Verfasst von: liefland | Januar 9, 2010

Ausgabe Nr. 1 (1878) vom 9. Januar 2010

Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint jetzt.      1. Joh. 2,8b

Auszüge aus Svētdienas Rīts, Zeitung der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, herausgegeben von ICHTYS GmbH, erscheint seit Januar 1920.

1. Sonntag nach Epiphanias    Ausgabe Nr. 1 (1878)  vom 9. Januar  2010

Spalte der Chefredakteurin der Kirchenzeitung:

Sieh gen Himmel und zähle die Sterne. Inga Reča

Wieder treffen wir uns in einem Neuen Jahr. Mit bloßem Auge können wir erkennen, dass uns Gottes Liebe auch in diesem Jahr nicht allein gelassen hat: Die Zahl der Abonnenten unserer Kirchenzeitung ist nicht zurückgegangen wie bei anderen Zeitungen, die oft einen Rückgang von 30 % zu beklagen haben. Herzlichen Dank Euch, liebe Leserinnen und Leser und treue Abonnenten für Eure Treue, die uns auch eine Verpflichtung auferlegt (aber bestimmt keine Last!), und uns auch zu neuen Ideen beflügelt, die in Beiträgen, Interviews, Diskussionen, Themen und Überlegungen ihr Echo finden werden. Wir wünschen es uns sehr, dass alles bei uns zu einem noch interessanteren und reicher gesegneten Umgang miteinander führen möchte.

„Sieh gen Himmel und zähle die Sterne!“ Dazu ruft uns der Herr auf (1. Mose 15,5). Nach dem Epiphaniastag am 6. Januar leben wir eine Weile in der Epiphaniaszeit. „Sehet auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“ (Lukas 21,28). Mit Hoffnung sehen wir gen Himmel, denn wir wissen, wer kommt. So lasst uns erhobenen und nicht gesenkten Hauptes in das Neue Jahr 2010 hineingehen.

Pfarrer erhalten ihr Amtskreuz.                  Ligita  Ābolniece

In der Adventszeit überreichte der Bischof der Diözese Daugavpils zwei Geistlichen ihr Amtskreuz.: Dem Hilfspfarrer der Kirchengemeinden Ilūkste, Laši und Subate Andrejs Bāliņš, und dem Hilfspfarrer der Kirchengemeinden Kalupe und Līvani Gunars Vaniņš.

A. Bāliņš erhielt sein Amtskreuz am dritten Sonntag im Advent, dem 13. Dezember in der Kirche von Laši, und G. Vaniņš am vierten Sonntag im Advent, dem 20. Dezember in der Kirche von Līvani.

Ähnliche Wege von verschiedener Länge

Der Weg der beiden Geistlichen bis zum Pfarramt war ähnlich, jedoch von unterschiedlicher Länge. Dieser Weg begann bei beiden Geistlichen bereits in ihrer frühen Kindheit. Sie kamen aus den gläubigen Familien ihrer Eltern und Großeltern. Der Beruf eines Geistlichen war in ihrem Leben nicht ihr ersten Beruf. Vorher übten beide Herren nach einer entsprechenden Ausbildung einen technischen Beruf aus. A. Bāliņš hatte davor die Fakultät für Radiotechnik in der Hochschule für Luftfahrtingenieure absolviert und sich dabei in Funkortung und Navigation spezialisiert. In seiner Arbeit hatte er sehr viel mit Computern zu tun. G. Vaniņš absolvierte die polytechnische Fachhochschule und hat danach als Leiter von Garagen gewirkt. Der Glaubensweg führte beide in die Luthergemeinde in Riga. G. Vaniņš besuchte dieses Gotteshaus schon, als dort  Vilis Augskalns Pfarrer der Gemeinde war. A. Bāliņš wurde in der Lutherkirche in Riga getauft und hat dort längere Zeit als Küster gewirkt. Hier wurde auch sein Interesse für Theologie geweckt, und hier erhielt er auch seinen Ruf, Theologie zu studieren. Darüber hinaus interessiert er sich für klassische Musik, Geschichte und Philosophie und dafür, was die Menschen zu verschiedenen Zeiten unternommen haben, um zur Wahrheit durchzudringen. 2002 begann er mit dem Theologiestudium in der Luther Akademie. G. Vaniņš hat sich der Theologie nach einer schweren Situation in seinem Leben zugewandt. Damals hatte er viel gebetet und dann von Gott den Ruf erhalten, im Theologischen Seminar der ELKL Theologie zu studieren.

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Der Weg von A. Bāliņš zum Amt eines Pfarrers war wesentlich kürzer. Von 2005 an hatte er in der Kirchengemeinde Straupe als Evangelist gedient, wurde 2006 zum Hilfspastor ordiniert. Seit zwei Jahren wirkt er in den Kirchengemeinden Ilūkste, Laši und Subate.

Die Strecke vom Hilfspfarrer bis zum Pfarrer war für seinen Amtsbruder A. Bāliņš mit 25 Jahren erheblich länger. Er besitzt mit seiner Erfahrung einen großen Schatz. Darüber berichtet der Pfarrer sehr gerne: „Früher diente ich als Vikar und wurde im ganzen Lande als Vertreter eingesetzt. Für diesen Abschnitt meines Lebens bin ich sehr dankbar, weil ich dadurch viele Kirchengemeinden in unserem Lande kennen lernen  durfte. Dabei konnte ich mich davon überzeugen, dass jede Kirchengemeinde ihre Eigenheiten, andere Menschen, eine andere Mentalität hat. Es gibt große Unterschiede zwischen Kirchengemeinden in Kurland, Lettgallen und Livland. So haben die Menschen an verschiedenen Orten auch unterschiedliche Probleme. Zu Beginn des nationalen Wiedererwachens gab es viel Stress. Zusammen mit Pfarrer Viktors Pārpucis, der in Pļaviņas lebte, musste ich den ganzen Landesteil Semgallen bis hin zur litauischen Grenze betreuen. Wir beiden hatten 14 Kirchengemeinden und 42 Friedhöfe. Auf jedem dieser Friedhöfe mussten wir das jährlich das Friedhofsfest feiern und den Kerzenabend vor dem Tag des Gedächtnisses der Entschlafenen begehen. Damals fingen wir oft morgens um 9 Uhr an und hörten erst spät am Abend auf.. So mussten wir oft zwei Gottesdienste und drei bis vier Friedhofsfeste an einem Sonntag halten, von denen das letzte erst um 19 Uhr oder danach anfing. Manches Mal konnte es geschehen, dass wir zwischen allen diesen Veranstaltungen noch jemanden bestatten mussten. Doch wir haben das alles geschafft. Aus dieser Zeit des nationalen Erwachens wird mir ein Kerzenabend in Iecava unvergesslich bleiben. Den Gottesdienst hielt ich in finsterster Nacht. Auf allen Gräbern brannten Kerzen und wir als Pastoren sowie alle Gemeindeglieder hatten Kerzen in der Hand..“ Im Unterschied zu seinem Amtsbruder, welcher in der Nähe der von ihm zu betreuenden Kirchengemeinden lebt, wohnt Gunārs Vaniņš im Dorf Ķekava.und er muss einen weiten Weg zurücklegen, ehe er seine Kirchengemeinden erreicht. Der Pfarrer ist ein Optimist. „Um den Gottesdienst halten zu können, muss ich einen weiten Weg zurücklegen, jeden Sonntag, und an Festtagen noch öfter. Gott schenkt mir die Kraft. Wenn ich an einem Sonntag nicht Dienst getan habe, dann wird es für mich in der darauf folgenden Woche physisch schwer. Wenn ich aber meinen Dienst getan habe, dann fühle ich mich geistig und physisch aufgeladen.“

Beide Pfarrer nahmen ihr Amtskreuz mit großer Freude, mit dem Empfinden von Verantwortung und mit Dank an Gott  entgegen.

Bischof E. Alpe sagte: „Gott schenkt uns verschiedene Zeichen – das Wasser als Zeichen für die Taufe, den Ring als Zeichen für die Ehe. Brot und Wein sind die Zeichen, unter denen Gott zu uns im Heiligen Abendmahl kommt, der Fisch ist das Zeichen, unter dem sich Christen als solche erkennen, und das Kreuz ist das Amtszeichen für einen Pfarrer. Es ist kein Orden und keine Auszeichnung, sondern das Zeichen für den Dienst und die Verantwortung. Doch Gott ist es, der die Kraft schenkt, Ihm zu dienen. So ist dieses Zeichen ein Zeichen des Segens.“

Der Glaubensstand ist hoch.

Bei dem Empfang seines Amtskreuzes bekennt Andrejs Bāliņš: „Das Kreuz sagt auch etwas über euch selbst als Gemeindeglieder aus. Wenn es euch nicht gäbe, dann gäbe es auch kein Kreuz. Der Glaubensstand ist so hoch, dass er dieses Kreuzes bedarf.“.

Die beiden Gottesdienste, in denen beiden Geistlichen ihr Amtskreuz überreicht wurde, waren auch ein großes Fest für beide Gemeinden, welches auch entsprechend gefeiert wurde. Es waren viele Gäste gekommen, Glieder der benachbarten Kirchengemeinden, Vertreter der anderen christlichen Bekenntnisse vor Ort. Ein Festmahl war vorbereitet, es gab Geschenke und Blumen.

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Der Leiter der Kirchengemeinde Laši hat gemeinsam mit seiner Ehefrau einige Vorhaben gestartet, um zu den für die Orgelrestauration erforderlichen Mitteln zu kommen. Der Fonds zur Erhaltung der Werte der Kultur hat für die Restauration der Orgel 9600 Lat zur Verfügung gestellt. Wie der Leiter der Kirchengemeinde berichtete, gibt es eine sehr aktive Zusammenarbeit mit den benachbarten Kirchengemeinden Asare, Ilūkste, Daugavpils und dem Rat des Landkreises Ilūkste sowie mit der lettischen Kirchengemeinde in Montreal/Kanada.und deren Pfarrer Māris Ķirsons. In der Kirchengemeinde hat die Pfarrfrau mit der Arbeit der Sonntagsschule begonnen., es finden Bibelstunden und diakonische Arbeit statt. An diesen Aktivitäten sind viele Gemeindeglieder durch ihren Einsatz beteiligt.

In der Kirchengemeinde Līvani mit 60 Gemeindegliedern finden Bibelstunden statt, und auch hier ist die Diakonie am Werk. Der Gemeinde ist eine fruchtbare Zusammenarbeit mit der lettischen Gemeinde in London/England und der deutschen ländlichen Kirchengemeinde in Schunfeld geschenkt worden. Die Leiterin der Kirchengemeinde Dzidra Ušacka berichtete, dass sich in einem Jahr Gemeindeglieder aus Līvani auf den Weg nach Deutschland machen, um dort ihre Partnergemeinde zu besuchen, und im nächsten Jahr kommen die Freunde aus Deutschland hierher. Im Sommer des vergangenen Jahres fand in Deutschland ein kirchenmusikalischer Wettbewerb statt, an dem sich auch die Organistin der Kirchengemeinde Līvani beteiligt hatte. Die Kirchengemeinde kooperiert auch mit den örtlichen Instanzen für Kultur und Bildung. Nach dem Gottesdienst fand zur Einstimmung in das Weihnachtsfest ein Konzert des Frauenchores und des Schulchores statt. Zum Fest waren auch der Propst der Propstei Sēlpils Ainārs Spriņģis und der Pfarrer der Kirchengemeinde Krustpils Ēvalds Bērziņš, welcher in dieser Kirchengemeinde zehn Jahre als Pfarrer gewirkt hatte, gekommen und haben den Gottesdienst mitgestaltet. Die Bewohner des Ortes wussten zu berichten, dass lange Jahre so viele Leute nicht in der Kirche gewesen seien.

„Oft sagen Leute, dass sie glauben würden. Aber das bedeutet noch nicht allzu viel. Der Glaube muss mit dem Gehorsam und dem Vertrauen auf Gottes Wort zusammen gehen, dann ist das echter Glaube. Wenn eine dieser Komponenten fehlt,  dann ist das nicht echter Glaube,“ betonte Pfarrer G.  Vaniņš.

Lettgallen ist ein frommes Land. Hier hat unter der katholischen Mehrheit jedes christliche Bekenntnis seinen  Platz gefunden, und hier sind auch die Lutheraner aktiv.

Die Alte St. Gertrudgemeinde lädt zu „Pastoraten“ ein. Ingrīda Briede.

Pastorat ist ein Begriff der Alpha-Bewegung in London und bedeutet in diesem Fall nicht Pfarrhof  sondern eine Versammlung im Geiste der Freundschaft im Hause eines Gemeindegliedes unter dem Thema Christliche Lehre, wobei man zunächst das vorbereitete Referat des Leiters des Abends anhört und danach in kleinen Gruppen gemeinsam einen Bibeltext betrachtet und betet. Bei jedem Pastorat kommen 15-25 Teilnehmer zusammen.

Das Pastorat beginnt meistens mit einem leichten Imbiss, dem Lobpreis, und wird mit einer thematischen Diskussion in einer guten, freien und freundschaftlichen Atmosphäre fortgesetzt. Gemeindepfarrer Rinalds Grants schreibt in einem Brief an die Gemeinde: „In diesem Jahr beginnen wir mit der Verwirklichung unseres lange gehegten Planes – dem Vorhaben des Unternehmens Pastorat, das wir nun aktiv weiter betreiben möchten . Gott hat uns durch den Zustrom von neuen Gemeindegliedern durch jeden Alpha Kurs reich gesegnet. Wir hatten die wunderbare Möglichkeit, zu sehen und zu erleben, dass der Alpha Kurs eine schöne Tür zu Gott und zur Gemeinde ist. Auf diese Weise erkennen wir eine Möglichkeit, diesen Weg fortzusetzen und die christliche  Gemeinschaft unter den Gemeindegliedern zu vertiefen. Wie es unsere Erfahrung bestätigt, ist diese Form der Begegnung im „Pastorat“ eine hervorragende Möglichkeit der Entwicklung von Gemeinschaft und des Wachsens im Glauben.“

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Um mit dieser Arbeit erfolgreich beginnen zu können, finden in der Alten St. Gertrud Gemeinde zwei besondere Veranstaltungen statt, in denen Pfarrer Rinalds Grants mehr darüber berichten möchte, was Pastorat bedeutet  und welche Möglichkeiten es bietet, sich an dessen Veranstaltung zu beteiligen. Zu diesen Seminaren sind alle eingeladen – sowohl diejenigen, die vom Pastorat zum ersten Mal etwas gehört haben als auch diejenigen, die an ähnlichen Veranstaltungen bereits teilgenommen oder sie sogar veranstaltet haben. Die ersten Veranstaltungen finden im Luthersaal im Kellergeschoss der Alten St. Gertrudkirche statt.

Kleine Werke, die inspirieren Krišjāns Bulle, Pfarrer

Am vierten Sonntag im Advent begann die Internetseite der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde unter dem Namen ropazu.lelb.lv  zu erscheinen.

Zu Beginn des vergangenen Sommers beschloss der Kirchengemeinderat, das Bekanntwerden der Kirchengemeinde und den Zugang zum Internet zu fördern. Dabei war es allen von vorne herein klar, dass die beste Weise der Verbreitung von Informationen und anderen Beiträgen eine eigene Internet Seite ist.

Etwa ein Fünftel der für diese Einrichtung erforderlichen Mittel stellte als  Anstoß  die Kirchengemeinde aus ihren Haushaltsmitteln zur Verfügung. Leider ließ es die Finananzlage der Gemeinde nicht zu, alles zu bezahlen. Das wäre für die zahlenmäßig kleine Kirchengemeinde Ropaži zu schwer gewesen, aber leider war das Echo bei den angesprochenen möglichen Spendern nicht so groß wie wir es erwartet hatten. Dennoch war der Kirchengemeinde der Zweck deutlich, und an guten Vorsätzen fehlte es auch nicht. So wurde im Laufe von fünf bis sechs Monaten der erforderliche Spendenbetrag mit Gottes Hilfe eingesammelt und die Einrichtung der Internetseite konnte beginnen.

Einen herzlichen Dank allen Spendern. Noch einmal bekennen wir, dass alles schneller und leichter geht, wenn sich die ganze Kirchengemeinde am Vorhaben beteiligt.

Unseren Brüdern und Schwestern in Christus möchten wir von unseren kleinen Errungenschaften berichten , um in der Adventszeit zu Beginn eines neuen Kirchenjahres einen größeren Fluss von Informationen sich weiter ausbreiten zu lassen, dass große und kleine Erfolge uns weiter dazu ermuntern, nicht müde zu werden und mit Gottes Hilfe uns immer größeren Herausforderungen zu stellen, wie der Ausbreitung des Evangeliums, der Mission und deren Unterstützung, sowie der ordentlichen Verwaltung des Gemeindebesitzes

und der Restaurierung der Kirche.

Liebe Freunde, wir in Ropaži freuen uns immer, wenn wir Gäste haben und nehmen sie gerne bei uns auf. Künftig wird es ganz leicht sein, sich mit der Hilfe vom Internet als Gast anzumelden. Auf baldiges Wiedersehen!

Aufheben und zurückstellen. Anda Līce

Wenn wir vor dem Altar stehen, dann danken wir für die Gnade, und legen, und sei es nur für einen kurzen Augenblick, unseren Stolz nieder und geben dabei nicht uns oder anderen Menschen , sondern Gott die Ehre. Der Altar ist das Herz des Gotteshauses, und das Gotteshaus ist der Ort, in dem wir auf das Heiligtum zugehen. Von den Baumaterialien her mag es aus verschiedenen Elementen erbaut sein, aber aus der geistlichen Perspektive aus Gebeten und Dank. In einer Zeit, in der wirklich alles erlaubt zu sein scheint, was das Christentum betrifft,  ist alles einer noch nie da gewesenen Entheiligung unterworfen. Wir entsetzen uns zwar über Ereignisse, die während der Sowjetzeit dazu geführt hatten, dass Kirchen zerstört und sie zu Kulturstätten verwandelt wurden oder zu Reparaturwerkstätten oder zu Müllhalden, und geben uns auch heute damit zufrieden, dass hinter einen schönen Kulisse das Weltliche sich häuslich eingerichtet hat. Solches Getöse, das heute in der ganzen

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Welt in Gotteshäusern veranstaltet wird, ist in Moscheen oder buddhistischen Tempeln undenkbar.

Die Hirten unserer Gemeinde sind im Bemühen, möglichst viele Menschen in die Kirche zu bekommen, nur gar zu gerne bereit, Weihnachtsgebäck und Gebäck für andere Feste in das Gotteshaus zu holen, was nur sehr wenig mit dem Christentum zu tun hat.

In diesem Jahr hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben die Möglichkeit, im Gotteshaus solche Weihnachtspiroggen zu schmecken. Die Kirche war brechend voll mit Leuten. Ich stellte mir die Frage, ob wohl die Kirche, seit es sie gibt, solches schon erlebt haben mag? Leute, die Popmusik spielen, tun das sehr gerne in Kirchen. Dort gibt es eine so gute Akkustik und  Ausstattung wie sonst an keinem anderen Ort.. Eine gewisse Gebühr müssen sie zwar an die Gemeinde entrichten, weil es sich ja gehört, die Piroggen zu backen, und alles zu unternehmn, um alle zu benebeln – am Anfang und am Ende mit einem Lied, das sich halbwegs geistlich anhört, und in der Mitte mit Speck und Zwiebeln gefüllten Piroggen, und das Publikum mit Witzen zu belustigen, die dann die erforderlichen Lacher auslösen. Wie es auch an anderen Orten geschieht.  ABER DAS GOTTESHAUS IST EINE HEILIGE STÄTTE. Das müssen  wir der Welt immer wieder deutlich machen. Wer muss das tun? Ganz sicher zuerst diejenigen, die das Amt eines Geistlichen ausüben, aber natürlich auch alle anderen Christen. Wenn ich anderen Gemeindegliedern begegnet bin, dann hat es sich auch gefügt, in der Nähe des Altars zu stehen. Das ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn du hinter dir das Kreuz Christi und das Altarbild weißt. Dann öffnet sich dein Mund nicht für loses Gerede, sondern du verspürst sogar physisch Verantwortung und Sicherheit. Wenn ich an das Kreuz denke, dann fällt mir eine Episode aus dem Lutherfilm ein. Das Volk hat ein Gotteshaus zerstört, und Luther hebt aus den Trümmern das Kruzifix auf und trägt es zurück und legt es auf den Altar. Es ist der bleibende Auftrag eines Christen, das Kreuz aufzuheben und wieder dorthin zurück zu bringen, wohin es gehört. Wir brauchen keine neuen Filter und Verbote darüber zu erfinden, was ein Christ zu tun und zu lassen hat. Das alles ist uns schon gesagt worden.

Besonders ein Weihnachtsgottesdienst, in den viele zum ersten Mal in ihrem Leben hineingeraten sind, kann das Leben eines Menschen völlig verändern, während bei manchem fleißigen Kirchgänger gar nichts geschieht. Unbegreiflich und sogar paradox können die Wege unseres Geistes und unserer Seele sein. Ich frage mich, was man an jenem Abend von der Kanzel Neues hätte predigen können? Das Wunder geschieht immer dann, wenn Gottes Wort uns aus unseren alltäglichen Vorstellungen herausholt und die Zeitspanne beginnt, in der ich Jesus Christus näher komme. Ich habe es in diesem Jahr erlebt und möchte sagen: dass oder ob ein Wunder geschieht, hängt in hohem Maße vom Geistlichen als Vermittler der Botschaft ab. Die Gemeinden siechen dahin und eine geistliche Erweckung findet nicht statt, doch nicht deshalb, weil die Kirche keine Heizung hat und die Leute kalt und verschlossen sind. Wer wird die Herden auf die grüne Weide treiben, wenn die Hirten schlafen? Obwohl das Amt eines Geistlichen eins der schwersten Ämter ist,  dürfen wir die Augen nicht davor verschließen, dass einige sich selbst die Hürden aufrichten. Wenn ich höre, dass sich Pfarrer mit den äußeren Umständen entschuldigen – damit möchte ich sagen, dass sie jedes Jahr damit beschließen, – dass sie jedes Mal fast dieselbe Predigt halten,  in der sie der Gemeinde in das Gewissen reden  und sie verängstigen und der Predigt den Saft entziehen. Denen möchte ich zurufen: Bitte plappert nicht wie die Heiden und lasst eure Gemeinden nicht erfrieren dadurch, dass ihr ihnen Lauheit vorwerft, die ihr eigentlich euch selbst vorwerfen müsstet.

Um aufzuwachen, gibt es manches Mal ein gutes Mittel – man kneife sich selbst kräftig in die Wade. Dann wird auch die Gemeinde aufstehen wie einst Lazarus, den Christus von den Toten auferweckte.

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Chefredakteurin: Inga Reča

Anschrift der Redaktion: Alksnāja iela 3 .- Riga- LV 1050

E-Mail-Adresse: svetdienasrits@apollo.lv

Übersetzung: Johannes Baumann (abgeschlossen am 16.01.2010)

Brucknerstr. 24.-  D-27711 Osterholz-Scharmbeck

Telefon: 04791-13356

E-Mail-Adresse: baumann-ohz@arcor.de

Nachwort des Übersetzers

Auch bei dieser Ausgabe konnte ich viele Beiträge nicht mehr übersetzen. Dazu gehört die Neujahrspredigt von Juris Zariņš in der St. Johanniskirche in Riga, ein Bericht über die Einweihung eines Denkmals für den 2005 verstorbenen Propst Jānis Vasks (Vater des sehr bekannten lettischen Komponisten Pēteris Vasks) durch Pfarrer Guntis Kalme, ein ausgiebiges Interview mit der Künstlerin Katrīna Pasternaka, die viele Wohltätigkeitsaktionen wie „Engel über Lettland“ oder „Singende Familien“ initiiert und geleitet hat, einen Bericht über die Weihnachtsgottesdienste der lettischen lutherischen Gemeinde in Irland, einen Beitrag unter der Überschrift „Gott dadurch kennen lernen, dass man ihn liebt“ vom Rektor der Luther Akademie Dr. William Weinrich, in dem er von mehreren Seiten den Glauben als eine Angelegenheit des Herzens beleuchtet, den Bericht einer lettischen Teilnehmerin am Taize-Treffen in Posen, einen Bericht über die Veranstaltungen zum Christfest in Lielvārde und einen sehr ausführlichen Beitrag von Juris Uļģis (von dem auch eine Fortsetzung in der nächsten Ausgabe in Aussicht gestellt ist) über christliche Meditation, und die Beiträge aus der Sonntagsschulspalte.  J. B.

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