Verfasst von: liefland | März 7, 2009

Ausgabe Nr. 9 (1788) vom 7. März 2009

Bleibt  fest im Glauben gegründet.                                          Kolosser 1, 23

Auszüge aus Svētdienas Rīts, Zeitung der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, herausgegeben von ICHTYS GmbH, erscheint seit Januar 1920.

Sonntag Reminiscere     Ausgabe Nr. 9 (1788) vom  7. März 2009

Spalte der Redaktion

Gruß aus dem Paradies! Inga Reča, Chefredakteurin der lettischen Kirchenzeitung SR                  Dieses Mal gestatte ich es mir, sehr persönlich zu werden und mein Privatleben zu beschreiben. Richtiger gesagt, nur einige Minuten der vielen Stunden der vergangenen Woche. Aber das waren ganz eigenartige Minuten, die mich glücklich und dankbar werden ließen und mir ein kleines Fenster zu etwas Großem und Unbegreiflichem öffneten. Ich weiß nicht, wie es im Paradies ist, aber diese Minuten ließen mich so fühlen, wie ich es mir bei Menschen ausmale, denen es vorkommt, als seien sie im Paradies IMMER. (Denn EINER sorgt für uns IMMER)

Das erste Geschehen hängt mit meiner Erkrankung neulich zusammen. Wie viele andere, wurde ich auch von einem Virus befallen, was sich mit einem verrückten Schnupfen und unerträglichem Husten bemerkbar machte. Dieser Husten war so unerträglich, dass sich meine Nachbarin von Zeit zu Zeit meldete und mir sagte, dass sie heilende Kräuter hätte, die den Husten gut beseitigen. Zweimal lehnte ich ihre Freundlichkeit ab, denn wo sollte ich dann die Haufen von Tabletten lassen, die mir meine Ärztin verschrieben hatte?! Doch in der zweiten Woche der Krankheit hielt ich die Qualen des Hustens nicht mehr aus. Ich nahm die Kräuter an, nachdem meine Nachbarin mir ausführlich erklärt hatte, wie lange und wie viel Male ich sie kochen und danach verwenden müsste. Und, glauben Sie es mir oder auch nicht, nachdem ich zwei Tage lang das grüne Getränk geschluckt hatte, wurde der Husten erträglicher und verschwand  ganz.

Natürlich kam nach meiner Rückkehr zur Arbeit der ganze Trubel auf mich in einem Maße zu, so dass ich täglich vergaß, meiner Nachbarin zum Dank eine Kleinigkeit zu kaufen… So vergingen einige Wochen mit Gewissensbissen, bis ich mich schließlich „zusammenriss“ und daran dachte! Am Abend klopfte ich, mit einer Schachtel Pralinen in der Hand, an ihrer Wohnungstür. „Aber, was machen Sie da? Das brauchte doch nicht zu sein… Danke, danke… Nein, das war doch wirklich nicht nötig, dass Sie sich so in Ausgaben stürzen.“ Dennoch gelang es mit, meiner Nachbarin die Schachtel in die Hand zu drücken und in meine Wohnung zurück zu kehren. Doch nach wenigen Minuten klopfte es bei mir an der Tür. Als ich öffnete, erblickte ich meine Frau Nachbarin mit einem Teller Karoffelsalat mit Fleisch und roter Beete in der einen und einem Glas Wein in der anderen Hand. „Ich habe übrigens heute Geburtstag. Bitte essen und trinken Sie das auf mein Wohl!“

Es ist unnötig, zu bemerken, dass sich der Kartoffelsalat mit meinen salzigen Tränen vermischte. Im vergangenen Jahr verstarb die Mutter meiner Frau Nachbarin, und ich kann daraus, dass in diesem Jahr bei ihr niemand außer mir angeklopft hat, schließen, dass ich ihr einziger Geburtstagsbesuch gewesen bin.

Das zweite Geschehen spielte sich im Trolleybus ab, wo ein Engel in der Gestalt des Fahrers Mensch geworden war. In aller Kürze: ich wollte einen Besuch machen und bin zu spät erst an der Endhaltestelle ausgestiegen. Als ich dem Fahrer mein Pech schilderte, bot er mir nicht nur an, mich kostenlos zurück zu fahren, sondern hielt meinetwegen nicht an der Haltestelle an, um mich hinaus zu lassen, sondern genau an der Straße, in die ich hinein musste – damit ich nicht unnütz zurücklaufen musste…

So „arbeiten wir uns einander zu“ – als Engel! Solche Augenblicke nehme ich auch als Offenbarungen wahr – mit der Aufschrift „Gruß aus dem Paradies!“

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Warnschilder und Wegkreuzungen Milda Klampe, Evangelistin

Am 16. Februar fand in den Räumen der Luthergemeinde in Riga der Konvent der Propstei Riga statt, an dem 25 Geistliche teilnahmen. Nach einer von Propst Linards Rozentāls gehaltenen  Andacht referierte Baptistenpfarrer  Edgars Mažis über das Thema „Was können wir von den „schlimmen“ Geschichten im Alten Testament lernen?“ Er begann sein Referat mit der Frage, die in den Gemeinden oft gestellt wird: Weshalb stehen solche tragisch endenden Geschichte überhaupt in der Bibel?  Und bei dem Anhören des Referates und bei der Diskussion versuchten auch wir zu begreifen: Ja, warum wohl? Was möchten diese Geschichten uns eigentlich sagen?

Der Apostel Paulus weist 1. Korinther 10 darauf hin, dass sie uns zur Warnung geschrieben sind, und nimmt dabei Bezug auf das goldene Kalb in 2. Mose 32 und dessen Anbetung , als Mose nicht bei seinem Volk ist und Aaron vor dem Druck des Volkes zurück weicht. Er weist dabei nicht nur auf die Anbetung von Götzen, sondern auch auf sexuelle Ausschweifungen hin, die mit dem Baalskult verbunden sind.. Mose, über die Untreue des Volkes auf das äußerste erregt, befiehlt den Söhnen Levis, ihre Brüder zu töten, die gesündigt haben, was den Tod von etwa 3000 Männern zur Folge hat.

Die nächste Geschichte, auf die sich der Apostel Paulus bezieht, ist aus 4. Mose 24: Israeliten betreiben Unzucht mit moabitischen Frauen, welche die Männer auffordern, Baal-Peor anzubeten. Israel versucht die Nachfolge Gottes und Baal-Peors miteinander zu vereinigen. Deshalb ist Elias Frage berechtigt: Wie lange hinket ihr auf beiden Seiten? Gottes Zorn entflammt und es sterben 24.000 Israeliten.

In einer andern Geschichte, die Paulus aus dem AT zitiert, geht es um das Problem des Murrens – des Murrens gegen Gott (4. Mose 21) und gegen Gottes Gerechtigkeit (4. Mose 17). Das Volk erinnert sich in der Wüste an die Fleischtöpfe Ägyptens und murrt über das Wasser und das Hungerbrot; dieses Murren fordert Gott heraus – zuerst ist das Wasser bitter, und dann gibt es überhaupt keins mehr. Gottes Antwort – Strafe – es kommen 14.700 Menschen um, davon 250 Männer (wahrscheinlich Familienoberhäupter); sie werden von der Erde verschlungen. Auch als das Volk gegen Gott murrt und gegen die Autorität Moses murrt, lässt die Strafe nicht auf sich warten: mit Aussatz wird Miriam und die Söhne Korachs bestrafte. Somit ersehen wir aus den Geschichten des AT, dass die Strafe Gottes dem Anwachsen des Murrens entspricht (die Zahl der Umgekommenen wächst), und die verheißene Gnade Gottes ihre Grenzen hat.

Zusammen mit dem Referenten E. Mažis fragten auch wir: was können wir aus den Geschich-

ten im AT lernen? Paulus schreibt 1. Korinther 10,11: „Dies widerfuhr ihnen als ein Vorbild. Eas ist aber geschrieben uns zur Warnung, auf die das Ende der Zeiten gekommen ist.“ Der Pfarrer betonte, dass die Frage der sexuellen Moral höchst aktuell ist. So gibt es zum Beispiel eine sehr unklare Einstellung, ob ein Paar vor der Trauung geschlechtliche Beziehungen pflegen darf. Mit diesem Thema beschäftigt sich die Bewegung „Wahre Liebe wartet“. Sie versucht ein Warnschild aufzurichten, das es heute leider gar nicht mehr gibt.

Über das Murren heute – Gott prüft in jeder Situation, in allen Verhältnissen, wie wir uns verhalten: murren wir oder erbitten wir seine Hilfe? Das Murren treffen wir auch in unseren Gemeinden an – sowohl gegenüber der von Gott gegebenen Ordnung als auch gegenüber den Leitern.

Die Geschichten, die schlimm enden, stehen im AT, um uns zu zeigen, wie der Mensch ist,

und welche Folgen die Opposition gegenüber Gott und den Leitern seines Volkes hat. Wir

sind Menschen des Neuen Testaments, sagt der Apostel Paulus und betont dabei: macht nicht die gleichen Fehler. Doch wir wissen auch, dass wir es ohne die Kraft Christi nicht vermögen. Das ist Gottes Gnade, mit der uns Gott wirklich so viele neue Möglichkeiten schenkt.

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Die lebendige Diskussion unter den Geistlichen wurde auch durch die Breite der angesprochenen Themen deutlich: sie gingen von der Bewahrung der Propheten (Elisa) und den Konsequenzen der List gegenüber den Patriarchen (Isaak) bis zu Gottes Anweisungen zur Bewahrung der Schöpfung (Mose).

Das zweite Referat von Sandis Ratnieks „Berührungen bei der Kultur“ umfasste zwei wichtige Aspekte: die Fähigkeit, zu anderen Menschen Beziehungen aufzubauen und zu erhalten, und wie man diese Fähigkeit weiter entwickeln und pflegen kann.

Berührungen in der Kirchengemeinde entstehen durch Beständigkeit in der Lehre der Apostel, die Gemeinschaft, durch das Brotbrechen und das Gebet  (Apg 2,42). Doch jeder hat die Gemeinschaft bereits in der Familie erfahren. Ein Pfarrer muss bei der Herstellung der Gemeinschaft stets den ersten Schritt tun, er muss den Menschen erblicken und die Beziehung erhalten können, auch mit denen er es gar nicht möchte, denn er darf seine Antipathie gegenüber seinem Mitmenschen nicht deutlich werden lassen. Der Referent betonte auch, dass

Ein Geistlicher nicht auf einen Menschen zugehen und sich von ihm danach distanzieren dürfte. Das bemerken Pfarrer oft auch gar nicht bei sich selbst, denn dieses Beziehungsbild wurde in der eigenen Kindheit mit den Eltern auch nicht richtig ausgespielt (nach der Statistik bei 46 %). In einer Gemeinde darf es auch keinen ganz engen Kreis zwischen dem Pfarrern und anderen geben. Das kann leicht dazu führen, dass sich die dazu Gehörenden als etwas Besseres betrachten als alle übrigen Gemeindeglieder, und die Gemeinde ihren Charakter als den einen Leib Christi zu verlieren droht.

Die Fähigkeit des Kommunizierens schließt auch die Fähigkeit des Wahrnehmens (nonverbale Information ist zu 55 % die Voraussetzung für das Sprechen) mit ein . Das Verständnis und  die Vorstellung über das Gesagte und Gehörte (nicht nur das Hören der Worte sondern auch das Erkennen des geistlichen Inhalts)  führt zur verbalen und nicht verbalen Kommunikation, zur christlichen Sicht eines Geistlichen (was das Gesprochene über die geistliche und moralische Haltung und sein Verhältnis zu anderen aussagt), zur Lebenserfahrung (die kann wegen anderer Aspekte unerwähnt bleiben), verschiedene Theorien über das Bewusstsein, Unterbewusstsein, über Minderwertigkeitskomplexe. Die  Ursachen für Konflikte zwischen dem Pfarrer und Gemeindegliedern können sein: Veranlagung, frühere Erfahrungen, gegenseitiges Misstrauen, unterschiedliche Standpunkte, Meinungsverschiedenheiten. So haben bei einem Forschungsobjekt  in den USA, an dem 506 Pfarrer teilnahmen, für den Hauptstreitpunkt in den Gemeinden Fragen der Macht und der Kontrolle gehalten  (85 %), danach die fehlende Übereinstimmung in Fragen der Ausrichtung der Gemeindearbeit und der Einstellung zur Arbeit (64 %), drittens den Wechsel in der Leitung (43 %). Die Diskussion über dieses Thema unter den Geistlichen  machte deutlich, dass sehr oft geistliche und psychologische Fragen bei dem Erkennen menschlicher Probleme durcheinander gewürfelt werden. Der Psychologe diagnostiziert, weist auf die Probleme und Traumata hin. Und danach geht der Betreffende zum Pfarrer zur Beichte, um seine geistlichen Fragen zu lösen.

Der größte Teil der Geistlichen gab zu, dass sie sich isoliert und verlassen vorkämen. Deshalb ist es für einen Pfarrer wichtig, eine Persönlichkeit des Vertrauens zu haben (die man auf keinen Fall unter den Gemeindegliedern suchen sollte), am besten den zuständigen Propst.

Der Konvent war wirklich inhaltsreich. Ich hoffe, dass das nicht nur das Überlegen, sondern auch das Handeln durch die Gnade Gottes und in der Kraft Jesu Christi betrifft.

Weltweit gibt es über 72  Millionen Lutheraner. Ingrīda Briede

In jedem Jahr stellt der Lutherische Weltbund die Statistik des vergangenen Jahres vor und gibt bekannt, wie viele Lutheraner in wie vielen Kirchen es weltweit gibt. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Lutheraner um 0,2%  auf über 72 Millionen gewachsen. Dieses

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Wachstum ist den stark wachsenden  Gemeinden in Afrika, Asien und Lateinamerika zu verdanken. Demgegenüber ist die Zahl der Lutheraner in Nordamerika und Europa zurückgegangen. Dem Lutherishen Weltbund (LWB ) gehören zur Zeit 140 Kirchen in 79 Staaten an.

Stabiles Wachstum in Afrika,

In Afrika ist die Zahl der Glieder jener Kirchen, di dem LWB angehören, um 0,9% gewachsen und hat damit  die Zahl von 17,3 Millionen erreicht. Den größten Zuwachs hatte während dieser Zeit  die Evangelisch-lutherische Kirche Kenias, der 100.000 Christen angehören. Die größte Kirche in Afrika – die Evangelisch-lutherische Kirche Äthiopiens, – hat jetzt 5 Millionen Christen als Glieder. Sie ist im vergangenen Jahr um 2,9% gewachsen. Demnach ist sie neben Schweden die zweitgrößte lutherische Kirche in der Welt.

Asien: Plus 3 Prozent.

Die Zahl der Lutheraner im LWB in Asien ist um 3,9 % auf 8,6 Millionen gewachsen. In Kirchen, welche dem LWB nicht angehören, sind das sogar 30,3 %, mit denen sie eine Mitgliederzahl von 183.000 erreicht haben. Die größte lutherische Kirche Asiens ist die Kirche der Batai in Indonesien, der 4 Millionen Gemeindeglieder angehören. Sie ist im vergangenen Jahr um 6,7 % gewachsen. Doch das stärkste Wachstum konnte die evangelisch- lutherische Kirche des Barmherzigen Samariters in Indien für sich verbuchen. Dort fand eine grundlegende Umstrukturierung statt, was zur Folge hatte, dass sich dieser Kirche viele neue Gemeinden anschlossen  Diese Kirche gehört dem LWB nicht an.

Zuwachs in Lateinamerika, Rückgang in Nordamerika

Die größte Kirche dieser Region befindet sich in Brasilien. Die Zahl ihrer Glieder ist um 2 % gewachsen und hat 717.000  erreicht. Die dem LWB nicht angehörende  Evangelisch-lutherische Kirche Brasiliens ist um 1,4 % gewachsen. Ihr gehören jetzt  233.000 Gemeindeglieder an. In Nordamerika ist die Zahl der Lutheraner um 1,4 % zurückgegangen.

Ein Minus in Europa.

Die Zahl der Lutheraner in Europa ist im vergangenen Jahr um 0,6 % zurückgegangen. In Europa gehören den Mitgliedskirchen des LWB zur Zeit 37 Millionen Christen an. In Schweden ist die Zahl der Gemeindeglieder um 1,1 % auf 6,8 Millionen zurückgegangen. Den größten Rückgang an Gemeindegliedern musste die evangelisch-lutherische Kirche Frankreichs verzeichnen, der jetzt 10.000 Christen angehören, um 74 % weniger als im vergangenen Jahr. Doch auch in Europa gibt es Kirchen, bei denen die Zahl der Gemeindeglieder größer geworden ist, so in der Ev.-luth. Kirche Russlands und der Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Polen. Das Land mit den  meisten Luheranern ist weiterhin Deutschland, wo heute 12,5 Millionen Lutheraner leben.

Bischöfe treffen sich mit dem Staatspräsidenten

Über ein Treffen der Leiter der christlichen Konfessionen mit Staatspräsident Valdis Zatlers schreibt Lāsma Gundule von der Nachrichtenagentur LETA.

Es ist sehr schwer, die Wirtschaftskrise auf ökonomischem Wege zu lösen; es ist notwendig, auch über den geistigen Hintergrund in der Gesellschaft nachzudenken, sagte Erzbischof Jānis Vanags nach einem Treffen der Leiter der christlichen Konfessionen am 3. März der Agentur LETA. J. Vanags wies darauf hin, dass die Ursachen der Krise nicht nur im Wirtschaftlichen lägen, sondern auch bei anderen Werten der Gesellschaft. Deshalb ist es nach der Ansicht des Erzbischofs wichtig, die Hilfe an Familien und Kindern nicht aus den Augen zu verlieren, denn diese Hilfe schafft die Rückkoppelung zwischen dem  Staat und der Gesellschaft.

Kardinal Jānis Pujats sagte der Agentur LETA, dass es möglich ist, moralische Werte zu bewahren, wenn man Gott sucht, wozu die Kirche in ihren Gottesdiensten regelmäßig aufruft.

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Nach Pujats Ansicht ist es wesentlich, dass die von der Saeima erlassenen Gesetze nicht zu den Zehn Geboten im Widerspruch stehen und damit den Staat in eine falsche Richtung

führen.

Die gegenwärtigen Beziehungen zwischen der Staatsmacht und der Kirche bewertet der Kardinal als „schweigende Konfrontation“.

Demgegenüber betonte Vanags, dass sich Geistliche nicht in die Politik einmischen sollten, doch der Dialog zwischen der Staatsmacht und Menschen mit christlichen Wertvorstellungen könnte produktiver sein. Eine solche Möglichkeit würde sich durch eine intensive Zusammenarbeit ergeben.

Wie gemeldet wurde, haben die Leiter der christlichen Konfessionen um dieses Treffen gebeten, um über die Rolle der moralischen  Werte der Gesellschaft in dieser wirtschaftlichen

Situation im Lande zu sprechen.

Lettischer Kirchentag 2009

Nehmen wir die Einladung Christi zum Kirchentag 2009 in Valmiera an

Eins der wichtigsten und packendsten Ereignisse unserer Kirche wird der kommende Kirchentag sein, der in diesem Jahr vom 24. bis zum 26. Juli in Valmiera stattfindet. Dieses wird der zweite Kirchentag sein, zu dem wir zusammenkommen, um gemeinsam die Gemeinschaft mit unserem Herrn und den Brüdern und Schwestern aus dem ganzen Lettland zu erfahren.

In ihrer Einladung zum Kirchentag schreiben unsere Bischöfe folgendes: „Zum nächsten Kirchentag kommen wir mit der Einladung Christi aus Matthäus 28,19 im Herzen: ‚Gehet hin und machet…“  Gehen wir hin und tun wir Werke der Liebe, machen wir das, wozu uns Christus aufruft, machen wir zu Jüngern diejenigen, die Christus noch nicht kennen.! Jesus spricht: ‚ Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.’ Das ist eine Einladung zur Sorge um das innere geistliche Leben und zur Heiligung und zum Wachsen in der Liebe Christi, zu unserer Kirche und damit zu uns allen.“

Die Losung des Kirchentages ist in diesem Jahr der Aufruf Christi an seine Nachfolger: „GEHET HIN UND MACHET…“ Unsere Kirche und jeder einzelne von uns ist   aufgerufen, zu gehen und zu Jüngern und Freunden Christi  diejenigen zu machen, die uns gleich sind, diejenigen, die immer beharrlicher eine Antwort auf ihre wesentlichen Lebensfragen suchen. Diese Tage im Juli werden wir gemeinsam nutzen, um in unserem eigenen Missionsbewusstsein zu wachsen und neue Anregungen zu erhalten, dem Gebot Christi zu folgen.

Als das Symbol des Kirchentages 2009 wurde ein Pilgerzeichen gewählt – das Lukaskreuz, das in Turaida entdeckt wurde. Dem Gebot Christi gehorsam haben vor vielen Jahrhunderten die ersten Missionare den christlichen Glauben über die Meere und viele Grenzen in unser Land gebracht. Das kleine Kruzifix, das um 1300 entstanden ist, ist aus der Stadt des Lukas in Italien sowohl nach Lettland, nach Turaida als auch in andere Regionen Skandinaviens gelangt. Im Zentrum des Kreuzes steht Christus, der König und Sieger, der uns auch aufruft, ihm nachzufolgen und mit ihm den Sieg zu erringen.

In unserer Spalte Kirchentag 2009 werden wir auch weiterhin über den Verlauf der Vorbereitungen zum Kirchentag und über alles andere berichten, was dir als Teilnehmer von Nutzen sein könnte. Wir laden ein, die Informationen zum Kirchentag zur Kenntnis zu nehmen und sich schon jetzt auf die Tage in der letzte Woche im Juli in der Gemeinschaft voller Freude und Segen einzustellen.

Der Vorbereitungskreis auf den Kirchentag 2009.

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Wunder.

Jemand machte sich auf den Weg, um sich von dem ungewöhnlichen Ruhm des Großen Meisters zu überzeugen.

„Was für Wunder hat euer Meister vollbracht?“  fragte er einen Schüler.

„Verschiedene Wunder. In Eurem Land spricht man von einem Wunder, wenn Gott den Wunsch eines Menschen erfüllt. In unserem Land ist es ein Wunder, wenn ein Mensch nach dem Willen Gottes handelt.“

Chefredakteurin: Inga Reča

Anschrift der Redaktion: Alksnāja iela 3 .- Riga- LV 1050

E-Mail-Adresse: svetdienasrits@apollo.lv

Übersetzung: Johannes Baumann (abgeschlossen am 13.3.2009)

Brucknerstr. 24.-  D-27711 Osterholz-Scharmbeck

Telefon: 04791-13356

E-Mail-Adresse: baumann-ohz@arcor.de

Nachwort des Übersetzers

Der lettische Kirchentag 2009, der in Valmiera Ende Juli stattfinden soll, wirft auch in SR seine Schatten voraus. In den nächsten Ausgaben wird dieses Thema sicher noch öfter angesprochen werden. Ich hatte Schwierigkeiten bei der Übersetzung der Kirchentagslosung, die sich mit „Gehet hin und machet…“ im Deutschen ein wenig merkwürdig anhört. Aber die Losung ist im Lettischen tatsächlich der abgekürzte Satz „Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker.“ Deshalb habe ich mich schließlich auch für diese deutsche Version „Gehet hin und machet…“ entschieden. Wir werden im Juli sehen, wie alles ausgeht. J. B.

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Verfasst von: liefland | Februar 27, 2009

Ausgabe Nr. 8 (1787) vom 27. Februar 2009

Der Friede Christi regiere in euren Herzen.        Kolosser 3, 15.

Auszüge aus Svētdienas Rīts, Zeitung der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, herausgegeben von ICHTYS GmbH, erscheint seit Januar 1920.

Sonntag Invocavit       Ausgabe Nr. 8 (1787) vom 27. Februar 2009

Der Erzbischof ruft auf, in der Fastenzeit die Überlegenheit des Geistes über den Leib  zu erleben.

Der 25. Februar ist im liturgischen Kalender dieses Jahres der Aschermittwoch, mit dem im Kirchenjahr die Passionszeit oder Fastenzeit beginnt. Die Asche soll an diesem Tage an die Vergänglichkeit des Menschen erinnern, welcher der Liebe Gottes bedarf. In diesem Jahr fällt der Aschermittwoch in eine für den Staat Lettland ungestüme Zeit. In seiner Botschaft zur Fastenzeit spricht Erzbischof Jānis Vanags folgendes aus:

„Mindestens seit dem 8. Jahrhundert markiert der Aschermittwoch den Beginn des großen vierzig Tage langen vorösterlichen Fastens. Im Gottesdienst am Aschermittwoch pflegt man, die Gemeindeglieder auf der Stirn mit einem Kreuz aus geweihter Asche zu bezeichnen, die man durch das Verbrennen der Äste der Palmen vom Palmsonntag des vergangenen Jahres gewonnen hat. Dabei werden die Worte gesprochen: „Gedenke, Mensch, dass du aus Staub und Asche bist, und wieder dorthin zurückkehren musst.“ Wir können uns des morgigen Tages nicht sicher sein, denn eine Krise, Krankheit, eine ungerechte oder wahnsinnige Macht, ein Unfall oder der plötzliche Tod können  uns sehr schnell das Leben rauben. Das können wir selbst nicht beeinflussen. Dennoch möchte diese Mahnung des Aschermittwochs uns keine Furcht oder Minderwertigkeitskomplexe einflößen, sondern uns die Wirklichkeit erkennen lassen. Unsere materielle Existenz ist sehr zerbrechlich und den Prozessen des Zerfalls unterworfen. Doch der Aschermittwoch leitet nicht die Vorbereitung auf den Tod, sondern auf Ostern, den Tag der Auferstehung Christi ein, an dem Gott seinen Sieg über die endgültige Form des Zerfalls – den Tod und das Grab – zeigte. Am Aschermittwoch betrachten wir unsere Zerbrechlichkeit und  Vergänglichkeit, um deutlicher zu erkennen, dass wir geistige Wesen sind, geschaffen nach Gottes Bild und Gleichnis. Wir sind nicht nur vergängliche und sterbliche Menschen in den Händen irgend einer Macht oder Vorbestimmung. Christi Sieg über den Tod bewirkt es, dass die Zukunft und die Zugehörigkeit seiner Leute nicht durch langsames Sterben und Verwesen bestimmt ist, sondern durch das Leben und das Überwinden der Welt zusammen mit Christus, das sich in der Gemeinschaft mit Gott im Himmel erfüllt.

Fasten bedeutet nicht einfach, auf den Verzehr von Fleisch zu verzichten, wie man oft meint. Durch das Fasten versucht der Mensch, sein fleischliches Wesen zu überwinden, sein Essen und Trinken einzuschränken und seine schlechten Gewohnheiten und Gelüste einzuschränken, welche ihn beherrschen. Jeder kennt seine Schwächen selbst – Süßigkeiten, Alkohol, Faulheit,

Unbeherrscht Sein oder anderes. Bei dem Fasten ist es wichtiger, gerade das zu bewältigen, und nicht so sehr die eigene Willenskraft anzuspannen, sondern sich mit der Beziehung der Seele zu Gott zuzuwenden – dem Gebet, der Betrachtung der Heiligen Schrift, der Gewissenserforschung, dem Sündenbekenntnis und den Sakramenten.  Der Gewinn des Fastens besteht im Erfahren der Überlegenheit des Geistes über den Leib. In diesem Jahr ist das Fasten bei uns in einer sehr ungestümen Zeit eingetroffen. Der Staatspräsident muss einen neuen Regierungschef bestimmen. Das ist eine Herausforderung, aber noch mehr eine Möglichkeit. Mehr als je zuvor braucht Lettland einen Ministerpräsidenten, der nicht nur eine professionelle, sondern viel mehr eine Persönlichkeit ist, bei welcher der Geist das Fleisch mit allen seinen Anwandlungen übertrifft. Ein Mensch der geistigen und nicht nur der politischen Elite. Jetzt braucht Lettland jemanden, der sich selbst zurückzustellen und das schwere Kreuz seines Amtes auf seine Schultern zu setzen vermag, Gott zur Ehre und den Menschen zum

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Segen. Sollte es zu schwer sein, einen solchen zu finden, dann zeigt das nur, wie bedrohlich die Situation ist, in der wir sind.

In diesem Augenblick sollte das Volk nicht fluchen, sondern Fürbitte halten, von Gott  einen

Regierungschef nach Seinem Willen erbitten. Auch für den Staatspräsidenten sollten wir beten und ihm die Kraft wünschen, sich in dieser Situation als ein ehrenwerter, hoch gebildeter und mit hohen Vollmachten betrauter Staatsmann zu erweisen, der nur Gott, dem lettischen Volk und seinem Gewissen gegenüber verantwortlich ist.  Dass es ihm gelingen möchte, bei seiner Entscheidung für einen neuen Regierungschef durch die vielen fordernden Stimmen hindurch auch Gottes Stimme, die Stimme des Volkes und die Stimme der Vernunft zu vernehmen. Uns allen möchte ich eine gesegnete, ernsthafte und mit geistlichem Wachstum erfülle Fastenzeit wünschen, in der wir auf einen solchen Seelenzustand zugehen, bei dem die Stimme des lettischen  Volkes der Stimme Gottes und der Vernunft entspricht. “

Spalte der Redaktion

Ein anderes Fasten Inga Reča, Chefredakteurin der lettischen Kirchenzeitung SR

Was macht man, wenn es im Leben oder in der näheren Umgebung Dinge gibt, die wir für inakzeptabel halten? Das hängt von den Kategorien der Volkszugehörigkeit,  der Mentalität,  historischer Erfahrungen, vom staatlichen Verwaltungssystem und der Gesellschaftsordnung ab. So veranstalten Franzosen in solchen Fällen Massenstreiks, sie gehen auf die Straßen mit Plakaten, Lautsprechern und Musikinstrumenten. Sie streiken sehr oft, und ihre Streiks erinnern eher an Feste – man trinkt gemütlich eine Tasse Kaffee und isst Crepes dazu auf den Plätzen. Dabei erreichen sie meistens, dass die Löhne erhöht und die Steuern gesenkt werden, während die Renten mit einem Zuschlag bedacht werden.

Was macht in solchen Fällen gewöhnlich ein Lette? Im Laufe der letzten Jahre ist die Zahl der bürgerlichen Aktivitäten gestiegen. Auch wir haben es inzwischen gelernt, Demonstrationen und Kundgebungen zu veranstalten. Hier und dort erheben die Bürger – wie in Jūrmala, Ikšķile und Baldone – ihre Stimmen und drücken damit nicht nur ihre Unzufriedenheit mit Beschlüssen der örtlichen  Behörden aus, sondern beginnen damit auch einen langen Kampf mit Monate langen juristischen Auseinandersetzungen, und erreichen damit, dass manche unsinnige Beschlüsse wieder rückgängig gemacht werden. Die Leute haben begriffen, dass es auch eine der Weisen ist, den Bau eines Supermarkets in Kastenform auf dem letzten kleinen grünen Fleck zu stoppen, selbst in die Politik zu gehen, und so mit den auch selbst gefassten Beschlüssen auch ein großes Stück Verantwortung zu übernehmen.

Trotzdem ist die Zahl solcher Beispiele immer noch recht klein, denn ein Lette pflegt sich gewöhnlich nicht so zu verhalten. Gewöhnlich nimmt ein Lette in einem solchen Fall seine beliebte „Opferlammhaltung“ ein, findet irgendwann ein geöffnetes Ohr und fängt dann an zu flennen.. Er weint dann auch wirklich über alles – „ach ich Armer“, „so bin ich nun mal und kann daran nichts ändern;“ „die Zeiten sind nicht mehr so;“ „alles ist schlecht, nur ich bin gut;“  „ da kann man nichts mehr tun, das Ende der Welt steht ohnehin vor der Tür;“usw.

Doch einige Letten sind doch anders, Gott sei Dank!

Wenn sie zum Besipiel mit dem, was auf einer Freilichtbühne gespielt wird, nicht zufrieden sind, dann gründen sie eine neue Schauspieltruppe. Das haben Rēzija und Krists Kalniņš vor kurzem im christlichen Jugendzentrum getan, denn wir haben doch jetzt bereits seit 18 Jahren eine Demokratie, deren eines der wichtigsten Merkmale der Pluralismus (Vielfalt), auch die Vielfalt der Standpunkte ist. Doch der Lette, der für seinen  Standpunkt, seine Gerechtigkeit, für sein Weiterbestehen und für einen angemessenen Lohn  kämpft, ist weiterhin eine Seltenheit. Es gibt nur sehr wenige positive und inspirierende Beispiele, aber es gibt sie..

In dieser Woche hat das Fasten unserer eigenen Ausgeschlossenheit, unseres Jammerns, unserer Vergeblichkeit, und unseres Klagens begonnen. Beginnen wir doch mit dem Fasten

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bei unserer Opferhaltung, denn es gibt nur das eine wahre Opfer. Und schon vor langer Zeit hat Er das Wort gesprochen: Alle eure Sorge werft auf Ihn!

Und sie fasteten und waren fröhlich die ganze Nacht… Ilze Gailīte

Am 20. Februar, in der Nacht vom Freitag auf den Samstag, fand im Jugendzentrum in der Māstaļu iela 10 die Veranstaltung einer zweiten Gebetsnacht statt. Jugendliche aus verschiedenen Gemeinden waren angereist, um während der ganzen Nacht gemekinsam zu beten und sich auf das große vorösterliche Fasten vorzubereiten. Mit ihnen beisammen waren die Pfarrer Krists Kalniņš und Rinalds Grants.

Im Matthäusevangelium steht geschrieben: „Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht sauer dareinsehen wie die Heuchler… Wenn du aber fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, damit du dich nicht vor den Leuten zeigst, sondern vor deinem Vater, der im Verborgenen ist.“ So hatte es auch an jenem Abend den Anschein, dass die jungen Menschen ihre Herzen bereit gemacht und sich ganz besonders gründlich gewaschen haben, um das Fasten zusammen mit Gott und anderen Jugendlichen zu feiern. Auch ich war dieses Mal bereit, mich diesem Abenteuer hinzugeben und dabei nicht zu beachten, dass ich Komfort sehr liebe. Ich hatte von zu Hause für alle Fälle eine Decke und einen Teppich mitgebracht. Ich wollte sehen, wie sich die Dinge entwickelten, und falls mir der Schlaf kommt, mich unverzüglich in irgend einer Ecke hinzulegen. Doch plötzlich bemerkte ich, dass ich meinen Teppich gar nicht aus dem Rucksack herausgezogen und während der ganzen Nacht keinen Augsnblick meine Augen geschlossen hatte. Doch nun alles der Reihe nach!

Zur Sicherheit und als Stütze bei der Gebetsnacht nahm ich meine Mutter mit. Sie ist mir auch  eine liebe Freundin und aus ganzem Herzen ein wahrer Christ.. Ich wusste, dass die große Mehrheit der Jugendlichen sie nicht verängstigen würde. Auf jeden Fall hielt ich ihr das Beispiel des Apostels Johannes vor Augen. Obwohl Johannes der jüngste aller Jünger war, war er Jesu liebster Jünger. Somit spielt für Jesus das Alter keine Rolle. So schritten wir beiden besorgten christlichen Frauen durch die Tür zum Jugendzentrum, wo ehrenamtliche Helfer uns freundlich aufforderte eine Etage aufwärts zu gehen. Ich entdeckte einige mir bekannte Gesichter, was mein Herz sehr beruhigte. Doch es vergingen keine fünf Minuten, bis ich gegenüber allen Leuten um mich herum das Empfinden hatte, von lange bekannten Freunden umgeben  zu sein. Wir setzten uns in die letzte Reihe der Stühle, denn wir wollten uns die ganze Sache etwas vom Rande her ansehen. Doch dieser Plan misslang gründlich, denn wegen des großen Zustroms von Jugendlichen mussten hinter uns große Mengen von Stühlen aufgestellt werden. Damit waren wir im Laufe der Nacht fast ganz nach vorne gerückt.

Gegen 22 Uhr eröffnete Ulvis Kravalis den Abend mit einem Gebet. Hier muss ich über ihn etwas eingehender berichten. Er ist Leiter eines Jugendkreises in der Alten St. Gertrudgemeinde und Mitarbeiter bei den Alpha Kursen. Über Ulvis kann ich sagen, dass ich jedes Mal, wenn ich mit ihm zusammen bin, das Empfinden habe, er sei eine Treibstoffleitung, an die ich mich gerne anschließen möchte, um auch für mich den Segen aufsaugen zu können, der von ihm ausgeht. Mit der Absicht des gegenseitigen Kennenlernens wurde an jeden ein Zettel verteilt, auf den jeder seinen Namen schreiben  und an seinen Rücken befestigen sollte  Dann schrieben alle auf die Zettel Komplimente und freundliche Worte. So konnte man später lesen, was andere von dir denken, und dabei neues entdecken. So erfuhr ich über mich, dass ich ein energischer attraktiver und positiver Mensch sei. Ein Lächeln rief bei mir der Ausdruck hervor „ich sei ein reicher Mensch“. In Klammern stand daneben wohl die Bemerkung  – im Glauben und an Weisheit des Herzens, aber in der heutigen  inflationären Wirtschaftslage gefiel mir der Gedanke von der Reichen gut. Zu meiner Freude gab Ulvis bekannt, dass wir uns jetzt zum Tee begeben könnten, wo es auch

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sehr gut schmeckende Pfannkuchen  gab. Das brauchte man mir nicht zwei Mal zu sagen, denn ich bin wie verrückt nach Pfannkuchen und Süßigkeiten.   Die Kuchen schmeckten sehr gut, doch die Hauptsache war, dass es so viele gab, wie man brauchte, keinen zu wenig oder zu viel. Mit heißem Tee bewaffnet gingen wieder zurück in den großen Saal, um mit dem offiziellen Teil des Abends zu beginnen. Die Lobpreisgruppe war bereits „auf dem Strich“ und erfüllte den ganzen Saal mit ihrem Gesang, als wir auf unsere Plätze zurück kehrten. Eine große Überraschung war für mich das Lob Gottes mit einem Akkordeon. Vielleicht war das für mich so wichtig, weil ich selbst einst auf dem großen, schweren „Kasten“ spielen gelernt habe und dann als ein Instrument, das keinem  etwas nützt, beiseite gelegt habe. Jetzt entstand bei mir wieder der Wunsch, es wieder vom Dachboden herunter zu holen und zusammen mit meiner Lobpreisgruppe das eine oder andere Lied zu versuchen. Nach dem großen Essen  fingen wir allmählich mit Bewegungen und erhobenen Händen zu singen „Wir sind das Volk, das den Herrn lobt!“  Mit der Zeit wurden die fröhlichen und bewegten Lieder durch lyrische und zu Herzen gehende abgelöst, die alle auf das Gebet einstimmten.

Dann beschloss Pfarrer Krists Kalniņš, uns alle in Gruppen aufzuteilen. Der Leiter meiner Gruppe war der stets optimistische Ulvis Kravalis. Der Austausch von Erfahrungen war sehr interessant. Einige hatten schon Erfahrungen mit dem Fasten gemacht. Meistens betraf es das Essen oder Dinge, die süchtig machen – wie Computer, Fernsehen oder Radio, und die einen vom Beten abhalten. Es gab auch welche, die versucht haben, mehrere Tage nichts zu essen und die Mahlzeiten  durch Gebet zu ersetzen. Erfahrene Fastende bekannten, dass es eine gute Erfahrung und eine gute Weise sei, sich einer geistlichen  Disziplin zu unterstellen. Gott wirkt bei dem Fastenden auf eine ganz besondere Weise und gibt Kraft, so dass man fast gar nicht  essen möchte, Er segnet mich mit neuen Erkenntnissen oder beantwortet meine Fragen und Probleme.

Krists Kalniņš, der alle Antworten in den Gruppen und deren Erfahrungen bei dem Fasten mit angehört hatte, hielt danach eine sehr lehrreiche Ansprache. Er teilte seine eigenen Erfahrungen mit und  betonte dabei ganz besonders die Worte Jesu: „Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht sauer dreinschauen.“ Wir Christen haben gelernt, immer zu lächeln und uns anderen gegenüber höflich zu verhalten, auch dann, wenn uns gar nicht danach zu Mute ist

Das machte mich traurig, dass unser Herz nicht von wahrer Freude erfüllt ist, sondern dass es nur eine Rolle ist, die wir darstellen. Natürlich ist jetzt alles gut und schön, und mein Herz ist hoch erfreut darüber, dass um mich herum so viele Brüder und Schwestern in Christus versammelt sind, und es verspürt Gottes Segen. Doch wenn man mir auf der Straße im Alltag begegnete, dann weiß ich nicht, ob man, wenn man mich anschauen würde, nicht doch ein sauertöpfisches Gesicht entdecken würde. Meine Gedanken wandern zurück zu meinem letzten Fasten.

Damals fastete ich mit dem Essen und schon am zweiten Tag ging ich zum Kühlschrank drei Mal öfter als sonst. Einige Male öffnete ich sogar die Tür zum Kühlschrank, um nachzusehen, ob die Wurst noch an ihrem Platz lag und ob Quark und Käse immer noch auf mich warteten. Doch am verrücktesten war es, wenn ich einem Nachbarn auf dem Flur begegnete. Meine Hausgenossen wichen mir während der Fastenzeit aus, weil ich sie angefahren habe: „Siehst du es nicht? Ich faste!“ Ich meinte, dass ich mir das leisten konnte, so unhöflich zu sein und durch das Haus zu rennen wie ein Ungeheuer, mit ungewaschenen Haaren, Trainingshosen und einem verkniffenem Gesicht. Heute  schäme ich mich dessen! Es fiel mir nicht einmal ein, die erwähnte Maske aufzusetzen und andere anzulächeln. Stattdessen habe ich auf sie meinen ganzen Frust abgeladen. Auch Ulvis gab mir einen guten Rat mit. Er sagte, dass das Fasten Gott gehört und ich mich entscheiden muss, was mir wichtiger ist. In dem Augenblick fiel mein Blick unwillkürlich auf meinen Teppich an der Ecke. Ich habe schon so oft zu fasten begonnen und es nicht bis zum Ende durchgehalten. Ich hatte immer das Gefühl, Gott

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enttäuscht zu haben. Ich habe meine Bequemlichkeit bevorzugt. Auch bei dem Entzug des Schlafes bin ich mit dem Gedanken gekommen: wenn ich das nicht durchhalte, dann werde ich ruhig schlafen gehen. „Fasten ist eine geistliche Disziplin. Es ist eine Herausforderung zur Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und gegenüber Gott,“ sagte Krists Kalniņš, und in meinem Herzen beschloss ich, mich zu ändern. Ich muss es mir gestatten, auf Jesus zu blicken und zu Gott eine enge Beziehung aufzubauen.

Einige Minuten nach Mitternacht begann der Gottesdienst. Ich erinnere mich, dass ich in jenem Augenblick auf die Uhr schaute und dachte: schau, nun ist es Mitternacht, und bald wird mir sicher der Schlaf kommen… Und das Interessanteste dabei war, dass Gott mich wirklich gesegnet und mir geholfen hat, denn keinen Augenblick war mir nach Schlaf zu Mute. Mir gefiel es sehr, in diesem Gottesdienst Gott zu loben, und obwohl das nicht in der gewohnten Umgebung geschah, erschien mir alles so besonders und so heilig. Rinalds Grants hat eine sehr lange Predigt versprochen. Er zog einen Haufen Blätter heraus und drohte uns an, dass nun eine schwere Prüfung auf uns zukäme, denn später müssten wir das alles wiedergeben. Doch am Ende, als er alles gesagt hatte, wunderten wir uns und sagten: „Ist das wirklich alles und hast du nicht noch mehr Blätter?“ Die Art, wie er seine Zuhörer zu interessieren vermag, ist wunderbar. Keinen einzigen Augenblick gingen meine Gedanken auf Wanderschaft, und mit offenem Mund hörte ich zu, und lachte auch mit den anderen zusammen, als Pastor Grants demonstrierte, wie er an einem frühen Morgen im Halbschlaf zum Kühlschrank zottelte. Auch das Beispiel vom kleinen Sohn, dessen Mutter ihm so hinterherläuft, was ihn allmählich zum Parasiten macht, leuchtete mir sehr ein. Wirklich, fast genau so, wie R. Grants das schilderte, bin auch ich zum Kühlschrank hingewankt und habe dabei in Gedanken meinen Bauch angeredet: „Nun, was möchtest du heute haben, mein Lieber? Leber oder lieber ein Kotelett?“  Das ist lächerlich, aber wir verwöhnen wirklich unseren Bauch und machen ihn langsam zum Parasiten und fügen uns dabei großen Schaden zu.

Nach dem Gottesdienst wandten wir uns wieder dem Lobpreis zu. Von Herzen und laut lobten wir den Herrn. Hinten hatten sich die Beter versammelt, die bereit waren, für andere zu beten, welche diesen Wunsch ausgesprochen hatten. Ich wünschte es mir sehr, dass auch meine Probleme in die Fürbitte hineingenommen würden.. Das ist eine wundervolle Sache, die Gott uns geschenkt hat – die Fürbitte für den anderen. Ich empfand sehr die Gegenwart des Heiligen Geistes, als einer der Beter auch für mich betete und dabei mir die Hände auflegte. Danach fühlte ich mich voller Segen und voll der Kraft des Heiligen Geistes. Später sagte mir meine Mutter, ihr wäre der Raum lichterfüllt erschienen. Die Herzen aller Jugendlicher lobten und beteten wirklich aufrichtig. Sie hätte das körperlich empfunden. Zusammen mit einigen anderen älteren „Jugendlichen“ beteten auch sie füreinander. Sie sind davon  überzeugt, dass ihre Gebete erhört und ihre Bitten erfüllt werden.  Danach verteilten wir uns wieder in Gruppen, die aber dieses Mal wesentlich kleiner waren als zuerst – mit je 3 oder 4, und beteten weiter. Zuerst füreinander und dann für unsere Beziehungen, für die Kirche und schließlich für den Staat. Ulvis sagte uns, dass es Satans Hauptbestreben sei, zu erreichen, dass der Christ sich so sehr mit sich selbst, seinen Gemeinschaften, christlichen Veranstaltungen und Diensten befasste, aber auf keinen Fall betete. Deshalb ist das Gebet die einzige Möglichkeit den Satan in seine Schranken zu weisen. Zu Beginn erscheint alles steif, und man hört oft die Wiederholung bestimmter Redewendungen wie gestern und vorgestern, doch wenn Gott endlich zu Wort gekommen ist, dann empfindet man die eigentliche Kraft des Gebetes.

Allmählich erreicht die Nacht ihren Höhepunkt. Und als nur noch eine Stunde bis zum Ende der Veranstaltung übrig blieb, bemerkte ich plötzlich, dass die Nacht so schnell verflogen war, dass man bald den Heimweg antreten müsste. Ehrlich gesagt, wollte ich noch gar nicht

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fortgehen, aber nach drei Stunden musste ich bei einer Trauung von Freunden sein. Dem konnte ich nicht ausweichen. So habe ich auch die Nacht danach verbracht, ohne zu schlafen, aber wunderbarere Weise fiel mir das gar nicht schwer. Normalerweise bin ich eine große Schläferin, aber dieses Mal brauchte ich mich nicht sonderlich anzustrengen, um das Gähnen zu unterdrücken. Ich weiß, dass Gott die Kraft zum Aushalten der geistlichen Disziplin schenkt. Wenn du aus ganzem Herzen fastest und betest, dann hast du auch keinen Hunger, brauchst auch keinen Schlaf, und es ist auch viel leichter, Versuchungen zu überstehen. Diese Gebetsnacht war für mich eine große Freude, und mit großer Ungeduld erwarte ich schon die nächste. Jetzt kommt sie mir gar nicht mehr ungewöhnlich vor. Im Neuen Testament wird die Situation beschrieben, in der die Apostel die ganze Nacht fasteten und beteten.

Chefredakteurin: Inga Reča

Anschrift der Redaktion: Alksnāja iela 3 .- Riga- LV 1050

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Übersetzung: Johannes Baumann (abgeschlossen am  11.3.2009)

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Telefon: 04791-13356

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Nachwort des Übersetzers

Der Themenschwerpunkt dieser Ausgabe ist wieder die Fastenzeit. Ich habe einen langen Beitrag nicht übersetzt, der sich mit einem anderen Thema befasste. Vor einiger Zeit ist in Lettland ein Buch von Juris Rubenis erschienen, das sich mit der christlichen Meditation auseinandersetzte. Dieses Buch hat auch in SR eine breite Diskussion ausgelöst, die sicher sehr interessant ist. Zuerst nahm Indulis Paičs ausführlich Stellung, worauf Juris Rubenis ebenso ausführlich antwortete. Das hat Aleksandrs Bite zu einer noch ausführlicheren Entgegnung angeregt, bei der ich vermute, dass sie wiederum eine Reaktion zur Folge haben dürfte. Ich bin der Ansicht, dass die freundliche Leserschaft diese Diskussion erst mit Gewinn verfolgen dürfte, wenn sie das Buch und alle die von diesem ausgelösten Beiträge gelesen hat. Alles das würde meine Kräfte und Möglichkeiten überfordern oder ich müsste in meiner Übersetzerei neue Schwerpunkte setzen, was vermutlich bei manchem Leser und bei vielen verehrten Leserinnen auch nicht ungeteilten Beifall auslösen würde. So bin ich dieses Mal bei dem freudevollen Fasten mit seinen Facetten geblieben und wende mich sofort der bereits auf meinem Tisch .liegenden nächsten Ausgabe zu.  J. B.

Verfasst von: liefland | Februar 21, 2009

Ausgabe Nr. 7 (1786) vom 21. Februar 2009

Wohl dem Volk, das jauchzen kann!                                Psalm 89, 16.

Auszüge aus Svētdienas Rīts, Zeitung der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, herausgegeben von ICHTYS GmbH, erscheint seit Januar 1920.

Sonntag Estomihi     Ausgabe Nr. 7 (1786) vom  21. Februar 2009

Spalte der Redaktion.-  Bund für einen Tag. Inga Reča, Chefredakteurin von SR

Als ich heute morgen aufwachte, schloss ich mit mir einen neuen Bund. Nicht für das ganze restliche Leben, sondern nur für einen Tag – keinen missmutigen oder depressiven Gedanken, keine Furcht und Klage, keine Unzufriedenheit. Das, was heute die Bestimmungen meines Denkens und Verhaltens diktieren soll, werde ich selbst sein, und nicht irgend etwas.

„Nun  denn, liebe Inga, mit Gottes Hilfe“, sagte ich zu mir selbst und öffnete meine Augen. Das erste, was ich erblickte, als ich an das Fenster trat, war der Schnee, der in großen Flocken auf die Dächer fiel. Der über und über weiße Hof! Schön!

Etwa später, als ich bei einer staatlichen Behörde meine Dokumente ordnen musste, war die Frau, die mich dabei bediente, nicht nur sehr freundlich, sondern veränderte auf einem Dokument selbst das Datum, und warf mich nicht hinaus, damit ich mir ein neues Exemplar holte. Mein Handy meldet sich. Eine Mitarbeiterin der Dorfbibliothek ruft mich an und teilt mir mit, dass  Leser zwei Ausgaben des letzten Jahrganges von „Svētdienas Rīts“ ausgeliehen, sie aber bis heute nicht zurückgebracht hätten. Deshalb würde sie zu ihnen hinfahren, um sie abzuholen.

Eine meiner Arbeitskolleginnen berichtete mir, dass eine Kirchengemeinde ihren alten Leuten 25 Abonnements (!!!) von unserer Zeitschrift geschenkt hätte.

Ich öffne meine Email und entdecke, dass Pfarrer Ivars Jēkabsons uns einen wunderbaren und (wie immer) zu Herzen gehenden Beitrag für unsere Sonntagsschulspalte zugesandt hat mit dem Titel „Eiscreme von Gott“ Es ist die Geschichte von einem kleinen Jungen, der Gott um ein Eiscreme bittet, und ihm bereits davor dafür dankt. Aber natürlich muss es in einer solchen Geschichte auch eine mürrische Alte geben, die den Jungen zurechtweist: das sei doch wirklich unverschämt, Gott um ein Eiscreme zu bitten! Doch ein Herr lobt den Jungen für dieses wunderbare Gebet, und sagt, dass die Seele auch von Zeit zu Zeit mit Eiscreme gefüttert werden müsste, damit sie gut würde. (Wie die Geschichte endet, kann  auf der Seite    2 unten dieser Übersetzung nachgelesen werden.)  Auch Doktor Kudrjavcevs  sagt, dass der Mensch (der Christ) seine Gedanken unter eine Disziplin stellen muss. Wenn du sie unkontrolliert den Wegen der Welt überlässt, dann sei gewiss: es wird sich immer eine andere Kraft finden, die dein eigenes Dirigentenpult übernimmt und dich nach ihrem Willen tanzen lässt. Darüber, wie man an sich geistliche und körperliche Disziplin übt, um (geistig und leiblich) gesund zu sein, kann man in dem Beitrag ab Seite 3 unten dieser Übersetzung einiges lesen.

Der Tag ist erst halb vorbei, doch ich stelle fest, dass er einen völlig anderen Geschmack bekommen hat.

Die Schar der Freunde der Kirchengemeinde Blīdene wird immer größer. Sanita Vanaga

Schon zum siebenten Mal veranstaltete die Kirchengemeinde Blīdene eine Gemeinschaftsveranstaltung für alle Kirchengemeinden der Umgebung.. Wir freuen uns sehr, dass jedes Mal Vertreter aus immer mehr Kirchengemeinden  dazu kommen. Dieses Mal waren bei uns Gäste aus der Lutherkirche in Liepāja, aus Apriķi, Lipaiķi, Alsunga, der Luthergemeinde in Saldus, aus Remte, Annenieki, Vecauce, Talsi und der Jesusgemeinde in Riga mit dabei, dazu auch der Chor „Salve“ aus Riga. Bei solchen Gemeinschaftsveranstal- tungen können wir es wirklich erfahren, dass wir Brüder und Schwestern in Christus sind.

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Wie immer, so begannen wir auch diese Veranstaltung mit einer Andacht. Danach erfreute uns der Chor „Salve“  mit einem Konzert. Bei Tee und Kaffee tauschten wir die Neuigkeiten aus unseren Kirchengemeinden aus. Von der Jesusgemeinde in Riga erhielten wir die Anregung, dass jede Gemeinde ihr liebstes Lied vortragen sollte. In diesem Jahr taten wir das auch in unserer Veranstaltung, wobei es sich zeigte, dass viele Gemeinden das gleiche liebste Lied haben. Alles das gab uns wieder viel Kraft für unseren weiteren Dienst.

Am   1.Februar fand die Wahl des neuen Kirchengemeinderates statt, bei der Sanita Vanaga zur neuen Gemeindeleiterin gewählt wurde, und die bisherige Gemeindeleiterin Gunta Bula bereit war, das Amt der stellvertretenden Gemeindeleiterin zu übernehmen Die Einführung des neuen Kirchengemeinderates soll im Gottesdienst am 1. März stattfinden.

Estland ist das unreligiöseste Land Europas.

Das Meinungsforschungsinstitut Gallup hat bei den Einwohnern Europas eine Umfrage durchgeführt, bei der an die Befragten die Frage gestellt wurde „Ist Religion ein wichtiger Bestandteil Ihres Alltages?“ , berichtet die lettische Nachrichtenagentur LETA

Nach dieser Umfrage sind fünf Mitgliedsländer der EU unter den zehn unreligiösesten Staaten. An erster Stelle steht Estland. Dort  wurde die Frage nur von 14 % positiv beantwortet. Darauf folgen Schweden und Dänemark, mit 17 beziehungsweise 18 %. Unter den ersten fünf findet sich auch Tschechien mit 21 %, das nur wenig hinter dem zur EG nicht gehörenden Norwegen (mit 20 %) zurück bleibt.  Frankreich steht mit 25 % an neunter Stelle. Lettland gehört zusammen mit Großbritannien, Finnland, den Niederlanden, Litauen und Bulgarien ebenfalls zu den Ländern, in denen der größte Teil der Einwohner Religion als einen wichtigen Bestandteil ihres Lebens nicht ansehen. 

Die religiösesten Länder der EU sind Italien, Portugal, Polen, Rumänien und Griechenland.

Von den Ländern der EU gehört keins zu den religiösesten Ländern der Welt, bei denen Ägypten den ersten Platz einnimmt, wo alle Befragten die Frage positiv beantworteten. Darauf folgen Bangladesch und Srilanka, wo 99% der Einwohner der Religion eine entscheidende Rolle im Alltag zumessen. In der Liste der weltweit 10 religiösesten Länder stehen auch mehrere Länder Afrikas wie Kongo, Malawi und Senegal, sowie Indonesien und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Wie die Analytiker von Gallup Steve Crabtree und Bret Pelam berichteten, kann man die Ergebnisse der Befragung nur zum Teil mit der Tatsache erklären, „dass die Religiosität der Einwohner weitgehend von den Lebensumständen abhinge.“ Die USA, wo etwa zwei Drittel der Bevölkerung die Frage nach der Bedeutung der Religion für ihren Alltag positiv beantwortete, sind die religiösesten der reichen  Länder.

Eiscreme von Gott Ivars Jēkabsons (aus dem Teil für die Sonntagsschulen)

„Darf ich heute das Tischgebet sprechen?“ fragte ein sechsjähriger Junge, als die Eltern zum Mittagessen mit der ganzen Familie in ein Restaurant gegangen waren. Alle falteten die Hände und der Junge sprach: „Lieber Gott, du bist allmächtig und gut. Ich danke dir für das Mittagessen und nachher werde ich dir noch mehr danken, wenn Mama uns zum Nachtisch ein Eis bestellt. Und dazu danke ich dir für die Freiheit und Gerechtigkeit! Amen.“

Einige Gäste mussten über das Gebet des Jungen lachen, doch die Bemerkung einer Dame

im fortgesrittenen Alter war nicht zu überhören: „Da sieht man es, dass auf unserer Erde manches nicht stimmt. Die Kinder können nicht mehr beten, wie es sich gehört. Von Gott ein Eis zu verlangen! Unmöglich! Das würde mir nie passieren!“ Als der Junge das hörte, kamen ihm die Tränen in die Augen. Er fragte seinen Vater, ob er etwas falsch gemacht hätte und ob Gott jetzt auf ihn böse sei?

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Während sich der Vater bemühte, seinen Sohn irgendwie zu beruhigen, trat ein älterer Herr an den Tisch und sagte: „Das, was ich eben gehört habe, war ein großartiges Gebet.“ „Wirklich?“ fragte der Junge ganz erfreut. „Wirklich!“ sagte der alte Herr und fuhr dann lauter fort, damit es alle hörten: „Schau, das ist nicht in Ordnung, dass sie Gott nie für das Eis dankt, das sie bestimmt auch isst. Ein wenig Eis ist manches Mal gut für die Seele,“

Natürlich bekamen die Kinder auch Eis zum Nachtisch. Aber dann tat der Junge etwas, was die Familie nie in  ihrem Leben vergessen wird.. Er nahm seine Schale mit dem Eis, stand auf und ging auf die Dame zu und setzte sich ihr gegenüber hin. Mit einem breiten und glücklichen Lächeln sagte er: „Das ist für Sie! Eis ist manches Mal gut für die Seele, und meiner Seele geht es jetzt gut.“

Einmal hatte der Apostel Petrus eine Vision, bei der er verschiedene Speisen sah, die man für unrein hielt. Doch Gott sagte: „Was Gott rein gemacht hat, das nenne du nicht verboten.“ (Apg. 10,15)  Jesus hat wirklich gesagt: „Was zum Mund hineingeht, das macht den Menschen nicht unrein, sondern was aus dem Mund herauskommt, das macht den Menschen unrein.“ (Matthäus 15,10). Auch Paulus erinnert daran, dass nicht Essen und Trinken das Leben heiligt, sondern das Wort Gottes und das Gebet (1. Tim. 4,5). Petrus ist eine besondere Persönlichkeit unserer Kirche. Er war der erste, der den Glauben an Jesus bekannte. Ihm, der ursprünglich Simon hieß, gab Jesus den Namen Petrus – der Fels, auf dem er seine Kirche bauen würde.(Matthäus 16,16-19) Petrus wurden die Schlüssel zum Himmelreich geschenkt. Das erinnert uns an die Kirche und an die Vollmacht, die den Jüngern verliehen wurde – die Sünde zu vergeben. Deshalb können wir nach dem Sündenbekenntnis im Gottesdienst gewiss sein, das die Vergebung der Sünde, die uns dort zugesprochen wird, wirklich von Gott kommt. Das Symbol für Petrus sind die Schlüssel.

Am 25. Februar, dem Aschermittwoch, beginnt die Fastenzeit, zu der in der Kirche an das Leiden Christi gedacht wird. Da lohnt es sich, darüber nachzudenken, dass wahres Fasten im Herzen geschieht und nicht bei den Mahlzeiten. Da sollten wir uns der bösen Gedanken enthalten, die uns umgeben. Es kann durchaus sein, dass es für diesen oder jenen bedeuten kann, die sieben Wochen vor Ostern auf das Eis zu verzichten. Aber vielleicht bedeutet es auch, dass ich einem anderen etwas schenke, was gut schmeckt. Auf jeden Fall wünsche ich euch eine gesegnete Passionszeit.

Mit Jesus und gesund Inga Reča

„Einige Menschen sagen mir, dass sie Gesundheit gar nicht um jeden Preis brauchten. Lieber möchte ich krank sein, aber mit Jesus. Dann antworte ich ihnen: mit Jesus kann man auch gesund sein. Auf keinen Fall fordert er von uns, krank zu sein. Nirgendwo in der Bibel steht, dass er uns die Krankheiten gebracht hätte. Feuer und Schwert ja, aber keine Krankheiten,“ meint der Arzt mit einer 25 jährigen Berufserfahrung  und praktizierender Christ Igors Kudrjacevs. Nach seiner Überzeugung, die er unermüdlich vor unterschiedlichsten Auditorien ausspricht, hat jeder Mensch die Möglichkeit, besser, effektiver, gesunder und christlicher zu leben.

Wie gehen wir mit der Krankheit um?

Wenn jemand krank ist, dann befindet sich der Leib desjenigen – die Heimstätte des Heiligen Geistes – im Zustand eines Unfalls. Eine Heimstätte muss man reparieren. Wer wird sie reparieren?

Wir selbst haben von vielen Fällen gehört, dass jemand beschlossen hat: zu Ärzten gehe ich nicht. Gott wird mich heilen. Eine alte Anekdote berichtet über den alten Abraham, der auf dem Dach saß und darauf wartete, dass Gott selbst ihn aus der Flut erretten würde. Gott sandte ihm mehrfach Hilfe – andere Menschen mit einem Boot, – doch er blieb sitzen und sagte: „Nein, nein, Gott wird mich erretten!“

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Dr. Igors Kudrjavcevs sagt: es gibt Dinge, die ein Mensch wissen muss, um zu überleben. Dabei geht es nicht um die Länge, sondern um die Qualität des Lebens. Dass jemand nicht ständig an die Heilung von Krankheiten denken muss, was schwerer und kostspieliger ist als die Vorbeugung. Der Mensch muss täglich ein wenig für sich selbst Sorge tragen. Dann wird er qualitativer leben und gemeinsam mit anderen noch mehr erreichen.

Wie ist man gesund?  Im idealsten Fall sollte man seinem Körper täglich den Zehnten spenden. Um den Blutkreislauf in einem guten Zustand zu erhalten, muss man es erlernen, am Morgen mit seinen Händen seinen Körper zu massieren – die Hände, Füße und Beine.. Auf einmal entsteht in euch eine Wachheit, die den ganzen Tag erhalten bleibt, so dass man nicht einmal eine Tasse Kaffee zu trinken braucht. Richtig ist es auch, mit den Fingerspitzen den mit Haaren bedeckten Teil des Kopfes zu massieren, denn dort befinden die  Enden der Nerven und Adern.. Und wenn ihr eure Haare kämmt, dann nicht nur einfach um sie zu glätten, sondern die Prozedur des Kämmens verlängern, bis die ganze Haut darunter warm wird. Das bekommt sowohl den Haaren wie auch dem Gehirn. Auch sollte man dem armen Rücken helfen. Manche sagen, dass ihnen das Genick weh tut. Zunächst ist es gut, wenn man sich daran gewöhnt den Halsteil etwas zu massieren. Während der Arbeitszeit helfen gelegentlich einige ganz einfache gymnastische Übungen. Das alles sind nach den Worten von Dr. Kudrjacevs  keine geheimen Wissenschaften, sondern Erfahrungen,, die jeder selbst machen und weitergeben kann.

Dr. Kudrjacevs meint, dass es Berufe gäbe, deren Vertreter „per definitionem“  gesund sein müssen. Das sind Ärzte. Pfarrer und Lehrer.

Wie denkt man effektiv?

Wie ordnet man seine Denkprozesse, damit das Gehirn effektiver arbeitet? Der Doktor sagt, dass Menschen, welche nicht an Gott glauben, an alles „rationell“ herangehen, und eigentlich alles tun dürfen. Dagegen ist es Christen untersagt, nach diesen  gleichen Regeln zu spielen.

Christen haben mit dem Risiko zu rechnen, unmenschliche Menschen zu werden, zu solchen, die so sehr an Gott glauben, aber sich selbst als Menschen nichts mehr zutrauen. Sie sind der Ansicht, dass alles so sein wird, wie Gott es gibt. Natürlich!  Aber du selbst musst dabei mitarbeiten, denn sonst brauchte Gott dich gar nicht als Mensch. Dann wärest du nur ein Engel ohne einen Körper und zum Beispiel auch ohne einen  Schreibtisch.

Der Mensch muss es vermögen, seine Gedanken zu ordnen. Basilius der Große stellte den Christen in Athen die Athleten der olympischen Spiele als Beispiele vor Augen. „Wie gut wäre es, wenn wir unseren Geist ebenso stählen könnten, wie es die Athleten mit ihren Muskeln tun.!“

Manches Mal klagen Leute: Ach wie geht es mir schlecht, ich habe gar nichts.. Dann frage ich sie: Was willst du denn eigentlich? –  Ach eigentlich nichts besonderes…. Dann sage ich ihnen: „Du willst nichts? und nichts hast du auch! Du beschwerst dich? Vielleicht genügt das einem Mönch in seiner Zelle, überhaupt nichts zu haben und zu tun, und sich darauf zu verlassen, dass Gott alles geben wird, aber wir sind Menschen inmitten einer Gesellschaft und müssen selbst etwas tun.

Wir müssen planen,  unsere Wünsche richtig formulieren und unseren Willen kundtun können. Meine liebste Bibelstelle ist aus dem Johannesevangelium 14, 12-15: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und er wird noch größere als diese tun, denn ich gehe zum Vater. Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun, damit der Vater verherrlicht werde im Sohn. Was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun. Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten.“  Natürlich wird ein Christ nicht um irgendwelche Ausschweifungen bitten. Aber die Menschen beten heute nur ganz selten! Sie denken, dass Gott ihnen das schon geben würde, was sie brauchen.. Aber du musst es wissen und präzise formulieren, was du brauchst.

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Ein protestantischer Geistlicher beschrieb in seiner Biographie die Situation in der Dorfgemeinde, in der er  seinen Dienst begonnen hatte. Es gab dort keinen Schreibtisch, auf dem er seine Predigt niederschreiben konnte.. Er betete, dass ihm ein Schreibtisch und ein Fahrrad geschenkt werden möchte, damit er  die Leute seiner Gemeinde besuchen könnte. Eines schönen Tages vernahm er eine Stimme: „Was brauchst du eigentlich genau? Ich habe mehrere Tische und Fahrräder..“ Deswegen sage es ganz genau, was du brauchst – auch das muss man lernen., sagt Dr,  Kudrjacevs.

Keine Angst davor, dass du nicht mehr jung bist. Es ist nie zu spät, die Gedanken richtig zu ordnen und zu lernen.

Wie wirkt sich das Denken auf die Gesundheit und das Erreichen des Zieles aus?

Dr. Kudrjacevs sagt, dass unser Denken und unsere Absichten mit unserem Immunsystem eng zusammenhängen. Wenn ein Mensch depressiv ist, wird seine Immunität auch schwächer, aber wenn sich seine Immunität stabilisiert, dann wirkt sich das auch auf den Zustand des Nervensystems aus.  Deshalb ist es wichtig, seine Gedanken genau zu formulieren

Wichtig sind auch die Endorphinen ( körpereigene Eiweißstoffe mit schmerzstillender Wirkung). Wenn jemand glücklich ist, dann funktioniert nicht nur seine Verdauung besser, auch seine Haut wird dann schöner. Aber was heißt es,  dass jemand glücklich ist?  „Mir gefällt diese Formulierung: Lebensqualität ist die Summe der kleinen Erfolge. Wenn heute ein solches Ziel erreicht wurde, wirkt sich das auf  die Endorphinen im Körper aus. Ist das Ziel viel größer, strategischer und erstreckt es sich auf eine Woche oder gar Monate, dann ist das umso besser. Dann muss der Mensch planen und dabei konsequent sein. Wenn ich etwas will und etwas plane, dann erbitte ich Gottes Hilfe, um es zu erreichen. Doch plötzlich mischt sich die Versuchung in das Denken hinein: „Brauchst du das wirklich Du bist doch nichts, und möchtest doch auch eigentlich nichts.“ Aber Gott im Himmel schaut auf dich: „Halt, halt, du hast mich um Energie, um Kraft gebeten, und ich habe sie dir geschenkt, damit du dein Ziel erreichst, und nun willst du mir weismachen, dass du das gar nicht willst? Wenn du sie nicht willst, dann sollst du sie auch nicht haben.“

Das ist die Rede von der Disziplinierung der Gedanken  Die Gedanken und Ziele muss man gut und ehrlich formulieren. Nicht zufällig ist uns der Verstand geschenkt worden, aber auch die Intuition als die Augen des Herzens und der Seele  Wenn wir auf etwas zugehen, dann müssen wir das auch ganz genau tun, und uns davor fragen: möchten wir das auch wirklich?  Es kann passieren, dass wir, wenn wir um etwas ganz bestimmtes gebeten haben. etwas ganz anderes erhalten. Weshalb das? Weil es in deinem Heruzen während des Gebetes etwas völlig anderes gab als das, was dein Verstand in Worte gefasst hatte. Es kann sein, dass du dir eigentlich etwas ganz anderes gewünscht hast…

Es ist gut, über die zu erreichenden Ziele in einem Tagebuch Rechenschaft abzulegen – jeden Tag oder jede Woche einzutragen, was getan worden ist. Menschen haben oft die Tendenz, sich zu entschuldigen: Ich war nicht in der rechten Stimmung, deswegen habe ich es nicht geschafft.. Dann müssen wir Gottes Hilfe erbitten.

Wir müssen auch positive Veränderungen erkennen und dafür Gott danken. Ein rechtschaffen denkender Mensch sagt das dann etwa so: Danke! Es ist alles um 10 Prozent besser geworden, aber es tut dennoch weh.. Damit es nicht so werde wie es bei Lukas beschrieben wird, dass von zehn geheilten Aussätzigen neun weglaufen, und nur einer daran denkt, umzukehren und Jesus zu danken.

Denken, Gesundheit und die Krise.

Dr. Kudrjacevs hat auch ein „Rezept“ für die heutige Situation. „Ein weiser Mensch sagte, dass in der heutigen Krisenzeit jeder das machen sollte, was er kann. Ganz persönlich und ganz nach der sich bietenden Möglichkeit, und dabei die Hauptsache nicht zu vergessen: sich nicht zu fürchten Man kann dabei vieles entdecken.- für den Lebensunterhalt und für die

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Lebensgestaltung. Dabei darf der Gedanke daran, wie der Staat für mich sorgt, nicht im Vordergrund stehen, denn neben den staatlichen Einrichtungen gibt es noch anderes, wie zum Beispiel andere menschliche Beziehungen. Dafür sollte man elastisch sein, denn man könnte dir eine andere Arbeit anbieten als die, welche du erlernt hast und in der du bisher tätig warst. Nimm sie an! Weshalb nicht? Probiere etwas Neues aus. So mancher sagt ängstlich: Ich bin schon 50 Jahre alt und kann nichts anderes! Das bedeutet gar nichts, wie alt  du bist! Über eine deutsche Filmregisseurin wird berichtet, dass sie noch mit 70 Jahren das Sporttauchen erlernt hatte. Sie starb im Alter von 101 Jahren. In einem solchen Fall würde ich nicht sagen: „Ich bin schon 58 Jahre alt,“ sondern „ich bin erst 50 Jahre alt.“ Wenn jemand richtig leben würde, dann könnte er 180 Jahre alt werden. Wir müssen unser Lebensgefühl stimulieren und trainieren! Jeden Tag!

Chefredakteurin: Inga Reča

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Übersetzung: Johannes Baumann (abgeschlossen am 28.2.2ßß9)

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Nachwort des Übersetzers

Nach einigen Unregelmäßigkeiten bei dem Postversand, der die Reihenfolge der Ausgaben ein wenig durcheinander gebracht hat, bin ich mit dieser Nr. 7 wieder im richtigen Rhythmus.. Ich hoffe, dass meine getreue Leserschaft mir das fehlende Nachwort in Nr. 5 nicht verargt, aber es war einfach kein Platz da, und nur wegen des Nachwortes wollte ich nicht eine neue Seite beginnen.

Inga Reča ist von ihrer Grippe genesen und in der Lage, wieder die neue Spalte der Redaktion zu Papier zu bringen. Persönlich hat mich in dieser Ausgabe der Beitrag über Blīdene sehr berührt. Kurz vor seinem Tode habe ich noch den Gemeindeleiter Edgars Vanags kennen gelernt, der diese Gemeinde (die ihre Kirche durch die Kämpfe im Kurlandkessel verloren hat) mit ganzem Herzen und ganzer Seele geleitet hat. Mit Freude lese ich in dieser Ausgabe, dass seine Tochter Sanita, die in den Jahren davor ihrem Vater immer bei dem Schriftverkehr und den sonstigen Büroarbeiten zur Hand gegangen ist, von der Kirchengemeinde zur neuen Gemeindeleiterin gewählt worden ist. Beeindruckt hat es mich auch, dass es gerade diese Gemeinde ohne ein Kirche ist, die die Gemeinschaft unter den benachbarten Kirchengemeinden treu aufrecht erhält – auch ein Erbe des verstorbenen Gemeindeleiters Edgars Vanags. Übrigens ist Blīdene immer noch auf der Suche nach einer deutschen Partnergemeinde. In einer EMail von Sanita Vanaga an mich gab es die Anfrage, wie die Kirchengemeinde zu Abendmahlsgeräten kommen könnte für die Gottesdienste, die sie im Winter im Rathaus  und im Sommer im Freien neben der Kirchenruine hält. Ich konnte da nicht konkret helfen, und hoffe, dass sich dafür einmal eine Lösung findet.

Eine gesegnete Fastenzeit wünscht Ihnen Ihr J. B.

Verfasst von: liefland | Februar 14, 2009

Ausgabe Nr. 6 (1785) vom 14. Februar 2009

Die Gebote des Herrn sind lauter und erleuchten die Augen.   Psalm 19,9

Auszüge aus Svētdienas Rīts, Zeitung der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, herausgegeben von ICHTYS GmbH, erscheint seit Januar 1920.

Sonntag Sexagesimae     Ausgabe Nr. 6 (1785)  vom  14. Februar 2009

Spalte der Redaktion.

Liebesbriefe Ingrīda Briede, Journalistin der Kirchenzeitung „Svētdienas Rīts“

Am 14. Februar wird der Valentinstag gefeiert. Die ersten Anzeichen dafür, dass dieser Tag näher rückt, zeigen sich darin, dass man in den Geschäften rosa Herzchen, kleine Kerzen und entsprechende Geschenke entdeckt. Auf den Straßen bemerkt man fröhliche junge Menschen mit Blumen in der Hand. Die Meinungen über den Valentinstag sind durchaus geteilt – die einen wünschen einander Glück, andere sind traurig, dass ihnen niemand Glück wünscht, andere sind wiederum empört über den Einbruch des Amerikanismus in die lettische Tradition und den kommerziellen Charakter dieses Festes.

Der Valentinstag ist bei allen Verliebten und Liebenden sehr beliebt, denn sie feiern ihre Liebe, ihre Beziehung und ihre Freundschaft gerne. Die Liebe nimmt sich Zeit und wird weitergeschenkt.

Doch das gleiche betrifft auch auf unsere Beziehung zu Gott. Auch ihr müssen wir Zeit widmen und sie pflegen. Am 14. Februar werden im norddeutschen Osnabrück viele Menschen ungewöhnliche Liebesbriefe erhalten, nicht in ihrem Briefkasten, sondern wenn sie durch die Stadt gehen, um in Geschäften oder auf dem Markt etwas einzukaufen. Der Absender des Briefes wird sie überraschen – Gott! Im Brief können sie lesen: „Ich liebe Dich! Ich würde mich gern mit Dir persönlich treffen – zum Beispiel heute von 12 bis 19 Uhr in der St. Marienkirche unweit vom Rathaus. Ich werde dort sein! Gott.“ Kirchengemeinden in Osnabrück möchten Menschen zu einem Treffen in der St. Marienkirche im Stadtzentrum einladen. Das Gotteshaus wird für ein Rendezvous mit dem Allerhöchsten den ganzen Tag offen sein. Jeder ist eingeladen zu einem Augenblick der Stille zusammen mit Gott. Er kann eine Gebetskerze entzünden, sich segnen lassen oder auch mit anderen Christen über Gottes Liebe reden. Doch mit Gott kann man sich immer treffen. Er ist immer zu einem Gespräch bereit und seine Liebe und Güte ist alle Morgen neu..

Auch in dieser Ausgabe unserer Zeitung schreiben wir etwas über die Begegnung, die Beziehungen und die Zeit gemeinsam mit Gott. In seiner Predigt ruft Pfarrer Rinalds Grants auf, zum Grund unseres Glaubens zurückzukehren und die Beziehungen zu Jesus Christus neu zu gestalten. Die Kirche von Sloka lädt bereits seit 155 Jahren zur Begegnung mit Gott ein, und in Riga kamen Sonntagsschulkinder zusammen, die Geschenke an Jesus angefertigt hatten

Der Kirchenvater Augustin hat gesagt: „Gott liebt jeden von uns so sehr, als ob Er außer uns sonst niemanden hätte, dem Er Seine Liebe schenken könnte.“ Ich wünsche Euch eine mit Liebe gefüllte Zeit mit Ihm!

Gebet, das die ganze Nacht füllt. Kristīna Soloha.

In der Nacht vom 20. auf den 21. Februar werden bereits zum zweiten Mal Christen im Jugendzentrum zusammenkommen, um die Zeit im gemeinsamen Gebet, im Lob und Dank an Gott zu verbringen. Jeder ist dazu herzlich eingeladen, der die Gemeinschaft mit den Brüdern erfahren möchte, aber über allem anderen – die Gemeinschaft mit dem Vater.

Die Gebetsnacht ist eine ganz besondere Weise, die Fastenzeit zu beginnen. Man trifft ab ½ 9 Uhr an Abend in der Mārstaļa iela 10  ein, und dann beginnt der Gottesdienst mit Gebet und Lobgesang, mit Bibelarbeit über das Fasten, Gebeten aus Taize, Zeugnissen und Gemeinschaft während der ganzen Nacht. Der Heimweg ist für 6 Uhr am Morgen geplant, zu Beginn des Verkehrs der Straßenbahnen. Den Kern der Organisatoren der Gebetsnacht bilden

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sieben junge Menschen: Linda, Ulvis, Dzirkstīte, Kristaps, Leida, Pēteris und Esmeralda.  Auf die Frage, weshalb sie sich, statt für den Schlaf in der Nacht sich dafür entschieden hätten, die Nacht im Jugendzentrum zu verbringen, laden sie junge Menschen ein, zu kommen, um sich zu stärken, und auch um Antworten zu finden. Ulvis erinnert daran. dass es in unserer Zeit schwer ist, innezuhalten, um auf das Gebet von Gott eine Antwort zu erhalten, doch in dieser Nacht gäbe es dazu eine Möglichkeit. Da wir in einer recht schnellen Zeit leben, sehr besetzt und von vielen Dingen überhäuft sind, erkennt Leida, dass sie in dieser Fastenzeit sehr gerne zuerst ihren Tag in der Gemeinschaft, in der Stille und im Frieden  mit Gott verbringen  möchte, nicht abgelenkt durch das Radio, Fernsehen und das Klingeln des Telefons… Die Gebetsnacht soll etwas wie eine kleine Einführung in die Fastenzeit sein, wo junge Menschen etwas davon erfahren können, was Fasten bedeutet, und weshalb es wichtig ist.

Linda flüstert uns zu, dass der Abschluss der Gebetsnacht um 6 Uhr am Morgen interessant werden sollte. Aber das müsste vorerst ein Geheimnis bleiben. Kristaps sagt, dass die Gebetsnacht ein kleines Wunder werden sollte, das aber jeder selbst erleben muss.

Die evangelisch-lutherische Kirche von Sloka ist 155 Jahre alt. Ilze Austruma

„ Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt.“

Im Februar feiert die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Sloka ein ganz besonderes Fest. Am 1. Februar beging man das 155 jährige Jubiläum der Kirche und feierte auch einen Dankgottesdienst anlässlich des Abschlusses des ersten Bauabschnittes der Kirchenrenovierung.

Den Gottesdienst leitete Pfarrer Jānis Saulīte und die Predigt hielt Pfarrer Krists Kalniņš, der vor Kurzem von seinem 4 Jahre langen Einsatz bei der lettischen evangelisch-lutherischen Zionsgemeinde in Chicago in den USA zurückgekehrt ist. Den Festgottedienst gestalteten musikalisch das Vokalensemble „Laudate“ (Leitung Guntars Prānis) und das Handglocken-

Ensemble „Glocken von Sloka“ (Leitung Jānis Lubējs) sowie der Chor der Gemeinde unter der Leitung von Māra Gulbe.

Das jetzige Kirchengebäude von Sloka wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut und am 31, Januar 1854 geweiht. 1969 und danach 1902-1903 wurde es nach einem Projekt des Architekten W. Bockslaff  erweitert und an die Kirche wurde eine große Sakristei angebaut, Das Aussehen des Altars und der Kanzel wurde verändert. Das Altarbild „Golgatha“ stammt aus dem Ende des 19. Jahrhunderts und ist eine Arbeit von A. Hanisch.

Am 31. August 1903 konnte die Gemeinde in ihr gründlich erweitertes Gotteshaus hineingehen. Zum Festgottesdienst läutete die neu gegossene Bronzeglocke.

Seit dem Jahr 1929, als das 75 jährige Jubiläum des Gotteshauses gefeiert wurde, ziert den Haupteingang eine Platte mit der Überschrift „Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren.“

2004 wurde mit der Renovierung des Kirchendaches, der Vergoldung des Kreuzes und dem neuen Anstrich der Kirchenfassade begonnen. Die Gemeindeleitung sprach im Gottesdienst allen Spendern und allen, die uneigennützig bei den Renovierungsarbeiten mitgeholfen haben, ihren Dank aus. „Mit Gottes Hilfe und der Unterstützung von jedem von Euch können wir heute Gott Dank sagen für alles, was erreicht werden konnte,“ sagte Pfarrer Jānis Saulīte in seiner Dankesrede

Paramente für die Alte St. Gertrudkirche Ein Bericht von Ieva Granta

„Als ich vor einigen Jahren die Paramente des Altars der Alten St. Gertrudkirche betrachtete, begriff ich, dass viele von ihnen ihren Dienst getan hatten und anderen bestimmte Teine fehlten. Das war für mich der Anlass, diese Arbeit ernsthaft zu beginnen. Paramente sind häufig ein großer Schatz und eine große Freude der Gemeinde, besonders in Situationen, in

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denen eine Gemeinde einen großen Bedarf an anderen Dingen wie Heizung und Renovierung usw. hat .  Weil ich selbst nähen kann, sah ich darin kein Problem, selbst die Paramente zu nähen. In diesem Fall war nur das einzige Störende die fehlende Zeit, die natürlich bei einer solchen Arbeit investiert werden muss, und das ist nicht wenig. Ich sprach Leute an, die vielleicht bereit waren, mit bei dem Anfertigen der Paramente Hand anzulegen und so entstand ein Kreis dienender Menschen. Ihr Lohn war das Empfinden von Zufriedenheit darüber, dass es gelungen ist und darüber, dass wir gemeinsam etwas zum Wohl unserer Kirchengemeinde tun konnten. Vor etwa 3 Jahren entstanden violette Paramente für den Altar.

Für den vollen Bestand waren noch etwa 15 Teilstücke geplant. Doch ich muss ehrlich zugeben, dass wir alles bisher noch nicht geschafft haben.

Jetzt arbeiten wir an den weißen Paramenten. Bei diesem gemeinsamen Schaffen hatten wir das Empfinden, dass wir und die Gemeinde dabei mehr gewonnen haben, als wenn wir ein teueres Sortiment von Paramenten irgendwo gekauft hätten.

Wenn man an eine solche Arbeit herangeht, ist es wichtig, eine gemeinsame Konzeption zu finden, Symbole zu wählen und eine Zeichnung anzufertigen, die dem Innenraum der Kirche „entspricht“. Die Alte St. Gertrudkirche ist ein wunderschöner neugotischer Bau, und der Innenraum ist nach Vorbildern aus der Zeit der Gotik gestaltet. Die Gotik wurde damals als Quelle der Inspiration genutzt. Ich verzichtete auf die Merkmale der deutschen Romantik der 19./20. Jahrhundertwende, und bemühte mich, meine Ideen bestimmten theologischen Anforderungen anzupassen. Bei dem Anfertigen der weißen Paramente nahmen wir uns die violetten zum Vorbild und freuen uns weiterhin darüber, was wir damals geschafft hatten. Ich hoffe, dass sich auch die Gemeinde darüber freuen wird. Jede verantwortungsvolle und ehrliche Arbeit für Christus bleibt nicht ohne Frucht, und es ist schön, dass wir die uns geschenkte Zeit Gott zurückgeben konnten durch unseren Dienst Ihm zu Ehren.

Liebe Leser unserer Kirchenzeitung „Svētdienas Rīts“!

In dieser Zeit, da viele Zeitungen in Lettland einen großen Teil ihrer treuen Leserschaft verloren haben, können wir Sie mit Freude darüber informieren, dass die Zahl unserer Abonnenten sich spürbar vergrößert hat, und dass damit das Interesse der Einwohner unseres Landes an geistlichen Dingen wächst.

Wir sind unseren Lesern, die unsere Zeitung kaufen oder abonnieren, und das auch weiterhin tun möchten, von Herzen dankbar. Gott segne Sie reichlich!

Chefredakteurin: Inga Reča

Anschrift der Redaktion: Alksnāja iela 3 .- Riga- LV 1050

E-Mail-Adresse: svetdienasrits@apollo.lv

Übersetzung: Johannes Baumann (abgeschlossen am 18.02.2009)

Brucknerstr. 24.-  D-27711 Osterholz-Scharmbeck

Telefon: 04791-13356

E-Mail-Adresse: baumann-ohz@arcor.de

Nachwort des Übersetzers

Meiner verehrten Leserschaft wird es aufgefallen sein. dass die Spalte der Redaktion in dieser Ausgabe nicht von Inga Reča sondern von Ingrīda Briede verfasst ist. Das ist eins der vielen Zeichen dafür, dass die zur Zeit in Riga herumgeisternde Grippe auch nicht an der Redaktion vorbeigehuscht ist. Inga hat es besonders schwer erwischt, doch inzwischen  ist sie wieder so

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weit hergestellt, dass sie sich in der Redaktion wieder blicken lassen kann. Meine besten Wünsche gehen nach Riga in der Hoffnung, dass diese Epidemie dort bald ihr Ende finden möge. Die in Ingrīdas Spalte erwähnte Predigt von Rinalds Grants von der Alten St. Gertrudgemeinde habe ich nicht übersetzt, obwohl ich sie sehr gut finde, weil sie doch recht lang geworden ist.

Sehr gefreut hat mich die Nachricht, dass SR in dieser Zeit, in der wegen der wirtschaftlichen Misere die Zahl der Leser anderer Zeitungen spürbar zurückgegangen ist, SR sich sogar einer

anwachsenden Leserschaft erfreuen kann. Dazu meine Glückwünsche, verbunden mit der Hoffnung, dass diese Tendenz noch lange anhalten möge.

Obwohl Lettland schon eine ganze Weile zur EU gehört, scheint die Postverbindung hierher immer noch einige Haken und Ösen zu haben, denn die Nr. 5 hat mich immer noch nicht erreicht, obwohl mir die Redaktion versichert, dass sie   mir diese Ausgabe rechtzeitig abgeschickt hätte.. Ich werde mich, sobald ich sie in der Hand habe, an deren Übersetzung machen.

Meine besten Wünsche gehen in dieser winterlich ungemütlichen Zeit an Sie alle!   J.B.

Verfasst von: liefland | Februar 7, 2009

Ausgabe Nr. 5 (1784) vom 7. Februar 2009

Zuflucht ist bei dem alten Gott und unter den ewigen Armen.   5. Mose 33,27

Auszüge aus Svētdienas Rīts, Zeitung der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, herausgegeben von ICHTYS GmbH, erscheint seit Januar 1920.

Sonntag Septuagesimae          Ausgabe Nr. 5 (1784)  vom  7. Februar 2009

Spalte der Redaktion      Wärme gegen die Kälte. Ingrīda Briede, Journalistin von SR

Zwischen dem Christfest und Neujahr hatte ich eins meiner schönsten Erlebnisse in der letzten Zeit. Das war ein Gottesdienst in einem Kirchlein auf dem Lande am Sonntag um die Mittagszeit. Einer der Gründe, weshalb ich dorthin gefahren bin, war der, dass ich gehofft hatte, dass es dort wärmer sein würde als in meiner Kirche. Doch in der Kirche erwartete uns eine unangenehme Überraschung – der Strom war weg, und mit ihm auch die Heizung. Draußen war es sehr kalt, und die Temperatur in der Kirche unterschied sich nicht wesentlich von der draußen. Im Gotteshause wurden Kerzen angezündet, und je weiter die Sonne unterging, um so dunkler und immer dunkler wurde es in der Kirche. Das Wasser im Taufbecken war gefroren und bei dem Singen der Lieder wurde der Atem der Teilnehmer am Gottesdienst sichtbar. Der Pfarrer behielt bei der Predigt die Handschuhe an, damit ihm die Finger nicht völlig abfrieren sollten und bei der Austeilung des Abendmahles ganz steif würden. Doch weshalb nannte ich  zu Beginn meines Beitrages diesen Gottesdienst eins der schönsten Erlebnisse in der letzten Zeit? Obwohl es innen und außen sehr kalt war, erwärmte uns die herzliche Wärme. Außer dem Pfarrer und dem Organisten waren nur sieben Menschen in der Kirche, die zusammenrückten. Man reichte mir von hinten eine Wärmflasche, die man auf dem Schoß behalten konnte, um sich zu wärmen. Den Friedensgruß unterstrichen das Lächeln und herzliche Umarmungen. Die Lieder erklangen besonders flott, denn die elektronische Orgel konnte aus den bekannten Gründen auch nicht gespielt werden. Bei dem Singen bewegten wir uns etwas mit, um uns damit auch etwas Wärme zu machen. Bei den Lesungen nahm der Lektor das Lektionar vom Pult und ging näher an das Fenster heran, um etwas mehr Licht zu haben. Wir freuten uns über den ungewöhnlichen  Glanz der vielen kleinen Kerzen Bei dem Verlassen der Kirche sagte eine Frau ganz bescheiden dem Pfarrer: „Danke für den Güttesdienst“, und fügte zögernd hinzu: „Einen etwas wärmeren Raum hätte ich mir doch gewünscht.“ Das brachte uns alle zum Lächeln.

In dieser Ausgabe unserer Kirchenzeitung ist vieles über die Wahl der Kirchengemeinderäte zu lesen die zur Zeit in allen Kirchengemeinden stattfinden oder demnächst stattfinden werden. Die Kirchengemeinderäte sind es, die  Wärme in die Kirchen bringen, wobei ich nicht nur an die elektrisch betriebenen Kirchenheizungen denke, sondern auch an das ganze Gemeindeleben so, dass sich jeder wohl fühlen und geistlich wachsen, und dass die Gemeinde das Licht in die Umgebung ausstrahlen  möchte. Doch leider hören wir ab und an, dass manchen in den Kirchengemeinderäten die Motivation und Freude für ihren Dienst fehlt, und dass so mancher diesen Dienst nur ungern übernimmt. In seinem Beitrag erläutert Pfarrer Dzintars Laugalis, der Leiter der Abteilung für Angelegenheiten der Kirchengemeinden im Oberkirchenrat, den Ablauf der Wahl, und was dabei an Bestimmungen und Terminen zu beachten ist, Doch allem anderen voran geht auch bei ihm der Aufruf zur Fürbitte um Weisheit, zu erkennen, welche Menschen die Gaben und das Geschick für diesen Dienst haben, und die sich nicht durch persönliche Interessen, Sympathien oder Antipathien leiten lassen.

Am 8. Februar beginnt in unserer Kirche die Vorfastenzeit. Im Evangelium hören wir das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg. (Matthäus 1-16a). Wie sehr entspricht es doch auch der Wahl der Kirchengemeinderäte! Hoffen wir, dass wir nicht zu denen gehören, die darüber murren und unzufrieden sind, dass der Herr gütig ist, sondern die ihren Dienst mit Freude und Dankbarkeit dafür verrichten, dass wir berufen und auserwählt sind.

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In den Kirchengemeinden finden die Wahlen der Kirchengemeinderäte, der Revisoren und der Kirchengemeindevorstände statt. Ingrīda Briede

Im Augenblick haben wir in unserer Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands eine spannende Zeit: es finden die Wahlen der Kirchengemeinderäte, der Revisoren und der Kirchengemeindevorstände statt. In vielen Gemeinden haben sie bereits stattgefunden, und in vielen bereitet man sich noch darauf vor. Wir haben den Leiter der Abteilung für Angelegenheiten des Geistlichen  Personals und der Kirchengemeinden in der ELKL Pfarrer Dzintars Laugalis gebeten, uns etwas über die Aktualitäten und das Wesentliche bri der Wahl der Kirchengemeinderäte zu berichten.

Zuerst erinnert Dzintars Laugalis daran, dass eine Gemeindeversammlung der Kirchengemeinde die Bestimmungen des Kirchengemeindegesetzes bestätigen muss. An manchen Orten herrscht Unverständnis darüber, weshalb diese Bestimmungen immer wieder zu bestätigen sind, auch wenn sie sich nicht geändert haben. Doch das ist ein Text, den die Synode in dieser Fassung beschlossen hat, und den wir nicht ändern können. Da die Kirchengemeinden einen öffentlich rechtlichen Status haben, ist das notwendig, um den staatlichen Voraussetzungen im Blick auf das Registrierungsverfahren zu entsprechen. Zur Zeit werden die Kirchengemeinden  im Register der Unternehmen in der Republik Lettland aufgenommen, sie werden also nicht, wie früher in der Verwaltung für Angelegenheiten der Religion registriert. Das erfordert von uns einen größeren bürokratischen Aufwand, aber wir müssen das alles beachten.

Die Kirchengemeinderäte und die Revisoren werden von den Gemeindegliedern in einer Gemeindeversammlung gewählt. Demgegenüber wird der Kirchengemeindevorstand von den Mitgliedern des Kirchengemeinderates aus ihrer Mitte gewählt. Damit das alles mit Erfolg geschähe, empfehlen die Mitglieder der Abteilung für die Angelegenheiten der Kirchengemeinden, die Bestimmungen und Wahlvorschriften aufmerksam zu lesen und die dort angegebenen Termine zu beachten, welche Beschlüsse bis zu welchem Zeitpunkt zu fassen sind. Die letzten Wahlen der Kirchengemeinderäte haben vor drei Jahren stattgefunden, und deshalb müssen in diesem Jahr fast alle Kirchengemeinderäte neu gewählt werden. Besonderes  Betont werden muss, dass die Wahl der Revisoren besonders stattfinden muss. Diese sind nicht mehr ein Teil des Kirchengemeinderates wie bisher sondern wirken souverän, und werden deshalb besonders, und nicht zusammen mit den Mitgliedern des Kirchengemeinderates gewählt.

Die zur Zeit geltende Verfassung mit den Bestimmungen über die Wahl verfügen, dass die Kirchengemeindenselbst bestimmen können, auf wie lange Zeit ein Kirchengemeindevorstand gewählt worden ist. Diese Zeit kann von 3 bis 7 Jahren lang sein, in Ausnahmefällen darf sie mit der Genehmigung de Propstes auch zwei Jahre lang sein. Hat eine Kirchengemeinde über die Länge der Wirkungszeit eines Kirchengemeinderates keinen eigenen Beschluss gefasst, dann wird er auf drei Jahre gewählt, wie es bisher üblich war. Ebenso beschließt die Kirchengemeinde, aus wie viel Gliedern der Kirchengemeinderat und die Revisionskommission besteht. Der Kirchengemeinderat muss aus mindestens zehn Personen bestehen, in besonderen Fällen dürfen es mit schriftlicher Genehmigung des Propstes weniger sein. Die Revisionskommission muss aus mindestens zwei Personen bestehen. Der Leiter und der Schatzmeister einer Kirchengemeinde dürfen miteinander nicht nahe verwandt sein und auch zu keinem Mitglied der Revisionskommission in einem verwandtschaftlichen Verhältnis stehen. Die Tätigkeit der Revisoren regeln die von der Synode herausgegebenen Bestimmungen über Revisionen. Sind diese nicht im Besitz einer Kirchengemeinde, dann sind sie in der Abteilung für Angelegenheiten der Kirchengemeinden zugänglich. Ein Pfarrer einer Kirchengemeinde ist automatisch auch Glied des Kirchengemeinderates und Kirchengemeindevorstandes., deswegen braucht er nicht in den Kirchengemeinderat gewählt

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zu werden. In außerordentlichen Fällen darf er seine Zustimmung geben, Gemeindeleiter zu sein, was aber nicht wünschenswert wäre.

Wichtig ist, zu beachten. dass in jeder Kirchengemeinde zwei Gemeindeversammlungen stattfinden müssen. Die erste von ihnen musste bereits 2008 stattfinden. Diese musste bestimmen:

  • wie lange der nächste Kirchengemeinderat im Amt bleibt;
  • wie groß der nächste Kirchengemeinderat sein wird;
  • wieviele Revisoren die Kirchengemeinde haben wird;
  • wählt eine Nominierungskommission, welche die Auslese der Bewerber für die Wahl des Kirchengemeinderates trifft. Die Nominierungskommission soll auch Menschen für den Dienst in der Kirchengemeinde motivieren. Die Kommission kann unterschiedlich groß sein. Auf jeden Fall muss ihr der Pfarrer der Gemeinde angehören

Der Nominierungskommission einer Kirchengemeinde ist eine Zeit von mindestens zwei Monaten einzuräumen zum Ansprechen von Bewerbern für das Amt des Kirchengemeinderates und zum Erstellen eines Verzeichnisses der Bewerber., das spätestens einen Monat vor der Wahl der Kirchengemeinde vorliegen und ihr vorgestellt werden  muss. Das geschieht durch Bekanntgabe auf dem Anschlagsbrett. und Falls ein solches nicht vorhanden ist. durch mündliche Vorstellung in Gottesdiensten und Gemeindeveranstaltungen. Das Verzeichnis muss mindestens so viele Namen enthalten wie viele Mitglieder der neue Kirchengemeindevorstand laut Beschluss der Gemeindeversammlung haben soll. Ohne die Empfehlung der Nominierungskommission kann kein Gemeindeglied Bewerber für den Kirchengemeinderat werden. Doch Gemeindeglieder können auch ihre eigenen Bewerber vorschlagen oder auch selbst ihre Bereitschaft aussprechen, im Kirchengemeinderat mitzuarbeiten. Es ist gut, wenn es mehr Bewerber gibt als zu wählende Mitglieder.

Die Mitarbeiter der Kommission für Angelegenheiten der Kirchengemeinden haben festgestellt, dass ein bedeutender Teil der Gemeindeversammlungen noch nicht stattgefunden hat, und damit ein großer Teil dieser Voraussetzungen noch nicht erfüllt ist. Durch Beratungen mit dem Leiter der Unterabteilung Verfassungsrecht der Rechtskommission Linards Rozentāls  und nach einer Diskussion der gegenwärtigen Lage im Kapitel unserer Kirche wurde eine Lösung gefunden. Gemeinden, in denen bisher noch keine Gemeindeversammlung durchgeführt haben, dürfen in diesem Jahr beide Gemeindeversammlungen halten. Dabei ist zu beachten, dass zwischen beiden Versammlungen eine Frist von mindestens drei Monaten einzuhalten ist. Ist die Frist zwischen der Einberufung beider Gemeindeversammlungen  länger als es die Amtszeit des alten Kirchengemeinderates zulässt, muss der Kirchengemeinderat den Propst darum bitten, dass es für die Übergangszeit einen vorläufigen Kirchengemeindevorstand einsetzt.

Dieser vorläufige Kirchengemeindevorstand nimmt die Rechte des Kirchengemeinderates und des Kirchengemeindevorstands wahr. Hierbei steht die Kommission für Angelegenheiten der Gemeinden beratend zur Verfügung.

Der jetzige Kirchengemeinderat setzt den Termin für die Gemeindeversammlung , in der die Wahl stattfindet, fest. Sie muss drei Monate vor dem Ablauf der Amtszeit des alten Kirchengemeinderates stattfinden. Derm Kirchengemeinderat muss seine Beschlüsse dem Propst zur Kenntnis geben, Für die Vorbereitung der Wahl ist der Kirchengemeindevorstand zuständig.

In der zweiten Gemeindeversammlung findet die Wahl des neuen Kirchengemeinderates und der Revisionskommission statt. Die Wahl ist geheim. Jedes Gemeindeglied erhält zwei  Wahl-

scheine – einen für die Wahl des Kirchengemeinderates und einen für die Wahl der Revisionskommission. Positiv formuliert: Jeder Wähler kann so viele so vielen Bewerbern

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seine Stimme geben, wie hoch die Zahl der Sitze war, welche sie Gemeindeversammlung davor beschlossen hatte. Negativ formuliert:  Der Wähler streicht Namen von Bewerbern aus der Liste, so dass auf dem Wahlschein nicht mehr Namen unausgestrichen blieben als für die Wahl zum Kirchengemeinderat notwendig sind. Man kann auch noch mehr ausstreichen, aber nicht weniger.

Falls ein Bewerber bei der Wahl nur ganz wenige Stimmen erhalten hat, dann sollte er überlegen, ob es sich für ihn lohnt, unter diesen Voraussetzungen im Kirchengemeinderat mitzuarbeiten. Dennoch möchte ich darauf hinweisen, dass die Verfassung und die Wahlbestimmungen ihm die Möglichkeit eröffnen, auch in diesem Fall  im Kirchengemeinderat mitzuarbeiten.

Mit dem Tage seiner Einführung, die im Rahmen eines Gottesdienstes stattfindet, übernimmt der neue Kirchengemeinderat alle Rechte und Pflichten. Bis dahin bleibt der alte Kirchengemeinderat noch im Amt.

Dzintars Laugalis ruft alle auf, sich an der Wahl des Kirchengemeinderates aktiv zu beteiligen und für das Gelingen der Wahl zu beten, sowie bei der Stimmabgabe zu überlegen, welcher Bewerber für die Mitarbeit im Kirchengemeinderat am besten geeignet ist.. Er bittet auch alle Gemeindeglieder, ihre Mitarbeit  im Kirchengemeinderat nicht zu verweigern, sowie diejenigen, die sich für diese ehrliche und verantwortungsvolle Arbeit zur Verfügung gestellt haben, zu achten und für sie zu beten.

Alvīne Ūbele aus Ķegums ist 100 Jahre alt geworden. Silvija Grunte, Ev.-luth.       Kirchengemeinde Ķegums

Alvīne Ūbele, Glied der ev.-luth. Kirchengemeinde Ķegums ist 100 Jahre alt geworden. Nicht einfach 100 Jahre, sondern 100 Jahre eines Christenmenschen! Bereits seit dem  5. Februar 1909, als sie in eine Familie von Christen hineingeboren  wurde, war sie Gemeindeglied der Kirchengemeinde Krustpils, wo sie auch in der dortigen Kirche getauft, konfirmiert und 1940 mit Kārlis Ūbelis getraut wurde.

Doch ihre Lebensjahre danach sind ständig mit Ķegums verbunden. Dort gab es zwar keine Kirchengemeinde und kein Gotteshaus; deshalb schloss sich Alvīne der Kirchengemeinde in Lielvārde an, wo ihr Töchterlein Elga 1943 auch getauft wurde. Nach dem Krieg, als es zur Zeit der sowjetischen Besatzung für Christen bedeutete, Repressalien unterworfen zu sein, wurde die Kirche von Lielvārde zugenagelt, die wunderschönen Farbfenster ein geschlagen, und die Kirchengemeinde löste sich auf. Nur in der Kirche in Ogre, fast im Untergrund, fanden zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten Gottesdienste statt, zu denen Alvīne mit ihren christlichen Freundinnen immer anreisten, obwohl diese zu keiner Zeit und an keinem Ort bekannt gemacht wurden. Der langjährige Gemeindeleiter der Kirchengemeinde Ogre bewachte sie Kirche, und sorgte dafür, dass die Gemeindeglieder mindestens an den Festen Gott in ihrem Gotteshaus anbeten konnten. Das war eine demütigende und schwere Zeit für alle, die sich nicht den Gesetzen der Prediger des Atheismus unterwerfen wollten. Erst am Ende der 80er Jahre entstand die Kirchengemeinde Ogre unter Pfarrerin Sarmīte Fišere wieder neu. Alvīne, die inzwischen schon ein ehrwürdiges Alter erreicht hatte, konnte nun frei von Angst zur Kirche fahren. Eine große Freude war es für die christliche Greisin, als in Ķegums eine eigene Kirchengemeinde gegründet wurde, deren Gemeindeglied auch Alvīne seit 18 Jahren ist . Lange Jahre ließ sie keinen einzigen Gottesdienst aus. Erst jetzt, da sie seit über einem Jahr es nicht mehr schafft, die Treppe zum Gottesdienstraum im ersten Stock hinaufzusteigen, reicht ihr der Pfarrer regelmäßig das Abendmahl zu Hause. Mit Ungeduld erwartet Alvīnchen den Tag, an dem der angefangene Bau der Kirche von Ķegums fertig

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geworden ist und die Gottesdienste dort stattfinden können. Dann möchte sie wieder inmitten der betenden Gemeinde sein. Wenn man das ungewöhnlich muntere und stets lächelnde Frauchen fragt, welches das Geheimnis ihres ungewöhnlich langen Lebens sei, dann ist ihre Antwort äußerst kurz: „Arbeit und Gottes Gnade!“ Ja,  das Abendgebet und der Dank am Morgen sind der Abschluss und der Beginn ihres Tages. Sie hat immer bescheiden nach Gottes Geboten gelebt: „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu!“ Dadurch ist es ihr gelungen, nur Freunde und Menschen zu gewinnen, die ihr wohlgesonnen sind, und ihre Tochter Elga zu erziehen, die ebenso wie ihre Mutter ein aktives Gemeindeglied ist und ihrer Mutter eine gute und liebevolle Tochter. Auch wenn die Brust von Alvīne nicht mit prächtigen Orden und Auszeichnungen geschmückt und sie von irdischem Reichtum umgeben ist, ist sie glücklich und zufrieden, denn ihr Herz ist tiefer als ein Brunnen und ihr Gedächtnis reicher als eine Kornkammer.

Möge die Gesundheit, mit der Gott Alvīne ihr Leben lang reich gesegnet hat, sie weiterhin vor Krankheiten und Schmerzen bewahren!

Begegnung, um einander kennen zu lernen und lieb zu gewinnen. Santa Venta

Vor Seiner Kreuzigung bat Christus in Seinem Hohepriesterlichen Gebet um die Einheit der Christes: „Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen sie in uns eins sein.“ Der Apostel Paulus erinnert unentwegt an die Notwendigkeit. eins zu sein: „Ein Herr, eine Taufe, ein Glaube.“ Die okumenischen Konzile und die Kirchenväter waren um die Einheit der Kirche und  der Christen sehr besorgt. Und dennoch ist mehr als 2000 Jahre danach der Leib Christi, die Mutter Kirche gespalten und aufgeteilt. Gleichzeitig muss aber auch anerkannt werden, dass gerade im 20. Jahrhundert große Schritte bei dem ökumenischen Dialog, auf dem Gebiet der Einigkeit, der Organisation und gemeinsamer Veranstaltungen getan worden sind, und es wurden zu Beginn des 21. Jahrhunderts entscheidende Schritte bei der Fortsetzung dieses Weges getan. Einer dieser Schritte auf dem Wege zur Einheit ist die internationale Gebetswoche für die Einheit der Christen, die in jedem Jahr vom 18. bis zum 25. Januar begangen wird.

In einem Artikel anlässlich dieser Gebetswoche im Jahr 2009 betrachtet die okumenische Zeitschrift „Was uns vereint“ die Frage, was die Kirche ist, und versucht darin die Antwort zu finden, ob die Christen, wenn sie alle Kinder eines Vaters sind, auch die Kinder der einen Mutter Kirche seien. Um dem Zitat aus der oekumenischen Zeitschrift „Um einander lieb zu gewinnen, muss man sich kennen lernen, und um einander kennen zu lernen, muss man sich treffen“ zu folgen veranstaltete die Neue St, Gertrudgemeinde in Riga zusammen mit der Redaktion jener Zeitschrift am 21. Januar einen Gottesdienst, an dem Vertreter aller vier traditionellen Konfessionen Lettlands teilnahmen.

Die Neue St. Gertrudgemeinde kann auf einen großen Schatz aus dem Gebiet der ökumenischen Zusammenarbeit zurückgreifen. Dabei spielen die Erfahrungen, die Pfarrer Jānis Ginters selbst seit der Zeit der kommunistischen Verfolgung gemacht hatte, eine wichtige Rolle. Damals waren die wenigen Christen miteinaner bekannt, und in der Jugend geknüpfte Verbindungen sind sehr ausdauernd. Pater Zbigņevs ist vor kurzem aus Rom zurückgekehrt und sehr besetzt dadurch dass er die Alpha Kurse der Neuen St. Gertrudgemeinde mit leitet. Am Ende dieser Woche sagte er: „Hätte es diese Freundschaft von mehr als 20 Jahren nicht gegeben, hätte ich dem nie zugestimmt, eine Arbeit außerhalb meines unmittelbaren Dienstbereiches zu übernehmen.“

Ebenso sagten Oberpriester Nīls Druvaskalns, Diakon Gunārs Konstantinovs und Kapuzinerfrater Aldis Ziemelis, dass sie wohl kaum an den Veranstaltungen in der Neuen St. Gertrudgemeinde teilgenommen hätten, wenn es diese ganz alten Bindungen mit dieser Gemeinde nicht gegeben hätte. Es fing mit den ökumenischen Kontakten der Neuen St.

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Gertrudgemeinde zu den benachbarten Gemeinden an – mit der orthodoxen Himmelfahrtsgemeinde mit Vater Nīls  Druvaskalns,  der katholischen Christ König Gemeinde mit Pater Edvards Pavlovskis. So überrascht der Besuch bestimmter ökumenischer Brüder und Schwestern in der Neuen St. Gertrudgemeinde keinen mehr.. Immer häufiger kann man in der Gemeinde Augenblicke erleben, die einen in den Vorhof des Paradieses versetzen, wie das auch am 21. Januar der Fall war, als alle an Christus Glaubenden miteinander vereint waren. Zum Gottesdienst am 21. Januar waren alle eingeladenen ökumenischen Gäste gekommen: Oberpriester N. Druvaskalns, Pater Andris Priede, Pfarrer Olegs Jermulajevs, die ökumenischen Partner aus der Christ König Gemeinde, die ökumenischen  Freunde  Pater Andris Kravalis, Diakon Gunars Konstantinovs, die Karmelíter- und Dominikanerschwestern und Kapuzinerbrüder.

Nach dem Gottesdienst blieb die Gemeinde auf Einladung des Diakoniekreises der Kirchengemeinde im Diakoniezentrum zu einem Gemeinschaftsmahl zusammen, bei dem es auch die Möglichkeit des Erfahrungsaustausches im Blick auf die ökumenische Bewegung in Lettland gab. Leider konnte der „Patriarch“ der ökumenischen Bewegung Sandris Riga an dieser Veranstaltung nicht teilnehmen, in der Pater Z. Stankēvičs über die erste Welle der Bewegung berichtete, die von der Obrigkeit verfolgt und durch Verhaftungen begleitet wurde, die auf das Jahr 1983 zurückging. Alles musste geheim geschehen. Nach 1987  erlebte die Bewegung ihre Wiedergeburt und ihre „zweite Welle.“  Während dieser Zeit nahm auch Sandra Gintere an den Treffen der von dem aus der Gefangenschaft entlassenen Sandris Riga und Zigņievs geleiteten Gruppe teil. Die Aktiven dieses ökumenischen Kreises kamen mit den jungen lutherischen Pfarrern und ganz besonders mit der Bewegung „Wiedergeburt und Erneuerung“ in engen Kontakt. Andra Done hat wiederum einen anderen Weg beschritten  Als sie die zweite Ausgabe ihrer ökumenischen Zeitschrift „Was uns eint“ in der Bibliothek der Luther Akademie vorbereitete, erfuhr sie von dem ökumenischen Kreis von Sandris Riga.                                                                                                                           Der Gottesdienst am 21. Januar und das Beisammensein in der Gemeinschaft danach machten noch einmal deutlich, dass es dort, wo die Kirche – der Leib Christi – gespalten ist, auch Christen gibt, denen das sehr weh tut, und die bereit sind, sich für die Einheit einzusetzen. Christi Hohepriesterliches Gebet mit der Bitte „auf dass sie alle eins seien“ ist eins der grundlegenden Gebete. Sandris Riga hat das Gebet für einen ökumenischen Rosenkranz gestaltet. Es ist aktuell und wird aktuell bleiben, solange Christen noch an getrennten Tischen das Brot brechen werden. Die Einheit unter den Christen wird auch „auf höchster Ebene“ bei den Kirchenleitungen  gesucht im Dialog zwischen dem Lutherischen Weltbund und dem päpstlichen  Einheitssekretariat. Der Rat Europäischer Kirchen (Vereinigung protestantischer und orthodoxer Kirchen)   und der Europäische Bischofsrat haben 2001 die Europäische Charta unterzeichnet wo es in § 1 heißt, dass die Eucharistische Gemeinschaft das Ziel der ökumenischen Zusammenarbeit sei. Dabei muss auf den Gebieten weiter kooperiert werden, bei denen die Einigung erreicht worden ist. Solche Gottesdienste wie der am 21. Januar ist dafür ein gutes Beispiel und ein wichtiger Schritt  auf dem Wege zur Einheit auf der Ebene der Gemeinden vor Ort, um sich zu begegnen, kennen und lieben zu lernen, wie Christus uns geliebt hat.

Chefredakteurin: Inga Reča

Anschrift der Redaktion: Alksnāja iela 3 .- Riga- LV 1050

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Übersetzung: Johannes Baumann (abgeschlossen am 25.2.2009)

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Verfasst von: liefland | Januar 31, 2009

Ausgabe Nr. 4 (1783) vom 31. Januar 2009

Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

Lukas 19,10

Auszüge aus Svētdienas Rīts, Zeitung der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, herausgegeben von ICHTYS GmbH, erscheint seit Januar 1920.

Letzter Sonntag nach Epiphanias        Ausgabe Nr.  4 (1783)  vom 31. Januar 2009

Die Alte Gertrud bekommt ihre Türmchen wieder Ingrīda Briede

Obwohl es zur Zeit erst 3 von 60 sind, so hat die Alte St. Gertrudkirche  ihre ersten kleinen Türmchen wieder zurück bekommen, die im Laufe der Zeit stark gelitten hatten. Deshalb hatte man sie herunter genommen, um sie zu restaurieren und danach wieder an ihren Platz zu stellen. Die rechte Seite der Kirche wird jetzt von Gerüsten verschalt. Die Handwerker  von „Restaurator AG“ befestigen zuerst die Fundamente der kleinen Türme und setzten danach die drei Türme selbst darauf. Bis Ende Januar hofft man, diese Arbeiten beendet zu haben.

Gedenktafel in der Kirche von Rubene Ingrīda  Briede

In der lutherischen Kirche von Rubene, die 1740 erbaut wurde, sind mehrere Kunstgegenstände – eine Kanzel mit Gemälden (aus dem 18. Jahrhundert), ein Gemälde „Christi Himmelfahrt“ und  Sakramentsgeräte – aufbewahrt. Als Priester diente der Gemeinde Rubene von 1208 bis zu seinem Tode der berühmte Chronist Heinrich von Livland. Im Jahr 2000 entdeckte man bei der Restaurierung des Fußbodens einmalige antike Grabmale, über deren Existenz davor noch niemand etwas gewusst hatte. Nach Legenden könnte dort Heinrich von Livland begraben sein, doch ist es nicht möglich, das zu beweisen.

Rechts vom Altar ist an der Wand eine sehr ungewöhnliche Tafel angebracht. Die Bauern der Umgebung hätten sie 1869 aufgestellt als Zeichen des Dankes für die Aufhebung der Leibeigenschaft  im Jahr 1819. Auf der Tafel steht in alter Schreibweise die Inschrift: „Zum Gedenken an die Wohltaten des Zaren an den Letten und an die Aufhebung der Leibeigenschaft in Livland, eingeweiht am Gedenktag der Kirchweihe, dem 26.März 1869.“

Von Gott berufen, von der Kirche entsandt. Santa Venta

Professor Feldmanis pflegte seinen geistlichen Söhnen zu sagen: „Ich bin immer nur dahin gegangen, wohin ich berufen oder entsandt wurde.“  Damit wollte er ihnen  das Verständnis nahe bringen, welches die rechte Einstellung eines Pfarrers gegenüber seinem Dienst sein sollte. Kurz vor dem Christfest, am 22. Dezember feierten die Pfarrer Jānis Ginters und Jānis Bitāns als Söhne der ersten und letzten Generation der Söhne von Professor Feldmanis ihr 15jähriges Ordinationsjubiläum, und bekundeten damit auch ihren Vorsatz, als Geistliche den Prinzipien ihres geistlichen Vaters treu zu bleiben, und immer nur dorthin zu gehen, wohin sie von Gott berufen und von der Kirche entsandt wurden.

Jānis Ginters und Jānis Bitāns waren auch die ersten Pfarrer, die vom erst kurz davor (im August 1993) in sein Amt eingeführten Erzbischof Jānis Vanags ordiniert wurden. Das ist für uns zeichenhaft, dass das mit unserer Ordination zeitlich zusammenfiel“ erinnert sich Pfarrer Bitāns. „ Der Erzbischof ordinierte zwei Pfarrer mit dem Vornamen Johannes (Jānis) und entsandte sie auch in ihre ersten Gemeinden, zwei St. Johannisgemeinden. Traditionell herrscht die Ansicht, dass Johannes das Priestertum verkörpert, und dass die Ordination damals im St. Mariendom in Riga stattfand, weist darauf hin, was am Kreuz stattfand: Christus selbst vertraute Johannes und Maria einander an, einander ganz besonders zu lieben und füreinander zu sorgen.“

Sehr verschieden entwickelten sich die Lebenswege und Glaubenserfahrungen der beiden ordinierten Jānis danach. Die beiden Jānis studierten zuerst bis 1990 in der wieder neu entstandenen Theologischen Fakultät der UL. Jānis Ginters sagt über sich selbst: „Zum Studium in der TF hatte mich mein bisheriger Lebensweg gebracht, angefangen mit

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christlichen Erziehung im Elternhaus, dem Musizieren auf der Trompete und  der Orgel in Kirchen, dem Musizieren bei Visitationen von Erzbischof Matulis, durch die Teilnahme an den Jugendlagern von Pfarrer Beimanis und das geistliche Heranreifen unter Professor Feldmanis in der Kirchengemeinde Mežaparks.“

Demgegenüber kam Jānis Bitāns, obwohl er bereits als Baby getauft worden ist und später die schönen Fotos von seiner Taufe betrachtet hatte, erst wenige Jahre vor seinem Eintritt in die TF mit dem wahren Glauben in Berührung und wurde dann auch konfirmiert. „Eigentlich hatte mich Aija, die ich als meine geistliche Mutter betrachten kann, zum Glauben gebracht, als ich in Liepāja zwei Jahre in einer studentischen Baubrigade arbeitete. Sie hatte mir viel Gutes über ihren damaligen Pfarrer Juris Rubenis (heute an der Luthergemeinde ln Riga, damals in Liepāja) berichtet, und mich ermuntert, ihn anzusprechen. Doch dazu fehlte mir der Mut. Persönlich habe ich ihn erst kennen gelernt, als er Prorektor der TF war.

Wenn beide Jānis bis zur Theologischen Fakultät einen unterschiedlichen Weg der Glaubenserfahrung zrückgelegt hatten, so waren die Wege der beiden bis zur Ordination einander sehr ähnlich. Beide Studienkollegen wurden bald im vollen Dienst in Kirchengemeinden eingesetzt, ohne dass sie ordiniert waren, denen  die Erfahrungen im Seminar und in den „Intensivkursen“  zeigten, dass sie nach ihrer Ordination zu „Hilfspfarrern“ überhaupt nicht mehr oder nur sehr sporadisch wissenschaftlich arbeiten konnten. Die damalige .Situation beschrieb Professor Klīve  sehr genau: „Das Problem der Kirche Lettlands sind nicht die Dienst tuenden Studenten, sondern die nicht weiter studierenden Hilfspfarrer.“ Deshalb wurde auch beschlossen, Studenten nicht mehr zu Hilfspfarrern zu ordinieren und in dem Gemeindedienst einzusetzen, wenigstens nicht beständig. Dennoch gelang es nicht, diesen Beschluss zu verwirklichen, denn der Pfarrermangel war sehr zu spüren.

Eigentlich entstand  dadurch nur ein zusätzliches und noch schwereres Problem, die so genannte „Ordination auf dem Papier“ – also die Abordnung eines Studenten der Theologie zum Dienst in einer Kirchengemeinde mit allen Pflichten eines ordinierten Geistlichen. Die damaligen Studenten Jānis Ginters und Jānis Bitāns wurden in dieser Lage zwei Jahre lang in ihren großen Gemeinden Cēsis und Saldus den vollen Dienst zu leisten, verpflichtet, bis beide Gemeinden wirklich nicht mehr ohne einen ordinierten Geistlichen weiterkommen konnten. Deshalb entschied sich Erzbischof Vanags am Vorabend des Christfestes 1993, sie zu ordinieren..„Mein erster Einsatz war bei verstreuten Letten in Russland und dann bei der Kirchengemeinde Smiltene und schließlich in der St. Johannisgemeinde in Saldus. Vor Saldus

gelang es, irgendwie eine Lösung zu finden mit der Mitnahme geweihter Abendmahlselemente. Leider passierte es mir, dass ich es aus Übermüdung und Zeitmangel es

versäumte, die Elemente von einem ordinierten Geistlichen vorkonsekrieren zu lassen, und dann die mir durch meine „Ordination auf dem Papier“ erteilten Rechte in Anspruch nahm, was ich später bereut und in der Beichte bekannt habe. Meine Ehrfurcht vor Christi Leib und Blut war mir immer sehr ernst gewesen. Ich erinnere mich, dass ich einmal von einem Priester in einem Lager in Sibirien gelesen habe, der die Abendmahlselemente auf seiner Brust bei der Abendmahlsfeier konsekriert hätte, denn natürlich gab es im Lager keinen geweihten Altar. Auch hatte ich gehört, dass man das Abendmahl bis zum Empfänger auf der Brust transportiert hätte.  Deshalb fertigte ich mir eine Tasche in Rollenform an. Aber in Saldus mit einer aktiven und wohlgefügten Gemeinde, in der regelmäßig Konfirmationen, Trauungen stattfanden und die Menschen zur Privatbeichte kamen und täglich drei Stundengebetsgottesdienste stattfanden, war es für einen Nichtordinierten einfach unmöglich, seinen Dienst im vollen Maße auszuüben,“ sagte Pfarrer Bitāns.

Ähnliche Erfahrungen machte auch Jānis Ginters: „Als Student des 2. Kurses wurde mir im September 1991 mitgeteilt, dass Erzbischof Gailītis beschlossen hätte, mich zum Dienst in der

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St. Johannisgemeinde in Cēsis abzuordnen. Ich bat Kanzler Māris Doze um eine Woche Zeit, um mir einen Talar und eine Agende zu beschaffen, und dann machte ich mich auf den Weg nach Cēsis. Die Gemeinde dort war inzwischen dem Selbstlauf und der inneren Spaltung völlig ausgeliefert. Ein Teil des alten Kirchenvorstandes hatte beschlossen, dem schlechten Beispiel von Pfarrer Sproģis in Aizpute zu folgen, sich nicht registrieren zu lassen und aus der ELKL auszutreten. Vor meiner Ankunft hat es dort skandalöse Ereignisse gegeben, bei denen Erzbischof Gailītis nicht einmal die Kirche betreten durfte, der dann den Gottesdienst auf der Straße an der Kirche hielt vor der abgeschlossenen Kirchentür. Das Kirchendach war in einem katastrophalen Zustand und erforderte dringend Reparaturarbeiten. Es gab die Notwendigkeit und auch die Möglichkeit der Krankenhausseelsorge, der Seelsorge in der Jugendkolonie, des Kirchenfunks bei dem örtlichen Rundfunksender. In den ersten Jahren der nationalen Unabhängigkeit  hatte sich auch viel Arbeit in der Propstei angehäuft. Somit wurde ich nach über zwei Jahren Dienst durch eine Ordination auf dem Papier auch durch Handauflegung ordiniert.“

Sehr ähnlich sah es auch mit der Erfahrung in der  Verwaltungspraxis der beiden Pfarrer aus. Ja, gerade bei der Praxis, denn vorher hatten an einem mit zwei Punkten bewerteten Kurs von Vilis Vārsbergs „Gemeindeverwaltung“ teilgenommen. Jānis Ginters bekam es gleich zu Beginn mit schwersten Fragen der Gemeindeverwaltung zu tun, wie zum Beispiel die Auswechselung eines Kirchenvorstandes. Der Dozent und Kollege Dr. Klīve, der es übernommen hatte diese Gemeindeversammlung zu leiten, hatte bereits davor den jungen Pfarrer gewarnte: „Soweit ich weiß, ist es bisher nur Modris Plāte gelungen, einen Kirchenvorstand auszuwechseln, ohne dass der betreffende Pfarrer nicht auch seine Gemeinde wechseln musste.“ Trotzdem konnte in diesem Fall alles erfolgreich gelöst werden, und nur wenig später wurde der neu ordinierte Pfarrer zum Propst der zweitgrößten Propstei Lettlands ernannt. An diese Zeit erinnert sich Jānis Ginters folgendermaßen: „ Ich hatte unbestritten davor keinerlei Kenntnisse über die Arbeit der Verwaltung, und ich zweifle daran, ob ich sie heute habe. Dennoch bin ich nun mit der Kirche seit meiner Kindheit sehr verwachsen, dass ich das Gemeindeleben von seiner Innenseite seit langem kenne. Ich wusste, wie eine Visitation des Erzbischofs verläuft, ich war Organist in Kuldīga, Lielvārde und Dobele. In Mežaparks hatte ich an den Sitzungen des Kirchenvorstande teilgenommen.  Besonders wichtig waren für mich die Erfahrungen, die ich als Mitarbeiter von Modris Plāte machen  konnte, der das Leben in seiner Gemeinde hervorragend organisierte. Das hat alles mir sehr bei meinde Arbeit in der Gemeinde und in der Propstei Cēsis geholfen. An meinen Dienst in Cēsis denke ich mit großer Freude und Genugtuung zurück. Dabei gelang es, viel zu erreichen, so manchen verzagten Mitarbeiter aufzurichten, manchem Gemeindeleiter Mut zu machen, aber am allermeisten – einmalige und wunderbare Menschen in den Kirchengemeinden auf dem Lande kennen zu lernen.“

Demgegenüber wurde Jānis Bitānas recht bald nach seiner Ordination und seinem Dienstbeginn in Saldus mit den Pflichten des Direktors der St. Gregor Schule für den kirchlichen Dienst betraut. Er berichtet: „Der Erzbischof und John Victor Sell kamen her und fragten mich höflich danach, was meine Frau wohl dazu sagen würde, wenn mir ein noch größerer Stress zugemutet würde. Wir sagten zu, und ich begann von da an, auf zwei Stühlen zu sitzen als Pastor der St. Johannisgemeinde und Direktor der St. Gregor Schule in Saldus.. Davor hatte ich keine Erfahrungen in der Praxis der Verwaltung, ja, ich konnte mir kaum vorstellen, was Verwaltung bedeutet, die Auszahlung von Löhnen, Berichte über die Studenten zu schreiben. Aber erlernen kann man alles. In der Schule habe ich 8 Jahre gearbeitet, und die Früchte blieben nicht aus, mit jedem Jahr wurde die Zahl der Studenten

größer, bis es im letzten Jahr 30 waren. Wir entwickelten sogar ein zweites Studienjahr. In diesen Jahren konnte ich auch Erfahrungen in der Gestaltung von Einkehrtagen machen. Wir

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machten alles, wie wir es konnten. Zuerst feierten wir einfach jeden Tag einen Abendmahlsgottesdienst und so viele Gottesdienste des Stundengebetes, wie wir es vermochten – das heißt täglich vier. Wir luden Gastdozenten ein, die uns in die Stille, in die geistliche Disziplin und andere Dinge des geistlichen Lebens einführten. Im Grunde ließen wir dem inneren Empfinden freien Lauf, das zu tun, wonach viele Menschen so lange geistlich gedürstet haben. Wir gaben uns der Fürbitte hin. Es passierte, dass zu den Einkehrtagen bis zu 200 Menschen kamen und in einem Doppelzimmer acht Leute übernachteten.  Das war eine ganz besondere Zeit. Wir sahen und erfuhren auch mehrere übernatürliche Heilungen des Leibes, aber nicht nur die.“

Beide Pfarrer hatten es ganz praktisch erfahren, was es bedeutet und was es kostet, dem Rat ihres Beichtvaters Professor Feldmanis zu folgen und das Prinzip zu beachten, ohne Widerspruch dorthin zu gehen, wohin die Kirche dich sendet. Jānis Ginters sagt: „Dieses Prinzip des Professors erschien mir selbstverständlich. Wenn es allein um meine eigene Wahl gegangen wäre, dann hätte ich nie von Cēsis fortgehen mögen. Schon deshalb nicht, da ich nach fünf Jahren gründlicher Arbeit deren ersten Früchte schmecken konnte. Aber der Erzbischof benötigte Hilfe in dieser für die Kirche schweren Zeit: weiterhin gab es die „Frage Sproģis, der mit seinen Kirchengemeinden in Kurland sich von der ELKL gelöst hatte, die Abspaltung der „Augsburger“ (einer Gruppe, welche am Leben und an der Verkündigung der ELKL scharfe Kritik wegen ihres Abweichens vom „wahren Luthertum“ übte), der Generalversammlung des Lutherischen Weltbundes in Hongkong und die sich weiter verschärfende Auseinandersetzung um die Ordination von Frauen, die Anfänge des Abkommens von Porvoo. Ebenso mussten die Visitationen des Erzbischofs vorbereitet und begleitet werden. Damals gab es im Konsistorium außer dem Erzbischof und mir keinen anderen Geistlichen. Deshalb war die Seelsorge an vielen Besuchern und die Erläuterung einfachster Dinge ein Dienst, der auch gefordert war. So werde ich es nie vergessen, wie ich einem Kirchenvorstand erklären musste, dass dieser nicht berechtigt ist, den Leiter der Sonntagsschule der Kirchengemeinde und den Evangelisten der Gemeinde, der die Sonntagsschule gegründet hatte, aus der Gemeinde auszuschließen. Doch im Ganzen konnte man die schwere und undankbare Lösung solcher Konflikte in den Gemeinden nur ertragen, wenn man überzeugt war, dass ich mir diese Aufgabe nicht ausgesucht hatte, sondern dem Ruf und der Sendung der Kirche Folge geleistet habe.“

Jānis Bitāns: „Ich gehöre zur letzten Generation der geistlichen  Söhne des Professors. Deshalb habe ich vieles von dem, was er in den Jahren geleistet hatte, als er noch bei Kräften war, nicht mehr erlebt. Ich habe es eher intuitiv empfunden, dass der Gehorsam gegenüber der Kirche etwas ganz wichtiges ist. Als ich in die TF eintrat, dachte ich, dass die Kirche noch extremer, noch mitreißender, noch interessanter als eine Seelandung der Marine sein würde, bei der ich mir früher gewünscht hatte, dort zu dienen. Damals hatte ich außer meiner eigenen Konfirmation mit der Kirche noch keinerlei Erfahrungen vorher gemacht. Es schien mir, dass dort alles auf noch schärfere Anweisungen geschehen würde, und dass dort alles noch  verantwortungsvoller und noch strengen sei, und dass dort genauer geschossen und besser gezielt würde als bei den Scharfschützen. Deshalb meinte ich, aus der sehr höflich ausgesprochenen  Frage von Juris Rubenis „Möchtest du nicht zu Ostern nach Bulāna (Sibirien) fahren?“ (wo lettische Nachfahren verstreut leben) als einen Auftrag der Kirche. Ich dachte, dass ich, wenn die Kirche es möchte und mich um diesen Dienst bittet, dass ich diese Bitte eindeutig auf mich beziehen müsste. 15 Jahre danach betrfachte ich diese Sache etwas anders. Ja, und doch wünsche ich es mir, dass ich noch heute alles so empfinden und bedenken könnte wie damals!“

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Sowohl Jānis Ginters als auch Jānis Bitāns haben in gewisser Weise einen großen Bogen  geschlagen: vom Gemeindepfarrer über das Amt eines verantwortlichen Verwalters zurück zur Kirchengemeinde, nur jeder auf seine Weise und an einem anderen Ort.

„Die Arbeit im Konsistorium nahm viel Zeit, Energie und Kraft in Anspruch, und Erfolgserlebnisse gab es nur wenige. Wenn es in einer Kirchengemeinde einen Konflikt gibt und ich zu dessen Lösung etwas beschließen muss, dann wird es bei jedem Beschluss jemanden geben, der mit ihm nicht einverstanden ist. Oft muss eine Angelegenheit sehr schnell gelöst werden, was die Verlängerung der Arbeitszeit oft bis 23 Uhr zur Folge hat und ich den Bus in den Vorort Mīlgrāvis, wo ich damals wohnte außer mit einem Linientaxi nicht mehr erreichen konnte. Deshalb war ich sehr froh, als ich durch eine Empfehlung des Erzbischofs in das Pfarramt der Neuen St. Gertrudgemeinde berufen wurde. Als ich dann zum Propst der Propstei Riga gewählt wurde, stieß ich auf die Probleme und Bedürfnisse der Kirchengemeinden in Riga, und bemerkte, dass diese ganz anders sind als in der Propstei Cēsis. Wieder entdeckte ich, dass die Beschäftigung mit der Verwaltung im Verhältnis zu den Ergebnissen zu viel Zeit verschlingt, was sich negativ auf die Arbeit in der Gemeinde auswirkt. Ich bin von Gott zum Pfarrer berufen worden, und deshalb fühle ich mich im Gemeindedienst am wohlsten und kann anscheinend dort am meisten bewirken. Im Gemeindedienst kann ich meine Kenntnisse in der Liturgik, der Seelsorge, dem Gemeindeaufbau sowie meine musikalischen und pädagogischen Fähigkeiten am besten nutzen,“ sagt Pfarrer Ginters.

Demgegenüber hat Pfarrer Bitāns mit der Verwaltungsarbeit in der St, Johannisgemeinde und in der St Gregorschule in Saldus gute Erfahrungen gemacht. Dennoch hat ihn das nicht gehindert, der Aufforderung der Kirche, die Stelle zu wechseln und nach Liepāja zu gehen, zu folgen. Über diese Zeit berichtet er: „Als ich die Berufung in die St. Annengemeinde in Liepāja erhielt, hatte sich dort ein falsch verstandenes Charismatikertum eingenistet. Dass man mich in diese Gemeinde berief, geschah aus folgender einfacher Überlegung: man wird mich dort nicht völlig ablehnen können, weil ich mich in ihren Augen wie ein Charismatiker gäbe. Das wird es den Leuten ermöglichen, zu den Fundamenten der Kirche zurück zu kehren,

Zuerst fuhr ich dorthin alle vierzehn Tage am Sonntag und dachte noch nicht an einen Umzug nach Liepāja. Später, als die Entscheidung zwischen den drei Heiligen – Johannes, Gregor und Anna – aktuell wurde, fiel diese mir nicht leicht. Schließlich gab ich den Frauen den Vorzug. Aber, im Ernst, ich war gehorsam und ging dorthin, wohin mich die Kirche sandte.

Beide Pfarrer halten in ihren Gemeinden die apostolische Tradition und das Erbe der Kirche hoch in Ehren und pflegen deshalb ein intensives sakramentales Leben, eine reiche Liturgie und feiern die Feste in großer Pracht. In den Gemeinden werden die Stundengebete gehalten, die Kirchenmusik steht auf einem hohen Niveau, Pilgerreisen werden veranstaltet und es erscheinen regelmäßig die Gemeindebriefe. Beide Pfarrer engagieren sich sehr bei der ökumenischen Zusammenarbeit.

„Die große Liebe zur Liturgie und zur Urkirche hat in mir Professor Feldmanis erweckt,“ sagt Pfarrer Ginters, „ich erinnere mich, mit welcher Liebe und Begeisterung er uns den Gesang der Psalmen mit ihren Antiphonen zu Beginn der 80er Jahre, die Feier der Nachtgottesdienste am Aschermittwoch und zu Ostern nahe brachte. Viele der Vorstellungen des Professors sind inzwischen  Wirklichkeit geworden. Ich habe es erlebt und dabei mitgewirkt, als ich in Modris Plātes Gemeinde in Kuldīga damals Organist war. Ebenso hat mich der Professor in den sakramentalen Charakter der Kirche eingeführt. Ich habe es erlebt, wie er allmählich die Feier des Heiligen Abendmahles an jedem Mittwoch und danach an jedem Sonntag in seiner Gemeinde einführte. Des Professor lehrte uns auch immer wieder, wie wichtig für eine Kirche das Episkopat ist und was das Bischofsamt bedeutet, und wie wichtig es war, dass durch die

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von Nathan Söderblom durchgeführte Konsekration von Kārlis Irbe Lettland Bischöfe hat, die in der apostolischen Sukzession stehen,“ erinnert sich  Jānis Ginters.

Für beide Pfarrer war  Professor Feldmanis der ideale Beichtvater und als solcher auch Vorbild und ist es auch weiterhin geblieben. Jānis Ginters sagt: „In Mežaparks entwickelte sich zur Zeit von Feldmanis alles sehr behutsam, es gab keine lawinenartigen Umbrüche. Das betrifft auch den Zuwachs an Jugendlichen in der Gemeinde, den häufigeren Genuss des Heiligen Abendmahles und die Praxis der Privatbeichte. Alles wurde ganz allmählich selbstverständlich, wir meldeten uns einfach an und gingen hin. Natürlich war das eine Erfahrung, die nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Sie half uns einfach, die Privatbeichte zu praktizieren. Das konnte man damals nirgendwo bei einem lutherischen Pfarrer erfahren. In der Agende hieß es, dass es jedem Pfarrer überlassen sei, wie er die Privatbeichte gestalte. In der Theologischen Fakultät gab es im Studienmaterial keinen Unterschied zwischen dem, was ein seelsorgerliches Gespräch, und was eine Beichte ist. So hätte ich ohne die persönlichen Erfahrungen bei der Privatbeichte bei Professor Feldmanis nie gewusst, wie ich mich dabei zu verhaltn habe.“

Ähnlich drückt sich auch Pfarrer Bitāns aus: „Es war sehr bewegend, dass sich der Professor nie über Zeitmangel beklagt hatte, nicht nur, um meine Beichte anzuhören, sondern auch, um mit mir zu reden, wofür er mir oft 2-3 Stunden widmete. Bei den Kirchenvätern habe ich gelesen, dass es wichtig sei, die eigenen Gedanken zu offenbaren, und dass dadurch die Möglichkeit größer würde, nicht in das Sündigen hinein zu geraten. Ich erzähle das so ausführlich, weil es auch in meinem Leben Dinge gab, bei denen ich einige von ihnen nicht vorher aussprechen konnte. Ebenso habe ich bei den Kirchenvätern über die Askese gelesen, dass man nichts verborgen halten sollte. Und dann riss ich mich zusammen und tat das auch…. Und dann öffnete ich meine Augen, denn ich war davon überzeugt, dass jetzt Vorhaltungen und Anklagen folgen würden, etwa „Schämst du dich nicht!“  Aber statt dessen fühlte ich auf meinen Schultern die Hände des Professors, der mich frage: „Wie viele Jahre bist du alt? Auch ich war einmal so alt und kann es gut nachempfinden, wie du dich fühlst.“ Und dann schämte ich mich nicht dafür, was ich gesagt hatte, sondern dafür, was ich davor nicht gesagt hatte. An der Stelle des erwarteten Urteils wurde mir diese Erleichterung geschenkt! Der Professor sagte mir auch dass es Gottes Gnade sei, dass ich das aussprechen konnte. Und dann hatte ich begriffen, wie ein Beichtvater sein sollte, welches das Maß für einen Beichtvater ist, mit dem er gemessen werden wird., und wie ich mich selbst zu verhalten habe, damit die Menschen auch zu mir zur Beichte kommen.“

Der Einfluss von Professor Feldmanis auf die Entwicklung der theologischen Überzeugung von Jānis Bitāns hatte nicht die große Bedeutung wie bei Jānis Ginters – einem der ersten geistlichen Söhnen in Mežaparks. Das theologische Denken von Jānis Bitāns wurde vor allem durch die von ihm gelesene Literatur über die Praxis des Glaubenslebens geprägt, durch die Werke der Kirchenväter und Lebensbeschreibungen der Heiligen. Er sagt: „In der Theologischen Fakultät wurden Kirchenväter nicht behandelt, doch alle wussten, wo man geistliche Literatur kaufen konnte. Das waren drei Stellen: Am Büchertisch der ELKL in der Lāčplēša iela, in der baptistischen Matthäusgemeinde und in der orthodoxen Kathedrale Ich machte mich auf den Weg und kaufte. Besonders viel Nützliches fand ich in der orthodoxen Christgeburtskathedrale: in der Zarenzeit gedruckte Bücher. Ich begann die Lebensbeschreibungen der Heiligen des 1,-9. Jahrhunderts zu lesen, dann Werke aus späteren Jahrhunderten, umfangreiche Bücher über das Gebet. In lettischer Sprache gab es damals nichts vergleichbares. Weil ich in Imanta, einem Stadtteil mit einem sehr großen russischen Bevölkerungsanteil, aufgewachsen bin, konnte ich problemlos russisch sprechen und lesen.“

Während ihres 15 Jahre langen Dienstes als ordinierte Geistliche und der zwei Jahre mit der „Ordination auf dem Papier“ haben beide Pfarrer durch ihre Arbeit wertvolle Erfahrungen

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gemacht und sich bewährt. Doch haben beide auch immer noch Träume und Wünsche im Blick auf ihren Dienst in der Gemeinde und ihr Verhältnis zur Mutter Kirche, der sie so lange selbstlos gedient haben.. Jānis Ginters sagt: „Ich muss dem, was Cyprian gesagt hat, zustimmen, dass Gott keinem Menschen der Vater sein kann, wenn die Kirche nicht seine Mutter ist.“ Deshalb möchte ich noch mehr kirchliche Einigkeit erleben. Ich möchte gerne, dass der Ausdruck „Mutter Kirche“ für jedes ihrer Glieder lieb und heilig sein möge. Ich möchte es erleben, dass sich jede Gemeinde des Satzes „eine heilige, allgemeine und apostolische Kirche“ voll bewusst sein möchte und auch an jedem Ort funktionierte wie bei einer in der Liebe Christi zusammengefügten Familie. Ich möchte es erleben, dass unter den Christen der eigene Individualismus zur Minderheit wird, durch den wir Letten so traurig berühmt geworden sind, und dass aus ihnen das Antlitz Christi immer heller hervorleuchten möchte.“

Seine Gedanken über die Kirche fasst Jānis Bitāns folgendermaßen zusammen: „Mein sehnlichster Wunsch ist, in unserer Kirche das tiefe Verlangen zu erkennen, dass wir uns immer bewusster werden, dass uns mit der apostolischen Kirche ein unzerreißbares Band verbindet. Ich möchte ein deutlicheres Gefühl der Zugehörigkeit zum Apostolat in unserer Kirche und der Liebe zum gemeinsamen Erbe erkennen. Mein zweiter tiefer Wunsch ist, dass es unter uns eine noch stärkere geistliche Disziplin oder ein größeres Disziplinverständnis geben möchte, erstens schon zwischen den Pfarrern, denn ich habe erkannt, welchen Segen das bringt. Dennoch geht meine tiefste Sehnsucht dahin, dass unsere Kirche mehr messianische Merkmale zeigen möchte. Damit meine ich die Merkmale, die Christus den Jüngern Johannes des Täufers mitgab, dass sie diese ihm weitersagen sollten, und die aussagen, dass Christus zugegen ist. Ich möchte noch mehr Krankenheilungen erleben. Dabei denke ich nicht daran, dass die kleine Zahl der Krankenheilungswunder geschehen ist, um den souveränen Willen Gottes zu demonstrieren, Krankenheilungen nicht zu schenken, sondern mehr deswegen, dass wir in vollem Maße es wagen, die Mittel zu nutzen, die uns zur Verfügung stehen und die uns Gott geschenkt hat, zum Beispiel die Salbung mit Öl. Ich denke nicht, dass wir intellektuell noch mehr tun könnten, als die Kirchenväter bereits getan haben, oder von  unserem geistlichen  Erbe noch mehr einsammeln können als das, wodurch unsere Kirche bereits so reich geworden ist. Nach meiner Ansicht ist dieses eine Zeit der Verwirklichung unseres Glaubens, sowohl im Blick auf die geistliche Disziplin als auch im Blick auf die Gaben, die Gott Seiner Kirche geschenkt hat.“

Die Vororte Torņakalns und Āgenskalns in Riga rücken noch enger zusammen.

Anda Done, Luthergemeinde Riga

Auch in diesem Jahr entwickeln Tornakalns und Āgenskalns ihre Freundschaft weiter. Auf sichtbare Weise geschah das am Samstag, dem 24. Januar, als die Katholische St. Theresiengemeinde vom Jesuskind, die ihre Heimstätte im katholischen Gymnasium in Riga hat, ihre Freunde aus der Baptistengemeinde Agenskalns, der Luthergemeinde, sowie der katholischen St. Albertgemeinde bei sich aufnahm.

Das Treffen begann mit gemeinsamen Singen und einer Andacht in der Kapelle. Die Gemeinde hatte ein wunderbares Essen zubereitet, nachdem wir etwas über die Geschichte des Gebäudes und der Gemeinde erfuhren. Das war sehr interessant, denn wir wussten nur sehr wenig über die interessante Geschichte dieser Gemeinde und des Gebäudes, obwohl wir Kirchengemeinden des gleichen Stadtteiles sind und an dem Hause oft vorbei gegangen sind. Wir konnten auch Ausstellungen besichtigen, welche den Apostel Paulus und die Heilige Therese vom Jesuskind zum Thema hatten.

Das Besondere an diesem Treffen war dieses Mal, dass Gemeinden dreier Konfessionen zusammen einen Bibelkalender herausgegeben haben mit dem Zweck, ihre Gemeindeglieder

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anzuregen, im Laufe eines Jahres gemeinsam die ganze Bibel durchzulesen. Das bedeutet, dass hier für jeden Tag im Jahr je vier Lesungen angegeben sind. Diesen Kalender erhielten die Glieder dieser drei Gemeinden als Weihnachtsgeschenk. Offensichtlich hat sich diese Idee eines gemeinsamen Kalenders als sehr segensreich erwiesen, denn sie weist auf eine gemeinsame geistliche Aktivität im Laufe eines ganzen Jahres hin. Zur Anregung, das Begonnene weiter fortzusetzen gab Baptistenpfarrer Edgars Mažis eine interessante Einführung in das Alte Testament und der Pfarrer der Luthergemeinde Indulis Paičs in das Neue Testament.

Die Zeit flog einfach davon, ohne dass wir es merkten, und dann begaben wir uns zum Gottesdienst in die Lutherkirche.

Gemeinsam einen Gottesdienst zu feiern, das ist ein Fest, das stärkt und uns anregt, zusammen zu beten und uns eines Tages auch gemeinsam an dem einen Tisch des Herrn zu versammeln. Sollte das wirklich unmöglich sein? Träumen wir davon weiter!

Jetzt sollten wir einander auch im Alltag treu bleiben bei dem Lesen des Wortes Gottes, und es zulassen, dass der Heilige Geist unter uns wirkt.

Chefredakteurin: Inga Reča

Anschrift der Redaktion: Alksnāja iela 3 .- Riga- LV 1050

E-Mail-Adresse: svetdienasrits@apollo.lv

Übersetzung: Johannes Baumann (abgeschlossen am 11.2.2009)

Brucknerstr. 24.-  D-27711 Osterholz-Scharmbeck

Telefon: 04791-13356

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Nachwort des Übersetzers

Meinen hoch verehrten Leserinnen und geduldigen Lesern mute ich mit dem langen Artikel zum 15, Jahrestag der Ordination zweier Pfarrer in Lettland eine Menge an Lesestoff zu. Ich habe es dennoch gewagt, weil die beiden darin sich auch zum Teil sehr persönlich geäußert haben, was man ja in Lettland nicht jeden Tag erlebt. Ich möchte diesen Artikel nicht kommentieren. Nach meiner Kenntnis haben das in Lettland bereits viele getan, und ich kann mir vorstellen, dass es bei meiner sehr geschätzten Leserschaft auch manchen Kommentar auslösen wird, wenn dort von den prächtigen Gottesdiensten (wobei man in Lettland auch an Weihrauch, Glöckchen, Prozessionen und vieles andere denkt) geredet wird.

Auch bei dieser Ausgabe musste ich auf einige Artikel, die ich bei weniger zeitlichem Druck gerne übersetzt hätte

J. B.

Verfasst von: liefland | Januar 24, 2009

Ausgabe Nr. 3 (1782) vom 24. Januar 2009

Bei dir ist die Quelle des Lebens                Psalm 36,10

Auszüge aus Svētdienas Rīts, Zeitung der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, herausgegeben von ICHTYS GmbH, erscheint seit Januar 1920.

3. Sonntag nach Epiphanias        Ausgabe Nr. 3 (1782)  vom 24. Januar 2009

Der ökumenische Dialog in Lettland. (Zur Gebetswoche für die Einheit der Christen)

Jānis Vanags, Erzbischof

Zusammen mit Propst Atis Grīnbergs bin ich im November nach Rom gereist, um mich dort mit dem Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit unter den Christen Kurienkardinal Walter Kasper zu treffen. In Rom schloss sich uns eine Delegation der Estnischen Kirche mit den Pröpsten Veiko Vihuri und Enn Auksman an. Von der  katholischen Seite nahmen auch der Sekretär des Rates Bischof Brian Farel und Monsignore Matthias Turk, der im Vatikan für die Kontakte mit den Lutheranern Zuständige, an dem Treffen teil. Der Zweck des Treffens war das Gespräch über die Möglichkeiten im Baltikum, mit dem Dialog zwischen beiden Kirchen zu beginnen.

Obwohl es für uns selbst etwas Selbstverständliches war, dass zwischen den verschiedenen Bekenntnissen in Lettland ungewöhnlich gute freundschaftliche Beziehungen bestehen, weil die Zeit der sowjetischen Unterdrückung uns gelehrt hat, dass wir alle auf einer Seite stehen. Die Zusammenarbeit, die Wiederherstellung des Standortes der Kirche im wieder freien Lettland, trug viel zum Wachsen des gegenseitigen Vertrauens  und der Freundschaft miteinander bei. Deshalb gibt es hier für den  Dialog großartige Voraussetzungen wie  kaum an einer anderen Stelle Europas. Dieses Potenzial sollten wir nutzen.

Auf unsere Frage, welches der Zweck eines solchen  Dialoges sein könnte, antwortete Kardinal Kasper, dass zuerst Missverständnisse beseitigt werden sollten.  Es gibt viel Folklore und Legenden, bei denen einer über den anderen manches erzählt, was der Lehre unserer Kirchen überhaupt nicht entspricht. So ist die Ansicht weit verbreitet, dass für die Lutheraner das Heilige Abendmahl nur ein Gedächtnismahl sei und dass die Katholiken jedes Mal das Opfer Christi von Neuem wiederholten. Statt untereinander die falschen Vorstellungen endlos wiederzukauen, wäre es besser, von unseren Gesprächspartnern zu erfahren, was sie wirklich lehren, und woran sie wirklich glauben. Zweitens müssten wir miteinander auch über die Fragen reden, bei denen die Ansichten unserer Kirchen sich wirklich unterscheiden. Auf der vom Weltrat der Kirchen veranstalteten 3. ökumenischen Versammlung in Sibiu sagte Kardinal Kasper, dass die Ökumene der Annäherungen sich nunmehr erschöpft hätte. Lange Jahre haben wir vor allem darüber geredet, was uns vereint. Das hatte seine Bedeutung und hat uns auch bis hierher gebracht. Doch wir müssen auch über die Dinge sprechen, die uns trennen. Der Apostel Paulus hat uns gelehrt, wie man die Wahrheit in Liebe ausspricht.. W. Kasper rief auf, das Augsburger Bekenntnis gemeinsam zu beraten, das seinem Wesen nach ein ökumenisches Dokument ist. mit der Absicht und dem Ziel, die Einheit der Kirche zu erhalten. „Einem solchen Dialog wird oft vorgeworfen, dass er nicht zu konkreten kirchlichen Ergebnissen führe.“ sagte der Kardinal, „doch wenn Missverständnisse beseitigt werden und das gegenseitige Vertrauen wächst, ist das doch schon ein sehr gutes Ergebnis.“

Wir sprachen auch über praktische Probleme, zum Beispiel über Mischehen. In Lettland gibt es weiterhin Schwierigkeiten für Katholiken und Lutheraner, einen angemessenen Weg für eine Trauung zu finden. Kardinal Kasper sagte, dass auf der vatikanischen Ebene alle Hindernisse auf diesem Gebiet ausgeräumt seien. Sogar das früher notwendige Gelübde, die Kinder im katholischen Glauben zu erziehen, ist keine Forderung mehr, sondern nur eine Empfehlung. Dennoch hängt das, wie es in jedem Lande oder in jeder Diözese gehandhabt wird, vom zuständigen Bischof  ab. Deshalb sollte man  an die Frage durch Gespräche im Lande herangehen. „Wir vom Vatikan können das nicht beeinflussen, das müsst ihr selbst tun. Aber wir können solche Gespräche anregen und fördern,“ sagte der Kardinal. Er versprach, an

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katholischen Bischöfe im Baltikum ein Schreiben zu richten, und sie zu ermuntern, mit Begeisterung einen solchen Dialog zu beginnen.

Am nächsten Tag waren wir eingeladen, an der Generalaudienz des Papstes teilzunehmen. Auf dem St. Petersplatz waren viele Tausend Katholiken aus allen Kontinenten und vielen Ländern versammelt, auch aus Lettland. Der Papst hielt eine kurze Predigt in verschiedenen Sprachen und begrüßte ganz besonders alle Pilgergruppen. Es war zu spüren, dass die Gestalt des Papstes die Anwesenden sehr bewegte. Das löste bei mir Überlegungen aus, wie gekonnt die katholische Kirche solche Anlässe nutzt, um die Menschen für den Glauben und für ein sittliches Leben zu begeistern. Am Ende ging Benedikt XVI  auf uns zu, um uns zu begrüßen. „Ich weiß, dass in Lettland zwischen Katholiken und Lutheranern eine große Freundschaft besteht,“ sagte er.

Damit das Treffen in Rom nicht nur zu einem der vielen traurig berühmten „gut gemeinten Vorsätze“ würde, sind wir am vergangenen Donnerstag in Riga zum ersten örtlichen Treffen zusammengekommen.  Von der katholischen Seite nahmen Jānis Kardinal Pujats und die Priester Zbigņevs  Stankevičs und Paulis Kļaviņš teil. Von unserer Seite waren dieses Mal Bischof Pāvils Brūvers, Dekan Elijs Godiņš und ich zugegen. Ich berichtete über das Treffen in Rom. Dabei stellte es sich heraus, dass der Brief von Kardinal Kasper bereits eingetroffen ist. „Das höchste, im Himmel aufgeschriebene Ziel für unseren Dialog ist die vollkommene Einheit,“ sagte J. Pujats. „Auch dass wir das eine Brot brechen und aus einem Kelch trinken“, ergänzte Z. Stankevičs. Doch waren sich die Teilnehmer am Treffen bewusst, dass der Weg dahin noch sehr weit und nicht leicht sein wird.  Man kann die Einheit nicht einfach herbeireden, sie muss durch einen aufrichtigen Dialog erreicht werden.  „Für diesen Dialog kann es als Grundlage nur die Heilige Schrift geben,“ betonte P. Kļaviņš,“  Dabei ist es sehr wichtig, dass es nicht nur um einen Dialog zwischen einigen Geistlichen geht, sondern dass an ihm und an den Ergebnissen die ganze Kirche beteiligt ist, ergänzte E. Godiņš. Wir kamen überein, dass wir uns mit Gottes Hilfe künftig einmal im Monat treffen würden. Das nächste Treffen ist auf den Aschermittwoch, dem Beginn der vorösterlichen Fastenzeit, festgesetzt. Bis dahin müssen wir uns verständigt haben, wer sich an den Gesprächen beteiligen soll, und müssen Themenvorschläge vorbereiten.

In dieser Woche wird in der ganzen Welt für die Einheit unter den Christen gebetet. Jetzt haben wir einen Anlass, das besonders intensiv für die Einheit unter den Christen in Lettland zu tun. Gott segne uns und stehe uns bei diesem Vorhaben bei.

Woher nehmen wir unser Vertrauen? Inga Reča, Chefredakteurin

Das Forschungszentrum „Eurobarometer 70“ veröffentlichte in dieser Woche die Ergebnisse einer Befragung darüber, wie die Einwohner Lettlands die gegenwärtige Situation im Staat beurteilten. Diese Befragung, die im Herbst 2008 durchgeführt wurde, ergab, dass 79 % der Regierung Lettlands nicht vertrauen, der Saeima  86 % und den politischen Parteien 91 % der Einwohner Lettlands. Das ist das allerschlechteste Ergebnis in allen 27 Mitgliedsländern der EU. Wie hätten wohl diese Zahlen ausgesehen, wenn die Befragung erst im Januar 2009 durchgeführt worden wäre oder im Januar 1991?

Doch als wichtigste Frage bleibt diese bestehen: was muss geschehen, damit wir das Vertrauen gegenüber unserem Staat und unserer Regierung zurück gewinnen?

Um diese Frage zu beantworten, brauchen wir nicht nach den Sternen zu greifen, sondern nur unsere Umgebung zu betrachten – welche Menschen genießen mein Vertrauen? Wir vertrauen gerne Menschen, deren Werke mit ihren Reden überein stimmen, die ihre Versprechen erfüllen, die nicht hinter dem Rücken reden, sondern die Wahrheit offen aussprechen, auch wenn sie nicht angenehm ist. Menschen, die in finanziellen Angelegenheiten ehrlich sind, ihre

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Steuern bezahlen und den Staat nicht betrügen, solchen, die in schweren Augenblicken zur Hilfe eilen. Menschen, die uns nie benutzen werden, um daraus selbst Profit herauszuschlagen.

Wir alle wissen, wie jemand sein sollte, dem wir vertrauen können. Gott sei Dank, dass es weit mehr als einen Menschen gibt, dem wir vertrauen können! Möge das die große Aufgabe in diesem Jahr sein – das Verzeichnis dieser Menschen mit einem Namen zu erweitern: mit meinem eigenen Namen . Dann werden wir bald gute, ehrliche und vertrauenswerte Menschen im Überfluss haben! Und es gäbe welche, die wir guten Gewissens in die Saeima wählen könnten.

Mitteilungen des Oberkirchenrats

Sehr geehrte Leserinnen und Leser, liebe Gemeindeglieder, Mitarbeiter und Pfarrer!

Früher wurden in unserer Kirchenzeitung gelegentlich Beschlüsse des Konsistoriums veröffentlicht, die den Wechsel in Pfarrstellen  und andere Beschlüsse, die das Gemeindeleben betrafen. Das war eine gute Praxis, denn viele konnten sich dadurch über manchen Wechsel informieren. Es ist schwer eine Begründung dafür zu finden, aber seit einiger Zeit ist das unterblieben. Die Personalabteilung unseres Oberkirchenrates möchte diese gute Praxis wieder aufgreifen, und hat gemeinsam mit der Abteilung für die Angelegenheiten der Kirchengemeinden beschlossen, die Leser von „Svētdienas Rīts“, die Glieder unserer Kirche sind, über den Wechsel, der unsere Kirchengemeinden und Pfarrer betrifft, laufend zu informieren

Nach unserer neuen Kirchenverfassung und den Bestimmungen der ELKL nehmen die Bischöfe oder das Bischofskollegium (im Fall, dass der Wechsel zwei Diözesen betrifft) entsprechende Meldungen an. An diese Neuerungen werden wir uns alle gewöhnen müssen, so dass wir diese Zeit als Phase des Eingewöhnens und Umstellens für alle Bischöfe, Pröpste, Pfarrer, Abteilungen des Oberkirchenrates und Kirchengemeinden bezeichnen können, in der wir eine sachliche und fruchtbare Zusammenarbeit erlernen können. Deshalb hat es in der jüngsten Vergangenheit nicht selten vermeidbare Missverständnisse oder in manchen Fällen fehlende Informationen gegeben. Deshalb bitten wir Euch, liebe Schwestern und Brüder, um Verzeihung! Wir bemühen uns, alles zu tun, was uns möglich ist, um diese und andere Dinge zu ordnen. Im ganzen können wir erkennen, dass die neuen Änderungen sich als effektiv erwiesen haben. Wenn wir unseren Dienst aus ganzem Herzen tun, werden die Früchte nicht ausbleiben.

Schließlich möchte ich alle Amtsträger und Pfarrer der Kirchengemeinden daran erinnern , dass nach  der neuen Gemeindeordnung alle Fragen des Dienstes und des geistlichen  Lebens zuerst in der Gemeinde zu lösen sind, und, falls das nicht gelingt, durch den zuständigen Propst, und dann durch den Bischof der Diözese.

Ich wünsche allen Gottes freundliches Geleit und viel Freude am Dienst.

Dzintars Laugalis, Leiter der Abteilung für das geistliche Personal und für Angelegenheiten der Kirchengemeinden.

Wechsel bei den Pfarrstellen

Gegen Ende des vergangenen und zu Beginn des neuen Jahres hat es einen beträchtlichen Wechsel bei den Pfarrstellen gegeben

Erzdiözese Riga

Am 19. November 2008 wurde Pfarrer Linards Rozentāls zum Propst der Propstei Riga ernannt.

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Im Oktober beendete Pfarrer Armands Konrāds seinen Dienst als Pfarrer der Kirchengemeinden  Zaube und Ķempji. Den Pfarrdienst in den Kirchengemeinden Niraure,

Zaube und  Ķempji  übernahm der Student der Luther Akademie und Hilfspfarrer Edvīns Rumjacevs.

Ab 2. November übernahm Pfarrer Artis Burovs den Dienst als Pfarrer der Missionsgemeinde und als zweiter Pfarrer der Kreuzkirchengemeinde.

Pfarrer Dr. Didzis Stilve beendete seinen Dienst in der Kirchengemeinde Ikšķile. Ab dem 30. November dient Pfarrer Dzintars Laugalis als Pfarrer der Kirchengemeinde Ikšķile.

Am 30. November beendete Pfarrer Andris Krauliņš seinen Dienst als Pfarrer der Kirchengemeinden Vecpiebalga, Skujene und Lode. Den Dienst in diesen Kirchengemeinden übernahm am 30. November der neu ordinierte Hilfspfarrer Intars Jonītis

Anfang Dezember beendete Pfarrer Andrejs Bāliņš seinen Dienst als Pfarrer der Kirchengemeinden Straupe und Lēdurga. Diese Gemeinden sind weiterhin vakant.

Seit dem Herbst dient in den Kirchengemeinden Lubāna und Liezere Guntis Želvis als Hilfspfarrer.

Seit dem Übergang von Pfarrer G. Želvis in die Propstei Madona wird die vakante Kirchengemeinde Dole-Ķekava vom Vikar der Erzdiözese Riga Pfarrer Ivo Grantiņš betreut.

Seit Anfang Dezember dient in dieser Kirchengemeinde Pfarrer Raivis Martinsons als Pfarrer.

Pfarrer Ivo Grantiņš beendete am 10. Dezember seinen Dienst als Vikar der Kirchengemeinde

und wurde auf Antrag der Kirchengemeinde Dubulti und Bulduri zu deren zweitem Pfarrer ernannt.

Mit dem Ablauf des Monats Februar beendet Pfarrer Ivars Jēkabsons seinen Dienst in der Kirchengemeinde Mālpils, und wird dort von  Hilfspfarrer Krišjānis Bulle abgelöst, der mit dem Beginn des Jahres auch die Kirchengemeinde Ropaži betreut..

Am Epiphaniastag beendete Pfarrer Dainis Markovskis seinen Dienst in der Martinsgemeinde in Riga. Seit dem 7. Januar haben den Dienst in jener Gemeinde die Pfarrer Andris Krauliņš und Arnis Bušs übernommen. Ab diesem Tag hat Arnis Bušs seinen Dienst als Propst der Propstei Valmiera beendet. Dieses Amt hat Pfarrer K. R. Zikmanis übernommen.

Ab dem Herbst ist Pfarrer Almārs Lavrentjevs beurlaubt. Auf eigenen Wunsch ist auch Pfarrer Gunārs Ozols für 12 Monate beurlaubt.

Ab dem 1. Januar verrichtet Atis Bambāns den Dienst als Pfarrer der St. Matthäusgemeinde in Matīši.

Diözese Daugavpils

Pfarrer Raivis Martinsons hat seinen Dienst in den Kirchengemeinden  Ilūkste, Laši und Subate beendet. Dieser Dienst wird in den Kirchengemeinde Ilūkste, Laši und Subate durch Pfarrer Andrejs Bāliņš fortgesetzt.

Seit dem September verrichtet Pfarrer Mārtiņš Vaickovskis den Dienst als Pfarrer der Kirchengemeinden Balvi. Tilža, Kārsava und Viļaka.

Diözese Liepāja

Seit Mitte ist mit den  Pflichten eines Propstes der Propstei Kandava Pfarrer Raimonds Mežiņš beauftragt.

Vom November an ist in der Kirchengemeinde Dzirciems einmal im Monat Evangelist Justs Junkulis tätig.

Den selbständigen Dienst in den Kirchengemeinden Remte und Blīdene hat der am 20. November ordinierte Hilfspfarrer  Kārlis Rozentāls bereits als Evangelist begonnen. Damit endete für Pfarrer Uldis Gailītis der Dienst in der Kirchemngemeinde Blīdene und für Pfarrer Guntis Apriķis der Dienst in Remte

Evangelistin Alvita Eversone brach ihren Dienst in der ELKL  ab.

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In der Propstei Jelgava ist seit dem 7. Dezember unter der Aufsicht  von Pfarrer Valdis Bercs der Evangelist Vilnis Cirulis zum Dienst in den Kirchengemeinden  Vecauce, Jaunauce, Ruba, Priedula-Vadakste und Īle eingesetzt.

Zu Beginn dieses Jahres begann Evangelist Jānis Kundziņš seinen Dienst in der Kirchengemeinde Balgale. Wegen des Wechsels seiner Dienststelle zum Oberkirchenrat beendete Pfarrer Hans Jenson seinen Dienst in den Kirchengemeinden Vaiņode und Embūte. In diesen beiden Kirchengemeinden begann jetzt Hilfspfarrer Ivars Eisaks seinen Dienst, der davor  die Kirchengemeinden Grieze, Grīvaiši, Nīgrande, Pampāļi und Kursīši betreut hatte. Vom Epiphaniastage an werden die Kirchengemeinde Grieze und Grīvaiši von Evangelist Atis Freipičs betreut.

Auf Grund der Angaben aus den Diözesen zusammengestellt von der     Personalbteilung für Geistliche und Angelegenheiten der Kirchengemeinden.

Gehen wir und packen wir es an! Silvija Grunte, Ev.-luth. Kirchengemeinde Ķegums

So anregend ist die Devise des Festes unserer Kirche „Gehen wir und packen wir es an“, dass sie auch die Überschrift dieses Beitrages sein soll, der unsere kleine Kirchengemeinde Ķegums, die mit dem nationalen Erwachen und der Volksfront wieder neu entstanden ist, in Erinnerung rufen möchte, und das, was in der kleinen Gemeinschaft am Ort und in der großen Gemeinschaft des lettischen Volkes geleistet worden ist. Wir verstehen uns als ein wieder erstandenes Land, und natürlich braucht auch Ķegums außer der Freiheit, der Unabhängigkeit, der Elektrizität auch geistliches Leben und den Glauben, denn nur ein wirklich Glaubender kann ein Patriot seines Vaterlandes sein.

Obwohl den Aufbau der Kirchengemeinde junge und Optimismus ausstrahlende Menschen – Andrejs und Erita Krēmers – übernahmen, bilden Leute der früheren Jahrgänge die Mehrheit, die es vermocht haben, in den 50er Jahren, in denen der Atheismus angebetet wurde, den christlichen Glauben und die Erinnerungen an die eigene Kindheit zu bewahren. An der Wiege dieser Kirchengemeinde stand auch der Pfarrer der nationalen Erweckung Juris Rubenis. Er machte uns Mut, regte uns an und erteilte uns wieder den ersten Unterricht im Glauben. In Ķegums, dem Dorf, in dem elektrischer Strom produziert wird, hat es noch nie eine Kirchengemeinde gegeben, auch keine Kirche. Deshalb musste alles von Grund auf neu begonnen werden. Und so wurde am 1. Dezember 1990 die Kirchengemeinde neu registriert. Das war eine Zeit, in der die weltliche Macht und die geistliche Leitung miteinander noch Hand in Hand gingen und die Gottesdienste im Festsaal der Gemeindeverwaltung stattfinden konnten, wo wir als Kirchengemeinde mit der Leitung des Dorfes gemeinsam im Gebet für unser geliebtes Lettland vereint waren. Dann wurde der Traum geboren, dass Ķegums nicht nur eine Kapelle brauchte, sondern eine Kirche als geistlichen Mittelpunkt, wie sie auch in jeder Stadt deren Schmuck und Segen verkörpert.

Unser erster Pfarrer war damals Normunds Celmiņš, für den das auch seine erste Pfarrstelle war, was auch unsere christliche familiäre Einheit bestimmte. Das Missionsbewusstsein des jungen Pfarrers und sein uneigennütziger Dienst waren vielleicht in den späteren Jahren, in denen die Pfarrer ständig wechselten, etwas, was uns behinderte, denn wir mussten immer an unseren Normunds zurückdenken. Trotz unserer Proteste, trotz unserer Bitten wechselte er die Pfarrstelle nach Smiltene, und wir mussten uns lange Zeit mit Vakanzvertretern zufrieden geben. Und dann kam als Pfarrer der ehemalige Biologielehrer Valdis Drinks. Er bewies uns, dass der Mensch nie der Beherrscher des Kosmos gewesen ist und auch nie sein wird. Man konnte seine Predigten anhören wie das, was ein guter Lehrer im Unterricht spannend vorträgt. Auch ihm gelang es, unser Erzieher und Ratgeber zu werden. Jetzt können wir uns seit langem rühmen, einen Pfarrer zu haben, dessen Ansprachen sich vor keiner philosophischen Betrachtung zu verstecken brauchen. Es ist ein wahrer Genuss, anzuhören,

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wie jedes Thema aus der Heiligen Schrift vorgetragen und in einer für die Gemeinde gut verständlichen  Weise ausgelegt wird. Igors Safins ist noch ein sehr junger Pfarrer, bei dem man sich vorstellen kann, dass seine Karriere eines Tages zu einem sehr hohen Flug ansetzt. Wir sind sehr stolz, dass er uns als so kleiner Kirchengemeinde dienen möchte. Ja, der Zahn der Zeit hat auch an unserer Gemeinde genagt und auch Trümmer hinterlassen. Jetzt ruhen viele Sorgen und Mühen unserer alten Gemeindeglieder hinter den Mauern unseres Friedhofes. Aber wir müssen das Versprechen, das wir ihnen einmal gegeben haben, halten, und in Ķegums eine Kirche bauen!

Die ersten Planungsarbeiten begannen bereits in den 90er Jahren, aber dann trocknete alles wegen Geldmangels und wegen der Ignoranz der weltlichen Macht aus, und erst 2005 konnten wir im Sommer den Grundstein legen. 2007 konnten wir endlich  mit den Bauarbeiten beginnen, und das ist wirklich ein Wunder – unsere Kirche hat sich erhoben, hat ein schönes Dach bekommen und einen Turm mit einem Hahn und einem Kreuz an seiner Spitze., der uns jetzt segnet und bewacht, auch diejenigen, die am Ort vorbeifahren.

Die Innenarbeiten sind noch nicht begonnen worden, denn die Geldmittel sind wieder ausgegangen, aber wir sind voller guter Vorsätze, weiter zu gehen und anzupacken und Gott und unsere Mitmenschen um Hilfe zu bitten.

Unsere Kapelle dient heute als Fahrschule (so unbeliebt sind wir bei der pragmatisch denkenden Gemeindeverwaltung und der Verwaltung des Hauses des Volkes).

Ach, wie viel ist verloren gegangen durch die sowjetischen Untaten, als man  Kirchen zu Trockenräumen, Werkstätten und Pferdeställen machte. In unserer Nachbarschaft hat man in Birzgale die Kirche mit den dazu gehörenden Gräbern sogar gesprengt. Vielleicht gelingt es, mit der neu erbauten Kirche die geistliche Vertikale herzustellen, die dahin  führt, dass wir darüber nachdenken und es begreifen, wie unbedeutend und klein wir sind, wenn uns die geistliche Haltung fehlt, wenn wir über ein Leben ohne Glauben schwadronieren, über ein Leben ohne die christliche Nächstenliebe.

So leben wir in Ķegums, der Wiege der elektrischen Beleuchtung Lettlands, wo eine Kirche entsteht und bestimmt in diesem Jahr fertig wird, so dass wir zum nächsten Weihnachtsfest unsere Geschwister im Glauben auch aus anderen Gemeinden zum Gottesdienst in unser Gotteshaus einladen können werden. Möglicherweise wird das eine der wenigen Kirchen sein, die man nach dem Wiedererlangen der nationalen Unabhängigkeit erbaut hat, und dazu an einer Stelle, an der es noch nie eine Kirche gegeben hat. Gott gebe uns Seinen Segen für dieses Vorhaben.

Chefredakteurin: Inga Reča

Anschrift der Redaktion: Alksnāja iela 3 .- Riga- LV 1050

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Übersetzung: Johannes Baumann (abgeschlossen am 4.2.2009)

Brucknerstr. 24.-  D-27711 Osterholz-Scharmbeck

Telefon: 04791-13356

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Nachwort des Übersetzers Allen hoch verehrten Leserinnen und mit Ausdauer begabten Lesern gelten meine herzlichen Grüße und guten Wünsche für einen möglichst grippefreien kürzesten Monat des Jahres 2009.   J. B.

Verfasst von: liefland | Januar 17, 2009

Ausgabe Nr. 2 (1781) vom 17. Januar 2009

Mein Herz ist fröhlich in dem Herrn           1. Samuel 2,1.

Auszüge aus Svētdienas Rīts, Zeitung der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, herausgegeben von ICHTYS GmbH, erscheint seit Januar 1920.

2. Sonntag nach Epiphanias      Ausgabe Nr. 2 (1781)  vom 17. Januar 2009

Neuer Propst von Riga in sein Amt eingeführt. Ingrīda Briede

Am Abend des 12. Januar wurde im Dom zu Riga der neue Propst der Propstei Riga Linards Rozentāls in sein Amt eingeführt. Er hat 8 Jahre in der Luthergemeinde in Riga gedient, davon 3 Jahre als Oberpfarrer. Ab März wird er am Tag der Wahl eines neuen Kirchenvorstandes der Kirchengemeinde im Amt des Oberpfarrers der Luthergemeinde von Pfarrer Kaspars Simanovičs abgelöst. Sofort nach seiner Ordination 1995 hatte Linards Rozentāls auch das Amt des Propstes der Propstei Daugavpils übernommen und dadurch Erfahrungen im Amt eines Propstes gesammelt. Er war bisher auch der Stellvertreter des bisherigen Propstes Erberts Bikše. Ihn erwartet in seinem neuen Amt eine Fülle neuer Aufgaben. Zur Propstei Riga gehören 24 Kirchengemeinden, von denen zur Zeit 3 mehr als 1000 Gemeindeglieder haben – die Luthergemeinde. die Jesusgemeinde und die St, Johannisgemeinde. 3 Gemeinden haben 500 bis 1000 zahlende Mitglieder – die Martinsgemeinde, die Alte und die Neue St Gertrudgemeinde, die übrigen Kirchengemeinden haben weniger als 500 zahlende Gemeindeglieder. In der Propstei Riga sind zur Zeit 36 Pfarrer, ein Ehrenpropst und 7 Evangelisten beschäftigt. 27-30 % aller Gemeindeglieder unserer Kirche gehören der Propstei Riga an., das sind fast ein Drittel aller lutherischen Christen. der ELKL.

Als seine erste Aufgabe betrachtet Linards Rozentāls das Kennenlernen der Kirchengemeinden und der Pfarrer. Er möchte durch seine Tätigkeit die gute Zusammenarbeit, den Informations- und Erfahrungsaustausch zwischen den Kirchengemeinden in Riga, den Pfarrern und Gemeindeleitern fördern sowie gemeinsame Vorhaben initiieren. Es wäre sehr wichtig, wenn die Gemeinden voneinander lernen könnten sowohl durch eine gute Praxis als auch aus den gemachten Fehlern. Für eine lobenswerte Tradition hält der neue Propst die einmal im Monat stattfinden Konvente als eine gute Möglichkeit des Gedankenaustausches, Diese Tradition möchte er gerne fortsetzen, sowie auf manchen Gebieten kleinere Arbeitskreise bilden.

Der 13. Januar, Afrika und ich. Inga Reča, Chefredakteurin von „Svētdienas Rīts“

Durch Gottes Fügung gibt es in dieser Ausgabe drei Beiträge, die Lettland und Afrika betreffen. Am letzten Tage des vorigen Jahres verstarb der Freund Lettlands, der Bischof der lutherischen Kirche des Sudans Andrew Mbugo Elisa, der sich 2007 an der Konsekration unserer beiden Bischöfe  Pāvils Brūvers und Einars Alpe beteiligte. Der Traum von Pfarrer Artis Druvietis und der Missionarin Aija Dzene von einer nochmaligen Reise nach Uganda ist Wirklichkeit geworden, doch dieses Mal mit einem Team von neun Leuten, und dieses Mal nicht zu einer Besichtigungsreise, sondern zur Veranstaltung einer Pfarrkonferenz und zum Dienst am Wort Gottes in Dörfern und in den Elendsvierteln der Hauptstadt Kampala. Bei dem Interview mit den Taize-Brüdern über das jährliche Jugendtreffen zu Neujahr dieses Mal in Brüssel als auch über die zu erwartenden  Begegnungen mit der baltischen Jugend in Vilnius und Riga im Mai dieses Jahres erfuhren wir, dass die Brüder im vergangenen Jahr Christen aus verschiedenen Ländern und Stämmen Afrikas zusammengerufen haben, um in gegenseitiger Vergebung sich für das Ende des Mordens einzusetzen und das Leben in der Gesellschaft zu verändern. Die Brüder sagten, dass das der Auftrag eines jeden Christen sei,. um die Kraft zu bitten, das immer weiter andauernde Übel des gegenseitigen Hasses zu beenden. In seiner Predigt im Einführungsgottesdienst des neuen Propstes von Riga im Dom sagte Pfarrer Erberts Bikše, dass nur Christus Aus Dornen Weinstöcke zu machen vermag,

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und  dass wir nur, wenn wir in Christus sind, süße Früchte bringen können. Das sei zum 13. Januar dem „hohen Haus“ gesagt, in dem sich einige befinden, die sowohl dich als auch mich mit Pflastersteinen bewerfen.

Welches sind unsere Früchte? Predigt von Pfarrer Erberts Bikše am 12. Januar im Dom zu Riga zur Einführung von Propst Linards Rozentāls in sein Amt.

„Es gibt keinen guten Baum, der faule Frucht trägt, und keinen faulen Baum, der gute Frucht trägt. Denn jeder Baum wird an seiner eigenen Frucht erkannt. Man pflückt ja nicht Feigen von den Dornen, auch liest man nicht Trauben von den Hecken. Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens; und ein böser bringt Böses hervor aus dem bösen. Denn wes das Herz voll ist des geht der Mund über.“   (Lukas 6, 43-45)

Was in einem Menschen ist, das bleibt nicht verborgen. „Jeder Baum wird an seiner Frucht erkannt.“ Wer wir sind, das wird durch unser Leben deutlich.

Man kann es ja versuchen, sich anders darzustellen, als wir eigentlich sind. Das wäre dann auch so, als wollten wir von Dornen Feigen oder Trauben pflücken und dazu sagen: schau doch, was für wunderbare Feigen die Dornen tragen,  und welche wunderbaren Weintrauben wir von den Hecken pflückem können.

Es ist ja doch unmöglich, sich selbst so zu schmücken wie einen Christbaum mit schönen kleinen Dingen. Aber wenn man ihn näher betrachtet, dann erkennt man, dass das nicht aus dem Wesen des Menschen herausgewachsen ist. Das ist doch nur etwas, womit der Mensch sich eine kleine Weile schmücken und vor anderen glänzen kann.

Aber alles geschieht so, dass es früher oder später deutlich wird, wie der Mensch wirklich ist.

Man braucht nur Zeit, um deutlich zu erkennen, wie es um ihn bestellt ist. Die Früchte kommen, wenn es an der Zeit ist, Ob sie etwas nützen oder nicht, aber sie reifen.

„Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens; und ein böser Mensch bringt Böses hervor aus  seinem bösen Schatz,“ sagt Christus.

Abraham Lincoln sagte einmal über die Möglichkeiten des Menschen, sich zu irren und zu betrügen, folgende Worte: „Manches Mal gelingt es, das ganze Volk zu betrügen, aber nur für eine kurze Zeit; für eine längere Zeit kann man einen Teil des Volkes betrügen, aber nie das ganze Volk.“

Der Mann   hatte Recht. Die Wirklichkeit wird sichtbar, und das oft schneller, als wir es uns vorstellen.

Aber nun lohnt es sich, ein paar Fragen zu stellen.: „Wer waren wir? Wie waren wir?“ und auch: „Wer sind wir jetzt? Wie ist es um unsere Früchte bestellt?“

Um in der Sprache des Gleichnisses zu bleiben, waren wir Dornen und Heckenbüsche, die nur Dornen und Hecken tragen können. Gerne stellten wir unsere stacheligen Äste als Feigen und Weintrauben dar und versuchten es anderen einzureden, dass alles schön und herrlich sei.

Aber das waren nicht unsere Früchte. Wir wollten einfach besser sein, als wir eigentlich sind. Dieser Wunsch ist ja gar nicht schlecht, aber vermögen wir es von uns aus gut zu sein? Und wenn wir Unvermögen spüren, müssen wir bekennen, dass wir ohne Christus nicht mehr sind als eine Hecke oder ein Dornenbusch, die auch nichts anderes tragen können als ein Hecke oder ein Dornenbusch.

Jemand könnte darauf einwänden: Ist es wirklich so, dass wir das nicht können? Doch durch das Prisma der Heiligkeit Gottes betrachtet, ist es wirklich so.

Und  dann geschieht das Einmalige und alles Verwandelnde: Gottes Kommen in unsere Schwachheit und Hoffnungslosigkeit.

In den Dornen und Hecken, die man zusammenliest und danach verbrennt, entdeckt Christus eine Möglichkeit, ein Wunder zu vollbringen: Er verwandelt die Dornen zu Bäumen, die

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wunderbare Feigen tragen. Aus Hecken macht er Weinstöcke, die süße Weintrauben tragen. Bei Matthäus lesen wir die Worte Jesu: „Nehmt an, ein Baum ist gut, so wird auch seine Frucht gut sein, oder nehmt an, ein Baum ist faul, so wird auch seine Frucht faul sein. Denn an der Frucht erkennt man den Baum.“ (Matthäus 12,33). Christus hat das vollbracht. Er hat uns zu Bäumen gemacht, die gute Frucht bringen. So hat sich die Weissagung des Propheten Jesaja bewahrheitet: „Es sollen Zypressen statt Dornen wachsen und Myrten statt Nesseln. Und dem Herrn soll es zum Ruhm geschehen und zum ewigen Zeichn, das nicht vergehen wird.“ (Jesaja 55,13)

Christus hatte vermocht, was kein anderer vermocht hatte. Gute Früchte entstehen jetzt ganz natürlich und ohne dass wir es merken zur rechten Zeit, die ihnen bestimmt ist. Es gibt die Früchte einfach, denn ein guter Baum trägt gute Frucht. Jetzt strömt aus uns nicht nur ein trockenes und kurzes Leben. Aus uns strömt das Leben Christi und die Kraft seines Segen spendenden Blutes. „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht,“ spricht Christus (Johannes 15,5). Jetzt müssen wir nur darauf acht haben, dass wir in Christus bleiben und er in uns. Wenn wir uns bei ihm wiederfinden, dann haben wir alles erhalten, was wir brauchen, um Frucht zu bringen. Ohne ein Leben in Christus sind alle unsere Bemühungen nur mit dem Schmücken eines Christbaums zu vergleichen – mit dem Glanz nur für einen Augenblick.

Zum Schluss mein Wunsch an den Propst von Riga zu seinem Dienstbeginn. Christus spricht: „Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.“ Als Propst muss man viel denken, viel tun, viel beten, aber auch viel reden. Von Herzen wünsche ich dir, dass alles, was du denkst, tust und redest, aus deinem Herzen kommt, das von der Gegenwart Christi voll ist – von seiner Kraft, seiner Gerechtigkeit, Seiner Heiligkeit und Seiner Liebe. Wenn durch deinen Dienst Christus weiter wächst, dann braucht man sich um die Früchte keine Sorgen zu machen. Sie kommen einfach, und dazu noch gut und reichlich.

Ich wünsche dir Gottes Segen und den Frieden Christi, unseres Herrn. Amen.

Chefredakteurin: Inga Reča

Anschrift der Redaktion: Alksnāja iela 3 .- Riga- LV 1050

E-Mail-Adresse: svetdienasrits@apollo.lv

Übersetzung: Johannes Baumann (abgeschlossen am 22.1.2009)

Brucknerstr. 24.-  D-27711 Osterholz-Scharmbeck

Telefon: 04791-13356

E-Mail-Adresse: baumann-ohz@arcor.de

Nachwort des Übersetzers Wie bei fast allen Ausgaben von SR habe ich auch bei dieser Nr.  2 des Jahrgangs 2009 nicht alle Beiträge übersetzt. Dabei ging es vor allem um die drei, die das Thema Afrika zum Inhalt hatten, sowie um ein ausführliches Interview mit drei Taizé Brüdern und um eine Konferenz der diakonischen Mitarbeiter in der Propstei Sélpils.

Im Beitrag der verehrten Chefredakteurin von Seite 1 unten bis Seite 2 oben wird der etwas mysteriöse letzte Satz vielleicht mancher aufmerksamen Leserin und diesem oder jenem kritischen Leser ein Gefühl der Ratlosigkeit hinterlassen. Ihnen könnte vielleicht das, was ich dieser Übersetzung als Anhang hinzugefügt habe, eine Verständnishilfe sein. Bei diesem Beitrag geht es um einen Bericht des Pastors der deutschen Gemeinde in Riga Dr. Martin Grahl über die manche Besorgnis erregende derzeitige Situation in Lettland, der, da  er in deutscher Sprache verfasst worden ist, von mir nicht mehr übersetzt zu werden brauchte, was mir dann einige Stunden übersetzungsfreie Zeit bescherte.   J. B. [J1]

Anhang zu SR 2-2009

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Über die Situation in Riga. Bericht von Dr. Martin Grahl, Pastor der deutschen evangelisch – lutherischen Kirchengemeinde in Riga       Riga, den 14. Januar 2009

Manche erinnerte das schon an 1991. Die letzten Ereignisse im Land brachten das Volk auf die Straße: Drastische Gehaltskürzungen im öffentlichen Dienst, von bis zu 40% war die Rede, Entlassungen, Firmenaufgaben und eine Erhöhung der Mehrwertssteuer. Im Herbst verdoppelte sich zum Beispiel der Preis für Erdgas von heute auf morgen, die Bahntickets kosteten auch von einem Tag zum anderen doppelt so viel, während auch die Bahnbeamten wohl kaum mit einer Lohnerhöhung rechnen können. Und dazu passen dann Äußerungen von Politikern, die sagen, es sei nichts Besonderes geschehen. Was interessiert die Krise auch Oligarchen, die sich eine Krise locker leisten können und sowohl in der Ökonomie als auch in der Politik das Sagen haben? So rief dann der (Millionär) Maris Slokenberg, der auch mal auf der Kandidatenliste für die letzte Präsidentenwahl gestanden hatte, zur Großdemonstration auf. Zum Domplatz in Riga kamen Zehntausende, auch mit Bussen aus dem ganzen Land. „Wir haben auch unsere Delegation geschickt“, sagte man mir in Daugavpils. Die Russen waren geteilter Ansicht: Sollen wir da mitmachen? Es ist eine lettische Angelegenheit. Andere sagten: Es ist unsere gemeinsame Sorge, – wir müssen auch hin. Auf dem Domplatz waren alle da: Jugendliche, Ältere, Letten und Russen. Viele haben Existenzangst, ein Pfarrer berichtete mir, wie reihenweise Familien in das soziale Abseits rutschen, häufig durch Schuldenfallen. Es war eine aufgeregte, erwartungsvolle Stimmung auf dem Domplatz. Frust wollte sich demokratisch Luft machen. Aber genau das hatten die Veranstalter selbst offenbar nicht recht verstanden. Sie fokussierten alles auf die Forderung nach Auflösung des Parlaments, für die im letzten Jahr ein Referendum gescheitert war. Dafür gab es denn auch Beifall, aber als ein Chor auf der Bühne mit zarten Stimmen patriotische Lieder sang, kam an uns eine wütend enttäuschte Frau vorbei, die nach Hause ging und sagte: „Mit leerem Bauch kann man nicht singen.“ Die eigentlichen Sorgen und der Druck, der auf dem Volk lastet, kamen wenig vorn zur Sprache. Aber es war immerhin die größte Demonstration seit der Unabhängigkeitsbewegung, abgesehen von den russischen Schülerdemonstrationen vor ein paar Jahren.

Wir sind dann nach Hause gegangen und sahen, wie schlecht die Polizei vorbereitet war. Der Hauptzugang zum Platz war so zugestopft, dass es bei Panik zur Katastrophe gekommen wäre. Erstaunt waren wir an der Saeima: Es war ja zu erwarten, dass sich das Ende der Demonstration hier abspielen würde. Die kleinen Seitenstraßen waren gesperrt und in Sackgassen verwandelt worden. Aber man konnte nur wenige Meter vor dem Eingang umherflanieren. Und hier geschah es dann auch später. Nachdem einige Eier von Frusitrierten den gutgemeinten Chor auf der Bühne getroffen hatten, nahmen hier andere schwere Steine in die Hand. Die Situation eskalierte. Die Scheiben des Parlaments gingen zu Bruch. Es wurde ein polizeilicher Ausnahmezustand erklärt. Es waren immerhin Tausende, die diesen zweiten Teil des Abends zur Revolte werden ließen. Man kesselte viele in die Gassen ein, es kam zum Tränengaseinsatz, Polizeiautos wurden demoliert. Die Polizisten müssen völlig frustriert gewesen sein. Gerade hatte man ihnen bis zu 40% ihres Gehalts gekürzt, und nun sollten sie die, die das veranlasst hatten vor dem „Mob” schützen, der nur aussprach, was sie selbst wohl dachten. Ein Alkoholgeschäft wurde geplündert, vandalisierende Jugendliche mussten in der Nacht in der Altstadt gejagt werden. Es gab Verhaftungen, darunter auch Journalisten und – Polizei, denn es flog auch ein Stein in die verkehrte Richtung.

Es war vom Staatsbankrott die Rede gewesen, der Gleichgültigkeit der gewählten Verantwortlichen, die selbst gut versorgt dem Volk zumuten, den Gürtel enger zu schnallen, als es möglich ist. Die Lebensmittelpreise liegen jetzt vielfach über dem westeuropäischen Durchschnitt, – zwei Ketten können die Preise in freundschaftlicher Konkurrenz diktieren.

Anhang zu SR 2-2009                             – 2 –

Das Gehalt der Angestellten dagegen befindet sich teilweise im freien Fall. Während die lettischen Fernsehkanäle sich am späten Abend weiter im Programm bewegten mit Reklame und Unterhaltung, lief auf dem russischen Sender eine Endlosschleife mit einem Bericht der Ereignisse. Die Russen aber haben weder die Vorgänge provoziert, noch kann man ihnen die Eskalation in die Schuhe schieben, – Russen und Letten ließen sich gemeinsam auf die Auseinandersetzung ein. Und, – das muss angesichts vergleichbarer Vorgänge in Europa gesagt werden, – es war nicht die organisierte Aktion von Autonomen und es sind auch keine Vorstandtkrawalle.

Die ausländische Presse hat schon in all den letzten Jahren wenig Interesse an den Vorgängen im Baltikum gezeigt, – sie kommt eigentlich nur, wenn es zum Krach kommt. Dieser hier war vorherzusehen, – und dennoch dauert es, bis die Berichte kommen werden. Aber was uns hier vielmehr interessiert ist die Frage, ob es zum Beispiel zu Neuwahlen kommen wird und der Präsident, der es als einziger in der Hand hat, dies vorschlagen wird. Herr Zatler selbst war gestern nicht im Lande. Er ließ verlauten, das Land sei noch nicht am Ende seiner Möglichkeiten. Und noch entscheidender wird es sein, ob es vielleicht doch noch bessere Ideen gibt, als Gehälter zu kürzen, die Mehrwertsteuer zu erhöhen, das Preisniveau gelassen wachsen zu lassen und sich damit abzufinden, dass die kleine Oberschicht weiter ihre nicht zu übersehenden dicken Autos spazieren fährt, während im Volk sich die Angst breit macht.

Verfasst von: liefland | Januar 10, 2009

Ausgabe Nr. 1 (1780) vom 10. Januar 2009

Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.   Römer 8,14.

Auszüge aus Svētdienas Rīts, Zeitung der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, herausgegeben von ICHTYS GmbH, erscheint seit Januar 1920.

1. Sonntag nach Epiphanias       Ausgabe Nr. 1 (1780)  vom 10. Januar 2009

Guten Morgen am Sonntagmorgen! Inga Reča, Chefredakteurin.

Ich wünsche uns allen Gottes Segen zum Neuen Jahr!

Herzlichen Dank, dass wir uns wieder begegnet sind! Das Jahr 2009 ist für „Svētdienas Rīts“ von großer Bedeutung, denn zu Ostern werden es genau 20 Jahre sein, seit die  erste Ausgabe der Zeitung „Svētdienas Rīts“ als Anhang der von der Volksfront herausgegebenen Zeitung „Atmoda“ nach langen Jahrzehnten wieder erscheinen konnte. Es war ja gar nicht die Zeitung, die plötzlich auf mystische Weise „erschienen“ ist. Es waren vielmehr einige Menschen, die ihr ganzes Wissen, ihre Begabung und ihre Begeisterung einsetzten, damit die Zeitung erscheinen konnte. Das waren die Journalistin und Pfarrerin  und Abgeordnete der Saeima Aida Prēdele, Pfarrer Juris Rubenis, der Philosoph, Journalist und Medienspezialist Ilmārs Latkovskis und viele andere, an deren Beitrag wir uns am 24. April in einem Festgottesdienst in der Alten St. Gertrudkirche in Riga mit einem anschließenden Empfang erinnern möchten.

Fragen wir uns doch selbst: Was sind schon 20 Jahre? Vor der Ewigkeit eine Bagatelle, und wenn wir „mittleren Alters“ sind, war 1989 wie gestern… oder wie vorgestern. Aber während dieser Zeit ist eine neue Generation herangewachsen, denen als heute 20-jährigen nicht nur den Sinn der Worte „Erwachen“ und  „Volksfront“, die sie vielleicht einmal in der Schule oder Universität gehört haben, fremd ist. Wir setzen unsere Arbeit fort. Schließt Euch uns an – mit Ideen, Beiträgen und mit Eurem Gebet! Möge das so sein, so lange das der Wille unseres Himmlischen Vaters ist.

Der erste Konvent der Propstei Riga unter der Leitung des neuen Propstes.

Rudīte Losāne, Krankenhausseelsorgerin und Evangelistin

Gegen Ende des Jahres berief der neue Propst der Propstei Riga Linards Rozentāls den Konvent zum 15. Dezember ein. Damit wurde der letzte Konvent im Jahr 2008 zum ersten Konvent unter der Leitung von L. Rozentāls. In der Andacht stimmte der Propst den Konvent auf Weihnachten ein, und rief dazu auf, die harmonische Eintracht zwischen Maria und Joseph zu entdecken, die durch das Haus David mit seiner Tradition  und mit dem Entstehen von etwas Neuem symbolisiert wird. Auch der weitere Verlauf des Konventes war thematisch auf die Betrachtung des Weihnachtsgeschehens orientiert. Unter der Anleitung von Pfarrer Indulis Paičs  konnten die Konventsteilnehmer verschiedene Aspekte des Weihnachtsgeschehens betrachten, was die Geistlichen zu Überlegungen und Diskussionen bei ihren Vorbereitungen auf die Gottesdienste am Christfest anregte.

In seinem Vortrag über die Weihnachtsthematik wies I. Paičs auf den historischen Aspekt wie auf die Symbolik des Weihnachtsgeschehens hin und nutzte dabei auch den Geburtsbericht aus dem Matthäusevangelium. Um den Zusammenhang mit den alttestamentlichen Propheten herzustellen, benutzte der Referent auch das Parallelbeispiel des Mose und lud ein, dessen Berufung zu betrachten. Oft wird als der wichtigste Auftrag des Mose die Übergabe der Zehn Gebote an das Volk Gottes betrachtet, aber eigentlich war dessen  wichtigster Auftrag das Herausführen des Volkes aus der Sklaverei in Ägypten – aus der Knechtschaft der Pharao zum Dienst an den lebendigen Gott. Doch ging die Erfüllung dieses Auftrages über seine Kraft. Am Ende seines Lebens sah Mose noch aus der Ferne das Gelobte Land auf dem Berge Nebo. Es musste ein anderer kommen, der das Volk körperlich in das Gelobte Land brachte, Josua, der Sohn Nuns. Aber später musste einn anderer Kommen, der das Volk geistlich dahin führte. Mose kam bis zum Berg Nebo, aber, wie wir es dem Matthäusevangelium entnehmen, Johannes der Täufer ist einen Schritt weiter gekommen. Er ist „in den Jordan gestiegen“

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gegenüber dem Berg Nebo. Physisch wird die Geschichte durch von Gott ausersehene Menschen fortgesetzt, aber, um sie geistlich fortzusetzen, ist Jesus gekommedn. Nach seiner Taufe stieg er aus dem Jordan, um das zu vollenden, was mit Mose begann. Der Referent betonte, dass es wichtig sei, dieses Schema im Sinn zu behalten, denn dadurch erkennen wir das Neue Testament als die Fortsetzng des Alten Testaments. Jesus erfüllte das geistlich, was Mose zu erfüllen nicht mehr in der Lage war. Um das zu vollenden, was Mose angefangen hatte, wurde Jesus wie Mose – er wurde Mittler, Prophet und König. Möglicherweise beschreibt Matthäus den Besuch der drei Weisen aus dem Morgenlande so genau, bei dem diese die drei Werkzeuge zur Ausübung des dreifachen Amtes herbringen: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Aus dieser Sicht brachte der Referent seine Hörer weiter zur Thematik des Epiphaniastages mit noch anderen geistlichen Aspekten dieser Botschaft – die Offenbarung Gottes durch die tägliche Verkündigung und der besonderen Offenbarung.

Der Referent bat seine Zuhörer, die Frage der Empfängnis aus der sozialhistorischen Sicht der damaligen Zeit zu betrachten  Weder für die Juden noch für die Griechen war das verständlich. Der Talmud behauptet sogar, dass Jesus das Kind eines römischen Offiziers sei; auf diese Weise bekommt die Geburt Jesu einen besonders demütigenden Beigeschmack. Weil diese Einstellung der Juden bekannt war, wird das Geschehen in den weiteren Berichten in den Evangelien umso deutlicher. Für viele war Jesus ein Mensch mit einer zweifelhaften Herkunft. Einem Christen fällt es normalerweise schwer, die unbefleckte Empfängnis Jesu zu kommentieren. Hier geht es um eine Frage des Glaubens. Jesu Leben beginnt am niedrigsten Punkt und endet mit seinem Sieg am Kreuz. Das ermöglicht jedem Menschen, sich am niedrigsten Punkt aufzurichten, um dann den Sieg zu erleben. Dann wandte sich der Referent in seinem Referat auch der Symbolik der Weihnachtsgeschichte zu: dem Ort, in dem Jesus geboren wurde – der Krippe. Diese Symbole waren den Hirten bekannt, welche als erste die Botschaft vom Kommen Jesu auf diese Erde empfingen. Sowohl die Geburt Jesu als auch die Flucht mit Maria und Joseph nach Ägypten stellt die Verbindung zu der Geburt und das Leben des Mose wieder her. Darauf wies der Referent am Schluss seines Vortrags hin.

Nach diesem sehr anregenden Vortrag gab es eine fruchtbare Diskussion, an der sich fast alle Zuhörer beteiligten, und die sich bis in die Pause hinein fortsetzte.

Der zweite Teil des Konvents, in dem die nächsten Vorhaben in der Propstei Riga sowie gesamtkirchliche Prioritäten verhandelt wurden,  verlief in einer sachlichen Atmosphäre. Mit einer gemeinsamen Andacht wurde der Konvent beendet.

Kirche von Madliena 570 Jahre alt. Rasma Vērpēja, Gemeindeleiterin.

Gegen Ende des Jahres waren Groß und Klein aus der Nähe und der Ferne in der Kirche von Madliena versammelt, um gemeinsam den 570. Geburtstag der Kirche zu feiern. Weiße Lilien und duftende Tannenbäume luden jeden ein, in die Kirche hereinzukommen.

Das Fest begann mit einem Konzert, in dem die Kinder sangen und Gedichte aufsagten. Danach feierten wir den Gottesdienst mit Erzbischof Jānis Vanags, dem Propst der Propstei Ikšķile Modris  Īvāns und Pfarrer Kaspars Eglītis.

Für seine Ansprache hatte Propst  M. Īvāns einen Text aus dem Propheten Maleachi ausgesucht: „ Siehe, ich will meinen Boten senden, der vor mir den Weg bereiten soll. Und bald wird  kommen zu seinem Tempel der Herr, den ihr sucht; und der Engel des Bundes, den ihr begehrt, siehe, er kommt!, spricht der Herr Zebaoth.. Wer wird aber den Tag seines Kommens ertragen können, und wer wird bestehen, wenn er erscheint? Denn er ist wie das Feuer eines Schmelzers und wie die Lauge der Wäscher. Er wird sitzen und schmelzen und das Silber reinigen, er wird die Söhne Levi reinigen und läutern wie Gold und Silber. Dann werden sie dem Herrn Opfer bringen in Gerechtigkeit, und es wird dem Herrn wohlgefallen das Opfer Judas und Jerusalems wie vormals und vor langen Jahren. Und ich will zu euch

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kommen zum Gericht und will  ein schneller Zeuge sein gegen die Zauberer, Ehebrecher, Meineidigen und gegen die, die Gewalt und Unrecht tun den Tagelöhnern, Witwen und Waisen, und die den Fremdling drücken und mich nicht fürchten, spricht der Herr Zebaoth. Ich, der Herr, wandle mich nicht, aber ihr habt nicht aufgehört, Jakobs Söhne zu sein.“  Der Propst betonte, dass Menschen zu allen Zeiten Gott gesucht, nach seinem Wort und mit ihm  gelebt haben.

Am Ende des Gottesdienstes sagte der Erzbischof: „Liebe Gemeinde, ich grüße euch herzlich sm 570. Jahrestag eures Gotteshauses. Ihr habt in diesem Gotteshaus ein großes Privileg. Und es ist mir eine große Freude, zu sehen, dass ihr es auch nutzt, dass ihr herkommt, auch wenn es kalt ist, auch wenn es Mühe macht, es zu pflegen und zu erhalten. Das erfreut mich sehr, und ich sage der Leiterin der Gemeinde, dem Kirchenvorstand, allen Mitarbeitern, die sich um die Kirche mühen, ganz herzlichen Dank. Dank auch dem Pastor für seine Predigten und für die Verwaltung der Sakramente.

Haben wir eigentlich darüber nachgedacht, weshalb wir zur Kirche gehen?  In der Predigt unseres Propstes klang der Gedanke vom Feuer des Schmelzers an, von der Reinigung und Läuterung. Unsere Kirche lehrt, dass wir nach Gottes Absicht der Tempel des Heiligen Geistes sind, und dass uns der Heilige Geist geschenkt wird. Ihr kommt hierher zur Kirche, um den Geist der Wahrheit zu empfangen, der uns reinigt und läutert, der uns verwandelt und uns zu Gott führt. Hier empfangt ihr mit der Absolution den Zuspruch der Vergebung der Sünden, hier empfangt ihr unter Brot und Wein das Opfer Christi, der euch mit Gott vereint, damit ihr, wenn euer Weg auf dieser Erde zu Ende ist, vor dem Gericht Gottes bestehen und in das ewige Leben eingehen  könnt.

Im Leben des Menschen gibt es, und da bitte ich die hiesige Gemeindeverwaltung um Entschuldigung, wenn ich sage, dass es hier in Madliena für die Menschen kein wichtigeres Gebäude gibt als das Gotteshaus. Denn hierher kommt ihr, jeder für sich, um das ewige Leben zu empfangen.

Gott segne euch alle! Möge Gottes Wort euch erfreuen und trösten. in diesen Zeiten , da so viel über die Krise und Unsicherheit, über die Angst vor morgen geredet  wird. Ich wünsche euch innere Gewissheit. Mögen die Weihnachtskerzen in uns ein Feuer entfachen und dort alle unsere Klagen, unsere Unruhe und alles Überflüssige, was uns beschwert, verbrennen. Gott behüte eure Herzen und euer Denken in Christus Jesus!“

Zusammen mit der Gemeinde feierften dieses Fest auch unsere lieben Freunde aus Deutschland und Finnland. Der Kirche Sachsens haben wir es zu verdanken, dass unsere Jugend bereits viele Male in Deutschland zu gemeinschaftlichen Unternehmungen mit der deutschen Jugend war. Diese Freundschaft zur Kirche Sachsens besteht schon seit 16 Jahren.

Kürzer ist die Zusammenarbeit unserer Gemeinde mit der Kirchengemeinde Narpe in Finnland. Durch diese Freundschaft hatten die Kinder unserer Sonntagsschule schon seit 3 Jahren die Möglichkeit, gemeinsam mit unseren finnischen Freunden an Lagern für Sonntagsschulkinder teilzunehmen,.

Unter den Gratulanten war auch die Gemeindedirektorin von Madliena Rita Grāvīte, die Erzbischof Vanags dafür dankte, dass er, wenn er in Madliena ist, nicht nur die Kirche betritt, sondern bei wichtigen Anlässen auch die Gemeindeverwaltung besucht. Die Gemeindedirektorin danke auch den Pfarrern, die hier gedient haben. dafür, dass sie in jedem Gottesdienst auch die Gemeindeverwaltung in ihre Fürbitte eingeschlossen  haben. Rita Grāvīte sprach auch den Gedanken aus, dass das, was zur Zeit  in Lettland geschieht, deshalb geschieht, weil wir die vor Jahrtausenden aufgezeichneten Grundwerte verloren haben. „Kehren wir zu den Ursprüngen zurück! Fangen wir wieder von vorne an!  Bringen wir die Rangordnung der Dinge nicht durcheinander, wie sie in der Heiligen Schrift festgelegt ist! Damit die Eltern, wenn ihre Kinder sie brauchen, auch ihren Kindern beistehen mit allen ihren

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Sinnen und ihren Möglichkeiten. Und wenn dann einmal die Zeit gekommen ist, dass sich die Kinder um ihre Eltern sorgen müssen, dass sie das aus ganzem Herzen und mit allen ihren Möglichkeiten tun. Dass diejenigen, die unserem Volk dienen, auch wirklich dessen Diener sind, und das nicht nur äußerlich mit Worten tun. Sie mögen genügend Verstand, . Glauben und Mut für ihren verantwortungsvollen Dienst haben, den sie ausüben sollen. Am Festtag dieser Kirche erbitte ich Glauben – auch den Glauben an unser Land.. Doch dieser Glaube wird immer unvollkommen bleiben, wenn wir nicht an Gott glauben, wenn wir nicht daran glauben, dass wir allein ohne das Wort Gottes diesen Staat nicht erhalten können werden.

Eigentlich sind 570 Jahre nur eine kurze Zeit. Und wie es der Erzbischof in seiner Ansprache bereits gesagt  hat, glaube ich auch als Gemeindedirektorin, dass es in Madliena und Umgebung kein Gebäude von größerer Bedeutung gibt  als dieses Gotteshaus.Und glaubt mir, dass mir nichts mehr Freude macht, als Kirchenfenster, aus denen das Licht weiterhin nach außen scheint. Es ist das Licht, das zum Haltmachen nötigt, und zu überlegen, wer wir sind, wofür wir in dieser Welt leben.“, sagte die Gemeindedirektorin. R. Grāvīte dankte auch den Gästen aus der Ferne, ganz besonders Marion Kunz aus Sachsen und den Freunden aus Finnland, die ihre Zusammenarbeit zunächst mit der Gemeindeverwaltung begannen, die jetzt in eine Zusammenarbeit mit den Kirchengemeinden und den Menschen aus den Dörfern übergegangen ist.

Zum Fest war auch der ehemalige Pfarrer der Kirchengemeinde Ainars Spriņģis angereist, der der Kirchengemeinde fünf Jahre gedient hatte. Herzliche Worte richteten an die Gemeinde auch Vertreter der Nachbargemeinden Krāpe und Ērgļi. Propst Modris Īvāns der Gemeinde, dass sie ihr Licht weitertragen möchte, und dass sie am Wort Gottes festhalten und sich von ihm leiten lassen möge.

Einen herzlichen Dank allen, die dazu beitrugen, dass dieses Fest stattfinden konnte. Als ein Geschenk erhielt die Kirchengemeinde ein dreibändiges Werk „Brücke über die Jahre“. Im ersten Band kann man die Geschichte der Kirche und die Restaurierungsarbeiten während der vergangenen 10 Jahre, die Pfarrer die in dieser Gemeinde gedient haben, die Leiter der Kirchengemeinde, die Sonntagsschule, die Jugend, die Zusammenarbeit mit den Deutschen und Finnen und bedeutende Persönlichkeiten der Kirchengemeinde Madliena  kennen lernen. Der zweite Band enthält Fotos, und der dritte Band enthält eine Chronik der Zeit von 1924 bis 2008. Nach einer Weile wird man das Material auch im Internet betrachten können.

Danach blieb man bei Tee und Kaffee in der Gemeinschaft beisammen.

Die Teilnehmer am Fest konnten die von den Kindern der Kunstschule angefertigten Zeichnungen von Engeln betrachten

Das Fest wurde mit einem Konzert beendet, bei dem es den Sängern gelang, in der Kirche eine unbeschreibliche Festtagsatmosphäre zu schaffen.

Chefredakteurin: Inga Reča

Anschrift der Redaktion: Alksnāja iela 3 .- Riga- LV 1050

E-Mail-Adresse: svetdienasrits@apollo.lv

Übersetzung: Johannes Baumann (abgeschlossen am 16.1.2009)

Brucknerstr. 24.-  D-27711 Osterholz-Scharmbeck

Telefon: 04791-13356

E-Mail-Adresse: baumann-ohz@arcor.de

Nachwort des Übersetzers Mit der ersten Ausgabe im Neuen Jahr sende ich an alle treuen Leserinnen und geduldigen Leser meine herzlichsten Segenswünsche in der Hoffnung, dass die Verbindung zwischen uns noch lange halten möchte.   J. B.

Verfasst von: liefland | Januar 15, 2005

Ausgabe Nr. 2 (1592) vom 15. Januar 2005.

Sich freuen und fröhlich müssen sein an dir, die nach dir fragen, und die dein Heil lieben, immer sagen: Hoch gelobt sei Gott!                       Psalm 70, 5.

Auszüge aus Svétdienas Ríts, Zeitung der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, herausgegeben von ICHTYS GmbH, erscheint seit Januar 1920.

Ausgabe Nr.  2 (1592) vom 15. Januar 2005.

Nach dem Orkan hat die Kirche von Àrlava kein Dach. Marcis Zeiferts, Propst der                                                                                                                                                                                                               Propstei Kandava.

In der Nacht auf Sonntag, den 9. Januar wurden mehr als 300 Quadratmeter des Daches schwer beschädigt. Die Gesamtfläche des Daches beträgt nicht ganz 600 qm. Das Dach wurde auf der Südseite völlig abgerissen und muss auf der Nordseite teilweise erneuert werden. Der übermächtige Sturm hat die Kirche nicht verschont, die mit 450 Sitzplätzen wohl die größte Dorfkirche Kurlands ist. Sie liegt 20 km von Talsi in Richtung Roja entfernt. Um das ganze Dach wieder in Ordnung zu bringen, werden mindestens 30.000 Lat benötigt. Der Blick, der sich bei dem Heranfahren an die Kirche bietet, ist schockierend. Der Orkan hatte das Dachblech zusammengerollt wie Papier und fand sich auf dem Kirchhof wieder ein. Größere Stücke hatte der Orkan weit über die Mauer hinweggeblasen. Glücklicherweise gab es keine Schäden durch abgebrochene Bäume, denn die Gemeinde hatte alle morsch erscheinenden Bäume in der Nähe der Kirche im vergangenen Sommer abgesägt.

Im vergangenen Sommer wurde die Renovierung der Fassade der Kirche beendet und im Jahr davor das Dach angestrichen. Eine gründliche Untersuchung machte deutlich, dass das Dachblech noch vor dem Zweiten Weltkrieg hergestellt worden ist und den Namen eines britischen Herstellers trägt. Wenn der Orkan dieses Dach nicht abgetragen hätte, dann hätte es noch mindestens einige weitere Jahrzehnte seinen Dienst tun können. Bis dahin hatte die Kirche noch nie irgendwelche Probleme mit dem Dach gehabt. Wenn man die Straße von Talsi nach Roja fährt, dann kann man ein langes Stück weit das rote Kirchendach sehen. Leider ist durch diese Orkanschäden das Weiterbestehen dieser bedeutenden Kirche aufs höchste gefährdet.

In der Kirche befinden sich mehrere kulturhistorische Stücke von Denkmalswert.. Auch die von August Martin erbaute Orgel nimmt einen bedeutenden Platz unter den Orgeln Lettlands ein. Sie ist erst vor wenigen Jahren aus Mitteln des Kulturkapitalfonds restauriert worden.

Nach diesem nächtlichen Orkan fand in der Kirche eine Andacht statt mit der Fürbitte für alle Orte unseres Landes, die von den Orkanschäden betroffen waren. Die Andacht wurde zeitweise durch das Donnern des  heftigen Sturmes und das Klappern des aus den Fugen geratenen Dachblechs gestört.

Nach den Quellen stand in Àrlava bereits seit dem 14. Jahrhundert eine Kirche. Die heutige Kirche aus Stein wurde 1793 erbaut.

In der Propstei Kandava hatten von den 25 Gotteshäusern auch die Kirchen von Talsi, Tukums, Balgale und vermutlich auch Lestene unter dem Sturm zu leiden. Die unmittelbar an

der Rigaer Bucht gelegenen Kirchen wie Roja, Kaltene, Engure und Mérsrags haben dagegen den Prüfungen durch den Orkan standgehalten.

Die Kirchengemeinde Àrlava bittet die Gesellschaft und alle Freunde im In- und Ausland um ihre Hilfe bei der Instandsetzung ihres Gotteshauses.

Der Orkan ist auch nicht an lutherischen Gotteshäusern vorbeigegangen. Santa Cilévica

Bisher bekannt gewordene Schäden an lutherischen Gotteshäusern in Lettland.

Die ELKL hat die Schäden aufgenommen, die der Orkan in der Nacht auf den 9. Januar an lutherischen Kirchen angerichtet hat. Davon betroffen waren mehr als 30 Kirchen, denen die Dächer und Turmverkleidung abgerissen, Fenster beschädigt worden sind und die andere

SR 2-2005                                             – 2 –

Schäden erleiden mussten. Die Kirche von Matísi verlor 100 qm ihres Daches. Schwer betroffen wurden auch die St. Annenkirche in Liepája/Libau und die Gotteshäuser von Durbe, Ludza und Àrlava. Schäden drohen auch der berühmten Orgel von Ladegast in der St. Simeoniskirche in Valmiera durch Schäden am Kirchendach.

Die Liste der durch den Orkan betroffenen Kirchen wird ständig ergänzt und demnächst dem Denkmalsamt vorgelegt.

Etwa drei Viertel der inzwischen bekannten betroffenen Kirchen sind von Denkmalswert und benötigen dringend sofortige Hilfe. „Wir hoffen auf Hilfe durch den Staat und Sponsoren und bitten sehr herzlich und dringend die Unternehmen vor Ort und die Kommunen, alles nur mögliche zu tun, um diese Denkmäler der Kultur zu erhalten.“ So der Leiter der Finanzkommission Artis Eglítis.

Für die Restaurierung werden mehr als Hunderttausend benötigt. Ingrída Briede.

Nicht nur in den Gotteshäusern Lettlands begann der Sonntag ganz ungewöhnlich. An vielen Orten wurde der Gottesdienst bei Kerzenschein gehalten, an anderen Orten fiel er ganz aus, weil der Pastor wegen der versperrten Straßen die Kirche nicht erreichte. An anderen Orten hielten die Gemeinden einen verkürzten Gottesdienst ohne den Pastor.

Das Konsistorium hat inzwischen die Schäden an den Gotteshäusern in Lettland zusammengestellt. Der Orkan hat inzwischen mehr als 30 ihrer Dächer und Turmverkleidungen beraubt. Der Leiter der Finanzkommission der ELKL Artis Eglítis meint, dass die Beseitigung der Schäden über 100.000 Lat erfordern würde. Eine genaue Aufstellung der Kosten liegt noch nicht vor.

SR hat mehrere Gemeindepastoren und Gemeindeleiter befragt, wie sie den Orkan erlebt haben.

Schäden am Dach bedrohen ernsthaft die über die Grenzen des Landes hinaus bekannte Ladegast-Orgel in der St. Simeoniskirche in Valmiera. Der Sturm hat besonders das Dach über der Orgel beschädigt, wo insgesamt zur Zeit über 100 Dachpfannen fehlen. Die Reparaturarbeiten am Dach – besonders an dessen oberem Teil , an den man nicht auch nicht mit der Hilfe der Feuerwehr und besonderer Leitern sicher herankommen kann – werden sehr kompliziert. Am Gemeindehaus in Valmiera in der Veides iela hat der Sturm eine der Fichten abgebrochen und dabei Schaden angerichtet. Ein Wirbelsturm hat die Ventilation vom Schornstein gerissen und das Dach abgetragen.

In der Kirche von Matísi  wurden neue Dachpfannen in einer Breite von insgesamt etwa 120 qm abgetragen. Auch in dieser Kirche steht eine Ladegast-Orgel, und die abgetragenen Dachpfannen befanden sich genau über der Orgel..

Auch in der St. Annenkirche in Liepája/Libau ist das Dach erst vor  Kurzem neu gedeckt worden. Auch hier sind etwa 120 qm betroffen, was etwa ein Fünftel des Daches ausmacht. Der Gemeindepastor Jánis Bitáns meint, dass für die Reparatur mindestens 1600 Lat benötigt würden. Der Verdacht einiger Mitarbeiter, der Dachdeckerbetrieb hätte schlampig gearbeitet, hat sich bestätigt. Die Dachpfannen sind nur unzureichend befestigt worden.

Die Schäden bei den Kirchen in der Nachbarschaft sind geringer. Bei der Dreifaltigkeitskirche sind über der Orgel etwa 20 Schieferplatten des Daches abgerissen worden. In der Lutherkirche in Liepája wurde das Dachblech zur Brívíbas iela hin abgerissen. Am Montag hat es sich zwar noch gehalten, doch befürchten die Leute aus der Gemeinde, dass das Dachblech bei einem weiteren Aufkommen eines Sturmes völlig abgeweht werden könnte.

Eins der Gotteshäuser, die am meisten zu leiden hatten ist die Kirche von Ludza. Der Sturm riss dort das Dach ab und wehte es in östlicher Richtung weg. Die Gemeinde sammelt zur Zeit Spenden und sucht bei kommunalen Stellen Hilfe.

SR 2-2005                                        – 3 –

Die Kirche in Ventspils hatte unter dem Sturm nicht zu leiden. Aber die etwa 40 Besucher des  Gottesdienstes am Sonntag mussten auf den Strom dieses Mal verzichten.

Die Kirche von Salacgríva wurde durch den Sturm nicht betroffen. Zwar wurde in der näheren Umgebung ein großer Baum entwurzelt, worunter aber das Territorium um die Kirche nicht zu leiden hatte.

Bei der Kirche von Àrlava hatt der Sturm Teile der Turmbekleidung abgerissen. Die Restaurierungsarbeiten werden dadurch erschwert, dass dabei auf die Hilfe von Alpinisten zurückgegriffen werden muss, was die Kosten für die Arbeiten um etwa 300 Lat höher werden lässt.

Statt der sonst üblichen 120 Gottesdienstbesucher versammelten sich dieses Mal etwa 50 Menschen zum Gottesdienst in der St. Annenkirche in Kuldíga. Ebenso wie die ganze Stadt blieb auch die Kirche an diesem Sonntag ohne Strom. Der Sturm hatte nur in geringem Maße das Dach gestreift. Der schwere Sturm hinderte aber die Leute nicht daran, nach dem Gottesdienst unter dem Christbaum im Gemeindehause zusammenzubleiben und sich an dem von den Kindern vorbereiteten Laienspiel, an musikalischen Darbietungen und am wohlschmeckenden Mahl zu erfreuen. Über das mobile Telefon warnte der Propst die Leute seiner Propstei vor dem Orkan und mahnte sie zur Achtsamkeit beim Aufenthalt draußen und zum Gebet und empfahl ihnen, die Informationen der Regierung zur Kenntnis zu nehmen.

Ruine der St. Georgskirche in Salaspils besudelt. Santa Cilévica und Inga Reca.

Satanistische Schmierereien verunzierten die Ruine der St. Georgskirche in Salaspils. Am Nachmittag des 9. Januar entdeckte ein Einwohner von Salaspils die satanistischen Schmierereien und gab dieses dem evangelisch-lutherischen Gemeindeleiter Janis Spekis bekannt, der diese Meldung an die Polizei weiterleitete.

Der Gemeindeleiter sagte SR, dass in allernächster Zeit Farbe beschafft und die Schmierereien übermalt werden würden.

Die Ruine der einstigen St. Georgskirche befindet sich am Rande des zugefluteten Teiles der Düna. Das Kirchengebäude ist im 14 und dann im 17 bis zum 20. Jahrhundert erbaut worden und war bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts eine lutherische Kirche, die dann durch die Sowjetmacht in Etappen zerstört (sie wurde zuerst als Kfz-Reparaturwerkstatt benutzt und dann gesprengt) und schließlich überflutet wurde. Unweit der St. Georgskirche fanden Anfang des 17. Jahrhunderts die großen Kämpfe des polnisch-schwedischen Krieges statt. An dieser Stelle wurden damals etwa 9000 schwedische Soldaten bestattet. Zu deren Gedächtnis wurde an der Stelle des Altars der zerstörten einstigen Kirche durch die Einwohner von Salaspils ein Kreuz aufgerichtet.

Ein Weihnachtsfest. Aida Prédele.

Am 7. Januar wurde in Lettland das orthodoxe Weihnachtsfest begangen. Auch ich ging in die Christgeburtskathedrale und legte eine kleine Kerze zusammen mit einem Gebet Christus zu Füßen.

Es gab viele Unzufriedene, denn der Abendgottesdienst zog sich in manchen orthodoxen Gotteshäusern bis 3 Uhr nachts hin. Doch am nächsten Morgen mussten sich alle wie an jedem Werktag zur Arbeit oder die Kinder in die Schule begeben. Die Zeitungen, besonders die in russischer Sprache, bemängelten es, dass die Orthodoxen doch auch an diesem Hohen Fest einen Feiertag verdient hätten.

Dabei fallen mir wieder die ganzen Diskussionen in der Saeima, auch der jetzigen,  über diese Frage ein. Die russisch sprechenden Deputierten schlagen alljährlich Änderungen im Gesetz über „Fest- und Gedenktage“  vor, und die übrigen Deputierten machen darauf ihre Einwände gegen das viele und lange Feiern von Festen in unserem Staat geltend.

SR 2-2005                              – 4 –

Nun ist Lettland leider – oder  zum Glück (?) – ein Land mit nicht nur einer Konfession. Doch gibt es auch noch andere Erfahrungen. Blicken wir nach Finnland. Auch in Finnland gibt es eine starke orthodoxe Kirche. Dort haben sich  die Kirchen auf einen gemeinsamen europäischen Weihnachtstermin für alle Konfessionen geeinigt. So feiern die Orthodoxen in Finnland und in einigen anderen Ländern Europas das Christfest gleichzeitig mit den Lutheranern, Baptisten und Katholiken. Ein Fest, eine Gemeinde Christi, die gleichen Weihnachtsferien. Weshalb kann das nicht auch in Lettland so sein? Ich stelle diese Frage deshalb, weil die lettisch sprechenden orthodoxen Gemeinden hier bereits heute gemeinsam mit den lutherischen und katholischen Kirchengemeinden das Weihnachtsfest am 24., 25., und  26. Dezember feiern: Ein Land – ein Fest!

Noch eine Nuance über die Kerzen. Die Zeitung „Unabhängige Morgenzeitung“  veröffentlichte auch Informationen über das orthodoxe Weihnachtsfest. Dabei stellte die Autorin überrascht fest, dass es gar nicht wenige Lutheraner seien, die am orthodoxen Weihnachtsfest teilnähmen, weil es sich erwiesen hätte, dass die orthodoxe Kirche den Vorzug hätte, dass man dort eine kleine Kerze anstecken und beten könnte. Daraus entsteht der Eindruck, dass es in der lutherischen Kirche komplizierter wäre zu beten. Und wenn das ganze Geheimnis nur bei den Kerzen liegt: könnte man nicht auch in unseren Kirchen eine Stelle finden, wo man als Symbol für das Gebet eine Kerze hinstellt? In vielen lutherischen Kirchen geschieht das bereits weltweit, auch hier und dort in Lettland. Es gibt Menschen, für die es wichtig ist, für das Gebet ein sichtbares Zeichen zu haben, und die vielleicht in ihrem Glauben noch nicht so gefestigt sind, dass sie mit dem Gebet auf der geistigen Ebene auskommen. Vielleicht kann die kleine Kerze etwas dazu beitragen, die Gedanken zu formulieren und das Gebet schöner zu machen?

Erzbischof ruft beim Neujahrsempfang zum Suchen eines Fensters zum Himmel auf.

Santa Cilévica

Mit dem Christuswort „Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben“  und dem Wunsch, dass alle das Jahr 2005 als ein Jahr des Lichtes erleben möchten, begrüßte Erzbischof Jánis Vanags die Anwesenden beim Empfang am Abend des 7. Januar im großen Saal des Konsistoriums.

Dort hatten sich zum festlichen Empfang die Mitarbeiter unserer Kirche und bekannte Persönlichkeiten der Gesellschaft versammelt. Unter ihnen waren Vertreter der Medien, der Kultur und der Regierung – Menschen, mit denen es bereits eine erfolgreiche Zusammenarbeit gab und deren Einsatz viel für das Zusammenleben von Kirche und Staat bedeutet. So konnte man dort Kulturministerin Helena Demakova, den ehemaligen Bildungsminister Karlis Sadurskis, den Minister für Jugend und Familie Ainars Bastiks, den Direktor des staatlichen Denkmalsamtes Juris Dambis, Vertreter der Medien, der Presse und der Künste sowie die Leiterin des Diakoniezentrums Iveta Berkolde und viele andere antreffen.

Der Abend gab die Möglichkeit zu Gesprächen, die auf angenehme Weise durch Darbietungen des Handglockenensembles aus Sloka,  eines Trios der Musikakademie und durch den Gospelchor „Genesis Voices“ ergänzt wurden.

„Ein jeder der Anwesenden könnte jemand sein, der ein Fenster aufmacht,“ sagte der Erzbischof in seiner Ansprache. Er rief dazu auf, der Überlegenheit des Marktes, dem Zynismus, der Banalität, der Sensation und dem Individualismus der Gesellschaft keinen Raum zu geben. Das alles kommt einem Blick in den Keller gleich. Wir brauchen Fenster, um in den Himmel, in das Licht der Sonne blicken zu können. „Das brauchen wir, damit unser Lebensraum erleuchtet würde.“ Diese Gedanken sprach der Erzbischof  beim Meinungsaustausch mit den Gästen aus.

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Seminar für Gemeindeentwicklung beendet. Santa Cilevica

„Das Seminar gab die Gelegenheit, die Leute der Kirche kennen zu lernen und ihnen näher zu kommen…“ „Wir konnten über viele Dinge nachdenken und neue Ideen und Methoden kennen lernen…“ „Wir konnten erfahren, was es bedeutet, in einer Gruppe zu arbeiten…“

Solche und viele andere Erfahrungen wurden gegen Ende des von der Nordelbischen Ev.luth. Kirche veranstalteten Seminar für Gemeindeentwicklung Anfang Dezember in der Christlichen Volksschule Usma bei der abschließenden Veranstaltung laut.

Die Idee über den Zyklus von Seminaren entstand vor anderthalb Jahren aus der Tatsache, dass es in Lettland sehr viele sogenannte „Lutheraner auf Urlaub“ gibt. Wie ein ständiger Begleiter stand während des ganzen Seminars die Frage im Raum: wie fördern wir die Offenheit der Gemeinden, wie nutzen wir unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten besser, wie wachsen wir selbst besser und effektiver in den Dienst hinein. Um diese Leitsätze nicht aus den Augen zu verlieren, wurde der ganze Zyklus von denselben Persönlichkeiten begleitet: Pastoren, Pröpste, Laien und Mitarbeiter des Konsistoriums der ELKL. Das Seminar wurde mit einem aufrichtigen Interesse und großer Aufmerksamkeit für Lettland von den mit unserer Kirche verbundenen nordelbischen Vertretern Peter Barth, Volker Thiedemann und Dieter Gesewski geleitet.

Die Situation in Deutschland und Lettland ist sicher zu verschieden, um Prinzipien einfach zu übertragen. Neue Wege und Möglichkeiten muss jeder selbst suchen. Eine der ersten Aufgaben zu Beginn des Seminars war die Beurteilung der eigenen Situation. Wir versuchten zu klären, was unsere Mitmenschen von der Kirche abhält und was sie an die Kirche bindet und welches in unserer Kirche die starken und die schwachen Seiten sind, und wie wir sie am liebsten sehen möchten. Nach dem Zusammentragen der persönlichen Beurteilungen wurde „Förderung einer neuen Offenheit“ etwas ähnliches wie ein Leitmotiv des Zyklus.

Die neue Offenheit ließ uns verschiedene Gruppen der Gesellschaft betrachten, um sie besser zu verstehen und mit ihnen reden zu können. Hierbei waren die in Deutschland gemachten Erfahrungen hilfreich wie z.B. die besondere Arbeit mit jungen Familien und anderen bestimmten Gruppen. Diese machen ebenso wie andere Vorhaben auch die Gemeindearbeit farbiger. Ein besonderes Seminar beschäftigte sich mit dem Thema „Arbeit mit Projekten“ mit vielen Anregungen für die Arbeit im Team, wie man vorhandene Möglichkeiten nutzt und das Erreichte auswertet. Die Lebensfähigkeit der neuen Erkenntnisse versuchten wir auf Projekte in Gemeinden zu übertragen, die dort entweder bereits bestehen oder noch in der Phase des Entstehens sind.

Wir erkannten, dass die Verwirklichung jeder neuen Idee unmissverständlich auch von der zur Verfügung stehenden Zeit abhängt und von der Fähigkeit, diese vernünftig aufzuteilen – zwischen den Verpflichtungen im Beruf, in der Familie, in der Gemeinde, in der Gesellschaft, wobei Feizeit und Urlaub nicht ausgeklammert werden dürfen. Dabei muss beachtet werden, dass es den Einzelkämpfer wirklich nur im seltenen Ausnahmefall geben darf. Bei der Teamarbeit spürten wir, wie wichtig und effektiv diese ist. Weil aber ein jeder von uns anders ist als der Andere, gibt es immer bei der Zusammenarbeit unterschiedliche Standpunkte und Vorstellungen. Dabei darf nicht übersehen werden, dass es in einer Arbeitsgruppe der Gemeinde zu Meinungsverschiedenheiten kommen kann. Dabei ist es sehr wichtig, aufmerksam zuzuhören und die Arten der Konfliktlösung zu beherrschen. Propst Zeiferts stellte uns die Methode der kollegialen Beratung vor.

Jedes der Seminare war wie eine Oase, die Ruhe und Entspannung bescherte, stärkte und ernährte. Geistlich ernährte – durch das Wort Gottes, durch Gebet und Lobgesang, durch die Gemeinschaft und das gemeinsame Missionsbewusstsein

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Das Resultat kann nicht durch Zahlen oder Stunden beschrieben werden, sondern nur durch den geistlichen Wachstumsprozess bei jedem Einzelnen und das Maß der Verantwortung vor Gott und dem Mitmenschen.

Chefredakteurin: Inga Reca

Anschrift der Redaktion: Alksnája iela 3.- LV 1050 Riga

Übersetzung: Johannes Baumann (fertiggestellt am 21.01.2005)

Brucknerstr. 24.- D-27711 Osterholz-Scharmbeck

Nachwort des Übersetzers

Unter den Autorinnen der Beiträge finden wir verstärkt den Namen Santa Cilevica. Während des Erziehungsurlaubs von Mára Grigola hat sie den Dienst als Sekretärin des Erzbischofs ausgeübt. Nachdem Mára Grigola wieder an ihren Platz zurückgekehrt ist, hat sie nun den Auftrag erhalten, die Referentin für Angelegenheiten der Gesellschaft und die Sekretärin des Stellvertreters des Erzbischofs zu sein. Weil Santa ausgezeichnet Deutsch spricht, sind ihr dabei auch noch alle Angelegenheiten übertragen worden, die die Kenntnis dieser Sprache erfordern. So wird sie weiterhin oft die Ansprechpartnerin aller deutsch sprechenden Anrufer und Besucher sein. Das alles führt auch zu einer engeren Zusammenarbeit mit der lettischen Kirchenzeitung „Svétdienas Ríts“, was mich wiederum sehr erfreut.

Mit besonderer Betroffenheit habe ich die Meldung vom Besudeln der Ruine der Kirche von Salaspils mit satanistischen Schmierereien übersetzt, weil dort vor dem ersten Weltkrieg einer meiner Urgroßväter väterlicherseits Lehrer und Organist gewesen ist. Außerdem versieht dort heute Aida Prédele, von der in der heutigen Übersetzung auch ein Beitrag steht, den Pfarrdienst

Wie bei jeder Ausgabe, so gibt es auch bei dieser einige Beiträge, die ich nicht übersetzt habe:

Eine Predigt von Roberts Feldmanis über Lukas 2,1-7

Einen Bericht von Inga Reca über die Vorbereitung der ersten Alpha-Konferenz in Lettland im Herbst 2005.

Eine Vorstellung von Kinderbüchern von Ingrída Briede

Einen Bericht  von Ilze Gailíte „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ über einen Mordprozess in Riga

Einen Bericht über das Presseecho in Deutschland zur Flutkatastrophe in Südostasien von Lilita Klinkerte

Einen Bericht über eine weihnachtliche Gemeindeveranstaltung in Bunka von Inta Gluzge. Dazu die Bemerkung, dass dort Hans Jensson den Pfarrdienst versieht. Dieser gehört zu den schwedischen Theologen, die sich in Schweden deutlich gegen die Frauenordination ausgesprochen haben und deswegen nach den dortigen Bestimmungen nicht ordiniert werden konnten. Er hat wie ein anderer seiner Mitstudenten an die lettische Kirche den Antrag gestellt, dort aufgenommen zu werden und als Pastor mitzuarbeiten. Das wurde ihm unter der Bedingung zugestanden, dass er die lettische Sprache erlernen müsste als Voraussetzung für die Ordination. Inzwischen scheint er den Anforderungen zu entsprechen und ist von Erzbischof Vanags ordiniert und mit dem Dienst in dieser ländlichen  Gemeinde beauftragt worden. Wie man sich denken kann, hat dieser Vorgang in Schweden keinen Jubel ausgelöst.

J. B.

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