Verfasst von: liefland | März 28, 2009

Ausgabe Nr. 12 (1791) vom 28. März 2009

Seid dankbar in allen Dingen.                     1. Thessalonicher 5,18.

Auszüge aus Svētdienas Rīts, Zeitung der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, herausgegeben von ICHTYS GmbH, erscheint seit Januar 1920.

Sonntag Judika        Ausgabe Nr. 12 (1791)  vom 28. März 2009

Spalte der Chefredakteurin

Siehe, es ist alles neu geworden! Inga Reča, Chefredakteurin von „Svētdienas Rīts“

In dieser Woche habe ich bei meinem Weg zur Arbeit einmal eine andere Strecke benutzt, schaute nach oben und bemerkte, dass an einer Stelle in einem Hof  ein Haselnusstrauch blühte!

Am gleichen Tage brachte eine Kollegin aus ihrem kleinen Garten an ihrem Hause die ersten Schneeglöckchen mit. Leider hatten wir in der Redaktion keine so kleine Vase, dass wir die winzigen Blüten dort hineinstecken konnten.

Die Stunden des Tages vergingen. Hier konnte man lernen, dass, obwohl in der Nacht  der Schnee gefallen ist, er jetzt von den Sonnenstrahlen abgelöst wird, und dass es brrrr immer noch so kalt am Morgen ist.

Winzig kleine, gar nicht überzeugende und unauffällige Boten, die jedoch jedem von uns deutlich machen, dass etwas unabwendbar geschehen ist : der Frühling ist da. In der Natur wiederholt sich alles wie zum ersten Mal – die Keime treiben frisch und grün durch das Gras des vorigen Jahres.

Auch der Mensch wünscht sich etwas Neues! Und sei es, dass er die Fenster putzt. Und siehe da – der Blick auf den gewohnten Hof ist plötzlich anders geworden! Den Schrank reinigen, die Winterkleidung verpacken, dass sie nicht mehr so auffällt.

Auch der Mensch möchte anders werden, er möchte in diesem Frühjahr etwas neues haben – neue Eindrücke, neue Gefühle, neue Entdeckungen. Jeder kann etwas anfangen, was er noch nie getan hat. Oder auch – was er schon längst gewollt hatte, aber wozu ihm bisher der Mut und der Unternehmergeist gefehlt hatte. Turnen, Kresse säen, Tango tanzen, die Bibel lesen, Gottes Wort betrachten (in dieser Ausgabe setzen wir die Diskussion über christliche Meditation fort!), in den Wald gehen und sich dort einzuleben lernen (siehe den sofort folgenden Beitrag über die christlichen Pfadfinder) oder in die Politik wechseln (siehe den Beitrag über die Christen und die Politik ab Seite 3), oder vielleicht zum ersten Mal zur Einzelbeichte zu gehen? Und nicht nur den Auferstehungsbericht lesen, sondern auch glauben, dass Christus gerade für mich gelitten hat, gestorben und auferstanden ist. Das ist die Grundlage für jede unserer Möglichkeiten, in diesem Frühjahr neu zu werden.

In Lettland gibt es auch christliche Pfadfinder. Ingrīda Briede.

Über die vor Kurzem wieder entstandene Organisation der christlichen Pfadfinder berichtet das Mitglied dieser Organisation Pfarrer Didzis Skuška

Weshalb hat sich diese Organisation wieder neu gebildet?

Neulich ist die Organisation der christlichen  Pfadfinder Lettlands wieder neu entstanden. In Lettland gab es immer und gibt es weiterhin die Organisation der christlichen Scouts und Guides mit  vier Einheiten – in Riga, Jelgava, Kuldīga und Dobele, die jetzt die Ersten sind, welche die Organisation der christlichen Pfadfinder bilden. Es hat keine Spaltung gegeben, denn die einen sind ebenso Pfadfinder wie die anderen. Auch weltweit gibt es in der Pfadfinderschaft die Tendenz, sich abzusondern. Bereits während der letzten Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts gab es bei den Pfadfindern in vielen Ländern der Welt die Ansicht, dass das heute gepflegte Pfadfindertum sich zu sehr modernisiert und immer weiter von dem entfernt hätte, was Lord Baden-Powell einst vorgeschwebt ist und sich jetzt wie ein Häuflein von Touristen gebärdet und sich zu einer unabhängigen Pfadfinderorganisation zusammen-

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geschlossen hat, die sich im Grunde für diese Tradition und die Bewahrung ihrer ursprünglichen Prinzipien einsetzen möchten, welche aber heute schrittweise in Vergessenheit geraten sind.

Zu Beginn der Pfadfinderschaft im freien Lettland zwischen beiden Weltkriegen stand an dessen Spitze General Goppers, und ihm zur Seite Pfarrer Maldonis. Daher ist Lettland der

Pfadfinderschaft auch historisch eng verbunden.

Während der letzten Jahre ist die christliche Pfadfinderbewegung in Lettland zahlenmäßig sehr zurückgegangen. Eine der Antworten auf die Frage, weshalb das geschehen ist, lautet: Es fehlte an Gottes Segen. Wenn auch im Gelübde der Pfadfinder Gott das erste Wort ist, wird das im Alltag nicht beachtet und mehr als etwas Symbolisches betrachtet und vielleicht am St. Georgstag aus der Schublade gezogen und bei einer Fahnenweihe benutzt. Andere Pfadfinder betrachten sich als Anhänger der altlettischen Götter und vertreten sehr verschiedene Ansichten. Deshalb haben wir uns der Weisheit Salomos angeschlossen: Menschen, welche die Dinge aus christlicher Perspektive betrachten möchten, betrachten Gott, wenn sie von ihm sprechen, nicht symbolisch, sondern als den wahren Gott, der sich in Christus offenbart hat. Deshalb haben sie die christliche Pfadfinderschaft in Lettland gegründet und sind aus der vorhin erwähnten unabhängigen Pfadfinderschaft ausgetreten. Das bedeutet nicht eine grundsätzliche Trennung. Denn Lager und andere Veranstaltungen werden nach wie vor oft gemeinsam durchgeführt, und wir hoffen, dass das weiter so bleiben wird, aber es gibt Gebiete wie die der Verwaltung und der inneren Ordnung, sowie Fragen des Glaubens, die wir selbst beantworten müssen.

Zusammenarbeit mit der lutherischen Kirche.

Weltweit sind die katholischen, lutherischen und anderen christlichen Pfadfindereinheiten gewöhnlich mit ihren Gemeinden eng verbunden, selbstverständlich auch mit deren Sonntagsschulen. In Lettland gab es die merkwürdige Situation, dass die Pfadfinder gewöhnlich nirgendwo hingehörten. Sie kamen und gingen und arbeiteten mit der Kirche und den Gemeinden zusammen, wenn die Gelegenheit es ergab. Di Absicht der neuen Organisation ist eine enge Zusammenarbeit mit der Kirche, vor allem mit der ELKL. Pfadfinder sind weder eine Sonntagsschule noch erteilen sie Konfirmandenunterricht. In den Lagern finden Andachten statt, wird aber das Heilige Abendmahl nicht gefeiert, es wird der Dreifaltige Gott angebetet, und jeder, der einem christlichen Bekenntnis angehört, nimmt an dessen Leben teil. Wir arbeiten eng mit der ELKL zusammen, denn es hat sich herausgestellt, dass die jetzigen Führer der Pfadfinder Lutheraner sind. Auch ich bin lutherischer Pfarrer, und ich hoffe, dass sich uns bald auch andere Amtsbrüder anschließen werden, welche die großartigen Möglichkeiten erkannt haben, Kinder und Jugendliche interessant und mitreißend anzusprechen, besonders die Jungen. Wenn wir unsere Sonntagsschulen und Jugendkreise betrachten, dann sind die Mädchen in der Mehrheit. Aber hier haben wir die Möglichkeit, heranwachsende junge Männer anzureden mit Dingen, die sie für das Leben brauchen  und die ihnen nützlich sind. Ein Zweig der Arbeit ist die Ausbildung leitender Pfadfinder. Diese Arbeit geschieht in Gruppen von 6-8 Leuten, was bedeutet, dass man sich von vorne herein an die Zusammenarbeit im Team gewöhnt. Dabei geht es nicht nur um das Verhalten im Walde, um Erste Hilfe, Aufbau des Lagerfeuers und andere „Weisheiten“ des Waldes, sondern auch um die Kenntnis der Geschichte Lettlands, die Fähigkeit, mit der lettischen Fahne umzugehen, ihr die Ehre zu geben, sie richtig zusammenzufalten. Wenn jemand zu den Pfadfindern kommen möchte, muss er eine Aufnahmeprüfung bestehen. Dann legt der künftige Pfadfinder sein Gelübde ab, erhält seine Uniform und wird Pfadfinder. Es gibt nicht nur männliche, sondern auch weibliche  Pfadfinder

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Die Pfadfinder sind eine Organisation von Freiwilligen. Ihre Führer bekommen kein Gehalt. Es ist ein Dienst in der Freizeit, bestimmt durch Vaterlandsliebe und den christlichen Glauben.

Die Pfarrer und die Pfadfinder

Mit den Pfadfindern kam ich zum ersten Mal in der St. Annengemeinde in  Kuldīga in Berührung. Dort erfuhr ich, dass es seit 1989 in Kuldīga eine der ersten neu entstandenen Einheiten der Pfadfinder gäbe, die eng mit der St. Annengemeinde zusammenarbeitet, wo damals Modris Plāte als Pfarrer wirkte. Der Führer war damals Jānis Obodņikovs. Doch später lösten sie sich von der Gemeinde und blieben für sich. Als ich meinen Dienst in Kuldīga begann, bat ich die Pfadfinder, zur Gemeinde zurückzukehren und mit ihr wieder zu kooperieren. Ich ging auch zum Erzbischof und fragte ihn, ob ich in dieser Organisation einer der Führer sein dürfte, denn so könnte ich mit ihnen besser zusammenarbeiten und sie ansprechen. Zur Zeit bin ich in dieser neuen Organisation derjenige, der in geistlichen Fragen berät, wie man die Botschaft an Kinder weiter gibt. Auch habe ich ein Programm erstellt, das kein Programm für den Religionsunterricht oder für die Sonntagsschule sein möchte, sondern sich ganz besonders an die Pfadfinder wendet. Es besteht aus fünf Kapiteln und machen Aussagen über Gott und das Leben mit Gott. Ich halte auch Andachten

Die Pfadfinder und der Kirchentag

Richtig „life“ kann man uns Pfadfinder auf dem Kirchentag in  Valmiera erleben  Pfadfindertum ist eine Lebensweise, und jemand, der sie nicht kennt, kann sie auch durch Erzählungen und Berichte nicht kennen lernen. Daher  wird es im Walde von Valmiera ein Zeltlager geben, in dem wir wohnen werden, und das wir davor auch aufgebaut haben, damit wir unsere Arbeit vorstellen können, welches unsere Kenntnisse und Fertigkeiten sind, die wir an andere weitergeben können. Die Besucher können alles selbst versuchen, besichtigen und befühlen. Es wird auch Hindernisse geben und Tests. Die Pfadfinderbewegung ist eine gute und gesunde Alternative zum Herumsitzen vor dem Computer und dem Herumhocken in Räumen.

Ein Lager im September

Im September findet ein Lager statt, bei dem jeder Interessierte die Pfadfinderschaft kennen lernen und selbst erproben  kann. Dieses Lager an einem langen Wochenende sieht vor: Morgens Hissen der Fahne, Abends Einholen der Fahne, Nachtwache am Lagerfeuer, und außerdem soll jeder ohne große Worte eine Vorstellung über uns bekommen. Wir veranstalten dieses Lager in der Hoffnung, dass wir damit die Leute und Pfarrer aus unseren Gemeinden ansprechen können,  welche die Jugendarbeit als ihre Aufgabe betrachten. Auch laden wir alle ein, die sich für ein Leitungsamt bei den Pfadfindern interessieren. Wir können dafür Ausbildungsmaterial zur Verfügung stellen.

Wir hoffen dass sich aus dem allen eine noch engere Zusammenarbeit mit unseren Gemeinden entwickelt und sich die Pfadfinderschaft  noch weiter im Lande ausbreitet.

Christlicher Glaube und westliches Denken. Sandra Gintere

In der jüngsten Zeit  der politischen Krise ist die uralte Frage nach der Beziehung zwischen dem christlichen Glauben und der Politik erneut hochgekommen. Diese Situation stellt die Fragen nach der Rolle und der Stellung des Glaubens im gegenwärtigen politischen System sowohl an Christen als auch an Ungläubige. Kommt es Christen zu, sich an der Politik zu beteiligen? Haben ungläubige leitende Persönlichkeiten des Staates mit dem christlichen Glauben zu rechnen? Den Anlass für diese Überlegungen bot eine Konferenz, die von dem Akademischen Club in Erinnerung an die de jure Anerkennung der am 21, Januar 1921 erreichte Unabhängigkeit veranstaltet wurde.

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Zweifellos haben sich in jüngster Zeit die Angriffe auf den christlichen Glauben wieder verstärkt, unter der unüberhörbaren Betonung des Standpunktes, dass es der Gesellschaft besser ginge, wenn sie sich von den letzten Überresten des Christentums befreien würde. Dem stimmt sogar die Mehrheit jener Atheisten zu, die zugeben, dass der christliche Glaube tatsächlich die westliche Gesellschaft, deren Institutionen und Wertvorstellungen  zu dem gemacht hat, was sie ist, ist aber der Ansicht, dass wir jetzt, da wir alles haben, auch ohne Gott existieren können.

Gleichzeitig gibt es Christen, die auch im Rahmen der Öffentlichkeit energisch dieser Ansicht widersprechen und ihre Ansichten und Überlegungen auch begründen. Eine der eindrucksvollsten Publikationen der jüngsten Zeit  auf diesem Gebiet ist das 2007 erschienene Buch von  Dinesh D’Souzia  (eines Amerikaners indischer Herkunft) „Was ist am christlichen Glauben das Besondere“ (What so great about Christianity), zur Reagan Zeit innenpolitischer Berater und Intellektueller allerhöchsten Ranges, leitender Gestalter der neuen Politik der USA. Er schreibt: „Die populären Versuche, den christlichen Glauben an den Rand zu schieben wie eine Randnotiz in der Geschichte der westlichen  Gesellschaft, und statt dessen eine säkulare (weltliche) Gesellschaft zu errichten ist restlos gescheitert. Weshalb? Weil der christliche Glaube untrennbar mit unseren (westlichen) Werten, Institutionen und sogar mit der Wissenschaft verbunden ist.

Nach meiner Meinung lohnt es sich, sich an das ganz besonders jetzt zu erinnern, da wir vor Kurzem, am 19. Dezember, des 60. Jahrestages der Erklärung der ;Menschenrechte der UN gedacht haben. Das moderne Denken über die Menschenrechte – das Recht auf Feiheit des Gewissens, auf Eigentum, zu heiraten und eine Familie zu gründen, vor dem Gesetz mit allen anderen gleichberechtigt zu sein – diese universellen Rechte sind aus dem christlichen Glauben hervorgegangen und gibt es in keiner Lehre einer anderen Weltreligion. Der christliche Glaube bezieht das von Anbeginn auf alle Menschen.

Der christliche Glaube hat allen westlichen Institutionen und Werten ihre Gestalt gegeben. Im Christentum und unter dessen Einfluss haben sich  auch Begriffe wie Demokratie und Wissenschaft  entwickelt. Die Wurzeln der modernen Wissenschaft liegen  zweifellos im christlichen Glauben. Im Laufe der Weltgeschichte hat es viele Kulturen und Zivilisationen gegeben, aber die moderne Wissenschaft hat sich nur in einer von ihnen entwickeln können – in der westlichen Zivilisation. Die westliche Zivilisation vermochte es, zur Wiege des Wissenschaft zu werden, weil sie sich auf eine Grundidee stützt, die theologisch ist: auf die Annahme, dass das Universum etwas rationales ist und Gesetzen folgt, die menschlicher Verstand entdecken und ergründen kann. Dasselbe betrifft auch die westlichen politischen Institutionen und Werte. Das Christentum hat die Werte der Gesellschaft großgezogen, die auch dem Ungläubigen wertvoll sind: die Achtung des Menschen, des Wertes, der Rechte und der Gleichberechtigung des Menschen vor dem Gesetz.

(Bemerkung des Übersetzers: Im Beitrag folgt  nun ein ausführlicher Rückblick auf die Geschichte der Demokratie von den alten Griechen bis in die Gegenwart. Der Übersetzer nimmt sich die Freiheit, diese lange Passage auszulassen und dort einzusetzen, wo der Anschluss an die Gegenwart gefunden worden ist. J.B.)

Bei den Griechen konnte von der Freiheit nach unserem heutigen Verständnis nicht die Rede sein. Unser Freiheitsbegriff geht von der Freiheit des Individuums aus. Freiheit bedeutet für uns das Recht, seine Meinung offen auszusprechen, sich eine Arbeitsstelle auszusuchen, Eigentum zu kaufen und verkaufen, zu reisen, sein Leben nach eigenen Einsichten zu führen: Das einzige, was wir dabei beachten müssen, sind die gleichen Rechte der Mitmenschen. Das ist die Freiheit, für die zu kämpfen wir bereit sind, und nervös werden, wenn jemand sie uns fortnehmen möchte. Der Gedanke an eine demokratische Verwaltung ist zweifellos

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christlichen Ursprungs, denn er kommt von der Idee der Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz her.

Der erste, der vor der unzerreißbaren Bindung der westlichen Werte mit dem christlichen Glauben gewarnt hatte, war der größte Atheist des Westens, der deutsche Philosoph Friedrich Nietzsche. Einer der Gründe, weshalb Nietzsche die Demokratie gehasst hatte, war, dass er deren enge Nähe zur Religion begriffen hatte. Er schrieb: „Die Begriffe, welche die westliche Zivilisation definieren, haben ihren Ursprung im Christentum. Deshalb, weil anscheinend einige dieser Ideen sich selbständig gemacht haben und ein Eigenleben führen, kann bei uns die Illusion entstehen, dass wir den christlichen Glauben ausklammern können, wenn wir diese Ideen  bewahren möchten. Das ist eine Illusion. Wenn ihr das Christentum abschafft, dann habt ihr auch diese Ideen abgeschafft.“ Nietzsche behauptet, dass, wenn der Gott der Christen die Grundlage aller westlichen Werte ist, man den Tod Gottes auch als den Zerfall und völlige Vernichtung dieser Werte betrachten müsste. Wenn das Fundament zerfällt, dann stürzt allmählich auch das ganze Gebäude ein. Eine Weile, sagt Nietzsche, werden die Menschen  aus Gewohnheit an der Würde des Menschenlebens festhalten und jedem Menschen dieselbe Ehre zusprechen, doch im Lauf der Zeit werden diese Werte ein grausames Ende nehmen.

Es verbleibt uns noch ein Blick auf das Europa unserer Tage, dessen Säkularismus uns seit über 100 Jahren beherrscht, um zu begreifen, wie recht Nietzsche hatte. Zuerst schien es, als würde der Säkularismus die Moral und die sozialen Einrichtungen in Europa nicht beeinflussen. Dennoch ist es heute deutlich zu erkennen, was in der Alten Welt geschieht: Zusammenbruch der Familien, Rückgang der Geburten, Anwachsen der Zahl der Ehescheidungen, immer mehr Kinder werden außerehelich geboren. Ebenso wies Nietzsche darauf hin, dass der Tod Gottes den Zusammenbruch der westlichen Werte bedeutete und damit die Praxis zurückkehrte, die uns einmal unvorstellbar erschien – es gibt wieder die Tötung lebensunwerten Lebens. Genau das, was Nietzsche vorausgesehen hat, geschieht heute wieder und wird immer schlimmer, wenn wir die ständig zunehmende Zahl der Abtreibungen und Euthanasien betrachten. Insgesamt bedeutet die Vertilgung des christlichen Glaubens im Rahmen einer öffentlichen Kirche auch das allmähliche Sterben der Menschenwürde. Die Idee der Gleichberechtigung von ihrem christlichen Ursprung zu trennen – der Schöpfung Gottes, und diese nur in säkularen Prinzipien zu verankern, heißt, die Rolle des Christentums und dessen Bedeutung zu leugnen. Dinesh Souzia weist zu Recht darauf hin, es sei „unvernünftig, sich einzubilden, dass man die Achtung der Menschenwürde ohne die Hilfe der Religion und des Glaubens erlernen könnte.“

In dieser Zeit der politische Krisen und der völlig ungeklärten Situationen wäre es sehr wichtig, dass sich die regierenden Kreise Lettlands, aber noch mehr das ganze lettische Volk

der untrennbaren Verbindung der westlichen  Demokratie mit dem christlichen Glauben bewusst würden. Es ist sehr bedeutsam, dass sich alle Menschen, denen die Grundzüge der westlichen Zivilisation, deren Grundwerte und Ideale etwas bedeuten, sich für die Stärkung des christlichen  Glaubens in ihrem Lande einsetzen. Das ist in dieser Krisenzeit mindestens ebenso wichtig wie während der Zeit des Rückgewinnens der nationalen Unabhängigkeit, damit alle, die davon überzeugt sind, dass westliche Demokratie, Freiheit und menschliche Gleichberechtigung dem lettischen Volk und Staat sehr viel Gutes gebracht haben, unabhängig vom religiösen Bekenntnis der Bürger. Deshalb sollte man nicht an deren Wurzeln, von denen diese Ideen ausgegangen sind,  sägen, sondern sie pflegen. Damit das sowohl im privaten als auch im öffentlichen Bereich möglich würde, müssen wir die zentrale Bedeutung des christlichen Glaubens für alle Dinge erkennen, die uns in der westlichen Gesellschaft so wertvoll sind.

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Wo ist Gott nicht zu Hause?

Als Rabbi Jishak Meier noch ein Knabe war, fragte ihn jemand:

„Jishak, du bekommst von mir einen Gulden, wenn du mir sagst, wo Gott wohnt.“

Er antwortete:

„ Du bekommst von mir zwei Gulden, wenn du mir sagst, wo er nicht wohnt.“

Chefredakteurin: Inga Reča

Anschrift der Redaktion: Alksnāja iela 3 .-

Riga- LV 1050

E-Mail-Adresse: svetdienasrits@apollo.lv

Übersetzung: Johannes Baumann (abgeschlossen am 2. April 2009)

Brucknerstr. 24.-  D-27711 Osterholz-Scharmbeck

Telefon: 04791-13356

E-Mail-Adresse: baumann-ohz@arcor.de

Nachwort des Übersetzers

Dem aufmerksamen Leser und der Leserin, die nichts übersieht, wird es ganz sicher nicht entgangen sein, dass sich Chefredakteurin Inga Reča seit einiger Zeit in ihrer „Spalte der Chefredakteurin“ mit einem netten Gruß an die verehrte Leserschaft zu Worte meldet, in dem sie auf einige Beiträge der nachfolgenden Ausgabe auch hinweist. Das hat sie auch dieses Mal getan. Einige Beiträge wie den über die christliche Pfadfinderschaft in Lettland und den christlichen Glauben und die Politik habe ich übersetzt, mir aber dabei die Freiheit genommen, in Sandra Ginteres Artikel einen sehr langen Ausflug in die Geschichte von den alten Griechen bis zum 19. Jahrhundert fortzulassen. Je älter ich werde, um so unbefangener fange ich damit an, längere Passagen eines Beitrages auszuklammern . Ebenfalls habe ich es mir gestattet, die Beiträge über die Einzelbeichte und die christliche Meditation den treuen Lesern und nachsichtigen Leserinnen vorzuenthalten.

Ich warte gespannt darauf, wann mich die Ausgabe für den Sonntag Palmarum erreicht. Eigentlich habe ich es nicht vor, statt mich in die Komposition einer Vertonung der Passionsgeschichte zu versenken, Stunden des Karfreitags übersetzenderweise am Computer zu verbringen. Doch trotzdem  wünsche ich meiner getreuen Leserschaft eine gesegnete Karwoche mit vielen guten Gedanken, und, falls die Post nicht im erhofften Tempo mich an meiner Haustür mit der nächsten Ausgabe beglückt, ein gesegnetes Fest der Auferstehung unseres Herrn.   J. B.

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