieses Suchen war schwer. Da war mein Selbstbewusstsein , mein Stolz, mein eigener Wille. Ich ließ mich von meinem EGO leiten und habe dabei vieles versucht, aber doch schließlich begriffen, dass alle Versuche in einer Sackgasse endeten. Das war der Augenblick, als ich danach zu suchen begann, woher ich komme und wer ich bin. Leider
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geschah das erst sehr spät, obwohl, wenn ich jetzt mit meinem geistigen Auge zurückbliche, mich Gott schon früher angesprochen hat, ich aber darauf nicht reagiert habe.
- Wie fühlen Sie sich heute in dieser Kirchengemeinde und in diesem Gotteshaus?
- Einfach wundervoll. Ich bin ja so dankbar, dass ich dieser Familie angehöre, die Gott sich hier gebaut hat. Hier hat Gott mich angeredet, als ich zum ersten Mal hergekommen war, um Gottes Wort anzuhören. In der Mitte der Predigt sagte ich zu meiner Frau: Hier habe ich meinen Platz!
- Sie sind einer der zur Zeit sehr Wenigen, die für ihren langjährigen und treuen Dienst mit der höchsten Auszeichnung für Laien, dem Schild des Vertrauens, geehrt worden sind. Was haben Sie empfunden, als Sie diese Auszeichnung empfingen?
- .Das war für mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel, denn davor habe ich nicht einmal etwas von der Existenz einer solchen Auszeichnung gewusst.! Es steht doch geschrieben, dass man keine Ehre von Menschen annehmen und nur dem Herrn die Ehre geben soll, die Ihm allein gebührt. Deshalb habe ich über Auszeichnungen auch nicht sehr viel nachgedacht. Diese Auszeichnung wurde mir im Festgottesdienst zum 100. Geburtstag der Kreuzkiche in Riga durch Erzbischof Jānis Vanags überreicht. Als ich nach vorne gerufen wurde, habe ich das noch gar nicht begriffen, was mit mir geschehen sollte. Doch als ich die Worte des Erzbischofs hörte, bat ich den Herrn in der Stielle: „Bitte nicht ich! Bitte nur nicht ich!“ Ich war sehr verwirrt. Schließlich nahm ich diese Auaszeichnung im Namen der ganzen Kirchengemeinde entgegen. Dieses Schild des Vertrauens gilt doch allen, mit denen ich während aller dieser Jahre beisammen war, sowohl körperlich, als auch geistlich. Auch Christen müssen in ihrem Leben auf dieser Welt , in der wir leben, Schweres durchstehen. Hier haben wir nicht das Paradies, denn der Herr hat uns einen neuen Himmel und eine neue Erde verheißen. Und auf die sollen wir uns vorbereiten.. Hier auf Erden kann es keine größere Auszeichnung geben als die Gnade Gottes. Wenn uns die Liebe und Gnade des Herrn umfängt, dann ist das die höchste Auszeichnung, die wir hier auf Erden erhalten können. Aberf vielen herzlichen Dank für diese Bewertung meines Dienstes, ich bin dafür sehr froh und dankbar.
- Wieviel Zeit schenken Sie als Haushalter Ihrer Kirche?
- Es gibt Gelegenheiten, bei denen ich der Kirche alle 24 Stunden eines Tages widme. Ich bin nicht immer hier zur Stelle, aber mit meiner Kirche und meiner Kirchengemeinde stehe ich
immer in Verbindung. Dabei geht es oft um technische Fragen, die gelöst werden müssen. Wenn es zum Beispiel keinen gibt, der ein altes Mütterchen aus der Kirchengemeinde zum Arzrt bringen kann, dann tue ich es. Dabei macht es für mich keinen Unterschied, ob ich eine Birne in eine Lampe einschraube oder einen Pinsel in die Hand nehme. Wenn ich die Räume hier betrete, dann höre ich im Geist die Worte: „Man hält dich für jemanden, der Risse schließt.“ Ein solcher habe ich eigentlich immer sein wollen. Ich war kein Küster, habe aber dessen Amt sehr oft ausgeübt, ich war kein Pförtner, bin aber oft als Pförtner tätig gewesen, ich war kein Lektor, habe aber immer, wenn es erforderlich war, im Gottesdienst aus Gottes Wort vorgelesen, Das war während aller dieser 14 Jahren immer so. Die einstmals kleine Familie ist zu einer großen Familie herangewachsen. Solange die Gemeinde aus unter 100 Leuten bestand, versuchten wir, irgendwie zurecht zu kommen. Meine Frau war dabei auch Putzfrau, Bibliothekarin und passte auf kleine Kinder auf. Doch als es überf 100 Menschen wurden, ging das alles über die Kräfte und wir fingen an, Gott um Hilfe zu bitten. Gott hat uns erhört. Jetzt haben wir Küster, Sonntagsschullehrerinnen und Bibliothekare. Das hat uns dafür frei gemacht, mit etwas anderem zu beginnen. So hat meine Frau eine Ausbildung als Floristin beendet und sorgt nun für den Blumenschmuck in der Kirche. Wir leben von dem, was Gott uns schenkt. Und wir beten darum, dass Gott allen, die es haben, das Herz öffnen möchte. Und so können wir das, was uns aus diesen geöffneten Herzen zufließt, benutzen,
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um unsere Kirche zu renovieren. Natürlich gibt es auch Verzögerungen, aber die haben uns nie dazu gebracht, dass wir einen Gottesdienst ausfallen lassen mussten. Gott sei Dank für
dieses Verständnis seitens unserer Kirchengemeinde sowie seitens unseres Pfarrers. Alle haben es begriffen, dass das Gotteshaus renoviert werden sollte, und dass die Gottesdienste dennoch stattfinden müssten.
– Welche dieser vielen Arbeiten liegt Ihrem Herzen am nächsten?
- Da mache ich keine Unterschiede. Mir macht es am meisten Freude, dass Gott mich gebrauchen kann. Das kann er auf verschiedene Weise tun. Wenn ich zum Beispiel irgendwann in meinem Herzen Unruhe empfinde, gehe ich, weil ich in der Nähe der Kirche wohne, zur Kirche. Neben der Kirche sehe ich jemanden stehen. Ihn hungert nach einem Gespräch mit Gott, und ich kann ihm helfen. Mehrere Menschen, denen ich so oder auf eine andere Weise begegnet bin, sind jetzt Glieder unserer Gemeinde. Ich danke Gott für die heilsame Unruhe, durch die er mich aufweckt und mich auf den Weg schickt. In solchen Augenblicken begreife ich, dass Gott mich gebrauchen möchte. Es gab eine Zeit, wo wir unser Kirchengebäude mit einer Baptistengemeinde teilten. Diese ließen die Kirche Tag und Nacht bewachen, denn sie befürchteten Einbrüche. So bewachten wir damals gemeinsam die Kirche. Und da wir damals noch keine Telefonseelsorge hatten, riefen viele Menschen in der Kirche an, da sie wussten, dass sie dort jemanden Tag und Nacht erreichen konnten. Es gab Gespräche, die mehrere Stunden dauerten, mit Menschen, die selbstmordgefährdet waren. Ich glaube fest daran, dass sich nach diesen Gesprächen niemand etwas angetan hat und sie alle lebendig blieben. Ob und wie sie sich danach auf Gott berufen haben, das ist eine andere Frage. Ich glaube aber, dass Gott ihnen durch unser Gespräch nahe gewesen ist.
- Hat es während dieser 14 Jahre nicht auch Augenblicke der Versuchung gegeben, alles wegzuwerfen?
- Ich möchte es ganz offen sagen, dass es sie gegeben hat. Einmal war es so, dass ich mich auf eine Bank neben der Kirche gesetzt und gesagt hatte: „Du siehst es, himmlischer Vater, dass ich mir vielleicht zu viel vorgenommen habe Ich kann nicht mehr!“ Doch als ich danach das Vaterunser gesprochen hatte, wurde mein Herz durch irgend etwas erfüllt, dass ich aufstehen und weitergehen konnte. Einen echten Augenblick des Zusammenbrechens hatte ich vor zehn Jahren, als mir die Pflichten und Arbeiten in der Gemeinde zu viel wurden. Da begriff ich, dass ich unbedingt Helfer brauchte, und dass ich nicht mehr alle Risse schließen könnte. Wir schlossen uns im Gebet zusammen und allmählich fanden sich Helfer ein, so dass sich die Risse wieder schließen konnten.
- Sind jetzt alle Risse geschlossen?
- Ja, mehr oder weniger, doch immer wieder möchte man noch mehr Menschen erreichen und alles besser machen. Zur Zeit macht es uns sehr froh, dass es uns gelungen ist, die Jugend in der Gemeinde zu sammeln. Jetzt haben wir die Evangelistin Agnes Kapče und den Küster Jānis Kārkliņš. Durch deren Einsatz hat die Jugend auch ihren Platz in der Gemeinde gefunden. Dort kommt sie zusammen, betet und spricht miteinander. Das waren lange Jahre unsere Schmerzenskinder, mit denen uns nichts so recht gelingen wollte. Doch endlich ist es gelungen, auch diesen Riss in unserer Gemeinde zu schließen. Doch darum haben wir viele Jahre gebetet. Das Kriterium für alles sind doch die Früchte. Steht es nicht geschrieben: An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.! Die Früchte kann ich nicht beurteilen, doch ich sehe, dass viel getan worden ist, aber ich möchte gerne noch mehr erreichen. So wäre es schön, wenn wir mit Jugendgottesdiensten beginnen könnten.
- Was möchten Sie selbst hier noch gerne erleben?
- Bei uns sind zwei Kinder herangewachsen, die beide bereits konfirmiert sind. Meine größte Freude wäre es, wenn sie durch diese Gemeinde in ihrem weiteren Leben nicht von der Gnade des Herrn abweichen würden, die ihnen schon jetzt geschenkt ist. Im weiteren Sinne wünschte
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ich es mir, dass unser ganzes Volk sich so weit wie möglich zur Familie Gottes zugehörig empfinden möchte. Nicht nur die Letten, sondern auch Menschen anderer Volkszugehörigkeit, die in diesem Lande leben. Sie alle sind herzlich eingeladen, zu kommen und sich an der Liebe Gottes aufzuwärmen. Möge dieses Feuer der Liebe nie verlöschen, sondern mit dem Beistand des Heiligen Geistes durch die Brüder und Schwestern weiterlodern und wärmen. In unserem Leben haben wir die Vollkommenheit erst erreicht, wenn wir sagen können: Ja, Herr, ich bin bereit, aus diesem Leben zu scheiden. In meinem Leben gab es vor zwei Jahren einen schweren Augenblick, als ich sehr krank war. Damals hatte ich begriffen, dass ich noch nicht bereit war, zum himmlischen Vater zu gehen und dass ich noch vieles bei mir in Ordnung bringen und bereinigen müsste. Wir alle auf dieser Erde sind sündige Menschen in Gedanken, Worten und Werken. Gott gebe es, dass wir eines Tages auch die Worte Christi sprechen können: Es ist vollbracht! Das ist auch mein Wunsch, dass ich am Ende meines Lebens sagen könnte: Es ist vollbracht!

5 Thesen zur wach machenden Wahrheit
Gedanken eines Pfarrers am Vorabend zum 20. Jahrestag des Gedächtnisses an die Barrikaden im Jahr 1991. Guntis Kalme , Pfarrer der Auferstehungsgemeinde in Riga
Am Tag der Barrikaden ist es Tradition geworden, einander die Frage zu stellen: „Wenn sich heute ähnliches wiederholen würde, würden Sie dann auch wieder auf die Barrikaden gehen?“
Wer diese Frage mit „Ja“ beantwortet, der wird für einen Patrioten gehalten. Wer „nein“ sagt, den hält man für einen Skeptiker und Pessimisten. Wahrscheinlich sollte man die Frage anders stellen: „Was ist von den Werten übrig geblieben, für die wir sogar bereit waren, unser Leben einzusetzen? Was sind das für Werte? Gibt es sie heute immer noch? Was können wir tun?“
Wir wollten, die Identität des Volkes der Mehrheit, der Letten, erhalten und bewahren Wir wollten nicht zu einer unwichtigen Provinz Europas oder zum „demographischen Material“ (so nennt man heute in der Geopolitik die Einwohner) auf dem Bahnhofsplatz einer von der Emigration betroffenen Durchgangsstation werden. Wir wurden und werden auch weiterhin demographisch geschädigt. In der Folge des Zweiten Weltkrieges haben wir viele Gefallene und Flüchtlinge verloren. Viele gingen durch die Deportationen der Jahre 1941 und 1949 zu Grunde. Während der Sowjetjahre wanderten bei uns 920000 sowjetische Migranten ein, von denen 800000 für immer hier blieben. Die Erneuerung der Unabhängigkeit des Staates Lettland hätte offensichtlich der Augenblick sein müssen, um die Werte der westlichen Demokratien in unserem Leben Wirklichkeit werden zu lassen. Das bedeutet nicht nur den Abzug der militärischen, sondern auch der zivilen Besatzer.. Statt dessen wurde Lettland, damit das internationale Recht seinen Triumph feiern könnte, die Integration der zivilen Besatzer aufgenötigt.
Die Migration der Wirtschaft hat inzwischen die Ausmaße der durch den Krieg hervorgerufene Menge der Flüchtlinge erreicht. Als für die Zukunft unvermeidlich und verpflichtend wird uns verkündet, dass es normal und richtig sei, dass statt der Flüchtlinge jetzt die vielen Migranten anreisen, die wir aufnehmen und ihre Integration finanzieren müssten., für ihre soziale Sicherheit aufkommen usw…
Wir wollten für unseren Staat unsere Sprache zur Sprache unseres Staates erklären. Doch das Gesetz, welches das bestimmt gibt es nur „auf dem Papier.“ Es funktioniert nicht einmal bei den staatlichen Behörden. Dort können ohne Probleme Menschen angestellt werden, die unsere Sprache nicht beherrschen, und diejenigen, die eine Bescheinigung vorlegen, dass sie diese Sprache nicht sprechen wollten (und es gibt viele, die das grundsätzlich nicht wollen), dort angestellt werden können. Aber die russische Sprache muss man beherrschen und oft wird man dazu gezwungen (selbst bei Begegnungen mit Menschen einer Altersgruppe, die
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ihren Schulabschluss erst nach dem Wiederentstehen des lettischen Staates gemacht haben und während ihres Schulbesuches pflichtgemäß die lettische Sprache erlern haben. Aber wenn sie diese Sprache nicht sprechen möchten, dann ist das ihr Recht) Die einzigr „Errungenschaft“, deren wir uns erfreuen können, ist, dass neben der russischen Sprache Englisch zum Pflichtfach geworden ist..
Wir wollten die Eigentümer dieses Landes sein und wirtschaftlich unabhängig werden. Aber jetzt ist ein großer Teil des Bodens, der Immobilien und Produkte Lettlands an Bürger anderer Staaten verkauft worden. Wir haben sogar die Krümel einer wirtschaftlichen Unabhängigkeit verloren, und das bedeutet, die Möglichkeit zu verlieren, unsere eigene Wirtschaft zu bestimmen und dabei die monetären politischen Werkzeuge zu nutzen. .
Wir wollten die staatliche Unabhängigkeit zurückgewinnen und weiter bewahren. Aus einer „Republik der Sowjetunion“ sind wir zu einer „Region der EU“ geworden. Und Abrene haben wir selbst freiwillig weggegeben, ohne dafür etwas wiederzubekommen. Unsere Armee wird bei sogenannten Friedensmissionen eingesetzt. Und nicht zur Verteidigung unseres eigenen Territoriums. (Für den Partisanenkrieg und das Verhalten bei zivilem Widerstand werden unsere Soldaten nicht ausgebildet. Die Ausbildungsstätte dafür hat man diskret liquidiert.) Unsere Soldaten begeben sich in fremde Länder, um dort zu sterben. Das ist der Preis, den wir für unsere Mitgliedschaft in der NATO zahlen müssen. Weil wir wissen, dass hier die USA vorherrschend sind, ist es auch uns deutlich, dass wir für die Ziele fremder Mächte eingesetzt werden (dabei wird auch die Erinnerung wachgerufen, dass unsere jungen Männer ebenso wie einst als Soldaten der Sowjetarmee sich als Soldaten der NATO in das gleiche Afghanistan begeben müssen).
Wir wollten ein geistiges Aufwachen. Statt dessen werden wir mit dem politisch gefördertem Vergnügen und dem Perversionenkult beschert, wofür in den Medien geworben wird. Die Kirche, obwohl ihr formell viele zugehören, kann den sozialen und geistigen Prozess im Staat kaum spürbar beeinflussen.
Zusammengefasst: Wir als Mehrheitsnation besitzen unser Territorium nicht mehr, wir können unsere Grenzen nicht mehr kontrollieren, wir haben bei unserer Politik und Wirtschaft nichts mehr zu bestimmen, die Sprache des Staates funktioniert nicht richtig, bald werden wir keine eigene Währung haben, unsere Armee vermag es nicht, uns zu verteidigen. Diese Aufzählung könnte man fortsetzen, wenn man dafür Experten hinzuzieht.. Das Einzige, was wir als Erfolg verbuchen könnten, ist das Sozialsystem. Doch das ist zu wenig, als dass es sich lohnte, es gegenüber allen Verlusten an den anderen „Frontabschnitten“ aufzuwiegen.
Was ist hier zu tun? Die Wiedergeburt der Gesellschaft beginnt bei deren geistigen Werten. und nicht bei den Interessen der politischen Oberschicht.
Der erste geistige Wert ist die Wahrheit. Die weist nämlich darauf hin, worum es eigentlich geht. Und stellt alles auf den rechten Platz. Sie unterscheidet wirklich Illusionen, Wahn., den Kampf um das Aufwachen verloren haben. Lieber die bittere Wahrheit als gefällige Lügen. Das müssen wir ohne Einschränkungen als Anerkennung von Fakten einsehen, denn erst dann können wir den nächsten Kampf beginnen.. Somit bedeutet die Wahrheit als Wert, dass wir uns selbst nicht belügen und es nicht zulassen, dass andere (zum Beispiel internationale Organisationen) uns anlügen. Das können wir nur konsequent verwirklichen, wenn die Wahrheit und keine vorläufigen Interessen unseren höchsten Wert darstellt. Das bedeutet, dass wir anderen und auch uns selbst die Wahrheit sagen und danach handeln, nicht, um uns in tiefere Depressionen zu stürzen, ( was können wir da schon tun, wir sind doch allein und schwach!), sondern der Wahrheit den Platz zurück erobern als unser eigenes Aufmarschgebiet.

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In der Wahrheit steckt Kraft, aber in der Kraft steckt nicht die Wahrheit. Nicht zufällig hat A. Solžeņicin gesagt, dass ein Wort der Wahrheit die ganze Finsternis stürzen könnte. Die Wahrheit ist qualitativer und nicht von quantitativer Natur. Deshalb ist es so wichtig, dass
jeder einzelne Mensch bei der Wahrheit bleibt. Weshalb hat das Sowjetregime sich vor Gunārs Asars so sehr gefürchtet? Weil er kompromisslos für die Wahrheit eingetreten ist.
Wie ererben wir die Wahrheit?
Die Wahrheit verändert zuerst uns selbst. Jesus sprach: Wenn ihr bleiben werdet in meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen.
* „Wenn ihr bleiben werdet in meinem Wort.“ Das bedeutet einen festen Standpunkt gegenüber der Wahrheit einnehmen, das heißt sich zur Jüngerschaft bekennen und nicht, sich bemühen, die Wahrheit zu manipulieren.
* „Ihr werdet die Wahrheit erkennen.“ Der Begriff „erkennen“ wird in der Bibel im intimen Sinn gebraucht (z. B. Matth. 1,25) In dieser Bedeutung resultiert sich „erkennen“ als empfangen. Das heißt, dass ich in meinem Organismus etwas anderes, etwas lebendiges aufnehme. Das hat Folgen – in dir wächst etwas lebendiges heran. Dieses Empfangene ist die von uns empfangene Wahrheit, der wir von nun an zugehören.
* „Die Wahrheit wird euch frei machen.“ denn sie ist überweltlicher Gestalt (Johannes 14,6) und hat überweltliche Kraft. „Denn wir vermögen nichts wider die Wahrheit sondern nur etwas für die Wahrheit“ (2. Kor. 13,8), wogegen man mit uns in der Realpolitik ein falsches Spiel betreiben und uns unterwerfen wird. Die Wahrheit macht uns auch frei von der Notwendigkeit, „selbst etwas zu erfinden“, zum Beispiel irgendwelche superspezielle Methoden und Verfahren zu produzieren. Wie stand es damit bei Jesus und mit seinem die Wahrheit enthaltenden und freimachenden Wort?
Die Maßeinheit für die Aneignung der Wahrheit ist die Zugehörigkeit zu ihr und das entsprechende Handeln. Das wird unvermeidlich auch Opfer bedeuten (Verzicht auf Selbstsucht – in letzter Konsequenz sogar auf das eigene Leben, das höchste Zeichen für die Zugehörigkeit zur Wahrheit ) „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab“ (Joh. 3, 16a) „Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde.“ (Joh. 15,13). Martin Luther hat einst bekannt: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“ Solange wir noch anders können, und nicht konsequent mit der Wahrheit leben, solange werden wir auch anders handeln, aber dann dürfen wir auch nichts Besseres erwarten. Vielleicht geht es uns noch nicht schlecht genug, um es nicht mit dem Verstand, sondern mit dem Herzen, dem Rückenmark zu begreifen, dass wir ohne die Wahrheit nicht leben können? Vielleicht sind alle um uns herum noch nicht so übel, dass wir uns so sehr nach der Wahrheit sehnen, dass wir um ihretwillen Opfer bringen können und wollen. Ist es wirklich so?
Was sollen wir tun? Wieder bei Null anfangen? Alles bei Null! Bei der Stelle, an der wir zur Zeit stehen. Dazu kann uns Mut machen, dass das nicht zum ersten Mal in unserer Geschichte geschieht. Womit haben in den Jahren 1944 und 1945 und danach unsere nationalen Partisanen, unsere politischen und religiösen Widerstandskämpfer, die Helsinki Gruppe und wir selbst in den Jahren des nationalen Wiedererwachens begonnen? Kompromisslos und ohne darum besorgt zu sein, ob man wirklich uns und die Prinzipien unseres Kampfes und der Wahrheit „verstanden“ hat, und nicht wegen irgendwelcher sichtbaren Erfolge.
Jesus sprach: „ Wenn ihr bleiben werdet in meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen. Ja! So einfach ist es, und doch nicht leicht! Aber nur das ist der Weg zur Wahrheit!

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Chefredakteurin: Inga Reča

Anschrift der Redaktion: Mazā Pils iela 4 – Riga – LV 1050
E-Mail-Adresse: svetdienasrits@apollo.lv

Übersetzung: Johannes Baumann (abgeschlossen am 23.01.2011)
Brucknerstr. 24.- D-27711 Osterholz-Scharmbeck
Telefon: 04791-13356
E-Mail-Adresse: baumann-ohz@arcor.de

Nachwort des Übersetzers
Mit meinen herzlichsten Segenswünschen zum Neuen Jahr übersende ich Ihnen die Übersetzung der ersten Ausgabe der lettischen Kirchenzeitung in diesem Jahr. Trotz ihrer 14 Seiten sind es bei weitem nicht alle Beiträge dieser Ausgabe, die Sie jetzt vor sich liegen haben. Ich hoffe, dass Sie inzwischen einige andere Beiträge, bei denen es sich nicht um Übersetzungen aus SR handelt, erhalten haben. Das kann möglicherweise in nächster Zeit des öfteren geschehen, da ja die Abstände bei dem Erscheinen der Kirchenzeitung nur einmal im Monat doch recht groß werden. So werde ich mir erlauben, meinen sehr verehrten Leserinnen und Lesern außerhalb der Reihe etwas zuzuschicken, wenn sich im Internet Lesenswertes findet.
Auf die Übersetzung der folgenden Beiträge dieser Ausgabe habe ich dieses Mal verzichtet:
Auf einen sehr ausführlichen Bericht der lettischen Jugendvertreter über das Taizetreffen in Rotterdam, über ein Seminar für Ehepaare in der Alten St. Gertrudkirche, die Berichterstattung über die Lage der Christen im Mittleren Osten, eine sehr ausführliche Stellungnahme einer Leserin zur Synode. Ich habe auf deren Übersetzung verzichtet, weil sie eigentlich keine wesentlich neuen Aspekte zur Sprache brachte. In einem sehr ausführlichen Beitrag nimmt ein Theologe der Kirche der Missouri Synode aus den USA zum Prinzip der Leitung in der lutherischen Kirche Stellung, mit dessen Übersetzung. ich mich selbst und meine hoch verehrte Leserschaft nicht überfordern wollte.
Bis zum nächsten Mal bin ich mit meinen herzlichsten Grüßen und guten Wünschen
Ihr Johannes Baumann

Bei dem Herrn, unserem Gott, ist kein Unrecht. 2. Chronik 19,7

Auszüge aus Svētdienas Rīts, Zeitung der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, herausgegeben von ICHTYS GmbH, erscheint seit Januar 1920.
23. Sonntag nach Trinitatis Ausgabe Nr. 14 (1841 ) vom 6. November 2010

Lettische und sächsische Lutheraner feiern ihre 20 jährige Partnerschaft Ingrīda Briede
Diejenigen, die das Gebäude des Oberkirchenrats in der Maza Pils iela betreten haben, werden ganz sicher ein recht ungewöhnliches Gemälde im Flur bemerkt haben. Darin erkennen wir den Blick auf die sächsische Landeshauptstadt Dresden, der aus vier farbigen Quadraten besteht. Dieses Bild hat die Reise von Dresden nach Riga gemacht. In Dresden entstand es am Abend der Feier der 20 Jährigen Partnerschaft zwischen den Kirchen Lettlands und Sachsens. Jeder Teilnehmer hatte die Möglichkeit, mit Hand anzulegen am Entstehen dieses Kunstwerks. Dieses möchte symbolisch daran erinnern, dass diese nun 20 Jahre alte Partnerschaft durch den Einsatz vieler einzelner Menschen entstanden ist. Am 4. und 5. September herrschte in der Dresdner Dreikönigskirche eine liebevolle familiäre Stimmung. Hier trafen sich die Freunde aus Lettland und Sachsen; vor allem die Vertreter der Partnergemeinden.. Das waren vor allem diejenigen, welche diese Partnerschaft vor vielen Jahren begonnen hatten, wie Pfarrer Michael Karstedt als damaliger Vertreter des Landeskirchenamtes, oder Marion Kunz, die sich als eine der ersten in die Richtung Lettland auf den Weg machte, in dieses ihr so unbekannte Land, um dort an einem von Kaspars Dimiters organisierten Jugendlager in Krimulda teilzunehmen, oder an Anneliese Heiland, deren von ihr vertretene Leipziger Matthäusgemeinde auf eine fast zwanzigjährige Partnerschaft mit der Kirchengemeinde in Limbaži zurückblicken kann. Zu den Anwesenden gehörten sowohl diejenigen, die seit vielen Jahren diese Partnerschaft zwischen deutschen und lettischen Kirchengemeinden pflegen, als auch diejenigen, welche die von der sächsischen Kirche veranstalteten lettischen Sprachkurse besucht haben und diejenigen. die sich erst vor Kurzem dieser Partnerschaft angeschlossen haben. So gibt es erst seit ganz kurzer Zeit die Partnerschaft zwischen der Kirchengemeinde in Usma in Kurland mit der Kirchengemeinde in Moritzburg bei Dresden. So manche der Anwesenden sprachen immer wieder von dem verehrten Herrn Johannes Baumann, der für viele der deutschen Freunde der erste Lettischlehrer gewesen ist und mit den Lettischkursen begonnen hatte.
Diese Gemeinschaft zwischen den lutherischen Kirchen Sachsens und Lettlands hat sich auf vielfache Weise entfaltet, sowohl als Partnerschaft zwischen Kirchengemeinden, als auch in der Form von Hilfe bei der Restaurierung von Kirchen, in der Form der musikalischen Zusammenarbeit, der seelsorgerlichen Hilfe für die Pfarrer und auf viele andere Weise. Davon nur wenige Beispiele: Seit 1990 reist Marion Kunz jedes Jahr mit Jugendgruppen nach Lettland. Bei diesen Reisen gehört der Besuch der Kirchengemeinde Madliena unbedingt zum Programm. Deutsche Konfirmanden haben durch eine große Spende dazu beigetragen, dass das Kellergeschoss der Alten St. Gertrudkirche in Riga (das ehemalige Gertrudheim) wieder hergerichtet werden konnte. Wo jetzt verschiedene Veranstaltungen und Kurse stattfinden können. Jugendliche aus Lettland haben mehrfach an Gospelfestivals in Deutschland teilgenommen. Vertreter der ELKL haben regelmäßig an den Synoden der Sächsischen Kirche teilgenommen. Jugendliche aus Lettland nehmen regelmäßig an den Deutschen Evangelischen Kirchentagen teil und entwickeln dort mit Jugendlichen aus Sachsen gemeinsame Projekte. Es ist wirklich unmöglich, alle gemeinsamen Projekte aufzuzählen. Einen herzlichen Dank allen deutschen Brüdern und Schwestern für diese herzliche Gemeinschaft und die nicht hoch genug zu bewertende große Hilfe für Lettland!
Die Feier der 20 jährigen Partnerschaft begann mit der gegenseitigen Vorstellung und mit Berichten über die Zusammenarbeit zwischen den Kirchengemeinden. Dem schloss sich ein Vortrag von Ilze Ķezbere über die Zeit der Reformation in Lettland an. Der Abend wurde mit

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Gesprächen und dem Austausch von Erinnerungen fortgesetzt. Auch wurde uns der Deutsche Evangelische Kirchentag vom 1. bis zum 5. Juni 2011 in Dresden vorgestellt, zu dem auch die lutherischen Freunde in Lettland sehr herzlich eingeladen sind. Den lettischen Lutheranern wird die Möglichkeit angeboten, den Kirchentag entweder als freiwilliger Helfer oder als Teilnehmer zu erleben. Das wird auch eine großartige Möglichkeit sein, unsere sächsischen Partnergemeinden zu besuchen. Die Organisatoren des Kirchentages gewähren den Teilnehmern aus Lettland einen beträchtlichen Gebührenerlass. Die Gesamtgebühr beträgt für sie nur 24 Euro und enthält auch die Kosten für Übernachtung und den Eintritt zu allen Veranstaltungen.
Am Morgen des 5. September wurde die Festveranstaltung mit einem Gottesdienst fortgesetzt, welchen der sächsische Landesbischof Jochen Bohl und der Referent für ökumenische Fragen und Partnerschaftsbeziehungen im sächsischen Landeskirchenamt Pfarrer Friedemann Oehme hielten. In diesem Gottesdienst waren wohl etwas weniger lettische Teilnehmer, da viele der anwesenden Letten bei ihren Partnergemeinden zu Gast waren. Sehr bewegend war der Augenblick, als auf den Altar die von unseren Partnerkirchen gestifteten Kerzen gestellt wurden, die wir danach als einen lieben Gruß unserer Partnergemeinden nach Lettland mitnehmen durften.

Es gibt gute Gründe, in Einigkeit weiter zu bestehen. Wir müssen es nur wollen.
Die Synode rückt immer näher, und dabei werden unterschiedliche Bewertungen und auch kritische Standpunkte laut über das, was in unserer Kirche geschehen ist. Einen Teil von ihnen konnten Sie bereits in den letzten Ausgaben unserer Kirchenzeitung lesen. Um den Standpunkt der Kirchenleitung zum Geschehen zu erfahren, haben wir Erzbischof Jānis Vanags zu einem Gespräch eingeladen. Inga Reča und Ivars Kupcis
Den ganzen September haben sie sich zu einer Einkehr in die Stille zurückgezogen. Was bringt die für einen Geistlichen ein und was hat sie Ihnen gebracht?
Ich habe mich noch einmal davon überzeugen können, dass die Einkehr etwas ganz Wichtiges ist, besonders für uns Geistliche. In der Apologie zum Augsburgischen Bekenntnis heißt es, dass ein Pfarrer in seinem Dienst vor der Gemeinde an der Stelle Christi stände. Wenn das so ist, dann ist es besser, wenn der Pfarrer den Menschen das sagt, was Gott sagt – das sagt unser Rektor Dr. Weinrich immer wieder unseren Studenten. Die Worte kommen von Gott, wenn man in einer tiefen und nahen Übereinstimmung mit der Bibel ist. Die bestimmten geistlichen Übungen, die ich mitgemacht habe, waren eine solche Möglichkeit, sich in die Schrift zu vertiefen, wie ich sie noch nie in meinem Leben gehabt habe. Es hat mich ein wenig überrascht, dass niemand, nicht einmal der Leiter dieser Übungen, dort nichts erzählte, nichts lehrte, nur verschiedene Schriftstellen zu lesen aufgab und mir half, sie zu betrachten, hauptsächlich auf dem Wege der Vorstellungskraft bei der Betrachtung. Das heißt sich auf das Geschehen im Evangelium voll und ganz einzustellen, als ob man selbst dabei wäre und mit Jesus, einem Apostel oder einem Engel sprechen könnte. Ich bekam öfters die Aufgabe, zu Matthäus 26, zum letzten Abendmahl zurückzukehren. Kurz danach erblickte ich in einer Kirche einen Altar mit einer Skulptur, auf der die Szene des Heiligen Abendmahles dargestellt war. Mein erstes Empfinden war: das kenne ich doch, an dem Tisch bin ich doch schon einmal gewesen. So habe ich 31 Tage verbracht und sieben Stunden täglich in der Schrift gelesen und gebetet, und plötzlich begreifst du alles, was dir Gottes Wort und Gottes Geist offenbaren möchte. Nur dir, denn die Früchte der Übung sind bei jedem anders. Bei einer solchen Einkehr lernst du die Bibel anders lesen und betrachten. Auch das war für mich ein großer Gewinn. Als stille Einkehr kann man sie nur bedingt bezeichnen. Es ist wahr. Das Telefon blieb ausgeschaltet, das Internet auch, so dass ich nichts von dem erfuhr, was zu

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der Zeit in der Welt oder bei uns in Lettland geschah. Ein Gespräch nur mit dem Leiter gab es immer morgens etwa eine halbe Stunde lang. Andererseits ist jede Meditation von einer Stunde Dauer ein Gespräch in Gedanken mit handelnden Personen des Geschehens im Evangelium, denn du wirst einer von ihnen. Das geht alles mit einem langen Gespräch mit dem Herrn Jesus zu Ende über das, was du in der Meditation soeben erfahren hast und über alles, was du auf dem Herzen hast. Zum Schluss hast du das Empfinden, dass du viel geredet hättest. Wichtig ist auch die Betrachtung deiner selbst. Während seines Alltages kann der Mensch nicht so tief in sich selbst hineinschauen wie bei einer solchen Einkehr. Wahrscheinlich hat mir niemand das gesagt, was ich mir selbst während dieser 30 Tage gesagt habe. Doch das Bedeutendste ist die Gnade, die ich während der Zeit der Übungen von Gott erbeten habe – die Gnade, von ganzem Herzen Jesus zu erleben und kennen zu lernen, um ihn vollkommener zu lieben und ihm noch intensiver nachzufolgen. Ich kann sagen, dass ich nach dieser Einkehr unseren Herrn besser kenne als davor. Eine solche Einkehr hilft ganz bestimmt, in der Liebe zu Gott zu wachsen, und das ist für einen Christen, und ganz besonders für einen Geistlichen ganz besonders notwendig. Und auch deshalb war für mich diese Einkehr so wertvoll. Ich empfehle es jedem, sich für die Möglichkeiten der Einkehr bei uns in Mazirbe zu interessieren. Dreißig Tage werden dort allerdings nicht angeboten, aber eine Woche der Einkehr ist auch gut.
- Ich habe gelesen dass auch Mönche eine einen Monat lange Einkehr nur wenige Male in ihrem Leben praktizieren. Ist das auch ein Hinweis darauf, dass dieses ein ganz besonderer Augenblick in Ihrem Leben war?
- Das ist physisch und emotionell ein Unterfangen, welches einen ganz fordert, und dem sich nur sehr wenige stellen. Auch ist es nicht einfach, sich dafür so viel freie Zeit zu nehmen. Weiter verbreitet sind acht Tage lange Einkehrzeiten. Die vollen Übungen werden Menschen empfohlen in besonderen Situationen, wenn sie wichtige Entscheidungen treffen müssen. Ein Teil dieser Übungen ist der etwa zwei Wochen lange Prozess des „Auswählens“, während dessen der Mensch betend und horchend zu erfahren versucht, welches der Wille Gottes ist. Dabei sind mehrere Grundsätze zu beachten, zum Beispiel sollte man im Zustand der Erschöpfung nichts beschließen, was das Leben entscheidend verändern könnte, oder sich später von einem Beschluss lossagen, der in einem Augenblick des göttlichen_Friedens und Zuspruchs gefasst worden ist. Ich habe Gott auch die Frage vorgebracht, wie er sich künftig meinen Dienst an Christus und der Kirche von mir wünscht – im Amt des Bischofs oder auf eine andere Weise. Von allen Möglichkeiten gibt es eine, die sich für mich ganz deutlich abzeichnet. Obwohl unsere Verfassung die Abwahl oder Neuwahl oder die Verlängerung der Vollmachten eines Bischofs nicht vorsieht, habe ich beschlossen, die Synode um ihre Anweisung zu bitten, ob ich meinen Dienst als Bischof fortsetzen soll oder nicht. Ich hoffe, durch die Kirche die Stimme Gottes vernehmen zu können und bitte die Synodalen, darüber auch Gott zu befragen.
- Welches sind nach Ihrer Ansicht die größten Schwierigkeiten, die wir als Kirche zur Zeit durchstehen müssen?
- Am Anfang dieses Jahres trat die Finanzfrage sehr scharf in Erscheinung. Dadurch, dass die wirtschaftlichen Pläne nicht verwirklicht werden konnten, war es nicht mehr möglich, die Vergütung der Pfarrer und die Arbeit der kirchlichen Abteilungen (Dezernate) auf dem bisherigen Niveau fortzusetzen. Das verursachte viele Spannungen und Diskussionen. Doch zur Zeit ist die Geldfrage anscheinend an die zweite Stelle gerückt. Viel mehr haben wir jetzt über unsere lutherische Identität, über die ökumenischen Kontakte, über die Prinzipien der

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Verfassung und der kirchlichen Verwaltung im Allgemeinen zu diskutieren. Das sind gute Fragen, die uns zu unseren wesentlichen Schwierigkeiten führen werden – zu den objektiven Schwierigkeiten, die wirtschaftlich und durch das Bankkonto gelöst werden können, oder zu den subjektiven Schwierigkeiten, die in unseren Herzen und Köpfen gelöst werden müssen. Nach lettischem Maßstab sind wir eine vergleichsweise große Kirche, die verschiedene Epochen und Eindrücke der Geschichte durchschritten hat Wir sind nicht nach einem Maß geschneidert und auf den gleichen Leisten gespannt worden. Zur Zeit erleben wir das als besondere Herausforderung. Doch die wahre Herausforderung an uns ist, dass wir begreifen, dass wir unter uns keine Gegner haben, sondern Gesprächspartner bei Fragen, die uns alle im gleichen Maße betreffen.
- Sind diese unterschiedlichen Weisen der Betrachtung der lutherischen Identität und der Organisation des wirtschaftlichen Lebens eigentlich ein Mangel oder ein Gewinn unserer Kirche, und kann die Kirche bei so vielen so unterschiedlichen Richtungen, die wir haben, überhaupt noch als einheitliches Ganzes weiter bestehen?
- Ich möchte auch nicht unsere Verschiedenheiten übertreiben. Blicken wir doch auf andere Kirchen in Europa, blicken wir auf den Lutherischen Weltbund. Dort sind die Unterschiede viel, viel größer. Die Unterschiede der Meinungen haben zueinander Distanzen errichtet. Und dennoch halten sie zusammen. Für die Lutheraner wird doch die Grundlage der Einigkeit nicht dadurch gebildet, in welcher Farbe das Gewand des Pfarrers ist oder auf welchem Ton wir die Psalmen singen. Auch darf es bei den Lutheranern nicht nur die eine Kirchenverwaltung geben, sondern sie darf auch sehr verschieden sein – sie kann episkopal oder synodal – episkopal ausgerichtet sein, wie zum Beispiel die Kirchen in Skandinavien oder im Baltikum, bis zu den rein kongregational oder synodal geprägten Kirchen in Amerika. Jede Kirche entscheidet sich dafür, was sie in ihren Verhältnissen für zweckmäßig hält, und das hat wirklich nichts mit der lutherischen Identität zu tun. Die einigende Grundlage der Lutheraner ist keins von diesen Dingen, sondern die Einmütigkeit bei der Lehre des Evangeliums. Vielleicht kann mir dieser oder jener nicht zustimmen, aber ich denke, dass in unserer Kirche die Unterschiede in äußeren Dingen größer geworden sind – bei den liturgischen Gewändern, bei den Formen des Gottesdienstes oder den Ansichten über den Gottesdienst, bei den Prinzipien der Verwaltung. Bei der Lehre und dem Erlernen des Evangeliums sind wir ein gutes Stück weiter gekommen nicht nur im Sinne der Eintracht, sondern auch in der Ausrichtung auf die lutherische Identität. Und wie sollte es dabei auch anders sein? Zur Zeit besteht der größte Teil der Pfarrerschaft aus Absolventen der Luther Akademie, denen sowohl solche in der ganzen Welt anerkannte bekenntnistreue lutherische Theologen wie die Professoren R. Slenczka und W. Weinrich als auch unsere eigenen Lehrkräfte, auf die kein Schatten eines Zweifels fällt, die systematische Theologie und die lutherischen Bekenntnisschriften nahe gebracht haben. Wo mag der Verdacht auf unsere große Abwendung vom Luthertum aufgekommen sein? Zu Beginn dieses Jahres behauptete der Propst der Letten in Amerika Vilis Vārsbergs, dass in unserer Kirche die Lehre vom Fegefeuer wieder in Kraft setzte, die Verehrung von Reliquien ebenso einführte wie den Heiligenkult und den Sündenablass. Erstens ist das nicht wahr, und dann erscheint es mir sehr rätselhaft, wie es sich der geehrte Propst vorstellt, dass solche Dinge von Pfarrern getan werden könnten, die auf der Luther Akademie ausgebildet worden sind? Es mag sein, dass er das von der Theologischen Fakultät hat, die seinerzeit unter seiner Leitung sich von jeder konfessionellen Identität distanziert hatte und in der weiterhin Dozenten aus verschiedenen Konfessionen lehren. Doch wie sollte eine zielstrebige kirchliche Politik aussehen, die ihre Ausbildung bekenntnistreu lutherisch ausrichtet? Das ist völliger Unsinn. Ich habe weder die Zeit noch die Kraft, mich mit solchen Behauptungen auseinanderzusetzen, die man in jüngster

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Zeit oft zu hören bekam. Bevor man denen glaubt, sollte man darüber nachdenken, wie sie mit wesentlichen und überprüfbaren Dingen im Leben unserer Kirche übereinstimmen. Wenn wir wirklich der Auffassung sind, dass die Einheit der Kirche in der Lehre des Evangeliums gegründet ist, dann haben wir die besten Voraussetzungen, um in diesen Einigkeit weiter zu bestehen, wenn wir es nur wollen.
- Woher kommen eigentlich die Spannungen und Sorgen über das „Hinlenken nach Rom“?
- Ich habe den Eindruck, dass es da einen ganzen Haufen von Anlässen gibt. Ich gebe zu, dass ich dazu auch selbst einiges beigetragen habe. Ich bin einer von denen, welche die Reformation als die Rückkehr zu den evangelischen Wurzeln der Urkirche verstehen. Ich sehe die lutherische Kirche in der historischen Kontinuität. Ignatius von Antiochia ist unser Kirchenvater. Bonaventura ist unser Kirchenvater. Luther ist unser Kirchenvater. Bonhoeffer, Rumba und Feldmanis sind unsere Kirchenväter. Ich fühle mich sehr wohl inmitten dieses historischen Erbes und möchte vieles davon frei nutzen, was dem Gottesdienst und der Würde der Sakramente dient. Mir hat immer eine entfaltete Liturgie und alte Kirchenmusik gefallen. Das ist mein Empfinden und die lutherischen Bekenntnisschriften lassen mir auch diese Freiheit. Und dabei bin ich weder im weltweiten Luthertum noch hier der einzige. Ich denke, dass es gut ist, dass auch solche Menschen in unserer Kirche ihren Platz einnehmen dürfen. Wo es den einen Glauben gibt, dort stört die Vielfalt der Traditionen nicht. Luthers Kampfgefährte und der Verteidiger der Reformation Philipp Melanchton schreibt:: „Wir behalten in der Kirche die alten Traditionen, denn diese sind nützlich und fördern den Frieden in der Gemeinde; wir deuten sie evangelisch und weisen die Ansicht zurück, dass sie gerecht machen würden. Wir verwerfen nicht die Messe, sondern halten sie gottesfürchtig weiter und setzen uns für sie ein. Auch die Ordnung der gewohnten Zeremonien, der Schriftlesungen, der Gebete, der Gewänder der Pfarrer und ähnlicher Dinge wird beachtet… Mit größter Sorgfalt waren wir bestrebt, die Würde der Messe zu erhalten. In unseren Gemeinden werden die Kirchendisziplin gottesfürchtige Zeremonien sowie fromme kirchliche Bräuche sorgfältig beachtet.“
Das sagt er über die Römische Messe seiner Zeit, des 16. Jahrhunderts. Deshalb können diese Formen, wenn sie evangelisch ausgelegt werden, für sich allein nicht unlutherisch sein. Eine andere Sache ist, dass sie nicht überall notwendig sind, sondern nur dort, wo sie „nützlich“ sind, und die Gemeinde bereit ist, sie anzunehmen. Doch als Seelsorger habe ich es wirklich versäumt zu beachten, dass alles, was ich tue, in der Öffentlichkeit nicht als meine persönliche liturgische Entscheidung aufgefasst wird, sondern als etwas Programmatisches, was alle betrifft, als Zeichen für irgend eine Richtung. Der Gebrauch von Glöckchen und Weihrauch im lutherischen Gottesdienst ist eine Angelegenheit der freien Entscheidung, doch in einem Gottesdienst, der vom Fernsehen übertragen wird, kann das wirklich viele Menschen aufregen, welche das in ihren Gemeinden noch nie gesehen haben, und denen das fremd vorkommt und sogar verdächtig erscheint. Objektiv betrachtet, könnte man sagen, dass hier ein Sturm im Wasserglas entfacht wird. Vielleicht ist durch die in der Öffentlichkeit vorgetragenen Standpunkte der Eindruck entstanden, dass diese liturgischen Formen in der ELKL planmäßig und mit Gewalt eingeführt würden. Tatsächlich hält sich der größte Teil der Gemeinden an die alte Ordnung des Gottesdienstes, viele fühlen sich wiederum mit der entfalteten A-Ordnung wohl und wollen nicht mehr zur alten C-Ordnung zurückkehren, aber die Gemeinden, die Weihrauch gebrauchen, kann man an den Fingern einer Hand abzählen. Dabei geht es immer um die Frage des Übereinkommens zwischen dem Pfarrer und seiner

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Gemeinde. Dennoch war es für mich eine Lehre, dass ich als Bischof die Adiaphora mit größerer seelsorgerlicher Sensibilität behandeln muss.
- Um noch einmal auf unsere Unterschiede zurückzukommen. Müssen wir uns alle bemühen, einander gleicher zu werden, oder sollten wir dennoch den Standpunkt eines anderen Menschen als dem unseren gleichwertig achten?
- Wir sollten begreifen, dass die Gleichheit in allen äußeren Dingen in einer Kirche wie der unseren unmöglich und auch gar nicht zu wünschen ist. Niemand wird dadurch glücklich werden. Den eigenen Geschmack anderen aufzuzwingen, das ist Tyrannei. Wir müssen es wirklich lernen, andere Standpunkte zu achten, und sollten damit aufhören, alles in „schwarze“ und „weiße“ Gruppen aufzuteilen und jede Meinungsverschiedenheit zur Bekenntnisfrage zu machen. Professor Leons Taivans schrieb einmal sehr zutreffend über die große globale Tradition und die kleine örtliche Tradition. Es gibt Theologen, welche die lutherische Kirche weniger für eine reformierte Urkirche und eher für eine neue Kirche der Reformation halten. Sie betonen stärker das Zerschneiden der alten Bindungen, die Distanzierung vom Ehemaligen und den Beginn von etwas Neuem. Ihnen erscheinen die alten Akzente unnötig und fehl am Platz. Das kann man verstehen und achten. Dennoch sollte man beachten, dass es dabei nicht nur um eine Diskussion über das Wesen des Luthertums geht, sondern um die Treue gegenüber der Tradition, je nach dem, welche man am liebsten hat. In unserer Kirchenzeitung hat Pfarrer Ralfs Kokins sehr emotionell seine Liebe zu unserer „kleinen“ örtlichen im 19. Jahrhundert in Lettland entstandenen gottesdienstlichen Tradition bekannt. Diese ist wirklich zu ehren und uns teuer. Auch ich fand durch sie den Weg in die Kirche und halte den größten Teil der Gottesdienste nach dieser Ordnung. Nicht so gut ist es, dass er genau so emotionell diese Tradition der großen Tradition gegenüberstellt, von der der Theologe der Kirche der Missouri Synode K. Pipkorn sagte: „Zu allererst sind wir katholische Christen, danach sind wir westliche Christen und drittens lutherische Christen.“ Ich könnte dem noch folgendes hinzufügen: Viertens sind wir Christen der ELKL. Diese Dinge stehen nicht miteinander im Konflikt. Sie müssen zusammengehören.
- Wenn wir an die Vorwürfe denken, die im Zusammenhang mit den Gesprächen mit den Katholiken laut wurden, dass wir uns in äußeren Dingen wie Gewändern und ähnlichem den Katholiken sehr annäherten, entsteht der Eindruck, dass wir als Lutheraner nur begreifen können, wer wir sind, wenn wir auf die Katholiken schauen. Was ist nach Ihrer Ansicht lutherische Identität, wenn wir nicht auf die anderen, sondern auf uns selbst schauen.
– Schauen Sie, jetzt sind wir bei dem angekommen, mit dem man am schwersten etwas anfangen kann. – bei den irrationalen Verdächtigungen. Einfache, längst bekannte Dinge werden von Menschen mit einem schlimmen Inhalt behaftet. So haben wir zum Beispiel Kathedralen und Dekane. Ist das für unsere Kirche wirklich etwas ganz Neues? Ich habe hier ein Schriftstück mit der Unterschrift des damaligen Kanzlers des Konsistoriums Kārlis Gailītis, dass am 2. September 1985 entsprechend einem Antrag des Dekans der Kathedrale Jānis Liepiņš dem Studenten des Theologischen Seminars J. Vanags vom Konsistorium die Genehmigung erteilt wird, an den Gottesdiensten der Kathedrale, der St. Johanniskirche, teilzunehmen. Aber dass wir im Jahr 2010 Kathedralen und Dekane haben, scheint für manche ein Zeichen für einen Paradigmenwechsel und ein unwiderlegbarer Beweis dafür zu sein, dass der Kurs der ELKL in die Richtung Roms gelenkt würde. Ich denke, dass wir uns vor der Seuche der Verdächtigungen nach Kräften hüten sollten. Im Buch der Schöpfung wird der Böse als Schlange dargestellt, die bei Eva den Verdacht lebendig werden lässt. Die Verdächtigung fängt an, die Beziehungen zwischen Eva, Adam und Gott zu zerstören, ebenso wie sie das bei allen Beziehungen in der Familie, der Kirche und sonst wo zu tun pflegt. Es

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bedarf nur eines kleinen Senfkornes von Verdacht, und schon beginnt unser Verstand zu arbeiten und fügt die kleinen unbedeutenden einzelnen Bestandteile zu einem schlimmen Modell zusammen, das sich in unserem Kopf deutlich festsetzt. Die Verdächtigung findet immer Beweise für ihren Verdacht. Das führt zum Empfinden von Misstrauen und zur Unfähigkeit, jemand anderem als nur sich selbst oder seiner Gruppe zu vertrauen. Damit kommt es zu Spaltungen. So funktioniert das. Nehmen wir als Beispiel unseren Dialog mit der katholischen Kirche. Ich habe viele Male gesagt, dass ich nie die Andeutung eines Gedankens gehabt hätte an irgendeinen Anschluss an Rom. Ich habe immer gesagt, dass beide Kirchen die Einheit nur finden können, wenn sie Einmütigkeit in der Lehre auf Grund der Heiligen Schrift erreicht haben. Das alles geschieht und wird geschehen in der Form eines offenen Dialogs. Das Gleiche haben auch die katholischen Vertreter gesagt. Die Zusammenkünfte waren öffentlich und jedes Mal waren auch Zuhörer anwesend. Die Gespräche wurden aufgenommen und konnten im Internet abgehört werden. Nirgendwo gab es irgendwelche Anzeichen von Verschwörung. Aber nein, die Verdächtigung sagt, dass man dem nicht trauen dürfte, und dass wir die Öffentlichkeit ganz bestimmt nicht alles wissen lassen wollten, und dass es ganz bestimmt irgendwelche geheime Treffen und listige Absprachen gegeben hätte, und deshalb müsste man die Bajonette aufsetzen, sich in die Schützengräben begeben und auf die nicht abzuwendende Stunde warten, zu der das Luthertum verraten würde. Das erinnert mich an den Film „Der wunderbare Verstand“, dessen Hauptfigur ein hoch talentierter Wissenschafler ist, der von Zeit zu Zeit von Agenten eines Geheimdienstes besucht wird, die ihn mit der Durchführung verschiedener Aufgaben beauftragen. Doch diese Agenten sind Trugbilder, welche nur in seinem großartigen Verstand existieren. Und solange er nicht begriffen hat, dass das nur Trugbilder sind, lassen diese ihn unvernünftig handeln und dadurch sich selbst und andere gefährden. Wir müssten uns von unnötigen Verdächtigungen und allerlei Trugbildern lösen Wir sollten das erkennen, was wirklich existiert – das Bestehen unserer Kirche auf dem Grunde und der Autorität der Heiligen Schrift und der Auffassung, dass die lutherischen Bekenntnisschriften diese richtig auslegen. Wir sollten begreifen, dass das nicht nur in der Präambel unserer Verfassung steht, sondern auch die Predigt und Praxis unserer Kirche betrifft. Das ist unsere Identität, die sich auf unseren Glauben gründet, und nicht auf irgendwelche äußerlichen Zeremonien oder auf die Gegnerschaft gegenüber anderen. Sicher sind wir nicht vollkommen, aber wir haben einen langen Weg zurückgelegt, um dorthin zu kommen. Das betrachten viele Kirchen der Welt ebenso Weshalb fällt es uns so schwer, das recht zu beurteilen?
- Viele regen sich über die engen ökumenischen Kontakte mit der katholischen Kirche auf. Wie könnten Sie die Aufregung Ihrer Schafe beruhigen?
- Vor Kurzem hatte ich die Möglichkeit der Begegnung mit Vertretern unserer Kirchengemeinden bei einer Diözesanversammlung. Ich stellte ihnen die Frage, ob ihnen unsere ökumenischen Kontakte mit der katholischen Kirche zu eng erschienen und sie beunruhigten. Die Reaktion unserer nicht ordinierten Synodalen war viel gelassener und verständnisvoller als die von einigen ihrer Hirten. Nur einer des Anwesenden ließ mich wissen, dass diese ihn wirklich aufregten. Alle Übrigen reagierten auf unsere ökumenischen Kontakte ruhig und verständnisvoll. Einige von ihnen sagten sogar, dass wir mit den Katholiken noch enger freundschaftlich zusammenarbeiten sollten. Natürlich müssen die Hirten achtsam sein und darauf bedacht, dass der Wolf sich nicht an ihre Herde heranschleicht. Deshalb möchte ich niemandem einen Vorwurf machen. Wir sollten aber darauf achten, dass übermäßige Verdächtigungen den Wolf nicht zurückhalten werden, sondern die Helfer und die Hirtenhunde abschrecken und die Flucht ergreifen lassen. Ich kann nur wiederholen, dass es keine geheimen Absprachen gibt. Alles geschieht in der

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Öffentlichkeit und wird dort auch weiter geschehen, und es liegt bei uns, wie wir die Grenzen ziehen und bis zu welchem ökumenischen Prozess zu gehen wir bereit sind. Hier gibt es noch andere Aspekte, über die man gewöhnlich nicht laut redet, aber die sich auf die Einstellung gegenüber dem Dialog mit der katholischen Kirche sehr auswirken. Hier und dort redet man und ab und an schreibt man sogar darüber, dass Papst Benedikt XVI der Antichrist und die römisch – katholische Kirche das apokalyptische Ungeheuer sei, deren Ziel es sei, das wahre Christentum zu vernichten. So redet man darüber, dass Lettland dafür als Laboratorium und Versuchsfeld auserwählt sei. Natürlich ist aus einer solchen Sicht jede Annäherung als gefährliche Schändlichkeit zu betrachten. Das erklärt wirklich die große Aufregung über jede Annäherung an die Katholiken, ganz zu schweigen von der Weihe eines katholischen Erzbischofs im Dom zu Riga. Aber solche Argumente muss man offen auf den Tisch legen, damit alle sie sehen, beurteilen und verstehen, ob wir als Kirche uns einer solchen Sicht anschließen und ihr folgen möchten. Solange solche Verdächtigungen Nahrung finden, bleibt es bei dem Kampf mit Gespenstern und Trugbildern. Andererseits denke ich, dass der Herr Jesus es möchte, dass wir gute, freundschaftliche und vertrauensvolle Beziehungen mit den Christen anderer Konfessionen pflegen, und dabei natürlich unserem eigenen Glauben und Bekenntnis treu bleiben.
- Sie haben während der letzten Jahre die Finanzplanung unserer Kirche als fehlerhaft und unbedacht bezeichnet. In welchem Maße waren die Bischöfe an der Aufsicht über die Wirtschaft der Kirche beteiligt, und müssen die Bischöfe die Vorgänge im wirtschaftlichen Leben der Kirche nicht auch mit verantworten?
Die Pflicht der Bischöfe, das wirtschaftliche Leben zu beaufsichtigen, betrachte ich von zwei Aspekten her. Wenn ich an das, was geschehen ist, denke, kann ich zugeben, dass ich während der letzten Jahre bei der Haushaltsplanung des Oberkirchenrats Dinge gesehen habe, die ich nicht verstanden habe, und derer ich mir nicht ganz sicher war. Zum Beispiel bei dem großen Haushaltsdefizit. Die Verfassung teilt den Bischöfen keine wirtschaftlichen Leitungsfunktionen zu. Dennoch genügten meine inoffiziellen Möglichkeiten des Einflusses völlig, um die Genehmigung eines solchen Planes zu erwirken. Hätte ich es getan, dann hätte es sein können, dass manche Probleme heute geringer wären. Doch ich habe es nicht getan. Ich kann auch erklären, weshalb: Erstens bin ich dazu weder ausgebildet noch ordiniert, um in diesem Maße auf die Wirtschaft der Kirche Einfluss zu nehmen. Ich bin der Auffassung, dass Menschen, denen dieser Einfluss anvertraut war, in Finanz- und Eigentumsangelegenheiten viel kompetenter waren als ich. Auf diesen Gebieten wird meine Meinung immer die eines Amateurs bleiben. Zweitens entdecke ich in der Verfassung den Satz, dass der Oberkirchenrat mit dessen Sekretär an der Spitze für alle Dinge der Wirtschaft in der Kirche zuständig sei. So verstehe ich die Verteilung der Zuständigkeiten nicht nur auf dem Papier, sondern auch im Leben. Doch ich muss zugeben, dass ich, wie immer die Anlässe gewesen sein mögen, während der letzten Jahre meine Leitungs- und Aufsichtsfunktion nicht so wahrgenommen habe, dass die kirchlichen Finanzen vor unbedachten Plänen und Handlungen hätten bewahrt werden können. Welche Verantwortung ich dafür übernehmen muss, dazu hat die Synode bereits nach einem Monat die Möglichkeit sich zu äußern.
Wenn ich auf die Zukunft schaue, wer dann auch immer der Erzbischof sein mag, so sollte man ihn und die anderen Bischöfe von der Pflicht und Verantwortung der Leitung und Beaufsichtigung der kirchlichen Finanzen entlasten. In der Verfassung ist das ja schon formuliert. Wir sollten einfach die ungeschriebenen Vorstellungen über das Bischofsamt korrigieren. Wenn man die Bischöfe verpflichtet, die Eigentumsverwaltung, die Haushaltsplanung und Haushaltsdurchführung und alle übrigen Dinge der Verwaltung zu beaufsichtigen, die Gemeinden zu visitieren, sich um die Mission, die Diakonie und den

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Religionsunterricht an öffentlichen Schulen zu kümmern, und die Pfarrer seelsorgerlich zu betreuen und vieles andere mehr, dann kann das nur ein Dienst werden, der auf zwei hinkenden Beinen geleistet wird. Dabei kann weder in der geistlichen noch in der verwaltungsmäßigen Leitung der Kirche etwas Gutes herauskommen. Die Verwaltung sieht einen Sekretär beziehungsweise einen Präsidenten des Oberkirchenrates vor. Nach meiner Vorstellung sollte das kein bunt ausgestopfter Vogel sein, sondern ein wahrer Leiter der kirchlichen Verwaltung und Aufsichtsführender der kirchlichen Wirtschaft.
- Unsere Kirche musste die Ausgaben nach den Bestimmungen für die Vergütung und Sozialversicherung von Geistlichen (BVSG), die damals große Hoffnungen erweckten, empfindlich zurückfahren. Wie betrachten Sie heute die Idee von der zentralisierten Vergütung der Pfarrer und deren Verwirklichung in unserer Kirche?
- Ich sehe darin keinen besonderen Gewinn für unsere Kirche, dass das ganze System zentralisiert worden ist. Damals war das Ziel nicht etwas zu zentralisieren, sondern alle kirchlichen Hilfsquellen zu mobilisieren, damit die Pfarrer eine akzeptable Vergütung ihres Dienstes bekämen. Diese Notwendigkeit bleibt weiterhin bestehen. Auch heute vermögen es viele Gemeinden nicht, die Vergütung ihres Pfarrers aufzubringen. Und dann ist es sehr gut, wenn es die BVSG gibt, die etwas für die Vergütung dazutun können. Zur Zeit haben wir 70 bis 80 solcher Pfarrer. Was wäre aus ihnen geworden, wenn es dieses System nicht gegeben hätte? Was wäre aus ihnen geworden, wenn BVSG nicht die Zahlung ihrer Steuern übernommen hätte? Was wäre aus den Gemeinden geworden, zu denen die Pfarrer nicht mehr hinfahren konnten? Unsere ausländischen Partner haben uns immer wieder gesagt, dass einer der entscheidenden Gründe für unsere wirtschaftlichen Schwierigkeiten darin läge, dass wir unsere vielen viel zu kleine Gemeinden behalten möchten, die nicht in der Lage sind, ihre Pfarrer zu vergüten. Und dennoch möchten wir die dünn besiedelten Landgemeinden nicht verlassen. Gerade dort ist BVSG wichtig.
Dieses System ist ja nicht einfach gekommen, um ein anderes gut funktionierendes System zu unterhöhlen. Im Jahr 2007 betrug der durchschnittliche Monatslohn eines Pfarrers weniger als 100 Lats, und die Unzufriedenheit war gewaltig. Natürlich kann man heute die Entwicklung bedauern und nach Möglichkeit Fehler korrigieren, die gemacht wurden bei der Verwirklichung des Vorhabens. Ich muss zugeben, dass ein anderes Projekt von BVSG besser gewesen wäre.
- War es nicht so, dass BVSG blühende Traditionen in manchen Gemeinden zuschüttete? Die Gemeinden brauchten nicht mehr für die Vergütung ihrer Pfarrer zu kämpfen, denn für sie tat das BVSG.
- Das wäre menschlich verständlich, doch müssen wir uns davon überzeugen, ob das wirklich so ist. Ich erinnere mich an den Bericht eines Propstes in einer Versammlung seiner Propstei, dass während der Krise die Summe der Spenden nur um 2 % zurückgegangen sei. Es ist nicht so, dass die Gemeindeglieder zu spenden aufgehört hätten, aber ihre Möglichkeiten haben sich verringert. Es kann durchaus sein, dass BVSG es den Gemeinden ermöglichte, sich hinzustrecken und die Vergütung des Pfarrers nicht mehr als ihre Priorität zu betrachten. Sollte das der Fall sein, dann sollte man wenigstens erkennen, dass man der Vergütung des Pfarrers wieder größere Beachtung schenken müsste. Wir reden doch von vernünftigen Menschen, von unseren Gemeindegliedern.
- Es ist schon überraschend zu sehen, wie sehr die Vorgänge in der Kirche und in der Gesellschaft insgesamt einander ähnlich sind. In den fetten Jahren waren wir leichtfertig, und in den Zeiten der wirtschaftlichen Krise sind wir gezwungen, unsere Tätigkeit einzuschränken. Was ist dafür die Ursache?

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- Was soll ich dazu sagen? Offenbar waren die Beschlüsse und Methoden unserer Kirchenleitung denen in der Gesellschaft ähnlich. Offensichtlich waren viele Wunschvorstellungen und Motivationen einander ähnlich. Als wir sahen, dass der Wert unseres Besitzes in astronomische Höhen kletterte, beschlossen wir, dass wir alles können würden und Vollgas geben könnten. Das war ja gut gemeint und die Pläne waren auch nicht unbegründet. Wir hatten Eigentum und unterschriebene Verträge. Alles hätte eigentlich gelingen müssen. Doch während meiner Einkehr musste ich darüber nachdenken, ob diese Vorgänge, selbst bei einem guten Gelingen nicht mit der „dritten Art der Demut“ zu vergleichen wäre: Christus so sehr zu lieben, dass man an seinem Schicksal Anteil haben möchte und daher Gott darum bittet, mich in Seinen Dienst zu stellen in der gleichen Verstoßenheit, Erniedrigung, mit den gleichen Verletzungen und in wirklicher Armut wie Ihn? Ich weiß nicht, ob viele von uns in der Lage gewesen wären darum von Herzen zu beten, als wir BVSG planten? Und wenn das der Fall gewesen wäre, dann wäre unser Dienst ganz anders gewesen, vielleicht auch das Spenden und Miteinander Teilen. Aber wir gingen in eine andere Richtung, denn wir haben nicht viel in diesen Kategorien gedacht. Sehen Sie, dort erkenne ich meine nicht geleistete Arbeit, wofür ich viel mehr Vorwürfe verdient hätte als für die versäumte Aufsicht bei den Finanzen.
- Nach ihrem Aufbau ist unsere Kirche synodal – episkopal. Wie betrachten Sie die Rolle der Synode und der Bischöfe bei der Arbeit der Kirche?
- Das können wir in der Verfassung nachlesen. Dort werden diese Rollen recht erschöpfend beschrieben. Die Rolle der Synode wird zur Zeit durch deren Zusammensetzung behindert. Sie hat die allergrößten Vollmachten. Doch diese große Versammlung vermag es nicht, operativ tätig zu werden. Die Behandlung und Beratung von Fragen dauert lange und ist schwerfällig. 2001 gab es in der Synode den Antrag, sich mit einem Bestand von 40 sachkundigen Mitgliedern zu begnügen, die zwei Mal im Jahr zusammenkommen. Dann könnte die Synode auch über den Haushalt abstimmen, und auch auf anderen Gebieten würde ihre Bedeutung wachsen. Stattdessen war auch eine Kirchenversammlung in der Stärke der jetzigen Synode vorgesehen, die einmal in drei Jahren zusammentritt und die Beschlüsse fasst über wichtige gemeinsame Dinge, wie die Verfassung, die Agende oder das Gesangbuch. Diesen Antrag lehnte die Synode ab, und das führte dazu, dass der Oberkirchenrat und die Bischöfe größere Vollmachten bekamen. Ganz allgemein ausgedrückt, ist die Synode die Gesetzgeberin und die Bischöfe machen von diesen Gesetzen Gebrauch. Ich bin der Ansicht, dass der Dienst der Bischöfe sich stärker auf die Predigt, die Lehre, die Aufsicht über die Lehre, die Mission, Diakonie, den Unterricht beziehen und die wirtschaftliche und verwaltungsmäßige Seite der Kompetenz des Oberkirchenrats überlassen sollte.
- Ist es möglich, die jetzige Ordnung schnell zu ändern?
- Eine Verfassung ist keine Angelegenheit, die sehr schnell verändert werden darf. Wie ich bereits sagte, ist der Weg der Verhandlungen in der Synode lang und schwerfällig, besonders bei solchen Fragen. In der Synode im Dezember wird es nicht möglich sein, diese Fragen auf die Tagesordnung zu setzen. Sicher aber bis zur Synode 2013. Doch davor muss sorgfältig überlegt werden, denn es geht um große Veränderungen, die sorgfältig beurteilt werden müssen. Vielleicht würde es auch einfach mit Änderung der Zusammensetzung des Oberkirchenrats, der Wahlordnung und der Verteilung der Aufgabengebiete genügen.
Manches Mal höre ich, dass die neue Verfassung sehr episkopal geworden sei, und dadurch ihren synodal – episkopalen Charakter verloren hätte. Darüber kann man diskutieren. Ich würde meinerseits sagen, dass in ihr die Rechte und Pflichten der Bischöfe deutlicher beschrieben werden. In der Verfassung des Jahres 1928 sind sie sehr allgemein formuliert. So heißt es zum Beispiel dort „der Bischof gibt den Pröpsten, Pfarrern und geistlichen

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Mitarbeitern Anweisungen.“ Was für Anweisungen? Offensichtlich irgendwelche. Eigentlich bedeutet das doch entweder gar nichts, oder dass seine Befugnisse uneingeschränkt sind. Die neue Verfassung beschreibt viel deutlicher, was und in welchen Fällen der Bischof etwas bestimmen darf. Oft wird als Beispiel angeführt, dass ein Bischof jetzt Pröpste einsetzt. Doch hier sollte man die ganze Wahrheit sagen. Der Bischof setzt sie auf Grund einer von der Propsteiversammlung vorgelegten Liste der Kandidaten ein. Diese Ordnung ist tatsächlich synodal – episkopal und trägt dazu bei, die Sicherheit zu gewähren, dass der Propst das Vertrauen seiner Propstei genießt und gut mit seinem Bischof zusammenarbeiten kann. Vergleichen wir das mit der schwedischen Kirche. Dort kann ein Bischof einen Propst nach seinem Gutdünken einsetzen, und so ist das auch in einnigen anderen lutherischen Kirchen. Übrigens stützt sich die neue Verfassung nirgends auf das römisch – katholische Kirchenverständnis, wie es hier und dort behauptet wird. Als wir im Jahr 1994 daran zu arbeiten begannen, nahmen wir uns den Aufbau der schwedischen Kirche zum Vorbild. Kürzer ausgedrückt: die neue Verfassung mag nicht vollkommen sein, und wir können fortfahren, sie immer vollkommener zu machen, aber ich entdecke in ihr keine solchen Vergehen, wie man sie ihr andichtet.
- Was denken Sie über den im Aufruf der Pfarrer der Propstei Riga enthaltenen Vorschlag, dass die Synode den Oberkirchenrat wählt, dass die Propstei den Propst wählt, dass der Kirchenvorstand den Pfarrer wählt und darüber, dass ein Bischof nicht auf Lebenszeit gewählt wird und die Synode darüber entscheidet, ob er seinen Dienst als Bischof fortsetzen darf?
- Zu der Wahl eines Propstes habe ich bereits etwas gesagt. Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass bei Angelegenheiten der Gemeinde und bei Fragen des Dienstes eines Pfarrers das gegenwärtige Kapitel, in dem die Propstei durch den Propst vertreten ist, eine viel bessere und arbeitsfähigere Lösung ist als seinerzeit das von der Synode gewählte Konsistorium. In jeder Propstei ist ein Mitglied des Oberkirchenrats zugegen, das alles weiß, was dort beschlossen wird und weshalb das geschehen ist. Im Kapitel ist jemand zugegen, der die Kirchengemeinden, die Propstei und die Anliegen der Pfarrer kennt. Diesen Aufbau zu zerstören, wäre für die Kirche ein großer Verlust. Das würde auch die Stellung eines Propstes im Gesamtaufbau der Kirche undeutlicher machen. Die Ordnung, dass auch die Leiter der Dezernate zum Oberkirchenrat gehören, war vielleicht keine glückliche Lösung, denn so müssen sie über ihren eigenen Haushalt und die eigenen Pläne mit abstimmen. Hier werden sicher Veränderungen notwendig sein, doch mit Bedacht.
Die Idee, dass eine Gemeinde ihren Pfarrer selbst wählt, scheint mir sehr gut zu sein. Bisher war sie nur schwer zu verwirklichen, denn wir hatten großen Pfarrermangel, und wir mussten darauf achten, dass nicht ganze Gebiete ohne den Dienst eines Pfarrers blieben. Im Augenblick haben wir nicht mehr so viele Vakanzen und es studieren viele Ordinationskandidaten, so dass die Gemeinden Pfarrer berufen und wählen können. Nur darf das nicht die einzige Weise sein, nach der ein Pfarrer in eine Gemeinde kommt. Vor einiger Zeit war eine Kirchengemeinde längere Zeit vakant. Sie hatte 18 Pfarrer angesprochen, doch keiner von ihnen wollte kommen. Es muss jemanden geben, der die Sache einer Lösung zuführen kann, zum Beispiel im Dezernat für Angelegenheiten der Kirchengemeinden.
Komplizierter ist die Frage nach der Verlängerung der Vollmachten eines Bischofs. Ich sage das nicht, weil ich dabei an mich selbst denke, denn dieses Mal möchte ich selbst die Synode darum bitten, das zu tun. Einerseits kann man bei dieser Lösung Vorteile entdecken. In anderen Kirchen werden die Bischöfe meistens erst gewählt, wenn sie mindesten 50 Jahre alt sind. Und dennoch erscheint die Zeit bis zur Emeritierung recht lang. Unsere Geistlichen sind im Durchschnitt recht jung, so dass man davon ausgehen kann, dass sie 30 Jahre oder länger

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im Amt bleiben, und das ist sehr lange. Wenn ein Bischof müde wird, oder ihm sein Dienst aus einem anderen Grunde nicht gelingen will, hat er leichter die Möglichkeit eines Wechsels. Das vergrößert aber auch seine Verantwortung gegenüber der Kirche. Doch ich erkenne auch Mängel.. Eine solche Amtsverlängerung wird weder im Text und den Prinzipien der Verfassung des Jahres 1928 noch des Jahres 1996 erwähnt Nicht deshalb, weil die Gründerväter sie möglicherweise einzutragen vergessen hätten, sondern weil eine Neubestätigung nicht den in unserer Kirche bestehenden Grundsätzen vom Bischofsamt entsprach. Auch in der Bibel werden Bischöfe, Presbyter oder Diakone nicht neu bestätigt oder neu gewählt. Eine solche Neubestätigung erweckt den Eindruck, dass die Kirche ihre Bischöfe eher als Präsidenten betrachtete, und dadurch sich von den Prinzipien der Verfassung des Jahres 1928 distanziert hätte. Periodische Um- oder Neuwahlen machen einen Bischof zu einer politischen Figur und bringen in die Kirche regelmäßig die Wahlkampfatmosphäre hinein. Ich sehe auch praktische Schwierigkeiten, wie man die besten Bewerber um das Bischofsamt dazu überreden könnte. Ich weiß wirklich nicht, ob ein in seiner Gemeinde sehr erfolgreicher Pfarrer bereit wäre, seine gut aufgebaute Gemeinde zu verlassen, und einem Ruf in ein kurzfristiges Bischofsamt und damit in eine unsichere Zukunft zu folgen. Auf jeden Fall: Sollte die Synode für eine periodische Verlängerung des Bischofsamtes stimmen, dann müsste sie konsequent sein und das auch bei den Pfarrern tun. So könnte eine Kirchengemeinde alle drei Jahre darüber abstimmen, ob sie ihren Pfarrer noch länger behalten möchte. Das mag das Verantwortungsgefühl eines Pfarrers gegenüber seiner Gemeinde stärken und auch dem dienstbereiten Nachwuchs die Möglichkeit schaffen, sich um eine neue Stelle zu bewerben.
- Sie sagten, dass es der Zweck, sich in die Einkehr zurückzuziehen, gewesen sei, den Willen Gottes im Blick auf Ihr Leben zu vernehmen. In gewissem Maße vertrauen Sie der Synode, dass sie diejenige ist, die Ihnen Gottes Willen mitteilt.
- Ja, das ist die Hauptsache, doch es gibt auch weitere Gründe. Erstens denke ich, dass nach allem aufregenden Geschehen die Synode die Gelegenheit haben müsste, ihren Willen in Bezug auf die Verantwortung der Kirchenleitung auszusprechen, deren erster Repräsentant ich bin. Wenn die Verfassung auch eine solche Abstimmung nicht vorsieht, ist es nur recht und billig, dass ich sie selbst herbeiführe. Zweitens kursieren sowohl in lettischer Sprache als auch in anderen Sprachen Bekanntmachungen um die Welt, dass niemand mehr unserer Kirchenleitung vertraut. Sollte das wirklich so sein, dann gibt es für mich keinen Anlass, nur noch einen Augenblick im Amt zu bleiben. Aber auch dann, wenn das nicht der Fall ist, so ist diese Meinung in den Medien und in privaten Kanälen weit verbreitet worden. Und deshalb kann ich nicht erkennen, wie ich ohne ein Votum der Synode mein Amt als Bischof fortsetzen und damit unsere Kirche gegenüber der Gesellschaft in Lettland und gegenüber anderen Kirchen vertreten könnte.
-Was wird das Erste sein, was Sie tun werden, falls die Synode Sie bitten sollte, im Amt des Erzbischofs zu verbleiben?
- Wenn die Synode das nicht tut, dann möchte ich fröhlich in den Gemeindedienst zurückkehren, denn ich bin dazu berufen und ordiniert, zu predigen, zu lehren, die Sakramente zu spenden und Seelsorge zu betreiben. Gott hat mir für die Finanzen und für die Wirtschaft keine Gaben geschenkt. Und wenn Gott jemandem keine solche Gaben beschert, dann beruft er ihn wohl auch nicht dazu. Wenn unser Bischofsamt so nah an die Wirtschaft und Finanzen herangerückt wird, dann bin ich offensichtlich auch nicht dazu berufen. Doch sollte die Synode der Meinung sein, dass ich meinen Dienst in diesem Amt fortsetzen sollte, dann werde ich zuerst bestrebt sein, einen Sekretär für den Oberkirchenrat zu finden, der in der Lage ist, die volle Verantwortung über die ganze Wirtschaft und Verwaltung des

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Oberkirchenrats zu übernehmen. Spätere Sekretäre können von der Synode gewählt werden, aber jetzt müssen wir ernsthaft überlegen, wie wir dem Prinzip der Auslese gerecht werden. Ich habe bereits einige bekannte Glieder unserer Kirche angesprochen, die erfolgreiche Unternehmer sind, ob sie nötigenfalls bereit wären, uns mit ihrem Rat bei wirtschaftlichen Fragen zu helfen.
Natürlich können Bischöfe die Verantwortung auch bei wirtschaftlichen und verwaltungsmäßigen Fragen nicht abschieben, wenn sie die Gemeinden, Pfarrer, Dezernate und weiteres betreffen. Doch für das Wesentlichste am Dienst eines Bischofs halte ich die Visitation der Gemeinden, die Förderung der Bereitschaft zur Mission, die Begegnung mit Menschen, Kontakte mit den Schulen zu suchen und anderen dabei zu helfen, zum Beispiele Vorträge über die Verantwortung des Christen heute anzubieten. Falls notwendig, den Kirchengemeinden bei der Herstellung von Kontakten mit den Behörden zu helfen. Die Bischöfe müssen besser hörbar werden in der Gesellschaft, besonders bei sozialen Fragen. Es wird an Arbeit nicht mangeln, es müssen nur die Prioritäten richtig festgesetzt werden. Doch zu allererst möchte ich den Pfarrern und kirchlichen Mitarbeitern helfen, tiefere Erfahrungen mit der Bibel und mit Gott zu machen, was für mich so hilfreich und heilsam war. Ich möchte ein Helfer im Dienst und Seelsorger sein. Das habe ich für mich beschlossen, ganz gleich in welchem Amt oder Status. Davor habe ich allerdings das Bedürfnis, ein wenig Zeit dem Studium zu widmen, um für die Aufgaben gerüstet zu sein.
Ich habe aber den Eindruck, dass es auch nach der Synode manche Dinge geben wird, die noch nicht angesprochen wurden.. Diskussionen, die soeben begonnen wurden, müssen fortgesetzt werden. Dafür müssen Zeit und Möglichkeiten geschaffen werden. Das betrifft die hier angesprochenen Fragen ebenso wie alles, was wir sonst noch auf dem Herzen haben. Nur die Form sollten wir verändern. Es wäre konstruktiver, wenn man zu mir oder zum Bischofskollegium käme, um das mit uns zu besprechen und es dann, falls es als notwendig erscheint, in einem größeren Rahmen zu verbreiten. Das Versenden von Bekanntmachungen sollte erst der letzte Schritt sein
– Haben die Bischöfe bei der Vorbereitung der Synode eine bestimmte Vision, die sie vorlegen möchten: Was für eine Kirche möchten wir sein und in welche Richtung möchten wir gehen?
- Die Tagesordnung der Synode sieht Berichte der Bischöfe vor, und etwas werden sie ganz bestimmt sagen wollen. Heute möchte ich nur soviel sagen: Die Richtlinien für eine Vision hat uns unser Herr selbst gegeben: Lebt miteinander wie Brüder und Schwestern und seid so gesinnt wie es Christus auch war. Tut das zu meinem Gedächtnis. Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker. Sorgt für die Armen, die Witwen und Waisen. Dem kann man nicht mehr viel hinzufügen oder fortnehmen, sondern darauf achten, wie man es noch besser machen kann. Ich denke, dass es noch fruchtbarer ist als die Vorstellung irgendwelcher Visionen vor irgendeinem großen Publikum, wenn jede Kirchengemeinde ihre eigene Vision entdeckt in der bestimmten Situation, in der wir sind. Dort wo wir sind, darüber, was wir erreichen möchten, und welche Möglichkeiten wir haben, um das zu bewirken…

Auch mir erscheint das wichtig Romāns Ganiņš, Leiter des Eigentumsdezernates.
Während der vergangenen Jahre habe ich es vermieden, mich an den Debatten über die aktuellen Dinge in der ELKL zu beteiligen, und das aus zwei Gründen: Ich war durch die Arbeit im Eigentumsdezernat sehr stark ausgelastet und nie der Ansicht, dass die inneren Angelegenheiten der Kirche (nach der Aussage der Heiligen Schrift) nicht in der Öffentlichkeit beraten werden dürfen. Während der gleichen Zeit habe ich an allen Versammlungen teilgenommen, zu denen ich eingeladen war, um mit den Anwesenden zu

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reden, wo es vorgesehen war (darunter auch bei den Konventen der Propstei Riga). Bei dem Lesen des Berichtes über den Konvent am 9. Oktober in unserer Kirchenzeitung mit dessen offenen Brief der Teilnehmer sowie dem Beitrag von Indulis Paičs „Was uns wichtig erscheint“ fühlte ich mich aufgefordert, meinen Standpunkt den Lesern von SR darzulegen. Über das in den verschiedenen Beiträgen Gesagte habe ich mir sehr viele Anmerkungen gemacht, doch möchte ich nur auf einige, und zwar auf die nach meiner Meinung wichtigsten Aussagen im Beitrag von Indulis Paičs in SR Nr. 13 (der auch in der deutschen Übersetzung der Nr. 13 vorliegt) eingehen.
Über die Methoden in den Dingen des Reiches Gottes. Der Autor des Beitrags sagt in der Einleitung, dass „bei den Dingen des Reiches Gottes die Methoden nicht selten wichtiger seien als konkrete Erfolge“. Amen! Auch ich bemühe mich, nach diesem Prinzip zu leben und meinen Dienst zu tun. Doch weiter können wir bedauerlicherweise eine Menge entstellter Informationen lesen. Zum Beispiel: „Schließlich wurde zum Krisenpreis das wertvollste Gebäude der ELKL auf dem Domplatz 1 veräußert.“ Erstens ist dieses Gebäude nicht das wertvollste Gebäude der ELKL und auch nicht zum Krisenpreis , sondern für einen sehr guten Preis verkauft worden. Das kann jeder in Immobiliendingen bewanderte Experte bestätigen. Leider waren wohl die Berater von Indulis Paičs darauf aus gewesen, den Autor falsch zu informieren. Denn wie sollte es sonst zu erklären sein dass solche unwahren Dinge (von denen ich nur dieses eine als Beispiel nenne) in seinen Beitrag gekommen sind, und ob das die richtigen Methoden des Umgangs im Reiche Gottes sind.?!
Merkwürdig ist auch der Teil des Textes im Aufruf der Teilnehmer am Konvent, dass der Dialog zwischen der Kirchenleitung der ELKL und den Pfarrern, Kirchengemeinden und Propsteien unbefriedigend sei, weil viele Amtsträger des Oberkirchenrats trotz der Aufforderung der Propsteikonvente, von ihren Ämtern zurückzutreten, ihre Tätigkeit dort fortsetzen würden. Ist das wirklich ein Dialog, wenn die eine Seite ohne Einwände die ultimativen Forderungen der anderen Seite erfüllt? Traurig erscheint mir auch die Tatsache, dass man in einigen Pfarrkonventen in meiner Abwesenheit mir einige Sünden und Übertretungen angedichtet hat, und dabei offensichtlich keiner der Redner auf den Gedanken gekommen ist, sich an die in der Heiligen Schrift bestimmte Ordnung zu halten – zuerst darauf in einem Gespräch unter vier Augen aufmerksam zu machen, und wenn dadurch nichts erreicht wird, Zeugen hinzu zu bitten, und wenn dadurch auch nichts erreicht wird, die Sache der Gemeinde vorzutragen. Niemand ist zu mir gekommen und hat mir etwas Konkretes vorgetragen, was geändert werden müsste! Mich persönlich stört es nicht, dass man über mich hinter meinem Rücken redet, aber wohl, dass dieses von Pfarrern getan wird. Ich rufe alle, die etwas gegen mich vorzubringen haben, dazu auf, zu mir zu kommen und mir das zu sagen. Ich bin noch nie solchen Gesprächen ausgewichen, denn ich weiß, dass ich nicht frei von Fehlern bin. Ich habe mich bemüht, meine Fehler auch in Diözesanversammlungen einzugestehen. Sollte es noch weitere geben, dann sagt sie mir! Ich denke, dass das die richtigen Methoden im Reich Gottes sein werden.
Über den Rücktritt vom Amt. Bereits im März habe ich den Teilnehmern am Propsteikonvent in Riga bei der Beantwortung dieser Frage erklärt, dass ich keinen Augenblick an diesem Amt kleben und es unverzüglich verlassen würde, wenn das die Kirchenleitung der ELKL beschließt würde – das sind nach der Verfassung das Bischofskollegium und das Kapitel, die täglich mit der Arbeit der Dezernatsleiter in Berührung kommen und diese objektiv beurteilen können. Ich meine, dass ich als Dezernatsleiter mich selbst nicht genügend objektiv beurteilen kann und habe das denen anvertraut, denen die Verfassung das zuspricht, und daran glaube, dass dadurch auch Gottes Wille im Bezug auf meinen weiteren Dienst offenbar werden wird. Ebenso habe ich auch

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betont, dass ich zur Fortsetzung meines Dienstes bereit bin, und auch dafür zu kämpfen, die Kirche aus der Finanzkrise hinauszuführen. Ich denke, dass verantwortliches Handeln kein Ausweichen und Entfliehen von zugelassenen Fehlern bedeutet, sondern das Eingeständnis der Fehler und das Bemühen, sie mit Gottes Hilfe zu korrigieren. Da das Kapitel beschlossen hatte, dass ich meinen Dienst fortsetzen sollte, habe ich das auch von ganzem Herzen gerne getan. Und dabei ist es mir nie gleichgültig gewesen, welcher Auffassung die Vertreter der Kirchengemeinden waren. Dabei habe ich sowohl kritische als auch zustimmende Standpunkte angehört, welche die Mehrheit bildeten (mindestens bei denen, die mir persönlich vorgetragen wurden). Dank dieses Ansporns durch die Vertreter vieler Kirchengemeinden habe ich meinen Dienst in dem Bewusstsein fortsetzen können, dass er in der Kirche benötigt würde. Dafür danke ich allen.
Über die Verfassung. Bei dieser Sache gibt es einige Dinge, die auf die Unvollkommenheit der Vorschläge des Konvents der Propstei Riga hinweisen.
1. Die im Jahr 2007 beschlossene Verfassung wird als uneffektiv bezeichnet. Es ist jetzt sicher verfrüht, Schlüsse zu ziehen, weil ja die Verfassung soeben beschlossen worden ist und man über deren Effektivität erst frühestens nach fünf bis zehn Jahren ein Urteil abgeben können wird, nachdem die beschlossenen Korrekturen in Kraft getreten sind.
2. Die Vorschläge enthalten auch die Aufforderung sich der Verfassung des Jahres anzuschließen, in der die Bischöfe die geistliche und nicht die verwaltungsmäßige Macht vertreten würden. Gleichzeitig wird dazu aufgerufen, alle sechs Jahre zu beschließen, ob die administrativen Vollmachten eines Bischofs verlängert werden sollten. Ist das nicht ein Widerspruch?
3. Im Aufruf setzt man sich sehr für die Verfassung des Jahres 1928 ein, nach der alle Propsteien durch eine Vertretung im Oberkirchenrat vertreten seien. Auch die Verfassung des Jahres 2007 garantiert die Vertretung alles Propsteien im Oberkirchenrat. Alle Pröpste sind Mitglieder des Kapitels als dem wichtigsten Gremium des Oberkirchenrates.
4. Einige Autoren dieses Aufrufes unterstützen sehr die demokratischen Prinzipien, doch gleichzeitig haben sie bei ihren Korrekturen sehr undemokratische Prinzipien verkündigt- die Abstimmung in drei Kammern bei der Synode, bei der eine Minderheit jeden Mehrheitsbeschluss blockieren könnte. Nach diesem Vorschlag könnten sogar 2 Stimmen einen von 400 Stimmen für etwas gefassten Beschluss blockieren. Weshalb diese fehlende Übereinstimmung zwischen Worten und Taten?
5. Jetzt regen einige Autoren dieser Vorschläge sogar eine neue Version an. Sie möchten zur Verfassung des Jahres 1996 zurückkehren! Wo bleiben da noch die Konsequenzen?
Bei dem Lesen und Anhören dieser widersprüchlichen, nicht überzeugenden und inkonsequenten Vorschläge zur Einführung einer neuen Verfassung bezweifle ich, ob die Verfasser überhaupt begriffen haben, wozu sie aufrufen möchten. Ich habe vielmehr den Eindruck, dass der Verfassung (die ja von Menschen erstellt wird) eine viel zu große Bedeutung angedichtet wird, und dass diese Autoren es versäumt haben, ihren Standpunkt durch die Heilige Schrift zu begründen. Ich denke, dass die jetzt geltende Verfassung gut genug ist und nur ganz geringfügiger Korrekturen bedarf. Ich bin auch davon überzeugt, dass die gegenwärtige Verfassung nicht die Ursache für die jetzige finanzielle und geistliche Krise ist, und dass deren Veränderung auch nicht die Überwindung der einen oder anderen bedeuten würde. Die wahren Ursachen liegen bei uns selbst, und wenn wir uns selbst ändern werden, dann werden wir auch die Situation in unserer Kirche ändern. Nur müssen wir dann auch uns alle ändern.! Dann werden wir auch gemeinsam die geltende Verfassung ändern und in Kraft setzen können.

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Über das Anhören und die Diskussion aller Argumente. In seinem Beitrag bezweifelt Indulis Paičs, dass die Synode in der Lage gewesen sei, aus Zeitgründen alle Argumente zur Kenntnis zu nehmen. Darüber wurde viel geredet, und auch die Vertreter der Revisionskommission haben darauf hingewiesen, dass die Debatten und Diskussionen eigentlich bereits davor in den Propsteisynoden und nicht auf der Synode der ELKL stattfinden müssten. Das war bereits vor der letzten Synode der Fall und wird auch jetzt der Fall sein. Ich danke allen, die es für notwendig erachtet haben, sich an diesen Versammlungen zu beteiligen und ihr Scherflein dazu beizusteuern. Wir haben sehr wertvolle und hilfreiche Vorschläge erhalten. Einer von ihnen ist, dass man diese Versammlungen jedes Jahr stattfinden lassen sollte. Diesem Vorschlag möchte ich mich auch anschließen, denn auf die Synode müssen wir uns lange vor dem festgesetzen Termin vorbereiten. Deshalb empfehle ich dringend, die Beratung dieser Fragen von den Massenmedien auf diese Versammlungen zu verlagern.
Ein Pfarrer hat mich einmal gelehrt, dass es nicht diejenigen seien, die uns lieben, sondern diejenigen, die uns krtisieren, und die wir am schwersten ertragen können, welche unser geistliches Wachstum fördern, denn durch sie entdecken wir unsere Unvollkommenheit. Das glaube ich auch und werde fortfahren, für alle zu beten – sowohl für die, welche mir beipflichten, als auch für die, welche mich kritisieren. Und ich bitte euch, dasselbe zu tun, damit unsere Kirche durch unser gemeinsames Bemühen besser würde und schließlich so aussehe, wie sie nach der Heiilgen Schrift aussehen müsste und sich nicht im Streit um Wirtschaft, Verwaltung und einzelne Paragraphen der Verfassung zerriebe.

Über den lutherischen Gottesdienst Vilis Kolms
Ich habe den Beitrag von Herrn Dekan Dr. Ralfs Kokins „Ein lutherischer Pfarrer denkt über die Situation unserer Kirche nach“ in unserer Kirchenzeitung „Svētdienas Rīts“ gelesen. Auch ich mache mir Sorgen um unsere lutherische liturgische Tradition, und ich bin Herrn Dr. Kokins für seinen Impuls zur Diskussion sehr dankbar.
Durch den ganzen Beitrag hindurch kann man die schmerzliche Frage verspüren, ob in unserer Kirche nicht Dinge geschehen, die ihr nach ihrem Wesen fremd sind.? Dabei wendet er sich an einigen Stellen dem Ablauf des Gottesdienstes zu. So schreibt Dr. Kokins: „Der Protestantismus empfindet alle äußerlichen Handlungen in der Messe (mit Gewändern, Prozessionen, Verbeugungen, Weihrauch, Glöckchen, dramatischem Sich Bekreuzigen, zu Boden Fallen und Liegenbleiben und dabei „mea culpa“ zu intonieren und anderen seltsamen Gebräuchen) reichlich theatralisch aufgesetzt und als einen traurigen Leergang, wenn sie in einer evangelischen Kirche geschehen.“ Dann beschreibt er das lutherische Ideal eines Gottesdienst recht kurz:: Der lutherische Gottesdienst ist bewundernswert in seiner Schlichtheit, Herzlichkeit und aristokratischen Würde. „
Mein erster Einwand entsteht bei mir bei der Beschreibung unserer liturgischen Situation. Der Beitrag lässt eine Szene entstehen, die den Eindruck macht, dass die Gemeinden ganz andere Messen feiern würden, in dem die Gemeindeglieder in Begleitung des Klanges von Glöckchen und dramatischem Sich Bekreuzigen zu Boden fallen und lateinisch das „mea culpa“ intonieren würden. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man die von Dr. Kokins beschriebenen Elemente im Ablauf des Gottesdienst auf keinen Fall als in unserer Kirche allgemein übliche Praxis bezeichnen kann, und ich hoffe, dass sich der Autor bei dieser Schilderung nicht von eigenen Erfahrungen hat leiten lassen.
Mein zweiter Einwand entsteht bei der Betrachtung des lutherischen Gottesdienstes insgesamt, und was dabei als lutherisches Kennzeichen beschrieben wird.: Schlichtheit, Herzlichkeit und aristokratische Würde. Natürlich ist es nicht töricht, den lutherischen

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Gottesdienst so zu beschreiben, und auf ähnliche Weise hat der Vater unserer liturgischen Erneuerung Professor Roberts Feldmanis auch über den Gottesdienst gesprochen. Dennoch können das nicht die einzigen Kriterien sein. Es ist möglich, den Gottesdienst im schwarzen Talar mit einer hoch entfalteten Gottesdienstordnung zu halten (zum Beispiel einen Gottesdienst, dessen Ordnung durch Vorträge von Gastkünstlern unterbrochen wird, welche dem Inhalt eines Gottesdienstes in keiner Weise entsprechen), und es ist möglich, den Gottesdienst in liturgischen Gewändern zu feiern mit einem Einzug zu Beginn und mit einem Auszug am Ende des Gottesdienstes.und dem Sich Bekreuzigen in einem ganz schlichten Gottesdienst von aristokratischer Würde. Offensichtlich ist es nicht nur die Schlichtheit und die aristokratische Würde, was den Gottesdienst prägt und die lutherische Messe ihrem Wesen nach von der römisch – katholischen Messe unterscheidet (ganz bewusst gebrauche ich bei den Gottesdiensten westlicher Prägung in beiden Fällen den Ausdruck „Messe“, denn auch Luther bezeichnet die beiden von ihm erstellten Gottesdienstordnungen als Messen und im Augsburger Bekenntnis wird sehr stark betont, dass die Vorwürfe, die gegen die Reformatoren erhoben würden, dass sie die Messe abschaffen wollten, jeder Wahrheit entbehrten). Der Zugang Luthers zum Gottesdienst war ganz einfach. Die Form des Gottesdienstes wäre nicht von entscheidender Bedeutung (deshalb war es den Zeitgenossen Luthers lange Jahre nicht möglich, ihn dazu zu überreden die Ordnung eines Gottesdienstes als Muster zu erstellen, das der reformatorischen Theologie entspricht). Das Wichtigste ist für Luther, dass der Gottesdienst der Träger des Evangeliums in das Volk ist. Er ist der Ort an dem sich das Wort Gottes, das er zu den Menschen spricht und die Antwort der Menschen, die sie Gott geben, treffen, also an dem sich, kürzer ausgedrückt, Gott und der Mensch begegnen. Dr. Kokins schreibt: „Gott redet mit seinem Volk/ seinen Kindern/ seiner Gemeinde durch Wort und Sakrament und wir antworten Ihm mit Gebet und Lobgesang.“ Dieses ist ein geringfügig erweitertes Zitat aus einer Predigt Luthers, die er im Jahr 1546 bei der Weihe der Schlosskirche zu Torgau gehalten hatte, und in der er sehr zutreffend das beschreibt, was im Gottesdienst geschieht, und in der er auch alles erwähnt, was der oben erwähnte Beitrag von Dr. Kokinsals als für einen lutherischen Gottesdienst fremd bezeichnet (wie Prozessionen, Niederknieen usw) , was seinem Wesen nach dem Grundsatz „Gott redet mit uns und wir reden mit Gott“ nicht widerspricht, wenn wir von den wesentlichen Unterschieden zur römischen Messe des Mittelaltrers sprechen. Diese Unterschiede werden an einer völlig anderen Stelle deutlich: bei der Kritik an der Theologie des Messopfers, die von der lutherischen Lehre von der Gnade und Rechtfertigung ausgeht und bei der die Verkündigung des Evangeliums dem Volk den Hauptakzent erhält. Die lutherische Kirche betont, dass der Dienst Gottes an den Menschen an der ersten Stelle steht und nicht der Dienst der Menschen an Gott. Das unterstreicht Dr. Kokins ganz zu Recht. Ich kann es wirklich nicht glauben, dass irgendeine lutherische Kirchengemeinde in Lettland mit Worten, Werken oder auf eine andere Weise es versuchen sollte, das Messopfer nach mittelalterlichem Verständnis wieder einzuführen. Ein weiteres Kennzeichen für den lutherischen Gottesdienst ist die Austeilung des Abendmahles nach dem Evangelium in beiderlei Gestalt. Somit behält der Gottesdienst in jeder lutherischen Gemeinde, wie auch immer er sich äußerlich darstellen mag, seine Kennzeichen bei: dort wird Gottes Wort gepredigt und die Gemeindeglieder erfüllen ihren Auftrag des Allgemeinen Priestertums und sind am Gottesdienst aktiv beteiligt durch Gebet und Lobgesang und empfangen im Abendmahl den Leib und das Blut unseres Herrn Jesus Christus nach Seiner Verheißung. Wenn in einer Kirchengemeinde etwas von dem oben Erwähnten ausfällt, dann könnte man solch einen Gottesdienst eher als nicht lutherischen Gottesdienst betrachten. Gleichzeitig können wir auch bemerken, dass wir die Bilder, auf denen Luther bei seinem Dienst am Altar im Messgewand dargestellt wird,

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beiseite schieben und die Tatsache übersehen, dass die Abschaffung der Gewänder nicht auf Luther und die Reformation zurückgeht, sondern eher auf die Zeit der Aufklärung. Gott redet uns nicht nur verbal an, sondern auch mit Zeichen und Symbolen. Deshalb bedeutete Luther die Elevation (das Hochhalten der gesegneten Oblate und des gesegneten Kelches) im Heiligen Abendmahl sehr viel. Auch die Gemeinde antwortet nicht nur verbal, sondern auch durch das Hinknien und Aufstehen und durch das Einsammeln des Dankopfers. Unsere Vorstellung vom lutherischen Gottesdienst ist eigentlich die Vorstellung von seiner Gestalt im 19. Jahrhundert. Diese hat sich über viele Generationen von lettischen Lutheranern erhalten, und das sollten wir auch respektieren. Gleichzeitig sollten wir aber auch nicht ängstlich auf die Entwicklung unseres Gottesdienstes während der letzten Jahrzehnte schielen, denn die eine oder andere Empfehlung Luthers wird dort mehr beachtet als früher. Ganz sicher betrifft das die aktive Teilnahme der Gemeinde am Gottesdienst und das neue Verständnis von der Feier des Heiligen Abendmahles nach der Heiligen Schrift und dem Brauch in der Urkirche und der Kirche der Reformationszeit. Die Konsequenzen dieses neuen Verständnisses werden auch in der liturgischen Entwicklung deutlich und sie bedrohen in keiner Weise unser Luthertum.
Schließlich haben wir Lutheraner, unsere Identität zu pflegen und dabei nicht auf andere Konfessionen ängstlich zu blicken und uns darüber aufzuregen, wenn etwas, was wir in unseren Gottesdiensten tun, sich auch bei ihnen wiederfindet. Wenn uns das stören sollte, dann dürften wir auch nicht unseren Sonntagsgottesdienst feiern, denn – auch wenn uns das nicht gefallen mag – so singen wir ebenso wie die römischen Katholiken und die russischen Orthodoxen das „Herr, erbarme dich“ und das „Heilig“, sprechen das Glaubensbekenntnis, lesen in der Heiligen Schrift, sprechen das Gebet des Herrn und bekennen, dass unser Herr und Heiland im Heiligen Sakrament des Abendmahles leibhaftig zugegen ist.

„Initiative“ trifft sich dieses Mal in Riga. Ingrīda Briede
„Initiative Europa“ ist eine Organisation, die 1996 in Deutschland entstanden ist mit dem Ziel Menschen in ihren Berufen zu festigen, und das möchte sie in christlicher Verantwortung tun. Was dabei alles möglich ist, zeigen die etwa 550 Mitglieder dieser Organisation, die in der Volkswirtschaft, der Kirche, in Hochschulen tätig sind oder auch schöpferische Berufe vertreten. In 12 europäischen Ländern bietet „Initiative“ Seminare an über wirtschaftliche Themen, berät in wirtschaftlichen und unternehmerischen Fragen und lädt junge christliche Unternehmer aus osteuropäischen Ländern zu Hospitationen (Praktika) nach Deutschland ein. Wie beliebt und gefragt diese Aktivitäten sind, zeigt, dass nicht alle Interessierten einen Praktikumsplatz in Deutschland bekommen können, weil sie sich vorher einem Ausleseverfahren stellen müssen. Die Letten gehören hier zu den aktivsten Interessenten für ein Praktikum in Deutschland. Auch in diesem Jahr waren neue und aktive lettische Unternehmer bei deutschen Unternehmern zu Gast. So war Līga Pommere, der die Firma „Balt-go“ gehört bei der Firma „Ikarus Tours“ zu Gast, Kristīna Liepa von der Stiftung Dreifaltigkeitskirche in Liepaja (Libau) besuchte die Stiftung Dresdner Frauenkirche, Ināra Krīgere lernte Friseurgeschäfte in Deutschland kennen. Aiva Valdmane, von Beruf Lederkünstlerin, besuchte das Schuh- und Ledermuseum in Offenbach, traf sich mit mehreren Lederkünstlern in Deutschland und arbeitete mit ihnen und lernte dabei neue Technologien kennen. In diesem Jahr nahmen an diesen Praktika in Deutschland sowohl Letten als auch Russen aus Königsberg, Polem, Ungarn, Rumänen und ein Chinese aus Estland teil. Die große lettische Aktivität bei der Teilnahme an den Praktika war auch einer der Gründe dafür,

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weshalb der diesjährige Kongress von „Initiative“ vom 8. bis zum 10. Oktober in Riga und nicht in Deutschland stattfand. „Mit dieser Veranstaltung in Riga möchten wir uns bei der deutschen Gesellschaft „ Initiative“ für die Seminare und Praktika bedanken, sowie für den Erfahrungsaustausch mit deutschen Unternehmern und die Veranstaltung von Fahrten nach Deutschland.“, sagte Māra Liguta, die Vorsitzende von „Initiative Lettland“ Auch sie ist eine der mehr als 170 Hospitanten, die während der 10 Jahre sich zum Praktikum nach Deutschland auf den Weg gemacht hatten. Zur Zeit ist sie als vereidigte Revisorin tätig und Glied der Rigaer Luthergemeinde. Während der Konferenz konnten Praktikanten dieses und anderes aus dem vergangenen Jahr von dem berichten, was ihnen das Praktikum in Deutschland gegeben hat: Neue Ideen, Wissen und Geschäftskontakte. Sie waren voll des Lobes über die große Gastfreundschaft und das ihnen entgegengebrachte Interesse und alle Hilfe bei den Versuchen, die deutschen Traditionen und Kultur näher kennen zu lernen.
Diese Jahreskonferenz versammelte 150 Mitglieder von „Initiative Lettland“ und ehemalige Hospitanten im Hotel Radisson. Sie stellten den Gästen aus dem Ausland die wirtschaftlichen Probleme in Lettland sowie die lettische Kultur und die lettischen Traditionen vor. So hatten alle die Möglichkeit einen Vortrag von Landwirtschaftsminister Kampars über die Entwicklung der Landwirtschaft in Lettland anzuhören und den Dom zu Riga, die Altstadt und das Jugendstilviertel zu besichtigen und an Konzerten teilzunehmen. Es wurden auch Preise verliehen. So bekam in diesem Jahr Ilze Mediņa, der als Unternehmerin eine Bäckerei, ein Geschäft und ein Café in Talsi gehören, den Preis von „Initiative“.

Chefredakteurin: Inga Reča

Anschrift der Redaktion: Mazā Pils iela 4 – Riga – LV 1050
E-Mail-Adresse: svetdienasrits@apollo.lv

Übersetzung: Johannes Baumann (abgeschlossen am 18.11.2010)
Brucknerstr. 24.- D-27711 Osterholz-Scharmbeck
Telefon: 04791-13356
E-Mail-Adresse: baumann-ohz@arcor.de

Nachwort des Übersetzers
Diese Ausgabe enthält das längste Interview, das Erzbischof Vanags jemals der lettischen Kirchenzeitung gegeben hat. Ich habe es ungekürzt übersetzt, und dadurch nehmen die jetzt stattfindenden Auseinandersetzungen über die Lage, einschließlich des Vorhabens des Erzbischofs, der Synode die Vertrauensfrage zu stellen, den bei weitem größten Raum in meiner Übersetzung ein.
Der erste Beitrag dieser Ausgabe spricht von der nunmehr 20 Jahre langen Partnerschaft mit der Ev.-luth. Landeskirche Sachsens. Ich bitte meine geduldigen und ausdauernden Leserinnen und Leser um Entschuldigung, dass ich bei der Übersetzung auch den Satz hineingenommen habe, in dem man sich meiner so freundlich erinnert hat. Im letzten Beitrag geht es um die Kontakte zu Unternehmern in Deutschland. Ich hoffe, dass ich meinen verehrten Leserinnen und Lesern damit nicht gar zu viel Lesestoff zugemutet habe, aber es gibt ja doch wieder eine Pause.
Ich wünsche allen lesebereiten Freunden und Freundinnen einen gesegneten Beginn eines neuen Kirchenjahres und nicht gar zu viel vorweihnachtliche Hektik. J. B.

Verfasst von: liefland | November 3, 2010

Ausgabe Nr. 13(1840 ) vom 9, Oktober 2010.

Ach Herr, wenn unsere Sünden uns verklagen, so hilf uns doch um deines Namens willen.
Jeremia 14,7.
Auszüge aus Svētdienas Rīts, Zeitung der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, herausgegeben von ICHTYS GmbH, erscheint seit Januar 1920.
19. Sonntag nach Trinitatis

Spalte der Chefredakteurin Inga Reča
… und die Reformation hört nie auf
Am 1. Oktober hat wieder unsere Werbungsaktion für das Abonnement unserer Kirchenzeitung im Jahr 2011 begonnen. Mit der lettischen Post haben wir einen Vertrag abgeschlossen, der besagt, dass SR im kommenden Jahr einmal monatlich ausgeliefert werden soll. im Umfang von 16 Seiten und farbig. Den größten Teil der Finanzierung tragen Menschen in Deutschland – sowohl der Martin Luther Bund als auch Privatpersonen, welche der Ansicht sind, dass das Empfangen von Informationen nicht nur ein Privileg derer sein kann, die „im Netz“ sind, d.h. die den Zugang zu einem Computer und zum Internet haben. denn auch noch im 21. Jahrhundert ist die gedruckte Presse für die meisten Leute in Lettland die einzige Möglichkeit der Information. Dazu sagte mir einer unserer Pfarrer folgendes. „Einsamen und kranken Gemeindegliedern kann ich keinen Computer hinbringen, aber unsere Kirchenzeitung doch.“
Dass SR jetzt nur einmal im Monat erscheint, ist nach der Meinung vieler Leser viel zu wenig, die auch bereit sind, unsere Kirchenzeitung finanziell mitzutragen. Einen Teil der Finanzen hat uns auch das Kapitel der ELKL bewilligt, aber unsere größte Hoffnung seid Ihr, liebe Leser und Abonnenten. Eure finanzielle Hilfe wird auch dafür maßgebend sein, ob ihr auch weiterhin in Eurem Briefkasten SR finden werdet. Das Emblem „Svētdienas Rīts“ ist auch von einmaligem kulturhistorischen Wert, denn es gibt in Lettland keine andere Zeitung, die mit einem unveränderten Namen bereits seit 90 Jahren erscheint (wobei wir natürlich die Jahre der sowjetischen Besatzung abziehen müssen).
Doch nun sind nicht allein die Jahre der Vergangenheit von Bedeutung. Es gibt in Lettland keine andere Zeitung, die uns über das Geschehen in UNSERER Kirche informiert. Und das nicht so, dass es Leute tun, die sonst mit der Kirche nichts zu tun haben, sondern wir selbst als Leute der Kirche, die sich nicht nur Sorgen machen, sondern denen es auch weh tut, wenn das Kirchenschiff ein Leck bekommen hat oder es auf einen Felsen aufgelaufen ist. Im Titel von Svētdienas Rīts ist als Unterttitel zu lesen „Zeitung der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands“, das heißt, dass es deine und meine Zeitung ist, ganz gleich, ob du Gemeindeglied, diakonischer Mitarbeiter, Jugendlicher, Chorsänger, Pfarrer oder Bischof bist. Auch Du kannst Dich am Entstehen dieser Zeitung und damit unserer ganzen Kirche beteiligen. Wenn Du das bisher nicht so aufgefasst hast, dann bitte ich Dich, Deine Beziehung zu SR zu überdenken und zu REFORMIEREN. Wir können das nur im Rahmen der Freiheit unserer Demokratie, unserer Presse, unserer Aussagen und unseres Wortes tun, sonst lohnt es sich nicht, dafür das Papier zu verschwenden.

Aufruf der Teilnehmer am Pfarrkonvent der Propstei Riga.
Wir, die Teilnehmer am Pfarrkonvent am 19. Juli dieses Jahres, sind der Auffassung, dass die geistliche und wirtschaftliche Situation, in die während der letzten Jahre unsere geliebte Evangelisch – lutherische Kirche Lettlands hineingeraten ist, unverzügliche, unaufschiebbare und gleichzeitig sorgfältig überlegte Änderungen erfordert. Die Kirchenleitung und mit ihr die Verwaltungsinstitutionen verlieren mit jedem Tag immer mehr das Vertrauen der Kirchengemeinden und Pfarrer, die Unzufriedenheit mit der augenblicklichen Wirtschafts- und Finanzpolitik sowie mit den Amtsträgern, die sie verantwortlich zu vertreten haben, wächst beständig, Wir möchten auch daran erinnern, dass im März dieses Jahres die Pfarrkonvente der Propsteien Riga, Kandava und Bauska sowie eine Diözesanversammlung
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in Daugavpils ihren Mangel an Vertrauen gegenüber den Leitern der Wirtschaft und Finanzen in der ELKL kundgetan und sie aufgefordert haben, von ihren Ämtern zurückzutreten. Trotzdem üben viele von ihnen ihre Dienstgeschäfte weiterhin wie bisher aus. Das heißt doch, dass der Dialog zwischen der Kirchenleitung der ELKL und den Kirchengemeinden Pfarrern und Propsteien nach unserer Ansicht höchst unbefriedigend verläuft, und dass bei diesen Beziehungen große Unklarheit, Unverständnis und Entfremdung herrscht. Man könnte sogar sagen, um einen Begriff aus dem Familienleben zu gebrauchen, dass eine tiefe Beziehungskrise eingetreten ist, die es nicht mehr vermag, selbst eine Lösung zu finden. Wir möchten darauf hinweisen, dass diese Situation, in welche die ELKL immer tiefer versinkt, mit jedem Tag unsere Gemeindearbeit negativ zu beeinflussen beginnt, den guten Ruf unserer Kirche in der Gesellschaft mindert, und zu einem nur schwer zu überwindenden Hindernis und zu einer Erschwernis bei dem Anbinden neuer Glieder an die Kirchengemeinde wird.
Dabei möchten wir zuerst alle gemeinsam und jeder einzeln unseren Anteil an der Verantwortung daran bekennen, was wir bewusst oder unbewusst getan oder unterlassen haben, was wir geredet oder verschwiegen haben, und was wir am Rande stehend betrachtet haben und damit die gegenwärtige finanzielle, wirtschaftliche und verwaltungsmäßige Situation zugelassen und gefördert haben. Gleichzeitig bekunden wir unsere aufrichtige Bereitschaft, von uns aus alles menschenmögliche zu tun, dass unsere Evangelisch – lutherische Kirche Lettlands so bald wie möglich eine Wiedergeburt und Erneuerung erfährt.
Im oben erwähnten Konvent haben wir uns sorgfältig mit dem in der Verfassung der ELKL aus dem Jahr 1928 vorgesehenen Modell der Leitung und Verwaltung unserer Kirche befasst und müssen zugestehen, dass diese durch eine effektive Verteilung des Gleichgewichtes der Verantwortung und Macht zwischen den verschiedenen Institutionen, dem Unterscheiden zwischen der Legislative und der Exekutive und deren Kontrolle, das zahlenmäßige Gleichgewicht zwischen Geistlichen und Nichtgeistlichen und die geistliche und nichtgeistliche Vertretung aller Propsteien in der Verwaltungsbehörde der ELKL, dem Oberkirchenrat, geprägt ist. Dieses Modell sieht das kollegiale Fassen von Beschlüssen vor und garantiert, dass der Bischof oder die Bischöfe die geistliche und nicht die administrative Macht vertreten. Gleichzeitig stellen wir fest, dass das Modell der Leitung und Verwaltung der ELKL, welches 2004 in Kraft gesetzt und in der Verfassung von 2007 bestätigt worden ist, sich nicht als effektives und leistungsfähiges Mittel für den Bau der Kirche erwiesen hat und die Hauptursache für die weiteren Irrwege der ELKL sind.
Aufgrund dieser Erkenntnisse fordern wir die Leitung der ELKL auf, mit allen ihren Kollegen – den Pfarrern, Pröpsten und Synodalen in den anderen Propsteien – folgende Veränderungen in der gegenwärtigen Verfassung oder am gegenwärtigen Modell der Leitung und Verwaltung der ELKL in Erwägung zu ziehen, und sind der Auffassung, dass diese wesentliches für unsere Kirche beitragen könnten, die gegenwärtige geistliche, verwaltungsmäßige und wirtschaftliche Krise der ELKL zu überwinden.
1) Die Synode wählt den Oberkirchenrat für eine Dauer von drei Jahren.
2) Die Propsteiversammlung wählt den Propst für eine Dauer von sechs Jahren.
3) Der Kirchengemeinderat wählt den Pfarrer der Kirchengemeinde; der Oberkirchenrat bestätigt diese Wahl.
4) Über die Verlängerung der Vollmachten des Erzbischofs und der Bischöfe befindet die Synode alle sechs Jahre.

Wir rufen alle auf, unsere Initiative zu unterstützen und diese Veränderungen in die Verfassung hineinzunehmen.

Die Teilnehmer am Konvent der Propstei Riga, am 19. Juli 2010.
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Was uns wichtig erscheint Indulis Paičs, Pfarrer
Die Kirche
Die Kirche – die Gemeinde der Heiligen, die Gott durch sein Wort und Sakrament, seine Gnadenmittel, um sich sammelt, existiert um zweier Aufträge willen: sie gibt allen Gläubigen auf ihrem Weg zum ewigen Leben die notwendige Wegzehrung mit, und allen Ungläubigen gibt sie ihr Zeugnis und ruft sie auf, der Einladung Christi Folge zu leisten. Sie ist überall an allen Orten katholisch, das heißt allumfassend, an denen nach dem Befehl Christi das Evangelium gepredigt wird und die Sakramente gespendet werden. Sie ist stets aufgerufen, nach neuen Weisen und Möglichkeiten zu suchen, um ihrem Auftrag der Zeit und Situation gemäß zu entsprechen.
Diese Grunderkenntnis müssen wir immer in unserem Gedächtnis behalten, wenn wir uns auf Diskussionen über die Gegenwart oder Zukunft der Kirche einlassen. Die Kirche existiert nicht nur um ihrer selbst willen, sie ist ein Werkzeug in der Hand Gottes und die vollwertige Fortsetzung des Werkes Christi. Gleichzeitig vermag sie es, ihren Dienst in der Welt nur dann erfolgreich durchzuführen, wenn sie dabei in der Eintracht und in der Treue zum Evangelium Christi verbleibt. Denn die Methoden (die Art und Weise, mit der wir zu Ergebnissen kommen) sind im Reiche Gottes nicht selten sogar wichtiger als irgendwelche äußerlichen Erfolge.
Während der vergangenen Monate hat bei den Pfarrern unserer Kirche (aber auch durch sie und durch Laien) ein von den Pfarrern der Propstei Riga verfasster offener Brief, dessen voller Text oben nachzulesen ist, eine große Resonanz ausgelöst. Die Reaktionen waren sehr unterschiedlich. Sie fingen mit Stimmen an, die dazu aufriefen, sich in die Argumente hineinzuhören und sie sorgfältig zu überdenken und endeten mit der Schilderung von Situationen, die eindeutig aus Lügen entstanden sind, in denen ein Amtsbruder einen anderen öffentlich verdächtigt, er hätte den Wunsch, auf destruktive Weise unsere Kirche zu zerstören und zielbewusst die Absetzung unserer Kirchenleitung zu betreiben. Das gegenseitige Misstrauen hat einen beachtlichen Umfang erreicht. Wenn sich der Verdacht einiger Amtsbrüder zunächst auf die Bischöfe richtete, dass ihre Art der Dienstausübung und ihre Ideen uns „in die Hände der Kirche Roms“ trieben, so wird jetzt auf ähnliche Weise „die Kirche des Westens und die behaarten Hände der Liberalen“, welche bestrebt seien, was wir sorgfältig erbaut und gestaltet hätten, zu verheeren und zu zersetzen, und dabei die durch das finanzielle Missgeschick entstandene Verwirrung nutzen… Wenn sich diese Rhetorik aus dem Munde von Pfarrern seltsam anhört, dann klingt sie aus dem Munde der Leiter unserer Kirche schon sehr ernst und beängstigend. Damit werden die Möglichkeiten der Zusammenarbeit und des Dialogs nicht gefördert, sondern Verdächtigungen in die Welt gesetzt und die Spannung einander gegenüber vergrößert.
Vertrauen kann man nicht anders als nur durch Zusammenarbeit und den Dialog schaffen, wobei wir uns allmählich von Empfindungen befreien können, dass jemand irgendetwas zu verheeren und zu zersetzen bestrebt sei, um uns dann den wirklich wichtigen Fragen zuzuwenden, die der eine oder andere Pfarrer oder Teilnehmer am Konvent auszusprechen
versucht hat. Ich bitte Sie, diesen offenen Brief der Pfarrer der Propstei Riga durchzulesen (sofern das Ihnen bisher noch nicht möglich gewesen sein sollte), denn der Zweck meiner weiteren Ausführungen ist, den Gang der Ereignisse schriftlich zu fixieren und die Ideen zu kommentieren, die diesen offenen Brief des Pfarrkonventes der Propstei Riga ausgelöst haben. Das ist eine Gewissensfrage, dass wir offen und ehrlich das ansprechen, was uns für die Zukunft unserer Kirche wichtig erscheint. Ich verfasse diesen Beitrag im Auftrage des Propstes unserer Propstei Linards Rozentāls, und möchte dabei sofort hinzufügen, dass viele von mir angesprochene Ideen natürlich nicht vollständig die Gedanken der Rigaer Pfarrer wiedergeben. Dennoch möchte ich hoffen, dass das von mir Gesagte helfen wird, die
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Atmosphäre insgesamt zu begreifen, in welcher mehrere Diskussionen bei Pfarrkonventen stattgefunden haben. Gottes Geist helfe uns, dass wir zwischen dem unterscheiden, was darin unserer Sache von Nutzen ist, und was wir fortwerfen können.
Die Vorgeschichte
Bevor wir uns dem Aufruf zuwenden, welchen dieser offene Brief enthält, muss ich betonen, dass dieser Weg nicht von selbst ohne einen Anlass entstanden ist, sondern dass ihm eine bedeutsame lange Geschichte vorausgegangen ist. Wir können ganz sicher sagen, dass es unter den Pfarrern der Propstei Riga Einwände gegenüber der gegenwärtigen Verfassung und gegen das Vorhaben der Bestimmungen für die Vergütung und Sozialversicherung von Geistlichen (im folgenden auf die großen Buchstaben BVSG abgekürzt) gegeben hatte, ehe diese bei mehreren Synoden bestätigt worden sind. Damals entstand bei vielen der Verdacht, dass der „Rigaer Snobismus“ – also der Snobismus der Pfarrer mit großen Gehältern – sich dagegen wehren würde, ihren Lohn mit anderen zu teilen, deren Lohn zum Überleben zu gering ist, und die sich deswegen für das Werk Christi weniger einsetzen können, was zur Folge hat, dass die Gemeindearbeit auf dem Lande nicht garantiert ist. Die „reichen Rigenser“ würden ihre „armen Brüder auf dem Lande“ nicht verstehen und es denen hartherzig nicht gönnen, dass sie durch die Schaffung eines Fonds für BVSG zu einem höheren Lohn kämen. Zu diesem Einwand kann ich sagen, dass es gewiss nicht so war, dass wir diese Idee selbst kritisieren wollten, weil dadurch die reicheren Gemeinden in den Fonds mehr einzahlen mussten, um damit die ärmen Gemeinden zu unterstützen, sondern weil wir dem gegenüber skeptisch waren, dass das ganze Vorhaben so zu realisieren sei, und ob die Menschen, in deren Gehirnen dieses Vorhaben entstanden ist und die dafür verantwortlich waren, es tatsächlich auch in die Tat umsetzen könnten. Dafür mussten wir uns oft den Vorwurf anhören, dass wir dieses ganze Projekt dämonisieren und die Menschen verdächtigen wollten, die doch Experten sind und auf ihrem Gebiet sehr sachverständig, und die ihr Werk nach bestem Wissen und Gewissen verrichteten – nur zum Wohl der Kirche.
Auf den Synoden wurden sowohl die Verfassung als auch das Vorhaben BVSG bestätigt, wenngleich wir jetzt darüber viel diskutieren könnten, ob die Synode wirklich dazu fähig war, alle Argumente dafür und dagegen wirklich voll zu begreifen (erinnern wir uns doch daran, dass die Aussprache wegen Zeitmangels sehr eng begrenzt war, obwohl es spätestens zwischen diesen beiden Synoden deutlich geworden war, dass auf uns die Wirtschaftskrise zukam, die das ganze Vorhaben auf das höchste gefährdete) , spiegelten diese Beschlüsse unbestreitbar das Empfinden der Synodalen bei der Abstimmung wieder: weshalb sollen wir nicht für etwas stimmen, was uns so günstig erscheint und gleichzeitig von uns so wenig Anstrengungen erfordert, denn bitte, wir haben doch bei uns die Menschen, die bereit sind, dieses Vorhaben erfolgreich zum Endziel hinzusteuern?…
Nach der Synode verfasste der Pfarrkonvent der Propstei Riga einen Brief an den Oberkirchenrat, in dem er diesen aufforderte 1) den in der Synode beschlossenen modifizierten Plan von BVSG noch einmal zu überprüfen, ob dieser noch dem, was die Verfassung aussagt, dass für die Vergütung eines Pfarrers die anstellende Kirchengemeinde zuständig sei und 2) den in der Verfassung angeführten theologischen Prinzipien entspricht. Zum Teil wurde das getan (die Verfassungskommission veröffentlichte eine Stellungnahme, nach der es Widersprüche zwischen BVSG und der Verfassungskommission tatsächlich gäbe), doch daraus wurden keinerlei praktische Konsequenzen gezogen, so dass heute weitgehend der Eindruck besteht, dass das Vorhaben mit Erfolg weitergeführt würde.
Leider (und das ist keine Heuchelei, sondern mein aufrichtiges Bedauern der Probleme, welche das Leben vieler Pfarrer seit dem missglückten Beginn des Vorhabens von BVSG betroffen haben – mindestens zum gegenwärtigen Augenblick) konnte dieses Vorhaben nicht mit Erfolg in die Tat umgesetzt werden. Zum Teil geschah das durch die Krise (vor deren
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Ausbrechen die Leiter des Vorhabens ernsthaft gewarnt worden sind), zum Teil auch wegen der Persönlichkeiten (man machte sich zu große Hoffnungen auf das Gelingen von einem oder zwei großen Teilvorhaben, die alle von der Notwendigkeit befreien würden, sich mit jedem einzelnen Vorhaben – wie den gespendeten Besitztümern – auf das intensivste zu befassen., und zum Teil wegen des Passivität der einzelnen Kirchengemeinden (alles ging erheblich langsamer voran als es eigentlich hätte gehen können). Das alles lief schließlich darauf hinaus, dass eiligst eine Reihe von Dezernaten des Oberkirchenrats geschlossen und soeben neu angestellte Mitarbeiter entlassen wurden, und dass zur Deckung der laufenden Ausgaben Kredite aufgenommen werden mussten, und schließlich als Preis für die Krise das wertvollste Gebäude der ELKL auf dem Domplatz 1 veräußert wurde.
Nachdem es sich im Dezember des vergangenen Jahres erwiesen hatte, dass die Kirche in eine nicht zu bestreitende Existenzkrise geraten war, reagierte der Pfarrkonvent der Propstei Riga mit einer im März beschlossenen Resolution (nach einer gewissen Zeit, nachdem sich die ersten heißen Emotionen abgekühlt hatten), mit folgenden Forderungen: 1) Die Leiter und Initiatoren dieser die Finanzen und Immobilien betreffenden Projekte müssen von ihren Ämtern zurücktreten oder aus diesen Ämtern entlassen werden 2.) Es ist eine Kommission zu bilden, welche die möglichen Zusammenhänge zwischen der neuen Verfassung und der entstandenen Situation zu begutachten hat. Denn bei vielen Amtsbrüdern ist ein merkwürdiges Gefühl darüber hochgekommen, dass das BVSG Vorhaben trotz aller Warnungen vor möglichen Problemen mit einer großen Begeisterung weiter vorangetrieben wurde und das Empfinden förderte, dass Alternativen (die sich am Ende als richtig erwiesen) einfach nicht beachtet werden dürften. Könnte das mit diesem neuen Verwaltungsmodell zusammenhängen? Könnte das verursacht worden sein, weil man sich in dieser Situation geweigert hat, andere Standpunkte überhaupt zur Kenntnis zu nehmen? Damals war das nur eine Frage und eine Forderung, die Sache zu untersuchen.
Dieser Resolution der Propstei Riga stimmten eine Reihe anderer Propsteien und Konvente zu und schlossen sich ihr an. Doch zu praktischen Ergebnissen ist diese Rigaer Resolution nicht gekommen. Tatsache ist, dass Artis Eglītis aus gesundheitlichen Gründen und weil er sich für alles Geschehene verantwortlich fühlte, von seinem Amt zurücktrat (aber dabei einige Monate sein Gehalt als Sekretär des Oberkirchenrates weiter bezog und sich weiterhin ehrenamtlich an der Ausarbeitung strategischer Beschlüsse beteiligte) , doch der Dezernent für Immobilien blieb weiterhin im Amt, und hier wurde keine Kommission gebildet.
Damit konnte es nicht ausbleiben, dass die Pfarrer des Konventes der Propstei Riga beschlossen haben, sich selbst mit der Verfassung zu beschäftigen und alles Vorgefallene zu untersuchen fortzusetzen. Es fanden mehrere Konvente statt, in denen wir die Prinzipien der Verfassung des Jahres 1928 und die Geschichte der Entstehung unserer Kirche kennen lernten. Es entstanden Arbeitskreise, die sich mit aktuellen Fragen des kirchlichen Lebens befassten. Allmählich entwickelten sich daraus ein Standpunkt zum Geschehenen und Anregungen zur Besserung der Situation.
Im Juli wurde ein neuer Brief verfasst, der das Empfinden der Mehrheit aller Pfarrer im Blick auf die kirchliche Lage, die Ursache der Krise und auf mögliche Lösungen zum Ausdruck bringen wollte. Dieser Brief wurde an alle Pfarrer versandt, denn unsere ursprüngliche Absicht war, ihn nicht zu veröffentlichen, sondern eine interne Diskussion auszulösen über Fragen, die nur ganz allein die Kirche und deren innere Ordnung betrafen. Irgendjemand hat es für richtig gehalten, diesen Brief Journalisten in die Hände zu spielen, die ihn natürlich auf die für sie typische Weise radikal und Aufsehen erheischend interpretierten und ihn als ein Misstrauensvotum gegenüber der Kirchenleitung usw darstellten. Auch das ist eine Gewissensfrage.

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Vorschläge
Wenn wir uns jetzt dem Text des Aufrufes zuwenden, dann verstehen wir bald, dass er aus einem kürzeren Rückblick auf das Geschehen und der Beurteilung der Situation (die verschieden ausfallen kann, aber darin liegt doch der Sinn einer Diskussion), besteht, und der Aufforderung an jeden, sich seiner Mitverantwortung der Situation bewusst zu sein und seinen Anteil daran auf sich zu nehmen, in die wir gemeinsam hineingeraten sind, und einigen konkreten Vorschlägen, die der Konvent zum Nachdenken und zur Diskussion in anderen Foren empfiehlt.
Eigentlich erinnert der Konvent auch an einen auf einer der vorigen Synoden gefassten Beschluss, nach dem die neue Verfassung den Prinzipien der Verfassung des Jahres 1928 und der Rolle der Synode als höchster Entscheidungsträgerin der Kirche entsprechen muss. Wir haben nicht dazu aufgerufen, noch eine neue Verfassung zu erstellen, sondern zu der Verfassung zurückzukehren, die seinerzeit die Grundlagen für die ELKL geschaffen hatte. Um seine Überlegungen zu erläutern, hat der Konvent in seinem offenen Brief vier konkrete Forderungen (siehe Seite 2 der Übersetzung) besonders hervorgehoben.
Dabei kann nicht übersehen werden, dass alle 4 Vorschläge des Konvents der Propstei Riga mit der Beachtung des Prinzips der Abstimmungen und Wahlen durch die Kirchenverwaltung verbunden sind. Das ist eigentlich die einzige Möglichkeit, der „unteren Ebene“ (seien es die Kirchengemeinde oder die Pfarrer) den ihnen zukommenden Anteil an der Kirchenverwaltung zu geben. So können zum Beispiel nicht alle Kirchengemeinden und Pfarrer der ELKL sich gleichzeitig zusammensetzen und über wichtige Fragen der Kirche Beschlüsse fassen, aber die Vertreter der Gemeinden können ihrem Willen Ausdruck geben, und deshalb werden sie auch eingesetzt oder gegebenenfalls entlassen. Das ist die einzige Weise, auf die sich die Gemeinden an der Fassung wichtiger Beschlüsse der Kirche beteiligen können, und nicht durch passives Abnicken der Beschlüsse „von oben“.
Natürlich hat der Zugang dieser Art auch seine ernsthaften Risiken. So ist zum Beispiel die Frage nach der Lehre der Kirche keine Frage, die man per Abstimmung lösen kann. Dennoch war der Konvent mehrheitlich der Auffassung, dass das neue Verwaltungsmodell die Initiative den Kirchengemeinden und Pfarrern allmählich entzogen und auf die Pröpste (Kapitel) und die Bischöfe übertragen hätte (nach der Melodie „wir können ja doch nichts ausrichten, da sie alles so ausrichten, wie sie es sich vorstellen“), die dann an unserer Stelle alles beschließen, um sie hinterher dafür zu kritisieren, dass unser Standpunkt dabei nicht beachtet wurde… Wahre Demokratie wächst nicht nur in unserer Kirche, sondern auch im ganzen Staat nur sehr langsam heran, denn nur langsam begreifen die Menschen es, dass Wahlen keine komischen Witze sind, an denen wir uns nur nachlässig beteiligen, ohne uns in die Fragen zur Sache ernsthaft zu vertiefen, und dabei übersehen, dass wir es ernsthaft verantworten müssen, dass von unserem Verhalten unsere Zukunft abhängt. Wir wollen es hoffen, dass auch die Kirche im Laufe der Zeit sich dem Fortschritt öffnet, statt eines blinden Gehorsams gegenüber den Emotionen eines Augenblicks und rhetorisch eingängigen Vorschlägen. Eine wichtige Voraussetzung für diese Entwicklung ist die Pflege der demokratischen Tradition. Es darf nicht sein, dass die Synode des Desinteresses und der Inkompetenz beschuldigt wird, aber die Situation ist dadurch entstanden, dass diese Kompetenz eingeschränkt und die Verantwortung Menschen übertragen wurde, auf welche die Synode gar keinen Einfluss ausüben kann…
Normale Wahlen könnten auch ein gutes Mittel sein, um die Persönlichkeiten in leitenden Ämtern anzutreiben, aufmerksamer auf ihre Wähler zu hören, deren Stimme sie ihre Stellung verdanken. Reguläre Wahlen machen es unmöglich, dass gewählte Persönlichkeiten ihre Autorität missverstehen (die Hochachtung, die jemand für vernünftig gefasste Beschlüsse und deren Durchführung sowie für sein kollegiales und ausgewogenes Verhalten erfährt, muss
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erarbeitet werden). Jemand von großer Autorität vermag eine Kirche zu leiten, ohne dabei einen allzu großen Verwaltungsapparat zu benötigen. Jemand ohne Autorität vermag sie nicht zu leiten, auch wenn er auf einen großen Verwaltungsapparat zurückgreifen kann. Denn Leitung bedeutet nicht Vollmacht, sondern Vertrauen, Visionen und Achtung des anderen. Ein schlechter Leiter mit großen Vollmachten gebraucht diese nicht für die Leitung sondern zur Bekämpfung seiner Konkurrenten und Widersacher, bis er schließlich – und das ist die letzte Konsequenz – in seinem unnötigen Königreich allein bleibt.
In einer idealen Welt werden solche „Sicherheitsventile“ nicht benötigt, dort sind in allen Ämtern hervorragend geeignete Menschen anzutreffen und alles geschieht auf bestmöglicher Weise. Leider lässt sich auch in einer idealen Welt die Anwesenheit der Sünde nicht leugnen, die unsere idealsten Vorhaben kräftig beschädigt und uns ständig vor die Notwendigkeit von Korrekturen stellt. In der realen Welt erweist es sich oft als unmöglich, vorherzusagen, dass alle Vorhaben eines Menschen gelingen werden, bevor er die Möglichkeit hatte, das an einer bestimmten Stelle zu beweisen. Und wenn er dann seine Position bezogen hat, erkennt er nicht mehr seine Inkompetenz und gibt sich übermäßig mutig, um dann auch entsprechend handeln zu können.
Nicht selten tut das ein sündiger Mensch, dass er sein Amt und seine Kompetenz durcheinander bringt und dabei denkt, dass das ihm anvertraute Amt gleichzeitig bedeuten würde, dass alle zu Stande gekommenen Beschlüsse auf irgendeine Weise richtig und kompetent seien. „Wenn ich Pfarrer bin, dann habe ich immer recht. Wenn ich Leiter bin, dann heißt das automatisch, dass ich auch ein guter Leiter bin.“ Dieses Empfinden löst auch den Hochmut aus, bei dem man schließlich leicht von einer Sprunghaftigkeit reden kann. Trotzdem muss er andere Standpunkte anhören können und dabei mindestens einen Teil davon in seinem eigenen Leben verwirklichen.
Wenn in geistlichen Dingen Demokratie gewöhnlich das Gerechtwerden gegenüber den Anstrengungen und Interessen des Augenblicks bedeutet, dann sind die Verwaltungsbestimmungen in der Demokratie bisher ein recht effektives Mittel gewesen, langfristig eine gewisse Stabilität und Effektivität zu erzielen.
Der Konvent der Propstei Riga ist der Überzeugung, dass die entstandene Krise nicht auf das Zusammenfallen ungünstiger Umstände oder auf die Böswilligkeit eines Einzelnen zurückgeht, sondern auf ein ständiges Problem, das durch das Auswechseln (oder besser die Erneuerung) einiger Knotenpunkte im Verwaltungssystem dieses leichter und elastischer machen würde.
Einladung zum Gespräch
Am Ende möchte ich noch einmal betonen, dass man aus diesen Vorschlägen des Pfarrkonventes der Propstei Riga nicht etwas herauslesen sollte, was dort gar nicht gesagt worden ist. Ich denke, dass die gegenwärtigen Leiter unserer Kirche genügend Autorität haben, um sich dessen sicher zu sein, dass die Synode ihnen das Vertrauen ausspricht.
Dieses sind ganz konkrete Vorschläge, über die wir zur Diskussion einladen. Wir wären darüber sehr froh, wenn es nicht nur Diskussionen über uns, sondern auch mit uns gäbe, um die beste Lösung dafür zu finden, dass unsere Kirche künftig ihren Standort hätte, von dem aus auch wir selbst unseren Dienst ausrichten könnten und aus ganzem Herzen einem jeden unsere geistige Heimat anempfehlen, der auf der Suche nach dem Weg zu Gott ist, denn auch das ist eine Frage des Gewissens.

Der „kleine“ Kirchentag in Blīdene Inga Reča
„Wirklich, warum auch nicht?“ dachte ich, als ich eine Überschrift für meinen Beitrag über die Zusammenkunft von Vertretern aus 15 Kirchengemeinden und 8 Pfarrern zum Gottesdienst am Michaelistag in der „Grünen Kirche“ von Blīdene suchte. Wir haben in
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Lettland Kirchentage, zu denen aus einer Diözese mehrere Hundert Leute kommen, verschiedene Kirchengemeindetage, und den jedes Jahr stattfindenden von der Kirchengemeinde Blīdene veranstalteten Tag der Gemeinschaft, zu dem sich anfangs nur knapp 80 Leute aus Kirchengemeinden der näheren Umgebung zusammenfanden, die dann zahlenmäßig anwuchsen und zu denen Vertreter von Kirchengemeinden in Kurland und Livland anreisten. Wenn Ihr die Karte Lettlands betrachtet, dann könnt Ihr erahnen, wie weit verbreitet der Kreis der angereisten Kirchentagsteilnehmer in Blīdene war. Sie kamen aus Mālpils, Riga, Ropaži, Baldone, Ķekava, Vecauce, Remte, Gaiķi, Saldus, Kuldīga, Lipaiķi, Alsunga, Ēdole, und Apriķi. Vertreter der Kirchengemeinde Kalmar in Schweden hatten nicht einmal den Weg aus dem Ausland gescheut. So viele Gottesdienstteilnehmer wie in diesem Jahr hat es in der Grünen Kirche vorher noch nie gegeben, und trotzdem fanden alle einen Platz..
Und ganz sicher können wir sagen, dass der Himmlische Vater seine fürsorglich segnende Hand über dieser Gemeinde gehalten hat, denn es war die wärmestmögliche Kirche, die es an einem 25. September nur geben konnte, denn die Temperatur hatte außen, wo ja der Gottesdienst stattfand die Marke von 20 Grad erreicht, wenn man nicht gerade in der Sonne saß.
Pfarrer Rolands Eimanis von der Kirchengemeinde Baldone erwärmte die Herzen aller Teilnehmer am Gottesdienst mit seiner Predigt, die einen der Ecksteine der lutherischen Dogmatik – die Gnade Gottes – zum Thema hatte. Dabei stellte er an alle die unbequeme Frage: Hast du heute eigentlich genug von der Gnade Gottes? Dabei ist es schon sinnvoll, sein eigenes Herz zu erforschen und seine eigenen Forderungen an das Leben ringsum und die Mitmenschen kritisch zu betrachten.
Nach dem Gottesdienst begaben wir uns zum „Haus des Volkes“, wo die bewundernswert fleißigen Glaubensschwestern der Kirchengemeinde Blīdene uns ein wahres Hochzeitsmahl zubereitet hatten. Wenn wir die gedeckten Tische betrachteten und uns mit verschiedenen Salaten, Piroggen und Brotplatten verwöhnen ließen, blieb Propst Pirro nur die Feststellung übrig: „Gott kennt keine Krisen.“ Das trifft mindestens auf Blīdene zu.
Das bekundete auch die Gemeindeleiterin Sanita Vanaga, die als Mutter des Hauses alle Freunde von nah und fern anredete, Gott für diese Gemeinschaft dankte, die nun schon seit vielen Jahren besteht, uns alle in dieser Zeit durch die erforderliche Nähe zueinander und mit dem Schulter an Schulter Empfinden stärkt. Diese Freude ist die Freude des Teilens der frohen und traurigen Erfahrungen. Sanita Vanaga berichtete auch über die Gemeinschaft mit der Partnergemeinde in Amerika, deren Vertreter in diesem Sommer in Lettland zu Gast waren, die den Wunsch äußerten, mit uns zusammen zu arbeiten und sich dabei auch schmutzig zu machen. Dieses Vorhaben gelang ihnen auch großartig, als alle zusammen die Zwischenwände des Gemeindehauses einrissen und den verrußten Verputz des künftigen Gemeindehauses abtrugen. Der Pfarrer der Kirchengemeinde Kārlis Rozentāls sagte: „Das Pfarrhaus ist ein Zeugnis dafür, was wir schaffen können, auch wenn wir kein Geld haben. Ich bewundere unsere Kirchengemeinde für ihren gewaltigen Einsatz, der hier investiert wurde. Dabei geschieht auch das Wunder, dass, wenn die Arbeit über die Kräfte geht und Geld benötigt wird, sich dieses auch findet.
Pfarrer Uldis Gailītis berichtete darüber, was sich in seinen beiden Kirchengemeinden Gaiķi und der Martin Luther Gemeinde Saldus getan hatte. Die Sakristei der Kirche von Gaiķi hat ein neues Dach bekommen und er lud alle Anwesen ein, diese Gemeinde jedes Jahr am Ostermontag zu besuchen, wenn da eine besonders schöne Veranstaltung für Eltern mit Kindern stattfände. Dabei würde man sich auch an der neuen Bemalung der Kirchenbänke freuen können. Wenn diese Kirchengemeinde auch recht klein ist, so ist die Bereitschaft dort, die Arbeit mit anzupacken, sehr groß. Der Pfarrer ist über das Verhältnis mit der Schule sehr
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froh und dankbar, wo er auch immer willkommen ist. Der Pfarrer ist für die Möglichkeit, die Kinder anzusprechen froh und dankbar, denn die Kinder sind doch die Zukunft unserer Kirche (oder nicht?)! Die Martin Luther Gemeinde in Saldus kann er als Beispiel dafür nennen, dass eine Kirchengemeinde sich auch selbst dann erhalten und ihren Pfarrer und ihre Organistin vergüten kann, wenn sie keinen Immobilienbesitz hat. Pfarrer Gailitis wünschte diesem Treffen eine lange Tradition, denn „damit verrichtet Ihr einen segensreichen Dienst.“
Pfarrer Raivis Martinsons berichtete über seine Kirchengemeinde Dole-Ķekava. Er ist froh und dankbar dafür, dass es während der zwei Jahre seines Dienstes dort gelungen ist, ein gutes Verhältnis zu der Einwohnerschaft und zur örtlichen Behörde herzustellen. Dank der guten Zusammenarbeit mit der Kommune ist die Kirche der Kirchengemeinde Dole-Ķekava auch jetzt in der dunklen Jahreszeit gut ausgeleuchtet. Der Pfarrer meint, dass die Kirchengemeinde ihre Zusammenarbeit mit anderen noch erweitern sollte. So ist es zu einer guten Kooperation mit der örtlichen Musikschule gekommen, deren Schüler regelmäßig in der Kirche Konzerte geben und ihre Räume für Veranstaltungen der Kirchengemeinde zur Verfügung stellen. Zwei mal im Monat begibt sich die Kirchengemeinde zum Missionseinsatz am Ufer der Daugava, wo die örtliche Schule auch einen Gottesdienst hält und zur Sonntagsschule zusammenkommt. Für das nächste Jahr sind dort Bibelstunden geplant. Pfarrer Martinsons betrachtet das Treffen in Blīdene als eine wunderbare Möglichkeit der Pflege der Gemeinschaft mit den benachbarten Kirchengemeinden
Pfarrer Didzis Skuška war Gott dankbar, dass die Sonntagsschule in Lipaiķi mit ihren drei Sonntagsschullehrerinnen ihre Arbeit fortsetzen konnte als Ergänzung der übrigen Gemeindearbeit, die dort bereits seit vielen Jahren geschieht. In Alsunga ist der Alpha Kurs soeben zu Ende gegangen, während in Ēdole inzwischen ein Jahr vergangen ist, seit die Kirchengemeinde einen Gasthof gepachtet hat, der während dieser Zeit als Gemeindehaus mit einer Kapelle eingerichtet wird. Inzwischen ist dort auch eine christliche Pfadfindergruppe entstanden. Die ersten sechs davon haben gerade ihr Gelübde abgelegt. Dieses Gebäude ist auch zur letzten Heimstätte für bettlägerige einsame Menschen geworden, die ihre letztem Tage dort sauber und versorgt verbringen können. Auch Pfarrer Skuška dankte allen einheimischen und aus der Ferne angereisten für dir schöne Gemeinschaft.
Helmut aus Kalmar in Schweden ist die Renovierung des Gemeindehauses, die Beschaffung der sanitären Einrichtung und der notwendigen Möbel zu verdanken. „Sehet, welch ein Mensch!“ Dieses Wort sprach der Gemeindepfarrer mit dem Blick auf ihn aus.
Der Pfarrer der Kirchengemeinde Vecauce Valdis Bercs erlebt zur Zeit einen Augenblick des Wechsels. Die Kirchengemeinde setzt ihren diakonischen Einsatz bei alten Leuten fort und es gibt eine wunderbare Zusammenarbeit mit der Musikschule. Viele junge Leute von dort haben sich zum Konfirmandenunterricht angemeldet. Doch die Renovierungsarbeiten an der Kirche sind stecken geblieben, weil es für die Vorhaben keine Unterstüzung mehr gibt.
Der Pfarrer der Kirchengemeinden Ropaži und Mālpils Krišjānis Bulle fügte dem hinzu, dass die ausgesprochen starke Seite seiner Kirchengemeinde die Sonntagsschule sei., welche die gute Tradition hat, dass die Sonntagsschulkinder von ihren Freunden und Freundinnen aus der Schule begleitet werden. Wirtschaftlich hat Gott die Kirchengemeinde mit Mitteln ausgestattet, die für die Restaurierung der Decke notwendig sind. Der Pfarrer hatte die Freude. Schön ist es, dass die Leute dort nach dem Gottesdienst nicht auseinanderlaufen, sondern zusammen bleiben und gemeinsam beraten, was in der Kirchengemeinde noch zu tun ist. Der Gemeindeleiter Juris Vilums machte deutlich, dass es heutzutage nicht einfach sei, eine Kirchengemeinde auf dem Laufenden zu halten, die einen großen Immobilienbesitz hat, der einem mehr als genug Probleme macht. Ganz besonders dankbar war er zwei Schwestern aus den Gemeinden, die den ganzen Schriftverkehr bei diesen Vorhaben übernommen haben und die die Krypta unter dem Altar in Ordnung gebracht haben, die inzwischen für viele
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Touristen zu einem beliebten Besichtigungsobjekt geworden ist. Juris beglückwünschte seine Amtsschwester Sanita mit einem ganz besonderen Geschenk – einem einmaligen Exemplar einer Blume und einem einmaligen Händedruck was natürlich bei den Anwesenden Heiterkeit auslöste.
Pfarrer Rolands Eimanis hatte aus Baldone einen ganzen Bus voll von Leuten mitgebracht, denn gerade diesen Tag hatte sich die Kirchengemeinde für ihren jährlichen Gemeindeausflug auserwählt. Und sie wollte auch wirklich in diesem Jahr nach Kurland reisen. In Baldone gibt es eine gut funktionierende Sonntagsschule, eine aktive Jugendarbeit, einen Alpha Kurs, der am letzten Samstag im Monat einen eigenen Gottesdienst hält mit ausgesuchten besonderen Liedern. Ganz besonders froh war der Pfarrer darüber, dass es der Kirchengemeinde gelungen ist, aus eigenen Mitteln einen Diakon zu vergüten, der 50 arme Kinder mit einem freien Mittagessen versorgt und bei ihnen Hausbesuche macht. Pfarrer Eimanis freut sich auch darüber, dass in der Kirchengemeinde vieles von selbst angepackt wird, ohne dass der Pfarrer dafür einen Anstoss geben muss, .und zitierte bei seinen guten Wünschen die Worte eines Lehrers: „Auf dass es in der Kirchengemeinde stets Platz für einen jeden gäbe!“
Propst Viesturs Pirro lud zum 28.Oktober alle nach Kuldīga ein zum Beginn des 400 jährigen Gedächtnises von Herzog Jakob.. Propst Pirro beschrieb ihn als einen wahren Christen, der anordnete, dass in seinem Lande 70 neue Gotteshäuser erbaut werden sollten, von denen heute noch viele stehen.
Mehrere Redner bemerkten, dass dadurch , dass Svētdienas Rīts nur einmal im Monat erschiene und ein solches Treffen nur einmal oder zweimal im Jahr stattfinden könnte, die Möglichkeiten der gegenseitigen Information nur höchst begrenzt seien.. Die diakonische Leiterin der Rigaer Jesusgemeinde Līvija Putāne rief alle Kirchengemeinden auf. sich durch Eingaben für das öftere, mindestens zweimal monatliche Erscheinen unserer Kirchenzeitung einzusetzen.
Der 25 September verlief in einer sehr liebevollen Atmosphäre. Am Abend konnte man sich nur noch fragen: Wo ist bloß die Zeit geblieben?

Leser von Svētdienas Rīts verreisen nach Piebalga Ingrīda Briede
Am Erntedankfest, dem 3. Oktober, veranstaltete unsere Kirchenzeitung SR für ihre Leser den fünften gemeinsamen Ausflug. Nach dem ersten Ausflug zu den Lutherstätten im Mai sprachen die Teilnehmer den Wunsch aus, auch in Lettland Orte und Kirchengemeinden in Lettland kennen zu lernen, in denen Ausflugsteilnehmer beheimatet sind. So führten uns Ausflüge in diesem Sommer nach Kurland. Sigulda und die Umgebung von Cēsis, auch zu Zielen außerhalb von Lettland, zum Beispiel nach Litauen, doch dieses Mal machten wir uns nach Piebalga und Cesvaine auf den Weg.
Den bewölkten und frischen Tag machten nicht nur die bunten herbstlichen Farben bei dem Blick aus dem Fenster vom Bus sonniger und wärmer, sondern die Freude der Reisenden und die Gemeinschaft. Es schien, als hätten sich sehr alte Freunde wieder getroffen.
Die erste Anlaufstelle war die Kirche von Lode-Apši, eine der seltenen Holzkirchen in Lettland. Hier wurde auch der Film „Aija“ gedreht. Es ist von Anfang an gute Tradition, dass in jedem Gotteshaus, das wir besuchen, gemeinsam gesungene Choräle erklingen. Das wurde dieses Mal durch die Begleitung von Juris Pētersons an der Orgel ergänzt. Dabei stellte es sich heraus, dass Juris einst Organist in der St. Johanniskirche in Riga und auch in der Gegend von Vecpiebalga gewesen ist. Er erinnert sich an den heutigen Politiker Tālavs Jundzis, Sohn des Pfarrers Edgars Jundzis, der als kleiner Junge vom Orgelklang so fasziniert gewesen sei, dass er den Gottesdienst am liebsten auf dem Schoß des Organisten verbracht hätte.
Wir machten darauf einen Bogen um die Hügel von Vespiebalga und hörten uns sehr interessiert das an, was unsere Reiseführerin Līga Pommere zu berichten wusste, kehrten
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unterwegs im Gut Īneši ein, wo Ķencis einst gefangen gehalten wurde, freuten uns über die leuchtenden Farben der Wasserrosen, fütterten die Fische im Teich am Wegesrande, bis wir das nächste Gotteshaus, die lutherische Kirche von Vecpiebalga, erreichten. Einst überragte dessen stattlicher Turm die ganze Umgebung, doch während des Krieges wurde er zerstört. Das damals zerstörte Gotteshaus wurde während der Zeit des nationalen Wiedererwachens wieder aufgebaut und liegt am Wegesrande verborgen unter großen Bäumen. Im Gotteshaus überrascht uns dessen Breite und das Licht, das durch die großen Fenster einfällt. Der Altar ist aus örtlichen Feldsteinen erbaut.
Während der Zeit des nationalen Wiedererwachens wurde auch die nächste von uns besichtigte Kirche, die Kirche von Liezere restauriert. Wegen Geldmangels mussten die Restaurierungsarbeiten unterbrochen werden, so dass die Kirche immer noch im unvollendeten Zustand geblieben ist. Hier wurden wir Reisenden gastfreundlich von der Gemeindeleiterin Anna Rozīte, erwartet, die an unserer ersten Reise zu den Lutherstätten teilgenommen hatte und uns bei zurückgehender Kälte einen sehr interessanten Bericht über die Kirche gab und uns mit einer wohlschmeckenden Bohnensuppe mit Fladenbrot verwöhnte. Bei ihrem Bericht erfuhren wir, dass die Leute von Liezere sehr musikalisch sind, wozu der einstige Pfarrer Leberecht Herregott Punschel die Grundlagen gelegt hatte, der keinen Gottesdienst beginnen ließ, bevor er die Gemeinde nicht in die Kunst des Singens eingeführt hatte. Hier ist auch der erste Kirchenchor in Lettland entstanden. Der weltliche Chor von Liezere gehört zu den ersten Chören in Lettland, der sich an dem von Neikens zusammengerufenen Sängerfest in Dīkļi und an dem ersten Allgemeinen Liederfest im Jahr 1873 beteiligt hat. Leider hat das Dorf zur Zeit keinen Chor. Nach einem von Pfarrer Guntis Želvijs gehaltenen Gottesdienst in der Kirche von Liezere fuhren wir Busreisenden zu unserem nächsten Haltepunkt – der Burg und der Kirche von Cesvaine – weiter. Die Burg war für viele eine Überraschung mit ihrer Pracht mitten in Lettland. Leider haben den Zahn der Zeit, Brandschäden und Menschen mit dem Hang zum Zerstören auch dieses Gebäude nicht verschont. Aus dem Kaminsaal wurde eine Turnhalle und die Bärenfiguren haben ihr Gesicht verloren. Sehr viel ist hier noch zu tun, bis die Burg ihre alte Pracht wiedererhalten hat. Die Reise wurde mit dem Besuch des Gotteshauses von Cesvaine beschlossen. Dort wurden wir liebevoll von der Organistin und Pfarrer Hans Jensson empfangen.
Mit dieser Reise sind die von SR für die Leser veranstalteten Reisen dieses ersten Jahrgangs beendet worden. Der Gewinn dieses halben Jahres ist sehr groß. Viele Leute aus den Kirchengemeinden in verschiedenen Gegenden Lettlands haben die Liebe Gottes, die Liebe zueinander und die Gemeinschaft miteinander erfahren können. Wir selbst haben uns bereits den Namen „Gesamtgemeinde“ gegeben. Wie schön war es doch weit entfernte Orte in Lettland zu bereisen, wo man unseren ganzen Bus wie seit langem erwartete liebe Freunde aufnahm! Schade, dass wir uns so bald von ihnen trennen mussten! Doch als freudige Nachricht sei es allen gesagt, dass unsere Gemeinschaft und die gemeinsamen Reisen im nächsten Jahr mit einer Bildungsreise zu den Lutherstätten und zum Evangelischen Kirchentag in Dresden sowie zu einem Gottesdienst am 14. Juni in St Petersburg sowie mit Reisen zu alten und neuen Freunden in Lettland fortgesetzt werden Doch im Januar sind alle nach Riga zu einem Lichtbildervortrag über die Reisen dieses Jahres herzlich eingeladen.

Chefredakteurin: Inga Reča

Anschrift der Redaktion: Mazā Pils iela 4 – Riga – LV 1050
Telefon 00371-67224911
E-Mail-Adresse: svetdienasrits@apollo.lv

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Übersetzung: Johannes Baumann (abgeschlossen am 29.10.2010)
Brucknerstr. 24.- D-27711 Osterholz-Scharmbeck
Telefon: 04791-13356
E-Mail-Adresse: baumann-ohz@arcor.de

Nachwort des Übersetzers
Dieses Mal haben meine hoch verehrten Leserinnen und nachsichtigen Leser nicht so lange auf die neue Übersetzung warten müssen wie bei der letzten Ausgabe, deren Übersetzung sich wegen unserer etwas längeren Abwesenheit verzögert hat.
In Lettland mehren sich jetzt die Stimmen, die das Erscheinen von einer Ausgabe der Kirchenzeitung im Monat bemängeln und der Ansicht sind, dass, wenn die Kirchenzeitung nicht mindestens zweimal im Monat erschiene, sie den letzten Rest von Aktualität verlöre. Ich hoffe sehr, dass diese Stimmen Gehör finden mögen und wir irgendwann zu dem Erscheinen zweimal im Monat kommen.
In dieser Ausgabe ist ein ausgiebiges Interview mit dem Bischof der Baptisten Sproģis zu lesen, der sich auch unter den Lutheranern einer großen Beliebtheit erfreut. Ich habe es (obwohl es die Arbeut wert gewesen wäre) nicht übersetzt, denn wenn ich es getan hätte, dann hätte ich dafür noch einige zusätzliche Tage gebraucht, was den Versand wieder um einige Zeit verzögert hätte.
Sehr verehrte Leserinnen, liebe geduldige Leser! Ich möchte mein Nachwort etwas ausdehnen, um eine Modeerscheinung in unserer deutschen Sprache aufzugreifen und meinerseits zu bekunden, dass ich nicht die Absicht habe, mich ihr anzuschließen., sondern mich ihr entschieden widersetzen werde. Dazu bin ich vor geraumer Zeit von Erhard Eppler angeregt worden, von dem vor mehreren Jahren bei Suhrkamp das kleine Buch „Kavalleriepferde beim Hornsignal. Die Krise der politischen Sprache“ erschienen ist. Auch wer nicht allen seinen Ansichten zustimmt, wird ganz bestimmt nicht behaupten können, dass Erhard Eppler ein verknöcherter Konservativer sei. Jedenfalls hat mich dieses Büchlein (dessen Lektüre ich dem Kreis meiner Leser gerne weiter empfehle) dazu ermutigt, auch meinerseits zu einer Unart, die auch in manchen kirchlichen Publikationen deutscher Sprache um sich gegriffen hat, Stellung zu nehmen. Eppler weist seine Leser darauf hin, dass der alte Aristoteles in seiner Rhetorik gefordert hätte, dass alles Geschriebene sich „leicht vorlesen und vortragen lassen müsse“ (nach meiner Kenntnis ist dieser Forderung noch nie widersprochen worden). Nun haben sich eifrige Schreiber und Schreiberinnen angewöhnt (und leider immer noch nicht abgewöhnt), bei Wörtern wie „Bürger“, „Teilnehmer“, „Veranstalter“, „Politiker“ an den letzten Konsonanten r ein mit einem großen I geschriebenes „Innen“ anzufügen. Eppler weist mit Recht darauf hin und die feministische Linguistin Luise Pusch findet das auch, dass es bereits bei leisem Lesen zu Missverständnissen kommen könnte, wenn bei standhaftem Beibehalten der Schreibweise „AusländerInnen“ die „AusländerInnenpolitik“ als Innenpolitik für Ausländer missverstanden werden könnte. Für das laute Lesen brauchen wir dann ganz sicher eine Anweisung (betr. Betonung etc). So habe ich mich an einige Stellen gewandt, welche sich dieser seltsamen Schreibweise bedienen, um von ihnen eine Anleitung für das laute Vortragen dieser Texte zu erhalten, zu denen im kirchlichen Bereich auch die Schreibweise „ChristInnen“ gehört. Ich weiß nicht, weshalb man mir diese Bitte nicht erfüllte, sondern sich bestenfalls mit der Antwort begnügte, dass diese Praxis auf einen Mehrheitsbeschluss des Hauses zurückginge, was ja vielleicht sehr lieb und menschenfreundlich gegenüber den Schreibern war, aber mir nicht weitergeholfen hat. Ist es eigentlich einem meiner lesenden Mitmenschen bekannt, ob es noch eine Sprache auf dem Globus gibt, die sich solcher orthographischen Merkwürdigkeiten „rühmen“ kann? J. B.

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Verfasst von: liefland | November 3, 2010

Ausgabe Nr.12 (1839 ) vom 11. September 2010

Seine Macht ist ewig Daniel 7,14

Auszüge aus Svētdienas Rīts, Zeitung der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, herausgegeben von ICHTYS GmbH, erscheint seit Januar 1920.
15. Sonntag nach Trinitatis Ausgabe Nr.12 (1839 ) vom 11. September 2010

Spalte der Chefredakteurin Inga Reča
Es hat einen Sinn!
Wie würdet Ihr Euch fühlen, wenn die Redakteurin Eurer Kirchenzeitung Euch mitteilen würde: Die englische Königin gehört zu den Abonnenten unserer Kirchenzeitung? Ihr würdet bestimmt die Augen weit aufreißen und die Überraschung wäre perfekt, nicht wahr?
Genau das war auch meine Reaktion, als ich den Direktor des Museums Schloss Rundāle Imants Lancmanis kennenlernte und er mir bei der Gelegenheit mitteilte, dass er genau wüsste, wie unsere Kirchenzeitung aussieht. Auf meinen fragenden Blick antwortete mir Herr Lancmanis: „Im Schloss Rundāle abonnieren wir Svētdienas Rīts seit fast 20 Jahren“.
Ich bin Gott dankbar, dass ich die Möglichkeit habe, an unserer Kirchenzeitung mitzuarbeiten
und es mir dadurch geschenkt ist, herausragenden Persönlichkeiten zu begegnen, deren Beitrag zum Wohle unseres Vollkes und Landes nicht zu übersehen ist. Ich wünsche mir sehr, dass durch unsere Beiträge und Interviews wenigstens ein Schimmer dessen sichtbar wird, was diese Persönlichkeiten während ihres Lebens zum Wohle unsers Landes getan haben und das Herz unserer Leser berührt. Deshalb fasse ich die Begegnung mit Imants Lancmanis als ein ganz besonderes Geschenk Gottes auf und möchte alle – seien es Kirchengemeinden oder einzelne Persönlichkeiten – dazu aufrufen, nach Rundāle zureisend, wenn möglich, dann schon in diesem Herbst! Dort könnt Ihr Eure Seele erfrischen und werdet von einem Menschen empfangen, der sich um das Schicksal unserer Kirchen und Gotteshäuser kümmert. Es lohnt sich darauf einzulassen, was er über Lettland und die Letten zu sagen hat. Das wird sicher nicht nur Glänzendes sein, aber gerade deshalb lohnt es sich, Mnches zu lesen und darüber nachzudenken. – über uns, über unser Land und auch über die Kirche.
Dass die Arbeit der schreibenden Autoren unserer Kirchenzeitung nicht vergeblich ist, machte mir eine weitere Begegnung in der Gegend von Bauska deutlich. Auf einer unserer Sommerreisen bin ich Dzintra Gaile aus der Kirchengemeinde Bauska begegnet. Dzintra ist regelmäßige Leserin unserer Kirchenzeitung. Sie abonniert sie, seit sie wieder erschienen ist. Das Ungewöhnliche an ihrer Geschichte ist, dass sie SR 15 Jhre lang abonniert hatte, ohne dass sie Christisn war. Erst vor fünf Jahren wurde sie konfirmiert. Wie Gott in ihr Leben eingegriffen hat, darüber berichten wir in dieser Ausgabe unter dem Stichwort „Zeugnis“

Weshalb lohnt es sich, zu leben? Inga Reča
„Er ist unser Goldstück! Verschwenden Sie nicht unnötig seine Zeit, sondern nutzen Sie sie aus, soviel Sie können,“sagte mir ein weiser Forscher, dem ich meine Absicht, nach Rundāle zu reisen, um dort im Schlossmuseum dessen Hausherren Imants Lancmanis zu interviewen, mitteilte. Als ich noch einmal alle Informationen über Herrn Lancmanis, die mir zur Verfügung standen, durchging, da wurden mir die Kniee weich angesichts seines Lebenswerkes und der vielen Ehrungen, die ihm weltweit zuteil geworden sind.. Das hatte bei mir nur eine Reaktion ausgelöst: Ich musste meinen Kopf senken vor der Haltung und dem Wissen dieses Menschen Im Jahr 2014 sind es 50 Jahre her, seit Imants Lancmanis zusammen mit Gesinnungsgenossen die Restaurierung von Schloss Rundāle begonnen hatte. Davon sind nur noch wenige Räume übrig geblieben, an denen etwas getan werden muss. Und dann… Und dann kommt ganz bestimmt ein anderes für Lettland wichtiges Vorhaben dran. Bei unserem Gespräch wurde mir deutlich, dass das Schloss Rundāle einmalige Informationen über Gotteshäuser bei sich beherbergt, die ihrer weiteren Nutzung harren.

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- Als wir uns zum ersten Mal begegnet sind, da sagten Sie, dass es drei Zeitungen seien, die das Schloss Rundale abonnieren würde: „Diena“ (die größte Tageszeitung Lattlands), „Svētdienas Rīts“ (unsere Kirchenzeitung“ und „Bauskas Dzīve“ (die örtliche Kreiszeitung). Das ist eine seltsame Auswahl! Weshalb abonnieren Sie unsere Kirchenzeitung SR?
- Weil dort Dinge zu lesen sind, welche uns sehr interessieren, abonnieren wir die Kirchenzeitung seit ihrem Wiedererscheinen. Wir schneiden alles aus, in dem über unsere Kirchen berichtet wird und ordnen das in unsere Kirchenakten ein. Aber dabei lese ich jede Ausgabe vollständig durch.
- Ich habe gelesen, dass wir es Ihnen verdanken können, dass Anfang der 60er Jahre aus vielen Kirchen einmalige Werte der Kunst und Kultur vor der Vernichtung gerettet werden konnten. Wie ist es dazu gekommen?
- 1961 begann das geplante Auslöschen der Kirchengemeinden, in deren Folge viele Gemeinden ihre Existenz verloren. Mit den Rettungsarbeiten begannen wir schon Anfang der 60er Jahre, als es im Schloss Rundāle noch gar kein Museum gab. An dieser Stelle möchte ich die Bedeutung des außerordentlich großen und viel zu selten erwähnten Künstlers Jurģis Skulme würdigen, welcher es als erster wagte, damit anzufangen. Er begann damit, dass er zusammen mit seinem Vater und anderen Begeisterten die Skulpturen der Kirche von Lestene vor dem Verfall bewahrete, die er auf dem Boden der Kunstakademie verbarg. Danach bereiste ich mit ihm und meinem Kollegen Mārcis Kļaviņš viele Kirchen und gebrauchten zur Tarnung die Ausrede, dass das Laboratorium für Kunstgeschichte historische Materialien sammelte. Die Möglichkeit für umfangreichere Rettungsaktionen gab es erst seit dem Jahr 1964, als wir das Gebäude von Schloss Rundāle bezogen, in dem wir reichlich Räume hatten, um dort alles aufzubewahren.
- Haben Sie sich bei dem allen nicht auch gefürchtet? Jurģis Skulme musste deswegen sich doch auch vor einem Gericht verantworten.
- Wir hatten vielleicht aus einem Grunde dabei Erfolg. Alles, was im Schloss Rundāle geschah, fasste man als ein exterritoriales Geschehen auf., weil wir nicht in Riga waren, und weil sich unsere Tätigkeit mit der Geschichte befasste. Denn zum Beispiel haben uns die Leute vom KGB nie gestört, da sie viel mehr an Kontakten mit den Letten im Ausland interessiert waren und nicht an unseren Beziehungen zu deutschen Baronen. Unser Interesse an Kirchen und für Gutshäuser hielt man für unschädliche Kindereien. Ich nehme das einfach an, denn anders kann ich es mir nicht erklären, weshalb es bei uns nie zu Komplikationen gekommen ist. Wir hatten keine Furcht, denn wir waren durch unsere Arbeit hingerissen Eine weitere Persönlichkeit, die uns bei unserer Arbeit sehr geholfen hatte, war der Direktor des Museums von Bauska Laimonis Liepa. Rundāle war damals eine Filiale von Bauska und Laimonis Liepa bestimmte die Ausrichtung der Arbeit unseres Museums. Er hätte sagen können: Haltet das Schloss nicht für eine Kirche! Aber er sagte: Das müsst ihr tun: „Unser Museum in Rundāle ist Gott und dem Gusbesitzer gewidmet.“ Manches Mal lachte er etwas darüber, aber das war es dann auch.. Und wir konnten damit ruhig fortfahren, unser Museum als Kirchenmuseum mit vielen Wertgegenständen einzurichten Wir bauten alles selbst ab, beschafften uns die erforderlichen LKWs dadurch, dass wir einem örtlichen Unternehmer den von ihm gewünschten Schnaps organisierten, der uns dann bei dem Verladen und Transport half. Ich werde es nie vergessen, was 1968 in der Kirche von Vāne geschehen ist. Uns wurde gemeldet, dass man vor hätte, aus dem Gotteshaus eine Turnhalle zu machen. Rettet doch, was Ihr retten könnt. Und wir nahmen alles heraus, was wir konnten. Darunter auch eine riesige Grabplatte, bei der wir feststellten, dass dieses die größte Grabplatte Lettlands sei. So konnten wir auch diesen Kunstgegenstand vor seiner Zerstörung bewahren.

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Auch die Kirche von Stende ist ein klassisches Beispiel für die ganze Tragödie, von der alle Gotteshäuser in Lettland während der 60er Jahre betroffen wurden. Etwas, was ich unseren Kirchengemeinden vorwerfen kann, das ist die damalige Depression und Panik, und dass sich die Leute in den Kirchengemeinden keine allzu große Mühe gaben, ihre Gotteshäuser zu erhalten. Um in eine Reihe von Gotteshäusern hineinzukommen, benötigten wir gar keinen Schlüssel. Die Türen waren weit geöffnet… So auch in Strutele. Ein Jahr nach der Auflösung der Kirchengemeinde war in der Kirche noch nichts geraubt; doch als wir als Mitarbeiter des Museums zurückkehrten, war vieles vorher herausgeschleppt worden. So gelang es uns, dort nur einen kleinen Teil der wertvollen Gegenstände zu retten. Die Kirche stand, das Dach war in Ordnung, doch nachdem weitere Jahrzehnte vergangen waren, ist von der Kirche nur noch eine Ruine übrig geblieben. Wir haben es deutschbaltischen Geschlechtern zu verdanken, dass wir 1996 die Kirche wieder neu weihen konnten.
– Viele Kirchen sind vor Ihren Augen zusammengebrochen und haben auch eine solche Auferstehung erleben können.
- Ja, es gab aber auch solche tapfere Kirchen, die überlebt haben, zum Beispiel die Kirche von Zlēkas ist bewundernswert, ebenso auch die Kirche von Ēdole. Diesen Gotteshäusern gelang es vor allem dank der ganz besonders unternehmungsfreudigen Gemeindeältesten zu überleben. Diese haben für ihre Gotteshäuser gekämpft, saßen auf der Schwelle und bewachten sie. Die Tragödie aller Kirchen Lettlands stand uns vor Augen, und deshalb machten wir die Ausstellung „Die Zeit der Zerstörung.“ In den 60er Jahren haben wir alles fotogafiert, was wir in den Kirchen zu sehen bekamen. Das war sicher unser gefährlichstes Unternehmen, denn Jurģis Skulme wurde gerade deshalb der Prozess gemacht. Man beschuldigte ihn, dass er Fotos dieser Art in das Ausland geschickt hätte. Ihnen kam es aber gar nicht in den Sinn, dass wir im Museum riesige Stapel von solchen Aufnahmen hatten. Bei der Ausstellung zeigen wir, wie eine Kirche vorher ausgesehen hatte und wie sie zur Sowjetzeit hergerichtet wurde, und zeigen auch die Gegenstände, die wir retten konnten.
- Ist man sich eigentlich des großen Wertes der Altarbilder, der Innenausstattung und anderer Gegenstände bewusst?
- Bis in das letzte Detail. Gemeinsam mit dem Denkmalsamt gelang es dem Museum ein Denkmalsverzeichnis zu erstellen. Außerdem fügten wir allen Gegenstände eine Dokumentation der Erforschung bei. Im Archiv sind wir alle Protokolle der Kirchenvisitationen durchgegangen. Ich selbst habe während der 70er Jahre am Bestand des Konsistoriums von Kurland gesessen. Wir halten das alles für einen Gesamtkomplex – die Kirche als Gebäude, den künstlerischen Wert und so weiter.. Damit sind wir im Besitz eines sehr guten, aber leider fast überhaupt nicht genutzten Archivs.
Kehren wir zur Ausstellung „Die Zeit der Zerstörung“ zurück. Es ist unsere Absicht, eine große Publikation herzustellen, einen Ausstellungskatalog, welcher mit Beiträgen darüber vervollständigt wird, was alles in der Nachkriegszeit im Rahmen der Vernichtung der Kirchen geschehen ist.
- Sie sind einer der ganz wenigen Menschen, dem das Lebensbild unserer Kirchen und Kirchengemeinden im Laufe von mehreren Jahrhundedrten ganz deutlich vor Augen steht. Wie stellt sich Ihnen dieses Gesamtbild dar?
- Die Materialien des Konsistoriums von Kurland weisen oft auf dasselbe hin, was zu allen Zeiten geschieht – die Lage ist schwierig. Geld ist nicht vorhanden und die Pfarrer klagen ständig. Da gibt es zuerst die Klage über das Kirchengebäude, dessen Dach bald allen auf den Kopf fallen würde zweitens steht das Pastorat unmittelbar vor dem Zusammenbruch. Dabei sind die Klagen auch sicher begründet. Die armen Pfarrer mussten leiden, denn die Bürokratie des Imperiums Russland war außerordentlich langsam. Da gibt es zum Beispiel ein Schreiben aus dem Jahr 1828, und dann eins aus dem Jahr 1829 mit derselben Klage. Es vergehen 5
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Jahre, bis irgendein Geldbetrag bewilligt wird, um irgendetwas zu tun. Die Lebensumsände waren hart, und wir sollten uns nicht von der Vorstellung leiten lassen, dass die Religion damals eine andere Rolle spielte, und alles leichter gewesen sei. Auch in den Protokollen der Kirchenvisitationen ist nur in wenigen Fällen zu lesen, dass eine Kirche in einem guten Zustand sei. Stattdessen heißt es in den meisten Fällen: schlecht, sehr schlecht oder entsetzlich, es regnete herein, die Fenster sind undicht und einen Fußboden gäbe es überhaupt nicht. So war das geistliche Leben damals von großen Behinderungen geprägt. Alle Unterlagen der Kirchenvisitationen sagen über die geistlichen Werte NICHTS aus, sondern nur etwas über das Leben und die Lebensumstände.- über die Gebäude und deren ständigen Zusammenbruch. So sollten wir, wenn wir von den Zeiten des Zusammenbruches reden, nicht nur an die Sowjetzeit denken, die uns apokalyptisch als Zeit des völligen Zusammenbruches erscheint, sondern dass es nie leicht gewesen ist. Fangen wir vielleicht mit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts an. Damals waren die Kirchen in einem guten Zustand, es gab genügend Geld und alle gingen zum Gottesdienst. Das war eine Zeit der Blüte. Der Erste Weltkrieg brach über ein Lettland hinein mit wundervoll in Stand gesetzten und in Ordnung gehaltenen Kirchen. Aber so richtig gut ist es eigentlich nie gewesen. Immer gab es Kämpfe und Schwierigkeiten.
- Wie groß ist der Anteil der von Ihnen geretteten Wertgegenstände, der in die Kirchengemeinden zurückgekehrt ist und welchen Herzens haben Sie sie zurückgegeben?
- Das ist sehr unterschiedlich. Wir geben sie leichten Herzens weg, wenn wir davon überzeugt sind, dass wir diese Wertgegenstände den Kirchengemeinden anvertrauen können, und dass diese mit ihnen sorgfältig umgehen und nichts beschädigt wird. Mit aufrichtiger Freude haben wir ein restauriertes Altarbild und auch das Altarsilber zurückgegeben, was bald darauf gestohlen wurde. Deshalb stellt sich uns oft die Frage: Sind sich unsere Kirchengemeinden wirklich dessen bewusst, was sie mitgenommen haben, und sind sie in der Lage, diese Wertgegenstände der Kultur angemessen sicher zu stellen? Wenn ein solcher Gegenstand gestohlen wird, dann ist das nicht nur ein Verlust der Kirchengemeinde, sondern ein Verlust für das ganze Land.
Es gibt nur recht wenige, die ihre Kanzel und ihren Alar zurück haben möchten. So haben zum Beispiel die Leute der Kirchengemeinde Burtnieki ihre Kanzel mitgenommen, sie gereinigt und dabei unten ein Gemälde entdeckt. Den Kirchen von Augstkalne und Ziemupe haben wir die ganze Einrichtung zurückgegeben. Das verursachte bei der Ausstellung „Die Zeit der Zerstörung“ eine größere Lücke. Deswegen mussten wir die Ausstellung schließen und jetzt überlegen, was wir an deren Stelle hineinsetzen.
Das allergrößte Problem unter allen Kirchen ist die Kirche von Lestene. Deren unvergleichlicher Wert – nicht nur künstlerisch, sondern auch kulturhistorisch und als Symbol, das eng mit dem Gedenken an die Lettische Legion verbunden ist – müsste Anlass sein, diese Kirche in das nationale Aufbauprogramm hineinzunehmen. Alle Gegenstände dieser Kirche, die sich bei uns befinden, werde ich der Kirche für deren völlige Restaurierung zurückgeben. Was die Kirchengemeinde Lestene unternimmt, ist sehr zu loben. Mit wenig Geld sind sie auf dem richtigen Wege weitergekommen. Sie setzen die Fenster wieder ein – solche, wie sie ursprünglich waren. Aus alten Fliesen setzen sie den Fußboden ein.
- Da Sie einen vollkommenen Überblick über den kulturellen Wert der Kirchen Lettlands haben, möchte ich Sie bitten, mir die 5 Kirchen in Lettland zu nennen, denen Sie die Plätze 1 bis 5 zuerkennen würden.
- Wenn wir von den Gotteshäusern sprechen, die noch erhalten sind, dann muss ich nach Lestene ganz bestimmt Apriķi und Nurmuiža nennen. Apriķi ist wunderschön und lieblich,

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aber Lestene ist daher bewundernswert, dass der ganze Innenraum das letzte Werk des Holzschnitzers Söffrenz ist und zusammen mit dem Orgelwerk etwas Einmaliges darstellt.
- Der größte Teil der Menschen in Lettland hat den Innenraum der Kirche von Lestene noch nie gesehen. Das heißt doch, dass wir das Schönste, was wir haben, noch entdecken müssen?
- Ja. Der Innenraum der Kirche von Lestene ist viel mehr als eine Legende. Es gibt einige Fotos, das Buch von Wipper, wo sie über alle Dinge gelobt wird. Auch wir können nicht alles ausstellen, denn diese Einrichtung ist einfach gewaltig.!
Auch die Inneneinrichtung der Kirche von Edole ist einzigartig, sehr reich und schön. Nicht zu reden von der Dreifaltigkeitskathedrale in Liepāja – diese steht ausßerhalb von jeder Konkurrenz und übertrifft alle anderen. Ebenso wie das Schloss Rundāle, so übertrifft die Kathedrale in Liepāja alle anderen hiesigen Möglichkeiten. Es ist eine Importware – völlig europäische Perfektion. Doch wir haben noch mehr. Zum Beispiel die Kirche von Subate – sowohl innen als auch außen unbeschädigt, ausgenommen ein Epitaph, das gestohlen wurde. Subate ist fast unbekannt und völlig unterbewertet.
- Während der letzten Jahre gab es zwischen den Denkmalsschützern und den Gemeinden eine Diskussion darüber, wie eine Kirchengemeinde in solchen kulturhistorisch wertvollen Räumen leben und diese Wertgegenstände erhalten kann, ohne dabei den Atem zu verlieren?
- Als ich in Paris war, habe ich mich gewundert. Dort gab es in Kirchen solche Winkel, in denen Gemeindeleben stattfand. Dort gab es Teeabende und vieles andere. Das nahm den Kirchenraum sehr in Anspruch, ich würde sagen, fast ein wenig zu viel.
- Ich las einmal einen Beitrag, in dem dessen Verfasser Sie als Beispiel dafür nannte, dass jemand große und abslolute Werte in seinem Leben verwirklichen, in sein Leben hineinbringen und darin aufweisen kann. Welches sind nach Ihrer Meinung die Werte, die man über alle Wechsel der Zeiten hinweg für das eigene Leben bewahren sollte?
- Wenn ich Ihnen jetzt antworte, dann werden Sie vielleicht denken, dass ich mich damit vielleicht dem Profil von „Svētdienas Rīts“ anpassen möchte. Ich glaube tatsächlich, dass alles in den 10 Geboten enthalten ist und dass hier der Mensch darauf gewiesen wird, wie er sein Leben darauf ausrichtet, was gut ist. Ganz einfach. Das Gute geht von den Geboten aus und umgekehrt – die Gebote gehen von der richtigen Vorstellung vom Guten aus. Anderenfalls verliert das Leben seinen Sinn und in jedem Augenblick verliert der Mensch den Platz, auf den er in dieser Welt gestellt worden ist, in dieser Welt voller Versuchungen und anderer Seltsamkeiten. Das klingt schon fast banal, aber das Leben bekommt seinen Sinn erst, wenn der Mensch sein Leben an irgendein Ideal, an irgendetwas Gutes anpassen und auf der Suche nach Harmonie sein möchte. Wiederum kann man Harmonie nicht finden ohne die guten Prinzipien, die in den Geboten enthalten sind. Ganz egoistisch könnte ich sagen: Ich suche die Harmonie, weil diese mir ein angenehmes Gefühl für Leib und Seele schenkt. Jemand, vermag es nicht, harmonisch zu leben, wenn er sich hat verführen lassen, wenn er verräterisch gehandelt hat, Bestechungsgelder angenommen hat usw Ich denke, dass das in irgendeiner Weise dem Leben in der Hölle gleich kommt.
Anscheinend ist das ein ganz einfaches Rezept, aber es überrascht mich immer wieder, dass Menschen es nicht begreifen.
Sie haben es als Ihren Egoismus bezeichnet, aber irgendjemand muss doch diese Auffassung in Sie hineingepflanzt haben. Waren es die Eltern, war es die Umwelt?
Ja, sowohl die Eltern als auch die Umwelt, aber in jedem Menschen, außer in jenen mit schweren und schrecklichen genetischen Behinderungen, gibt es ein Gleichgewicht. Natürlich kann eine schlechte Familie viel zerstören, aber es liegt doch sehr fern, dass ein Mensch selbst

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seine Werteskala entdeckt, und das, was er in seinem Leben erreichen möchte. Dabei geht es nicht um Erfolge. Ich erinnere mich an ein fast biblisch anmutendes Gleichnis darüber, was ein Matrose auf seinem Sterbebett gesagt hat: „Ich denke, ich bin ein guter Matrose gewesen.“
Auch wenn in seinem Leben nicht viel besonderes vorgekommen ist. Ein weiteres Thema ist die Erziehung. Das ist eine globale Frage – in wie fern kann die Familie, die Schule, und ich möchte auch sagen die Kirche den Menschen auf den rechten Weg bringen und ihm bewusst machen, was die Hauptsache im Leben ist: wo ist der Weg, der mir die größte Befriedigung, das größte Wohlgefühl und die größte Genugtuung schenkt? Wenn eigentlich jeder Mensch eine Vorstellung vom Idealen und Guten hat, so gibt es doch andererseits Versuchungen. Und auch hier stoßen wir wieder auf die Bibel – die Ursache für alles Unglück ist die Versuchung. Jeder begegnet in seinem Leben zwangsläufig den Qualen der Versuchung. Dabei fragt es sich, ob die Familie, die Schule und die Kirche es vermögen werden, ihn diese bösen Geister besiegen zu lassen? Wie wir es sehen, so ist das sehr schwer, in ein kleines Kind diese Werteskala hineinzupflanzen, die es darauf hinweist, weshalb es sich zu leben lohnt. Vielleicht ist das das Wichtigste im Leben, und nicht die Vermittlung von mathematischen oder geographischen Kenntnissen.
Die am meisten verbreitete Ansicht in der Gesellschaft über die Kirche hört sich so an: wenn ihr dorthin geht, dann bekommt ihr nicht die Freiheit, sondern das Gesetz in der Form der 10 Gebote, die euch unter Druck setzen. Es wird die Ansicht kultiviert, dass die wahre Freiheit nur außerhalb der 10 Gebote zu finden sei.
- Deshalb finde auch ich keine Antwort auf die Frage, auf welche Weise die Kirche in unserer Zeit funktionieren könnte, denn der Mensch möchte sich nicht selbst unter Druck setzen. Dabei möchte ich nicht einmal davon sprechen, dass sie zu faul sind, um zur Kirche zu gehen, sondern dass die Gebote ihnen zu schwer erscheinen. Ich denke, dass das Weiterbestehen der Kirche wie ein Ritual davon abhängen wird, dass die Menschen es begreifen, dass man auch im Kreise der Familie die Gebote erlernen kann. Wenn die Schule den Religionsunterricht, die Disziplin fürchtet, so kann man das dort auch auf andere Weise vermitteln, dass man im Unterricht nicht Bibelkunde oder Glaubenslehre weitergibt, sondern dass sich die Grundgedanken durch alle Fächer ziehen.
Ihr Lebenswerk, das Schloss Rundāle, hat Sie viel Kraft gekostet. War es auch die Erfüllung Ihrer eigenen Wünsche?
- Einerseits könnte man das sagen, aber andererseits möchte ich einfach nicht sagen, wie unvorstellbar schwer alles war. Und das ist auch einer der Gründe dafür, dass ich nicht zurückblicken möchte, um mich an vieles zu erinnern. Aber das sind nur Schwierigkeiten, die ich selbst habe und die nicht entsetzlich sind, denn deren Überwindung bringen mich der Erfüllung meiner Ideale näher. Das ist alles in Ordnung. Und was hinter mir liegt, wird ausgelöscht.
Wie blicken Sie auf das Heute? Es gibt doch die große Versuchung, alles hinzuwerfen und sich für einen Weg mit geringeren SWiderständen zu entscheiden. Hat es einen Sinn, für das Gute zu kämpfen?
-Immer wieder zu allen Zeiten und auch in der Geschichte der Menschen werden zwei Dinge deutlich – erstens muss man kämpfen und sich zweitens auf die göttliche Vorsehung verlassen. Dabei sollten wir auch stets bedenken: keine Krise ist jemals endlos gewesen. In der Lehre der Geschichte gibt es kein einziges Beispiel, wo alles bergab geht und in der Hölle landet. Ja, es gibt Leid und Schwierigkeiten, man fällt, aber es geht auch aufwärts, einen Augenblick bleibt man auf der Stelle stehen und dann geht es wieder voran. Das ist Dialektik aber auch die Rettung. Das beweisen auch unsere klekinen Erfahrungen, die wir hier im Schloss gemacht haben. 46 Jahre sind wir jetzt hier und haben immer wieder diese innere Dialektik erlebt – mit Krisen und Verzweiflung. Meine verstorbene Frau sagte, dass man sich
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in einem solchen Fall nicht dagegen zu sträuben brauchte, denn die göttliche Vorsehung hätte immer für uns eine bessere Möglichkeit bereit. Und so ist es dann auch immer gewesen. Selbst in solchen völlig aussichtslosen Situationen, in denen es schien, dass alles zu Ende sei und man aufgeben müsste. Und plötzlich kommt eine Lösung vom Rande aus einer Richtung, die wir überhaupt nicht im Blick hatten.
Eine solche Krise ist sowohl für Lettland als auch für die Welt eine Prüfung, die wir irgendwann hinter uns haben werden. Es gibt eine ganze Reihe von solchen Mechanismen, die der Mensch nicht beeinflussen, voraussagen kann, und es ist wirklich töricht zu glauben, dass man alles voraussehen kann – sei es in der Wirtschaft, sei es in der Politik Es gibt ein interessantes Gleichmaß zwischen dem Kampf und sich gegen etwas wehren und dem, in welchem Augenblick ich zu warten, zu hoffen und zu glauben anfangen muss. Und dieser Mechanismus hat auch stets in der Geschichte funktioniert. Alle Dinge steigen auf, um danach zu fallen.
Im Jahr 1991 dachten wir, dass alles glatt und einfach gehen würde, aber das erschien mir bereits damals verdächtig, dass es keine Hindernisse durch Leid geben sollte. Dass wir einfach von der sowjetischen Ordnung in einen neuen Kapitalismus hinüberfließen könnten – ohne Opfer und bittere Erfahrungen. Mit dieser Oberflächlichkeit, Leichtigkeit und Faulheit gingen viele Menschen in das neue System hinüber.
Ich nehme jetzt Deutschland als Beispiel. Ich habe sehr über den Zweiten Weltkrieg nachgedacht und weshalb es nicht gelungen ist, Hitler bei der Verschwörung zu beseitigen. Das war für Deutschland eine große Tragödie, aber auch ein großes Geschenk. Denn sonst wären sie aus der Misere sehr leicht herausgekommen. Doch gerade der Zusammenbruch Deutschlands und dessen unvorstellbare Demütigung und völlige Zerstörung haben Deutschland zu dem gemacht, was es ist: zu einem reichen Land mit der stabilsten Gesellschaft, auch aus moralischer Sicht. Und das nur deshalb, weil man dort alles neu beginnen musste. Dass sie aus Ruinen nicht nur ein neues Deutschland erbauten, sondern sich auch selbst. Gerade dieser Zusammenbruch ließ sie ein neues Leben beginnen und auch alle stabilen Werte mit einer unglaublichen Haltbarkeit und Zähigkeit. So erwies sich das am Ende als Geschenk. Aber für Lettland war dieser flinke Übergang in den Kapitalismus zu leicht. Schon damals konnten wir hören, dass die Zeit kommen würde, in der es sich erweisen würde, dass vieles auf Sand gebaut ist, dass die Menschen auf die Situation nicht vorbereitet waren und dabei faul und oberflächlich seien. Sie sind nicht professionell, sie möchten sich nicht weiter entwickeln, Sprachen erlernen, untadelig sein. Aus dieser Sicht ist die Krise in Lettland viel schlimmer als in anderen westlichen Ländern, denn im Westen geht es um eine Wirtschaftskrise, aber in Lettland um eine allgemeine Krise. Es ergab sich, dass die Menschen schwach sind und niemandem nützen und eigentlich nur Erdbeeren sammeln können. Sie könnten dem westlichen Kapitalismus als Dienstleistende von Nutzen sein. Das ist unser Unglück. 20 Jahre wurden auf irgendeine Weise vertan. Jetzt sind wir mit der Wirklichkeit konfrontiert. Was kann Lettland und jeder einzelne von uns der Welt geben? Offensichtlich nur sehr wenig.
Trotz der wunderbaren Eigenschaften, die vielen Letten eigen sind, von denen eine die unglaubliche Fähigkeit ist, sich gegenüber Schwierigkeiten zu wehren und sehr schnell in allen möglichen Situationen wieder auf die Beine zu kommen, haben diese 50 Jahres des Bolschewismus den Geist der Nation zersetzt, und das ist eigentlich das Schlimmste. Sie ließen allmählich diesen fleißigen, in großem Maße prinzipientreuen und konservativen Letten sich anpassen und die Moral der Nation zerstören. Die Letten brauchten nie um etwas zu kämpfen und sich zu einer Perfektion fort zu entwickeln, denn man konnte auf angenehme Weise dahinvegetieren. Und dann lernten sie, dass man auch stehlen könnte. Und das Diebstahl keine Schande sei, denn niemand verstößt den Dieb aus der Gesellschaft. Der neue
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Kapitalismus war eine noch größere Form der Demoralisierung, bei der den Menschen noch weitere moralische Prinzipien abhanden kamen. Zur Sowjetzeit gab es wenigstens eine Trotzhaltung, doch diese wird heute nicht mehr benötigt. Es geht alles Hand in Hand : Das Alles Erlaubt Sein. die Freizügigkeit, und dass es heute leichter ist, zu leben.
- Vielleicht sollte sich heute jeder freiwillig einen Rahmen setzen, auch wenn ihn niemand dazu zwingt, sich an ihn zu halten? Noch mehr: alle sagen, dass die Gebote dich einengen würden. Aber trotzdem bleibst du im Rahmen der Gebote. Diese ganz besondere Widerstandsbewegung steht dem Regime des Alles Erlaubt Seins gegenüber.
- Das haben Sie völlig richtig gesagt. Das ist es, was man vielleicht jemandem in der Schule oder Hochschule beibringen könnte, dass es eine sehr große Heldentat, ein großes Wagnis und eine große Entwicklung der Persönlichkeit ist, wenn man sich selbst einen Rahmen setzt, und in ihn hineinsteigt, um seine Persönlichkeit weiter zu entwickeln. Und sich nicht von allen den Möglichkeiten vollfüttern lässt, nichts zu tun und sich damit zu zerstreuen, was die Umwelt anbietet. Vielleicht könnte eine kommende Generation für sich eines Tages einen anderen ehrgeizigen Haken auffangen.

Wenn Gott die Augen öffnet. Inga Reča
Dzintra Gaile habe ich „zufällig“ bei einer der schönen Sommerreisen zu den Dünen Kurlands kennen gelernt. Einen Augenblick lang musste ich mich im Bus neben sie setzen. Wir erzählten einander, wie Gott in unser Leben eingegriffen hat. Dzintra schockierte mich zuerst mit dem Satz: „Übrigens abonniere ich „Svētdienas Rīts“ bereits seit 20 Jahren, aber damals glaubte ich noch nicht an Christus. Erst vor sechs Jahren bin ich konfirmiert worden.
Wie ist das möglich? Jemand abonniert eine christliche Zeitung, der überhaupt nicht Christ ist? Das habe ich davor noch nie gehört, und das machte mich neugierig. Ich fuhr nach Bauska, um von Dzintra ihre ganze Geschichte zu erfahren.

Dzintra ist mir zum Bus entgegengefahren, denn das Pensionat, in dem sie als leitende Buchhalterin arbeitet, befindet sie etwas abseits der Hauptstraße. Das rote Dach des Pensionats glänzt durch die Strahlen der tropischen Sommersonne uns entgegen, doch als wir den Hof betreten, erblicken wir den wunderbar gepflegten Komplex eines kleinen Gutes. Mit dem Teich, den hinter Anpflanzungen verborgenen Glashäusern und Beeten und dem ganzen Stolz der Hausbesitzer – dem Rosengarten! Hier ist ihr Bericht:
- An den Anfang kann ich mich nicht mehr recht erinnern. Bei der Vorbereitung unseres Gesprächs fand ich ein Büchlein, das ich dazu benutze, um Gebete, die ich aus unserer Kirchenzeitung ausgeschnitten habe, aufzubewahren. Von ihnen gefällt mir besonders gut das „Gebet einer alten Frau.“
Eigentlich wundere ich mich selbst, denn an einige Episoden in meinem Leben kann ich mich sehr gut erinnern, in denen Gott mir nahe war. Aber weshalb habe ich den Weg einer Christin nicht schon lange davor eingeschlagen?
Es gab ein besonderes Ereignis, als ich eine Anstellung als Buchhalterin in der Verwaltung eines Meliorationssystems antreten sollte. Meine Ausbildung als Buchhalterin hatte ich bereits beendet, aber in der Landwirtschaftsakademie studierte ich noch Wirtschaftslehre. Ich weiß nicht, weshalb ich damals studieren musste, denn ich hatte bereits eine Faminie, meinen Mann, meine Kinder und meine Arbeit. Ich las die Anzeigen durch und fand, dass ein Wirtschaftler gesucht würde mit Spezialkenntnissen in Buchhaltung, Dabei erfuhr ich, dass dort eine Buchhalterin arbeitete, die alle Augenblicke dem Direktor einen Entlassungsantrag einreichte. Dieser war so verzweifelt, entließ jedoch die Buchhalterin nicht, weil er an ihrer Stelle keine andere fand.. Ich wurde als Ersatzkraft angestellt. Als die Buchhalterin wieder

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einmal ihren Entlassungsantrag stellte, unterschrieb ihn der Direktor sofort, und am selben Tag wurde sie entlassen. Ich musste die Stelle sofort antreten, obwohl ich von Haushaltsbuchführung damals noch überhaupt nichts verstand. Die entlassene Buchhalterin begab sich nach Riga, um sich dort zu beschweren, dass eine Inkompetente ihre Stelle übernommen hatte, doch ich hatte einen Monat Zeit, um die Bilanz für ein halbes Jahr zu erstellen. An das alles erinnere ich mich, weil ich gerade damals in Svētdienas Rīts gelesen habe, dass man für seine Feinde beten sollte. Ich begann für diese Frau zu beten, und von dem Augenblick an waren ihre Beschwerden beendet. Das geschah zu Beginn der 90er Jahre.
Ich bin keine von den Nachdenkenden wie zum Beispiel mein Mann. Er kann schlafen, auf die Wand starren, und wenn ich ihn frage, was er jetzt täte, dann sagt er „Ich denke nach.“ Erbarmung, worüber kann man soviel nachdenken? Doch nach meiner Konfirmation im Jahr 2005 stellte sich auch bei mir das Nachdenken ein. Ich ging noch einmal mein ganzes Leben von dessen Beginn, von meiner Kindheit an durch und begriff:, dass Gott mir in den verschiedensten, sogar in den schrecklichsten Situationen meines Lebens zur Seite gestanden ist. Ich bin mir weiterhin nicht im Klaren, weshalb die Zeit bis zu meiner Taufe und Konfirmation so lang sein musste? Obwohl ich mir bereits mit 30 Jahren bewusst war, dass es Gott gibt. Das kann ich leicht berechnen, denn meine Tochter wurde im Jahr 1978 geboren. Als sie ein Jahr alt war, zerriss bei meinem Mann der Blinddarm und löste eine Entzündung der Magenhaut aus. Nach der Operation wachte er aus der Narkose nicht auf und der Chirurg sagte mir: „Was wollen Sie? Der Magen ist verfault. Weshalb soll er da noch weiterleben?“ Vom Krankenhaus bis nach Hause war es nicht sehr weit, und ich weiß wirklich nicht mehr, wie ich diesen Weg geschafft habe… Es war der Vorabend vor dem Johannistag. Zu Hause fiel ich auf die Knie und rief Gott an, er möchte mir meinen Mann am Leben lassen. Er blieb wirklich am Leben. So erfuhr ich, dass es Gott wirklich gibt. Aber dieses Wissen war bei mir so wie bei vielen meiner Kollegen – es gibt Gott, aber von Jesus Christus weiß ich nichts.
Ganz anders war es bei meinen Eltern. Meine Mutter ist 85 Jahre und mein Vater 90 Jahre alt geworden. Ein langes Leben haben sie verbracht und sind 64 Jahre miteinander verheiratet gewesen. Aber mit ihnen ist dasselbe geschehen wie bei vielen anderen während der Sowjetzeit. Vor dem Kriege waren sie fleißige Kirchgänger. Meine Mutter ist katholisch und mein Vater ist in der orthodoxen Kirche konfirmiert., aber die ganze Ideologie, wie man nach dem Kriege über die Kirche redete, hielt sie davon ab, sich zu ihrer Gemeinde zugehörig zu fühlen Wir lebten in Aloja in Livland. Als ich sie jetzt einmal fragte: „Aber, Mama, weshalb bist du nicht zur Kirchen gegangen?“ sagte sie: „Aber dort waren doch solche Gauner! Aus dem Ausland kam Geld und davon erbauten sie sich Häuser, aber der Pfarrer…“ Alles Geschwätz, was das Volk während der Sowjetzeit zu hören bekam, nahmen sie an. Doch die Hauptursache dafür ist die gleiche, die ich auch von Kollegen oft zu hören bekomme: Weshalb lässt Gott soviel Grausamkeit zu? Auf der Flucht hat Mutter gesehen, wie Kinder und Pferde durch Bomben getötet wurden. Für einen normal denkenden Menschen ist es nur sehr schwer oder sogar überhaupt nicht zu begreifen, weshalb Gott das Leid zulässt. Das ist oft auch für Christen unbegreiflich, besonders für diejenigen, die keinen Konfirmandenunterricht gehabt haben. Während der Zeit des nationalen Erwachens wurden die meisten sogar ohne Unterricht konfirmiert, und jetzt wird es deutlich, dass diese Menschen vom Glauben nichts wissen. Der Konfirmandenunterricht bei unserem Pfarrer Siliņš war von hoher Qualität. Heute habe ich das Empfinden, dass dort ein völlig Ungläubiger getrost hingehen konnte und am Ende des Unterrichtes als Christ hinausgehen würde.
Doch was ist wirklich geschehen, was mich Christin werden ließ? Als meine mittlere Tochter Lolita die Oberschule beendet hatte, fuhr sie zum Erdbeerpflücken nach England. Damals war es mir sehr schwer um das Herz, das Kind in die Welt hinausfahren zu lassen… Damals war
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das Internet noch nicht so verbreitet wie heute. Sie schrieb mir Briefe. In einem Brief bat ich sie, sie möchte mir doch den Ort beschreiben, in dem sie lebte. Am Abend meditierte ich irgendwie und versuchte mir den Ort vorzustellen, in dem sie lebte, um ihr mit diesen Gedanken auf irgendeine Weise zu helfen. Aber gebetet habe ich nicht. In einem Brief schrieb sie mir: „ Weißt Du, eines Nachts hatte ich einen seltsamen Traum – wir beide gehen durch einen wunderschönen Garten, reden miteinander, und alles ist so schön, so schön, so schön. Wie im Paradies.“
Das war wirklich sehr seltsam…
Nach ihrer Rückkehr studierte meine Tochter an der Universität Psychologie. Doch während des Studiums lernte sie im Studentenheim in ihrem Zimmer zwei Christinnen kennen. Damals stand meine Tochter dem Christentum noch nicht sehr nahe. Einmal nahmen ihre Mitbewohnerinnen sie zu einer christlichen Veranstaltung nach Sigulda mit, wo ihr während des Gebetes der Oberarm Risse bekam und zu bluten begann. Wenn mir das ein anderer erzählt hätte, dann hätte ich ihm nicht geglaubt, aber meine Tochter kam wieder nach Hause und bat mich, Blüten zu besorgen und diese auf die Narben aufzutragen. Danach ging sie zusammen mit den anderen Mädchen in eine Baptistenkirche, wo der Pfarrer ihr einen Fragebogen mitgab. Zu Hause las sie ihn durch und sagte danach: Jetzt übergebe ich mein Leben Jesus Christus. Und über sie kam der Heilige Geist…
Ich erfuhr, dass sie den ganzen Sommer sehr innig für ihre Familie und für ihre Freunde gebetet hatte. Im September fuhr meine Tochter nach Amerika im Rahmen eines Austauschprogramms von Aupairmädchen. Damals sagte ich zu meinem Sohn Janis: „Jetzt müssen wir zur Kirche gehen und für Lolita beten.“ Einige Sonntage sind wir zur Kirche gegangen, als der Pfarrer alle Interessierten einlud, sich zum Konfirmandenunterricht anzumelden. Im Jahr 2005 wurde ich mit meinem Sohn und meiner ältesten Tochter Gunita konfirmiert. Da unsere Bekehrung gemeinsam geschah, habe ich begriffen, dass das die Erhörung der Gebete von Lolita war.
Doch danach geschah manches Merkwürdige in meinem Leben. Wie es bei Arbeitsstellen üblich ist, wird dort aus verschiedenen Anlässen gefeiert und ich trank wie alle anderen auch ein Glas mit. Doch ein anderes Mal trank ich überhaupt nicht, weil ich mit dem Auto gekommen war. Nach meiner Konfirmation erblickte ich bei einer solchen Feier meine Kollegen mit leuchtenden Augen und etwas wie Hörnern… Dabei fühlte ich mich entsetzlich! Nach einer Weile sah ich auf die gleiche Weise ein paar Menschen – es waren die gleichen, die Alkohol konsumierten. Einige Bewohner unseres Pensionats werden von einer Seelsorgerin der Pfingstgemeinde besucht. Ich berichtete ihr von meinen „Visionen“, aber sie berichtete mir damals ähnliches. Damals, als sie sich zu Gott bekehrt hatte, hätte ihr eine Stimme zugeflüstert, dass sie ihrem Leben ein Ende setzen müsste. Dadurch begriff ich, dass der Böse uns umkeist, weil es ihm keineswegs gleichgültig ist, wenn du jetzt bei Gott bist.
In Amerika hat sich meine Tochter mit Christinnen angefreundet. Es waren welche, durch deren Verhalten man erkennen konnte, dass es den lebendigen Gott gibt. Auch jetzt reden wir mehr über Glaubensfragen als über Alltagsdinge. Ein großer Gewinn ist für mich die Erkenntnis, dass Gott jeden Augenblick und bei jeder Gelegenheit gegenwärtig ist. Ich sage zu meiner Tochter: „Weshalb musste ich so lange warten? Ich hätte bereits vor 31 Jahren Christin sein können.“ Darauf entgegnet meine Tochter: „Vielleicht, weil du so leidenschaftlich bist, was zur Folge gehabt hätte, dass man dich in der Sowjetzeit nach Sibirien geschickt hätte.“ Nun gehöre ich schon seit 6 Jahren zur Gemeinde und fühle mich keineswegs so, wie man im Volk sagt. „Diese erste Welle der Begeisterung wird bald vergehen.“ Wenn sich jemand verliebt, dann ist eines Tages die große Liebe vorbei, aber bei mir ist das nicht der Fall. Natürlich gibt es Zeiten, in denen ich mich wie in der Wüste fühle. Von meiner Natur her bin ich mit meinem „Ich“ sehr zurückhaltend, doch seitdem ich
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Christin bin, hat mein Familienleben eine Wende von 180 Grad gemacht. Mein Mann ist zwar als Kind getauft worden und kommt jeden Sonntag zum Gottesdienst mit, aber wenn ich versuche, ihn zur Konfirmation zu überreden, dann antwortet er mir wie zum Scherz: „Nun, was willst du überhaupt? Ich streife nicht umher, ich rauche nicht, aber mein Gläschen Schnaps möchte ich weiterhin trinken…“ Er ist sehr ehrlich. Wenn er sich konfirmieren lässt, dann möchte er das nicht nur einfach mir zum Gefallen tun. Er kann nicht lügen. Von mir kann ich sagen, dass ich seit meiner Konfirmation nicht einmal ein Glas Sekt trinken kann. Meine Kolleginnen auf der Arbeitsstelle verstanden das nicht: „Du brauchst bloß Christ zu werden, und schon kannst du mit uns zusammen nicht einmal mehr ein Glas Sekt trinken. Etwa drei Mal habe ich es noch versucht, aber jetzt tue ich es gar nicht mehr, denn es wird mir bereits von einem Glas schecht.
Ich bete viel – für die Kollegen, für das ganze Pensionat und die alten Leute, welche dort leben. Es ist doch so, dass du, wenn jemand über dich herfällt, besonders intensiv für ihn beten sollst. Dann können drei oder vier Tage vergehen, und dieser Mensch wird plötzlich dein bester Freund. Ich erbitte eigentlich nichts konkretes, sondern ich bete darum, dass der Heilige von ihm Besitz nehmen und Gott ihn umfangen und segnen möchte. So wie es die Heilige Schrift aussagt. Erst kürzlich las ich in unserer Kirchenzeitung, dass in jedem Menschen etwas Gutes steckte und er dazu zurückkehren sollte. Das ist auch meine Auffassung. Man hat mich dafür ausgelacht – du tust für die Menschen so viel Gutes, doch von ihnen wirst du gebissen. Doch das hat mich nicht erbittert. Es gab eine Zeit, in der man mich auf meiner Arbeitsstelle ansprach: „Weißt du, dass man dich immerfort nur auslacht?“ Ich antwortete: „Lass sie doch lachen, Gott hat unsere Situation im Griff.“
In diesem Winter habe ich mir meinen Arm gebrochen und konnte drei Monate lang nicht zur Arbeit gehen. Als ich wieder zurückkehrte, wurde ich von allen mit einer unvorstellbaren Welle der Liebe überschwemmt. Vielleicht hat sich bei mir etwas verändert. Die ersten zwei Wochen meiner Krankheit, als mir mein Arm immer sehr weh tat, empfand ich als eines Zeit des Leidens. Aber Gott hat alles zum Guten gewendet. Er schenkte mir die drei Monate zum Beten und Meditieren.
Ich habe auch das Fasten praktiziert. Oft geschieht das nicht, doch wenn ich etwas über Gott erfashren muss, dann faste ich, und er beantwortet mir auf sehr verschiedene Weise meine Fragen. Vor mehreren Jahren fand ich in SR von Sandra Gintere einen Beitrag über das Fasten, von dem ich mich anregen ließ. Zum Fasten gehört auch das Bekenntnis der Sünde. Und es ist gut, damit am Montag zu beginnen, denn am Sonntag hat es bereits in der Kirche das Sündenbekenntnis und die Absolution gegeben. Dann sollte es so sein, dass die Probleme so weit fortgerückt sind, dass wir sie ohne Gott nicht mehr lösen können. Ich nehme einen kleinen Joghourt zu mir und trinke einen Schluck Milch und dabei wird es mir ganz leicht. Ich erzähle es auch meinem Mann, damit er weiß, wie es um mich steht. Da er mir so nahe ist, sieht er auch, wie Gott meine Probleme löst. Gewöhnlich erhalte ich nach zwei oder drei Tagen eine Antwort – sei es durch einen Arbeitskollegen oder durch eine christliche Radiosendung. Manches mal werde ich bereits nach einem Tag vom Wort Gottes angeredet. Ich schließe in meine Fürbitte auch immer die Predigt des Pfarrers ein. Eines Samstags sah ich im Fernsehen eine Sendung über den Kreuzweg. Mein Herz war so bewegt, dass am darauf folgenden Sonntag der Pfarrer alles predigen konnte, was er nur wollte, mir kamen immer die Tränen. Wir sollten immer bereit sein, eine Predigt in uns aufzunehmen und nicht zur Kirche zu kommen, um dann festzustellen: „Ach, ich habe nichts von dem verstanden, was der Pfarrer gesagt hat.“
Ich esse gerne Süßigkeiten, aber in der Fastenzeit lege ich sie ganz und gar beiseite und bemühe mich, mein Essen möglichst fettlos und ohne Zucker zu gestalten. Man hat uns Lutheranern beigebracht, dass das Fasten etwas wie eine geistige Enthaltsamkeit sei, doch ich
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stimme dem Standpunkt zu, dass das Fasten auch das Essen betrifft. Denn wenn du Gott etwas mit vollem Magen fragst, dann kann es leicht geschehen, dass du gar nicht hörst, was er dir antwortet…
Bei dem allen ist es interessant, dass mir das Fasten nicht gelingt, wenn ich es mir einfach vornehme zu fasten, sondern nur dann, wenn ich wirklich einen Anlass habe.
Als Lolita aus Amerika zurückkehrte, arbeitete sie hier ein Jahr lang und begab sich danach in die Niederlande. Jetzt ist sie dort bereits vier Jahre in der Altenarbeit. Zuerst war sie in der Altenpflege tätig, aber jetzt koordiniert sie das ganze System. In Rotterdam besuchte sie eine Gemeinde, die ähnlich war wie die Pfingstgemeinden hier. Diese Gemeinde entfaltet auch hier eine große Missionstätigkeit, um Menschen wieder zu einem normalen Leben zurückzuführen, zum Beispiel Rauschgiftsüchtige und Prostituierte. Einmal war ich zu Ostern in einem Konzert. Damals betrachtete ich das und fragte mich, was wohl aus diesen Kindern geworden wäre, wenn diese Gemeinde nicht an ihre Eltern herangetreten wäre und sich um sie gekümmert hätte.
Meine älteste Tochter Gunta wohnt hier und ich habe zwei Enkelkinder. Auch bei ihnen ist Gott.. Sie hat Jura studiert und hat es jetzt vor allen mit unmündigen Kindern zu tun. Gott hat ihr eine schwere Last auferlegt, die sie nur mit Seiner Hilfe tragen kann.
In meiner Kirchengemeinde übe ich das Amt einer Schriftführerin aus. Ich schreibe auch Glückwunschbriefe an alle 300 Gemeindeglieder zu besonderen Anlässen. Im Sommer führe ich bei offener Kirche die Aufsicht. Dann kommen viele Ausländer, Leute von hier und Schüler. Wir haben auch einen Gebetskreis per Telefon. Die Menschen fürchten sich sehr vor dem Gerede, aber wir haben es begriffen, dass wir in unserer heutigen Massengesellschaft nicht herumreden dürfen, sondern für die betroffenen Menschen beten sollen. Ich sehe ein, dass uns das im Sommer nicht immer gut gelingt, doch während des Winters schließen wir uns an jedem Abend um 22 Uhr zur Fürbitte zusammen. Uns gefällt es, dass wir jetzt in einer Zeit leben, in der die verschiedenen Konfessionen aufeinander zugehen. Mit meinem Mann bin ich nach Jelgava gefahren, um dort den Bischof der Pfingstgemeinde Jánis Ozolinkēvičs anzuhören. Auch gefiehl mir sehr Ihr Interview mit dem neuen katholischen Erzbischof Zbigņevs Stankēvičs. Als ich es las, war ich voll begeistert!
Nach meiner Konfirmation wurde ich vom Wunsch erfasst, zu malen. In der Schule hatte ich einst Zeichenunterricht.. Bereits vor vielen Jahren las ich in einer Zeitung, dass es in Schweden eine Frau gäbe, die als Rentnerin plötzlich zu malen begonnen hätte. Ich dachte –
weshalb sollte auch ich das nicht können? Ich besuchte den Kunstsalon „Meister Eckhard“ in Bauska. Einmal wöchentlich stellt sich dort der Maler Mārtiņš Krūmiņš ein, der uns sehr gut in diese Kunst einführen kann.
Aus mehreren Mündern habe ich folgenden Satz gehört: „Wenn Gott dir die Augen geöffnet hat, dann siehst du die Welt anders.“ Du entdeckst plötzlich den Abend und den Morgen. In Semgallen gibt es keine Berge und Täler, so dass du den Sonnenaufgang und Sonnenuntergang ebenso erlebst wie auf dem Meer. Du nimmst die Schönheiten der Natur anders wahr. Und das alles möchtest du auch gerne zu Papier bringen. Nun male ich bereits seit fast zwei Jahren, und ich habe in diesem Sommer gesehen, dass Gott die Welt so schön geschaffen hat, dass man schon sehr begabt sein muss, wenn man das so aufmalen möchte, wie es tatsächlich der Wirklichkeit entspricht, Mir tun alle leid, die das nicht sehen und mir tun die Jahre leid, die ich ohne Gott verbracht habe. Wenn ich zur Arbeit fahre, dann mache
ich mir Sorgen darum, dass ich nicht in einen Graben fahre, denn durch das Betrachten der
schönen Umgebung wird man leicht abgelenkt. Plötzlich habe ich Empfindungen wie in meiner Kindheit, denn in der Kindheit hat man offene Augen.

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Meine Informationsquellen sind das christliche Radioprogramm und unsere Kirchenzeitung „Svētdienas Rīts.“. Nur ist es schade, dass unsere Kirchenzeitung jetzt so selten erscheint. Ich wünsche euch viel Kraft zum Durchhalten.

Chefredakteurin: Inga Reča

Anschrift der Redaktion: Mazā Pils iela 4 – Riga – LV 1050
E-Mail-Adresse: svetdienasrits@apollo.lv

Übersetzung: Johannes Baumann (abgeschlossen am 21.10.2010)
Brucknerstr. 24.- D-27711 Osterholz-Scharmbeck
Telefon: 04791-13356
E-Mail-Adresse: baumann-ohz@arcor.de

Nachwort des Übersetzers
Lange haben meine hoch verehrten Leserinnen und Leser nichts Neues von mir lesen können. Das liegt daran, dass ich Anfang September zehn Tage in Lettland war und dann sofort danach mit meiner Frau – wie in jedem Herbst – nach Karlsbad gefahren bin, wo wir immer etwas für unsere Gesundheit tun möchten, was uns auch hilft, den Winter gut zu überstehen. So schön und erholsam ein solches Ausspannen auch ist, so sehr werden mir meine Knie weich, wenn ich die Berge von geschriebenem und gedrucktem Papier, die bei unserer Rückkehr darauf warten, dass ich auf irgendeine Weise darauf eingehe.
Ein erster Versuch dieses Eingehens liegt nun mit dieser Ausgabe von SR vor Ihnen, ehe ich mich dem nächsten zuwende in der Gestalt der Nr. 13 von SR, die bereits darauf wartet, übersetzenderweise beachtet zu werden.
Diese Ausgabe wird durch zwei sehr verschiedenanrtige Beiträge gefüllt: das sehr eindrucksvolle Interview von Inga Reča mit dem Direktor des Schlossmuseums von Rundāle Imants Lancmanis, dem die Bewahrung vieler Kirchen und kirchlicher Wertgegenstände in Lettland während der Sowjetzeit gutzuschreiben ist, der im übrigen ausgezeichnet Deutsch spricht und jeden, dem er begegnet auf das tiefste beeindruckt. Der zweite Beitrag ist ein Interview mit einer Leserin von SR, welche die Kirchenzeitung bereits seit ihrem Wiedererscheinen abonniert, ohne dass sie sich damals zum christlichen Glauben bekannte und einer Gemeinde zugehörte und sich erst vor fünf Jahren dazu entschlossen hat, diesen Schritt zu tun, Natürlich enthält diese Ausgabe noch sehr viel andere interessante Beiträge, auf deren Übersetzung ich aber leider verzichtet habe.
In den Anhang stelle ich bereits einen Beitrag, den der Dekan der Theologischen Fakultät der Universität Lettlands Dr. Ralfs Kokins für SR verfasst hat und der dort vermutlich auch erscheinen wird, und in dem er zur gegenwärtigen Situation der Lutherischen Kirche Lettlands Stellung nimmt. Ich habe sie schon jetzt übersetzt und stelle sie in den Anhang zu dieser Ausgabe, weil ich von vielen Leserinnen und Lesern weiß, dass sie diesen Beitrag sehr erwarten. Die nächste Ausgabe wird nicht so lange auf sich warten lassen. J.B.

Anhang zu SR 12-2010 – 1 -

Pfarrer Dr. theol. Ralfs Kokins, Pfarrer der Kirchengemeinde der Hl. Dreifaltigkeit in Jelgava.- Dekan der Theologischen Fakultät der Universität Lettlands.

Gedanken eines lutherischen Pfarrers über die Situation in unserer Kirche.

Riga, den 4. Oktober 2010.

Es ist nicht möglich die Irrwege auf dem Gebiet der Haushalterschaft und der Verwaltung bei der Evangelisch-Lutherischen Kirche Lettlands (ELKL) zu übersehen, hinter denen sich noch viel tiefere und ernsthaftere Probleme offenbaren. Unsere Kirche durchlebt zur Zeit eine schwere Identitätskrise, die durch eine langfristige, zielstrebige und systematische Abkehr von protestantischen Prinzipien gekennzeichnet ist. Dieses hat in die Kirche Widersprüche, Verwirrung, und Zerissenheit hineingebracht und deren Gemeinschaft und ein erfolgreiches Wirken in der Gesellschaft belastet.
Mich erregt auch die Tatsache, dass unsere Kirche praktisch keine Gemeinschaft mit dem größten Teil der evangelisch-lutherischen Kirchen Europas und in der Welt mehr hat, sie jedoch daneben nur mit sehr eng ausgerichteten Vereinigungen pflegt (um nicht von den unmissverständlichen Versuchen einer Zusammenarbeit in Richtung Rom unter dem Aushängeschild „Ökumene“ zu sprechen).. Ebenso unterscheidet sich die Ausrichtung der Ziele der Tätigkeit der Kirchen Europas und der evangelische Anteil am Leben der Gesellschaft bei wirklich wichtigen Fragen (soziale Gerechtigkeit, Ethik, Mission, Evangelisation, Diakonie und Erziehung) sehr von der „christlichen Haltung“, mit der sich auch unsere Kirche im Raum der Gesellschaft zeigt und sich dabei populistisch an irgendwelche marginalen Fragen festklammert.
Hier geht es nicht um die Praxis in einzelnen Kirchengemeinden und um die Vielfalt innerhalb der Kirche, sondern um die Struktur der ganzen Kirche, die Prinzipien und Grundwerte bei ihrer Tätigkeit.
Es entsteht das Empfinden, dass die Kirchengemeinden nur um der hierarchischen, episkopalen und ausgeprochen klerikalen „Leitung“ willen ihre Existenzberechtigung haben. Nicht nur alle Zahlungen, sondern alle Abrechnungen nehmen praktisch nur eine Richtung „von unten nach oben“ (und nicht umgekehrt, was dem protestantischen Prinzip entspräche).
An die Stelle der demokratischen Wahlen ist jetzt die „Berufung“ in Ämter von irgendwo her aufgetaucht, bei der die Kirchengemeinden (und damit alle Gläubigen) nichts mehr zu sagen haben.
Eine der ersten Etappen bei der Genesung unserer Kirche wäre die Rückkehr zur Verfassung des Jahres 1928, denn die gegenwärtige Verfassung geht von einem Kirchenmodell aus, welches den Prinzipien der evangelisch-lutherischen Kirche nicht entspricht und ein völlig gegensätzliches Modell darstellt (aufgebaut auf sehr zweifelhaften theologischen und ekklesiologischen Grundlagen nach dem Vorbild der römisch-katholischen Kirche des Mittelalters).
Nach der neuen Verfassung wird die Verwaltung ausgesprochen hierarchisch gebildet mit einer klerikalen Machtpyramide über den Kirchengemeinden, über die weder die Kirchengemeinden noch die Pfarrer etwas zu befinden haben. Sogar die Synode kann die

Anhang zu SR 12-2010 – 2 -

Tätigkeit des Oberkirchenrates weder beeinflussen noch ändern! Das ist ein der Welt des Protestantismus fremdes hierarchisch-klerikales Diktat über die Laien, denen nur die Möglichkeit verbleibt: das von „Oben“ her dargebotene zu unterstützen…
An der „Spitze“ der hierarchischen Pyramide dieser geistlichen und weltlichen Verwaltung befindet sich der Erzbischof (er nominiert und setzt das Kapitel ein, legt die Vollmachten der Bischöfe fest usw), dessen Autorität und Machtvollkommenheit den Prinzipien des
lutherischen Kirchenverständnisses widerspricht. Ebenso offenbart die Wahl des Erzbischofs auf Lebenszeit gefährliche und ungesunde autoritäre Merkmale.
In der neuen Verfassung wird den Kirchengemeinden faktisch auch ihr Status und ihr Recht auf Bestimmung (das der Herr allen Gläubigen gegeben hat) geraubt, und dabei die ganze Betonung auf die hierarchische „Kirche“ nach katholischem Verständnis gelegt. Nur die Gemeinden können die wahre Kirche sein (denn alle Gläubigen haben doch „die Macht des Amtes der Schlüssel“ und die Vollmachten der Verwaltung), sie bilden die wahre Gemeinschaft um das Evangelium und die Sakramente. Die Bischöfe können ebenso wenig wie irgendwelche Verwaltungsstrukturen die Kirche sein. Kirche ist die Gemeinschaft der Gläubigen.
Gerade die katholische (und nicht die protestantische) Theologie enthält als Musterbeispiel das Kirchenverständnis von der priesterlichen Hierarchie mit dem Papst, der sich nicht irren kann, an der Spitze. Die lutherischen Bekenntnisschriften lehren, dass Christus und mit ihm die Kirche nicht dort gegenwärtig ist, wo der Papst ist und mit ihm die Strukturen dieser hierarchischen Verwaltung, sondern dort, wo in gläubigen Gemeinden um Gottes Wort und Sakrament Gemeinschaft entsteht. Eine ausgesprochen hierarchische, klerikale Kirche mit auf die rituellen Äußerlichkeiten der priesterlichen Messe gerichteten Tendenzen (in der alle Gläubigen, Laien und sogar die Synode praktisch nichts mehr zu sagen haben) steht zu den evangelischen Prinzipien in absolutem Widerspruch, angefangen bereits bei dem Prinzip des Priestertums aller Gläubigen (statt des hierarchischen Prinzips). Es ist möglich, dass es irgendwelche Minderwertigkeitskomplexe gegenüber der „Mutter“ Römisch-Katholische Kirche und die Ungewissheit über die Fülle des Heils in der evangelisch-lutherischen Kirche waren, die das verschuldet haben, aber es ist doch eine Frage der Gewissensentscheidung eines jeden einzelnen, welcher Konfession wir angehören möchten. Unsere Vielfalt ist etwas sehr Schönes, doch wenn ich auf der Straße einem lutherischen Pfarrer im vollen katholischen Habit begegne, der zu einer Amtshandlung einer „Weihe“ eilt, oder wenn ich von Lutheranern höre, die sich zusammen mit katholischen Kreisen auf eine Pilgerschaft begeben, um an einem der Gräber eines „Heiligen“ diesen „anzurufen“, oder wenn ich in einer Fernsehübertragung sehe, wie lutherische Geistliche mit Gold und Silber bekleidet und umgeben von Ministranten im Weihrauchnebel theatralisch eine für einen normalen Sterblichen unverständliche Messe zelebrieren, die eher an ein mittelalterliches Mysterienspiel erinnert, dann überkommt mich ein schlechtes Gefühl, denn das macht eine noch tiefere und tragischere Abkehr von unserem Kirchenverständnis und die Abwertung unserer Werte in unserer Kirche deutlich…
Mir wird eine unchristliche und feindselige Haltung gegenüber der Ökumene und gegenüber der römisch-katholischen Kirche zum Vorwurf gemacht. Ökumene heißt aber nicht die Konversion einer Kirche zu einem anderen Glauben, sondern das Gespräch miteinander und
die Gemeinschaft unter gleichwertigen Partnern. Ich habe nichts gegen die römisch-

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katholische Kirche und und auch nichts gegen deren Theologie, aber ich kann nicht deren gedankenlose Übernahme in unsere Kirche akzeptieren. Dass wir die Worte „Evangelium“ und „lutherisch“ einfach dahersagen, heißt noch lange nicht, dass wir auch wirklich evangelisch-lutherisch sind.
Jedes akademische Lehrbuch über die Ausrichtungen (Konfessionen) des Christentums weist auf den gewaltigen Unterschied zwischen dem protestantischen und dem römisch-katholischen Glauben mindestens in einem grundsätzlichen Punkt hin – dem Verständnis von Kirche und Priestertum.
Die Protestanten sind einmütig der Auffassung, dass es zwischen Gott und den Menschen keiner Mittler bedarf. Die römischen Katholiken, die sich außer auf die Heilige Schrift ebenso auf die Tradition stützen, sind der Ansicht, dass es der Mittler bedarf in der Form der Kirche und deren Hierarchie mit dem Papst an der Spitze und der Priester und damit auch der Messe, des Messopfers, aller prächtiger Gewänder und Äußerlichkeiten, der Rituale, des Papstes und der Priester, der Wallfahrten, des Besuches von heiligen Stätten und Reliquien, des Betens dort, des Heiligenkultes, der Anrufung Mariens und der heiligen Familie, guter Werke und sogar des Leides als Opfer usw.
Die Grundhaltung der Protestanten beruht auf der Heilige Schrift oder dem Prinzip des Sola Scriptura. Und wenn wir etwas nicht ganz begreifen, dann sehen wir nach, wie es in der apostolischen Urkirche gewesen ist (noch vor dem 4. Jahrhundert, als dort noch nicht heidnische Funktionäre das Sagen hatten). Unser einziger Mittler (Priester) ist und kann nur Jesus Christus selbst sein. Priester und jede andere menschliche Mittlerschaft sind ganz unnütz und unnötig. Er hat alles zu unserem Wohl getan, und sein Opfer genügt völlig für unser Heil. Da gibt es keine Imitation oder Wiederholung mehr. Das Opfer Christi für uns und für unsere Sünden ersetzt den Opferkult in Jerusalem und die vielen unzähligen anderen Opfer. Und ich kann zu unserem lieben Vater beten, an ihn ohne Angst herantreten, und das ohne Furcht, ohne irgendwelchen Mittler (Priester), „Heiligen“ und „Miterlöser“ nur um des Verdienstes Christi willen, als sein geliebtes Kind.
Damit wird im Protestantismus alles äußerliche Messgehabe (mit Gewändern, Prozessionen, Weihrauch, Läuten von Glöckchen, demonstrativem Sich Bekreuzigen, Niederfallen auf den Fußboden, Erklingen des „mea culpa, mea maxima culpa“ und anderen Merkwürdigkeiten) nichts mehr als theatralisch zur Schau gestellte, fast tragisch anmutende leere Reliquienverehrung (wenn das in einer evangelischen Kirche geschieht). Der lutherische Gottesdienst ist in seiner Schlichtheit, Herzenswärme und aristokratischen Würde bewundernswert. Dort fehlt nichts, dort ist nichts unnütz, und dort geht es bei allem um „die Sache.“
Die Messe mit allen unnötigen Äußerlichkeiten, mit Priestern, Prozessionen und allem Gehabe ist etwas völlig anderes. Sie verleiht den evangelischen Prinzipien einen vollig anderen Impetus. (sogar im Unterbewusstsein zu greifen), ein völlig anderes Merkmal, eine völlig andere Botschaft davon, wer Gott ist, der zu seinem Volk, seinen Kindern und seiner Gemeinde durch Wort und Sakrament redet (paradoxerweise möchte Gott uns dienen und nicht wir ihm) und wir antworten ihm mit Gebet und Lobgesang.
Bereits aus den Briefen des Apostels Paulus ersehen wir ganz deutlich, dass eine Gemeinde weder eine hierarchische Größe noch irgendein Verband ist. Die Gemeinde ist wirklich eine Familie, in der gegenseitige Achtung, Demut und Liebe herrschen muss. „Über“ der

Anhang zu SR 12-2010 – 4 -

Gemeinde steht weder ein Pfarrer, Bischof noch der Papst, sondern Christus selbst als das wahre Haupt der Gemeinde. Die Gemeinde erhält ihr Profil durch die Koinonia – die Gemeinschaft der erlösten Sünder, und nicht durch eine frömmelnde Macht oder durch wirtschaftliche oder andere Strukturen.
Die Gemeinde darf sich nicht an weltlichen Machtspielereien berauschen, in der Gemeinschaft miteinander muss alles Pharisäertum und alle äußere Frömmelei ausgelöscht werden.
In der Gemeinde muss der radikale Verzicht auf irgendeinen Status und auf Prinzipien der Macht deutlich werden und damit ein Stellungswechsel stattfinden. In Christus gibt es weder Juden noch Griechen, weder Sklaven noch Freie, weder Frauen noch Männer, in der Gemeinde und für die Gemeinde gibt es keine und kann es keine Obrigkeit geben. Das Prinzip der Liebe kann nicht Wirklichkeit werden, wenn zwischen den Menschen die Barrieren des Status, der Macht oder der Hierarchie den Ton bestimmen.
Ämter sind stets Ämter des Dienens und nicht des Herrschens. Sie sind um der Ordnung in der Gemeinde willen eingesetzt und setzen eine Berufung (bereits durch die Gemeinde), Ausbildung und die anvertraute Verantwortung nach dem Maße der geistigen Gaben voraus…
sie sind aber auf keinen Fall Ämter einer hierarchischen Macht nach den Prinzipien des mittelalterlichen Papsttums und dürfen es auch in der Kirche und in der Gemeinde nicht sein. Die gute alte Verfassung aus dem Jahr 1928 und die lutherischen Grundsätze haben nichts gegen das Bischofsamt einzuwenden und befürworten sogar die Existenz eines Bischofs und Bischofskollegiums, aber nicht nach dem Verständnis des hierarchischen Priestertums.
Die ganze Verwirrung und der Krampf mit dem Import katholischer theologischer Prinzipien in unserer Kirche hat alle Beziehungen durcheinander gebracht. Ein Pfarrer gerät bei seinem Dienst in der Gemeinde ständig in Missverständnisse und sogar in Konflikte, denn als Lutheraner muss er nach seinem Gewissen, seinem Ordinationsversprechen, seiner evangelischen Ausbildung und den lutherischen Bekenntnisschriften nur das Eine verkündigen, aber die „neue“ Kirchenordnung und die Geschäftsprinzipien sehen etwas ganz anderes vor. Denkende Menschen haben das schon längst bemerkt und begriffen, dass hier bereits „sogar an der Wurzel“ etwas nicht zusammenpasst… Und sei es nur bei dem Gebrauch der katholischen Terminologie (Diözese, Kathedralen, Prokathedralen, „Bischofsweihe“, Bischofsthrone, Heilige, Wallfahrten, Fegefeuer usw – das alles bringt uns dem Reliquienkult immer näher!) Faktisch herrscht in unserer Kirche bereits jetzt der Widerspruch am Ende der Widersprüche. Das macht uns innerlich schizophren, krank und schafft „innerliches Unbehagen.“
Die Verfassung des Jahres 1928 ist eine grundsolide Grundsatzerklärung der ev.-luth. Kirche, die man in mancher Hinsicht mit dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland oder der Verfassung der Vereinigten Evangelisch Lutherischen Kirche Deutschlands oder sogar mit der Weimarer Verfassung vergleichen könnte. Die Verfassung ist kein Dokument, das wir hochmütig beiseite schieben können, um irgendwelchen Einfällen zu folgen, und die wir ändern dürften (ohne dabei die vielen Gegenargumente und Einwände zu beachten.)
Jeder Jurist wird mir beipflichten, dass sich mit jeder Änderung der Verfassung auch die Form eines Staates ändert. Leider hat sich die Form auch in unserer Kirche verändert. Diese Veränderungen sind mit pseudoevangelischen Argumenten aus der vorreformatorischen Zeit begründet worden, und, soweit es mein Wissen und Verstand erkennen kann, haben dabei das

Anhang zu SR 12-2010 – 5 -

Kirchenmodell und die theologischen Grundsätze ausgerechnet der römisch-katholischen Theologie als Vorbild gedient.
Deshalb möchte ich, wenn ich jetzt offen und ehrlich meine Gedanken ausgesprochen habe, darum bitten, sich selbst und andere nicht mehr zu quälen und die teuere Zeit der Gnade zu verschwenden, sondern zur Verfassung der Evangelisch Lutherischen Kirche Lettlands aus dem Jahr 1928 und zur Ordnung und Praxis der Evangelisch-Lutherischen Kirche zurückzukehren! Jedem armen Sünder, der sich wirklich um die Frage nach der Wahrheit und dem Heil Sorgen macht, kann es nicht gleichgültig sein, welcher Kirche er angehört!

Übersetzung aus dem Lettischen: Johannes Baumann

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