Verfasst von: liefland | Februar 6, 2010

Ausgabe Nr. 3 (1830) vom 6. Februar 2010

Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch.    Psalm 68, 21

Auszüge aus Svētdienas Rīts, Zeitung der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, herausgegeben von ICHTYS GmbH, erscheint seit Januar 1920.

8. Sonntag vor Ostern – Sexagesimae    Ausgabe Nr. 3 (1830)  vom  6. Februar  2010

Zum Gedenken an Roberts Akmentiņš. Ieva Samauska

„Zuerst wollten wir es in aller Stille unter uns tun, doch dann begriffen wir, dass dieses nicht möglich war,“ berichtete der Pfarrer der St. Johannisgemeimde in Saldus Guntis Apriķis vom Wunsch einiger Gemeindeglieder, des 100. Geburtstages von Pfarrer Roberts Akmentiņš zu gedenken. 30 Jahre (1953-1982) hat er als  Pfarrer der Kirchengemeinde Saldus I  seinen Dienst getan. Deshalb beschlossen wir schließlich, zu seinem Gedenken einen Gottesdienst zu halten mit einem anschließenden gemeinsamen Beisammensein mit den Leuten aus Saldus, zu dem sich auch der Bischof von Liepāja Pāvils Brūvers, der Propst der Propstei Kuldīga Viesturs Pirro und Pfarrer Dr. theol. Guntis Kalme einfanden.

Schon mehrere Wochen davor hatte Pfarrer Apriķis die Gemeindeglieder gebeten, Fotos mitzubringen, auf denen Roberts Akmentiņš zu sehen war. Das Echo darauf war überwältigend, so dass schließlich gemeinsam mit der Leitung des Museums für Geschichte und Kunst eine Ausstellung über den Lebensabschnitt von R. Akmentiņš  in Saldus veranstaltet werden konnte. Darunter gab es Fotos von ihm in verschiedenen Lebenslagen: bei Taufen, Konfirmationen, Trauungen und Beerdigungen. Überwiegend waren es schwarz-weiße Fotos, auf denen man viele weiße Lilien sehen konnte und fast deren Duft zu verspüren meinte. Auch über den sonstigen Dienst von Pfarrer Akmentiņš in Saldus gab es unvergessliche Ansichten zu betrachten. Auch darüber, dass er manche Taufe und Trauung bei sich zu Hause gehalten hatte, wie er um Spenden zur Restaurierung des Kirchturms bat und wie die Leute auf diese Bitte reagierten. Wie die Leute von Saldus bei Nacht 40.000 Ziegelsteine eigenhändig vom Stadtplatz zum Kirchberg transportierten, und danach den Turm wieder aufbauten. Wie der Pfarrer bei der Kolchose eine Arbeit gefunden hatte, weil der Vorsitzende ihn mit folgenden Worten empfohlen hatte: „Er ist ehrlich und man kann ihm vertrauen.“ Und wie herzlich, bestimmt, entgegenkommend, streng, aufmerksam er gegenüber anderen war. Wie er es verstand, das richtige Wort gegenüber Kleinen und Großen zu finden, die er immer fragte, wie es ihnen ginge und ihnen Gottes Beistand wünschte. Wie die Leute aus Saldus ihn später immer weiter besuchten, als er nach Riga umgezogen war, wo er zum Dekan der wieder errichteten Theologischen Fakultät berufen wurde. Natürlich müssen wir dem Herrn den allergrößten Dank sagen, der die Seinen immer zur rechten Zeit an den richtigen Platz setzt. Wie es Guntis Kalme in seinem Bericht sagte, so hat Akmentiņš Christus

sehr oft mit einem Schild verglichen. Andererseits meinten viele Menschen um ihn herum und in der Gesellschaft, denen Akmentiņš gedient hatte, in ihm Christus zu erkennen – dessen Kraft, Zuversicht und Frieden.

Brandschäden an der St. Johanniskirche in Cēsis Ingrida Briede.

Am 27. Januar gegen 22 Uhr fing es an, neben der St. Johanniskirche in Cēsis zu brennen. Es brannte der acht Quadratmeter breite Anbau an die Kirche, doch die Flammen konnten recht schnell gelöscht werden.

Der Brand entstand am Anbau der Kirche. Hier befanden sich die Arbeitsgeräte des Pförtners. So hatte die Kirche keine großen Verluste zu beklagen, denn der Brand konnte sich nicht mehr hin zum Innenraum ausbreiten. Auch Menschen kamen nicht zu Schaden. Im Anbau, in dem der Brand entstand, gab es auch keine Heizung und Elektroanlage. Zur Zeit versucht man, die Ursachen für den Brand zu ermitteln.

Die Ursprünge dieser Kirche sind im Jahr 1284 zu suchen. Damit ist diese Kirche eins der ältesten Denkmäler der Architektur aus dem Mittelalter. Der Bau der Kirche hatte bereits

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Anfang des 13. Jahrhunderts begonnen bei der Christianisierung des Baltikums und sie gehörte dem Livländischen Orden, denn in dieser Stadt befand sich die Residenz des Ordens. Die Kirche ist ein sehr beliebtes Objekt der Touristen für ihre Besichtigungen.

Zur Zeit finden die Gottesdienste Dienstags um 8.00 Uhr in der Sakristei, Donnerstags um 18.00 und Sonntags um 11 Uhr in der Kirche statt.

Spalte der Chefredakteurin

Wenn die Erkenntnis kommt Inga Reča

Die vergangene Woche war sehr reich – vor allem an Schnee, würdet Ihr sagen. Das auch!

In einer Fernsehsendung sagte deren Moderatorin, dass man täglich etwas neues lernen sollte. Als sie das sagte, hat sie vielleicht nicht bedacht, dass man sich täglich neue Fertigkeiten zueignen könnte – nähen, einen Nagel einschlagen, mit dem Auto zu fahren, u.a.(auch wenn alle diese Fertigkeiten zu ihrer Zeit für ihren Zweck nützlich sind)

Auch wenn wir ein Interview hören oder lesen oder mit jemandem sprechen oder eine Konfliktsituation lösen, können wir zu neuen Erkenntnissen kommen, und dann es ist uns eine Lehre. Denn vorher ist uns – ich weiß nicht weshalb – dieser Gedanke noch gar nicht deutlich gewesen.

Eine Megaoffenbarung hatte ich am vergangenen Sonntag in einem Gottesdienst, als der Pfarrer in der Predigt davon sprach, dass wir warteten und beteten, dass aber in unserem Leben Wunder … nicht geschehen! Aber anderen, denjenigen, die selbst nicht so kristallklar denken können wie wir, geschehen sie, doch uns – nicht! Wir sind doch wer, und wir sind die Auserwählten, wir sind doch eine Familie! Und – nichts geschieht…

Wie kommt das? Ich habe doch viele Jahre gebetet und ein Wunder erhofft, aber NICHTS GESCHIEHT! Anscheinend ist alles schlecht, nicht wahr? Welches Zeugnis gibt es in dieser Welt von unserem Leben?

Doch nun erweist es sich, dass dieses vielleicht das Beste ist, was uns passieren konnte, denn in die Mitte unseres geistlichen Lebens haben wir nicht Christus gestellt, sondern – das Wunder. Solche Wundergläubige sind wir, statt Christusgläubige zu sein . Aber gut ist es für uns, dass wir, wenn keine Wunder geschehen, Gott uns vor dem Gefühl der Exklusivität und dessen „Begleiterin“, der Hochnäsigkeit, bewahrt hat.

In der Predigt sagte der Pfarrer noch mehr – Wenn in deinem Leben dennoch ein Wunder geschehen ist, dann sage das keinem weiter. Damit das nicht zum Stolperstein im Leben deines Nächsten werde und in dir ein Gefühl der Überlegenheit erwecke. Denn gerade das möchte Jesus in dir ausrotten. Er teilt die Menschen nicht ein als die Seinen und die Fremden, er liebt sie einfach alle, sogar auch uns.

Dieser Gedanke zieht sich durch mehrere Beiträge in dieser Ausgabe. Ich wünsche auch Euch gute Erkenntnisse.

Die Kirchengemeinde Tukums öffnet der Stadt ihre Tür. Inga Reča

Am Abend des 29. Januar öffnete die Kirchengemeinde Tukums  die Tür ihres frisch renovierten Gemeinderaumes. Da diese verglaste Tür wirklich direkt auf den Platz in der Mitte der Stadt „blickt“, ist jeder Bürger von Tukums und jeder Gast der Stadt eingeladen, in das Gemeindehaus hereinzukommen und sei es auf eine Tasse Kaffee. Demnächst errichtet die Gemeinde hier auch einen kleinen Altar. Das dafür bestimmte Kreuz hat uns unsere Partnergemeinde in Schweden geschenkt.

Wir danken Gott, unseren Ehrenamtlichen und der Krise.

„Das ist ein großes Werk, das Ihr vollbracht habt, dass Ihr das Gebäude renoviert und dessen Tür geöffnet und die Leute eingeladen habt, hereinzukommen – alle, die Wärme und einen Unterschlupf suchen, die sich verirrt haben. Wir hoffen, dass das Haus den Einwohnern von

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Tukums und ihrem Bedarf dient und das Leben in dieser Stadt heller und freundlicher macht. Die Hauptsache ist, dass alles, was hier geschieht, vom Segen Gottes getragen wird,“ sagte Bischof P. Brūvers bei der Einweihung des renovierten Gemeindehauses.

Einer der Pfarrer der Kirchengemeinde Tukums Mārcis Zeiferts  (außer ihm ist noch Pfarrer Kaspars Kovaļovs in der Kirchengemeinde tätig)  war mit dem Geleisteten sehr zufrieden: „Unsere Gemeinde hat das, was wir heute erleben, mehrfach bekannt: dass Gottes Wort in unsere Herzen herein kommt und uns anredet, so dass wir uns selbst als ein Gott angenehmes Opfer hingeben. Dann werden alle Pläne Wirklichkeit auf eine so wunderbare Weise, dass ich heute fast dasselbe sagen müsste wie ein Kommentator nach einem Hockeyspiel der Rigaer Mannschaft Dynamo: „Mir fehlen einfach die Worte!““

Der Pfarrer hob besonders zwei Katalysatoren hervor, die es ermöglichten, in kurzer Zeit  – seit dem Herbst 2009 den einst als Kapelle benutzten Raum zu  gemütlichen Gemeinderäumen zu verwandeln. Natürlich waren es ganz besonders die Finanzmittel, die reichlich geflossen sind. Andererseits muss der ehrenamtliche Einsatz gewürdigt werden. Diesen hob der Pfarrer ganz besonders hervor, denn es waren nur Einzelfälle, bei denen die Arbeit vergütet werden musste. Mehr als 90 % wurde unentgeltlich geschafft.  „Wir müssen Gott sehr dankbar sein. Vielleicht war es sogar die Wirtschaftskrise, die uns wachgerüttelt, die uns dazu ermuntert hat, uns einen  Ruck zu geben und trotzig alles zum Ende zu bringen. Erinnert Euch, dass wir mit den Arbeiten schon vor mehreren Jahren anfingen. Wir setzten die Fenster ein , fertigten die Türen an, und plötzlich blieb alles stehen. Und dann wurde es im vergangenen Jahr Herbst. Mit dem Einsatz vieler Ehrenamtlicher schafften wir es, den Innenhof bei der Kirche in Ordnung zu bringen. Das machte uns Hoffnung, es zu schaffen. Aber wenn wir dem Wort des Apostels Paulus folgen, so ist das nur dann möglich, wenn wir alles in Gottes Hand geben. Und wenn wir das getan haben, dann legt Gott in einer Weise seine Hand mit an, dass wir uns nur wundern können,“ sagte Mārcis Zeiferts.

Ein Gebäude mit Collagen aus „Svētdienas Rīts“ als Tapeten.

Der Pfarrer stellte darauf die Pläne vor, auf welche Weise die Kirchengemeinde diese Räume nutzen möchte: „Erstens benötigt die Kirchengemeinde den Raum für ihren Alltag. An jedem Werktag wird man hier die Schriftführerin der Kirchengemeinde antreffen. Andere Gemeindeglieder können kommen und ihre Angelegenheiten regeln.

Im zweiten Teil des Raumes finden wir einen Kaffeetisch, der uns darauf hinweisen möchte, dass wir gern gastfreundlich sind. Das ist die Stelle, an der jeder Gast eine Tasse Kaffee trinken kann.

Drittens erleben wir es täglich, dass die Gemeinde noch weitere Räume braucht. Hier haben wir einen zusätzlichen Raum für Aktivitäten der Kirchengemeinde und ihrer Kreise. M. Zeiferts lenkte die Aufmerksamkeit der Gäste auf die Wand am Ende des Raumes mit Collagen von  Drucken von Svētdienas Rīts aus den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts als Tapeten.

Der Pfarrer hatte in einem Schrank in der Kirche Vorkriegsausgaben der lettischen Kirchenzeitung entdeckt und diese mit großem Interesse gelesen, und dabei erfahren, dass die Kirchenzeitung von dem Verband der Inneren Mission damals herausgegeben wurde. Das Schlüsselwort, das immer wieder in der Collage auftaucht, ist „Innere Mission“. „Innere Mission, wie man sie damals verstand, ist, dass die Botschaft Christi unter die Menschen in Stadt und Land kommen sollte, wo Mission stattfindet. Durch diese Räume möchten wir offener sein, möchten die Entfernungen zwischen innerhalb und außerhalb der Gemeinde verringern,“ erklärte der Pfarrer.

Ein Lob für die Männerarbeit der Gemeinde.

Die Gemeindeleiterin Indra Rassone bat alle, den Männern der Kirchengemeinde zu danken:„Wenn sie die Arbeit nicht angepackt hätten, dann hätte es diese Räume nie gegeben.

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Die Renovierung dieser Räume ist ein Zeichen dafür, dass starke Männer den Weg zurück in die Gemeinde gefunden haben. Euer ehrenamtlicher Einsatz hat ein großes Gewicht. Wir danken auch Euren Familien für ihr freundliches Verständnis!“ Die Gemeindeleitung dankt allen, die diese Arbeit auf verschiedene Weise mitgetragen und unterstützt haben. An diesem Abend wurden 40 Dankschreiben überreicht. Der Pfarrer sagte: „Wenn wir heute abend Einzelne besonders hervorheben würden, dann wäre das nicht korrekt, denn ein jeder hat nach dem Maß seiner Kräfte und Möglichkeiten mitgeholfen.

Das Geleistete überzeugt.

Im Laufe des Abends, als von den Leuten in Tukums die Rede war, wurde es deutlich, dass die Gemeinde sehr rege ist. Von ihrem Können konnte man sich im Herbst 2009 überzeugen, als sie mit eigenen Kräften den Innenhof zwischen der Kirche und dem Gemeindehaus in Ordnung gebracht hatten. Dort ist ein Platz entstanden, auf dem zwei Mal in der Woche je 100 Portionen Suppe ausgegeben werden. Die Leiterin der Gemeindediakonie Maija Galeniece berichtet von der im Herbst „angekurbelte“ Suppenküche. Außerdem ist es nicht so, dass die Kirchengemeinde nur die Suppe verteilt. Der Pfarrer wendet sich jedes Mal an die Zusammengekommenen mit einer Begrüßung, mit einer Lesung aus Gottes Wort und mit der Fürbitte. „Über die Suppenküche haben wir viele Jahre diskutiert. Dann kam es zu einer Krise, und wir begriffen, dass wir irgend etwas tun mussten. Eine Unternehmerin aus der Kirchengemeinde, die ein Speiselokal betreibt, verpflichtete sich, die Suppe zu beschaffen,“ berichtet Maija. Auf die Reaktion darauf brauchten wir nicht mehr lange zu warten – sehr oft kommen Obdachlose zu uns, um mit uns zu sprechen, aber auch viele, die durch die Krise ihren Arbeitsplatz verloren haben. Vielleicht hat ihnen einmal ein Haus gehört, aber nun muss er seine Schulden  begleichen.

Um die renovierten Räume für die Gemeindearbeit nutzbar zu machen, brauchen wir noch weitere Räume, und dadurch verspüren wir deutlich den Mangel an Räumen. Der Pfarrer sagt, dass man sich hier oft wie in einer kommunalen Wohnung (mit mehreren Mietern) fühlte. Jeder Kreis muss nach seiner Zusammenkunft schnell seine Sachen zusammenpacken, denn nach wenigen Augenblicken kommt schon der nächste Kreis. Es wäre schon ideal, wenn jeder Kreis seine eigene kleine Ecke hätte, fügt Pfarrer M. Zeiferts hinzu. Deshalb akzeptierte er mit großer Freude das Angebot der Schwestergemeinde, für die Sonntagsschule Räume im Hause direkt gegenüber zu mieten. „Wenn du deine Augen öffnest und nachdenkst, dann gibt es Möglichkeiten. Man muss sie nur an das Licht ziehen.“ Davon ist der Pfarrer überzeugt. Außerdem haben sich für dieses Vorhaben bereits die Spender gefunden.

Die Verantwortung der Kirche und der Gemeinde

„Viele Ideen sind den Leuten aus der Kirchengemeinde spontan gekommen. Ich habe es aber begriffen, dass man, wenn man sich für eine Sache begeistern möchte, dieses mit Verstand tun muss. Auch bei der Gemeindearbeit. Nach dem Aufräumen des kleinen Innenhofes gingen die Leute wie auf Flügeln – jetzt ist uns alles möglich! Wir werden es schaffen, das Gemeindehaus innerhalb von wenigen Wochen zu renovieren, und wir schaffen es täglich eine Suppenküche anzubieten! Das wäre schon sehr schön, aber eine solche Sache muss wachsen. Es ist die Aufgabe des Pfarrers, solche Ideen zu lenken, damit sie auch ihr Ziel erreichen und Früchte bringen,“ erklärt Pfarrer M. Zeiferts, der nun bereits seit sechs Jahren die Kirchengemeinde Tukums betreut und Ende des vergangenen zum Propst der Propstei Kandava wiedergewählt worden ist. Er teilt uns auch seine Überlegungen mit über die Situation, in der wir leben. „Wenn alle anderen Möglichkeiten erschöpft sind, dann blicken aller Augen auf die Kirche, deren Schätze und Kapazitäten an Vertrauen noch recht groß sind.

Es ist wichtig, diese Not und diesen Bedarf zu verstehen. In der Gemeinde haben wir, Gott sei Dank, einen gesunden Kern, durch den Gott wirken möchte. Auch im 19. Jahrhundert, als es

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die industrielle Krise gab, wurden die allerschönsten Ideen für die Innere Mission geboren. Die Kirchengemeinden öffneten ihre Schulen und Unterkünfte. Doch zu der Zeit der  Krise, als  viele Menschen vom Land  in die Städte zogen, herrschte überall Verzweiflung und Not. Doch die Kirche zog sich nicht an den Rand zurück und reagierte auf die Bedürfnisse der Menschen. Auch wir müssen das tun.“

Meldungen aus den Kirchengemeinden, zusammengestellt von Ingrīda Briede

LIEPUPE

Gegen Ende des vergangenen Jahres wurde in der Kirche von Liepupe ein neuer Fußboden eingebaut und die Sakristei renoviert. Diese wurde mit einem neuen Ofen und  neuen Möbeln ausgestattet. Jetzt hat der Pfarrer der Kirchengemeinde die Möglichkeit, Besucher in einem angenehmen Raum zu empfangen. Die Renovierungsarbeiten wurden von Gemeindegliedern sowie von Christen in Schweden finanziert.

UMURGA

Am 23. Januar versammelten sich in der Ev,.luth. Kirche von Umurga Menschen aus Umurga und Umgebung sowie aus Limbaži, die gemeinsam mit den Verwandten des Dichters Fricis Bārds an dessen 130. Geburtstag gedenken wollten. Diese Stunde des Gedenkens wurde eingeleitet durch eine von der Evangelistin Ivande Ceijere gehaltenen Andacht. Bevor man sich in die berückenden Gedichte von Fricis Bārds vertieft, erinnerte Museumsdirektorin  Aija Eceniece daran, weshalb man sich dafür entschieden hatte, diese Stunde des Gedenkens in dieser Kirche stattfinden zu lassen. Der Dichter hat sich stets nur als der Kirche und der Kirchengemeinde Umurga Angehörender betrachtet. Sie hatte eine Ausstellung mitgebracht mit in Lettland und im Ausland herausgegebenen Werken und Fotos des Dichters. Das Treffen endete mit einem gemeinsam gesungenen Lied mit dem Text von Fricis Bārds und dem Niederlegen von Blumen am Grabe des Dichters auf dem Friedhof von Umurga,

RIGA

Am 6. Februar begann in der Luthergemeinde der zweite von vier Zyklen, die sich an jeden wenden möchten, die die schwere Situation einer Scheidung erleben mussten, und nun einen Weg suchen, um weiter zu leben und sich glücklich zu fühlen. In der Ankündigung dieses Seminars heißt es: „Ebenso wie die Begegnung ist auch die Trennung ein Teil unseres Lebens. Nur wird die Trennung von Leid und Schmerzen begleitet. Um zu helfen, die Quellen der Kraft zur Überwindung dieser Not zu finden und um für den weiteren Weg Mut zu machen, wird dieses Seminar veranstaltet.“ Dazu ist jeder herzlich eingeladen, der das Leid der Trennung schmerzlich empfindet und sich von dem befreien möchte.

Meldungen aus der Diözese Liepaja

Seit dem Dezember 2009 verrichtet Pfarrer Aivars Gusevs in der Gemeinde der St. Annenkirche in Jelgava und in der Kirchengemeinde Kalnciema-Klīve den Dienst als Gemeindepfarrer.

In zwei Propsteien sind neue Pröpste eingesetzt worden. Seit dem 13. Dezember leitet Propst Mārcis Zeiferts die Propstei Kandava, und seit dem 1. Februar nimmt Pfarrer Valters Ozoliņš

die Pflichten des Propstes der Propstei Piltene wahr

Meldungen aus der Diözese Daugavpils

Wechsel in den Pfarrstellen zum Ende des Jahres 2009:

Seit dem 28. Nüvember wird Dekan A. Gusevs nicht mehr in der Diözese und als Dekan der Martin Luther Kathedrale tätig sein.

Ab dem 1. November ist der Dienst von Pfarrer A. Lenšs in den Kirchengemeinden

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Kaldabruņa, Aknīste, Asare und Gārsene beendet

Ab dem 28. November ist Pfarrer A. Lenšs mit dem Pfarrdienst an der St. Michaelisgemeinde in Jēkabpils beauftragt.

Meldungen aus der Erzdiözese Riga

Seit den September hat es folgenden Wechsel bei den Pfarrstellen der Erzdiözese gegeben:

In der Sitzung des Kapitels am 23. September 2009 berichtete der Erzbischof von der Berufung von Propst Guntars Dimants zum Bischof in der Erzdiözese. Der Konsekrations- gottesdienst findet am 10. April um 12 Uhr im Dom zu Riga statt.

Im September 2009 wurde 25 in der Erzdiözese Riga wirkenden Evangelisten ihre Vollmacht, als Evangelisten in der Erzdiözese Dienst zu tun, um 2 Jahre verlängert, das heißt bis zum 1. September 2011. Drei Evangelisten wurde ihre Vollmacht nicht verlängert.

Ab dem 13. September 2009 ist Pfarrer Elijs Godiņš mit der Betreuung der Kirchengemeinde Salaspils beauftragt. Pfarrerin Sarmīte Fišere ist ab dem 27. November aus dem Dienst an der Kirchengemeinde Salaspils entlassen.

Durch Beschluss des Bischofskollegiums wurde Pfarrer Varis Bogdanovs der Status eines Pfarrers ab dem 6. Oktober 2009 aberkannt.

Zwei Hilfspfarrer der Erzdiözese wurden zu Pfarrern ernannt und ihnen als Amtszeichen das Kreuz verliehen. Am 1. November händigte der Erzbischof  Pfarrer Guntis Želvis in der Kirche von Lubāna und am 8. November Pfarrer Ivo Pavlovičs in der Kirche von Pēterupe (Saulkrasti) aus.

In der Adventszeit fand ein Wechsel in der Pfarrstelle der Auferstehungsgemeinde in Riga statt. Pfarrer Aivars Smuidris wurde zum Dienst in der Martinsgemeinde in Riga berufen, in der Pfarrer Andris Krauliņš bereits tätig ist, ebenso wie Pfarrer Dr. theol.Didzis Stilve. Pfarrer Uldis Jumejs hat seinen Dienst in der Auferstehungsgemeinde in Riga begonnen. Bisher war er in der St. Thomasgemeinde in Jaunpiebalga tätig.

Pfarrer Juris Zariņš ist zusätzlich zu seinem Dienst in der St. Johannisgemeinde in Riga mit der Betreuung der lettischen Gemeinde in St. Petersburg und ab dem 1. Dezember mit der Betreuung der lettischen Gemeinde in Moskau beauftragt.

Am 11 Februar werden die Evangelisten  Haralds Biete und Roberts Otomers in der Jesuskirche in ihr Amt eingesegnet. Von dem Augenblick an ist R. Otomers mit dem Dienst in der Heilig Geist Gemeinde, und H.  Biete mit dem Dienst in der Jesusgemeinde sowie in der St. Pauls Gemeinde beauftragt, in der auch Pfarrer Arnis Bergmanis dient, und seit dem 17. Januar auch Pfarrer Ģirts Prāmnieks,

Leben in der von Gott geheiligten Zeit. Sandra Gintere.

In den  Monat Februar, welcher am 2. Februar mit dem Tag der Darstellung des Herrn ( auch Mariä Lichtmess genannt) beginnt, fällt in diesem Jahr auch der Anfang der Fastenzeit, denn der Aschermittwoch ist dieses Mal am 17. Februar. Der Gottesdienst am Aschermittwoch leitet die allerernsteste Zeit des tiefsten Nachdenkens und des Bekenntnisses der Sünde im ganzen Kirchenjahr ein. In diesen 40 Werktagen vor Ostern erforschen die Christen intensiv ihr Gewissen, fasten, beten und tun Werke der Liebe. Eins der Dinge, dem man sich während dieser Zeit  ernsthafter zuwenden sollte, ist die Feier des Sonntages und der sonntägliche Besuch des Gottesdienstes, das Hören des Wortes Gottes und der Empfang des heiligen

Sakraments. In der römisch-katholischen Tradition sieht man das Fernbleiben vom Sonntagsgottesdienst als eine Sünde gegen die Gebote der Kirche an, und in der Tradition der orthodoxen Kirche besteht die Ansicht, dass, wenn jemand aus eigenem Verschulden drei

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Sonntage hintereinander nicht im Gottesdienst gewesen ist,  den Angriffen Satans und anderer dämonischer Kräfte schutzlos ausgeliefert ist. Um über die Wichtigkeit der Sonntagsheiligung

gmeinsam nachzudenken, haben wir den Leiter der Kirchenmusik Abteilung der Luther Akademie Vilis Kolms eingeladen.

Weshalb ist die Sonntagsheiligung wichtig und von Bedeutung?

– Erstens und vor allem deshalb, weil die Heiligung des Feiertages  ein Gebot Gottes an sein Volk ist. In der Bibel finden wir es an mehreren Stellen, aber die wichtigste von ihnen finden wir im 2. Buch Mose: „Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der Herr den Sabbattag und heiligte ihn.“ (2. Mose 20,8-11) Diesem Zitat entnehmen wir, dass das Gebot von der Heiligung des Feiertages eins der Hauptgebote ist, welches sogar in den 10 Geboten Gottes seinen Platz gefunden hat, die Gott auf dem Berge Sinai Mose überreicht hatte. Die Menschen, die Gott aufgerufen hat, diese Gebote zu halten, gehören ihm und leben in der Gemeinschaft mit ihm. Sie sind sein auserwähltes Volk. Gott verspricht seinem Volk, es zu behüten und zu leiten, und das Volk verspricht Gott, nach seiner Ordnung und nach seinen Geboten zu leben. Die Gebote stellen die Gemeinschaft zwischen Gott und seinem Volk her. Die Heiligung des Feiertages ist mit einem besonderen Opfer zu vergleichen, das wir Gott darbringen, nämlich dem Opfer an Zeit. Der Mensch opfert Gott etwas von der Zeit des Lebens, das ihm Gott geschenkt hat. Und erhält dafür den Segen Gottes für die Zeit seines ganzes Lebens. Der Mensch, der Gott einen Tag widmet, erlebt es, dass Gott dem Menschen die sieben Tage segnet. Die Beachtung des Feiertages erinnert das Volk immer wieder daran, dass er Gottes Eigentum ist, denn während einer Arbeitswoche kann man das bei der schweren Arbeit zum Broterwerb leicht vergessen.

Wesentlich ist auch, dass die Heiligung des Feiertages nicht nur das Verhältnis des Menschen zu Gott betrifft, sondern auch zu seinen Mitmenschen  Das Gebot sagt es deutlich, dass nicht nur ich von jeder Arbeit Abstand nehmen soll, sondern auch alle Menschen um mich herum und sogar die Haustiere. Dieses Gebot trägt die göttlichen Beziehungen nicht nur zwischen Gott und den Menschen zu uns herein, sondern auch zwischen den Menschen.. In rechten Beziehungen zu Gott zu stehen bedeutet auch rechte Beziehungen unter den Menschen herzustellen, und das in der folgenden Abfolge: Die Beziehung zu Gott ist es, die uns vor allem die Beziehung zu den Mitmenschen herstellen lässt, und nicht anders.

Somit können wir sagen, dass das dritte Gebot sehr genau etwas von dem deutlich macht, wie das Gesetz Gottes funktioniert. Es hat uns die allgemein gültigen Richtlinien für das menschliche Leben gegeben. Die Heiligung des Feiertages ist für die Christen. Ebenso wie einst für das Volk der Juden, etwas besonders Wichtiges, denn an diesem Tage schenken wir unsere Zeit dem Schöpfer, Erhalter und Vollender des Lebens.

Wie hängt die Heiligung des Feiertages der Christen mit der Sabbatheiligung der Juden zusammen?

In einem gewissen Maß sind das Dinge, die miteinander verbunden sind, denn die im Alten Testament gebotene Heiligung des Sabbats ist ein Teil der Zeichen für den  Bund, den Gott mit den Menschen geschlossen hat. Durch diesen Bund – das Versprechen  der Menschen an Gott und die Verheißung Gottes an die Menschen – wurde vor dem Kommen Christi in die Welt Gottes Volk erschaffen. Der Herr redete mit Mose und sprach: „Sage den Israeliten: Haltet meinen Sabbat, denn er ist ein Zeichen zwischen mir und euch von Geschlecht zu Geschlecht, damit ihr erkennt, dass ich der Herr bin, der euch heiligt.“ ( 2. Mose 31, 12-13).

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Dennoch ist die Notwendigkeit der Heiligung des Feiertages bereits in der Schöpfungsordnung begründet, die schon lange vor der Auserwählung des Volkes Israel unter den anderen Völkern bestanden hatte. Deshalb ist es interessant, dass bei der Befolgung dieses Gebotes eine ganz besondere Begründung hinzugefügt ist, weshalb das geschehen muss. Die Menschen müssen die Ruhe des siebenten Tages deshalb einhalten, weil Gott das auch am siebenten Schöpfungstag beachtet hat: wir sollen dasselbe tun, was Gott tut; da das  die Weise ist, wie wir die Einheit mit Gott verwirklichen. In diesem Gebot erkennen wir, dass Gottes ursprüngliche Absicht, den Menschen nach seinem Bild und Gleichnis zu erschaffen, Wirklichkeit geworden ist. Der Grund für die Heiligung des Feiertages ist, dass der Mensch dasselbe tut wie Gott, das heißt, dass er Gott ähnlich wird.

Obwohl der geheiligte Feiertag bei dem größten Teil der Christen nicht der Sabbat, sondern der Tag der Auferstehung des Herrn ist, und man die Heiligung des Sonntages bei den Christen nicht direkt mit der Beachtung der Bestimmungen bei der Heiligung des Sabbats der Juden  vergleichen kann, ist dennoch die Heiligung des Feiertages auch ein Teil des Glaubens und der Frömmigkeit der Kirche Christi, sogar ein sehr wichtiger Teil.

Was ist das Neue, was Christus und das Neue Testament im Blick auf die Heiligung des Feiertages lehren?

Die Heiligung des Feiertages ist ein Gebot, das Gott seinem Volk gegeben hat. Die menschliche Erfahrung zeigt, dass der Mensch es aus eigener Kraft nicht vermag, die  Gebote zu erfüllen, und  die Zugehörigkeit zum Volke Gottes zu erwerben; deshalb würde niemand auch nur einen Augenblick vor Gott bestehen können, und er müsste ohne irgendeine Verheißung, errettet zu werden,  sterben, wenn das menschliche Leben nur von der Erfüllung der Gebote Gottes abhinge. Die Bibel bekundet uns, dass es Jesus ist, der mit uns einen neuen Bund geschlossen hat, und dass er der Einzige ist, der das Gesetz erfüllen kann. Diesen Bund schließt Gott mit dem neuen Volk Gottes, mit Seiner Kirche. Gott wird in diesem Bund durch Christus vertreten, und die Menschen durch dessen Jünger, die Apostel. In der Gemeinschaft des Brotbrechens, des Mahles des neuen Bundes, vereinigt sich die Kirche zur Gemeinschaft des Leibes Christi. Als Gemeinschaft des Leibes Christi erfüllt die Kirche Christi die Gebote. Wenn auch deren einzelnen Glieder das Gesetz nicht zu erfüllen vermögen, dann tut das Christus stellvertretend für sie.

Nach dem Zeugnis der Schriften des Neuen Testaments nahm seit dem Bestehen der Kirche der Tag des Herrn, der erste Tag der Woche, als der Tag der Auferstehung unter den Tagen der Woche eine ganz besondere Stellung ein. Einer der Kirchenväter hatte die Beziehung zwischen dem siebenten Tag der Woche, dem Sabbat, und dem ersten Tag der Woche, dem Tag der Auferstehung  folgendermaßen kommentiert: „In sechs Tagen erschuf Gott die Welt, am siebenten Tag ruhte er  von seinen Werken aus, doch am achten Tag, dem ersten Tag der Woche, vollendete er sein Werk.“ Somit ist der Tag der Auferstehung die Vervollständigung des Sabbats, an dem eine neuen Schöpfung, ein neuer Adam, erschaffen wird, der nicht mehr dem Joch der vernichtenden Macht Satans unterworfen ist, sondern Gottes Macht untersteht, der die Auferstehung und das Ewige Leben schenkt.

Das Volk des Neuen Bundes feiert deshalb den Ersten Tag der Woche als seinen Tag, und hat das Feiern des Sabbats verlassen. „So lasst euch nun von niemandem ein schlechtes Gewissen machen wegen eines bestimmten Feiertages, Neumondes oder Sabbats.“ (Kolosser 2,16). Am ersten Tage der Woche erschien Jesus den Jüngern auf dem Wege nach Emmaus (Lukas 24, 13ff), an diesem Tage versammelte sich die erste Gemeinde zum Brotbrechen (Apg. 20,7), und am Tage des Herrn erlebte St. Johannes die Offenbarung, (Offb. 1,10).

Der Entschluss der Christen, statt des Sabbats den  Sonntag als Feiertag zu begehen, wurde von den Juden nicht mit übernommen. Den Mittelpunkt dieses Tages als dem neuen Sabbat bildet Christus selbst .Die Ruhe des Feiertages ist die Ruhe des auferstandenen Christus, und

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die erhalten wir vor allem in der Gemeinschaft des Leibes Christi, in der Gemeinschaft seiner Kirche bei dem Hören des Wortes Gottes und in der Gemeinschaft des Brotbrechens, also im Gotteesdienst.

Welche Bedeutung hat das Dritte Gebot in der Lehre Luthers?

Für Martin Luther hat die Heiligung des Feiertages einen hohen Stellenwert. Er ruft zur rechten Heiligung des Feiertages auf, durch die  das Leben der Menschen reich gesegnet wird. Sowohl im Kleinen als auch im Großen Katechismus spricht Luther vom besonderen Charakter dieses Tages als dem Tag, an dem man die Stimme Gottes vernimmt, die er in seinem Wort offenbart. Wenn man das Wort Gottes nicht beachtet, hört und aus der Schrift nicht lernt, bedeutet das für Martin Luther, dass man gegen das Dritte Gebot handelt.

Nach Luthers Verständnis ist der Feiertag ein Tag, den Gott besonders für den Menschen geheiligt hat. Von Gott geheiligt und damit heilig zu werden, das ist nach Luthers Verständnis  das Ziel des Lebens eines gläubigen Menschen, ganz besonders der Heiligung des Feiertages. Im Großen Katechismus sagt Luther: „Darum merke, dass die Kraft und Macht dieses Gebotes stehet nicht im Feiern, sondern im Heiligen, also dass dieser Tag eine sonderlich heilige Übung habe. Denn andere Arbeit und Geschäfte heißen eigentlich nicht heilige Übungen, es sei denn der Mensch zuvor heilig. Hier aber muss ein solches Werk geschehen, dadurch ein Mensch selbst heilig werde, welches allein durch Gottes Wort geschieht, dazu denn gestiftet und geordnet sind Stätte, Zeit, Personen und der ganze äußerliche Gottesdienst, dass solches auch öffentlich im Schwang geht. Weil nun so viel an Gottes Wort gelegen ist, dass ohne dasselbe kein Feiertag geheiligt  wird, sollen wir wissen, dass Gott dieses Gebot strenge will gehalten haben und strafen alle, die sein Wort verachten, nicht hören noch lernen wollen, sonderlich die Zeit, so dazu geordnet ist. Darum sündigen wider dieses Gebot nicht alleine, die den Feiertag gröblich missbrauchen und verunheiligen, als  die um ihres Geizes oder ihrer Leichfertigkeit willen Gottes Wort nachlassen zu hören oder in Tavernen liegen, voll und voll sind wie die Säue, sondern auch der andere Haufe, so Gottes Wort hören wie einen anderen Tand und nur aus Gewohnheit zur Predigt und wieder heraus gehen.“

Ist in unserer Zeit die Heiligung des Feiertages weiterhin aktuell?

Es lohnt sich für jeden einzeln oder in der Gemeinschaft darüber nachzudenken, was es heute bedeutet „Du sollst den Feiertag heiligen.“, denn zweifellos ist „ein Tag in deinen  Vorhöfen besser als sonst tausend.“  „Den Tag heiligen“  bedeutet, ihn dem Herrn widmen, heiligen. Er ist nicht zum Geldverdienen und für Vergnügungen bestimmt, und auch nicht dem einfachen Ausruhen. Er ist für die Begegnung mit Gott gedacht. Den Tag dem Herrn widmen, das heißt zuerst die Begegnung mit Ihm zu suchen. Wir können unseren Herrn immer und überall im Gebet ansprechen, und seine Gegenwart hat er besonders im Gottesdienst der Kirche verheißen, zu dem sich Seine Gemeinde zusammenfindet. Christus hat ihr verheißen, in Seinem Wort und im Brot und Wein bei ihr zu sein. Das ist in unserer Zeit ebenso aktuell wie es damals war, als Gott seinem Volk die Gebote übergab, und wie damals, als Christus dazu aufrief, ihm nachzufolgen, was die Apostel und andere zu allen Zeiten getan haben.

Die Gegenwart Gottes ist im Gottesdienst sichtbarer, greifbarer als sonst. Deshalb gehört zur Heiligung des Feiertages auch die Teilnahme am Gottesdienst. Gelegentlich hört man den Einwand, dass die Teilnahme am Gottesdienst nicht verpflichtend sei. Manches Mal muss man den Einwand hören, dass der regelmäßige Besuch des Gottesdienstes nur von geringem Wert sei. Es würde doch dem Herrn viel besser gefallen, wenn sich jemand nicht aus Pflichtgefühl am Gottesdienst beteiligte, sondern aus freiem Willen. Leider beachtet diese

Ansicht nicht die Sündhaftigkeit des Menschen, die ihn eher zum freiwilligen Daheimbleiben als zum freiwilligen Gottesdienstbesuch auffordert. Deshalb ist es besser, den Gottesdienst zu besuchen, weil man sich dazu verpflichtet fühlt als überhaupt nicht zu kommen. Auch im

SR 3-2010                                                  – 10 –

Christentum muss es das Pflichtbewusstsein geben. Bei jemandem, der sich damit entschuldigt „Ich komme zum Gottesdienst, wenn es mir notwendig erscheint“, verliert die Heiligung des Feiertages ihren verbindlichen Charakter und wird von den persönlichen vorhandenen oder fehlenden  Wünschen des Betreffenden geleitet, und dann gibt es eines Tages den Wunsch, zum Gottesdienst zu gehen, überhaupt nicht mehr. Als ob wir das Recht hätten, diese Frage zu entscheiden, und uns dabei von unserem Geisteszustand oder unseren subjektiven Empfindungen leiten zu lassen.

Wir nehmen am Gottesdienst teil, weil es „würdig und recht“ ist. Der Sonntag gehört nicht uns Menschen, sondern Gott, und wir haben nicht das Recht, nach eigener Laune zu bestimmen, ob wir zum Gottesdienst kommen oder nicht. Gott hat uns geschaffen und erlöst, und deshalb dienen wir ihm. Objekt des Glaubens sind nicht wir Menschen, sondern Gott ist es. Es kann doch nicht von der „Befriedigung religiöser Bedürfnisse“ die Rede sein oder davon, dass wir manches Mal die Notwendigkeit von Religion verspüren, sondern von Gottes Forderung, Seinen Tag zu heiligen. Nur die Heiligung des Sonntages hält die Gläubigen in enger Gemeinschaft mit ihrem Herrn und Heiland zusammen. Gott hat uns das Dritte Gebot nicht gegeben, um dem Menschen Grenzen zu setzen, sondern um ihm das Größte und Schönste zu schenken, also das, was wir für unser Leben unbedingt brauchen – seine Gegenwart in der Gemeinschaft der Kirche, im Wort und Sakrament.

Chefredakteurin: Inga Reča

Anschrift der Redaktion: Alksnāja iela 3 .- Riga- LV 1050

E-Mail-Adresse: svetdienasrits@apollo.lv

Übersetzung: Johannes Baumann (abgeschlossen am (10.2.2010)

Brucknerstr. 24.-  D-27711 Osterholz-Scharmbeck

Telefon: 04791-13356

E-Mail-Adresse: baumann-ohz@arcor.de

Nachwort des Übersetzers

Die augenblicklichen Wetterverhältnisse machen es einem nicht mehr ganz jungen Menschen wie mir nicht sehr leicht, einen Schritt vor die Haustür zu tun. Das hat mich intensiver an die Übersetzungsarbeit gebracht, was auch der Grund dafür ist, dass ich  dieses Mal alles eher geschafft habe als sonst. Trotzdem habe ich eine Reihe von Beiträgen unübersetzt gelassen. Da ist zuerst ein sehr ausführliches Interview von Ieva Pitruka mit der Fernsehjournalistin Lolita Roze, die auf vielen Gebieten in der Kirchengemeinde Saldus aktiv ist, unter der Überschrift „Augen, die man nicht vergessen kann“ , in dem sie über ihr Leben und ihre Arbeit befragt wird. In einem weiteren Interview kommt der Evangelist Viktor Hamm (aus dem Kreise um Billy Graham) zu Wort, in dem Inga Reča ihn danach fragt, was ihm Lettland in seinem Leben bedeutet. Um die Zahl der unübersetzten Beiträge nicht enden zu lasse, steht in dieser Ausgabe eine Abhandlung der Lehrerin an der St. Gregorschule in Saldus Asnate Dzene, in der sie Auskunft darüber gibt, wie Gott in ihr Leben kam. Ebenso wie diesen, so habe ich auch einen Beitrag von Joachim Cochlovius – „Die Bibel über Mann und Frau – genial und aktuell“- nicht übersetzt, letzteren vor allem deshalb nicht, weil es davon die deutsche Originalfassung bereits gibt, die in SR in der lettischen Übersetzung wiedergegeben wird. Dagegen wollte ich in meiner Übersetzung meinen Kirchenmusikerkollegen Vilis Kolms zu Wort kommen lassen, der zu Beginn der Vorfastenzeit sich in seinem Beitrag „Leben in der von Gott geheiligten Zeit“ vor allem mit der Sonntagsheiligung auseinandersetzt.. Ich tue das mit meinen besten Grüßen und Wünschen für seine Promotion, für die er sich zur Zeit in Greifswald und Rostock aufhält. J.B.

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