Verfasst von: liefland | Januar 15, 2005

Ausgabe Nr. 2 (1592) vom 15. Januar 2005.

Sich freuen und fröhlich müssen sein an dir, die nach dir fragen, und die dein Heil lieben, immer sagen: Hoch gelobt sei Gott!                       Psalm 70, 5.

Auszüge aus Svétdienas Ríts, Zeitung der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, herausgegeben von ICHTYS GmbH, erscheint seit Januar 1920.

Ausgabe Nr.  2 (1592) vom 15. Januar 2005.

Nach dem Orkan hat die Kirche von Àrlava kein Dach. Marcis Zeiferts, Propst der                                                                                                                                                                                                               Propstei Kandava.

In der Nacht auf Sonntag, den 9. Januar wurden mehr als 300 Quadratmeter des Daches schwer beschädigt. Die Gesamtfläche des Daches beträgt nicht ganz 600 qm. Das Dach wurde auf der Südseite völlig abgerissen und muss auf der Nordseite teilweise erneuert werden. Der übermächtige Sturm hat die Kirche nicht verschont, die mit 450 Sitzplätzen wohl die größte Dorfkirche Kurlands ist. Sie liegt 20 km von Talsi in Richtung Roja entfernt. Um das ganze Dach wieder in Ordnung zu bringen, werden mindestens 30.000 Lat benötigt. Der Blick, der sich bei dem Heranfahren an die Kirche bietet, ist schockierend. Der Orkan hatte das Dachblech zusammengerollt wie Papier und fand sich auf dem Kirchhof wieder ein. Größere Stücke hatte der Orkan weit über die Mauer hinweggeblasen. Glücklicherweise gab es keine Schäden durch abgebrochene Bäume, denn die Gemeinde hatte alle morsch erscheinenden Bäume in der Nähe der Kirche im vergangenen Sommer abgesägt.

Im vergangenen Sommer wurde die Renovierung der Fassade der Kirche beendet und im Jahr davor das Dach angestrichen. Eine gründliche Untersuchung machte deutlich, dass das Dachblech noch vor dem Zweiten Weltkrieg hergestellt worden ist und den Namen eines britischen Herstellers trägt. Wenn der Orkan dieses Dach nicht abgetragen hätte, dann hätte es noch mindestens einige weitere Jahrzehnte seinen Dienst tun können. Bis dahin hatte die Kirche noch nie irgendwelche Probleme mit dem Dach gehabt. Wenn man die Straße von Talsi nach Roja fährt, dann kann man ein langes Stück weit das rote Kirchendach sehen. Leider ist durch diese Orkanschäden das Weiterbestehen dieser bedeutenden Kirche aufs höchste gefährdet.

In der Kirche befinden sich mehrere kulturhistorische Stücke von Denkmalswert.. Auch die von August Martin erbaute Orgel nimmt einen bedeutenden Platz unter den Orgeln Lettlands ein. Sie ist erst vor wenigen Jahren aus Mitteln des Kulturkapitalfonds restauriert worden.

Nach diesem nächtlichen Orkan fand in der Kirche eine Andacht statt mit der Fürbitte für alle Orte unseres Landes, die von den Orkanschäden betroffen waren. Die Andacht wurde zeitweise durch das Donnern des  heftigen Sturmes und das Klappern des aus den Fugen geratenen Dachblechs gestört.

Nach den Quellen stand in Àrlava bereits seit dem 14. Jahrhundert eine Kirche. Die heutige Kirche aus Stein wurde 1793 erbaut.

In der Propstei Kandava hatten von den 25 Gotteshäusern auch die Kirchen von Talsi, Tukums, Balgale und vermutlich auch Lestene unter dem Sturm zu leiden. Die unmittelbar an

der Rigaer Bucht gelegenen Kirchen wie Roja, Kaltene, Engure und Mérsrags haben dagegen den Prüfungen durch den Orkan standgehalten.

Die Kirchengemeinde Àrlava bittet die Gesellschaft und alle Freunde im In- und Ausland um ihre Hilfe bei der Instandsetzung ihres Gotteshauses.

Der Orkan ist auch nicht an lutherischen Gotteshäusern vorbeigegangen. Santa Cilévica

Bisher bekannt gewordene Schäden an lutherischen Gotteshäusern in Lettland.

Die ELKL hat die Schäden aufgenommen, die der Orkan in der Nacht auf den 9. Januar an lutherischen Kirchen angerichtet hat. Davon betroffen waren mehr als 30 Kirchen, denen die Dächer und Turmverkleidung abgerissen, Fenster beschädigt worden sind und die andere

SR 2-2005                                             – 2 –

Schäden erleiden mussten. Die Kirche von Matísi verlor 100 qm ihres Daches. Schwer betroffen wurden auch die St. Annenkirche in Liepája/Libau und die Gotteshäuser von Durbe, Ludza und Àrlava. Schäden drohen auch der berühmten Orgel von Ladegast in der St. Simeoniskirche in Valmiera durch Schäden am Kirchendach.

Die Liste der durch den Orkan betroffenen Kirchen wird ständig ergänzt und demnächst dem Denkmalsamt vorgelegt.

Etwa drei Viertel der inzwischen bekannten betroffenen Kirchen sind von Denkmalswert und benötigen dringend sofortige Hilfe. „Wir hoffen auf Hilfe durch den Staat und Sponsoren und bitten sehr herzlich und dringend die Unternehmen vor Ort und die Kommunen, alles nur mögliche zu tun, um diese Denkmäler der Kultur zu erhalten.“ So der Leiter der Finanzkommission Artis Eglítis.

Für die Restaurierung werden mehr als Hunderttausend benötigt. Ingrída Briede.

Nicht nur in den Gotteshäusern Lettlands begann der Sonntag ganz ungewöhnlich. An vielen Orten wurde der Gottesdienst bei Kerzenschein gehalten, an anderen Orten fiel er ganz aus, weil der Pastor wegen der versperrten Straßen die Kirche nicht erreichte. An anderen Orten hielten die Gemeinden einen verkürzten Gottesdienst ohne den Pastor.

Das Konsistorium hat inzwischen die Schäden an den Gotteshäusern in Lettland zusammengestellt. Der Orkan hat inzwischen mehr als 30 ihrer Dächer und Turmverkleidungen beraubt. Der Leiter der Finanzkommission der ELKL Artis Eglítis meint, dass die Beseitigung der Schäden über 100.000 Lat erfordern würde. Eine genaue Aufstellung der Kosten liegt noch nicht vor.

SR hat mehrere Gemeindepastoren und Gemeindeleiter befragt, wie sie den Orkan erlebt haben.

Schäden am Dach bedrohen ernsthaft die über die Grenzen des Landes hinaus bekannte Ladegast-Orgel in der St. Simeoniskirche in Valmiera. Der Sturm hat besonders das Dach über der Orgel beschädigt, wo insgesamt zur Zeit über 100 Dachpfannen fehlen. Die Reparaturarbeiten am Dach – besonders an dessen oberem Teil , an den man nicht auch nicht mit der Hilfe der Feuerwehr und besonderer Leitern sicher herankommen kann – werden sehr kompliziert. Am Gemeindehaus in Valmiera in der Veides iela hat der Sturm eine der Fichten abgebrochen und dabei Schaden angerichtet. Ein Wirbelsturm hat die Ventilation vom Schornstein gerissen und das Dach abgetragen.

In der Kirche von Matísi  wurden neue Dachpfannen in einer Breite von insgesamt etwa 120 qm abgetragen. Auch in dieser Kirche steht eine Ladegast-Orgel, und die abgetragenen Dachpfannen befanden sich genau über der Orgel..

Auch in der St. Annenkirche in Liepája/Libau ist das Dach erst vor  Kurzem neu gedeckt worden. Auch hier sind etwa 120 qm betroffen, was etwa ein Fünftel des Daches ausmacht. Der Gemeindepastor Jánis Bitáns meint, dass für die Reparatur mindestens 1600 Lat benötigt würden. Der Verdacht einiger Mitarbeiter, der Dachdeckerbetrieb hätte schlampig gearbeitet, hat sich bestätigt. Die Dachpfannen sind nur unzureichend befestigt worden.

Die Schäden bei den Kirchen in der Nachbarschaft sind geringer. Bei der Dreifaltigkeitskirche sind über der Orgel etwa 20 Schieferplatten des Daches abgerissen worden. In der Lutherkirche in Liepája wurde das Dachblech zur Brívíbas iela hin abgerissen. Am Montag hat es sich zwar noch gehalten, doch befürchten die Leute aus der Gemeinde, dass das Dachblech bei einem weiteren Aufkommen eines Sturmes völlig abgeweht werden könnte.

Eins der Gotteshäuser, die am meisten zu leiden hatten ist die Kirche von Ludza. Der Sturm riss dort das Dach ab und wehte es in östlicher Richtung weg. Die Gemeinde sammelt zur Zeit Spenden und sucht bei kommunalen Stellen Hilfe.

SR 2-2005                                        – 3 –

Die Kirche in Ventspils hatte unter dem Sturm nicht zu leiden. Aber die etwa 40 Besucher des  Gottesdienstes am Sonntag mussten auf den Strom dieses Mal verzichten.

Die Kirche von Salacgríva wurde durch den Sturm nicht betroffen. Zwar wurde in der näheren Umgebung ein großer Baum entwurzelt, worunter aber das Territorium um die Kirche nicht zu leiden hatte.

Bei der Kirche von Àrlava hatt der Sturm Teile der Turmbekleidung abgerissen. Die Restaurierungsarbeiten werden dadurch erschwert, dass dabei auf die Hilfe von Alpinisten zurückgegriffen werden muss, was die Kosten für die Arbeiten um etwa 300 Lat höher werden lässt.

Statt der sonst üblichen 120 Gottesdienstbesucher versammelten sich dieses Mal etwa 50 Menschen zum Gottesdienst in der St. Annenkirche in Kuldíga. Ebenso wie die ganze Stadt blieb auch die Kirche an diesem Sonntag ohne Strom. Der Sturm hatte nur in geringem Maße das Dach gestreift. Der schwere Sturm hinderte aber die Leute nicht daran, nach dem Gottesdienst unter dem Christbaum im Gemeindehause zusammenzubleiben und sich an dem von den Kindern vorbereiteten Laienspiel, an musikalischen Darbietungen und am wohlschmeckenden Mahl zu erfreuen. Über das mobile Telefon warnte der Propst die Leute seiner Propstei vor dem Orkan und mahnte sie zur Achtsamkeit beim Aufenthalt draußen und zum Gebet und empfahl ihnen, die Informationen der Regierung zur Kenntnis zu nehmen.

Ruine der St. Georgskirche in Salaspils besudelt. Santa Cilévica und Inga Reca.

Satanistische Schmierereien verunzierten die Ruine der St. Georgskirche in Salaspils. Am Nachmittag des 9. Januar entdeckte ein Einwohner von Salaspils die satanistischen Schmierereien und gab dieses dem evangelisch-lutherischen Gemeindeleiter Janis Spekis bekannt, der diese Meldung an die Polizei weiterleitete.

Der Gemeindeleiter sagte SR, dass in allernächster Zeit Farbe beschafft und die Schmierereien übermalt werden würden.

Die Ruine der einstigen St. Georgskirche befindet sich am Rande des zugefluteten Teiles der Düna. Das Kirchengebäude ist im 14 und dann im 17 bis zum 20. Jahrhundert erbaut worden und war bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts eine lutherische Kirche, die dann durch die Sowjetmacht in Etappen zerstört (sie wurde zuerst als Kfz-Reparaturwerkstatt benutzt und dann gesprengt) und schließlich überflutet wurde. Unweit der St. Georgskirche fanden Anfang des 17. Jahrhunderts die großen Kämpfe des polnisch-schwedischen Krieges statt. An dieser Stelle wurden damals etwa 9000 schwedische Soldaten bestattet. Zu deren Gedächtnis wurde an der Stelle des Altars der zerstörten einstigen Kirche durch die Einwohner von Salaspils ein Kreuz aufgerichtet.

Ein Weihnachtsfest. Aida Prédele.

Am 7. Januar wurde in Lettland das orthodoxe Weihnachtsfest begangen. Auch ich ging in die Christgeburtskathedrale und legte eine kleine Kerze zusammen mit einem Gebet Christus zu Füßen.

Es gab viele Unzufriedene, denn der Abendgottesdienst zog sich in manchen orthodoxen Gotteshäusern bis 3 Uhr nachts hin. Doch am nächsten Morgen mussten sich alle wie an jedem Werktag zur Arbeit oder die Kinder in die Schule begeben. Die Zeitungen, besonders die in russischer Sprache, bemängelten es, dass die Orthodoxen doch auch an diesem Hohen Fest einen Feiertag verdient hätten.

Dabei fallen mir wieder die ganzen Diskussionen in der Saeima, auch der jetzigen,  über diese Frage ein. Die russisch sprechenden Deputierten schlagen alljährlich Änderungen im Gesetz über „Fest- und Gedenktage“  vor, und die übrigen Deputierten machen darauf ihre Einwände gegen das viele und lange Feiern von Festen in unserem Staat geltend.

SR 2-2005                              – 4 –

Nun ist Lettland leider – oder  zum Glück (?) – ein Land mit nicht nur einer Konfession. Doch gibt es auch noch andere Erfahrungen. Blicken wir nach Finnland. Auch in Finnland gibt es eine starke orthodoxe Kirche. Dort haben sich  die Kirchen auf einen gemeinsamen europäischen Weihnachtstermin für alle Konfessionen geeinigt. So feiern die Orthodoxen in Finnland und in einigen anderen Ländern Europas das Christfest gleichzeitig mit den Lutheranern, Baptisten und Katholiken. Ein Fest, eine Gemeinde Christi, die gleichen Weihnachtsferien. Weshalb kann das nicht auch in Lettland so sein? Ich stelle diese Frage deshalb, weil die lettisch sprechenden orthodoxen Gemeinden hier bereits heute gemeinsam mit den lutherischen und katholischen Kirchengemeinden das Weihnachtsfest am 24., 25., und  26. Dezember feiern: Ein Land – ein Fest!

Noch eine Nuance über die Kerzen. Die Zeitung „Unabhängige Morgenzeitung“  veröffentlichte auch Informationen über das orthodoxe Weihnachtsfest. Dabei stellte die Autorin überrascht fest, dass es gar nicht wenige Lutheraner seien, die am orthodoxen Weihnachtsfest teilnähmen, weil es sich erwiesen hätte, dass die orthodoxe Kirche den Vorzug hätte, dass man dort eine kleine Kerze anstecken und beten könnte. Daraus entsteht der Eindruck, dass es in der lutherischen Kirche komplizierter wäre zu beten. Und wenn das ganze Geheimnis nur bei den Kerzen liegt: könnte man nicht auch in unseren Kirchen eine Stelle finden, wo man als Symbol für das Gebet eine Kerze hinstellt? In vielen lutherischen Kirchen geschieht das bereits weltweit, auch hier und dort in Lettland. Es gibt Menschen, für die es wichtig ist, für das Gebet ein sichtbares Zeichen zu haben, und die vielleicht in ihrem Glauben noch nicht so gefestigt sind, dass sie mit dem Gebet auf der geistigen Ebene auskommen. Vielleicht kann die kleine Kerze etwas dazu beitragen, die Gedanken zu formulieren und das Gebet schöner zu machen?

Erzbischof ruft beim Neujahrsempfang zum Suchen eines Fensters zum Himmel auf.

Santa Cilévica

Mit dem Christuswort „Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben“  und dem Wunsch, dass alle das Jahr 2005 als ein Jahr des Lichtes erleben möchten, begrüßte Erzbischof Jánis Vanags die Anwesenden beim Empfang am Abend des 7. Januar im großen Saal des Konsistoriums.

Dort hatten sich zum festlichen Empfang die Mitarbeiter unserer Kirche und bekannte Persönlichkeiten der Gesellschaft versammelt. Unter ihnen waren Vertreter der Medien, der Kultur und der Regierung – Menschen, mit denen es bereits eine erfolgreiche Zusammenarbeit gab und deren Einsatz viel für das Zusammenleben von Kirche und Staat bedeutet. So konnte man dort Kulturministerin Helena Demakova, den ehemaligen Bildungsminister Karlis Sadurskis, den Minister für Jugend und Familie Ainars Bastiks, den Direktor des staatlichen Denkmalsamtes Juris Dambis, Vertreter der Medien, der Presse und der Künste sowie die Leiterin des Diakoniezentrums Iveta Berkolde und viele andere antreffen.

Der Abend gab die Möglichkeit zu Gesprächen, die auf angenehme Weise durch Darbietungen des Handglockenensembles aus Sloka,  eines Trios der Musikakademie und durch den Gospelchor „Genesis Voices“ ergänzt wurden.

„Ein jeder der Anwesenden könnte jemand sein, der ein Fenster aufmacht,“ sagte der Erzbischof in seiner Ansprache. Er rief dazu auf, der Überlegenheit des Marktes, dem Zynismus, der Banalität, der Sensation und dem Individualismus der Gesellschaft keinen Raum zu geben. Das alles kommt einem Blick in den Keller gleich. Wir brauchen Fenster, um in den Himmel, in das Licht der Sonne blicken zu können. „Das brauchen wir, damit unser Lebensraum erleuchtet würde.“ Diese Gedanken sprach der Erzbischof  beim Meinungsaustausch mit den Gästen aus.

SR 2-2005                                             – 5 –

Seminar für Gemeindeentwicklung beendet. Santa Cilevica

„Das Seminar gab die Gelegenheit, die Leute der Kirche kennen zu lernen und ihnen näher zu kommen…“ „Wir konnten über viele Dinge nachdenken und neue Ideen und Methoden kennen lernen…“ „Wir konnten erfahren, was es bedeutet, in einer Gruppe zu arbeiten…“

Solche und viele andere Erfahrungen wurden gegen Ende des von der Nordelbischen Ev.luth. Kirche veranstalteten Seminar für Gemeindeentwicklung Anfang Dezember in der Christlichen Volksschule Usma bei der abschließenden Veranstaltung laut.

Die Idee über den Zyklus von Seminaren entstand vor anderthalb Jahren aus der Tatsache, dass es in Lettland sehr viele sogenannte „Lutheraner auf Urlaub“ gibt. Wie ein ständiger Begleiter stand während des ganzen Seminars die Frage im Raum: wie fördern wir die Offenheit der Gemeinden, wie nutzen wir unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten besser, wie wachsen wir selbst besser und effektiver in den Dienst hinein. Um diese Leitsätze nicht aus den Augen zu verlieren, wurde der ganze Zyklus von denselben Persönlichkeiten begleitet: Pastoren, Pröpste, Laien und Mitarbeiter des Konsistoriums der ELKL. Das Seminar wurde mit einem aufrichtigen Interesse und großer Aufmerksamkeit für Lettland von den mit unserer Kirche verbundenen nordelbischen Vertretern Peter Barth, Volker Thiedemann und Dieter Gesewski geleitet.

Die Situation in Deutschland und Lettland ist sicher zu verschieden, um Prinzipien einfach zu übertragen. Neue Wege und Möglichkeiten muss jeder selbst suchen. Eine der ersten Aufgaben zu Beginn des Seminars war die Beurteilung der eigenen Situation. Wir versuchten zu klären, was unsere Mitmenschen von der Kirche abhält und was sie an die Kirche bindet und welches in unserer Kirche die starken und die schwachen Seiten sind, und wie wir sie am liebsten sehen möchten. Nach dem Zusammentragen der persönlichen Beurteilungen wurde „Förderung einer neuen Offenheit“ etwas ähnliches wie ein Leitmotiv des Zyklus.

Die neue Offenheit ließ uns verschiedene Gruppen der Gesellschaft betrachten, um sie besser zu verstehen und mit ihnen reden zu können. Hierbei waren die in Deutschland gemachten Erfahrungen hilfreich wie z.B. die besondere Arbeit mit jungen Familien und anderen bestimmten Gruppen. Diese machen ebenso wie andere Vorhaben auch die Gemeindearbeit farbiger. Ein besonderes Seminar beschäftigte sich mit dem Thema „Arbeit mit Projekten“ mit vielen Anregungen für die Arbeit im Team, wie man vorhandene Möglichkeiten nutzt und das Erreichte auswertet. Die Lebensfähigkeit der neuen Erkenntnisse versuchten wir auf Projekte in Gemeinden zu übertragen, die dort entweder bereits bestehen oder noch in der Phase des Entstehens sind.

Wir erkannten, dass die Verwirklichung jeder neuen Idee unmissverständlich auch von der zur Verfügung stehenden Zeit abhängt und von der Fähigkeit, diese vernünftig aufzuteilen – zwischen den Verpflichtungen im Beruf, in der Familie, in der Gemeinde, in der Gesellschaft, wobei Feizeit und Urlaub nicht ausgeklammert werden dürfen. Dabei muss beachtet werden, dass es den Einzelkämpfer wirklich nur im seltenen Ausnahmefall geben darf. Bei der Teamarbeit spürten wir, wie wichtig und effektiv diese ist. Weil aber ein jeder von uns anders ist als der Andere, gibt es immer bei der Zusammenarbeit unterschiedliche Standpunkte und Vorstellungen. Dabei darf nicht übersehen werden, dass es in einer Arbeitsgruppe der Gemeinde zu Meinungsverschiedenheiten kommen kann. Dabei ist es sehr wichtig, aufmerksam zuzuhören und die Arten der Konfliktlösung zu beherrschen. Propst Zeiferts stellte uns die Methode der kollegialen Beratung vor.

Jedes der Seminare war wie eine Oase, die Ruhe und Entspannung bescherte, stärkte und ernährte. Geistlich ernährte – durch das Wort Gottes, durch Gebet und Lobgesang, durch die Gemeinschaft und das gemeinsame Missionsbewusstsein

SR 2-2005                                                        – 6 –

Das Resultat kann nicht durch Zahlen oder Stunden beschrieben werden, sondern nur durch den geistlichen Wachstumsprozess bei jedem Einzelnen und das Maß der Verantwortung vor Gott und dem Mitmenschen.

Chefredakteurin: Inga Reca

Anschrift der Redaktion: Alksnája iela 3.- LV 1050 Riga

Übersetzung: Johannes Baumann (fertiggestellt am 21.01.2005)

Brucknerstr. 24.- D-27711 Osterholz-Scharmbeck

Nachwort des Übersetzers

Unter den Autorinnen der Beiträge finden wir verstärkt den Namen Santa Cilevica. Während des Erziehungsurlaubs von Mára Grigola hat sie den Dienst als Sekretärin des Erzbischofs ausgeübt. Nachdem Mára Grigola wieder an ihren Platz zurückgekehrt ist, hat sie nun den Auftrag erhalten, die Referentin für Angelegenheiten der Gesellschaft und die Sekretärin des Stellvertreters des Erzbischofs zu sein. Weil Santa ausgezeichnet Deutsch spricht, sind ihr dabei auch noch alle Angelegenheiten übertragen worden, die die Kenntnis dieser Sprache erfordern. So wird sie weiterhin oft die Ansprechpartnerin aller deutsch sprechenden Anrufer und Besucher sein. Das alles führt auch zu einer engeren Zusammenarbeit mit der lettischen Kirchenzeitung „Svétdienas Ríts“, was mich wiederum sehr erfreut.

Mit besonderer Betroffenheit habe ich die Meldung vom Besudeln der Ruine der Kirche von Salaspils mit satanistischen Schmierereien übersetzt, weil dort vor dem ersten Weltkrieg einer meiner Urgroßväter väterlicherseits Lehrer und Organist gewesen ist. Außerdem versieht dort heute Aida Prédele, von der in der heutigen Übersetzung auch ein Beitrag steht, den Pfarrdienst

Wie bei jeder Ausgabe, so gibt es auch bei dieser einige Beiträge, die ich nicht übersetzt habe:

Eine Predigt von Roberts Feldmanis über Lukas 2,1-7

Einen Bericht von Inga Reca über die Vorbereitung der ersten Alpha-Konferenz in Lettland im Herbst 2005.

Eine Vorstellung von Kinderbüchern von Ingrída Briede

Einen Bericht  von Ilze Gailíte „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ über einen Mordprozess in Riga

Einen Bericht über das Presseecho in Deutschland zur Flutkatastrophe in Südostasien von Lilita Klinkerte

Einen Bericht über eine weihnachtliche Gemeindeveranstaltung in Bunka von Inta Gluzge. Dazu die Bemerkung, dass dort Hans Jensson den Pfarrdienst versieht. Dieser gehört zu den schwedischen Theologen, die sich in Schweden deutlich gegen die Frauenordination ausgesprochen haben und deswegen nach den dortigen Bestimmungen nicht ordiniert werden konnten. Er hat wie ein anderer seiner Mitstudenten an die lettische Kirche den Antrag gestellt, dort aufgenommen zu werden und als Pastor mitzuarbeiten. Das wurde ihm unter der Bedingung zugestanden, dass er die lettische Sprache erlernen müsste als Voraussetzung für die Ordination. Inzwischen scheint er den Anforderungen zu entsprechen und ist von Erzbischof Vanags ordiniert und mit dem Dienst in dieser ländlichen  Gemeinde beauftragt worden. Wie man sich denken kann, hat dieser Vorgang in Schweden keinen Jubel ausgelöst.

J. B.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: