Verfasst von: liefland | März 1, 2011

Ausgabe Nr. 2 vom 12. Februar 2011

Ihr werdet Wasser schöpfen aus dem Heilsbrunnen Jesaja 12,3

Auszüge aus Svētdienas Rīts, Zeitung der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, herausgegeben von ICHTYS GmbH, erscheint seit Januar 1920.
Letzter Sonntag nach Epiphanias Ausgabe Nr. 2 (1844) vom 12. Februar 2011

Die Lutherkirche in Riga begeht ihr 120 jähriges Jubiläum. Kaspars Simanovičs.
Am 24. Februar dieses Jahres gedenkt die Lutherkirche in Riga an ihre Einweihung vor 120 Jahren. Dieses 120jährige Gedenken wird in der Zeit vom 21. bis zum 27. Februar durch eine Reihe von Festveranstaltungen besonders hervorgehoben, zu denen alle Interessierten herzlich
eingeladen sind.
Das 120jährige Jubiläum der Kirche und der Kirchengemeinde steht unter dem Leitwort „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein“(1. Mose 12,2), denn während dieser 120 Jahre war die Kirchengemeinde durch ihren aktiven Einsatz sehr vielen Menschen zum Segen. Im Laufe der Jahrzehnte hat sie die in der näheren und ferneren Umgebung Lebenden bei sich versammelt, vielen Menschen Kraft und Mut geschenkt für ihren Alltag und für die entscheidenden Augenblicke ihres Lebens.
Es war die Reaktion auf ein trauriges Ereignis, welche die Kirche damals entstehen ließ. Ein großes Boot, das Leute, die den Gottesdienst in der St. Johanniskirche besuchen wollten, über die Daugava hinüberbringen sollte, kenterte damals einem Herbststurm. Alle Menschen kamen dabei um das Leben. Daraufhin gab es keinen Zweifel: der Vorort Torņakalns musste eine eigene Kirche haben.
Heute hat die Kirchengemeinde etwa 4500 registrierte Mitglieder. Die höchste Zahl an Gemeindegliedern wurde mit 16.000 im Jahr 1905 und die geringste Zahl im Jahr 1980, als die Kirchegemeinde nur 360 Glieder hatte, registriert.
Heute ist die Lutherkirche in Riga ein bedeutendes geistliches, kulturelles und soziales Zentrum in Lettland, das sich nicht nur um die Seelsorge an ihren Gemeindegliedern müht, sondern durch ihre Arbeit auch weit über die engeren Grenzen ihrer Gemeinde ausstrahlt durch ständig veranstaltete geistliche Seminare und Veranstaltungen, durch Sammlungen und Wohltätigkeitsveranstaltungen, zum Beispiel für das Kinderkrankenhaus, durch die Ausstattung armer Menschen mit Kleidung und durch andere Hilfe. Die Kirche öffnet ihre Türen oft für sehr vielfältige musikalische Veranstaltungen – angefangen bei den Perlen der Klassik bis hin zu den beliebten volkstümlichen Stücken der Rockmusik. In jeder Woche finden in der Kirche vier verschiedene Gottesdienste statt, verschiedene Seminare und andere Veranstaltungen, Abende der Meditation, Bibelarbeiten, Sonntagsschule und ein Arbeitskreis Kunst statt. Mehrere Male im Jahr werden Interessierten Konfirmandenunterricht, Seminare für Verlobte angeboten es werden Kurse für medizinesche Hilfe und Beistand an Hinterbliebenen veranstaltet. Damit ist das Gemeindeleben sehr vielfältig. Jeder, der sich angesprochen fühlt, ist zum Mitmachen in jeder Weise eingeladen. Vielfältig ist auch das musikalische Leben der Kirchengemeinde mit einem Chor, einem Kinderchor und einem Gitarrenkreis.
In der Luthergemeinde sind vier Pfarrer beschäftigt – Oberpfarrer Kaspars Simanovičs und die Pfarrer Indulis Paičs, Linards Rozentāls und Juris Rubenis.
Zum 120 Geburtstag der Kirche soll auch der Stolz der Gemeinde eingeweiht werden – das neue Gemeindezentrum, das mit der Hilfe unzähliger Spenden erbaut werden konnte. Es gibt zwei Anlässe, die zu dem Bau dieses höchst beachtenswerten Gemeindezentrums geführt haben. Da ist erstens die sehr beachtenswerte Zahl der Gemeindeglieder. Damit sie alle zusammenkommen können, brauchen wir viele und große Räume. Zweitens ist das Gemeindezentrum nicht nur ein Bau mit einer bestimmten Funktion, es ist ein Gebäude, das Gott zur Ehrre erbaut wurde. Das ist von einer tiefen symbolischen Bedeutung. Wir möchten, dass dieses Gemeindezentrum ebenso wie unser Gotteshaus ebenso wie viele unzählige
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Gebäude zur Ehre Gottes in der ganzen Welt ein beredtes Zeugnis unserer Zeit sein möchten.
Zum Besuch der Veranstaltungen der Festwoche sind alle Interessierten herzlich eingeladen. An jedem Abend findet um 18 Uhr ein Gottesdienst statt, der unter einem besonderen Thema steht:
Montag, den 21. Februar, 18 Uhr: Gottesdienst „Die Kirche und das Wort“
Dienstag, den 33. Februar, 18 Uhr: Gottesdienst „Die Kirche und die Stille“
Mittwoch, den 23. Februar, 18 Uhr: Gottesdienst „Die Kirche und der Dienst“
Donnerstag, den 24. Februar:
17 Uhr: Anlässlich der Einweihung der historischen Lutherkirche am
24. Februar 1891 wird im Gemeindezentrum eine Ausstellung
über die Geschichte der Kirchengemeinde eröffnet..
18 Uhr: Gottesdienst „Die Kirche und der Mensch“.
Freitag, den 25. Februar, 18 Uhr Gottesdienst „Die Kirche und die Musik“
Nach dem Gottesdienst ist in der „Nacht des Lichtes“ die Kirche bis
zur Morgendämmerung geöffnet. Es gibt Möglichkeit zum Anhören
meditativer Musik in der Stille, von Schriftlesungen, Litaneien, freien
Gebeten und Gesängen:
Samstag, den 26. Februar
16 Uhr Konzert für die Spender für das Gemeindezentrum mit Evita
Zālīte (Sopran), Oskars Petrauskis (Saxophon), der Kantorei derLuther-
Gemeinde (Leitung IlzeSprance und Kaspars Milaševičs), Santa Jākobsone (Klavier) und Rijk Jansen aus den Niederlanden (Orgel)
18 Uhr Gottesdienst „“Die Kirche und die Welt“
Sonntag, den 27. Februar, 10 Uhr Festgottesdienst mit Erzbischof J. Vanags mit anschließender Einweihung des Gemeindezentrums.

Spalte der Chefredakteurin Inga Reča
Etwas tun, ohne etwas zu tun?
Ich frage mich, ob wohl jemand gleichgültig bleiben konnte, nachdem er die Meldung gelesen hatte vom Raub in Jēkabpils , deren „Haupthelden“ Angehörige einer Sondereinheit der Polizei waren, also solche, deren Auftrag es ist, uns als Staatsbürger Lettlands zu beschützen. Diese sind mit der Absicht eines Raubes eingebrochen.
Fast alles, was heute in der näheren und ferneren Umgebung geschieht, ist absurd, erklärte der ehemalige Präsident der Hypothekenbank Inesis Feiferis: „Das Wertesystem bricht zusammen, und, sollte das nicht der Fall sein, dann verschwindet der Staat auch,.“
Der Verlust des Wertesystems in der Gesellschaft ist nicht nur etwas Unwesentliches, etwas Neues, eine Nebensache. „Wenn Menschen dem Staat nicht mehr vertrauen können, dann werden sie eines Tages vor ihm ausspucken, denn für ihre Probleme interessiert man sich ebenso wenig wie die Räuber, die bei ihnen eingebrochen sind. Wie kann man aber einen solchen Staat unterstützen? Das bedeutet doch, dass wir einen Staat gar nicht haben,“ sagte Feiferis. Man beachte das bitte – das sagt nicht ein Vertreter der Kirche, sondern ein Bankier.!
Auch die Ärzte haben begriffen, dass vieles, was auf dem Gebiet der Gesundheit passiert, das Volk nicht zum Leben führt, sonden zum Tod. „Svētdienas Rīts hat sich mit zwei Gynäkologen getroffen – mit Silvija und Gints Lapiņš – die sich seit zwei Jahren weigern, Aborte durchzuführen. Ihnen haben sich bereits mehrere Kollegen angeschlossen. „Dabei erwies es sich, dass du das, was du bisher für deinen Auftrag gehalten hast, auch nicht zu tun brauchst “ gestand im Interview Doktorin Silvija Lapiņa ein. Nichts tun ist in diesem Falle etwas tun – das Leben zu erhalten. Bisher hat man noch nichts von der Gründung eines interkonfessionellen Verbandes christlicher Finanziers gehört, doch die Mediziner haben die
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Stolpersteine des gegenwärtigen Gesundheitssystems erkannt und im vergangenen Jahr den interkonfessionellen Verband der Mediziner gegründet. Ich hoffe, dass die Lektüre des Interviews mit beiden Gynäkologen und der Beitrag der Vorsitzenden des Verbandes christ-licher Mediziner etwas zur Zerstörung des Mythos „da können wir nichts tun“ beiträgt.

Wir mussten unser Leben von Grund auf neu ordnen. Inga Reča
Vor einem Jahr geisterte durch die Medien Lettlands eine ungewöhnliche Meldung: Zwei Gynäkologen des Krankenhauses Valmiera hätten sich geweigert, Aborte durchzuführen. Eigentlich haben sie das bereits viel länger getan. Anfang Januar überraschte Doktor Girts Lapiņš bei der Vorstellung seines Buches „Bioethik für alle“ die Anwesenden mit dem Vortrag seines Lebenslaufes und damit, dass die Begegnung mit Gott das Leben der Gynäkologen Silvija und Girts Lapiņš im privaten und beruflichen Bereich von Grund auf verändert hätte. Sie erklärten sich auch damit einverstanden, den Lesern vom „Svētdienas Rīts“ darüber etwas zu berichten.
– Das Kommen zu Gott hat Ihre berufliche Tätigkeit und Ihr persönliches Leben verändert. Wie konnte das geschehen?
Gints: Jeder Mensch sucht seinen Lebensweg, nur nennt jeder das anders. Ab und an blickt jeder von uns auf seine Werke zurück, auf das, was von ihnen übrig geblieben ist und was wir anderen Menschen hinterlassen haben. Auf diese Weise versuchen wir uns selbst zu beurteilen und für unser weiteres Leben die entsprechenden Schlüsse zu ziehen. Das ist das existenzielle Suchen des Menschen. Weshalb bin ich auf der Welt, was soll ich weiter tun? Wenn ein Mensch losgelöst von Gott lebt, dann betrachtet er alles aus einer menschlichen Perspektive: was denken andere über mich, was habe ich erreicht, wie beurteilt man das oder beurteilt man es gar nicht? Natürlich wirken wir in unserem Beruf auch zusammen mit anderen Menschen. denen wir helfen möchten. Ein Arzt muss sich dabei auch persönlich engagieren. Der Gynäkologe und der Arzt überhaupt steht auf der Schwelle zwischen dem Leben und dem Tod. Denn nicht alle Kranken können geheilt werden. Die Nähe des Todes lässt uns nachdenken darüber, dass dort ein Mensch ist und dass es diesen Menschen plötzlich nicht mehr gibt. Das hört sich alles sehr einfach an, und wie unbeschützt und zerbrechlich sind wir Menschen doch schließlich! Die Situation eines Gynäkologen ist besonders eigenartig dadurch, dass er an dem Kommen zum Leben als auch an dessen Abbruch durch die Abtreibung beteiligt ist. Da in unserem Lande Abtreibungen gestattet sind, ist der Gynäkologe jener Experte, der den freien Willen der Frau in die Wirklichkeit umsetzen muss. Natürlich haben wir das lange Jahre getan, denn wir waren der Ansicht, dass das zu unserem Beruf, zu unserer Arbeit gehörte, zu der wir verpflichtet sind
– Und dennoch kam es in Ihrem Berufsleben vor zwei Jahren zu einem Bruch.
Gints: Nicht alles im Leben verläuft völlig glatt, nicht alles gelingt so, wie man es sich gerne gewünscht hätte. Der Mensch begreift es recht gut, was gut und was schlecht, was richtig und falsch ist, aber dem allen kann er nicht gerecht werden. Der Mensch ist zu schwach, und deshalb kann er nicht nur ein guter Mensch sein, es entstehen bei ihm auch schlechte Dinge und du tust anderen Menschen Unrecht.
Durch das Prisma des Abortes habe ich alle anderen Dinge betrachtet, die mir in meinem Leben begegnet sind. Ich begriff, dass Abort eine große Sünde ist, weil du damit ein Leben zerstörst. Natürlich liebt und vergibt Gott uns, aber das Leben bleibt ohne Segen. Dein Leben verläuft zwischen schlechten Dingen und du fängst an zu suchen – weshalb existiere ich und weshalb geschieht mir das? Es ist so, als ob ich es begreifen würde, was richtig ist, und was nicht, aber warum kann ich nicht so leben, dass mein Leben mit mir selbst überein stimmt? Im Laufe meines Lebens habe ich begriffen, dass ich Gott beleidigt habe. Ich bin nicht in einer gläubigen Familie aufgewachsen und ich hatte keine gläubigen Freunde, aber wenn ich in eine
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Krisensituation geriet , habe ich nicht daran gedacht, dass ich vielleicht jemandem Unrecht getan haben könnte und wie sehr ich durch mein Verhalten Gott betrübt habe. Das alles war hoffnungslos und nicht zu retten. Die zweite Erkenntnis war, dass mir niemand außer Gott helfen könnte. So begann ich zu suchen.
Auch davor, als wir Probleme hatten, sagte mir Silvija, die als Kind in einer katholischen Kirche getauft wurde, dass ich mich taufen lassen sollte. Das lehnte ich ab mit dem Argument, dass alle Letten ursprünglich Heiden waren und dass ich mich auch so wohl fühlte. Doch Gott handelte auf eine interessante Weise. Freunde von uns wollten ihr Kind taufen lassen und baten uns, das Patenamt zu übernehmen., doch du kannst nicht Pate werden, wenn du nicht selbst getauft bist.. Ich dachte: wenn ihnen das so wichtig ist, dann bin ich um unserer Freundschaft und des lieben Friedens willen dazu bereit. Ich selbst brauche das aber nicht. So ließ ich mich taufen, was aber bei mir selbst nicht viel bewirkt hatte.
Silvija: Ich möchte sagen, dass ich in meinem Leben sehr von der Liebe Gottes geleitet worden bin. Meine Familie war zwar gläubig, hat mich aber nicht christlich erzogen. Damals lag es meinen Eltern sehr am Herzen, dass ich etwas lernen sollte. So schickten sie mich als Kind auch in die Sonntagsschule, aber ich verstand nicht, was dort eigentlich geschah. Doch im Rückblick wird mir heute bewusst, dass Gott mich vor Irrwegen bewahrt hatte. Einmal wollte ich mich mit der Yogalehre befassen, aber aus irgendwelchen Gründen ist daraus nichts geworden.
– Dann hat Gints doch eine Email an Pfarrer Juris Rubenis geschrieben.
Gints: Ja, und er hat mir sogar geantwortet.
Silvija: Als Gints einmal in einer seelischen Krise steckte, schloss ich mich ihm an, denn es gab keine andere Möglichkeit. Und Gott zeigte sich uns durch Pfarrer J. Rubenis und einige Bücher. Obwohl ich glaubte, dass es Gott gäbe, wünschte ich mir eine Bestätigung, dass es wirklich den Tatsachen entspricht. Jetzt sind etwas mehr als zwei Jahre vergangen, seit wir jeden Sonntag und noch öfter zur Kirche gehen, doch davor war unser Verstand das bestimmende Element.
– Viele Menschen, die besonders in Berufen arbeiten, die exaktes Denken voraussetzen, sind früher oder später in ihrem beruflichen Wirken zur Erkenntnis Gottes gekommen, denn immer wieder treten nacheinander Situationen ein, denen sie nicht gewachsen sind.
Silvija: Wir brauchten sehr viele Informationen, und wir lasen und lasen und lasen und besprachen miteinander das Gelesene. Unsere Arbeit hinderte uns daran, oft zu Pfarrer Rubenis zu fahren. Eines Tages sprach uns der katholische Priester vor Ort an. Und wir waren für unseren weiteren Weg bereit.
Gints: Ich habe mich in der lutherischen Kirche in Matīši taufen lassen, aber unsere Kinder wurden in ihrer Kindheit in der katholischen Kirche getauft. Ich wollte unsere Familie nicht spalten und trat zur katholischen Kirche über. Wir konnten aber nicht zu den Sakramenten gehen, denn wir waren noch nicht kirchlich getraut. Gott hat uns auf diesen Weg geleitet und jetzt ist alles geordnet.
Silvija: Nun sind wir seit 25 Jahren verheiratet, aber kirchlich getraut sind wir erst seit einem halben Jahr.
Gints: In vielen Fällen ist es besser, wenn es konkrete Forderungen gibt, denn die führen Menschen zur Disziplin. Gerade das gefällt mir in der Kirche, dass es dort Pflichten gibt, denen du nachkommen musst, und du erst dann würdig bist, Jesus bei dir aufzunehmen. Es ist nicht so, dass du dieses und jenes tun kannst, und dabei alles gleich ist, denn Jesus hat dich ohnehin lieb. .. Am Ende musst du dein Leben ohnehin von Grund auf in Ordnung bringen. Und dabei reicht dir Gott die Hand, an der du dich festhalten kannst.

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– Ich habe das Empfinden, dass der Mensch früher oder später begreift, dass er sich wie ein Kind verhält, das sich vieles wünscht, ohne dass es weiß, was es wirklich braucht…
Gints: Mir ging es so, dass ich meinte, alles zu wissen. Gott hat mir jetzt gezeigt, dass ich eigentlich gar nichts weiß – weder das, was ich will, noch das, was ich benötige. Nur Gott kennt das Herz des Menschen. Manches Mal wundere ich mich darüber, dass bei mir irgendwo etwas zum Vorschein kommt, von dem ich bisher nichts gewusst habe, dass es in mir steckt. Doch im Evangelium steckt auch heilende Kraft. Gott sei Dank, dass er mir so deutlich gesagt hat, dass ich zu ihm kommen soll. Es war nicht einfach, Gott zu vertrauen, in die Tiefe zu gehen, zu glauben, dass du geheilt werden kannst, doch das geschieht wirklich. Da ist dieses Wunder – da ist dieses Buch, das so viel bewirkt.
Silvija: Jetzt darüber zu sprechen, ist eine Sache, aber einst war es sehr schwer. Ich erinnere mich, wie Pfarrer Rubenis einmal zu Gints sagte: „Überlass doch alles Gott, und leg deine Last auf ihn“. Gints sagte: „Aber wie?“ Für einen Mann ist das sehr schwer, der es gewohnt ist, sich für bestimmte Dinge zu entscheiden und alles selbst zu tun. Wie soll er das alles plötzlich loslassen? Für eine Frau ist es einfacher, denn sie ist es gewohnt zu begreifen, dass man nicht alles kann und man schnell an die Grenzen seiner Möglichkeiten stößt. Ein Mann ist es gewohnt, alles selbst auszurichten. Und nun kannst du es nicht mehr und man sagt dir: Überlasse es Gott. Du allein kannst es nicht schaffen. Aber wenn du das gelernt hast, dann geschieht es wirklichh.
– Doch oft können wir erkennen, dass Ärzte ihr Leben und ihre Arbeit nicht in Gottes Hände legen, sondern im Augenblick der Krise in ihrem Leben hart werden und in den Zynismus ausweichen.
Gints: Eigentlich musst du, wenn du Abtreibungen durchführen musst, sehr hart sein. Niemand tut das gerne. Aber wenn dir das deutlich wird, und du aus dieser Krise herauskommen möchtest, dann darfst du das einfach nicht mehr tun. Ich hatte das Empfinden: Ich habe Gott beleidigt und ich muss mich von allen diesen Sünden lossagen. Keine dieser Sünden kann ich bei mir behalten. Ich muss mich von allem, was ich getan habe, lossagen.
Der Beschluss, keine Abtreibungen mehr vorzunehmen, ist mir nicht schwer gefallen. Ich hatte keinen Zweifel daran, dass ich damit beginnen musste. Ich sagte Silvija, dass ich auch ihr nicht empfehlen möchte, das weiter fortzusetzen. Auch andere Kollegen schlossen sich nach einer Weile dem an. Dabei hat jeder seine eigene Geschichte, die ihn zu diesem Beschluss gebracht hat, denn jedem von ihnen ist in seinem Leben etwas widerfahren.
Silvija: Dass es schlecht ist, Abtreibungen vorzunehmen, ist jedem deutlich. Doch wir haben gelernt, dass wir das, was wir bisher für unsere Pflicht gehalten haben, auch nicht zu tun brauchen. Irgendwann fängst du an nachzudenken: weshalb werden wir damit gestraft? Andere Ärzte können Menschen helfen, aber weshalb müssen wir solche Dinge tun? Irgendetwas scheint hier nicht zu stimmen. Doch plötzlich kommt mir die Erkenntnis: Ja, aber wenn wir das auch nicht zu tun brauchen, dann werden wir das auch nicht tun. Das löste ein großes Gefühl der Erleichterung aus…
Gints: Doch jeder kommt zu dieser Erkenntnis durch eigenes Leid. Das ist kein verstandesmäßiger Beschluss. Alle rationalen Überlegungen, dass das schlecht sei und dass ich das nicht mehr tun möchte, habe ich durchgelesen. Letzten Endes muss jeder den Beschluss auf Grund seiner eigenen Lebenserfahrungen fassen.
Silvija: Ich habe auch darüber nachgedacht, dass das Kind im Mutterleib vom Augenblick der Empfängnis an ein Mensch ist. Das verschweigen die Medien gerne. Und weil man nirgendwo darüber redet, denken die jungen Menschen: „Ein Abort, was ist das schon?“ Dadurch, dass wir die Wahrheit verschweigen, sehen wir nur das, was wir sehen möchten,

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und hören nur das, was wir hören möchten. Das, was uns nicht nützlich erscheint, sehen und hören wir nicht.
– Wie haben Ihre Kollegen in Lettland auf Ihren Beschluss reagiert?
Gints: Unterschiedlich. Einige haben ihm zugestimmt und gesagt, dass sie ähnliches empfunden hätten, doch in ihrem Herzen noch nicht bereit wären zu sagen: Nein, das werde ich nicht mehr tun. Sie tun das weiter, aber sind der Auffassung, dass es nicht gut sei und dass es besser wäre, es nicht zu tun. Wir haben Kollegen in Riga, die auch keine Aborte durchführen. Es gibt aber auch Kollegen, die uns für Sonderlinge und seltsame Wesen halten.
Ganz sicher schauen einige zu: Lass uns beobachten, ob sie vom Pfad der Tugend abgewichen sind, oder ob das nicht so schlimm ist. Doch ich weiß es ganz genau, dass alwir richtig gehandelt haben. Denn es geht hier um geistliche Dinge, bei denen jeder sich früher oder später entscheiden muss. Natürlich kann man sein ganzes Leben lang weiter Aborte durchführen und dann irgendwann seinen Ruhestand antreten und dabei vielleicht einen Prozess der Läuterung durchmachen, bevor er in die Ewigkeit eingeht – sei es durch eine Krankheit oder auf eine andere Weise.
Silvija: Wir haben das bereits seit längerer Zeit nicht mehr getan. In Svētdienas Rīts wurde erst vor einem Jahr darüber zum ersten Mal berichtet. Wir haben unsere Freunde und unsere Kirchengemeinde daran Anteil nehmen lassen, dass wir darin den Weg Gottes erkennen. Eines Tages rief mich eine Studentin der Journalistik an und sagte mir, dass sie über dieses Thema ihre Kursarbeit schreiben wollte und meine Einstellung dazu kennen würde. Als die Dozentin dieser Studentin, die Journalistin Inga Spriņģe, diese Arbeit gelesen hatte, rief sie mich an, und erbat von mir Hinweise, wo sie noch ausführlichere Informationen über das Thema erhalten könnte.
Das ist für mich immer wieder ein Wunder, wie Gott wirkt. Wenn wir selbst die Absicht gehabt hätten, etwas über unser Vorhaben in einer Zeitung oder in einem Journal zu publizieren, dann wäre das ganz bestimmt nicht möglich gewesen. Außerdem hätte ich, wenn mich ein Journalist der Gelben Presse angerufen und um ein Interview gebeten hätte, es nicht gegeben. Damals waren wir in unserem Glaubensleben recht zerbrechliche und unsichere Pflänzchen. Aber Gott hatte andere Gedanken, er handelte durch die junge Studentin
Ich denke, dass Gott jemandem eine Aufgabe stellt, wenn der Betreffende für sie reif ist.
– Was sagen Sie Frauen, die sich durch manche Umstände nicht in der Lage sehen, ein Kind auszutragen?
Gints: Bei einem Teil von ihnen gelingt es mir, sie zu überzeugen, bei einem anderen Teil nicht. Vor kurzem besuchte mich ein Mädchen, das ein Kind zur Welt gebracht hatte, und das wieder schwanger war. Vielleicht ist es mir nicht gelungen, sie zu überzeugen. Bei einem solchen Gespräch vergeht mindestens eine Stunde. Das Wichtigste, was ich dabei zu sagen versuche, ist, dass dort bereits ein Mensch existiert und nicht nur ein Zellengewebe. So weit es mir nur möglich ist, versuche ich Schwangere zu überzeugen, dass es ein Mensch ist, um den es geht.
Silvija: Oft sagen uns Mädchen: Bitte, bitte, sagen Sie mir das nicht. Ich möchte das nicht hören!
Gints : Sie sagen: „Das tut mir auch weh, aber wir haben uns dafür entschieden.“ Dann versuche ich es, sie auf eine andere Weise zu überzeugen. Ich zeige ihr das kleine Herz. Damit möchte ich die Frau nicht quälen. Eigentlich soll sie dadurch, dass sie das Herz des kleinen Menschenkindes sieht, davon überzeugt werden, dass es um einen Menschen geht. Und dann braucht sie Zeit. Denn Gott ist wieder am Werk. Er möchte, dass dieses Leben beginnt. Dabei kann jeder Tag etwas bringen. Die Hauptsache dabei ist, dass es nicht so sein möchte: Wir haben heute beschlossen, den Abbruch durchzuführen, und morgen findet er

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auch statt. Denn oft ist es wirklich so, dass Frauen den Abbruch durchführen lassen und nach drei Tagen sich deshalb die Haare raufen.
Silvija: Die Gedanken ändern sich sehr. Denn der Mensch ist schwankend, besonders, wenn er keine Hilfe in der eigenen Familie findet. Die Menschen, die abseits stehen, werden immer sagen: Wozu brauchen wir noch ein Kind? Doch jeder Tag, jede Woche zum Nachdenken ist für eine Frau sehr wichtig.
Ich freue mich sehr, wenn es gelingt, auch nur einem Kind sein Kommen in die Welt zu ermöglichen, bei dem die Mutter vorher die Absicht gehabt hat, es nicht zu behalten. Und weil ich Aborte nicht durchführe, haben viele Frauen noch einmal arüber nachgedacht. Gott sei Lob und Dank!
– Sind die Frauen, die sich nach dem Gespräch mit ihnen für das Kind entschieden haben, in der Mehrheit?
Silvija: Das ist schwer zu sagen. Ich kenne bestimmte Menschen. Doch wenn ich selbst Abtreibungen durchführen würde und eine Frau mich überredet hätte, sie durchzuführen, dann würde ich ihr sagen: Bitte, wenn du das unbedingt möchtest, dann suche dir bitte einen anderen Arzt. Das Gespräch war lang genug, und nun ist es an Gott, zu bewirken, dass sie zu keinem anderen Arzt geht. Doch sollte das geschehen, dann zieht in das Leben der Familie großer Segen ein. Ich sage auch: Wenn sich ein Kind angemeldet hat, dann wird es nie passieren, dass dir deshalb etwas Schlechtes geschieht. So ist das nie im Leben gewesen. Wenn ein Kind zur Welt gekommen ist, dann gibt es für dich auch bald ein Stellenangebot oder dein Familienleben kommt wieder in Ordnung, und das ist wirklich wunderbar. Ich habe nicht das Recht, Details auszuplaudern, aber…
– Obwohl das nach meiner Meinung gut wäre, wenn Sie berichten könnten, wie sich für Frauen offensichtlich hoffnungslose Situationen in ihrem Leben lösten, denn das könnte vielen Frauen Mut machen, die vor einer solchen Entscheidung stehen.
Silvija: Genau das sage ich: Wenn Gott dir ein solches Geschenk macht, dann nimm es an und wirf es nicht weg! Denn du weißt wirklich nicht, was dich erwartet, aber etwas Schlechtes wird es bestimmt nicht sein.
– Haben Sie es auch erlebt, dass Ihnen jemand dafür gedankt hat, dass Sie eine Frau von diesem verhängnisvollen Schritt zurückgehalten haben?
Silvija: Eine Mutter hat mir ein wunderschönes Gemälde geschenkt, aber das ist doch nicht die Hauptsache. Valmiera ist keine allzu große Stadt, so dass Beziehungen erhalten bleiben. Ich denke, dass diese Kinder besonders gesegnet sind und dass Gott mit ihnen noch viel vor hat..
Gints; Meistens erkennt der Mensch, was mit ihm heute geschehen ist, denn was mit uns morgen geschehen wird, das wissen wir heute nicht. Aber wenn irgendjemand von uns denkt, dass es mir, wenn es mir heute schlecht ergangen ist, morgen noch schlechter gehen würde, wenn ich heute keine Arbeit habe, dann werde ich auch morgen arbeitslos sein und meine Rechnungen überhaupt nicht bezahlen können, dann hat er nicht begriffen, dass sich das Leben in jedem Augenblick durch unerwartete Dinge vollkommen verändern kann. Und wenn dir ein Kind geschenkt ist, dann weiß Gott es, dass sich dadurch in deinem Leben etwas ändern wird, damit du es erziehen kannst. Es wird nicht so sein, dass eine Million vom Himmel fällt, aber elementare Dinge werden geordnet. Vor Kurzem erhielt ich von einer Frau einen Brief, in dem sie mir dankte, dass ich die richtigen Worte gefunden hätte, nach denen sich ihr Leben um 180 Grad verändert hätte. Als sie schwanger war, brach bei ihr alles zusammen – in der Familie, im Beruf, im Geschäft. Sie war am Nullpunkt angelangt. Und dann noch ein Kind? Das Kind war noch nicht geboren, und schon sah das Leben völlig anders aus.

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– In einem interessanten Kommentar las ich edtwas darüber, dass Aborte für den Staat kostengünstiger seien als die Erhaltung eines Krisenzentrums für Schwangere, in dem die betroffenen Frauen psychologisch, sozial und finanziell versorgt werden müssen.
Gints: Solange das kleine Kind noch gefüttert werden muss, ist das eine Investition, aber wenn es in den Arbeitsprozess eingebunden ist… Freunde von uns haben drei Söhne und alle arbeiten in der Landwirtschaft und leisten damit einen guten Beitrag..Ein Mensch ist für den Staat immer ein Zugewinn, denn während seines Lebens erarbeitet er Werte . sowohl materielle als auch geistige. Und heute sind die geistigen Werte von ganz besonders großer Bedeutung. Ich denke, dass dieser Standpunkt der Gesellschaft nicht durch die Wirtschaft bestimmt wird, sondern durch die geistigen Kräfte. Leider stellt sich der Geist der Welt nicht auf die Seite des Lebens, denn in dieser Situation, in der überall die freie Wahl propagiert wird, setzt sich der Mensch an die Stelle Gottes und seine Entscheidungen stehen im Gegensatz zu dem, was Gott uns gebietet.
Silvija: Denn in unserem Staat sind Aborte erlaubt und jetzt werden sogar medikamentöse Aborte genehmigt. Wohin soll das weiter führen? Der Staat hat sich auf die Seite des Todes gestellt.
Gints: Wir vernichten uns selbst. Ohne Kinder haben wir keine Zukunft. Wer wird für unsere Renten aufkommen und wer wird uns ernähren?
– Was denken Sie? Wird es noch zu unseren Lebzeiten möglich sein, die Einstellung der Gesellschaft „für das Leben“ zu ändern?
Silvija: Wir sind ein kleines Land und vieles bestimmt die Einstellung der verantwortlichen Vertreter, die zu beschließen haben.. So waren in der vergangenen Saeima mehr Abgeordnete „für das Leben,“
Gints: Mir erscheint es als eine wunderbare Sache, dass der Mensch ein Werkzeug in der Hand Gottes sein kann. Aber wenn wir schon die Freiheit von diesem Ungeheuer – der Sowjet Union, diesem totalitären Staat – zurückgewonnen haben, dann kann Gott auch das bewirken. Er ruft uns Menschen und wir müssen ihnen das erklären, denn Gottes Wort ist scharf wie ein Schwert. Das müssen wir den Menschen erklären und die Dinge bei dem richtgen Namen nennen. Natürlich kann sich jeder Mensch frei entscheiden, aber wir müssen ihnen sagen, was gut oder schlecht ist.
Zur Zeit sind wir auf die leiblichen Begierden ausgerichtet. Wenn wir die Illustrierten aufschlagen, dann bekommt man den Eindruck, dass das Wichtigste im Leben der Genuss sei. Wenn ein radikaler Standpunkt zur Sprache kommt, dann meint der Mensch, dass er das auch möchte, aber zu den fleischlichen Genüssen nicht kommt, nur weil ein unerwünschtes Kind unterwegs ist.!? Aber wenn sich der Mensch eindeutig entscheiden soll dann bleibt sein Standpunkt irgendwo in der Mitte – zwischen dem radikalen und liberalen hängen. Mir hat das Interview des neuen katholischen Erzbischofs Stankēvičs in der „Unabhängigen“ sehr gefallen, in dem er sagte, dass keine Entscheidung einer Frau höher stehen dürfte als das Leben des Kindes.. Man kann sich nicht für den Mord eines anderen Lebewesens entscheiden. Es gibt Dinge, über die man unmissverständlich und präzise reden und schreiben muss.
– Aus den Statistiken geht hervor, dass in Lettland die Aborte immer weniger werden. Womit hängt das nach Ihrer Meinung zusammen?
Gints: In Lettland gibt es überhaupt weniger Menschen. Die Verhütung hat Fortschritte gemacht. Die katholische Kirche ist gegen die Verhütung und vertritt diese Haltung streng, doch wenn ich es mit Menschen zu tun habe, die keine Christen sind, dann empfehle ich ihnen, sich für das geringere Übel zu entscheiden. Wenn es von vorne herein deutlich ist, dass sich jemand für den Abort entscheiden wird, dann ist es auf jeden Fall besser, wenn man verhütet. Vielleicht wächst auch bei mir selbst die Erkenntnis, dass heute Verhütungsmittel
leicht zugänglich sind, und dadurch die Zahl der Abtreibungen verringert werden kann. Und
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das ist gut. Die Menschen müssen darüber informiert sein und etwas zur richtigen
Entscheidung geschoben werden.
– Ende Januar waren Sie bei der Kirchengemeinde Smiltene zu Gast mit einem Vortrag über dieses Thema. Nach meinen Informationen bestand dort in der Kirchengemeinde ein großes Interesse. Wären Sie bereit, Einladungen anderer Kirchengemeinden anzunehmen?.
Silvija: Natürlich werden wir kommen. Die Begegnung in Smiltene war einfach fantastisch. Jetzt sind wir auch von der Kirchengemeinde Valmiera eingeladen worden.
Gints: Wir handeln nach dem Grundsatz, dass niemand, der uns eine Einladung schickt, eine Absage erhält.

Propst h.c. Georgs Zālītis feierte seinen 95. Geburtstag. Inga Reča
Am 29. Januar konnte unsere Kirche eines sehr wichtigen Jubiläums gedenken – des 95. Geburtstages des emeritierten Propstes Georgs Zālītis. Der Jubilar war so munter, dass er durch seine Anwesenheit den Sonntagsgottesdienst in der St. Martinskirche in Riga beehren konnte, in der er seit dem Jahr 1957 seinen Dienst getan hatte, und jetzt die Glückwünsche von Erzbischof Vanags und den Leuten seiner Kirchengemeinde entgegennehmen konnte. Nach dem Gottesdienst hatten alle die Gelegenheit, den Geburtstagskringel zu genießen, der die beiden Ziffern 9 und 5 darstellte. Der Jubilar erhielt auch Glückwünsche aus dem Ausland von der Familie des Erzbischofs der lettischen Auslandskirche Elmārs Ernsts Rozītis dessen Vater und Großvater vor Propst Zālītis in dieser Kirchengemeinde als Pfarrer gewirkt hatten.
Kurz vor diesem Jubiläum waren Leute der St. Martinsgemeinde bei dem Jubilar zu Gast. Diesen Besuch beschreibt die verantwortliche Redakteurin des Gemeindebriefes von St, Martin Ieva Ērenštreite so: „Er hat einen glänzenden Verstand, kann wirtschaftlich denken und hat ein menschliches Verhältnis zu allem und zu allen. Offensichtlich charakterisieren diese Eigenschaften Propst Zālītis am besten. Besonders das, was mit seinem Besuch des 1. Gymnasiums in Riga und seiner Mitgliedschaft bei der Studentenverbindung „Letonia“ zusammenhängt, beschreibt er mit besonderem Stolz.“ Besonders erinnert sie sich an einen Satz, den der Pfarrer einer seiner Konfirmandinnen gesagt hatte: „Liebes Mädchen, die Hauptsache ist dein Glaube, der nicht von der Menge deiner Arbeitseinsätze bestimmt wird.“ Domdekan Elijs Godiņš wiederum wurde nach dem Ende seines Studiums Propst Zālītis zur Hilfeleistung in der St. Martinsgemeinde und der Kirchengemeinde Sigulda zugewiesen. „Ich bin Gott dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte, meinen Dienst unter der Aufsicht eines so erfahrenen Pfarrers zu beginnen. Er hat mich vor manchem übereilten Handeln bewahrt und mir einen tieferen Einblick in das Leben einer Kirchengemeinde gegeben. Mit einem gewissen Stolz kann ich sagen, dass er mein Senior gewesen ist und ich etwas von jenem ununterbrochenen Dienst erleben konnte, was nicht jedem Kollegen meiner Generation geschenkt ist.,“ schreibt Elijs Godiņš.
Bei einem Blick auf den Lebenslauf des Jubilars erfahren wir, dass er das 1. staatliche Gymnasium im Jahr 1930 beendete, und das Studium an der Theologischen Fakultät der UL 1943 absolviert hat. Am 3. Juni desselben Jahres wurde er von Erzbischof Grünbergs ordiniert. Den jungen Pfarrer ordnete man zum Dienst in den Kirchengemeinden Straupe, Lēdurga. und Ķempji ab und später nach Sigulda.
1957 begann Pfarrer Zālītis seinen Dienst in der St. Martinsgemeinde in Riga, deren Kirche in einer bedenklichen baulichen Verfassung war. Der Pfarrer organisierte in dieser schweren Zeit, in der die Mittel knapp waren und es viel zu tun gab, die Renovierungsarbeiten. Erzbischof Matulis beförderte ihn zum Oberpfarrer. 1987 wurde er mit der Dienstaufsicht in der Propstei Riga betraut. Der neue Propst übte seinen Dienst energisch aus und half seinen

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Pfarrern und Kirchengemeinden, soweit es bei den damaligen Verhältnissen möglich war, denn Probleme gab es mehr als genug.
1992 wurde er in das Konsistorium als Mitglied berufen, wo er den Dienst des stellvertretenden Erzbischofs übernahm.
Der damalige Erzbischof Mesters beschreibt seinen Stellvertreter folgendermaßen: „Als Leiter der ELKL lernte ich G. Zālītis näher kennen. Während seines Gemeindedienstes hat er nicht ein einziges Mal darüber gemurrt, sondern alles mit Freude ausgeführt.“
Ieva Ērenštreite fährt fort: „Als ich ihn besucht habe, sprach er besonders herzlich über einen seiner engsten Freunde, Propst Jānis Liepiņš. Auch die Ehefrau von G. Zālītis ist gestorben, deren besondere Liebe dem Garten und den Blumen galt. Blickt man auf die Orchideen im Blumenfenster, empfindet man deren Schönheit. Dabei erfahre ich, dass seine Tochter Dace sich liebevoll darum weiter kümmert..“
Auch wir möchten uns mit unseren herzlichsten Glückwünschen den vielen Gratulanten anschließen.

Christliche Mediziner schließen sich zusammen. Inga Reča, Gunita Āre.
Bisher waren wir es gewohnt, dass die Kirche zum Krankenhaus kommt. Dort wurden Kapellen eingerichtet, Pfarrer hielten dort Gottesdienste und Andachten, besuchten die Kranken. Seit über 20 Jahren haben wir in Lettland den Dienst der Krankenhausseelsorger. Doch vor einem Jahr sind Mediziner der Kirche einen Schritt entgegen gekommen. Im August 2010 wurde der Verband christlicher Mediziner gegründet. Im Herbst 2010 veranstaltete dieser seinen ersten Kongress, an dem sehr viele Mediziner, deren Förderer und Vertreter verschiedener christlicher Bekenntnisse teilnahmen. Über die Notwendigkeit der Gründung dieses Verbandes und dessen weitere Tätigkeit berichtet die Vorsitzende des Verbandes christlicher Mediziner Irene Kondrate.
Die Initiative kam von den Medizinern
Die „Mutter“ des Verbandes ist eigentlich die Familienhilfevereinigung „Weißer Stern“, die vor einiger Zeit gegründet wurde. Wir wurden auch von Kollegen besucht, und als sie entdeckten, was wir alles planten und wie wir unsere Arbeit aufbauten, kam bei ihnen auf Grund ihrer Erfahrung in ihrer Praxis der Gedanke auf, den sie unbeirrt weiter verfolgten, dass wir endlich eine Stelle schaffen müssten, an der sich Mediziner mit der gleichen Weltanschauung treffen könnten.
So ist dieser Verband christlicher Mediziner eine ganz besondere Einrichtung. Wenn wir in der Medizin von christlicher Ethik und Moral sprechen, dann könnte man nur schwer sagen, dass Mediziner Wesen ohne eine Ethik seien, denn gewöhnlich verbinden wir den Dienst der Mediziner mit ethischen Prinzipien. So ist es oft nicht ganz einfach die Frage zu beantworten, wodurch sich ein Mediziner ganz allgemein von einem christlichen Mediziner unterscheidet. Deshalb war es zuerst wichtig zu entdecken, wer von den Kollegen ähnlich denkt wie wir.
Der nächste Anlass, der uns deutlich machte, dass es an der Zeit ist, dass wir uns zusammenschließen, um unsere Meinungen auszutauschen und Kollegen beizustehen, denn das war genau in dem Augenblick, als die Gynäkologen Gints und Silvija Lapiņš in Valmiera und andere Kollegen öffentlich erklärten, dass sie sich weigerten Aborte vorzunehmen. Diesen Beschluss haben sie bereits eine gute Weile davor gefasst, aber erst im vergangenen Jahr gelangte er in die Medien. Gegen die Doktoren Lapiņš und gleichgesinnte Kollegen wurde auf eine unangenehme Weise polemisiert sowohl von Kollegen als auch sonst in der Gesellschaft, dass christliche Medizin, oder besser gesagt, die christliche Haltung in der Heilkunde nichts zu suchen und dass diese nichts mit christlichen Ritualen oder mit mittelalterlichen Heilverfahren zu tun hätte. Doch in Wirklichkeit ist genau das Gegenteil der Fall. In der ganzen Welt sind unter den Ärzten die Christen besonders progressiv und fähig,
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große Dinge zu bewirken bei genauer Beachtung ethischer Prinzipien. Dazu gehören vor allem auch diejenigen, die sich zu ihrer Ehrfurcht vor dem menschlichen Leben bekennen. Deren Arbeit geschieht zum Wohle des Lebens und der Gesundheit des Menschen und nicht dagegen, und die Ergebnisse ihres Heilverfahrens sind mit einem positiven und lange anhaltenden Unterton verbunden und nicht mit Politik oder engen Gruppeninteressen.
Hohe Anforderungen an sich selbst
Als der Verband gegründet wurde, gab es viele Fragen, darunter auch solche: Werden christliche Mediziner künftig nur Christen behandeln und ähnliches. Wir versuchten, unseren Kollegen zu erklären, dass jemand, der in unserem Verband mitarbeiten möchte, hohe Anforderungen stellt, zuerst an sich selbst. Denn die Kriterien, die in dem Codex unserer Ethik stehen, sind kein verpflichtendes Dogma, dem man unbedingt nachkommen muss, bevor man unserem Verband beitreten darf., sondern die Summe der ethischen, beruflichen und moralischen Eigenschaften, die wir anstreben. Diese ethischen Prinzipien betreffen uns Mediziner, die es mit Patienten zu tun haben.
Die Diskussion entfaltete sich auch bei der Frage nach den Aborten. Dabei war es das Argument einiger Kollegen, dass wir heute andere Zeiten hätten, und es für die Frauen so schwer wäre… Das Entstehen ähnlicher Behauptungen bestätigt einfach die bekannte Wahrheit, dass das Denken eines Teiles der Gesellschaft, darunter auch des Verbandes der Mediziner, nicht von Tendenzen innerhalb der ganzen Gesellschaft loszulösen sind. Dem Widerspruch und dem Missverstehen gegenüber dem Wesen des Christentums begegnet jeder von uns, und das prägt unseren Alltag, unser Zusammenleben, unser Verhältnis zu unserem Mitmenschen und natürlich auch unser Verhalten in unserem Beruf. Wir alle sind erst auf dem Wege und beschreiten ihn in der Überzeugung, „ein Christ zu sein“, denn das zu können immer und überall ohne Kompromisse ist ein sehr kompliziertes Unterfangen. Ein Christ zu sein nicht nur unter den Seinen, wo man dir nicht widerspricht, nicht nur im Gotteshaus, in dem die Blicke aller auf den Altar gerichtet sind, sondern ein Christ auch in Situationen, in denen niemand da ist, der sich darüber besonders freut, dass du ein Christ bist. Denn du kannst nicht nur ein Christ im Gotteshaus sein und dich zu Doktor Schulze verwandeln, wenn du dein Sprechzimmer betrittst, der dann alles tut, was der Geist der Zeit und der Gesellschaft befiehlt.
Wenn das Gewissen mit dem Gesetz zusammenstößt.
Der ethische Aspekt in der Medizin ist ein wenig auf den inneren und äußeren Konflikt gerichtet, denn dort gibt es immer das Schwanken zwischen dem eigenen Gewissen und dem, was die Umgebung aufnötigen möchte. Denn nicht zufällig wird die Frage nach der Gewissensfreiheit und deren Ablehnung bei der Gesetzesgebung zur Sprache gebracht. Im Herbst wurde im Europäischen Parlament (EP) in Straßburg in großer Eile die Frage nach der Möglichkeit behandelt, einem Arzt die Ablehnung des Schwangerschaftsabbruches aus religiösen Gründen zu verbieten. Die offiziellen Unterlagen des EP haben den Charakter von Empfehlungen, aber auf dieser Grundlage kann man sehr ernst zu nehmende Bestimmungen entwickeln. Uns wurde klar, dass sich mit dieser Frage eine der Deputierten unserer Saeima befasst und haben begriffen, dass wir sehr schnell handeln mussten. Bis zur Abstimmung im EP verblieben nur noch zwei Tage, aber die Prozedur der Antragstellung erfordert ein viel schnelleres Handeln. Aber der Mensch denkt und Gott lenkt. Verhältnismäßig träge vermochten es die christlichen Organisationen, ihre Kräfte zu konzentrieren. In mehreren Varianten schrieben wir den Text in englischer Sprache, in dem wir unsere Position deutlich machten. Es war wirklich ein Wunder Gottes, dass wir einen anderen Vertreter Lettlands fanden, dass mit seiner Hilfe unsere Eingabe auf dem Tisch des Präsidenten landen konnte, gleichzeitig mit den anderen Unterlagen. Als am Präsiium diese Frage aufgerufen wurde, begann im Saal eine sehr ausgiebige Diskussion sowohl über das Wesen und die ethischen
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Aspekte der Frage als auch darüber, dass die Berichterstatterin als Gynäkologin und Interessenvertreterin derjenigen, die Abreibungen durchführen möchten, zu diesem Thema nichts sagen dürfte.
Aber im Haus der Deputierten kam noch ein anderer Aspekt dazu – wozu brauchen wir einen solchen „Blödsinn“ wie das Gewissen? Weshalb sollen wir über Dinge sprechen, die schon von selbst ihren Weg finden werden? Weshalb sollen wir zu „alten Werten“ zurückkehren, die den Prüfungen der Zeit nicht standgehalten haben? Über den abbrechenden Ast zu reden, auf dem wir sitzen, erscheint uns aus unverständlichen Gründen dumm zu sein. Und das Irrsinnigste, was in der Gesellschaft passiert, wenn dem Menschen die Orientierung auf Werte abhanden kommt, ist, dass ihm alles gleichgültig wird, denn er begreift nicht mehr, was gut oder schlecht ist. Es ist einfacher, wenn sich jemand dagegen sträubt, aber dass es ihm nicht gleichgültig ist! Einen Gleichgültigen kann man leicht manipulieren. Ein gleichgültiger, träger Mensch wird sich nie für seine Familie, für seinen Nächsten einsetzen, denn ihm ist alles gleichgültig! Ein Mensch kann trotz seiner Gleichgültigkeit physisch lebendig sein, aber seine Seele ist nicht mehr fähig zu reagieren.
Deshalb ist nach meiner Ansicht eine der wesentlichsten Aufgaben des Verbandes christlicher Mediziner, zu sagen: Wacht auf, ihr Lieben, ehe es zu spät ist! Denn der Auftrag und Dienst des Mediziners in diesen Verhältnissen, wo es alle schwer haben, in denen wir wirtschaftlich an den Rand getrieben sind und es nicht so recht wissen, ob wir von dort wegkommen dürfen oder dort weiterzappeln müssen.?! Einer der Mechanismen, der angewandt wird, ist wirtschaftlicher Druck. Von Gynäkologen bekomme ich oft zu hören: Von ganzem Herzen stimmen wir dem zu, was Sie gesagt haben, aber wir fürchten uns, uns dafür zu engagieren, denn erstens, was würden andere darüber denken, und zweitens, wenn ich es ablehne, das eine, das andere oder das dritte zu tun – und das braucht nicht einmal mit dem Schwangerschaftsabbruch zusammenzuhängen – wenn ich es ablehne, mit bestimmten Firmen zusammenzuarbeiten, dann habe ich darunter finanziell zu leiden, aber ich habe noch Kredite zu tilgen.
Aber diese Prozesse hängen von den Abläufen in der Gesellschaft ab.
Der Kongress interessiert die Mediziner
Im Verband christlicher Mediziner sind zur Zeit etwa 60 Mitglieder registriert. Wir haben inzwischen unsere Grenzen weiter gefasst, denn unter dem Wort „Mediziner“ verstehen wir nicht nur Ärzte, Krankenschwestern, Hebammen, Sanitäter, Physiotherapeuten und amndere, sondern auch Psychologen und Experten im öffentlichen Gesundheitswesen, also alle, in ihrer Arbeit mit der Gesundheit befasst sind. Offen gestanden, haben wir mit einem so großen Echo nicht gerechnet. Wir haben den Verband im August 2010 gegründet und Ende Oktober fand unser erster Kongress statt. Die Räume waren überfüllt Das Programm war sehr gehaltvoll, und da ich an so manchem Kongress teilgenommen habe, weiß ich sehr gut, dass bei solchen fachlich orientierten Veranstaltungen es fast unmöglich ist, die Aufmerksamkeit des Auditoriums bis zum Ende lebendig zu erhalten. Da sich aber die Dichte des Auditoriums auf einen Quadratmeter nicht veränderte, begriff ich, dass der Kongress erfolgreich war. Es haben Experten von hohem Niveau teilgenommen, Kollegen aus Russland, Litauen und Lettland hatten ausgezeichnete Referate vorbereitet. Auch solche, die nur aus Neugier gekommen waren, sagten: „Nach vielen langen Jahren habe ich wieder zum ersten Mal eine so inhaltsreiche Veranstaltung erlebt.“ Das war ein gutes Zeichen dafür, dass das, was der Verband christlicher Mediziner auch künftig anbieten wird, niemals etwas uninteressantes oder unwissenschaftliches sein könnte. Wir möchten informieren und dabei auch bewerten, denn nur damit kann man das Denken des Menschen in eine andere Richtung lenken.
Der größte Gewinn – du bist nicht allein!

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Ich werde oft gefragt! Wodurch wird in dem Verband der christliche Aspekt deutlich? Gewöhnlich antworte ich darauf: Ihr Lieben, Religion ist eine sehr intime Angelegenheit. Es gibt kein öffentliches Getue. Doch etwas ganz bestimmt: Die christlichen Mediziner beten für ihre Patienten, für die Kranken und Genesenden, für die Neugeborenen und die Sterbenden. Sie beten für ihre Kollegen. Ein christlicher Mediziner stellt sich vor einer Operation innerlich auf das ein, dass er einen wichtigen Dienst versieht, und dass das Leben seines Mitmenschen von dem abhängt, was er tut. Der Beruf eines Mediziners ist sehr schwer und oft muss man sich innerhalb von Sekunden entscheiden, welchen Schritt man jetzt tun soll. Nach meiner Meinung ist es erheblich leichter, wenn man diese Verantwortung mit einem anderen teilen kann. Wenn du weißt, dass du nicht allein bist (und jeder Christ weiß das), dann ist das für mich das allergrößte Geschenk. Was kann für einen Chirurgen beruhigender sein als die Gewissheit, dass er bei einer schweren Operation das Führen seiner Hand Gott anvertrauen kann? Ich tue es, aber bete sehr darum und verlasse mich ganz darauf.
Ob ich mich so stark und mächtig fühle, dass ich alle Missgeschicke im Zusammenleben allein bewältigen kann? Die Erfahrung hat mir gezeigt, dass wir recht schwach dastehen, wenn wir bei dem ersten Schnitt zusammenbrechen. Ich bin aber dennoch in der Lage, mich auf den Vater zu verlassen und ihm mein ganzes Leben anzuvertrauen. Vielleicht wird mir ein Theologe widersprechen, aber ich denke, dass ich das Christentum im Zusammenleben sehr gut leben kann. Jede Tätigkeit, die ich betreibe, wird, wenn ich sie Gottes führenden Händen anvertrauen kann, mir den Weg leichter erscheinen lassen.
Der Druck der Gesellschaft nötigt die Christen, einig zu sein.
Der Verband christlicher Mediziner ist interkonfessionell. Ich vertrete die orthodoxe Kirche. Meine Kollegen sind Katholiken, Lutheraner, Baptisten und Freikirchler. Wichtig dabei ist, dass wir eine gemeinsame Sprache finden, denn uns führt unser Beruf und unser christlicher Glaube zusammen. Natürlich gibt es oft Situationen, in denen wir auch auf konfessionelle Unterschiede stoßen. Jede Konfession hat eine andere Ansicht über die Taufe, die Ölung und anderes. Wir müssen da schon begreifen, welche Rolle da der Seelsorger spielt und was lieber durch einen Pfarrer oder Priester geschehen sollte. Der Arzt kann nicht Priester sein, aber die Erfahrung zeigt, dass ein Arzt auch einmal einen Teil dieses Auftrags übernehmen muss. Ich habe Berater in jeder Konfession und ich weiß, wie ich den Hörer in die Hand nehmen muss, um einen bestimmten Priester oder Pfarrer anzurufen, um mit ihm bestimmte Fragen zu klären.. Das ist etwas sehr Gutes heute, dass sich die Konfessionen näher gekommen sind
Die Menschen erwarten oft von mir, dass ich ihnen erkläre, wie ich als Orthodoxe zu den Katholiken und Lutheranern stehe? Gewühnlich beantworte ich solche Feagen ein wenig scherzhaft: „Mit den Augen blicke ich sie an, mit dem Herzen fühle und sehe ich, dass ihr sehr gut seid.“ Es hat auch solche Fragen gegeben: Vielleicht sollten wir als Katholiken und Lutheraner eine Organisation meiden, die in ihrem Namen orthodox = rechtgläubig trägt. Das beantworte ich gewöhnlich damit: „Wenn Sie über die Rechtgläubigkeit irgendwelche Vorstellungen haben, die sie daran hindern, sich dieser Vereinigung zu nähern, dann können wir das doch miteinander klären.“ Die Menschen machen sich um so vieles Sorgen, aber das Wesentliche ist doch, dass wir miteinander kommunizieren können und zu einem gemeinsamen Nenner finden, zu dem, was wir gemeinsam tun wollen.
Bücher stehen Schlange
Bei uns hat sich inzwischen vieles angesammelt, was wir veröffentlichen sollten. Soeben haben wir die Arbeiten für ein Büchlein für junge Leute „Lebenslang miteinander vereint“
beendet. In ihm versuchen wir in einer für die heutigen Jugendlichen verständlichen Sprache das Wesen der ehelichen Beziehung, die Rolle des Mannes und der Frau, die Rolle der Liebe und der Beziehung der Geschlechter zueinander und alles, was dabei für einen jungen Menschen aktuell ist, zu erklären. Unserem Herzen stehen im Auditorium die bestehenden
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Familien, junge Eltern ganz besonders nahe. Auf unserer neuen Internetseite sind wir unter http://www.kristigiemediki.lv zu finden, wo wir auch die besten Beiträge zu verschiedenen für den christlichen Mediziner aktuellen Themen veröffentlichen.
Wichtig ist, dass die Kollegen mit uns zusammen gehören.
Zu unserem Verband gehören Mediziner aus allen Regionen Lettlands, wobei Riga natürlich von einem besonderen Gewicht ist. Aber wir haben auch sehr aktive Kollegen in Daugavpils, Valmiera, Liepāja,und Alūksne.
Ich bin die Vorsitzende des Verbandes, mein Stellvertreter ist der Priestermönch Pater Jānis Sičevskis. Zum Vorstand gehören auch Dr. Jānis Caunītis, die Physiotherapeutin Klaudija Hēla, welche die lutherische Kirche vertreten, die Psychologin Diana Staņko, die der katholischen Kirche angehört, und die Krankenschwester Anita Āboliņa, die mit einer großen publizistischen Erfahrung die Übersetzungsarbeit leitet.
Es ist für mich eine besondere Freude, dass die Leute, die zum Vorstand gehören, die Unsrigen sind. Was bedeutet das? Ich weiß, dass ich jeden von ihnen zu jeder Zeit anrufen kann, um ihnen zu sagen, dass etwas gemacht werden muss, und dass sie das dann auch wirklich machen. Ich weiß, dass ich es mit Menschen zun tun habe, die bereit sind, ihre Zeit und ihre Arbeitskraft in den Dienst der guten Sache zu stellen, um die Dinge voran zu bringen.
Wenn die Grippeepidemie vorbei ist, wird der Verband seine Generalversammlung haben. Dabei haben wir vorgesehen, unseren Kollegen vorzustellen, was es Neues gibt. Dabei sind neben der Entwicklung der Heilverfahren und Therapien auch im Ausland uns die Kontakte zu christlichen Studenten der Medizin ganz besonders wichtig. Es gibt eine Reihe von Vorhaben, die nur auf freiwilliger Basis durchgeführt werden können, die in der Liebe zum Menschen und in der Wahrnehmung unseres Auftrages ihre Wurzel hat.

Der Gesundheitszustand von Pfarrer Valdis Bercs hat sich gebessert. Ivars Kupcis.
Am 26. Januar ist der Pfarrer der Kirchengemeinde Vecauce Valdis Bercs aus dem Koma erwacht, in dem er seit seinem schweren Unfall und nach einer gefährtlichen Operation Anfang Januar lag. Der Propst der Propstei Jelgava und die Kirchengemeinde Auce hatten zur Fürbitte für Valdis Bercs aufgerufen, der unter den Folgen des Unfalls, zu dem es Anfang Januar bei der Reinigung des Schnees auf dem Dach eines Gebäude gekommen ist, leiden musste.
Die Schwester des Pfarrers Anita Liepiņa schrieb uns: „Im Namen der Familie des Pfarrers Valdis Bercs danke ich unserem Herrn Jesus Christus für seine Gnade und Euch allen für Eure Fürbitte. In der vergangenen Woche erlebten wir den frohen Tag, an dem wir zum ersten Mal ein Lebenszeichen von Valdis erhielten. Mit seiner Hand winkte einem Nädchen zu, das hinter dem Reanimationsfenster neben seiner Schwester stand. Valdis hat überlebt.“
Am 31. Januar wurde Valdis aus der Úniversitätsklinik in Riga in das Krankenhaus in Jelgava überführt. Die Angehörigen berichten, dass er bei Bewusstsein sei, reden könnte, aber nur sehr langsam. An einige Dinge am dramatischen Abend vor dem Fall kann er sich noch erinnern. Ihm steht eine sehr lange Zeit der Rehabilitation bevor, und deshalb bedarf der Pfarrer weiterhin der Fürbitte auch für die Angehörigen für ihren Kampf des Glaubens, für ihr Bestehen in der Liebe zu ihrem Angehörigen Valdis bei seiner Pflege und Genesung.

Meldungen aus der Erzdiözese Riga.
Seit dem 28. November sind in der Alten St. Gertrudgemeinde in Riga zwei Pfarrer tätig. Pfarrer Rinalds Grants wurde jetzt Pfarrer Krists Kalniņš an die Seite gestellt, der auch mit der Leitung des Jugendzentrums der ELKL beauftragt ist
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Am 11. Januar wurde mit dem Pfarrdienst in der vakanten Kirchengemeinde von Jaunpiebalga der Hilfspfarrer Intars Jonītis beauftragt, der diesen Dienst auch in den Kirchengemeinden Vecpiebalga, Skujene, und Lode versieht. Seit Januar ist mit diesem Dienst in den vier Kirchengemeinden auch der Hilfspfarrer Artis Eglītis beauftragt.
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In zwei Propsteien sind neue Pröpste gewählt worden. In der Propstei Madona wurde im November 2010 Pfarrer Hans Jenson zum Propst ernannt, der seit dem Juni 2010 die Kirchengemeinden Madona und Cesvaine als Pfarrer versorgt und davor in der Diözese Liepāja als Pfarrer tätig war. Am 22. Januar dieses Jahres fand in Ikšķile die Versammlung der Propstei Ikšķile statt. Dabei wurde ein neuer Propst für diese Propstei gewählt. Der Erzbischof hat dafür Dzintars Laugalis als Bewerber empfohlen, der seit dem April 2010 Pfarrer dieser Kirchengemeinde ist und auf Anweisung des Erzbischof die Geschäfte des Propstes bereits ausübt.

Neue Studenten in der Luther Akademie Ivars Kupcis
Zu Beginn des Frühjahrssemesters hat die Luther Akademie an ihrem neuen Standort in der Alksnāja iela neue Studenten für das Studium der Theologie für das Pfarramt und in die Abteilung für Mitarbeiter der Gemeinden aufgenommen.
In diesem Studienjahr beginnt die Luther Akademie ihren Lehrbetrieb in anderen Räumen in der Altstadt von Riga in der ehemaligen Reformierten Kirche. In dieser neuen Heimstätte haben sich die Dozenten und Studenten der Luther Akademie inzwischen eingelebt, obwohl dort die Anzahl der Auditorien den Anforderungen des Studienprozesses noch nicht gerecht wird. Im Unterschied zu den bisherigen Studienjahren findet die Aufnahme neuer Studenten nicht im Herbst, sondern zu Beginn des Jahres statt. In die theologischen Abteilung zur Vorbereitung auf den Beruf des Pfarrers wurden 9 Studenten und in die Abteilung für Gemeindemitarbeiter 10 Studierende aufgenommen. Damit studieren jetzt in der Abteilung zur Vorbereitung auf den Pfarrerberuf 37 Studenten und in der Abteilung für Gemeindemitarbeiter 20.
Auch in diesem Jahr werden Interessierte aus den Kirchengemeinden zum Besuch der Veranstaltungen der „Kleinen Luther Akademie“ eingeladen. Dort wird eine Vortragsreihe an jedem zweiten und vierten Freitag im Monat „Der praktische Katechismus“ und „Die interessantesten Seiten der lettischen Kirchengeschichte“ angeboten.
Das Rektorat der LA hat den Eindruck, dass sich in diesem Jahr in der LA Studenten von besonders hoher Qualität zusammenfinden würden, deren wichtigste Motivation für das Studium der Ruf Gottes ist und die Möglichkeit die Erwerbung des notwendigen Wissens und der Fertigkeiten für den Gemeindedienst ist

Chefredakteurin: Inga Reča

Anschrift der Redaktion: Mazā Pils iela 4 – Riga – LV 1050
E-Mail-Adresse: svetdienasrits@apollo.lv

Übersetzung: Johannes Baumann (abgeschlossen am 22.02.2011)
Brucknerstr. 24.- D-27711 Osterholz-Scharmbeck
Telefon: 04791-13356
E-Mail-Adresse: baumann-ohz@arcor.de

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Nachwort des Übersetzers
In dieser Ausgabe kommen die Mediziner aus zwei Anlässen mehr als üblich zu Wort. Der erste ist, dass zwei in Valmiera wirkende Gynäkologen öffentlich erklärt haben, dass sie aus Glaubens- und Gewissensgründen künftig keine Schwangerschaftsabbrüche mehr durchführen würden. Dass ist in einem Lande, in dem Schwangerschaftsabbrüche ohne eine besondere Genehmigung möglich sind, Stoff für viele Diskussionen liefert, die auch in den Medien weitergeführt werden und sogar im Europäischen Parlament in Straßbung Wirkung gezeigt haben, bedarf keines besonderen Kommentars. Der zweite Anlass für diesen medizinischen Schwerpunkt ist die Gründung eines Interkonfessionellen Verbandes christlicher Mediziner in Lettland, der natürlich durch die oben angedeuteten Diskussionen mit ausgelöst wurde.
Die Lutherakademie in Riga wird sich nun auf stärker beengte Raumverhältnisse nach dem Verkauf des Hauses am Domplatz, der nach dem Urteil vieler Sachkundiger und mancher Kritiker in der Lutherischen Kirche Lettlands sehr übereilt geschehen ist, einstellen müssen, was aus dem kurzen Beitrag über den Beginn des Frühjahrssemesters hervorgeht.
Es ist eine Weile her, seit Sie meine letzte Übersetzung in die Hand bekamen. Dafür ist diese Übersetzung umso umfangreicher geworden. J.B.

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