Verfasst von: liefland | Januar 24, 2009

Ausgabe Nr. 3 (1782) vom 24. Januar 2009

Bei dir ist die Quelle des Lebens                Psalm 36,10

Auszüge aus Svētdienas Rīts, Zeitung der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, herausgegeben von ICHTYS GmbH, erscheint seit Januar 1920.

3. Sonntag nach Epiphanias        Ausgabe Nr. 3 (1782)  vom 24. Januar 2009

Der ökumenische Dialog in Lettland. (Zur Gebetswoche für die Einheit der Christen)

Jānis Vanags, Erzbischof

Zusammen mit Propst Atis Grīnbergs bin ich im November nach Rom gereist, um mich dort mit dem Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit unter den Christen Kurienkardinal Walter Kasper zu treffen. In Rom schloss sich uns eine Delegation der Estnischen Kirche mit den Pröpsten Veiko Vihuri und Enn Auksman an. Von der  katholischen Seite nahmen auch der Sekretär des Rates Bischof Brian Farel und Monsignore Matthias Turk, der im Vatikan für die Kontakte mit den Lutheranern Zuständige, an dem Treffen teil. Der Zweck des Treffens war das Gespräch über die Möglichkeiten im Baltikum, mit dem Dialog zwischen beiden Kirchen zu beginnen.

Obwohl es für uns selbst etwas Selbstverständliches war, dass zwischen den verschiedenen Bekenntnissen in Lettland ungewöhnlich gute freundschaftliche Beziehungen bestehen, weil die Zeit der sowjetischen Unterdrückung uns gelehrt hat, dass wir alle auf einer Seite stehen. Die Zusammenarbeit, die Wiederherstellung des Standortes der Kirche im wieder freien Lettland, trug viel zum Wachsen des gegenseitigen Vertrauens  und der Freundschaft miteinander bei. Deshalb gibt es hier für den  Dialog großartige Voraussetzungen wie  kaum an einer anderen Stelle Europas. Dieses Potenzial sollten wir nutzen.

Auf unsere Frage, welches der Zweck eines solchen  Dialoges sein könnte, antwortete Kardinal Kasper, dass zuerst Missverständnisse beseitigt werden sollten.  Es gibt viel Folklore und Legenden, bei denen einer über den anderen manches erzählt, was der Lehre unserer Kirchen überhaupt nicht entspricht. So ist die Ansicht weit verbreitet, dass für die Lutheraner das Heilige Abendmahl nur ein Gedächtnismahl sei und dass die Katholiken jedes Mal das Opfer Christi von Neuem wiederholten. Statt untereinander die falschen Vorstellungen endlos wiederzukauen, wäre es besser, von unseren Gesprächspartnern zu erfahren, was sie wirklich lehren, und woran sie wirklich glauben. Zweitens müssten wir miteinander auch über die Fragen reden, bei denen die Ansichten unserer Kirchen sich wirklich unterscheiden. Auf der vom Weltrat der Kirchen veranstalteten 3. ökumenischen Versammlung in Sibiu sagte Kardinal Kasper, dass die Ökumene der Annäherungen sich nunmehr erschöpft hätte. Lange Jahre haben wir vor allem darüber geredet, was uns vereint. Das hatte seine Bedeutung und hat uns auch bis hierher gebracht. Doch wir müssen auch über die Dinge sprechen, die uns trennen. Der Apostel Paulus hat uns gelehrt, wie man die Wahrheit in Liebe ausspricht.. W. Kasper rief auf, das Augsburger Bekenntnis gemeinsam zu beraten, das seinem Wesen nach ein ökumenisches Dokument ist. mit der Absicht und dem Ziel, die Einheit der Kirche zu erhalten. „Einem solchen Dialog wird oft vorgeworfen, dass er nicht zu konkreten kirchlichen Ergebnissen führe.“ sagte der Kardinal, „doch wenn Missverständnisse beseitigt werden und das gegenseitige Vertrauen wächst, ist das doch schon ein sehr gutes Ergebnis.“

Wir sprachen auch über praktische Probleme, zum Beispiel über Mischehen. In Lettland gibt es weiterhin Schwierigkeiten für Katholiken und Lutheraner, einen angemessenen Weg für eine Trauung zu finden. Kardinal Kasper sagte, dass auf der vatikanischen Ebene alle Hindernisse auf diesem Gebiet ausgeräumt seien. Sogar das früher notwendige Gelübde, die Kinder im katholischen Glauben zu erziehen, ist keine Forderung mehr, sondern nur eine Empfehlung. Dennoch hängt das, wie es in jedem Lande oder in jeder Diözese gehandhabt wird, vom zuständigen Bischof  ab. Deshalb sollte man  an die Frage durch Gespräche im Lande herangehen. „Wir vom Vatikan können das nicht beeinflussen, das müsst ihr selbst tun. Aber wir können solche Gespräche anregen und fördern,“ sagte der Kardinal. Er versprach, an

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katholischen Bischöfe im Baltikum ein Schreiben zu richten, und sie zu ermuntern, mit Begeisterung einen solchen Dialog zu beginnen.

Am nächsten Tag waren wir eingeladen, an der Generalaudienz des Papstes teilzunehmen. Auf dem St. Petersplatz waren viele Tausend Katholiken aus allen Kontinenten und vielen Ländern versammelt, auch aus Lettland. Der Papst hielt eine kurze Predigt in verschiedenen Sprachen und begrüßte ganz besonders alle Pilgergruppen. Es war zu spüren, dass die Gestalt des Papstes die Anwesenden sehr bewegte. Das löste bei mir Überlegungen aus, wie gekonnt die katholische Kirche solche Anlässe nutzt, um die Menschen für den Glauben und für ein sittliches Leben zu begeistern. Am Ende ging Benedikt XVI  auf uns zu, um uns zu begrüßen. „Ich weiß, dass in Lettland zwischen Katholiken und Lutheranern eine große Freundschaft besteht,“ sagte er.

Damit das Treffen in Rom nicht nur zu einem der vielen traurig berühmten „gut gemeinten Vorsätze“ würde, sind wir am vergangenen Donnerstag in Riga zum ersten örtlichen Treffen zusammengekommen.  Von der katholischen Seite nahmen Jānis Kardinal Pujats und die Priester Zbigņevs  Stankevičs und Paulis Kļaviņš teil. Von unserer Seite waren dieses Mal Bischof Pāvils Brūvers, Dekan Elijs Godiņš und ich zugegen. Ich berichtete über das Treffen in Rom. Dabei stellte es sich heraus, dass der Brief von Kardinal Kasper bereits eingetroffen ist. „Das höchste, im Himmel aufgeschriebene Ziel für unseren Dialog ist die vollkommene Einheit,“ sagte J. Pujats. „Auch dass wir das eine Brot brechen und aus einem Kelch trinken“, ergänzte Z. Stankevičs. Doch waren sich die Teilnehmer am Treffen bewusst, dass der Weg dahin noch sehr weit und nicht leicht sein wird.  Man kann die Einheit nicht einfach herbeireden, sie muss durch einen aufrichtigen Dialog erreicht werden.  „Für diesen Dialog kann es als Grundlage nur die Heilige Schrift geben,“ betonte P. Kļaviņš,“  Dabei ist es sehr wichtig, dass es nicht nur um einen Dialog zwischen einigen Geistlichen geht, sondern dass an ihm und an den Ergebnissen die ganze Kirche beteiligt ist, ergänzte E. Godiņš. Wir kamen überein, dass wir uns mit Gottes Hilfe künftig einmal im Monat treffen würden. Das nächste Treffen ist auf den Aschermittwoch, dem Beginn der vorösterlichen Fastenzeit, festgesetzt. Bis dahin müssen wir uns verständigt haben, wer sich an den Gesprächen beteiligen soll, und müssen Themenvorschläge vorbereiten.

In dieser Woche wird in der ganzen Welt für die Einheit unter den Christen gebetet. Jetzt haben wir einen Anlass, das besonders intensiv für die Einheit unter den Christen in Lettland zu tun. Gott segne uns und stehe uns bei diesem Vorhaben bei.

Woher nehmen wir unser Vertrauen? Inga Reča, Chefredakteurin

Das Forschungszentrum „Eurobarometer 70“ veröffentlichte in dieser Woche die Ergebnisse einer Befragung darüber, wie die Einwohner Lettlands die gegenwärtige Situation im Staat beurteilten. Diese Befragung, die im Herbst 2008 durchgeführt wurde, ergab, dass 79 % der Regierung Lettlands nicht vertrauen, der Saeima  86 % und den politischen Parteien 91 % der Einwohner Lettlands. Das ist das allerschlechteste Ergebnis in allen 27 Mitgliedsländern der EU. Wie hätten wohl diese Zahlen ausgesehen, wenn die Befragung erst im Januar 2009 durchgeführt worden wäre oder im Januar 1991?

Doch als wichtigste Frage bleibt diese bestehen: was muss geschehen, damit wir das Vertrauen gegenüber unserem Staat und unserer Regierung zurück gewinnen?

Um diese Frage zu beantworten, brauchen wir nicht nach den Sternen zu greifen, sondern nur unsere Umgebung zu betrachten – welche Menschen genießen mein Vertrauen? Wir vertrauen gerne Menschen, deren Werke mit ihren Reden überein stimmen, die ihre Versprechen erfüllen, die nicht hinter dem Rücken reden, sondern die Wahrheit offen aussprechen, auch wenn sie nicht angenehm ist. Menschen, die in finanziellen Angelegenheiten ehrlich sind, ihre

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Steuern bezahlen und den Staat nicht betrügen, solchen, die in schweren Augenblicken zur Hilfe eilen. Menschen, die uns nie benutzen werden, um daraus selbst Profit herauszuschlagen.

Wir alle wissen, wie jemand sein sollte, dem wir vertrauen können. Gott sei Dank, dass es weit mehr als einen Menschen gibt, dem wir vertrauen können! Möge das die große Aufgabe in diesem Jahr sein – das Verzeichnis dieser Menschen mit einem Namen zu erweitern: mit meinem eigenen Namen . Dann werden wir bald gute, ehrliche und vertrauenswerte Menschen im Überfluss haben! Und es gäbe welche, die wir guten Gewissens in die Saeima wählen könnten.

Mitteilungen des Oberkirchenrats

Sehr geehrte Leserinnen und Leser, liebe Gemeindeglieder, Mitarbeiter und Pfarrer!

Früher wurden in unserer Kirchenzeitung gelegentlich Beschlüsse des Konsistoriums veröffentlicht, die den Wechsel in Pfarrstellen  und andere Beschlüsse, die das Gemeindeleben betrafen. Das war eine gute Praxis, denn viele konnten sich dadurch über manchen Wechsel informieren. Es ist schwer eine Begründung dafür zu finden, aber seit einiger Zeit ist das unterblieben. Die Personalabteilung unseres Oberkirchenrates möchte diese gute Praxis wieder aufgreifen, und hat gemeinsam mit der Abteilung für die Angelegenheiten der Kirchengemeinden beschlossen, die Leser von „Svētdienas Rīts“, die Glieder unserer Kirche sind, über den Wechsel, der unsere Kirchengemeinden und Pfarrer betrifft, laufend zu informieren

Nach unserer neuen Kirchenverfassung und den Bestimmungen der ELKL nehmen die Bischöfe oder das Bischofskollegium (im Fall, dass der Wechsel zwei Diözesen betrifft) entsprechende Meldungen an. An diese Neuerungen werden wir uns alle gewöhnen müssen, so dass wir diese Zeit als Phase des Eingewöhnens und Umstellens für alle Bischöfe, Pröpste, Pfarrer, Abteilungen des Oberkirchenrates und Kirchengemeinden bezeichnen können, in der wir eine sachliche und fruchtbare Zusammenarbeit erlernen können. Deshalb hat es in der jüngsten Vergangenheit nicht selten vermeidbare Missverständnisse oder in manchen Fällen fehlende Informationen gegeben. Deshalb bitten wir Euch, liebe Schwestern und Brüder, um Verzeihung! Wir bemühen uns, alles zu tun, was uns möglich ist, um diese und andere Dinge zu ordnen. Im ganzen können wir erkennen, dass die neuen Änderungen sich als effektiv erwiesen haben. Wenn wir unseren Dienst aus ganzem Herzen tun, werden die Früchte nicht ausbleiben.

Schließlich möchte ich alle Amtsträger und Pfarrer der Kirchengemeinden daran erinnern , dass nach  der neuen Gemeindeordnung alle Fragen des Dienstes und des geistlichen  Lebens zuerst in der Gemeinde zu lösen sind, und, falls das nicht gelingt, durch den zuständigen Propst, und dann durch den Bischof der Diözese.

Ich wünsche allen Gottes freundliches Geleit und viel Freude am Dienst.

Dzintars Laugalis, Leiter der Abteilung für das geistliche Personal und für Angelegenheiten der Kirchengemeinden.

Wechsel bei den Pfarrstellen

Gegen Ende des vergangenen und zu Beginn des neuen Jahres hat es einen beträchtlichen Wechsel bei den Pfarrstellen gegeben

Erzdiözese Riga

Am 19. November 2008 wurde Pfarrer Linards Rozentāls zum Propst der Propstei Riga ernannt.

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Im Oktober beendete Pfarrer Armands Konrāds seinen Dienst als Pfarrer der Kirchengemeinden  Zaube und Ķempji. Den Pfarrdienst in den Kirchengemeinden Niraure,

Zaube und  Ķempji  übernahm der Student der Luther Akademie und Hilfspfarrer Edvīns Rumjacevs.

Ab 2. November übernahm Pfarrer Artis Burovs den Dienst als Pfarrer der Missionsgemeinde und als zweiter Pfarrer der Kreuzkirchengemeinde.

Pfarrer Dr. Didzis Stilve beendete seinen Dienst in der Kirchengemeinde Ikšķile. Ab dem 30. November dient Pfarrer Dzintars Laugalis als Pfarrer der Kirchengemeinde Ikšķile.

Am 30. November beendete Pfarrer Andris Krauliņš seinen Dienst als Pfarrer der Kirchengemeinden Vecpiebalga, Skujene und Lode. Den Dienst in diesen Kirchengemeinden übernahm am 30. November der neu ordinierte Hilfspfarrer Intars Jonītis

Anfang Dezember beendete Pfarrer Andrejs Bāliņš seinen Dienst als Pfarrer der Kirchengemeinden Straupe und Lēdurga. Diese Gemeinden sind weiterhin vakant.

Seit dem Herbst dient in den Kirchengemeinden Lubāna und Liezere Guntis Želvis als Hilfspfarrer.

Seit dem Übergang von Pfarrer G. Želvis in die Propstei Madona wird die vakante Kirchengemeinde Dole-Ķekava vom Vikar der Erzdiözese Riga Pfarrer Ivo Grantiņš betreut.

Seit Anfang Dezember dient in dieser Kirchengemeinde Pfarrer Raivis Martinsons als Pfarrer.

Pfarrer Ivo Grantiņš beendete am 10. Dezember seinen Dienst als Vikar der Kirchengemeinde

und wurde auf Antrag der Kirchengemeinde Dubulti und Bulduri zu deren zweitem Pfarrer ernannt.

Mit dem Ablauf des Monats Februar beendet Pfarrer Ivars Jēkabsons seinen Dienst in der Kirchengemeinde Mālpils, und wird dort von  Hilfspfarrer Krišjānis Bulle abgelöst, der mit dem Beginn des Jahres auch die Kirchengemeinde Ropaži betreut..

Am Epiphaniastag beendete Pfarrer Dainis Markovskis seinen Dienst in der Martinsgemeinde in Riga. Seit dem 7. Januar haben den Dienst in jener Gemeinde die Pfarrer Andris Krauliņš und Arnis Bušs übernommen. Ab diesem Tag hat Arnis Bušs seinen Dienst als Propst der Propstei Valmiera beendet. Dieses Amt hat Pfarrer K. R. Zikmanis übernommen.

Ab dem Herbst ist Pfarrer Almārs Lavrentjevs beurlaubt. Auf eigenen Wunsch ist auch Pfarrer Gunārs Ozols für 12 Monate beurlaubt.

Ab dem 1. Januar verrichtet Atis Bambāns den Dienst als Pfarrer der St. Matthäusgemeinde in Matīši.

Diözese Daugavpils

Pfarrer Raivis Martinsons hat seinen Dienst in den Kirchengemeinden  Ilūkste, Laši und Subate beendet. Dieser Dienst wird in den Kirchengemeinde Ilūkste, Laši und Subate durch Pfarrer Andrejs Bāliņš fortgesetzt.

Seit dem September verrichtet Pfarrer Mārtiņš Vaickovskis den Dienst als Pfarrer der Kirchengemeinden Balvi. Tilža, Kārsava und Viļaka.

Diözese Liepāja

Seit Mitte ist mit den  Pflichten eines Propstes der Propstei Kandava Pfarrer Raimonds Mežiņš beauftragt.

Vom November an ist in der Kirchengemeinde Dzirciems einmal im Monat Evangelist Justs Junkulis tätig.

Den selbständigen Dienst in den Kirchengemeinden Remte und Blīdene hat der am 20. November ordinierte Hilfspfarrer  Kārlis Rozentāls bereits als Evangelist begonnen. Damit endete für Pfarrer Uldis Gailītis der Dienst in der Kirchemngemeinde Blīdene und für Pfarrer Guntis Apriķis der Dienst in Remte

Evangelistin Alvita Eversone brach ihren Dienst in der ELKL  ab.

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In der Propstei Jelgava ist seit dem 7. Dezember unter der Aufsicht  von Pfarrer Valdis Bercs der Evangelist Vilnis Cirulis zum Dienst in den Kirchengemeinden  Vecauce, Jaunauce, Ruba, Priedula-Vadakste und Īle eingesetzt.

Zu Beginn dieses Jahres begann Evangelist Jānis Kundziņš seinen Dienst in der Kirchengemeinde Balgale. Wegen des Wechsels seiner Dienststelle zum Oberkirchenrat beendete Pfarrer Hans Jenson seinen Dienst in den Kirchengemeinden Vaiņode und Embūte. In diesen beiden Kirchengemeinden begann jetzt Hilfspfarrer Ivars Eisaks seinen Dienst, der davor  die Kirchengemeinden Grieze, Grīvaiši, Nīgrande, Pampāļi und Kursīši betreut hatte. Vom Epiphaniastage an werden die Kirchengemeinde Grieze und Grīvaiši von Evangelist Atis Freipičs betreut.

Auf Grund der Angaben aus den Diözesen zusammengestellt von der     Personalbteilung für Geistliche und Angelegenheiten der Kirchengemeinden.

Gehen wir und packen wir es an! Silvija Grunte, Ev.-luth. Kirchengemeinde Ķegums

So anregend ist die Devise des Festes unserer Kirche „Gehen wir und packen wir es an“, dass sie auch die Überschrift dieses Beitrages sein soll, der unsere kleine Kirchengemeinde Ķegums, die mit dem nationalen Erwachen und der Volksfront wieder neu entstanden ist, in Erinnerung rufen möchte, und das, was in der kleinen Gemeinschaft am Ort und in der großen Gemeinschaft des lettischen Volkes geleistet worden ist. Wir verstehen uns als ein wieder erstandenes Land, und natürlich braucht auch Ķegums außer der Freiheit, der Unabhängigkeit, der Elektrizität auch geistliches Leben und den Glauben, denn nur ein wirklich Glaubender kann ein Patriot seines Vaterlandes sein.

Obwohl den Aufbau der Kirchengemeinde junge und Optimismus ausstrahlende Menschen – Andrejs und Erita Krēmers – übernahmen, bilden Leute der früheren Jahrgänge die Mehrheit, die es vermocht haben, in den 50er Jahren, in denen der Atheismus angebetet wurde, den christlichen Glauben und die Erinnerungen an die eigene Kindheit zu bewahren. An der Wiege dieser Kirchengemeinde stand auch der Pfarrer der nationalen Erweckung Juris Rubenis. Er machte uns Mut, regte uns an und erteilte uns wieder den ersten Unterricht im Glauben. In Ķegums, dem Dorf, in dem elektrischer Strom produziert wird, hat es noch nie eine Kirchengemeinde gegeben, auch keine Kirche. Deshalb musste alles von Grund auf neu begonnen werden. Und so wurde am 1. Dezember 1990 die Kirchengemeinde neu registriert. Das war eine Zeit, in der die weltliche Macht und die geistliche Leitung miteinander noch Hand in Hand gingen und die Gottesdienste im Festsaal der Gemeindeverwaltung stattfinden konnten, wo wir als Kirchengemeinde mit der Leitung des Dorfes gemeinsam im Gebet für unser geliebtes Lettland vereint waren. Dann wurde der Traum geboren, dass Ķegums nicht nur eine Kapelle brauchte, sondern eine Kirche als geistlichen Mittelpunkt, wie sie auch in jeder Stadt deren Schmuck und Segen verkörpert.

Unser erster Pfarrer war damals Normunds Celmiņš, für den das auch seine erste Pfarrstelle war, was auch unsere christliche familiäre Einheit bestimmte. Das Missionsbewusstsein des jungen Pfarrers und sein uneigennütziger Dienst waren vielleicht in den späteren Jahren, in denen die Pfarrer ständig wechselten, etwas, was uns behinderte, denn wir mussten immer an unseren Normunds zurückdenken. Trotz unserer Proteste, trotz unserer Bitten wechselte er die Pfarrstelle nach Smiltene, und wir mussten uns lange Zeit mit Vakanzvertretern zufrieden geben. Und dann kam als Pfarrer der ehemalige Biologielehrer Valdis Drinks. Er bewies uns, dass der Mensch nie der Beherrscher des Kosmos gewesen ist und auch nie sein wird. Man konnte seine Predigten anhören wie das, was ein guter Lehrer im Unterricht spannend vorträgt. Auch ihm gelang es, unser Erzieher und Ratgeber zu werden. Jetzt können wir uns seit langem rühmen, einen Pfarrer zu haben, dessen Ansprachen sich vor keiner philosophischen Betrachtung zu verstecken brauchen. Es ist ein wahrer Genuss, anzuhören,

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wie jedes Thema aus der Heiligen Schrift vorgetragen und in einer für die Gemeinde gut verständlichen  Weise ausgelegt wird. Igors Safins ist noch ein sehr junger Pfarrer, bei dem man sich vorstellen kann, dass seine Karriere eines Tages zu einem sehr hohen Flug ansetzt. Wir sind sehr stolz, dass er uns als so kleiner Kirchengemeinde dienen möchte. Ja, der Zahn der Zeit hat auch an unserer Gemeinde genagt und auch Trümmer hinterlassen. Jetzt ruhen viele Sorgen und Mühen unserer alten Gemeindeglieder hinter den Mauern unseres Friedhofes. Aber wir müssen das Versprechen, das wir ihnen einmal gegeben haben, halten, und in Ķegums eine Kirche bauen!

Die ersten Planungsarbeiten begannen bereits in den 90er Jahren, aber dann trocknete alles wegen Geldmangels und wegen der Ignoranz der weltlichen Macht aus, und erst 2005 konnten wir im Sommer den Grundstein legen. 2007 konnten wir endlich  mit den Bauarbeiten beginnen, und das ist wirklich ein Wunder – unsere Kirche hat sich erhoben, hat ein schönes Dach bekommen und einen Turm mit einem Hahn und einem Kreuz an seiner Spitze., der uns jetzt segnet und bewacht, auch diejenigen, die am Ort vorbeifahren.

Die Innenarbeiten sind noch nicht begonnen worden, denn die Geldmittel sind wieder ausgegangen, aber wir sind voller guter Vorsätze, weiter zu gehen und anzupacken und Gott und unsere Mitmenschen um Hilfe zu bitten.

Unsere Kapelle dient heute als Fahrschule (so unbeliebt sind wir bei der pragmatisch denkenden Gemeindeverwaltung und der Verwaltung des Hauses des Volkes).

Ach, wie viel ist verloren gegangen durch die sowjetischen Untaten, als man  Kirchen zu Trockenräumen, Werkstätten und Pferdeställen machte. In unserer Nachbarschaft hat man in Birzgale die Kirche mit den dazu gehörenden Gräbern sogar gesprengt. Vielleicht gelingt es, mit der neu erbauten Kirche die geistliche Vertikale herzustellen, die dahin  führt, dass wir darüber nachdenken und es begreifen, wie unbedeutend und klein wir sind, wenn uns die geistliche Haltung fehlt, wenn wir über ein Leben ohne Glauben schwadronieren, über ein Leben ohne die christliche Nächstenliebe.

So leben wir in Ķegums, der Wiege der elektrischen Beleuchtung Lettlands, wo eine Kirche entsteht und bestimmt in diesem Jahr fertig wird, so dass wir zum nächsten Weihnachtsfest unsere Geschwister im Glauben auch aus anderen Gemeinden zum Gottesdienst in unser Gotteshaus einladen können werden. Möglicherweise wird das eine der wenigen Kirchen sein, die man nach dem Wiedererlangen der nationalen Unabhängigkeit erbaut hat, und dazu an einer Stelle, an der es noch nie eine Kirche gegeben hat. Gott gebe uns Seinen Segen für dieses Vorhaben.

Chefredakteurin: Inga Reča

Anschrift der Redaktion: Alksnāja iela 3 .- Riga- LV 1050

E-Mail-Adresse: svetdienasrits@apollo.lv

Übersetzung: Johannes Baumann (abgeschlossen am 4.2.2009)

Brucknerstr. 24.-  D-27711 Osterholz-Scharmbeck

Telefon: 04791-13356

E-Mail-Adresse: baumann-ohz@arcor.de

Nachwort des Übersetzers Allen hoch verehrten Leserinnen und mit Ausdauer begabten Lesern gelten meine herzlichen Grüße und guten Wünsche für einen möglichst grippefreien kürzesten Monat des Jahres 2009.   J. B.

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