Verfasst von: liefland | Februar 7, 2009

Ausgabe Nr. 5 (1784) vom 7. Februar 2009

Zuflucht ist bei dem alten Gott und unter den ewigen Armen.   5. Mose 33,27

Auszüge aus Svētdienas Rīts, Zeitung der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, herausgegeben von ICHTYS GmbH, erscheint seit Januar 1920.

Sonntag Septuagesimae          Ausgabe Nr. 5 (1784)  vom  7. Februar 2009

Spalte der Redaktion      Wärme gegen die Kälte. Ingrīda Briede, Journalistin von SR

Zwischen dem Christfest und Neujahr hatte ich eins meiner schönsten Erlebnisse in der letzten Zeit. Das war ein Gottesdienst in einem Kirchlein auf dem Lande am Sonntag um die Mittagszeit. Einer der Gründe, weshalb ich dorthin gefahren bin, war der, dass ich gehofft hatte, dass es dort wärmer sein würde als in meiner Kirche. Doch in der Kirche erwartete uns eine unangenehme Überraschung – der Strom war weg, und mit ihm auch die Heizung. Draußen war es sehr kalt, und die Temperatur in der Kirche unterschied sich nicht wesentlich von der draußen. Im Gotteshause wurden Kerzen angezündet, und je weiter die Sonne unterging, um so dunkler und immer dunkler wurde es in der Kirche. Das Wasser im Taufbecken war gefroren und bei dem Singen der Lieder wurde der Atem der Teilnehmer am Gottesdienst sichtbar. Der Pfarrer behielt bei der Predigt die Handschuhe an, damit ihm die Finger nicht völlig abfrieren sollten und bei der Austeilung des Abendmahles ganz steif würden. Doch weshalb nannte ich  zu Beginn meines Beitrages diesen Gottesdienst eins der schönsten Erlebnisse in der letzten Zeit? Obwohl es innen und außen sehr kalt war, erwärmte uns die herzliche Wärme. Außer dem Pfarrer und dem Organisten waren nur sieben Menschen in der Kirche, die zusammenrückten. Man reichte mir von hinten eine Wärmflasche, die man auf dem Schoß behalten konnte, um sich zu wärmen. Den Friedensgruß unterstrichen das Lächeln und herzliche Umarmungen. Die Lieder erklangen besonders flott, denn die elektronische Orgel konnte aus den bekannten Gründen auch nicht gespielt werden. Bei dem Singen bewegten wir uns etwas mit, um uns damit auch etwas Wärme zu machen. Bei den Lesungen nahm der Lektor das Lektionar vom Pult und ging näher an das Fenster heran, um etwas mehr Licht zu haben. Wir freuten uns über den ungewöhnlichen  Glanz der vielen kleinen Kerzen Bei dem Verlassen der Kirche sagte eine Frau ganz bescheiden dem Pfarrer: „Danke für den Güttesdienst“, und fügte zögernd hinzu: „Einen etwas wärmeren Raum hätte ich mir doch gewünscht.“ Das brachte uns alle zum Lächeln.

In dieser Ausgabe unserer Kirchenzeitung ist vieles über die Wahl der Kirchengemeinderäte zu lesen die zur Zeit in allen Kirchengemeinden stattfinden oder demnächst stattfinden werden. Die Kirchengemeinderäte sind es, die  Wärme in die Kirchen bringen, wobei ich nicht nur an die elektrisch betriebenen Kirchenheizungen denke, sondern auch an das ganze Gemeindeleben so, dass sich jeder wohl fühlen und geistlich wachsen, und dass die Gemeinde das Licht in die Umgebung ausstrahlen  möchte. Doch leider hören wir ab und an, dass manchen in den Kirchengemeinderäten die Motivation und Freude für ihren Dienst fehlt, und dass so mancher diesen Dienst nur ungern übernimmt. In seinem Beitrag erläutert Pfarrer Dzintars Laugalis, der Leiter der Abteilung für Angelegenheiten der Kirchengemeinden im Oberkirchenrat, den Ablauf der Wahl, und was dabei an Bestimmungen und Terminen zu beachten ist, Doch allem anderen voran geht auch bei ihm der Aufruf zur Fürbitte um Weisheit, zu erkennen, welche Menschen die Gaben und das Geschick für diesen Dienst haben, und die sich nicht durch persönliche Interessen, Sympathien oder Antipathien leiten lassen.

Am 8. Februar beginnt in unserer Kirche die Vorfastenzeit. Im Evangelium hören wir das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg. (Matthäus 1-16a). Wie sehr entspricht es doch auch der Wahl der Kirchengemeinderäte! Hoffen wir, dass wir nicht zu denen gehören, die darüber murren und unzufrieden sind, dass der Herr gütig ist, sondern die ihren Dienst mit Freude und Dankbarkeit dafür verrichten, dass wir berufen und auserwählt sind.

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In den Kirchengemeinden finden die Wahlen der Kirchengemeinderäte, der Revisoren und der Kirchengemeindevorstände statt. Ingrīda Briede

Im Augenblick haben wir in unserer Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands eine spannende Zeit: es finden die Wahlen der Kirchengemeinderäte, der Revisoren und der Kirchengemeindevorstände statt. In vielen Gemeinden haben sie bereits stattgefunden, und in vielen bereitet man sich noch darauf vor. Wir haben den Leiter der Abteilung für Angelegenheiten des Geistlichen  Personals und der Kirchengemeinden in der ELKL Pfarrer Dzintars Laugalis gebeten, uns etwas über die Aktualitäten und das Wesentliche bri der Wahl der Kirchengemeinderäte zu berichten.

Zuerst erinnert Dzintars Laugalis daran, dass eine Gemeindeversammlung der Kirchengemeinde die Bestimmungen des Kirchengemeindegesetzes bestätigen muss. An manchen Orten herrscht Unverständnis darüber, weshalb diese Bestimmungen immer wieder zu bestätigen sind, auch wenn sie sich nicht geändert haben. Doch das ist ein Text, den die Synode in dieser Fassung beschlossen hat, und den wir nicht ändern können. Da die Kirchengemeinden einen öffentlich rechtlichen Status haben, ist das notwendig, um den staatlichen Voraussetzungen im Blick auf das Registrierungsverfahren zu entsprechen. Zur Zeit werden die Kirchengemeinden  im Register der Unternehmen in der Republik Lettland aufgenommen, sie werden also nicht, wie früher in der Verwaltung für Angelegenheiten der Religion registriert. Das erfordert von uns einen größeren bürokratischen Aufwand, aber wir müssen das alles beachten.

Die Kirchengemeinderäte und die Revisoren werden von den Gemeindegliedern in einer Gemeindeversammlung gewählt. Demgegenüber wird der Kirchengemeindevorstand von den Mitgliedern des Kirchengemeinderates aus ihrer Mitte gewählt. Damit das alles mit Erfolg geschähe, empfehlen die Mitglieder der Abteilung für die Angelegenheiten der Kirchengemeinden, die Bestimmungen und Wahlvorschriften aufmerksam zu lesen und die dort angegebenen Termine zu beachten, welche Beschlüsse bis zu welchem Zeitpunkt zu fassen sind. Die letzten Wahlen der Kirchengemeinderäte haben vor drei Jahren stattgefunden, und deshalb müssen in diesem Jahr fast alle Kirchengemeinderäte neu gewählt werden. Besonderes  Betont werden muss, dass die Wahl der Revisoren besonders stattfinden muss. Diese sind nicht mehr ein Teil des Kirchengemeinderates wie bisher sondern wirken souverän, und werden deshalb besonders, und nicht zusammen mit den Mitgliedern des Kirchengemeinderates gewählt.

Die zur Zeit geltende Verfassung mit den Bestimmungen über die Wahl verfügen, dass die Kirchengemeindenselbst bestimmen können, auf wie lange Zeit ein Kirchengemeindevorstand gewählt worden ist. Diese Zeit kann von 3 bis 7 Jahren lang sein, in Ausnahmefällen darf sie mit der Genehmigung de Propstes auch zwei Jahre lang sein. Hat eine Kirchengemeinde über die Länge der Wirkungszeit eines Kirchengemeinderates keinen eigenen Beschluss gefasst, dann wird er auf drei Jahre gewählt, wie es bisher üblich war. Ebenso beschließt die Kirchengemeinde, aus wie viel Gliedern der Kirchengemeinderat und die Revisionskommission besteht. Der Kirchengemeinderat muss aus mindestens zehn Personen bestehen, in besonderen Fällen dürfen es mit schriftlicher Genehmigung des Propstes weniger sein. Die Revisionskommission muss aus mindestens zwei Personen bestehen. Der Leiter und der Schatzmeister einer Kirchengemeinde dürfen miteinander nicht nahe verwandt sein und auch zu keinem Mitglied der Revisionskommission in einem verwandtschaftlichen Verhältnis stehen. Die Tätigkeit der Revisoren regeln die von der Synode herausgegebenen Bestimmungen über Revisionen. Sind diese nicht im Besitz einer Kirchengemeinde, dann sind sie in der Abteilung für Angelegenheiten der Kirchengemeinden zugänglich. Ein Pfarrer einer Kirchengemeinde ist automatisch auch Glied des Kirchengemeinderates und Kirchengemeindevorstandes., deswegen braucht er nicht in den Kirchengemeinderat gewählt

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zu werden. In außerordentlichen Fällen darf er seine Zustimmung geben, Gemeindeleiter zu sein, was aber nicht wünschenswert wäre.

Wichtig ist, zu beachten. dass in jeder Kirchengemeinde zwei Gemeindeversammlungen stattfinden müssen. Die erste von ihnen musste bereits 2008 stattfinden. Diese musste bestimmen:

  • wie lange der nächste Kirchengemeinderat im Amt bleibt;
  • wie groß der nächste Kirchengemeinderat sein wird;
  • wieviele Revisoren die Kirchengemeinde haben wird;
  • wählt eine Nominierungskommission, welche die Auslese der Bewerber für die Wahl des Kirchengemeinderates trifft. Die Nominierungskommission soll auch Menschen für den Dienst in der Kirchengemeinde motivieren. Die Kommission kann unterschiedlich groß sein. Auf jeden Fall muss ihr der Pfarrer der Gemeinde angehören

Der Nominierungskommission einer Kirchengemeinde ist eine Zeit von mindestens zwei Monaten einzuräumen zum Ansprechen von Bewerbern für das Amt des Kirchengemeinderates und zum Erstellen eines Verzeichnisses der Bewerber., das spätestens einen Monat vor der Wahl der Kirchengemeinde vorliegen und ihr vorgestellt werden  muss. Das geschieht durch Bekanntgabe auf dem Anschlagsbrett. und Falls ein solches nicht vorhanden ist. durch mündliche Vorstellung in Gottesdiensten und Gemeindeveranstaltungen. Das Verzeichnis muss mindestens so viele Namen enthalten wie viele Mitglieder der neue Kirchengemeindevorstand laut Beschluss der Gemeindeversammlung haben soll. Ohne die Empfehlung der Nominierungskommission kann kein Gemeindeglied Bewerber für den Kirchengemeinderat werden. Doch Gemeindeglieder können auch ihre eigenen Bewerber vorschlagen oder auch selbst ihre Bereitschaft aussprechen, im Kirchengemeinderat mitzuarbeiten. Es ist gut, wenn es mehr Bewerber gibt als zu wählende Mitglieder.

Die Mitarbeiter der Kommission für Angelegenheiten der Kirchengemeinden haben festgestellt, dass ein bedeutender Teil der Gemeindeversammlungen noch nicht stattgefunden hat, und damit ein großer Teil dieser Voraussetzungen noch nicht erfüllt ist. Durch Beratungen mit dem Leiter der Unterabteilung Verfassungsrecht der Rechtskommission Linards Rozentāls  und nach einer Diskussion der gegenwärtigen Lage im Kapitel unserer Kirche wurde eine Lösung gefunden. Gemeinden, in denen bisher noch keine Gemeindeversammlung durchgeführt haben, dürfen in diesem Jahr beide Gemeindeversammlungen halten. Dabei ist zu beachten, dass zwischen beiden Versammlungen eine Frist von mindestens drei Monaten einzuhalten ist. Ist die Frist zwischen der Einberufung beider Gemeindeversammlungen  länger als es die Amtszeit des alten Kirchengemeinderates zulässt, muss der Kirchengemeinderat den Propst darum bitten, dass es für die Übergangszeit einen vorläufigen Kirchengemeindevorstand einsetzt.

Dieser vorläufige Kirchengemeindevorstand nimmt die Rechte des Kirchengemeinderates und des Kirchengemeindevorstands wahr. Hierbei steht die Kommission für Angelegenheiten der Gemeinden beratend zur Verfügung.

Der jetzige Kirchengemeinderat setzt den Termin für die Gemeindeversammlung , in der die Wahl stattfindet, fest. Sie muss drei Monate vor dem Ablauf der Amtszeit des alten Kirchengemeinderates stattfinden. Derm Kirchengemeinderat muss seine Beschlüsse dem Propst zur Kenntnis geben, Für die Vorbereitung der Wahl ist der Kirchengemeindevorstand zuständig.

In der zweiten Gemeindeversammlung findet die Wahl des neuen Kirchengemeinderates und der Revisionskommission statt. Die Wahl ist geheim. Jedes Gemeindeglied erhält zwei  Wahl-

scheine – einen für die Wahl des Kirchengemeinderates und einen für die Wahl der Revisionskommission. Positiv formuliert: Jeder Wähler kann so viele so vielen Bewerbern

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seine Stimme geben, wie hoch die Zahl der Sitze war, welche sie Gemeindeversammlung davor beschlossen hatte. Negativ formuliert:  Der Wähler streicht Namen von Bewerbern aus der Liste, so dass auf dem Wahlschein nicht mehr Namen unausgestrichen blieben als für die Wahl zum Kirchengemeinderat notwendig sind. Man kann auch noch mehr ausstreichen, aber nicht weniger.

Falls ein Bewerber bei der Wahl nur ganz wenige Stimmen erhalten hat, dann sollte er überlegen, ob es sich für ihn lohnt, unter diesen Voraussetzungen im Kirchengemeinderat mitzuarbeiten. Dennoch möchte ich darauf hinweisen, dass die Verfassung und die Wahlbestimmungen ihm die Möglichkeit eröffnen, auch in diesem Fall  im Kirchengemeinderat mitzuarbeiten.

Mit dem Tage seiner Einführung, die im Rahmen eines Gottesdienstes stattfindet, übernimmt der neue Kirchengemeinderat alle Rechte und Pflichten. Bis dahin bleibt der alte Kirchengemeinderat noch im Amt.

Dzintars Laugalis ruft alle auf, sich an der Wahl des Kirchengemeinderates aktiv zu beteiligen und für das Gelingen der Wahl zu beten, sowie bei der Stimmabgabe zu überlegen, welcher Bewerber für die Mitarbeit im Kirchengemeinderat am besten geeignet ist.. Er bittet auch alle Gemeindeglieder, ihre Mitarbeit  im Kirchengemeinderat nicht zu verweigern, sowie diejenigen, die sich für diese ehrliche und verantwortungsvolle Arbeit zur Verfügung gestellt haben, zu achten und für sie zu beten.

Alvīne Ūbele aus Ķegums ist 100 Jahre alt geworden. Silvija Grunte, Ev.-luth.       Kirchengemeinde Ķegums

Alvīne Ūbele, Glied der ev.-luth. Kirchengemeinde Ķegums ist 100 Jahre alt geworden. Nicht einfach 100 Jahre, sondern 100 Jahre eines Christenmenschen! Bereits seit dem  5. Februar 1909, als sie in eine Familie von Christen hineingeboren  wurde, war sie Gemeindeglied der Kirchengemeinde Krustpils, wo sie auch in der dortigen Kirche getauft, konfirmiert und 1940 mit Kārlis Ūbelis getraut wurde.

Doch ihre Lebensjahre danach sind ständig mit Ķegums verbunden. Dort gab es zwar keine Kirchengemeinde und kein Gotteshaus; deshalb schloss sich Alvīne der Kirchengemeinde in Lielvārde an, wo ihr Töchterlein Elga 1943 auch getauft wurde. Nach dem Krieg, als es zur Zeit der sowjetischen Besatzung für Christen bedeutete, Repressalien unterworfen zu sein, wurde die Kirche von Lielvārde zugenagelt, die wunderschönen Farbfenster ein geschlagen, und die Kirchengemeinde löste sich auf. Nur in der Kirche in Ogre, fast im Untergrund, fanden zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten Gottesdienste statt, zu denen Alvīne mit ihren christlichen Freundinnen immer anreisten, obwohl diese zu keiner Zeit und an keinem Ort bekannt gemacht wurden. Der langjährige Gemeindeleiter der Kirchengemeinde Ogre bewachte sie Kirche, und sorgte dafür, dass die Gemeindeglieder mindestens an den Festen Gott in ihrem Gotteshaus anbeten konnten. Das war eine demütigende und schwere Zeit für alle, die sich nicht den Gesetzen der Prediger des Atheismus unterwerfen wollten. Erst am Ende der 80er Jahre entstand die Kirchengemeinde Ogre unter Pfarrerin Sarmīte Fišere wieder neu. Alvīne, die inzwischen schon ein ehrwürdiges Alter erreicht hatte, konnte nun frei von Angst zur Kirche fahren. Eine große Freude war es für die christliche Greisin, als in Ķegums eine eigene Kirchengemeinde gegründet wurde, deren Gemeindeglied auch Alvīne seit 18 Jahren ist . Lange Jahre ließ sie keinen einzigen Gottesdienst aus. Erst jetzt, da sie seit über einem Jahr es nicht mehr schafft, die Treppe zum Gottesdienstraum im ersten Stock hinaufzusteigen, reicht ihr der Pfarrer regelmäßig das Abendmahl zu Hause. Mit Ungeduld erwartet Alvīnchen den Tag, an dem der angefangene Bau der Kirche von Ķegums fertig

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geworden ist und die Gottesdienste dort stattfinden können. Dann möchte sie wieder inmitten der betenden Gemeinde sein. Wenn man das ungewöhnlich muntere und stets lächelnde Frauchen fragt, welches das Geheimnis ihres ungewöhnlich langen Lebens sei, dann ist ihre Antwort äußerst kurz: „Arbeit und Gottes Gnade!“ Ja,  das Abendgebet und der Dank am Morgen sind der Abschluss und der Beginn ihres Tages. Sie hat immer bescheiden nach Gottes Geboten gelebt: „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu!“ Dadurch ist es ihr gelungen, nur Freunde und Menschen zu gewinnen, die ihr wohlgesonnen sind, und ihre Tochter Elga zu erziehen, die ebenso wie ihre Mutter ein aktives Gemeindeglied ist und ihrer Mutter eine gute und liebevolle Tochter. Auch wenn die Brust von Alvīne nicht mit prächtigen Orden und Auszeichnungen geschmückt und sie von irdischem Reichtum umgeben ist, ist sie glücklich und zufrieden, denn ihr Herz ist tiefer als ein Brunnen und ihr Gedächtnis reicher als eine Kornkammer.

Möge die Gesundheit, mit der Gott Alvīne ihr Leben lang reich gesegnet hat, sie weiterhin vor Krankheiten und Schmerzen bewahren!

Begegnung, um einander kennen zu lernen und lieb zu gewinnen. Santa Venta

Vor Seiner Kreuzigung bat Christus in Seinem Hohepriesterlichen Gebet um die Einheit der Christes: „Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen sie in uns eins sein.“ Der Apostel Paulus erinnert unentwegt an die Notwendigkeit. eins zu sein: „Ein Herr, eine Taufe, ein Glaube.“ Die okumenischen Konzile und die Kirchenväter waren um die Einheit der Kirche und  der Christen sehr besorgt. Und dennoch ist mehr als 2000 Jahre danach der Leib Christi, die Mutter Kirche gespalten und aufgeteilt. Gleichzeitig muss aber auch anerkannt werden, dass gerade im 20. Jahrhundert große Schritte bei dem ökumenischen Dialog, auf dem Gebiet der Einigkeit, der Organisation und gemeinsamer Veranstaltungen getan worden sind, und es wurden zu Beginn des 21. Jahrhunderts entscheidende Schritte bei der Fortsetzung dieses Weges getan. Einer dieser Schritte auf dem Wege zur Einheit ist die internationale Gebetswoche für die Einheit der Christen, die in jedem Jahr vom 18. bis zum 25. Januar begangen wird.

In einem Artikel anlässlich dieser Gebetswoche im Jahr 2009 betrachtet die okumenische Zeitschrift „Was uns vereint“ die Frage, was die Kirche ist, und versucht darin die Antwort zu finden, ob die Christen, wenn sie alle Kinder eines Vaters sind, auch die Kinder der einen Mutter Kirche seien. Um dem Zitat aus der oekumenischen Zeitschrift „Um einander lieb zu gewinnen, muss man sich kennen lernen, und um einander kennen zu lernen, muss man sich treffen“ zu folgen veranstaltete die Neue St, Gertrudgemeinde in Riga zusammen mit der Redaktion jener Zeitschrift am 21. Januar einen Gottesdienst, an dem Vertreter aller vier traditionellen Konfessionen Lettlands teilnahmen.

Die Neue St. Gertrudgemeinde kann auf einen großen Schatz aus dem Gebiet der ökumenischen Zusammenarbeit zurückgreifen. Dabei spielen die Erfahrungen, die Pfarrer Jānis Ginters selbst seit der Zeit der kommunistischen Verfolgung gemacht hatte, eine wichtige Rolle. Damals waren die wenigen Christen miteinaner bekannt, und in der Jugend geknüpfte Verbindungen sind sehr ausdauernd. Pater Zbigņevs ist vor kurzem aus Rom zurückgekehrt und sehr besetzt dadurch dass er die Alpha Kurse der Neuen St. Gertrudgemeinde mit leitet. Am Ende dieser Woche sagte er: „Hätte es diese Freundschaft von mehr als 20 Jahren nicht gegeben, hätte ich dem nie zugestimmt, eine Arbeit außerhalb meines unmittelbaren Dienstbereiches zu übernehmen.“

Ebenso sagten Oberpriester Nīls Druvaskalns, Diakon Gunārs Konstantinovs und Kapuzinerfrater Aldis Ziemelis, dass sie wohl kaum an den Veranstaltungen in der Neuen St. Gertrudgemeinde teilgenommen hätten, wenn es diese ganz alten Bindungen mit dieser Gemeinde nicht gegeben hätte. Es fing mit den ökumenischen Kontakten der Neuen St.

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Gertrudgemeinde zu den benachbarten Gemeinden an – mit der orthodoxen Himmelfahrtsgemeinde mit Vater Nīls  Druvaskalns,  der katholischen Christ König Gemeinde mit Pater Edvards Pavlovskis. So überrascht der Besuch bestimmter ökumenischer Brüder und Schwestern in der Neuen St. Gertrudgemeinde keinen mehr.. Immer häufiger kann man in der Gemeinde Augenblicke erleben, die einen in den Vorhof des Paradieses versetzen, wie das auch am 21. Januar der Fall war, als alle an Christus Glaubenden miteinander vereint waren. Zum Gottesdienst am 21. Januar waren alle eingeladenen ökumenischen Gäste gekommen: Oberpriester N. Druvaskalns, Pater Andris Priede, Pfarrer Olegs Jermulajevs, die ökumenischen Partner aus der Christ König Gemeinde, die ökumenischen  Freunde  Pater Andris Kravalis, Diakon Gunars Konstantinovs, die Karmelíter- und Dominikanerschwestern und Kapuzinerbrüder.

Nach dem Gottesdienst blieb die Gemeinde auf Einladung des Diakoniekreises der Kirchengemeinde im Diakoniezentrum zu einem Gemeinschaftsmahl zusammen, bei dem es auch die Möglichkeit des Erfahrungsaustausches im Blick auf die ökumenische Bewegung in Lettland gab. Leider konnte der „Patriarch“ der ökumenischen Bewegung Sandris Riga an dieser Veranstaltung nicht teilnehmen, in der Pater Z. Stankēvičs über die erste Welle der Bewegung berichtete, die von der Obrigkeit verfolgt und durch Verhaftungen begleitet wurde, die auf das Jahr 1983 zurückging. Alles musste geheim geschehen. Nach 1987  erlebte die Bewegung ihre Wiedergeburt und ihre „zweite Welle.“  Während dieser Zeit nahm auch Sandra Gintere an den Treffen der von dem aus der Gefangenschaft entlassenen Sandris Riga und Zigņievs geleiteten Gruppe teil. Die Aktiven dieses ökumenischen Kreises kamen mit den jungen lutherischen Pfarrern und ganz besonders mit der Bewegung „Wiedergeburt und Erneuerung“ in engen Kontakt. Andra Done hat wiederum einen anderen Weg beschritten  Als sie die zweite Ausgabe ihrer ökumenischen Zeitschrift „Was uns eint“ in der Bibliothek der Luther Akademie vorbereitete, erfuhr sie von dem ökumenischen Kreis von Sandris Riga.                                                                                                                           Der Gottesdienst am 21. Januar und das Beisammensein in der Gemeinschaft danach machten noch einmal deutlich, dass es dort, wo die Kirche – der Leib Christi – gespalten ist, auch Christen gibt, denen das sehr weh tut, und die bereit sind, sich für die Einheit einzusetzen. Christi Hohepriesterliches Gebet mit der Bitte „auf dass sie alle eins seien“ ist eins der grundlegenden Gebete. Sandris Riga hat das Gebet für einen ökumenischen Rosenkranz gestaltet. Es ist aktuell und wird aktuell bleiben, solange Christen noch an getrennten Tischen das Brot brechen werden. Die Einheit unter den Christen wird auch „auf höchster Ebene“ bei den Kirchenleitungen  gesucht im Dialog zwischen dem Lutherischen Weltbund und dem päpstlichen  Einheitssekretariat. Der Rat Europäischer Kirchen (Vereinigung protestantischer und orthodoxer Kirchen)   und der Europäische Bischofsrat haben 2001 die Europäische Charta unterzeichnet wo es in § 1 heißt, dass die Eucharistische Gemeinschaft das Ziel der ökumenischen Zusammenarbeit sei. Dabei muss auf den Gebieten weiter kooperiert werden, bei denen die Einigung erreicht worden ist. Solche Gottesdienste wie der am 21. Januar ist dafür ein gutes Beispiel und ein wichtiger Schritt  auf dem Wege zur Einheit auf der Ebene der Gemeinden vor Ort, um sich zu begegnen, kennen und lieben zu lernen, wie Christus uns geliebt hat.

Chefredakteurin: Inga Reča

Anschrift der Redaktion: Alksnāja iela 3 .- Riga- LV 1050

E-Mail-Adresse: svetdienasrits@apollo.lv

Übersetzung: Johannes Baumann (abgeschlossen am 25.2.2009)

Brucknerstr. 24.-  D-27711 Osterholz-Scharmbeck

Telefon: 04791-13356

E-Mail-Adresse: baumann-ohz@arcor.de

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