Verfasst von: liefland | Januar 8, 2005

Ausgabe Nr. 1 (1591) vom 8. Januar 2005.

Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des Herrn,

Psalm 113,3

Auszüge aus Svétdienas Ríts, Zeitung der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands,                 herausgegeben von ICHTYS GmbH, erscheint seit Januar 1920.

Ausgabe Nr. 1 (1591)  vom 8. Januar 2005.

Das Jauchzen der himmlischen Heerscharen. Ingrída Briede.

Am 25. Dezember fanden im Gotteshaus von Limbazi Konfirmationen statt.

Es mag sein, dass dieses jemandem ganz alltäglich erscheint, doch im Himmel gab es an diesem Tage ein lautes Jauchzen, die himmlischen Heerscharen freuten sich, und mit ihnen  auch die Kirchengemeinde Limbazi.

Am Ersten Christtag wurden in der Kirchengemeinde Limbazi zwei Mädchen der Sonntagsschule – Liene und Linda – und zwei aus dem Mädchenchor der Kirchengemeinde – Monta und Kristína konfirmiert. Davor empfingen Liene und Linda auch die Taufe. Unserem himmlischen Vater ist jede Seele lieb und teuer. So ist es auch eine ganz besonders große Freude, wenn jemand aus ganzem Herzen Gott sein „Ja“ zuruft und seine Wahl mit seiner Taufe und seiner Konfirmation bestätigt.

Die Mädchen besuchen bereits seit geraumer Zeit die Sonntagsschule, und einige von ihnen singen im Mädchenchor der Kirchengemeinde mit. Wenn die älteren Mitglieder des Chores zum Abendmahl gingen, gingen die jüngeren mit und empfingen am Altar den Segen, denn sie waren noch nicht getauft und konfirmiert. Das führte sie dann zur Überlegung, sich taufen zu lassen.

Pastor Gints Polis meinte, dass die Mädchen auch konfirmiert werden müssten, denn nach der Ordnung unserer Kirche können Kinder bereits im Alter von sieben Jahren konfirmiert werden. So begaben sich die kleinen Schwestern in Christus an jedem Freitag nach der Schule zur Kirche, um dort im Konfirmandenunterricht die Grundlagen der christlichen Lehre zu empfangen. Dabei zeigte es sich, dass die Mädchen bereits sehr viel wussten, denn davor hatten sie regelmäßig den Unterricht der Sonntagsschule besucht und in der Schule am Religionsunterricht teilgenommen.

Am Morgen des 25. Dezembers war es dann soweit. Die Gemeindeleiterin geleitete die Mädchen und andere Leute aus Limbazi, die an diesem Tage getauft werden sollten,in die Kirche. Die Mädchen bekannten laut und deutlich ihren Glauben mit den Worten des Apostolischen Glaubensbekenntnisses und beantworteten mit einem deutlichen „Ja“ die vom Pastor gestellten Fragen. Der Mädchenchor sang Sätze, die die Mädchen selbst ausgewählt hatten. Im Gottesdienst herrschte eine ganz besondere Atmosphäre der Freude, des Lichtes und der familiären Gemeinschaft.

Bisher wurden in Lettland nach der Tradition junge Menschen im Alter von 17-18 Jahren konfirmiert, aber auch Menschen in einem viel höheren Alter. Nach der neuen Ordnung können Kinder im Alter ab sieben Jahren bereits konfirmiert werden. Für manchen ist das nur schwer zu akzeptieren. Die Erfahrung in Limbazi zeigt jedoch, dass diese neue Regelung verheißungsvoll ist und Segen bringen kann. Nach meiner Meinung jedoch nur dann, wenn diese zu konfirmierenden Kinder bereits eine Bindung zur Gemeinde haben dadurch, dass sie z.B. die Sonntagsschule besuchen und mit ihr auch weiterhin verbunden bleiben.. Wenn es wirklich ihr Wunsch ist, konfirmiert zu werden, und wenn sie in einem besonderen  Unterricht darauf  vorbereitet werden, in dem ihnen die Grundlagen in einer für die Kinder verständlichen Sprache und in Begriffen, die sie verstehen, erklärt werden. Ebenso wie für Erwachsene darf auch für die Kinder die Konfirmation keinesfalls ein formeller Akt sein. Am allertraurigsten ist es, wenn die Betroffenen auf ihre Taufe und Konfirmation überhaupt nicht vorbereitet sind.

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Betrachtete man die konfirmierten neuen Gemeindeglieder in den darauf folgenden Tagen und Gottesdiensten, so konnte man sehen, dass sie ganz selbstverständlich mit Freude und Selbstbewusstsein mit den anderen zum Abendmahl gingen, und dass ihnen das wichtig war. Man konnte es spüren, dass sie sich ihrer Zugehörigkeit zur Kirchengemeinde bewusst waren. Natürlich gehörten sie auch davor dazu, sie sangen im Chor mit und gingen zur Sonntagsschule, aber nun ist diese Zugehörigkeit durch die Konfirmation bestätigt worden. Ich bin davon überzeugt, dass das, dass sie konfirmiert und zum Abendmahl zugelassen sind, dass sie mit ihren Brüdern und Schwestern in der Sonntagsschule, im Chor und in der Gemeinde  weiterhin Gemeinschaft pflegen können, für ihr weiteres Leben sehr wichtig und bestimmend sein wird.

Die Evangelisch-Lutherische Kirche Lettlands und mit ihr die Kirchengemeinde Limbazi hat neue Gemeindeglieder geschenkt bekommen, und das Jauchzen der himmlischen Heerscharen erschallte bis hin zu dieser Kirchengemeinde in der livländischen Kleinstadt Limbazi.

Männertag in Kuldíga/Goldingen. Ingrída Briede

An jedem Sonntag findet in der St. Katharinengemeinde in Kuldíga  eine Zusammenkunft der Männer statt.

„Wir müssen die Männer mehr in unseren Gemeinden in unsere Arbeit einbinden.“ Dazu ruft Propst Viesturs Pirro auf und  veranstaltet in der St. Katharinengemeinde in Kuldiga Männertage. Diese finden an jedem Sonntag um 12.30 Uhr statt. „Diese Treffen sind Zusammenkünfte, in denen sie sich loslösen und ihre emotionalen Verletzungen heilen können, denn auch die Männer sind Geschöpfe mit Emotionen wie die Frauen auch.“

Die Zusammenkünfte der Männer werden nicht wie Bibelstunden ablaufen, sondern ihren Akzent auf verschiedene Themen legen, die von den Männern selbst vorgeschlagen werden. Dazu sollen auch gegebenenfalls Experten geladen werden.

Der Pastor der Gemeinde, der das Treffen veranstaltet, hat alle Männer der Kirchengemeinde davon in Kenntnis gesetzt. Bei dem ersten Treffen war das Echo unerwartet groß. Dabei war das Gesprächsthema der Islam. Und weil dieser Vortrag so interessant war und am 9. Januar seine Fortsetzung finden soll, wurden dazu auch die Frauen der Gemeinde dazu eingeladen..

Zu seinen Männerzusammenkünften plant Viesturs Pirro auch Politiker und Regierungsvertreter einzuladen, die selbst Christen sind und die Politik aus dieser Haltung heraus mitgestalten. Wenn das Thema Islam ausdiskutiert sein wird, sollen als nächste Themen „die Wahlen, die Europäische Union und die Verwaltung unseres Landes“ auf der Tagesordnung stehen.

Reaktion auf den Beitrag von Juris Ulgis in SR Nr . 47 – 2004 „Woran glauben wir  –

an die Römische Kirche mit ihrem Papst oder an die katholische Kirche?“

Ich habe den oben erwähnten Beitrag in SR Nr. 47-2004 gelesen. Dabei habe ich mich daran erinnert, wie es mir mit dem Begriff „katholische Kirche“ einst ergangen ist.

Zum ersten Mal bin ich vor etwa vier Jahren in einer Bibelstunde der Kirchengemeinde Plavinas auf die Erläuterung dieses Begriffes gestoßen. Pastor Èvalds Bérzins erläuterte uns damals die tiefere Bedeutung dieses Wortes.Dabei tat es mir sehr leid, dass unsere lutherische Kirche dieses segensreiche Wort im Apostolischen Glaubensbekenntnis nicht gebraucht, und sich offensichtlich dem Segen, den dieses tiefe, wahre, Gottes Gnade und Liebe einschließende Wort mit enthält, verschließt.

Das nächste Mal, als es darum ging, seine Zustimmung zur „katholischen Kirche“ auszusprechen, war vor etwa drei Jahren in der Kleinen Luther Akademie, als Pastor Jánis Ginters in einem Referat das Auditorium nach seiner Meinung hierzu fragte. Ich hatte keine Probleme, mich zu melden und mich zur „katholischen Kirche“ positiv zu äußern. Darauf kam

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sofort die Frage, ob ich auch wüsste, was „katholisch“ bedeutete. Meine Antwort: „allgemein, allumfassend“. Darunter verstehe ich die Kirche, die geistlich alle umfasst. Man kann körperlich in einer Kirche sitzen und dennoch nicht zur Kirche Christi gehören, die die katholische Kirche eigentlich ist, die alle Christen zum Leibe Christi vereint.

Heute könnte ich dem noch einiges über die „katholische Kirche“ hinzufügen, was ich inzwischen begriffen habe. Wir alle wissen, weshalb die Reformation notwendig war – weil in der Kirche eine Deformation stattgefunden hatte. Wir alle erwarten in unserer Kirche das geistliche Erwachen, aber fürchten uns vor der Erweckung als solcher, die diese „katholische Kirche“ betrifft. Nach meinem Verständnis riecht  und schmeckt „katholische Kirche“ nach Erweckung.

In der Adventszeit habe ich oft darüber nachgedacht, wie die Erweckung sein würde. Ich weiß es nicht, kann es nicht begreifen und mir ausmalen, wann und wie sie sein könnte. Ich könnte nur mir selbst die Frage beantworten: „Glaube ich daran, dass eine solche Erweckung von meiner Kirchengemeinde Plavinas ausgehen könnte?“ Ich glaube: Ja! Darauf wird sofort der Einwand folgen: Nein! Eine solche Erweckung kann nur in Liepája beginnen! Und ein anderer wird meinen, dass dieses nur in Jelgava möglich sein wird, und so weiter und so weiter, bis schließlich Lettland zur einen, einzigen „katholischen Kirche“ wird.

Wir Christen sollten uns darüber keine Sorgen machen, dass wir nicht alle gleich sind, sondern sollten uns darüber freuen, wenn es die Einmütigkeit in Jesus Christus gibt, die wir in der katholischen Kirche finden.

Es ist doch so, dass man manches Mal  mit Worten nicht das wesentliche ausdrücken kann, was man nur mit dem Herzen begreift. Habe ich etwas mit dem Herzen begriffen, dann ist es auch kein Problem, es mit „kühlem Kopf“ zu akzeptieren und zu begreifen.. Das Herz benötigt nicht viele Worte, um das Einfache und Klare deutlich zu machen, denn der Heilige Geist erklärt, zeigt und festigt.

Ich kann nicht für andere Christen sprechen, aber ich wäre sehr froh, wenn ich im Glaubensbekenntnis auch meinen Glauben an die „katholische Kirche“ bekennen dürfte, deren Haupt unser Herr Jesus Christus ist.

Ich danke Pastor Juris Ulgis für die begonnene klärende Diskussion. Bernarda Aizpuriete, Glied der St. Petrigemeinde in Plavinas.

Missionsgemeinde nimmt die Arbeit der Suppenküche wieder auf. Ingrída Briede.

Im Rigaer Stadteil Ciekurkalns wurde am 31. Oktober 1928 ein auf die Initiative vlon Pastor Arnolds Vácins erbautes Bethaus – die heutige Missionskirche – eingeweiht. Die Erbauer hatten den Wunsch im Herzen, die armen Einwohner der Umgebung auch zu speisen. Deshalb bekam diese Gemeinde auch diesen Namen. Im Keller des Gebäudes sollte ein Essraum eingerichtet werden. Deshalb war er auch so groß und breit gestaltet..

Trotzdem ist es der Gemeinde in der Vorkriegszeit nicht gelungen, diesen Wunsch zu verwirklichen. Die Suppenküche nahm zum ersten Mal ihre Tätigkeit erst im Jahr 1988 auf, und mit kleineren und größeren Unterbrechungen speist sie die Menschen bis zum heutigen Tag. Im vergangenen Jahr erhielt die Gemeinde dank der Vermittlung von Propst Vilis Vársbergs eine große Spende aus Amerika – Mittel für die Renovierung und Ausstattung der Küche. Am 3. Januar nahm mit einer von Evangelist Armands Konrads gehaltenen Andacht die Suppenküche wieder ihre Tätigkeit auf. Es ist geplant, dass die Suppenküche mindestens drei Jahre ihr Vorhaben fortsetzt.

Die Leiterin der Gemeinde Otilija Mikelsone berichtete SR, dass die Suppenküche an jedem Werktag von 61 Menschen, darunter 28 Kinder aus ärmsten Verhältnissen, besucht würde. Diese Besucher kommen aus verschiedenen Kirchengemeinden. Um eine warme Mahlzeit essen zu können, kommen die Leute nicht nur aus der nähren und weiteren Umgebung,

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sondern auch von jenseits der Düna und weit entfernten Stadteilen nach Ciekurkalns.

Die täglichen Mahlzeiten werden von einem angestellten Koch zubereitet. Ihm stehen ehrenamtliche Mitarbeiterinnen der Kirchengemeinde zur Seite.

Evangelist Armands Konrads plant, die Mittagsmahlzeiten mit einer Andacht zu beginnen, die am Montag von einem Pastor, an den anderen Wochentagen von Mitarbeitern der Gemeinde gehalten werden.

Die Kirche der Missionsgemeinde sieht nicht wie eine Kirche aus. Sie ist ein erweitertes zweistöckiges Wohnhaus, das wegen seines ungewöhnlichen Stils oft die Aufmerksamkeit der Touristen erregt. Doch fehlt der Kirche ein Glockenturm und eine Glocke. Die Projektleiterin hat einen Entwurf für einen Glockenturm erstellt, und damit nimmt die Gemeinde am Wettbewerb „Sakraler Tourismus“ teil. Doch wurden ihr keine Mittel zugesprochen. Dennoch hofft die Gemeinde, dass sie eines  Tages einen Glockenturm bekommt.

Im Lichte des neuen Sterns. Aida Prédele.

Am Epiphaniastage gab es eine aufregend frohe Nachricht – an unserem Himmel hätte sich ein neuer Stern gezeigt. Dieser Komet sei unweit vom Siebengestirn zu suchen, und am allerhellsten hätte er am Epiphaniastag geleuchtet.

Die Welt ist übervoll von Zeichen. Man muss sie nur erkennen. Doch dieses Zeichen am Epiphaniastage lässt über das Geschehen in der weiten Welt und im eigenen Leben nachdenken. Ist es ein Stern, dem wir folgen sollen? Oder ist es ein Stern, der ganz besonders hell die lichten und dunklen Seiten unseres Lebens beleuchtet und uns aufruft, dem Licht zu folgen und uns nicht in der Finsternis zu verirren? Sei es, wie es sei, der Glanz des Epiphaniastages spricht uns ganz besonders an. Er bringt in unserem Herzen vielleicht eine ganz vergessene Saite zum Schwingen, die uns sagt: „Gott redet mit uns auch heute, in diesem Augenblick und erleuchtet die finstersten Ecken unseres Lebens mit seinem Stern..

Aber Gott redet auch streng und schonungslos. Wir erfahren, dass in Südostasien in den ersten Tagen dieses Jahres 150 Tausend Menschen umgekommen sind. Dörfer und Städte wurden weggespült. Betroffen davon wurden auch Touristen, die während der Festtage an den schönsten Stränden dieser Erde ihren Urlaub verbringen wollten.

Würde man mich fragen, weshalb Gott ausgerechnet diese Ecke der Welt so schwer heimgesucht hat, dann wäre ich nicht fähig, darauf eine Antwort zu geben. Das weiß nur Gott allein. Doch ohne dass ich es will, muss ich daran denken, dass die durch das Unglück so hart betroffenen Länder traurig berühmt geworden sind durch ihren Sex-Tourismus, durch den Missbrauch von Kindern für sexuelle Dienstleistungen. Dazu kommt, dass es nicht gerade arme Touristen waren, die sich in diese weit entfernten exotischen Länder begeben haben, um dort das Fest zu erwarten: Zehntausende reicher Leute aus Schweden, Deutschland, Dänemark … auch aus Lettland waren 200 Wohlhabende dabei. Bleibt nur zu hoffen, dass dieses Geschehen sie über vieles nachdenken lässt.

Aber in Lettland kam man währenddessen zur „leuchtenden“ Erkenntnis, dass unser Staat ein besonderes Gesetz brauchte, das die Tätigkeit der Heiler reguliert. Die Erfinderin dieser Idee ist die Mitarbeiterin des Journals „Der Heiler“ und Deputierte der Partei „Neue Ära“ Silva Bendráte. Durch den Beschluss eines solchen Gesetzes steht Lettland als einmaliges Land da, in dem es z.B. kein Gesetz für den Patientenschutz oder den besonderen Status des Domes zu Riga gibt, dagegen ein Gesetz zur „Regulierung“ des Status von Heilern und verschiedenen Scharlatanen. So können wir gespannt auf ein die Zauberei und Wahrsagerei betreffendes Gesetz warten, denn an denen herrscht ja in Lettland kein Mangel. Das wird aller Welt deutlich machen, wie hoch diese zweifelhaften Praktiken hier im Kurs stehen.

Ja, was nicht alles in der Welt geschieht!

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Bin auch ich Lettlands Stolz? Gita Stalte.

Just in dem Augenblick, da ich beschlossen hatte, mich vom Anschauen des Fernsehens endgültig zu verabschieden (um mehr Zeit zu haben für Gespräche, Bücher und zum Nachdenken), überraschte mich das Fernsehen mit einer Sendung, bei deren Betrachten mir wirklich die Tränen kamen, und für die ich mich heute bei deren Autoren herzlich bedanken möchte. Diese Sendung war der Abschluss einer gemeinsamen Aktion der Zeitschrift „Diena“, der Bank von Aizkraukle und des Dritten TV Programmes, in der von selbstlosen Mitmenschen berichtet wurde, deren gute Werke die Beachtung und Anerkennung ihrer Zeitgenossen verdient hätten.

In  der TV-Sendung wurde es ermöglicht, 10 Menschen zu begegnen, die für den Wettbewerb „Lettlands Stolz“ – oder, anders ausgedrückt, unseren Helden des Alltages – , vorgeschlagen worden sind, die, ungeachtet ihrer eigenen Probleme (die doch ein jeder von uns hat…), es vermocht haben, vielen anderen zu helfen. Da war der blinde Masseur aus Bauska, der das begabte Mädchen mit Behinderungen beim Bewegen kennen lernte, und der dann Sponsoren suchte für einen Computer, den sie dringend brauchte. „Ihn ließ das Schicksal von Baiba nicht gleichgültig,“ sagte die Mutter des Mädchens in dieser Sendung, die als Hausmeisterin arbeitet und von einem Computer nicht einmal träumen konnte, der ihrer Tochter die Möglichkeit der Kommunikation mit anderen und vielleicht sogar einer Anstellung schafft. Der Masseur Armands Skudra lernte das Mädchen während einer eigenen Aktion kennen, bei der er Massagekurse für behinderte Kinder angeboten hatte. Ich möchte Baiba und ihrer Mutter danken, dass sie Armands für „Lettlands Stolz“ vorgeschlagen haben! Wenn ich auf diesen ritterlichen Mann blicke, dann schäme ich mich meines Unvermögens und meines ständigen Klagens… Die an den Rollstuhl gebundene Inára Satovska jammert nicht über die gleichgültige Einstellung des Staates gegenüber seinen Bürgern, sondern gründete die Organisation „Juni“, um Behinderten zu helfen. Jahr für Jahr schreiben Frauen an die Saeima, besuchen persönlich Vertreter des Staates und starten neue Projekte. Und es gelingt ihnen, man muss mit ihnen rechnen!

Pastor Juris Rubenis, der selbst Mitglied der Jury von „Lettlands Stolz“ ist, nennt diese Aktion ein Phänomen zum Aufrütteln des eigenen Gewissens. Wenn du siehst, wie selbstlos sich deine Mitmenschen für andere einsetzen, dann möchtest du auch selbst etwas mehr für die anderen tun. Natürlich gibt es Reden wie die, dass derjenige, der sich selbst helfe, auch damit der ganzen übrigen Welt einen Dienst täte. Trotzdem könnten wir da noch mehr tun!

Zusammen mit den Mitarbeiterinnen der Redaktion von SR besuchte ich verschiedene Kirchengemeinden in Lettland, besonders zu Jubiläen. Dabei war ich von jenem Kirchengemeinderat besonders bewegt, der nicht nur seinem Pastor und seinen ernannten Mitarbeitern dankte, sondern auch diejenigen ehrte, die ihre Arbeit unauffällig und in aller Stille verrichten – wie die Raumpflegerinnen, der Heizer oder diejenigen, die bei geöffneter Kirche die Aufsicht führen. Denn diese Menschen sind ebenso Helden des Alltages wie die Preisträger von „Lettlands Stolz“. Sie leisten oft weit mehr als wir von ihnen erwarten, sie arbeiten ehrenamtlich und erheben keinen Anspruch auf große Ehrungen.

Chefredakteurin: Inga Reca

Anschrift der Redaktion: Alksnája iela 3.- LV 1050 Riga

Übersetzung: Johannes Baumann (fertiggestellt am 15.01.2005)

Brucknerstr. 24, D-27711 Osterholz-Scharmbeck

SR 1-2005

Nachwort des Übersetzers.

In dieser ersten Ausgabe des Neuen Jahres beanspruchen zwei Themenkreise viel Platz. Da ist natürlich zuerst die Berichterstattung und die Kommentierung des Seebebens mit seinen Folgen in Südostasien. Nach kurzem Überlegen habe ich alle die Beiträge darüber nicht übersetzt, weil sie in der Regel vieles enthalten, was man in Veröffentlichungen hierzulande auch lesen kann. Lediglich den Beitrag von Aida Prédele, der einstigen Chefredakteurin von „Svetdienas Ríts“, der in einem Absatz eine Verbindung zum Unglück herstellt, habe ich übersetzt. Ich freue mich sehr, dass Aida Prédele wieder den Kontakt zur Redaktion geknüpft hat. Für die Kirchenzeitung ist das zweifellos eine Bereicherung, da Aida durch ihr leitendes Amt im Pressewesen des Landes Zugang zu Quellen hat, die der Redaktion weitgehend verschlossen sind, und da sie, wie die aufmerksamen Leser und die noch aufmerksameren  Leserinnen es sicher bereits seit einiger Zeit bemerkt haben werden, auch sehr gut formulieren kann, was vielleicht in der Übersetzung nicht so deutlich wird wie in der Originalsprache.

Der zweite Themenkreis berührt die Tatsache, dass vor 60 Jahren die Weihnachtsschlacht von Kurland stattfand, die sowohl bei der Roten Armee als auch bei der deutschen Wehrmacht und der lettischen Legion viele Menschenleben dahinraffte. Bei einer Feier des Gedenkens an diese Schlacht am 23. Dezember in Jaunpils hat Pastor Guntis Kalme die in dieser Ausgabe abgedruckte Predigt über das Wort aus dem Johannesprolog gehalten „Das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht begriffen.“ Ich habe recht lange überlegt, ob ich diese Predigt übersetzen sollte, weil sie wirklich gut und sehr nachdenklich ist. Schließlich habe ich doch davon Abstand genommen, weil sie sehr lang ist und in der Übersetzung mindestens vier weitere Seiten in Anspruch genommen hätte, und weil ich im Laufe der Zeit einige Predigten von ihm über diese Thematik  bereits übersetzt habe und daher befürchten muss, mit dieser weiteren Übersetzung die Geduld meiner Leserschaft allzu sehr zu strapazieren. Guntis Kalme, dessen Großvater auch in der Legion mitgekämpft hat, fühlt sich dem Erbe jener Generation sehr verpflichtet. Um von der Predigt einen kleinen Eindruck zu vermitteln, möchte ich aus der Zeitung die Überschriften über die einzelnen Absätze wiedergeben: „Die Notwendigkeit, den Sinn zu erfassen;“ „Die Fragen nach der Bilanz;“ „Warum leben wir?“ „War es das wert?“ „Soll man es verschweigen?“ „Das Nicht Zusammen zu Fügende wurde zusammengefügt;“ „Die Bedeutung des Christfestes;“ „Gott hat gesiegt und wird siegen, denn ‚Welt ging verloren, Christ ist geboren’ “

Zu den von mir nicht übersetzten Beiträgen gehört ein Bericht über die ökumenische Weihnachtsfeier in der Rigaer Universitätsklinik.

Am Ende dieses umfangreichen Nachwortes sollen ein paar persönliche Bewerkungen stehen. Auf der Seite 2 dieser Ausgabe ist folgender Glückwunsch zu lesen: „Setze mich wie ein Siegel auf dein Herz und wie einen Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod.“

(aus dem Hohelied Salomos 8,6a) Sehr herzlich grüßen wir unsere Freunde Johannes und Maria Baumann zum 50jährigen Gedächtnis ihrer Trauung. Ihr „Svétdienas Ríts“. Wir haben uns über diesen Glückwunsch von ganzem Herzen gefreut, ebenso wie über zahlreiche Glückwünsche von vielen lieben Leserinnen und Lesern dieser Zeilen. Jedes Zeichen der langjährigen Verbundenheit hat meine Frau und mich sehr glücklich gemacht. Wir danken allen, die in so liebevoller Weise unserer Goldenen Hochzeit gedacht haben, und wünschen allen von Herzen Gottes freundliches Geleit im Neuen Jahr. Ihr Johannes Baumann.

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