Verfasst von: liefland | November 3, 2010

Ausgabe Nr.12 (1839 ) vom 11. September 2010

Seine Macht ist ewig Daniel 7,14

Auszüge aus Svētdienas Rīts, Zeitung der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, herausgegeben von ICHTYS GmbH, erscheint seit Januar 1920.
15. Sonntag nach Trinitatis Ausgabe Nr.12 (1839 ) vom 11. September 2010

Spalte der Chefredakteurin Inga Reča
Es hat einen Sinn!
Wie würdet Ihr Euch fühlen, wenn die Redakteurin Eurer Kirchenzeitung Euch mitteilen würde: Die englische Königin gehört zu den Abonnenten unserer Kirchenzeitung? Ihr würdet bestimmt die Augen weit aufreißen und die Überraschung wäre perfekt, nicht wahr?
Genau das war auch meine Reaktion, als ich den Direktor des Museums Schloss Rundāle Imants Lancmanis kennenlernte und er mir bei der Gelegenheit mitteilte, dass er genau wüsste, wie unsere Kirchenzeitung aussieht. Auf meinen fragenden Blick antwortete mir Herr Lancmanis: „Im Schloss Rundāle abonnieren wir Svētdienas Rīts seit fast 20 Jahren“.
Ich bin Gott dankbar, dass ich die Möglichkeit habe, an unserer Kirchenzeitung mitzuarbeiten
und es mir dadurch geschenkt ist, herausragenden Persönlichkeiten zu begegnen, deren Beitrag zum Wohle unseres Vollkes und Landes nicht zu übersehen ist. Ich wünsche mir sehr, dass durch unsere Beiträge und Interviews wenigstens ein Schimmer dessen sichtbar wird, was diese Persönlichkeiten während ihres Lebens zum Wohle unsers Landes getan haben und das Herz unserer Leser berührt. Deshalb fasse ich die Begegnung mit Imants Lancmanis als ein ganz besonderes Geschenk Gottes auf und möchte alle – seien es Kirchengemeinden oder einzelne Persönlichkeiten – dazu aufrufen, nach Rundāle zureisend, wenn möglich, dann schon in diesem Herbst! Dort könnt Ihr Eure Seele erfrischen und werdet von einem Menschen empfangen, der sich um das Schicksal unserer Kirchen und Gotteshäuser kümmert. Es lohnt sich darauf einzulassen, was er über Lettland und die Letten zu sagen hat. Das wird sicher nicht nur Glänzendes sein, aber gerade deshalb lohnt es sich, Mnches zu lesen und darüber nachzudenken. – über uns, über unser Land und auch über die Kirche.
Dass die Arbeit der schreibenden Autoren unserer Kirchenzeitung nicht vergeblich ist, machte mir eine weitere Begegnung in der Gegend von Bauska deutlich. Auf einer unserer Sommerreisen bin ich Dzintra Gaile aus der Kirchengemeinde Bauska begegnet. Dzintra ist regelmäßige Leserin unserer Kirchenzeitung. Sie abonniert sie, seit sie wieder erschienen ist. Das Ungewöhnliche an ihrer Geschichte ist, dass sie SR 15 Jhre lang abonniert hatte, ohne dass sie Christisn war. Erst vor fünf Jahren wurde sie konfirmiert. Wie Gott in ihr Leben eingegriffen hat, darüber berichten wir in dieser Ausgabe unter dem Stichwort „Zeugnis“

Weshalb lohnt es sich, zu leben? Inga Reča
„Er ist unser Goldstück! Verschwenden Sie nicht unnötig seine Zeit, sondern nutzen Sie sie aus, soviel Sie können,“sagte mir ein weiser Forscher, dem ich meine Absicht, nach Rundāle zu reisen, um dort im Schlossmuseum dessen Hausherren Imants Lancmanis zu interviewen, mitteilte. Als ich noch einmal alle Informationen über Herrn Lancmanis, die mir zur Verfügung standen, durchging, da wurden mir die Kniee weich angesichts seines Lebenswerkes und der vielen Ehrungen, die ihm weltweit zuteil geworden sind.. Das hatte bei mir nur eine Reaktion ausgelöst: Ich musste meinen Kopf senken vor der Haltung und dem Wissen dieses Menschen Im Jahr 2014 sind es 50 Jahre her, seit Imants Lancmanis zusammen mit Gesinnungsgenossen die Restaurierung von Schloss Rundāle begonnen hatte. Davon sind nur noch wenige Räume übrig geblieben, an denen etwas getan werden muss. Und dann… Und dann kommt ganz bestimmt ein anderes für Lettland wichtiges Vorhaben dran. Bei unserem Gespräch wurde mir deutlich, dass das Schloss Rundāle einmalige Informationen über Gotteshäuser bei sich beherbergt, die ihrer weiteren Nutzung harren.

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– Als wir uns zum ersten Mal begegnet sind, da sagten Sie, dass es drei Zeitungen seien, die das Schloss Rundale abonnieren würde: „Diena“ (die größte Tageszeitung Lattlands), „Svētdienas Rīts“ (unsere Kirchenzeitung“ und „Bauskas Dzīve“ (die örtliche Kreiszeitung). Das ist eine seltsame Auswahl! Weshalb abonnieren Sie unsere Kirchenzeitung SR?
– Weil dort Dinge zu lesen sind, welche uns sehr interessieren, abonnieren wir die Kirchenzeitung seit ihrem Wiedererscheinen. Wir schneiden alles aus, in dem über unsere Kirchen berichtet wird und ordnen das in unsere Kirchenakten ein. Aber dabei lese ich jede Ausgabe vollständig durch.
– Ich habe gelesen, dass wir es Ihnen verdanken können, dass Anfang der 60er Jahre aus vielen Kirchen einmalige Werte der Kunst und Kultur vor der Vernichtung gerettet werden konnten. Wie ist es dazu gekommen?
– 1961 begann das geplante Auslöschen der Kirchengemeinden, in deren Folge viele Gemeinden ihre Existenz verloren. Mit den Rettungsarbeiten begannen wir schon Anfang der 60er Jahre, als es im Schloss Rundāle noch gar kein Museum gab. An dieser Stelle möchte ich die Bedeutung des außerordentlich großen und viel zu selten erwähnten Künstlers Jurģis Skulme würdigen, welcher es als erster wagte, damit anzufangen. Er begann damit, dass er zusammen mit seinem Vater und anderen Begeisterten die Skulpturen der Kirche von Lestene vor dem Verfall bewahrete, die er auf dem Boden der Kunstakademie verbarg. Danach bereiste ich mit ihm und meinem Kollegen Mārcis Kļaviņš viele Kirchen und gebrauchten zur Tarnung die Ausrede, dass das Laboratorium für Kunstgeschichte historische Materialien sammelte. Die Möglichkeit für umfangreichere Rettungsaktionen gab es erst seit dem Jahr 1964, als wir das Gebäude von Schloss Rundāle bezogen, in dem wir reichlich Räume hatten, um dort alles aufzubewahren.
– Haben Sie sich bei dem allen nicht auch gefürchtet? Jurģis Skulme musste deswegen sich doch auch vor einem Gericht verantworten.
– Wir hatten vielleicht aus einem Grunde dabei Erfolg. Alles, was im Schloss Rundāle geschah, fasste man als ein exterritoriales Geschehen auf., weil wir nicht in Riga waren, und weil sich unsere Tätigkeit mit der Geschichte befasste. Denn zum Beispiel haben uns die Leute vom KGB nie gestört, da sie viel mehr an Kontakten mit den Letten im Ausland interessiert waren und nicht an unseren Beziehungen zu deutschen Baronen. Unser Interesse an Kirchen und für Gutshäuser hielt man für unschädliche Kindereien. Ich nehme das einfach an, denn anders kann ich es mir nicht erklären, weshalb es bei uns nie zu Komplikationen gekommen ist. Wir hatten keine Furcht, denn wir waren durch unsere Arbeit hingerissen Eine weitere Persönlichkeit, die uns bei unserer Arbeit sehr geholfen hatte, war der Direktor des Museums von Bauska Laimonis Liepa. Rundāle war damals eine Filiale von Bauska und Laimonis Liepa bestimmte die Ausrichtung der Arbeit unseres Museums. Er hätte sagen können: Haltet das Schloss nicht für eine Kirche! Aber er sagte: Das müsst ihr tun: „Unser Museum in Rundāle ist Gott und dem Gusbesitzer gewidmet.“ Manches Mal lachte er etwas darüber, aber das war es dann auch.. Und wir konnten damit ruhig fortfahren, unser Museum als Kirchenmuseum mit vielen Wertgegenständen einzurichten Wir bauten alles selbst ab, beschafften uns die erforderlichen LKWs dadurch, dass wir einem örtlichen Unternehmer den von ihm gewünschten Schnaps organisierten, der uns dann bei dem Verladen und Transport half. Ich werde es nie vergessen, was 1968 in der Kirche von Vāne geschehen ist. Uns wurde gemeldet, dass man vor hätte, aus dem Gotteshaus eine Turnhalle zu machen. Rettet doch, was Ihr retten könnt. Und wir nahmen alles heraus, was wir konnten. Darunter auch eine riesige Grabplatte, bei der wir feststellten, dass dieses die größte Grabplatte Lettlands sei. So konnten wir auch diesen Kunstgegenstand vor seiner Zerstörung bewahren.

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Auch die Kirche von Stende ist ein klassisches Beispiel für die ganze Tragödie, von der alle Gotteshäuser in Lettland während der 60er Jahre betroffen wurden. Etwas, was ich unseren Kirchengemeinden vorwerfen kann, das ist die damalige Depression und Panik, und dass sich die Leute in den Kirchengemeinden keine allzu große Mühe gaben, ihre Gotteshäuser zu erhalten. Um in eine Reihe von Gotteshäusern hineinzukommen, benötigten wir gar keinen Schlüssel. Die Türen waren weit geöffnet… So auch in Strutele. Ein Jahr nach der Auflösung der Kirchengemeinde war in der Kirche noch nichts geraubt; doch als wir als Mitarbeiter des Museums zurückkehrten, war vieles vorher herausgeschleppt worden. So gelang es uns, dort nur einen kleinen Teil der wertvollen Gegenstände zu retten. Die Kirche stand, das Dach war in Ordnung, doch nachdem weitere Jahrzehnte vergangen waren, ist von der Kirche nur noch eine Ruine übrig geblieben. Wir haben es deutschbaltischen Geschlechtern zu verdanken, dass wir 1996 die Kirche wieder neu weihen konnten.
– Viele Kirchen sind vor Ihren Augen zusammengebrochen und haben auch eine solche Auferstehung erleben können.
– Ja, es gab aber auch solche tapfere Kirchen, die überlebt haben, zum Beispiel die Kirche von Zlēkas ist bewundernswert, ebenso auch die Kirche von Ēdole. Diesen Gotteshäusern gelang es vor allem dank der ganz besonders unternehmungsfreudigen Gemeindeältesten zu überleben. Diese haben für ihre Gotteshäuser gekämpft, saßen auf der Schwelle und bewachten sie. Die Tragödie aller Kirchen Lettlands stand uns vor Augen, und deshalb machten wir die Ausstellung „Die Zeit der Zerstörung.“ In den 60er Jahren haben wir alles fotogafiert, was wir in den Kirchen zu sehen bekamen. Das war sicher unser gefährlichstes Unternehmen, denn Jurģis Skulme wurde gerade deshalb der Prozess gemacht. Man beschuldigte ihn, dass er Fotos dieser Art in das Ausland geschickt hätte. Ihnen kam es aber gar nicht in den Sinn, dass wir im Museum riesige Stapel von solchen Aufnahmen hatten. Bei der Ausstellung zeigen wir, wie eine Kirche vorher ausgesehen hatte und wie sie zur Sowjetzeit hergerichtet wurde, und zeigen auch die Gegenstände, die wir retten konnten.
– Ist man sich eigentlich des großen Wertes der Altarbilder, der Innenausstattung und anderer Gegenstände bewusst?
– Bis in das letzte Detail. Gemeinsam mit dem Denkmalsamt gelang es dem Museum ein Denkmalsverzeichnis zu erstellen. Außerdem fügten wir allen Gegenstände eine Dokumentation der Erforschung bei. Im Archiv sind wir alle Protokolle der Kirchenvisitationen durchgegangen. Ich selbst habe während der 70er Jahre am Bestand des Konsistoriums von Kurland gesessen. Wir halten das alles für einen Gesamtkomplex – die Kirche als Gebäude, den künstlerischen Wert und so weiter.. Damit sind wir im Besitz eines sehr guten, aber leider fast überhaupt nicht genutzten Archivs.
Kehren wir zur Ausstellung „Die Zeit der Zerstörung“ zurück. Es ist unsere Absicht, eine große Publikation herzustellen, einen Ausstellungskatalog, welcher mit Beiträgen darüber vervollständigt wird, was alles in der Nachkriegszeit im Rahmen der Vernichtung der Kirchen geschehen ist.
– Sie sind einer der ganz wenigen Menschen, dem das Lebensbild unserer Kirchen und Kirchengemeinden im Laufe von mehreren Jahrhundedrten ganz deutlich vor Augen steht. Wie stellt sich Ihnen dieses Gesamtbild dar?
– Die Materialien des Konsistoriums von Kurland weisen oft auf dasselbe hin, was zu allen Zeiten geschieht – die Lage ist schwierig. Geld ist nicht vorhanden und die Pfarrer klagen ständig. Da gibt es zuerst die Klage über das Kirchengebäude, dessen Dach bald allen auf den Kopf fallen würde zweitens steht das Pastorat unmittelbar vor dem Zusammenbruch. Dabei sind die Klagen auch sicher begründet. Die armen Pfarrer mussten leiden, denn die Bürokratie des Imperiums Russland war außerordentlich langsam. Da gibt es zum Beispiel ein Schreiben aus dem Jahr 1828, und dann eins aus dem Jahr 1829 mit derselben Klage. Es vergehen 5
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Jahre, bis irgendein Geldbetrag bewilligt wird, um irgendetwas zu tun. Die Lebensumsände waren hart, und wir sollten uns nicht von der Vorstellung leiten lassen, dass die Religion damals eine andere Rolle spielte, und alles leichter gewesen sei. Auch in den Protokollen der Kirchenvisitationen ist nur in wenigen Fällen zu lesen, dass eine Kirche in einem guten Zustand sei. Stattdessen heißt es in den meisten Fällen: schlecht, sehr schlecht oder entsetzlich, es regnete herein, die Fenster sind undicht und einen Fußboden gäbe es überhaupt nicht. So war das geistliche Leben damals von großen Behinderungen geprägt. Alle Unterlagen der Kirchenvisitationen sagen über die geistlichen Werte NICHTS aus, sondern nur etwas über das Leben und die Lebensumstände.- über die Gebäude und deren ständigen Zusammenbruch. So sollten wir, wenn wir von den Zeiten des Zusammenbruches reden, nicht nur an die Sowjetzeit denken, die uns apokalyptisch als Zeit des völligen Zusammenbruches erscheint, sondern dass es nie leicht gewesen ist. Fangen wir vielleicht mit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts an. Damals waren die Kirchen in einem guten Zustand, es gab genügend Geld und alle gingen zum Gottesdienst. Das war eine Zeit der Blüte. Der Erste Weltkrieg brach über ein Lettland hinein mit wundervoll in Stand gesetzten und in Ordnung gehaltenen Kirchen. Aber so richtig gut ist es eigentlich nie gewesen. Immer gab es Kämpfe und Schwierigkeiten.
– Wie groß ist der Anteil der von Ihnen geretteten Wertgegenstände, der in die Kirchengemeinden zurückgekehrt ist und welchen Herzens haben Sie sie zurückgegeben?
– Das ist sehr unterschiedlich. Wir geben sie leichten Herzens weg, wenn wir davon überzeugt sind, dass wir diese Wertgegenstände den Kirchengemeinden anvertrauen können, und dass diese mit ihnen sorgfältig umgehen und nichts beschädigt wird. Mit aufrichtiger Freude haben wir ein restauriertes Altarbild und auch das Altarsilber zurückgegeben, was bald darauf gestohlen wurde. Deshalb stellt sich uns oft die Frage: Sind sich unsere Kirchengemeinden wirklich dessen bewusst, was sie mitgenommen haben, und sind sie in der Lage, diese Wertgegenstände der Kultur angemessen sicher zu stellen? Wenn ein solcher Gegenstand gestohlen wird, dann ist das nicht nur ein Verlust der Kirchengemeinde, sondern ein Verlust für das ganze Land.
Es gibt nur recht wenige, die ihre Kanzel und ihren Alar zurück haben möchten. So haben zum Beispiel die Leute der Kirchengemeinde Burtnieki ihre Kanzel mitgenommen, sie gereinigt und dabei unten ein Gemälde entdeckt. Den Kirchen von Augstkalne und Ziemupe haben wir die ganze Einrichtung zurückgegeben. Das verursachte bei der Ausstellung „Die Zeit der Zerstörung“ eine größere Lücke. Deswegen mussten wir die Ausstellung schließen und jetzt überlegen, was wir an deren Stelle hineinsetzen.
Das allergrößte Problem unter allen Kirchen ist die Kirche von Lestene. Deren unvergleichlicher Wert – nicht nur künstlerisch, sondern auch kulturhistorisch und als Symbol, das eng mit dem Gedenken an die Lettische Legion verbunden ist – müsste Anlass sein, diese Kirche in das nationale Aufbauprogramm hineinzunehmen. Alle Gegenstände dieser Kirche, die sich bei uns befinden, werde ich der Kirche für deren völlige Restaurierung zurückgeben. Was die Kirchengemeinde Lestene unternimmt, ist sehr zu loben. Mit wenig Geld sind sie auf dem richtigen Wege weitergekommen. Sie setzen die Fenster wieder ein – solche, wie sie ursprünglich waren. Aus alten Fliesen setzen sie den Fußboden ein.
– Da Sie einen vollkommenen Überblick über den kulturellen Wert der Kirchen Lettlands haben, möchte ich Sie bitten, mir die 5 Kirchen in Lettland zu nennen, denen Sie die Plätze 1 bis 5 zuerkennen würden.
– Wenn wir von den Gotteshäusern sprechen, die noch erhalten sind, dann muss ich nach Lestene ganz bestimmt Apriķi und Nurmuiža nennen. Apriķi ist wunderschön und lieblich,

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aber Lestene ist daher bewundernswert, dass der ganze Innenraum das letzte Werk des Holzschnitzers Söffrenz ist und zusammen mit dem Orgelwerk etwas Einmaliges darstellt.
– Der größte Teil der Menschen in Lettland hat den Innenraum der Kirche von Lestene noch nie gesehen. Das heißt doch, dass wir das Schönste, was wir haben, noch entdecken müssen?
– Ja. Der Innenraum der Kirche von Lestene ist viel mehr als eine Legende. Es gibt einige Fotos, das Buch von Wipper, wo sie über alle Dinge gelobt wird. Auch wir können nicht alles ausstellen, denn diese Einrichtung ist einfach gewaltig.!
Auch die Inneneinrichtung der Kirche von Edole ist einzigartig, sehr reich und schön. Nicht zu reden von der Dreifaltigkeitskathedrale in Liepāja – diese steht ausßerhalb von jeder Konkurrenz und übertrifft alle anderen. Ebenso wie das Schloss Rundāle, so übertrifft die Kathedrale in Liepāja alle anderen hiesigen Möglichkeiten. Es ist eine Importware – völlig europäische Perfektion. Doch wir haben noch mehr. Zum Beispiel die Kirche von Subate – sowohl innen als auch außen unbeschädigt, ausgenommen ein Epitaph, das gestohlen wurde. Subate ist fast unbekannt und völlig unterbewertet.
– Während der letzten Jahre gab es zwischen den Denkmalsschützern und den Gemeinden eine Diskussion darüber, wie eine Kirchengemeinde in solchen kulturhistorisch wertvollen Räumen leben und diese Wertgegenstände erhalten kann, ohne dabei den Atem zu verlieren?
– Als ich in Paris war, habe ich mich gewundert. Dort gab es in Kirchen solche Winkel, in denen Gemeindeleben stattfand. Dort gab es Teeabende und vieles andere. Das nahm den Kirchenraum sehr in Anspruch, ich würde sagen, fast ein wenig zu viel.
– Ich las einmal einen Beitrag, in dem dessen Verfasser Sie als Beispiel dafür nannte, dass jemand große und abslolute Werte in seinem Leben verwirklichen, in sein Leben hineinbringen und darin aufweisen kann. Welches sind nach Ihrer Meinung die Werte, die man über alle Wechsel der Zeiten hinweg für das eigene Leben bewahren sollte?
– Wenn ich Ihnen jetzt antworte, dann werden Sie vielleicht denken, dass ich mich damit vielleicht dem Profil von „Svētdienas Rīts“ anpassen möchte. Ich glaube tatsächlich, dass alles in den 10 Geboten enthalten ist und dass hier der Mensch darauf gewiesen wird, wie er sein Leben darauf ausrichtet, was gut ist. Ganz einfach. Das Gute geht von den Geboten aus und umgekehrt – die Gebote gehen von der richtigen Vorstellung vom Guten aus. Anderenfalls verliert das Leben seinen Sinn und in jedem Augenblick verliert der Mensch den Platz, auf den er in dieser Welt gestellt worden ist, in dieser Welt voller Versuchungen und anderer Seltsamkeiten. Das klingt schon fast banal, aber das Leben bekommt seinen Sinn erst, wenn der Mensch sein Leben an irgendein Ideal, an irgendetwas Gutes anpassen und auf der Suche nach Harmonie sein möchte. Wiederum kann man Harmonie nicht finden ohne die guten Prinzipien, die in den Geboten enthalten sind. Ganz egoistisch könnte ich sagen: Ich suche die Harmonie, weil diese mir ein angenehmes Gefühl für Leib und Seele schenkt. Jemand, vermag es nicht, harmonisch zu leben, wenn er sich hat verführen lassen, wenn er verräterisch gehandelt hat, Bestechungsgelder angenommen hat usw Ich denke, dass das in irgendeiner Weise dem Leben in der Hölle gleich kommt.
Anscheinend ist das ein ganz einfaches Rezept, aber es überrascht mich immer wieder, dass Menschen es nicht begreifen.
Sie haben es als Ihren Egoismus bezeichnet, aber irgendjemand muss doch diese Auffassung in Sie hineingepflanzt haben. Waren es die Eltern, war es die Umwelt?
Ja, sowohl die Eltern als auch die Umwelt, aber in jedem Menschen, außer in jenen mit schweren und schrecklichen genetischen Behinderungen, gibt es ein Gleichgewicht. Natürlich kann eine schlechte Familie viel zerstören, aber es liegt doch sehr fern, dass ein Mensch selbst

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seine Werteskala entdeckt, und das, was er in seinem Leben erreichen möchte. Dabei geht es nicht um Erfolge. Ich erinnere mich an ein fast biblisch anmutendes Gleichnis darüber, was ein Matrose auf seinem Sterbebett gesagt hat: „Ich denke, ich bin ein guter Matrose gewesen.“
Auch wenn in seinem Leben nicht viel besonderes vorgekommen ist. Ein weiteres Thema ist die Erziehung. Das ist eine globale Frage – in wie fern kann die Familie, die Schule, und ich möchte auch sagen die Kirche den Menschen auf den rechten Weg bringen und ihm bewusst machen, was die Hauptsache im Leben ist: wo ist der Weg, der mir die größte Befriedigung, das größte Wohlgefühl und die größte Genugtuung schenkt? Wenn eigentlich jeder Mensch eine Vorstellung vom Idealen und Guten hat, so gibt es doch andererseits Versuchungen. Und auch hier stoßen wir wieder auf die Bibel – die Ursache für alles Unglück ist die Versuchung. Jeder begegnet in seinem Leben zwangsläufig den Qualen der Versuchung. Dabei fragt es sich, ob die Familie, die Schule und die Kirche es vermögen werden, ihn diese bösen Geister besiegen zu lassen? Wie wir es sehen, so ist das sehr schwer, in ein kleines Kind diese Werteskala hineinzupflanzen, die es darauf hinweist, weshalb es sich zu leben lohnt. Vielleicht ist das das Wichtigste im Leben, und nicht die Vermittlung von mathematischen oder geographischen Kenntnissen.
Die am meisten verbreitete Ansicht in der Gesellschaft über die Kirche hört sich so an: wenn ihr dorthin geht, dann bekommt ihr nicht die Freiheit, sondern das Gesetz in der Form der 10 Gebote, die euch unter Druck setzen. Es wird die Ansicht kultiviert, dass die wahre Freiheit nur außerhalb der 10 Gebote zu finden sei.
– Deshalb finde auch ich keine Antwort auf die Frage, auf welche Weise die Kirche in unserer Zeit funktionieren könnte, denn der Mensch möchte sich nicht selbst unter Druck setzen. Dabei möchte ich nicht einmal davon sprechen, dass sie zu faul sind, um zur Kirche zu gehen, sondern dass die Gebote ihnen zu schwer erscheinen. Ich denke, dass das Weiterbestehen der Kirche wie ein Ritual davon abhängen wird, dass die Menschen es begreifen, dass man auch im Kreise der Familie die Gebote erlernen kann. Wenn die Schule den Religionsunterricht, die Disziplin fürchtet, so kann man das dort auch auf andere Weise vermitteln, dass man im Unterricht nicht Bibelkunde oder Glaubenslehre weitergibt, sondern dass sich die Grundgedanken durch alle Fächer ziehen.
Ihr Lebenswerk, das Schloss Rundāle, hat Sie viel Kraft gekostet. War es auch die Erfüllung Ihrer eigenen Wünsche?
– Einerseits könnte man das sagen, aber andererseits möchte ich einfach nicht sagen, wie unvorstellbar schwer alles war. Und das ist auch einer der Gründe dafür, dass ich nicht zurückblicken möchte, um mich an vieles zu erinnern. Aber das sind nur Schwierigkeiten, die ich selbst habe und die nicht entsetzlich sind, denn deren Überwindung bringen mich der Erfüllung meiner Ideale näher. Das ist alles in Ordnung. Und was hinter mir liegt, wird ausgelöscht.
Wie blicken Sie auf das Heute? Es gibt doch die große Versuchung, alles hinzuwerfen und sich für einen Weg mit geringeren SWiderständen zu entscheiden. Hat es einen Sinn, für das Gute zu kämpfen?
-Immer wieder zu allen Zeiten und auch in der Geschichte der Menschen werden zwei Dinge deutlich – erstens muss man kämpfen und sich zweitens auf die göttliche Vorsehung verlassen. Dabei sollten wir auch stets bedenken: keine Krise ist jemals endlos gewesen. In der Lehre der Geschichte gibt es kein einziges Beispiel, wo alles bergab geht und in der Hölle landet. Ja, es gibt Leid und Schwierigkeiten, man fällt, aber es geht auch aufwärts, einen Augenblick bleibt man auf der Stelle stehen und dann geht es wieder voran. Das ist Dialektik aber auch die Rettung. Das beweisen auch unsere klekinen Erfahrungen, die wir hier im Schloss gemacht haben. 46 Jahre sind wir jetzt hier und haben immer wieder diese innere Dialektik erlebt – mit Krisen und Verzweiflung. Meine verstorbene Frau sagte, dass man sich
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in einem solchen Fall nicht dagegen zu sträuben brauchte, denn die göttliche Vorsehung hätte immer für uns eine bessere Möglichkeit bereit. Und so ist es dann auch immer gewesen. Selbst in solchen völlig aussichtslosen Situationen, in denen es schien, dass alles zu Ende sei und man aufgeben müsste. Und plötzlich kommt eine Lösung vom Rande aus einer Richtung, die wir überhaupt nicht im Blick hatten.
Eine solche Krise ist sowohl für Lettland als auch für die Welt eine Prüfung, die wir irgendwann hinter uns haben werden. Es gibt eine ganze Reihe von solchen Mechanismen, die der Mensch nicht beeinflussen, voraussagen kann, und es ist wirklich töricht zu glauben, dass man alles voraussehen kann – sei es in der Wirtschaft, sei es in der Politik Es gibt ein interessantes Gleichmaß zwischen dem Kampf und sich gegen etwas wehren und dem, in welchem Augenblick ich zu warten, zu hoffen und zu glauben anfangen muss. Und dieser Mechanismus hat auch stets in der Geschichte funktioniert. Alle Dinge steigen auf, um danach zu fallen.
Im Jahr 1991 dachten wir, dass alles glatt und einfach gehen würde, aber das erschien mir bereits damals verdächtig, dass es keine Hindernisse durch Leid geben sollte. Dass wir einfach von der sowjetischen Ordnung in einen neuen Kapitalismus hinüberfließen könnten – ohne Opfer und bittere Erfahrungen. Mit dieser Oberflächlichkeit, Leichtigkeit und Faulheit gingen viele Menschen in das neue System hinüber.
Ich nehme jetzt Deutschland als Beispiel. Ich habe sehr über den Zweiten Weltkrieg nachgedacht und weshalb es nicht gelungen ist, Hitler bei der Verschwörung zu beseitigen. Das war für Deutschland eine große Tragödie, aber auch ein großes Geschenk. Denn sonst wären sie aus der Misere sehr leicht herausgekommen. Doch gerade der Zusammenbruch Deutschlands und dessen unvorstellbare Demütigung und völlige Zerstörung haben Deutschland zu dem gemacht, was es ist: zu einem reichen Land mit der stabilsten Gesellschaft, auch aus moralischer Sicht. Und das nur deshalb, weil man dort alles neu beginnen musste. Dass sie aus Ruinen nicht nur ein neues Deutschland erbauten, sondern sich auch selbst. Gerade dieser Zusammenbruch ließ sie ein neues Leben beginnen und auch alle stabilen Werte mit einer unglaublichen Haltbarkeit und Zähigkeit. So erwies sich das am Ende als Geschenk. Aber für Lettland war dieser flinke Übergang in den Kapitalismus zu leicht. Schon damals konnten wir hören, dass die Zeit kommen würde, in der es sich erweisen würde, dass vieles auf Sand gebaut ist, dass die Menschen auf die Situation nicht vorbereitet waren und dabei faul und oberflächlich seien. Sie sind nicht professionell, sie möchten sich nicht weiter entwickeln, Sprachen erlernen, untadelig sein. Aus dieser Sicht ist die Krise in Lettland viel schlimmer als in anderen westlichen Ländern, denn im Westen geht es um eine Wirtschaftskrise, aber in Lettland um eine allgemeine Krise. Es ergab sich, dass die Menschen schwach sind und niemandem nützen und eigentlich nur Erdbeeren sammeln können. Sie könnten dem westlichen Kapitalismus als Dienstleistende von Nutzen sein. Das ist unser Unglück. 20 Jahre wurden auf irgendeine Weise vertan. Jetzt sind wir mit der Wirklichkeit konfrontiert. Was kann Lettland und jeder einzelne von uns der Welt geben? Offensichtlich nur sehr wenig.
Trotz der wunderbaren Eigenschaften, die vielen Letten eigen sind, von denen eine die unglaubliche Fähigkeit ist, sich gegenüber Schwierigkeiten zu wehren und sehr schnell in allen möglichen Situationen wieder auf die Beine zu kommen, haben diese 50 Jahres des Bolschewismus den Geist der Nation zersetzt, und das ist eigentlich das Schlimmste. Sie ließen allmählich diesen fleißigen, in großem Maße prinzipientreuen und konservativen Letten sich anpassen und die Moral der Nation zerstören. Die Letten brauchten nie um etwas zu kämpfen und sich zu einer Perfektion fort zu entwickeln, denn man konnte auf angenehme Weise dahinvegetieren. Und dann lernten sie, dass man auch stehlen könnte. Und das Diebstahl keine Schande sei, denn niemand verstößt den Dieb aus der Gesellschaft. Der neue
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Kapitalismus war eine noch größere Form der Demoralisierung, bei der den Menschen noch weitere moralische Prinzipien abhanden kamen. Zur Sowjetzeit gab es wenigstens eine Trotzhaltung, doch diese wird heute nicht mehr benötigt. Es geht alles Hand in Hand : Das Alles Erlaubt Sein. die Freizügigkeit, und dass es heute leichter ist, zu leben.
– Vielleicht sollte sich heute jeder freiwillig einen Rahmen setzen, auch wenn ihn niemand dazu zwingt, sich an ihn zu halten? Noch mehr: alle sagen, dass die Gebote dich einengen würden. Aber trotzdem bleibst du im Rahmen der Gebote. Diese ganz besondere Widerstandsbewegung steht dem Regime des Alles Erlaubt Seins gegenüber.
– Das haben Sie völlig richtig gesagt. Das ist es, was man vielleicht jemandem in der Schule oder Hochschule beibringen könnte, dass es eine sehr große Heldentat, ein großes Wagnis und eine große Entwicklung der Persönlichkeit ist, wenn man sich selbst einen Rahmen setzt, und in ihn hineinsteigt, um seine Persönlichkeit weiter zu entwickeln. Und sich nicht von allen den Möglichkeiten vollfüttern lässt, nichts zu tun und sich damit zu zerstreuen, was die Umwelt anbietet. Vielleicht könnte eine kommende Generation für sich eines Tages einen anderen ehrgeizigen Haken auffangen.

Wenn Gott die Augen öffnet. Inga Reča
Dzintra Gaile habe ich „zufällig“ bei einer der schönen Sommerreisen zu den Dünen Kurlands kennen gelernt. Einen Augenblick lang musste ich mich im Bus neben sie setzen. Wir erzählten einander, wie Gott in unser Leben eingegriffen hat. Dzintra schockierte mich zuerst mit dem Satz: „Übrigens abonniere ich „Svētdienas Rīts“ bereits seit 20 Jahren, aber damals glaubte ich noch nicht an Christus. Erst vor sechs Jahren bin ich konfirmiert worden.
Wie ist das möglich? Jemand abonniert eine christliche Zeitung, der überhaupt nicht Christ ist? Das habe ich davor noch nie gehört, und das machte mich neugierig. Ich fuhr nach Bauska, um von Dzintra ihre ganze Geschichte zu erfahren.

Dzintra ist mir zum Bus entgegengefahren, denn das Pensionat, in dem sie als leitende Buchhalterin arbeitet, befindet sie etwas abseits der Hauptstraße. Das rote Dach des Pensionats glänzt durch die Strahlen der tropischen Sommersonne uns entgegen, doch als wir den Hof betreten, erblicken wir den wunderbar gepflegten Komplex eines kleinen Gutes. Mit dem Teich, den hinter Anpflanzungen verborgenen Glashäusern und Beeten und dem ganzen Stolz der Hausbesitzer – dem Rosengarten! Hier ist ihr Bericht:
– An den Anfang kann ich mich nicht mehr recht erinnern. Bei der Vorbereitung unseres Gesprächs fand ich ein Büchlein, das ich dazu benutze, um Gebete, die ich aus unserer Kirchenzeitung ausgeschnitten habe, aufzubewahren. Von ihnen gefällt mir besonders gut das „Gebet einer alten Frau.“
Eigentlich wundere ich mich selbst, denn an einige Episoden in meinem Leben kann ich mich sehr gut erinnern, in denen Gott mir nahe war. Aber weshalb habe ich den Weg einer Christin nicht schon lange davor eingeschlagen?
Es gab ein besonderes Ereignis, als ich eine Anstellung als Buchhalterin in der Verwaltung eines Meliorationssystems antreten sollte. Meine Ausbildung als Buchhalterin hatte ich bereits beendet, aber in der Landwirtschaftsakademie studierte ich noch Wirtschaftslehre. Ich weiß nicht, weshalb ich damals studieren musste, denn ich hatte bereits eine Faminie, meinen Mann, meine Kinder und meine Arbeit. Ich las die Anzeigen durch und fand, dass ein Wirtschaftler gesucht würde mit Spezialkenntnissen in Buchhaltung, Dabei erfuhr ich, dass dort eine Buchhalterin arbeitete, die alle Augenblicke dem Direktor einen Entlassungsantrag einreichte. Dieser war so verzweifelt, entließ jedoch die Buchhalterin nicht, weil er an ihrer Stelle keine andere fand.. Ich wurde als Ersatzkraft angestellt. Als die Buchhalterin wieder

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einmal ihren Entlassungsantrag stellte, unterschrieb ihn der Direktor sofort, und am selben Tag wurde sie entlassen. Ich musste die Stelle sofort antreten, obwohl ich von Haushaltsbuchführung damals noch überhaupt nichts verstand. Die entlassene Buchhalterin begab sich nach Riga, um sich dort zu beschweren, dass eine Inkompetente ihre Stelle übernommen hatte, doch ich hatte einen Monat Zeit, um die Bilanz für ein halbes Jahr zu erstellen. An das alles erinnere ich mich, weil ich gerade damals in Svētdienas Rīts gelesen habe, dass man für seine Feinde beten sollte. Ich begann für diese Frau zu beten, und von dem Augenblick an waren ihre Beschwerden beendet. Das geschah zu Beginn der 90er Jahre.
Ich bin keine von den Nachdenkenden wie zum Beispiel mein Mann. Er kann schlafen, auf die Wand starren, und wenn ich ihn frage, was er jetzt täte, dann sagt er „Ich denke nach.“ Erbarmung, worüber kann man soviel nachdenken? Doch nach meiner Konfirmation im Jahr 2005 stellte sich auch bei mir das Nachdenken ein. Ich ging noch einmal mein ganzes Leben von dessen Beginn, von meiner Kindheit an durch und begriff:, dass Gott mir in den verschiedensten, sogar in den schrecklichsten Situationen meines Lebens zur Seite gestanden ist. Ich bin mir weiterhin nicht im Klaren, weshalb die Zeit bis zu meiner Taufe und Konfirmation so lang sein musste? Obwohl ich mir bereits mit 30 Jahren bewusst war, dass es Gott gibt. Das kann ich leicht berechnen, denn meine Tochter wurde im Jahr 1978 geboren. Als sie ein Jahr alt war, zerriss bei meinem Mann der Blinddarm und löste eine Entzündung der Magenhaut aus. Nach der Operation wachte er aus der Narkose nicht auf und der Chirurg sagte mir: „Was wollen Sie? Der Magen ist verfault. Weshalb soll er da noch weiterleben?“ Vom Krankenhaus bis nach Hause war es nicht sehr weit, und ich weiß wirklich nicht mehr, wie ich diesen Weg geschafft habe… Es war der Vorabend vor dem Johannistag. Zu Hause fiel ich auf die Knie und rief Gott an, er möchte mir meinen Mann am Leben lassen. Er blieb wirklich am Leben. So erfuhr ich, dass es Gott wirklich gibt. Aber dieses Wissen war bei mir so wie bei vielen meiner Kollegen – es gibt Gott, aber von Jesus Christus weiß ich nichts.
Ganz anders war es bei meinen Eltern. Meine Mutter ist 85 Jahre und mein Vater 90 Jahre alt geworden. Ein langes Leben haben sie verbracht und sind 64 Jahre miteinander verheiratet gewesen. Aber mit ihnen ist dasselbe geschehen wie bei vielen anderen während der Sowjetzeit. Vor dem Kriege waren sie fleißige Kirchgänger. Meine Mutter ist katholisch und mein Vater ist in der orthodoxen Kirche konfirmiert., aber die ganze Ideologie, wie man nach dem Kriege über die Kirche redete, hielt sie davon ab, sich zu ihrer Gemeinde zugehörig zu fühlen Wir lebten in Aloja in Livland. Als ich sie jetzt einmal fragte: „Aber, Mama, weshalb bist du nicht zur Kirchen gegangen?“ sagte sie: „Aber dort waren doch solche Gauner! Aus dem Ausland kam Geld und davon erbauten sie sich Häuser, aber der Pfarrer…“ Alles Geschwätz, was das Volk während der Sowjetzeit zu hören bekam, nahmen sie an. Doch die Hauptursache dafür ist die gleiche, die ich auch von Kollegen oft zu hören bekomme: Weshalb lässt Gott soviel Grausamkeit zu? Auf der Flucht hat Mutter gesehen, wie Kinder und Pferde durch Bomben getötet wurden. Für einen normal denkenden Menschen ist es nur sehr schwer oder sogar überhaupt nicht zu begreifen, weshalb Gott das Leid zulässt. Das ist oft auch für Christen unbegreiflich, besonders für diejenigen, die keinen Konfirmandenunterricht gehabt haben. Während der Zeit des nationalen Erwachens wurden die meisten sogar ohne Unterricht konfirmiert, und jetzt wird es deutlich, dass diese Menschen vom Glauben nichts wissen. Der Konfirmandenunterricht bei unserem Pfarrer Siliņš war von hoher Qualität. Heute habe ich das Empfinden, dass dort ein völlig Ungläubiger getrost hingehen konnte und am Ende des Unterrichtes als Christ hinausgehen würde.
Doch was ist wirklich geschehen, was mich Christin werden ließ? Als meine mittlere Tochter Lolita die Oberschule beendet hatte, fuhr sie zum Erdbeerpflücken nach England. Damals war es mir sehr schwer um das Herz, das Kind in die Welt hinausfahren zu lassen… Damals war
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das Internet noch nicht so verbreitet wie heute. Sie schrieb mir Briefe. In einem Brief bat ich sie, sie möchte mir doch den Ort beschreiben, in dem sie lebte. Am Abend meditierte ich irgendwie und versuchte mir den Ort vorzustellen, in dem sie lebte, um ihr mit diesen Gedanken auf irgendeine Weise zu helfen. Aber gebetet habe ich nicht. In einem Brief schrieb sie mir: „ Weißt Du, eines Nachts hatte ich einen seltsamen Traum – wir beide gehen durch einen wunderschönen Garten, reden miteinander, und alles ist so schön, so schön, so schön. Wie im Paradies.“
Das war wirklich sehr seltsam…
Nach ihrer Rückkehr studierte meine Tochter an der Universität Psychologie. Doch während des Studiums lernte sie im Studentenheim in ihrem Zimmer zwei Christinnen kennen. Damals stand meine Tochter dem Christentum noch nicht sehr nahe. Einmal nahmen ihre Mitbewohnerinnen sie zu einer christlichen Veranstaltung nach Sigulda mit, wo ihr während des Gebetes der Oberarm Risse bekam und zu bluten begann. Wenn mir das ein anderer erzählt hätte, dann hätte ich ihm nicht geglaubt, aber meine Tochter kam wieder nach Hause und bat mich, Blüten zu besorgen und diese auf die Narben aufzutragen. Danach ging sie zusammen mit den anderen Mädchen in eine Baptistenkirche, wo der Pfarrer ihr einen Fragebogen mitgab. Zu Hause las sie ihn durch und sagte danach: Jetzt übergebe ich mein Leben Jesus Christus. Und über sie kam der Heilige Geist…
Ich erfuhr, dass sie den ganzen Sommer sehr innig für ihre Familie und für ihre Freunde gebetet hatte. Im September fuhr meine Tochter nach Amerika im Rahmen eines Austauschprogramms von Aupairmädchen. Damals sagte ich zu meinem Sohn Janis: „Jetzt müssen wir zur Kirche gehen und für Lolita beten.“ Einige Sonntage sind wir zur Kirche gegangen, als der Pfarrer alle Interessierten einlud, sich zum Konfirmandenunterricht anzumelden. Im Jahr 2005 wurde ich mit meinem Sohn und meiner ältesten Tochter Gunita konfirmiert. Da unsere Bekehrung gemeinsam geschah, habe ich begriffen, dass das die Erhörung der Gebete von Lolita war.
Doch danach geschah manches Merkwürdige in meinem Leben. Wie es bei Arbeitsstellen üblich ist, wird dort aus verschiedenen Anlässen gefeiert und ich trank wie alle anderen auch ein Glas mit. Doch ein anderes Mal trank ich überhaupt nicht, weil ich mit dem Auto gekommen war. Nach meiner Konfirmation erblickte ich bei einer solchen Feier meine Kollegen mit leuchtenden Augen und etwas wie Hörnern… Dabei fühlte ich mich entsetzlich! Nach einer Weile sah ich auf die gleiche Weise ein paar Menschen – es waren die gleichen, die Alkohol konsumierten. Einige Bewohner unseres Pensionats werden von einer Seelsorgerin der Pfingstgemeinde besucht. Ich berichtete ihr von meinen „Visionen“, aber sie berichtete mir damals ähnliches. Damals, als sie sich zu Gott bekehrt hatte, hätte ihr eine Stimme zugeflüstert, dass sie ihrem Leben ein Ende setzen müsste. Dadurch begriff ich, dass der Böse uns umkeist, weil es ihm keineswegs gleichgültig ist, wenn du jetzt bei Gott bist.
In Amerika hat sich meine Tochter mit Christinnen angefreundet. Es waren welche, durch deren Verhalten man erkennen konnte, dass es den lebendigen Gott gibt. Auch jetzt reden wir mehr über Glaubensfragen als über Alltagsdinge. Ein großer Gewinn ist für mich die Erkenntnis, dass Gott jeden Augenblick und bei jeder Gelegenheit gegenwärtig ist. Ich sage zu meiner Tochter: „Weshalb musste ich so lange warten? Ich hätte bereits vor 31 Jahren Christin sein können.“ Darauf entgegnet meine Tochter: „Vielleicht, weil du so leidenschaftlich bist, was zur Folge gehabt hätte, dass man dich in der Sowjetzeit nach Sibirien geschickt hätte.“ Nun gehöre ich schon seit 6 Jahren zur Gemeinde und fühle mich keineswegs so, wie man im Volk sagt. „Diese erste Welle der Begeisterung wird bald vergehen.“ Wenn sich jemand verliebt, dann ist eines Tages die große Liebe vorbei, aber bei mir ist das nicht der Fall. Natürlich gibt es Zeiten, in denen ich mich wie in der Wüste fühle. Von meiner Natur her bin ich mit meinem „Ich“ sehr zurückhaltend, doch seitdem ich
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Christin bin, hat mein Familienleben eine Wende von 180 Grad gemacht. Mein Mann ist zwar als Kind getauft worden und kommt jeden Sonntag zum Gottesdienst mit, aber wenn ich versuche, ihn zur Konfirmation zu überreden, dann antwortet er mir wie zum Scherz: „Nun, was willst du überhaupt? Ich streife nicht umher, ich rauche nicht, aber mein Gläschen Schnaps möchte ich weiterhin trinken…“ Er ist sehr ehrlich. Wenn er sich konfirmieren lässt, dann möchte er das nicht nur einfach mir zum Gefallen tun. Er kann nicht lügen. Von mir kann ich sagen, dass ich seit meiner Konfirmation nicht einmal ein Glas Sekt trinken kann. Meine Kolleginnen auf der Arbeitsstelle verstanden das nicht: „Du brauchst bloß Christ zu werden, und schon kannst du mit uns zusammen nicht einmal mehr ein Glas Sekt trinken. Etwa drei Mal habe ich es noch versucht, aber jetzt tue ich es gar nicht mehr, denn es wird mir bereits von einem Glas schecht.
Ich bete viel – für die Kollegen, für das ganze Pensionat und die alten Leute, welche dort leben. Es ist doch so, dass du, wenn jemand über dich herfällt, besonders intensiv für ihn beten sollst. Dann können drei oder vier Tage vergehen, und dieser Mensch wird plötzlich dein bester Freund. Ich erbitte eigentlich nichts konkretes, sondern ich bete darum, dass der Heilige von ihm Besitz nehmen und Gott ihn umfangen und segnen möchte. So wie es die Heilige Schrift aussagt. Erst kürzlich las ich in unserer Kirchenzeitung, dass in jedem Menschen etwas Gutes steckte und er dazu zurückkehren sollte. Das ist auch meine Auffassung. Man hat mich dafür ausgelacht – du tust für die Menschen so viel Gutes, doch von ihnen wirst du gebissen. Doch das hat mich nicht erbittert. Es gab eine Zeit, in der man mich auf meiner Arbeitsstelle ansprach: „Weißt du, dass man dich immerfort nur auslacht?“ Ich antwortete: „Lass sie doch lachen, Gott hat unsere Situation im Griff.“
In diesem Winter habe ich mir meinen Arm gebrochen und konnte drei Monate lang nicht zur Arbeit gehen. Als ich wieder zurückkehrte, wurde ich von allen mit einer unvorstellbaren Welle der Liebe überschwemmt. Vielleicht hat sich bei mir etwas verändert. Die ersten zwei Wochen meiner Krankheit, als mir mein Arm immer sehr weh tat, empfand ich als eines Zeit des Leidens. Aber Gott hat alles zum Guten gewendet. Er schenkte mir die drei Monate zum Beten und Meditieren.
Ich habe auch das Fasten praktiziert. Oft geschieht das nicht, doch wenn ich etwas über Gott erfashren muss, dann faste ich, und er beantwortet mir auf sehr verschiedene Weise meine Fragen. Vor mehreren Jahren fand ich in SR von Sandra Gintere einen Beitrag über das Fasten, von dem ich mich anregen ließ. Zum Fasten gehört auch das Bekenntnis der Sünde. Und es ist gut, damit am Montag zu beginnen, denn am Sonntag hat es bereits in der Kirche das Sündenbekenntnis und die Absolution gegeben. Dann sollte es so sein, dass die Probleme so weit fortgerückt sind, dass wir sie ohne Gott nicht mehr lösen können. Ich nehme einen kleinen Joghourt zu mir und trinke einen Schluck Milch und dabei wird es mir ganz leicht. Ich erzähle es auch meinem Mann, damit er weiß, wie es um mich steht. Da er mir so nahe ist, sieht er auch, wie Gott meine Probleme löst. Gewöhnlich erhalte ich nach zwei oder drei Tagen eine Antwort – sei es durch einen Arbeitskollegen oder durch eine christliche Radiosendung. Manches mal werde ich bereits nach einem Tag vom Wort Gottes angeredet. Ich schließe in meine Fürbitte auch immer die Predigt des Pfarrers ein. Eines Samstags sah ich im Fernsehen eine Sendung über den Kreuzweg. Mein Herz war so bewegt, dass am darauf folgenden Sonntag der Pfarrer alles predigen konnte, was er nur wollte, mir kamen immer die Tränen. Wir sollten immer bereit sein, eine Predigt in uns aufzunehmen und nicht zur Kirche zu kommen, um dann festzustellen: „Ach, ich habe nichts von dem verstanden, was der Pfarrer gesagt hat.“
Ich esse gerne Süßigkeiten, aber in der Fastenzeit lege ich sie ganz und gar beiseite und bemühe mich, mein Essen möglichst fettlos und ohne Zucker zu gestalten. Man hat uns Lutheranern beigebracht, dass das Fasten etwas wie eine geistige Enthaltsamkeit sei, doch ich
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stimme dem Standpunkt zu, dass das Fasten auch das Essen betrifft. Denn wenn du Gott etwas mit vollem Magen fragst, dann kann es leicht geschehen, dass du gar nicht hörst, was er dir antwortet…
Bei dem allen ist es interessant, dass mir das Fasten nicht gelingt, wenn ich es mir einfach vornehme zu fasten, sondern nur dann, wenn ich wirklich einen Anlass habe.
Als Lolita aus Amerika zurückkehrte, arbeitete sie hier ein Jahr lang und begab sich danach in die Niederlande. Jetzt ist sie dort bereits vier Jahre in der Altenarbeit. Zuerst war sie in der Altenpflege tätig, aber jetzt koordiniert sie das ganze System. In Rotterdam besuchte sie eine Gemeinde, die ähnlich war wie die Pfingstgemeinden hier. Diese Gemeinde entfaltet auch hier eine große Missionstätigkeit, um Menschen wieder zu einem normalen Leben zurückzuführen, zum Beispiel Rauschgiftsüchtige und Prostituierte. Einmal war ich zu Ostern in einem Konzert. Damals betrachtete ich das und fragte mich, was wohl aus diesen Kindern geworden wäre, wenn diese Gemeinde nicht an ihre Eltern herangetreten wäre und sich um sie gekümmert hätte.
Meine älteste Tochter Gunta wohnt hier und ich habe zwei Enkelkinder. Auch bei ihnen ist Gott.. Sie hat Jura studiert und hat es jetzt vor allen mit unmündigen Kindern zu tun. Gott hat ihr eine schwere Last auferlegt, die sie nur mit Seiner Hilfe tragen kann.
In meiner Kirchengemeinde übe ich das Amt einer Schriftführerin aus. Ich schreibe auch Glückwunschbriefe an alle 300 Gemeindeglieder zu besonderen Anlässen. Im Sommer führe ich bei offener Kirche die Aufsicht. Dann kommen viele Ausländer, Leute von hier und Schüler. Wir haben auch einen Gebetskreis per Telefon. Die Menschen fürchten sich sehr vor dem Gerede, aber wir haben es begriffen, dass wir in unserer heutigen Massengesellschaft nicht herumreden dürfen, sondern für die betroffenen Menschen beten sollen. Ich sehe ein, dass uns das im Sommer nicht immer gut gelingt, doch während des Winters schließen wir uns an jedem Abend um 22 Uhr zur Fürbitte zusammen. Uns gefällt es, dass wir jetzt in einer Zeit leben, in der die verschiedenen Konfessionen aufeinander zugehen. Mit meinem Mann bin ich nach Jelgava gefahren, um dort den Bischof der Pfingstgemeinde Jánis Ozolinkēvičs anzuhören. Auch gefiehl mir sehr Ihr Interview mit dem neuen katholischen Erzbischof Zbigņevs Stankēvičs. Als ich es las, war ich voll begeistert!
Nach meiner Konfirmation wurde ich vom Wunsch erfasst, zu malen. In der Schule hatte ich einst Zeichenunterricht.. Bereits vor vielen Jahren las ich in einer Zeitung, dass es in Schweden eine Frau gäbe, die als Rentnerin plötzlich zu malen begonnen hätte. Ich dachte –
weshalb sollte auch ich das nicht können? Ich besuchte den Kunstsalon „Meister Eckhard“ in Bauska. Einmal wöchentlich stellt sich dort der Maler Mārtiņš Krūmiņš ein, der uns sehr gut in diese Kunst einführen kann.
Aus mehreren Mündern habe ich folgenden Satz gehört: „Wenn Gott dir die Augen geöffnet hat, dann siehst du die Welt anders.“ Du entdeckst plötzlich den Abend und den Morgen. In Semgallen gibt es keine Berge und Täler, so dass du den Sonnenaufgang und Sonnenuntergang ebenso erlebst wie auf dem Meer. Du nimmst die Schönheiten der Natur anders wahr. Und das alles möchtest du auch gerne zu Papier bringen. Nun male ich bereits seit fast zwei Jahren, und ich habe in diesem Sommer gesehen, dass Gott die Welt so schön geschaffen hat, dass man schon sehr begabt sein muss, wenn man das so aufmalen möchte, wie es tatsächlich der Wirklichkeit entspricht, Mir tun alle leid, die das nicht sehen und mir tun die Jahre leid, die ich ohne Gott verbracht habe. Wenn ich zur Arbeit fahre, dann mache
ich mir Sorgen darum, dass ich nicht in einen Graben fahre, denn durch das Betrachten der
schönen Umgebung wird man leicht abgelenkt. Plötzlich habe ich Empfindungen wie in meiner Kindheit, denn in der Kindheit hat man offene Augen.

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Meine Informationsquellen sind das christliche Radioprogramm und unsere Kirchenzeitung „Svētdienas Rīts.“. Nur ist es schade, dass unsere Kirchenzeitung jetzt so selten erscheint. Ich wünsche euch viel Kraft zum Durchhalten.

Chefredakteurin: Inga Reča

Anschrift der Redaktion: Mazā Pils iela 4 – Riga – LV 1050
E-Mail-Adresse: svetdienasrits@apollo.lv

Übersetzung: Johannes Baumann (abgeschlossen am 21.10.2010)
Brucknerstr. 24.- D-27711 Osterholz-Scharmbeck
Telefon: 04791-13356
E-Mail-Adresse: baumann-ohz@arcor.de

Nachwort des Übersetzers
Lange haben meine hoch verehrten Leserinnen und Leser nichts Neues von mir lesen können. Das liegt daran, dass ich Anfang September zehn Tage in Lettland war und dann sofort danach mit meiner Frau – wie in jedem Herbst – nach Karlsbad gefahren bin, wo wir immer etwas für unsere Gesundheit tun möchten, was uns auch hilft, den Winter gut zu überstehen. So schön und erholsam ein solches Ausspannen auch ist, so sehr werden mir meine Knie weich, wenn ich die Berge von geschriebenem und gedrucktem Papier, die bei unserer Rückkehr darauf warten, dass ich auf irgendeine Weise darauf eingehe.
Ein erster Versuch dieses Eingehens liegt nun mit dieser Ausgabe von SR vor Ihnen, ehe ich mich dem nächsten zuwende in der Gestalt der Nr. 13 von SR, die bereits darauf wartet, übersetzenderweise beachtet zu werden.
Diese Ausgabe wird durch zwei sehr verschiedenanrtige Beiträge gefüllt: das sehr eindrucksvolle Interview von Inga Reča mit dem Direktor des Schlossmuseums von Rundāle Imants Lancmanis, dem die Bewahrung vieler Kirchen und kirchlicher Wertgegenstände in Lettland während der Sowjetzeit gutzuschreiben ist, der im übrigen ausgezeichnet Deutsch spricht und jeden, dem er begegnet auf das tiefste beeindruckt. Der zweite Beitrag ist ein Interview mit einer Leserin von SR, welche die Kirchenzeitung bereits seit ihrem Wiedererscheinen abonniert, ohne dass sie sich damals zum christlichen Glauben bekannte und einer Gemeinde zugehörte und sich erst vor fünf Jahren dazu entschlossen hat, diesen Schritt zu tun, Natürlich enthält diese Ausgabe noch sehr viel andere interessante Beiträge, auf deren Übersetzung ich aber leider verzichtet habe.
In den Anhang stelle ich bereits einen Beitrag, den der Dekan der Theologischen Fakultät der Universität Lettlands Dr. Ralfs Kokins für SR verfasst hat und der dort vermutlich auch erscheinen wird, und in dem er zur gegenwärtigen Situation der Lutherischen Kirche Lettlands Stellung nimmt. Ich habe sie schon jetzt übersetzt und stelle sie in den Anhang zu dieser Ausgabe, weil ich von vielen Leserinnen und Lesern weiß, dass sie diesen Beitrag sehr erwarten. Die nächste Ausgabe wird nicht so lange auf sich warten lassen. J.B.

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Pfarrer Dr. theol. Ralfs Kokins, Pfarrer der Kirchengemeinde der Hl. Dreifaltigkeit in Jelgava.- Dekan der Theologischen Fakultät der Universität Lettlands.

Gedanken eines lutherischen Pfarrers über die Situation in unserer Kirche.

Riga, den 4. Oktober 2010.

Es ist nicht möglich die Irrwege auf dem Gebiet der Haushalterschaft und der Verwaltung bei der Evangelisch-Lutherischen Kirche Lettlands (ELKL) zu übersehen, hinter denen sich noch viel tiefere und ernsthaftere Probleme offenbaren. Unsere Kirche durchlebt zur Zeit eine schwere Identitätskrise, die durch eine langfristige, zielstrebige und systematische Abkehr von protestantischen Prinzipien gekennzeichnet ist. Dieses hat in die Kirche Widersprüche, Verwirrung, und Zerissenheit hineingebracht und deren Gemeinschaft und ein erfolgreiches Wirken in der Gesellschaft belastet.
Mich erregt auch die Tatsache, dass unsere Kirche praktisch keine Gemeinschaft mit dem größten Teil der evangelisch-lutherischen Kirchen Europas und in der Welt mehr hat, sie jedoch daneben nur mit sehr eng ausgerichteten Vereinigungen pflegt (um nicht von den unmissverständlichen Versuchen einer Zusammenarbeit in Richtung Rom unter dem Aushängeschild „Ökumene“ zu sprechen).. Ebenso unterscheidet sich die Ausrichtung der Ziele der Tätigkeit der Kirchen Europas und der evangelische Anteil am Leben der Gesellschaft bei wirklich wichtigen Fragen (soziale Gerechtigkeit, Ethik, Mission, Evangelisation, Diakonie und Erziehung) sehr von der „christlichen Haltung“, mit der sich auch unsere Kirche im Raum der Gesellschaft zeigt und sich dabei populistisch an irgendwelche marginalen Fragen festklammert.
Hier geht es nicht um die Praxis in einzelnen Kirchengemeinden und um die Vielfalt innerhalb der Kirche, sondern um die Struktur der ganzen Kirche, die Prinzipien und Grundwerte bei ihrer Tätigkeit.
Es entsteht das Empfinden, dass die Kirchengemeinden nur um der hierarchischen, episkopalen und ausgeprochen klerikalen „Leitung“ willen ihre Existenzberechtigung haben. Nicht nur alle Zahlungen, sondern alle Abrechnungen nehmen praktisch nur eine Richtung „von unten nach oben“ (und nicht umgekehrt, was dem protestantischen Prinzip entspräche).
An die Stelle der demokratischen Wahlen ist jetzt die „Berufung“ in Ämter von irgendwo her aufgetaucht, bei der die Kirchengemeinden (und damit alle Gläubigen) nichts mehr zu sagen haben.
Eine der ersten Etappen bei der Genesung unserer Kirche wäre die Rückkehr zur Verfassung des Jahres 1928, denn die gegenwärtige Verfassung geht von einem Kirchenmodell aus, welches den Prinzipien der evangelisch-lutherischen Kirche nicht entspricht und ein völlig gegensätzliches Modell darstellt (aufgebaut auf sehr zweifelhaften theologischen und ekklesiologischen Grundlagen nach dem Vorbild der römisch-katholischen Kirche des Mittelalters).
Nach der neuen Verfassung wird die Verwaltung ausgesprochen hierarchisch gebildet mit einer klerikalen Machtpyramide über den Kirchengemeinden, über die weder die Kirchengemeinden noch die Pfarrer etwas zu befinden haben. Sogar die Synode kann die

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Tätigkeit des Oberkirchenrates weder beeinflussen noch ändern! Das ist ein der Welt des Protestantismus fremdes hierarchisch-klerikales Diktat über die Laien, denen nur die Möglichkeit verbleibt: das von „Oben“ her dargebotene zu unterstützen…
An der „Spitze“ der hierarchischen Pyramide dieser geistlichen und weltlichen Verwaltung befindet sich der Erzbischof (er nominiert und setzt das Kapitel ein, legt die Vollmachten der Bischöfe fest usw), dessen Autorität und Machtvollkommenheit den Prinzipien des
lutherischen Kirchenverständnisses widerspricht. Ebenso offenbart die Wahl des Erzbischofs auf Lebenszeit gefährliche und ungesunde autoritäre Merkmale.
In der neuen Verfassung wird den Kirchengemeinden faktisch auch ihr Status und ihr Recht auf Bestimmung (das der Herr allen Gläubigen gegeben hat) geraubt, und dabei die ganze Betonung auf die hierarchische „Kirche“ nach katholischem Verständnis gelegt. Nur die Gemeinden können die wahre Kirche sein (denn alle Gläubigen haben doch „die Macht des Amtes der Schlüssel“ und die Vollmachten der Verwaltung), sie bilden die wahre Gemeinschaft um das Evangelium und die Sakramente. Die Bischöfe können ebenso wenig wie irgendwelche Verwaltungsstrukturen die Kirche sein. Kirche ist die Gemeinschaft der Gläubigen.
Gerade die katholische (und nicht die protestantische) Theologie enthält als Musterbeispiel das Kirchenverständnis von der priesterlichen Hierarchie mit dem Papst, der sich nicht irren kann, an der Spitze. Die lutherischen Bekenntnisschriften lehren, dass Christus und mit ihm die Kirche nicht dort gegenwärtig ist, wo der Papst ist und mit ihm die Strukturen dieser hierarchischen Verwaltung, sondern dort, wo in gläubigen Gemeinden um Gottes Wort und Sakrament Gemeinschaft entsteht. Eine ausgesprochen hierarchische, klerikale Kirche mit auf die rituellen Äußerlichkeiten der priesterlichen Messe gerichteten Tendenzen (in der alle Gläubigen, Laien und sogar die Synode praktisch nichts mehr zu sagen haben) steht zu den evangelischen Prinzipien in absolutem Widerspruch, angefangen bereits bei dem Prinzip des Priestertums aller Gläubigen (statt des hierarchischen Prinzips). Es ist möglich, dass es irgendwelche Minderwertigkeitskomplexe gegenüber der „Mutter“ Römisch-Katholische Kirche und die Ungewissheit über die Fülle des Heils in der evangelisch-lutherischen Kirche waren, die das verschuldet haben, aber es ist doch eine Frage der Gewissensentscheidung eines jeden einzelnen, welcher Konfession wir angehören möchten. Unsere Vielfalt ist etwas sehr Schönes, doch wenn ich auf der Straße einem lutherischen Pfarrer im vollen katholischen Habit begegne, der zu einer Amtshandlung einer „Weihe“ eilt, oder wenn ich von Lutheranern höre, die sich zusammen mit katholischen Kreisen auf eine Pilgerschaft begeben, um an einem der Gräber eines „Heiligen“ diesen „anzurufen“, oder wenn ich in einer Fernsehübertragung sehe, wie lutherische Geistliche mit Gold und Silber bekleidet und umgeben von Ministranten im Weihrauchnebel theatralisch eine für einen normalen Sterblichen unverständliche Messe zelebrieren, die eher an ein mittelalterliches Mysterienspiel erinnert, dann überkommt mich ein schlechtes Gefühl, denn das macht eine noch tiefere und tragischere Abkehr von unserem Kirchenverständnis und die Abwertung unserer Werte in unserer Kirche deutlich…
Mir wird eine unchristliche und feindselige Haltung gegenüber der Ökumene und gegenüber der römisch-katholischen Kirche zum Vorwurf gemacht. Ökumene heißt aber nicht die Konversion einer Kirche zu einem anderen Glauben, sondern das Gespräch miteinander und
die Gemeinschaft unter gleichwertigen Partnern. Ich habe nichts gegen die römisch-

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katholische Kirche und und auch nichts gegen deren Theologie, aber ich kann nicht deren gedankenlose Übernahme in unsere Kirche akzeptieren. Dass wir die Worte „Evangelium“ und „lutherisch“ einfach dahersagen, heißt noch lange nicht, dass wir auch wirklich evangelisch-lutherisch sind.
Jedes akademische Lehrbuch über die Ausrichtungen (Konfessionen) des Christentums weist auf den gewaltigen Unterschied zwischen dem protestantischen und dem römisch-katholischen Glauben mindestens in einem grundsätzlichen Punkt hin – dem Verständnis von Kirche und Priestertum.
Die Protestanten sind einmütig der Auffassung, dass es zwischen Gott und den Menschen keiner Mittler bedarf. Die römischen Katholiken, die sich außer auf die Heilige Schrift ebenso auf die Tradition stützen, sind der Ansicht, dass es der Mittler bedarf in der Form der Kirche und deren Hierarchie mit dem Papst an der Spitze und der Priester und damit auch der Messe, des Messopfers, aller prächtiger Gewänder und Äußerlichkeiten, der Rituale, des Papstes und der Priester, der Wallfahrten, des Besuches von heiligen Stätten und Reliquien, des Betens dort, des Heiligenkultes, der Anrufung Mariens und der heiligen Familie, guter Werke und sogar des Leides als Opfer usw.
Die Grundhaltung der Protestanten beruht auf der Heilige Schrift oder dem Prinzip des Sola Scriptura. Und wenn wir etwas nicht ganz begreifen, dann sehen wir nach, wie es in der apostolischen Urkirche gewesen ist (noch vor dem 4. Jahrhundert, als dort noch nicht heidnische Funktionäre das Sagen hatten). Unser einziger Mittler (Priester) ist und kann nur Jesus Christus selbst sein. Priester und jede andere menschliche Mittlerschaft sind ganz unnütz und unnötig. Er hat alles zu unserem Wohl getan, und sein Opfer genügt völlig für unser Heil. Da gibt es keine Imitation oder Wiederholung mehr. Das Opfer Christi für uns und für unsere Sünden ersetzt den Opferkult in Jerusalem und die vielen unzähligen anderen Opfer. Und ich kann zu unserem lieben Vater beten, an ihn ohne Angst herantreten, und das ohne Furcht, ohne irgendwelchen Mittler (Priester), „Heiligen“ und „Miterlöser“ nur um des Verdienstes Christi willen, als sein geliebtes Kind.
Damit wird im Protestantismus alles äußerliche Messgehabe (mit Gewändern, Prozessionen, Weihrauch, Läuten von Glöckchen, demonstrativem Sich Bekreuzigen, Niederfallen auf den Fußboden, Erklingen des „mea culpa, mea maxima culpa“ und anderen Merkwürdigkeiten) nichts mehr als theatralisch zur Schau gestellte, fast tragisch anmutende leere Reliquienverehrung (wenn das in einer evangelischen Kirche geschieht). Der lutherische Gottesdienst ist in seiner Schlichtheit, Herzenswärme und aristokratischen Würde bewundernswert. Dort fehlt nichts, dort ist nichts unnütz, und dort geht es bei allem um „die Sache.“
Die Messe mit allen unnötigen Äußerlichkeiten, mit Priestern, Prozessionen und allem Gehabe ist etwas völlig anderes. Sie verleiht den evangelischen Prinzipien einen vollig anderen Impetus. (sogar im Unterbewusstsein zu greifen), ein völlig anderes Merkmal, eine völlig andere Botschaft davon, wer Gott ist, der zu seinem Volk, seinen Kindern und seiner Gemeinde durch Wort und Sakrament redet (paradoxerweise möchte Gott uns dienen und nicht wir ihm) und wir antworten ihm mit Gebet und Lobgesang.
Bereits aus den Briefen des Apostels Paulus ersehen wir ganz deutlich, dass eine Gemeinde weder eine hierarchische Größe noch irgendein Verband ist. Die Gemeinde ist wirklich eine Familie, in der gegenseitige Achtung, Demut und Liebe herrschen muss. „Über“ der

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Gemeinde steht weder ein Pfarrer, Bischof noch der Papst, sondern Christus selbst als das wahre Haupt der Gemeinde. Die Gemeinde erhält ihr Profil durch die Koinonia – die Gemeinschaft der erlösten Sünder, und nicht durch eine frömmelnde Macht oder durch wirtschaftliche oder andere Strukturen.
Die Gemeinde darf sich nicht an weltlichen Machtspielereien berauschen, in der Gemeinschaft miteinander muss alles Pharisäertum und alle äußere Frömmelei ausgelöscht werden.
In der Gemeinde muss der radikale Verzicht auf irgendeinen Status und auf Prinzipien der Macht deutlich werden und damit ein Stellungswechsel stattfinden. In Christus gibt es weder Juden noch Griechen, weder Sklaven noch Freie, weder Frauen noch Männer, in der Gemeinde und für die Gemeinde gibt es keine und kann es keine Obrigkeit geben. Das Prinzip der Liebe kann nicht Wirklichkeit werden, wenn zwischen den Menschen die Barrieren des Status, der Macht oder der Hierarchie den Ton bestimmen.
Ämter sind stets Ämter des Dienens und nicht des Herrschens. Sie sind um der Ordnung in der Gemeinde willen eingesetzt und setzen eine Berufung (bereits durch die Gemeinde), Ausbildung und die anvertraute Verantwortung nach dem Maße der geistigen Gaben voraus…
sie sind aber auf keinen Fall Ämter einer hierarchischen Macht nach den Prinzipien des mittelalterlichen Papsttums und dürfen es auch in der Kirche und in der Gemeinde nicht sein. Die gute alte Verfassung aus dem Jahr 1928 und die lutherischen Grundsätze haben nichts gegen das Bischofsamt einzuwenden und befürworten sogar die Existenz eines Bischofs und Bischofskollegiums, aber nicht nach dem Verständnis des hierarchischen Priestertums.
Die ganze Verwirrung und der Krampf mit dem Import katholischer theologischer Prinzipien in unserer Kirche hat alle Beziehungen durcheinander gebracht. Ein Pfarrer gerät bei seinem Dienst in der Gemeinde ständig in Missverständnisse und sogar in Konflikte, denn als Lutheraner muss er nach seinem Gewissen, seinem Ordinationsversprechen, seiner evangelischen Ausbildung und den lutherischen Bekenntnisschriften nur das Eine verkündigen, aber die „neue“ Kirchenordnung und die Geschäftsprinzipien sehen etwas ganz anderes vor. Denkende Menschen haben das schon längst bemerkt und begriffen, dass hier bereits „sogar an der Wurzel“ etwas nicht zusammenpasst… Und sei es nur bei dem Gebrauch der katholischen Terminologie (Diözese, Kathedralen, Prokathedralen, „Bischofsweihe“, Bischofsthrone, Heilige, Wallfahrten, Fegefeuer usw – das alles bringt uns dem Reliquienkult immer näher!) Faktisch herrscht in unserer Kirche bereits jetzt der Widerspruch am Ende der Widersprüche. Das macht uns innerlich schizophren, krank und schafft „innerliches Unbehagen.“
Die Verfassung des Jahres 1928 ist eine grundsolide Grundsatzerklärung der ev.-luth. Kirche, die man in mancher Hinsicht mit dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland oder der Verfassung der Vereinigten Evangelisch Lutherischen Kirche Deutschlands oder sogar mit der Weimarer Verfassung vergleichen könnte. Die Verfassung ist kein Dokument, das wir hochmütig beiseite schieben können, um irgendwelchen Einfällen zu folgen, und die wir ändern dürften (ohne dabei die vielen Gegenargumente und Einwände zu beachten.)
Jeder Jurist wird mir beipflichten, dass sich mit jeder Änderung der Verfassung auch die Form eines Staates ändert. Leider hat sich die Form auch in unserer Kirche verändert. Diese Veränderungen sind mit pseudoevangelischen Argumenten aus der vorreformatorischen Zeit begründet worden, und, soweit es mein Wissen und Verstand erkennen kann, haben dabei das

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Kirchenmodell und die theologischen Grundsätze ausgerechnet der römisch-katholischen Theologie als Vorbild gedient.
Deshalb möchte ich, wenn ich jetzt offen und ehrlich meine Gedanken ausgesprochen habe, darum bitten, sich selbst und andere nicht mehr zu quälen und die teuere Zeit der Gnade zu verschwenden, sondern zur Verfassung der Evangelisch Lutherischen Kirche Lettlands aus dem Jahr 1928 und zur Ordnung und Praxis der Evangelisch-Lutherischen Kirche zurückzukehren! Jedem armen Sünder, der sich wirklich um die Frage nach der Wahrheit und dem Heil Sorgen macht, kann es nicht gleichgültig sein, welcher Kirche er angehört!

Übersetzung aus dem Lettischen: Johannes Baumann

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