Verfasst von: liefland | November 3, 2010

Ausgabe Nr. 13(1840 ) vom 9, Oktober 2010.

Ach Herr, wenn unsere Sünden uns verklagen, so hilf uns doch um deines Namens willen.
Jeremia 14,7.
Auszüge aus Svētdienas Rīts, Zeitung der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, herausgegeben von ICHTYS GmbH, erscheint seit Januar 1920.
19. Sonntag nach Trinitatis

Spalte der Chefredakteurin Inga Reča
… und die Reformation hört nie auf
Am 1. Oktober hat wieder unsere Werbungsaktion für das Abonnement unserer Kirchenzeitung im Jahr 2011 begonnen. Mit der lettischen Post haben wir einen Vertrag abgeschlossen, der besagt, dass SR im kommenden Jahr einmal monatlich ausgeliefert werden soll. im Umfang von 16 Seiten und farbig. Den größten Teil der Finanzierung tragen Menschen in Deutschland – sowohl der Martin Luther Bund als auch Privatpersonen, welche der Ansicht sind, dass das Empfangen von Informationen nicht nur ein Privileg derer sein kann, die „im Netz“ sind, d.h. die den Zugang zu einem Computer und zum Internet haben. denn auch noch im 21. Jahrhundert ist die gedruckte Presse für die meisten Leute in Lettland die einzige Möglichkeit der Information. Dazu sagte mir einer unserer Pfarrer folgendes. „Einsamen und kranken Gemeindegliedern kann ich keinen Computer hinbringen, aber unsere Kirchenzeitung doch.“
Dass SR jetzt nur einmal im Monat erscheint, ist nach der Meinung vieler Leser viel zu wenig, die auch bereit sind, unsere Kirchenzeitung finanziell mitzutragen. Einen Teil der Finanzen hat uns auch das Kapitel der ELKL bewilligt, aber unsere größte Hoffnung seid Ihr, liebe Leser und Abonnenten. Eure finanzielle Hilfe wird auch dafür maßgebend sein, ob ihr auch weiterhin in Eurem Briefkasten SR finden werdet. Das Emblem „Svētdienas Rīts“ ist auch von einmaligem kulturhistorischen Wert, denn es gibt in Lettland keine andere Zeitung, die mit einem unveränderten Namen bereits seit 90 Jahren erscheint (wobei wir natürlich die Jahre der sowjetischen Besatzung abziehen müssen).
Doch nun sind nicht allein die Jahre der Vergangenheit von Bedeutung. Es gibt in Lettland keine andere Zeitung, die uns über das Geschehen in UNSERER Kirche informiert. Und das nicht so, dass es Leute tun, die sonst mit der Kirche nichts zu tun haben, sondern wir selbst als Leute der Kirche, die sich nicht nur Sorgen machen, sondern denen es auch weh tut, wenn das Kirchenschiff ein Leck bekommen hat oder es auf einen Felsen aufgelaufen ist. Im Titel von Svētdienas Rīts ist als Unterttitel zu lesen „Zeitung der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands“, das heißt, dass es deine und meine Zeitung ist, ganz gleich, ob du Gemeindeglied, diakonischer Mitarbeiter, Jugendlicher, Chorsänger, Pfarrer oder Bischof bist. Auch Du kannst Dich am Entstehen dieser Zeitung und damit unserer ganzen Kirche beteiligen. Wenn Du das bisher nicht so aufgefasst hast, dann bitte ich Dich, Deine Beziehung zu SR zu überdenken und zu REFORMIEREN. Wir können das nur im Rahmen der Freiheit unserer Demokratie, unserer Presse, unserer Aussagen und unseres Wortes tun, sonst lohnt es sich nicht, dafür das Papier zu verschwenden.

Aufruf der Teilnehmer am Pfarrkonvent der Propstei Riga.
Wir, die Teilnehmer am Pfarrkonvent am 19. Juli dieses Jahres, sind der Auffassung, dass die geistliche und wirtschaftliche Situation, in die während der letzten Jahre unsere geliebte Evangelisch – lutherische Kirche Lettlands hineingeraten ist, unverzügliche, unaufschiebbare und gleichzeitig sorgfältig überlegte Änderungen erfordert. Die Kirchenleitung und mit ihr die Verwaltungsinstitutionen verlieren mit jedem Tag immer mehr das Vertrauen der Kirchengemeinden und Pfarrer, die Unzufriedenheit mit der augenblicklichen Wirtschafts- und Finanzpolitik sowie mit den Amtsträgern, die sie verantwortlich zu vertreten haben, wächst beständig, Wir möchten auch daran erinnern, dass im März dieses Jahres die Pfarrkonvente der Propsteien Riga, Kandava und Bauska sowie eine Diözesanversammlung
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in Daugavpils ihren Mangel an Vertrauen gegenüber den Leitern der Wirtschaft und Finanzen in der ELKL kundgetan und sie aufgefordert haben, von ihren Ämtern zurückzutreten. Trotzdem üben viele von ihnen ihre Dienstgeschäfte weiterhin wie bisher aus. Das heißt doch, dass der Dialog zwischen der Kirchenleitung der ELKL und den Kirchengemeinden Pfarrern und Propsteien nach unserer Ansicht höchst unbefriedigend verläuft, und dass bei diesen Beziehungen große Unklarheit, Unverständnis und Entfremdung herrscht. Man könnte sogar sagen, um einen Begriff aus dem Familienleben zu gebrauchen, dass eine tiefe Beziehungskrise eingetreten ist, die es nicht mehr vermag, selbst eine Lösung zu finden. Wir möchten darauf hinweisen, dass diese Situation, in welche die ELKL immer tiefer versinkt, mit jedem Tag unsere Gemeindearbeit negativ zu beeinflussen beginnt, den guten Ruf unserer Kirche in der Gesellschaft mindert, und zu einem nur schwer zu überwindenden Hindernis und zu einer Erschwernis bei dem Anbinden neuer Glieder an die Kirchengemeinde wird.
Dabei möchten wir zuerst alle gemeinsam und jeder einzeln unseren Anteil an der Verantwortung daran bekennen, was wir bewusst oder unbewusst getan oder unterlassen haben, was wir geredet oder verschwiegen haben, und was wir am Rande stehend betrachtet haben und damit die gegenwärtige finanzielle, wirtschaftliche und verwaltungsmäßige Situation zugelassen und gefördert haben. Gleichzeitig bekunden wir unsere aufrichtige Bereitschaft, von uns aus alles menschenmögliche zu tun, dass unsere Evangelisch – lutherische Kirche Lettlands so bald wie möglich eine Wiedergeburt und Erneuerung erfährt.
Im oben erwähnten Konvent haben wir uns sorgfältig mit dem in der Verfassung der ELKL aus dem Jahr 1928 vorgesehenen Modell der Leitung und Verwaltung unserer Kirche befasst und müssen zugestehen, dass diese durch eine effektive Verteilung des Gleichgewichtes der Verantwortung und Macht zwischen den verschiedenen Institutionen, dem Unterscheiden zwischen der Legislative und der Exekutive und deren Kontrolle, das zahlenmäßige Gleichgewicht zwischen Geistlichen und Nichtgeistlichen und die geistliche und nichtgeistliche Vertretung aller Propsteien in der Verwaltungsbehörde der ELKL, dem Oberkirchenrat, geprägt ist. Dieses Modell sieht das kollegiale Fassen von Beschlüssen vor und garantiert, dass der Bischof oder die Bischöfe die geistliche und nicht die administrative Macht vertreten. Gleichzeitig stellen wir fest, dass das Modell der Leitung und Verwaltung der ELKL, welches 2004 in Kraft gesetzt und in der Verfassung von 2007 bestätigt worden ist, sich nicht als effektives und leistungsfähiges Mittel für den Bau der Kirche erwiesen hat und die Hauptursache für die weiteren Irrwege der ELKL sind.
Aufgrund dieser Erkenntnisse fordern wir die Leitung der ELKL auf, mit allen ihren Kollegen – den Pfarrern, Pröpsten und Synodalen in den anderen Propsteien – folgende Veränderungen in der gegenwärtigen Verfassung oder am gegenwärtigen Modell der Leitung und Verwaltung der ELKL in Erwägung zu ziehen, und sind der Auffassung, dass diese wesentliches für unsere Kirche beitragen könnten, die gegenwärtige geistliche, verwaltungsmäßige und wirtschaftliche Krise der ELKL zu überwinden.
1) Die Synode wählt den Oberkirchenrat für eine Dauer von drei Jahren.
2) Die Propsteiversammlung wählt den Propst für eine Dauer von sechs Jahren.
3) Der Kirchengemeinderat wählt den Pfarrer der Kirchengemeinde; der Oberkirchenrat bestätigt diese Wahl.
4) Über die Verlängerung der Vollmachten des Erzbischofs und der Bischöfe befindet die Synode alle sechs Jahre.

Wir rufen alle auf, unsere Initiative zu unterstützen und diese Veränderungen in die Verfassung hineinzunehmen.

Die Teilnehmer am Konvent der Propstei Riga, am 19. Juli 2010.
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Was uns wichtig erscheint Indulis Paičs, Pfarrer
Die Kirche
Die Kirche – die Gemeinde der Heiligen, die Gott durch sein Wort und Sakrament, seine Gnadenmittel, um sich sammelt, existiert um zweier Aufträge willen: sie gibt allen Gläubigen auf ihrem Weg zum ewigen Leben die notwendige Wegzehrung mit, und allen Ungläubigen gibt sie ihr Zeugnis und ruft sie auf, der Einladung Christi Folge zu leisten. Sie ist überall an allen Orten katholisch, das heißt allumfassend, an denen nach dem Befehl Christi das Evangelium gepredigt wird und die Sakramente gespendet werden. Sie ist stets aufgerufen, nach neuen Weisen und Möglichkeiten zu suchen, um ihrem Auftrag der Zeit und Situation gemäß zu entsprechen.
Diese Grunderkenntnis müssen wir immer in unserem Gedächtnis behalten, wenn wir uns auf Diskussionen über die Gegenwart oder Zukunft der Kirche einlassen. Die Kirche existiert nicht nur um ihrer selbst willen, sie ist ein Werkzeug in der Hand Gottes und die vollwertige Fortsetzung des Werkes Christi. Gleichzeitig vermag sie es, ihren Dienst in der Welt nur dann erfolgreich durchzuführen, wenn sie dabei in der Eintracht und in der Treue zum Evangelium Christi verbleibt. Denn die Methoden (die Art und Weise, mit der wir zu Ergebnissen kommen) sind im Reiche Gottes nicht selten sogar wichtiger als irgendwelche äußerlichen Erfolge.
Während der vergangenen Monate hat bei den Pfarrern unserer Kirche (aber auch durch sie und durch Laien) ein von den Pfarrern der Propstei Riga verfasster offener Brief, dessen voller Text oben nachzulesen ist, eine große Resonanz ausgelöst. Die Reaktionen waren sehr unterschiedlich. Sie fingen mit Stimmen an, die dazu aufriefen, sich in die Argumente hineinzuhören und sie sorgfältig zu überdenken und endeten mit der Schilderung von Situationen, die eindeutig aus Lügen entstanden sind, in denen ein Amtsbruder einen anderen öffentlich verdächtigt, er hätte den Wunsch, auf destruktive Weise unsere Kirche zu zerstören und zielbewusst die Absetzung unserer Kirchenleitung zu betreiben. Das gegenseitige Misstrauen hat einen beachtlichen Umfang erreicht. Wenn sich der Verdacht einiger Amtsbrüder zunächst auf die Bischöfe richtete, dass ihre Art der Dienstausübung und ihre Ideen uns „in die Hände der Kirche Roms“ trieben, so wird jetzt auf ähnliche Weise „die Kirche des Westens und die behaarten Hände der Liberalen“, welche bestrebt seien, was wir sorgfältig erbaut und gestaltet hätten, zu verheeren und zu zersetzen, und dabei die durch das finanzielle Missgeschick entstandene Verwirrung nutzen… Wenn sich diese Rhetorik aus dem Munde von Pfarrern seltsam anhört, dann klingt sie aus dem Munde der Leiter unserer Kirche schon sehr ernst und beängstigend. Damit werden die Möglichkeiten der Zusammenarbeit und des Dialogs nicht gefördert, sondern Verdächtigungen in die Welt gesetzt und die Spannung einander gegenüber vergrößert.
Vertrauen kann man nicht anders als nur durch Zusammenarbeit und den Dialog schaffen, wobei wir uns allmählich von Empfindungen befreien können, dass jemand irgendetwas zu verheeren und zu zersetzen bestrebt sei, um uns dann den wirklich wichtigen Fragen zuzuwenden, die der eine oder andere Pfarrer oder Teilnehmer am Konvent auszusprechen
versucht hat. Ich bitte Sie, diesen offenen Brief der Pfarrer der Propstei Riga durchzulesen (sofern das Ihnen bisher noch nicht möglich gewesen sein sollte), denn der Zweck meiner weiteren Ausführungen ist, den Gang der Ereignisse schriftlich zu fixieren und die Ideen zu kommentieren, die diesen offenen Brief des Pfarrkonventes der Propstei Riga ausgelöst haben. Das ist eine Gewissensfrage, dass wir offen und ehrlich das ansprechen, was uns für die Zukunft unserer Kirche wichtig erscheint. Ich verfasse diesen Beitrag im Auftrage des Propstes unserer Propstei Linards Rozentāls, und möchte dabei sofort hinzufügen, dass viele von mir angesprochene Ideen natürlich nicht vollständig die Gedanken der Rigaer Pfarrer wiedergeben. Dennoch möchte ich hoffen, dass das von mir Gesagte helfen wird, die
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Atmosphäre insgesamt zu begreifen, in welcher mehrere Diskussionen bei Pfarrkonventen stattgefunden haben. Gottes Geist helfe uns, dass wir zwischen dem unterscheiden, was darin unserer Sache von Nutzen ist, und was wir fortwerfen können.
Die Vorgeschichte
Bevor wir uns dem Aufruf zuwenden, welchen dieser offene Brief enthält, muss ich betonen, dass dieser Weg nicht von selbst ohne einen Anlass entstanden ist, sondern dass ihm eine bedeutsame lange Geschichte vorausgegangen ist. Wir können ganz sicher sagen, dass es unter den Pfarrern der Propstei Riga Einwände gegenüber der gegenwärtigen Verfassung und gegen das Vorhaben der Bestimmungen für die Vergütung und Sozialversicherung von Geistlichen (im folgenden auf die großen Buchstaben BVSG abgekürzt) gegeben hatte, ehe diese bei mehreren Synoden bestätigt worden sind. Damals entstand bei vielen der Verdacht, dass der „Rigaer Snobismus“ – also der Snobismus der Pfarrer mit großen Gehältern – sich dagegen wehren würde, ihren Lohn mit anderen zu teilen, deren Lohn zum Überleben zu gering ist, und die sich deswegen für das Werk Christi weniger einsetzen können, was zur Folge hat, dass die Gemeindearbeit auf dem Lande nicht garantiert ist. Die „reichen Rigenser“ würden ihre „armen Brüder auf dem Lande“ nicht verstehen und es denen hartherzig nicht gönnen, dass sie durch die Schaffung eines Fonds für BVSG zu einem höheren Lohn kämen. Zu diesem Einwand kann ich sagen, dass es gewiss nicht so war, dass wir diese Idee selbst kritisieren wollten, weil dadurch die reicheren Gemeinden in den Fonds mehr einzahlen mussten, um damit die ärmen Gemeinden zu unterstützen, sondern weil wir dem gegenüber skeptisch waren, dass das ganze Vorhaben so zu realisieren sei, und ob die Menschen, in deren Gehirnen dieses Vorhaben entstanden ist und die dafür verantwortlich waren, es tatsächlich auch in die Tat umsetzen könnten. Dafür mussten wir uns oft den Vorwurf anhören, dass wir dieses ganze Projekt dämonisieren und die Menschen verdächtigen wollten, die doch Experten sind und auf ihrem Gebiet sehr sachverständig, und die ihr Werk nach bestem Wissen und Gewissen verrichteten – nur zum Wohl der Kirche.
Auf den Synoden wurden sowohl die Verfassung als auch das Vorhaben BVSG bestätigt, wenngleich wir jetzt darüber viel diskutieren könnten, ob die Synode wirklich dazu fähig war, alle Argumente dafür und dagegen wirklich voll zu begreifen (erinnern wir uns doch daran, dass die Aussprache wegen Zeitmangels sehr eng begrenzt war, obwohl es spätestens zwischen diesen beiden Synoden deutlich geworden war, dass auf uns die Wirtschaftskrise zukam, die das ganze Vorhaben auf das höchste gefährdete) , spiegelten diese Beschlüsse unbestreitbar das Empfinden der Synodalen bei der Abstimmung wieder: weshalb sollen wir nicht für etwas stimmen, was uns so günstig erscheint und gleichzeitig von uns so wenig Anstrengungen erfordert, denn bitte, wir haben doch bei uns die Menschen, die bereit sind, dieses Vorhaben erfolgreich zum Endziel hinzusteuern?…
Nach der Synode verfasste der Pfarrkonvent der Propstei Riga einen Brief an den Oberkirchenrat, in dem er diesen aufforderte 1) den in der Synode beschlossenen modifizierten Plan von BVSG noch einmal zu überprüfen, ob dieser noch dem, was die Verfassung aussagt, dass für die Vergütung eines Pfarrers die anstellende Kirchengemeinde zuständig sei und 2) den in der Verfassung angeführten theologischen Prinzipien entspricht. Zum Teil wurde das getan (die Verfassungskommission veröffentlichte eine Stellungnahme, nach der es Widersprüche zwischen BVSG und der Verfassungskommission tatsächlich gäbe), doch daraus wurden keinerlei praktische Konsequenzen gezogen, so dass heute weitgehend der Eindruck besteht, dass das Vorhaben mit Erfolg weitergeführt würde.
Leider (und das ist keine Heuchelei, sondern mein aufrichtiges Bedauern der Probleme, welche das Leben vieler Pfarrer seit dem missglückten Beginn des Vorhabens von BVSG betroffen haben – mindestens zum gegenwärtigen Augenblick) konnte dieses Vorhaben nicht mit Erfolg in die Tat umgesetzt werden. Zum Teil geschah das durch die Krise (vor deren
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Ausbrechen die Leiter des Vorhabens ernsthaft gewarnt worden sind), zum Teil auch wegen der Persönlichkeiten (man machte sich zu große Hoffnungen auf das Gelingen von einem oder zwei großen Teilvorhaben, die alle von der Notwendigkeit befreien würden, sich mit jedem einzelnen Vorhaben – wie den gespendeten Besitztümern – auf das intensivste zu befassen., und zum Teil wegen des Passivität der einzelnen Kirchengemeinden (alles ging erheblich langsamer voran als es eigentlich hätte gehen können). Das alles lief schließlich darauf hinaus, dass eiligst eine Reihe von Dezernaten des Oberkirchenrats geschlossen und soeben neu angestellte Mitarbeiter entlassen wurden, und dass zur Deckung der laufenden Ausgaben Kredite aufgenommen werden mussten, und schließlich als Preis für die Krise das wertvollste Gebäude der ELKL auf dem Domplatz 1 veräußert wurde.
Nachdem es sich im Dezember des vergangenen Jahres erwiesen hatte, dass die Kirche in eine nicht zu bestreitende Existenzkrise geraten war, reagierte der Pfarrkonvent der Propstei Riga mit einer im März beschlossenen Resolution (nach einer gewissen Zeit, nachdem sich die ersten heißen Emotionen abgekühlt hatten), mit folgenden Forderungen: 1) Die Leiter und Initiatoren dieser die Finanzen und Immobilien betreffenden Projekte müssen von ihren Ämtern zurücktreten oder aus diesen Ämtern entlassen werden 2.) Es ist eine Kommission zu bilden, welche die möglichen Zusammenhänge zwischen der neuen Verfassung und der entstandenen Situation zu begutachten hat. Denn bei vielen Amtsbrüdern ist ein merkwürdiges Gefühl darüber hochgekommen, dass das BVSG Vorhaben trotz aller Warnungen vor möglichen Problemen mit einer großen Begeisterung weiter vorangetrieben wurde und das Empfinden förderte, dass Alternativen (die sich am Ende als richtig erwiesen) einfach nicht beachtet werden dürften. Könnte das mit diesem neuen Verwaltungsmodell zusammenhängen? Könnte das verursacht worden sein, weil man sich in dieser Situation geweigert hat, andere Standpunkte überhaupt zur Kenntnis zu nehmen? Damals war das nur eine Frage und eine Forderung, die Sache zu untersuchen.
Dieser Resolution der Propstei Riga stimmten eine Reihe anderer Propsteien und Konvente zu und schlossen sich ihr an. Doch zu praktischen Ergebnissen ist diese Rigaer Resolution nicht gekommen. Tatsache ist, dass Artis Eglītis aus gesundheitlichen Gründen und weil er sich für alles Geschehene verantwortlich fühlte, von seinem Amt zurücktrat (aber dabei einige Monate sein Gehalt als Sekretär des Oberkirchenrates weiter bezog und sich weiterhin ehrenamtlich an der Ausarbeitung strategischer Beschlüsse beteiligte) , doch der Dezernent für Immobilien blieb weiterhin im Amt, und hier wurde keine Kommission gebildet.
Damit konnte es nicht ausbleiben, dass die Pfarrer des Konventes der Propstei Riga beschlossen haben, sich selbst mit der Verfassung zu beschäftigen und alles Vorgefallene zu untersuchen fortzusetzen. Es fanden mehrere Konvente statt, in denen wir die Prinzipien der Verfassung des Jahres 1928 und die Geschichte der Entstehung unserer Kirche kennen lernten. Es entstanden Arbeitskreise, die sich mit aktuellen Fragen des kirchlichen Lebens befassten. Allmählich entwickelten sich daraus ein Standpunkt zum Geschehenen und Anregungen zur Besserung der Situation.
Im Juli wurde ein neuer Brief verfasst, der das Empfinden der Mehrheit aller Pfarrer im Blick auf die kirchliche Lage, die Ursache der Krise und auf mögliche Lösungen zum Ausdruck bringen wollte. Dieser Brief wurde an alle Pfarrer versandt, denn unsere ursprüngliche Absicht war, ihn nicht zu veröffentlichen, sondern eine interne Diskussion auszulösen über Fragen, die nur ganz allein die Kirche und deren innere Ordnung betrafen. Irgendjemand hat es für richtig gehalten, diesen Brief Journalisten in die Hände zu spielen, die ihn natürlich auf die für sie typische Weise radikal und Aufsehen erheischend interpretierten und ihn als ein Misstrauensvotum gegenüber der Kirchenleitung usw darstellten. Auch das ist eine Gewissensfrage.

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Vorschläge
Wenn wir uns jetzt dem Text des Aufrufes zuwenden, dann verstehen wir bald, dass er aus einem kürzeren Rückblick auf das Geschehen und der Beurteilung der Situation (die verschieden ausfallen kann, aber darin liegt doch der Sinn einer Diskussion), besteht, und der Aufforderung an jeden, sich seiner Mitverantwortung der Situation bewusst zu sein und seinen Anteil daran auf sich zu nehmen, in die wir gemeinsam hineingeraten sind, und einigen konkreten Vorschlägen, die der Konvent zum Nachdenken und zur Diskussion in anderen Foren empfiehlt.
Eigentlich erinnert der Konvent auch an einen auf einer der vorigen Synoden gefassten Beschluss, nach dem die neue Verfassung den Prinzipien der Verfassung des Jahres 1928 und der Rolle der Synode als höchster Entscheidungsträgerin der Kirche entsprechen muss. Wir haben nicht dazu aufgerufen, noch eine neue Verfassung zu erstellen, sondern zu der Verfassung zurückzukehren, die seinerzeit die Grundlagen für die ELKL geschaffen hatte. Um seine Überlegungen zu erläutern, hat der Konvent in seinem offenen Brief vier konkrete Forderungen (siehe Seite 2 der Übersetzung) besonders hervorgehoben.
Dabei kann nicht übersehen werden, dass alle 4 Vorschläge des Konvents der Propstei Riga mit der Beachtung des Prinzips der Abstimmungen und Wahlen durch die Kirchenverwaltung verbunden sind. Das ist eigentlich die einzige Möglichkeit, der „unteren Ebene“ (seien es die Kirchengemeinde oder die Pfarrer) den ihnen zukommenden Anteil an der Kirchenverwaltung zu geben. So können zum Beispiel nicht alle Kirchengemeinden und Pfarrer der ELKL sich gleichzeitig zusammensetzen und über wichtige Fragen der Kirche Beschlüsse fassen, aber die Vertreter der Gemeinden können ihrem Willen Ausdruck geben, und deshalb werden sie auch eingesetzt oder gegebenenfalls entlassen. Das ist die einzige Weise, auf die sich die Gemeinden an der Fassung wichtiger Beschlüsse der Kirche beteiligen können, und nicht durch passives Abnicken der Beschlüsse „von oben“.
Natürlich hat der Zugang dieser Art auch seine ernsthaften Risiken. So ist zum Beispiel die Frage nach der Lehre der Kirche keine Frage, die man per Abstimmung lösen kann. Dennoch war der Konvent mehrheitlich der Auffassung, dass das neue Verwaltungsmodell die Initiative den Kirchengemeinden und Pfarrern allmählich entzogen und auf die Pröpste (Kapitel) und die Bischöfe übertragen hätte (nach der Melodie „wir können ja doch nichts ausrichten, da sie alles so ausrichten, wie sie es sich vorstellen“), die dann an unserer Stelle alles beschließen, um sie hinterher dafür zu kritisieren, dass unser Standpunkt dabei nicht beachtet wurde… Wahre Demokratie wächst nicht nur in unserer Kirche, sondern auch im ganzen Staat nur sehr langsam heran, denn nur langsam begreifen die Menschen es, dass Wahlen keine komischen Witze sind, an denen wir uns nur nachlässig beteiligen, ohne uns in die Fragen zur Sache ernsthaft zu vertiefen, und dabei übersehen, dass wir es ernsthaft verantworten müssen, dass von unserem Verhalten unsere Zukunft abhängt. Wir wollen es hoffen, dass auch die Kirche im Laufe der Zeit sich dem Fortschritt öffnet, statt eines blinden Gehorsams gegenüber den Emotionen eines Augenblicks und rhetorisch eingängigen Vorschlägen. Eine wichtige Voraussetzung für diese Entwicklung ist die Pflege der demokratischen Tradition. Es darf nicht sein, dass die Synode des Desinteresses und der Inkompetenz beschuldigt wird, aber die Situation ist dadurch entstanden, dass diese Kompetenz eingeschränkt und die Verantwortung Menschen übertragen wurde, auf welche die Synode gar keinen Einfluss ausüben kann…
Normale Wahlen könnten auch ein gutes Mittel sein, um die Persönlichkeiten in leitenden Ämtern anzutreiben, aufmerksamer auf ihre Wähler zu hören, deren Stimme sie ihre Stellung verdanken. Reguläre Wahlen machen es unmöglich, dass gewählte Persönlichkeiten ihre Autorität missverstehen (die Hochachtung, die jemand für vernünftig gefasste Beschlüsse und deren Durchführung sowie für sein kollegiales und ausgewogenes Verhalten erfährt, muss
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erarbeitet werden). Jemand von großer Autorität vermag eine Kirche zu leiten, ohne dabei einen allzu großen Verwaltungsapparat zu benötigen. Jemand ohne Autorität vermag sie nicht zu leiten, auch wenn er auf einen großen Verwaltungsapparat zurückgreifen kann. Denn Leitung bedeutet nicht Vollmacht, sondern Vertrauen, Visionen und Achtung des anderen. Ein schlechter Leiter mit großen Vollmachten gebraucht diese nicht für die Leitung sondern zur Bekämpfung seiner Konkurrenten und Widersacher, bis er schließlich – und das ist die letzte Konsequenz – in seinem unnötigen Königreich allein bleibt.
In einer idealen Welt werden solche „Sicherheitsventile“ nicht benötigt, dort sind in allen Ämtern hervorragend geeignete Menschen anzutreffen und alles geschieht auf bestmöglicher Weise. Leider lässt sich auch in einer idealen Welt die Anwesenheit der Sünde nicht leugnen, die unsere idealsten Vorhaben kräftig beschädigt und uns ständig vor die Notwendigkeit von Korrekturen stellt. In der realen Welt erweist es sich oft als unmöglich, vorherzusagen, dass alle Vorhaben eines Menschen gelingen werden, bevor er die Möglichkeit hatte, das an einer bestimmten Stelle zu beweisen. Und wenn er dann seine Position bezogen hat, erkennt er nicht mehr seine Inkompetenz und gibt sich übermäßig mutig, um dann auch entsprechend handeln zu können.
Nicht selten tut das ein sündiger Mensch, dass er sein Amt und seine Kompetenz durcheinander bringt und dabei denkt, dass das ihm anvertraute Amt gleichzeitig bedeuten würde, dass alle zu Stande gekommenen Beschlüsse auf irgendeine Weise richtig und kompetent seien. „Wenn ich Pfarrer bin, dann habe ich immer recht. Wenn ich Leiter bin, dann heißt das automatisch, dass ich auch ein guter Leiter bin.“ Dieses Empfinden löst auch den Hochmut aus, bei dem man schließlich leicht von einer Sprunghaftigkeit reden kann. Trotzdem muss er andere Standpunkte anhören können und dabei mindestens einen Teil davon in seinem eigenen Leben verwirklichen.
Wenn in geistlichen Dingen Demokratie gewöhnlich das Gerechtwerden gegenüber den Anstrengungen und Interessen des Augenblicks bedeutet, dann sind die Verwaltungsbestimmungen in der Demokratie bisher ein recht effektives Mittel gewesen, langfristig eine gewisse Stabilität und Effektivität zu erzielen.
Der Konvent der Propstei Riga ist der Überzeugung, dass die entstandene Krise nicht auf das Zusammenfallen ungünstiger Umstände oder auf die Böswilligkeit eines Einzelnen zurückgeht, sondern auf ein ständiges Problem, das durch das Auswechseln (oder besser die Erneuerung) einiger Knotenpunkte im Verwaltungssystem dieses leichter und elastischer machen würde.
Einladung zum Gespräch
Am Ende möchte ich noch einmal betonen, dass man aus diesen Vorschlägen des Pfarrkonventes der Propstei Riga nicht etwas herauslesen sollte, was dort gar nicht gesagt worden ist. Ich denke, dass die gegenwärtigen Leiter unserer Kirche genügend Autorität haben, um sich dessen sicher zu sein, dass die Synode ihnen das Vertrauen ausspricht.
Dieses sind ganz konkrete Vorschläge, über die wir zur Diskussion einladen. Wir wären darüber sehr froh, wenn es nicht nur Diskussionen über uns, sondern auch mit uns gäbe, um die beste Lösung dafür zu finden, dass unsere Kirche künftig ihren Standort hätte, von dem aus auch wir selbst unseren Dienst ausrichten könnten und aus ganzem Herzen einem jeden unsere geistige Heimat anempfehlen, der auf der Suche nach dem Weg zu Gott ist, denn auch das ist eine Frage des Gewissens.

Der „kleine“ Kirchentag in Blīdene Inga Reča
„Wirklich, warum auch nicht?“ dachte ich, als ich eine Überschrift für meinen Beitrag über die Zusammenkunft von Vertretern aus 15 Kirchengemeinden und 8 Pfarrern zum Gottesdienst am Michaelistag in der „Grünen Kirche“ von Blīdene suchte. Wir haben in
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Lettland Kirchentage, zu denen aus einer Diözese mehrere Hundert Leute kommen, verschiedene Kirchengemeindetage, und den jedes Jahr stattfindenden von der Kirchengemeinde Blīdene veranstalteten Tag der Gemeinschaft, zu dem sich anfangs nur knapp 80 Leute aus Kirchengemeinden der näheren Umgebung zusammenfanden, die dann zahlenmäßig anwuchsen und zu denen Vertreter von Kirchengemeinden in Kurland und Livland anreisten. Wenn Ihr die Karte Lettlands betrachtet, dann könnt Ihr erahnen, wie weit verbreitet der Kreis der angereisten Kirchentagsteilnehmer in Blīdene war. Sie kamen aus Mālpils, Riga, Ropaži, Baldone, Ķekava, Vecauce, Remte, Gaiķi, Saldus, Kuldīga, Lipaiķi, Alsunga, Ēdole, und Apriķi. Vertreter der Kirchengemeinde Kalmar in Schweden hatten nicht einmal den Weg aus dem Ausland gescheut. So viele Gottesdienstteilnehmer wie in diesem Jahr hat es in der Grünen Kirche vorher noch nie gegeben, und trotzdem fanden alle einen Platz..
Und ganz sicher können wir sagen, dass der Himmlische Vater seine fürsorglich segnende Hand über dieser Gemeinde gehalten hat, denn es war die wärmestmögliche Kirche, die es an einem 25. September nur geben konnte, denn die Temperatur hatte außen, wo ja der Gottesdienst stattfand die Marke von 20 Grad erreicht, wenn man nicht gerade in der Sonne saß.
Pfarrer Rolands Eimanis von der Kirchengemeinde Baldone erwärmte die Herzen aller Teilnehmer am Gottesdienst mit seiner Predigt, die einen der Ecksteine der lutherischen Dogmatik – die Gnade Gottes – zum Thema hatte. Dabei stellte er an alle die unbequeme Frage: Hast du heute eigentlich genug von der Gnade Gottes? Dabei ist es schon sinnvoll, sein eigenes Herz zu erforschen und seine eigenen Forderungen an das Leben ringsum und die Mitmenschen kritisch zu betrachten.
Nach dem Gottesdienst begaben wir uns zum „Haus des Volkes“, wo die bewundernswert fleißigen Glaubensschwestern der Kirchengemeinde Blīdene uns ein wahres Hochzeitsmahl zubereitet hatten. Wenn wir die gedeckten Tische betrachteten und uns mit verschiedenen Salaten, Piroggen und Brotplatten verwöhnen ließen, blieb Propst Pirro nur die Feststellung übrig: „Gott kennt keine Krisen.“ Das trifft mindestens auf Blīdene zu.
Das bekundete auch die Gemeindeleiterin Sanita Vanaga, die als Mutter des Hauses alle Freunde von nah und fern anredete, Gott für diese Gemeinschaft dankte, die nun schon seit vielen Jahren besteht, uns alle in dieser Zeit durch die erforderliche Nähe zueinander und mit dem Schulter an Schulter Empfinden stärkt. Diese Freude ist die Freude des Teilens der frohen und traurigen Erfahrungen. Sanita Vanaga berichtete auch über die Gemeinschaft mit der Partnergemeinde in Amerika, deren Vertreter in diesem Sommer in Lettland zu Gast waren, die den Wunsch äußerten, mit uns zusammen zu arbeiten und sich dabei auch schmutzig zu machen. Dieses Vorhaben gelang ihnen auch großartig, als alle zusammen die Zwischenwände des Gemeindehauses einrissen und den verrußten Verputz des künftigen Gemeindehauses abtrugen. Der Pfarrer der Kirchengemeinde Kārlis Rozentāls sagte: „Das Pfarrhaus ist ein Zeugnis dafür, was wir schaffen können, auch wenn wir kein Geld haben. Ich bewundere unsere Kirchengemeinde für ihren gewaltigen Einsatz, der hier investiert wurde. Dabei geschieht auch das Wunder, dass, wenn die Arbeit über die Kräfte geht und Geld benötigt wird, sich dieses auch findet.
Pfarrer Uldis Gailītis berichtete darüber, was sich in seinen beiden Kirchengemeinden Gaiķi und der Martin Luther Gemeinde Saldus getan hatte. Die Sakristei der Kirche von Gaiķi hat ein neues Dach bekommen und er lud alle Anwesen ein, diese Gemeinde jedes Jahr am Ostermontag zu besuchen, wenn da eine besonders schöne Veranstaltung für Eltern mit Kindern stattfände. Dabei würde man sich auch an der neuen Bemalung der Kirchenbänke freuen können. Wenn diese Kirchengemeinde auch recht klein ist, so ist die Bereitschaft dort, die Arbeit mit anzupacken, sehr groß. Der Pfarrer ist über das Verhältnis mit der Schule sehr
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froh und dankbar, wo er auch immer willkommen ist. Der Pfarrer ist für die Möglichkeit, die Kinder anzusprechen froh und dankbar, denn die Kinder sind doch die Zukunft unserer Kirche (oder nicht?)! Die Martin Luther Gemeinde in Saldus kann er als Beispiel dafür nennen, dass eine Kirchengemeinde sich auch selbst dann erhalten und ihren Pfarrer und ihre Organistin vergüten kann, wenn sie keinen Immobilienbesitz hat. Pfarrer Gailitis wünschte diesem Treffen eine lange Tradition, denn „damit verrichtet Ihr einen segensreichen Dienst.“
Pfarrer Raivis Martinsons berichtete über seine Kirchengemeinde Dole-Ķekava. Er ist froh und dankbar dafür, dass es während der zwei Jahre seines Dienstes dort gelungen ist, ein gutes Verhältnis zu der Einwohnerschaft und zur örtlichen Behörde herzustellen. Dank der guten Zusammenarbeit mit der Kommune ist die Kirche der Kirchengemeinde Dole-Ķekava auch jetzt in der dunklen Jahreszeit gut ausgeleuchtet. Der Pfarrer meint, dass die Kirchengemeinde ihre Zusammenarbeit mit anderen noch erweitern sollte. So ist es zu einer guten Kooperation mit der örtlichen Musikschule gekommen, deren Schüler regelmäßig in der Kirche Konzerte geben und ihre Räume für Veranstaltungen der Kirchengemeinde zur Verfügung stellen. Zwei mal im Monat begibt sich die Kirchengemeinde zum Missionseinsatz am Ufer der Daugava, wo die örtliche Schule auch einen Gottesdienst hält und zur Sonntagsschule zusammenkommt. Für das nächste Jahr sind dort Bibelstunden geplant. Pfarrer Martinsons betrachtet das Treffen in Blīdene als eine wunderbare Möglichkeit der Pflege der Gemeinschaft mit den benachbarten Kirchengemeinden
Pfarrer Didzis Skuška war Gott dankbar, dass die Sonntagsschule in Lipaiķi mit ihren drei Sonntagsschullehrerinnen ihre Arbeit fortsetzen konnte als Ergänzung der übrigen Gemeindearbeit, die dort bereits seit vielen Jahren geschieht. In Alsunga ist der Alpha Kurs soeben zu Ende gegangen, während in Ēdole inzwischen ein Jahr vergangen ist, seit die Kirchengemeinde einen Gasthof gepachtet hat, der während dieser Zeit als Gemeindehaus mit einer Kapelle eingerichtet wird. Inzwischen ist dort auch eine christliche Pfadfindergruppe entstanden. Die ersten sechs davon haben gerade ihr Gelübde abgelegt. Dieses Gebäude ist auch zur letzten Heimstätte für bettlägerige einsame Menschen geworden, die ihre letztem Tage dort sauber und versorgt verbringen können. Auch Pfarrer Skuška dankte allen einheimischen und aus der Ferne angereisten für dir schöne Gemeinschaft.
Helmut aus Kalmar in Schweden ist die Renovierung des Gemeindehauses, die Beschaffung der sanitären Einrichtung und der notwendigen Möbel zu verdanken. „Sehet, welch ein Mensch!“ Dieses Wort sprach der Gemeindepfarrer mit dem Blick auf ihn aus.
Der Pfarrer der Kirchengemeinde Vecauce Valdis Bercs erlebt zur Zeit einen Augenblick des Wechsels. Die Kirchengemeinde setzt ihren diakonischen Einsatz bei alten Leuten fort und es gibt eine wunderbare Zusammenarbeit mit der Musikschule. Viele junge Leute von dort haben sich zum Konfirmandenunterricht angemeldet. Doch die Renovierungsarbeiten an der Kirche sind stecken geblieben, weil es für die Vorhaben keine Unterstüzung mehr gibt.
Der Pfarrer der Kirchengemeinden Ropaži und Mālpils Krišjānis Bulle fügte dem hinzu, dass die ausgesprochen starke Seite seiner Kirchengemeinde die Sonntagsschule sei., welche die gute Tradition hat, dass die Sonntagsschulkinder von ihren Freunden und Freundinnen aus der Schule begleitet werden. Wirtschaftlich hat Gott die Kirchengemeinde mit Mitteln ausgestattet, die für die Restaurierung der Decke notwendig sind. Der Pfarrer hatte die Freude. Schön ist es, dass die Leute dort nach dem Gottesdienst nicht auseinanderlaufen, sondern zusammen bleiben und gemeinsam beraten, was in der Kirchengemeinde noch zu tun ist. Der Gemeindeleiter Juris Vilums machte deutlich, dass es heutzutage nicht einfach sei, eine Kirchengemeinde auf dem Laufenden zu halten, die einen großen Immobilienbesitz hat, der einem mehr als genug Probleme macht. Ganz besonders dankbar war er zwei Schwestern aus den Gemeinden, die den ganzen Schriftverkehr bei diesen Vorhaben übernommen haben und die die Krypta unter dem Altar in Ordnung gebracht haben, die inzwischen für viele
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Touristen zu einem beliebten Besichtigungsobjekt geworden ist. Juris beglückwünschte seine Amtsschwester Sanita mit einem ganz besonderen Geschenk – einem einmaligen Exemplar einer Blume und einem einmaligen Händedruck was natürlich bei den Anwesenden Heiterkeit auslöste.
Pfarrer Rolands Eimanis hatte aus Baldone einen ganzen Bus voll von Leuten mitgebracht, denn gerade diesen Tag hatte sich die Kirchengemeinde für ihren jährlichen Gemeindeausflug auserwählt. Und sie wollte auch wirklich in diesem Jahr nach Kurland reisen. In Baldone gibt es eine gut funktionierende Sonntagsschule, eine aktive Jugendarbeit, einen Alpha Kurs, der am letzten Samstag im Monat einen eigenen Gottesdienst hält mit ausgesuchten besonderen Liedern. Ganz besonders froh war der Pfarrer darüber, dass es der Kirchengemeinde gelungen ist, aus eigenen Mitteln einen Diakon zu vergüten, der 50 arme Kinder mit einem freien Mittagessen versorgt und bei ihnen Hausbesuche macht. Pfarrer Eimanis freut sich auch darüber, dass in der Kirchengemeinde vieles von selbst angepackt wird, ohne dass der Pfarrer dafür einen Anstoss geben muss, .und zitierte bei seinen guten Wünschen die Worte eines Lehrers: „Auf dass es in der Kirchengemeinde stets Platz für einen jeden gäbe!“
Propst Viesturs Pirro lud zum 28.Oktober alle nach Kuldīga ein zum Beginn des 400 jährigen Gedächtnises von Herzog Jakob.. Propst Pirro beschrieb ihn als einen wahren Christen, der anordnete, dass in seinem Lande 70 neue Gotteshäuser erbaut werden sollten, von denen heute noch viele stehen.
Mehrere Redner bemerkten, dass dadurch , dass Svētdienas Rīts nur einmal im Monat erschiene und ein solches Treffen nur einmal oder zweimal im Jahr stattfinden könnte, die Möglichkeiten der gegenseitigen Information nur höchst begrenzt seien.. Die diakonische Leiterin der Rigaer Jesusgemeinde Līvija Putāne rief alle Kirchengemeinden auf. sich durch Eingaben für das öftere, mindestens zweimal monatliche Erscheinen unserer Kirchenzeitung einzusetzen.
Der 25 September verlief in einer sehr liebevollen Atmosphäre. Am Abend konnte man sich nur noch fragen: Wo ist bloß die Zeit geblieben?

Leser von Svētdienas Rīts verreisen nach Piebalga Ingrīda Briede
Am Erntedankfest, dem 3. Oktober, veranstaltete unsere Kirchenzeitung SR für ihre Leser den fünften gemeinsamen Ausflug. Nach dem ersten Ausflug zu den Lutherstätten im Mai sprachen die Teilnehmer den Wunsch aus, auch in Lettland Orte und Kirchengemeinden in Lettland kennen zu lernen, in denen Ausflugsteilnehmer beheimatet sind. So führten uns Ausflüge in diesem Sommer nach Kurland. Sigulda und die Umgebung von Cēsis, auch zu Zielen außerhalb von Lettland, zum Beispiel nach Litauen, doch dieses Mal machten wir uns nach Piebalga und Cesvaine auf den Weg.
Den bewölkten und frischen Tag machten nicht nur die bunten herbstlichen Farben bei dem Blick aus dem Fenster vom Bus sonniger und wärmer, sondern die Freude der Reisenden und die Gemeinschaft. Es schien, als hätten sich sehr alte Freunde wieder getroffen.
Die erste Anlaufstelle war die Kirche von Lode-Apši, eine der seltenen Holzkirchen in Lettland. Hier wurde auch der Film „Aija“ gedreht. Es ist von Anfang an gute Tradition, dass in jedem Gotteshaus, das wir besuchen, gemeinsam gesungene Choräle erklingen. Das wurde dieses Mal durch die Begleitung von Juris Pētersons an der Orgel ergänzt. Dabei stellte es sich heraus, dass Juris einst Organist in der St. Johanniskirche in Riga und auch in der Gegend von Vecpiebalga gewesen ist. Er erinnert sich an den heutigen Politiker Tālavs Jundzis, Sohn des Pfarrers Edgars Jundzis, der als kleiner Junge vom Orgelklang so fasziniert gewesen sei, dass er den Gottesdienst am liebsten auf dem Schoß des Organisten verbracht hätte.
Wir machten darauf einen Bogen um die Hügel von Vespiebalga und hörten uns sehr interessiert das an, was unsere Reiseführerin Līga Pommere zu berichten wusste, kehrten
SR 13-2010 – 11 –

unterwegs im Gut Īneši ein, wo Ķencis einst gefangen gehalten wurde, freuten uns über die leuchtenden Farben der Wasserrosen, fütterten die Fische im Teich am Wegesrande, bis wir das nächste Gotteshaus, die lutherische Kirche von Vecpiebalga, erreichten. Einst überragte dessen stattlicher Turm die ganze Umgebung, doch während des Krieges wurde er zerstört. Das damals zerstörte Gotteshaus wurde während der Zeit des nationalen Wiedererwachens wieder aufgebaut und liegt am Wegesrande verborgen unter großen Bäumen. Im Gotteshaus überrascht uns dessen Breite und das Licht, das durch die großen Fenster einfällt. Der Altar ist aus örtlichen Feldsteinen erbaut.
Während der Zeit des nationalen Wiedererwachens wurde auch die nächste von uns besichtigte Kirche, die Kirche von Liezere restauriert. Wegen Geldmangels mussten die Restaurierungsarbeiten unterbrochen werden, so dass die Kirche immer noch im unvollendeten Zustand geblieben ist. Hier wurden wir Reisenden gastfreundlich von der Gemeindeleiterin Anna Rozīte, erwartet, die an unserer ersten Reise zu den Lutherstätten teilgenommen hatte und uns bei zurückgehender Kälte einen sehr interessanten Bericht über die Kirche gab und uns mit einer wohlschmeckenden Bohnensuppe mit Fladenbrot verwöhnte. Bei ihrem Bericht erfuhren wir, dass die Leute von Liezere sehr musikalisch sind, wozu der einstige Pfarrer Leberecht Herregott Punschel die Grundlagen gelegt hatte, der keinen Gottesdienst beginnen ließ, bevor er die Gemeinde nicht in die Kunst des Singens eingeführt hatte. Hier ist auch der erste Kirchenchor in Lettland entstanden. Der weltliche Chor von Liezere gehört zu den ersten Chören in Lettland, der sich an dem von Neikens zusammengerufenen Sängerfest in Dīkļi und an dem ersten Allgemeinen Liederfest im Jahr 1873 beteiligt hat. Leider hat das Dorf zur Zeit keinen Chor. Nach einem von Pfarrer Guntis Želvijs gehaltenen Gottesdienst in der Kirche von Liezere fuhren wir Busreisenden zu unserem nächsten Haltepunkt – der Burg und der Kirche von Cesvaine – weiter. Die Burg war für viele eine Überraschung mit ihrer Pracht mitten in Lettland. Leider haben den Zahn der Zeit, Brandschäden und Menschen mit dem Hang zum Zerstören auch dieses Gebäude nicht verschont. Aus dem Kaminsaal wurde eine Turnhalle und die Bärenfiguren haben ihr Gesicht verloren. Sehr viel ist hier noch zu tun, bis die Burg ihre alte Pracht wiedererhalten hat. Die Reise wurde mit dem Besuch des Gotteshauses von Cesvaine beschlossen. Dort wurden wir liebevoll von der Organistin und Pfarrer Hans Jensson empfangen.
Mit dieser Reise sind die von SR für die Leser veranstalteten Reisen dieses ersten Jahrgangs beendet worden. Der Gewinn dieses halben Jahres ist sehr groß. Viele Leute aus den Kirchengemeinden in verschiedenen Gegenden Lettlands haben die Liebe Gottes, die Liebe zueinander und die Gemeinschaft miteinander erfahren können. Wir selbst haben uns bereits den Namen „Gesamtgemeinde“ gegeben. Wie schön war es doch weit entfernte Orte in Lettland zu bereisen, wo man unseren ganzen Bus wie seit langem erwartete liebe Freunde aufnahm! Schade, dass wir uns so bald von ihnen trennen mussten! Doch als freudige Nachricht sei es allen gesagt, dass unsere Gemeinschaft und die gemeinsamen Reisen im nächsten Jahr mit einer Bildungsreise zu den Lutherstätten und zum Evangelischen Kirchentag in Dresden sowie zu einem Gottesdienst am 14. Juni in St Petersburg sowie mit Reisen zu alten und neuen Freunden in Lettland fortgesetzt werden Doch im Januar sind alle nach Riga zu einem Lichtbildervortrag über die Reisen dieses Jahres herzlich eingeladen.

Chefredakteurin: Inga Reča

Anschrift der Redaktion: Mazā Pils iela 4 – Riga – LV 1050
Telefon 00371-67224911
E-Mail-Adresse: svetdienasrits@apollo.lv

SR 13-2010 – 12 –

Übersetzung: Johannes Baumann (abgeschlossen am 29.10.2010)
Brucknerstr. 24.- D-27711 Osterholz-Scharmbeck
Telefon: 04791-13356
E-Mail-Adresse: baumann-ohz@arcor.de

Nachwort des Übersetzers
Dieses Mal haben meine hoch verehrten Leserinnen und nachsichtigen Leser nicht so lange auf die neue Übersetzung warten müssen wie bei der letzten Ausgabe, deren Übersetzung sich wegen unserer etwas längeren Abwesenheit verzögert hat.
In Lettland mehren sich jetzt die Stimmen, die das Erscheinen von einer Ausgabe der Kirchenzeitung im Monat bemängeln und der Ansicht sind, dass, wenn die Kirchenzeitung nicht mindestens zweimal im Monat erschiene, sie den letzten Rest von Aktualität verlöre. Ich hoffe sehr, dass diese Stimmen Gehör finden mögen und wir irgendwann zu dem Erscheinen zweimal im Monat kommen.
In dieser Ausgabe ist ein ausgiebiges Interview mit dem Bischof der Baptisten Sproģis zu lesen, der sich auch unter den Lutheranern einer großen Beliebtheit erfreut. Ich habe es (obwohl es die Arbeut wert gewesen wäre) nicht übersetzt, denn wenn ich es getan hätte, dann hätte ich dafür noch einige zusätzliche Tage gebraucht, was den Versand wieder um einige Zeit verzögert hätte.
Sehr verehrte Leserinnen, liebe geduldige Leser! Ich möchte mein Nachwort etwas ausdehnen, um eine Modeerscheinung in unserer deutschen Sprache aufzugreifen und meinerseits zu bekunden, dass ich nicht die Absicht habe, mich ihr anzuschließen., sondern mich ihr entschieden widersetzen werde. Dazu bin ich vor geraumer Zeit von Erhard Eppler angeregt worden, von dem vor mehreren Jahren bei Suhrkamp das kleine Buch „Kavalleriepferde beim Hornsignal. Die Krise der politischen Sprache“ erschienen ist. Auch wer nicht allen seinen Ansichten zustimmt, wird ganz bestimmt nicht behaupten können, dass Erhard Eppler ein verknöcherter Konservativer sei. Jedenfalls hat mich dieses Büchlein (dessen Lektüre ich dem Kreis meiner Leser gerne weiter empfehle) dazu ermutigt, auch meinerseits zu einer Unart, die auch in manchen kirchlichen Publikationen deutscher Sprache um sich gegriffen hat, Stellung zu nehmen. Eppler weist seine Leser darauf hin, dass der alte Aristoteles in seiner Rhetorik gefordert hätte, dass alles Geschriebene sich „leicht vorlesen und vortragen lassen müsse“ (nach meiner Kenntnis ist dieser Forderung noch nie widersprochen worden). Nun haben sich eifrige Schreiber und Schreiberinnen angewöhnt (und leider immer noch nicht abgewöhnt), bei Wörtern wie „Bürger“, „Teilnehmer“, „Veranstalter“, „Politiker“ an den letzten Konsonanten r ein mit einem großen I geschriebenes „Innen“ anzufügen. Eppler weist mit Recht darauf hin und die feministische Linguistin Luise Pusch findet das auch, dass es bereits bei leisem Lesen zu Missverständnissen kommen könnte, wenn bei standhaftem Beibehalten der Schreibweise „AusländerInnen“ die „AusländerInnenpolitik“ als Innenpolitik für Ausländer missverstanden werden könnte. Für das laute Lesen brauchen wir dann ganz sicher eine Anweisung (betr. Betonung etc). So habe ich mich an einige Stellen gewandt, welche sich dieser seltsamen Schreibweise bedienen, um von ihnen eine Anleitung für das laute Vortragen dieser Texte zu erhalten, zu denen im kirchlichen Bereich auch die Schreibweise „ChristInnen“ gehört. Ich weiß nicht, weshalb man mir diese Bitte nicht erfüllte, sondern sich bestenfalls mit der Antwort begnügte, dass diese Praxis auf einen Mehrheitsbeschluss des Hauses zurückginge, was ja vielleicht sehr lieb und menschenfreundlich gegenüber den Schreibern war, aber mir nicht weitergeholfen hat. Ist es eigentlich einem meiner lesenden Mitmenschen bekannt, ob es noch eine Sprache auf dem Globus gibt, die sich solcher orthographischen Merkwürdigkeiten „rühmen“ kann? J. B.

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